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Vinyl ... DAS Hifi-Medium

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tubescreamer61
Inventar
#152 erstellt: 04. Jun 2026, 12:13
@ DerHilt
und inwiefern soll mich deine "jahrelange Erfahrung" beeindrucken ?
Ich selbst habe ein halbes Jahrhundert an Erfahrung in der Hifi-Technik (nebst einem erlernten handwerklichen Beruf in dieser Branche).
Deine Aussage "überlese" ich ganz entspannt - sowas "trifft" mich nicht im geringsten.
MfG
Arvid
DerHilt
Inventar
#153 erstellt: 04. Jun 2026, 12:24
Besser wär gewesen, du hättest auch gelernt zu verstehen, was du liest. Wo, zur Hölle, steht da irgendwas von "beeindrucken"? Oder fühlst du dich von einer simplen Feststellung von Fakten beeindruckt?
tubescreamer61
Inventar
#154 erstellt: 04. Jun 2026, 12:25
Ach komm`...... lass`gut sein - das führt zu nix
DerHilt
Inventar
#155 erstellt: 04. Jun 2026, 12:28

tubescreamer61 (Beitrag #154) schrieb:
Ach komm`...... lass`gut sein - das führt zu nix

Die klassische sogenannte "Nichtantwort".
Rascas
Inventar
#156 erstellt: 04. Jun 2026, 12:29
Das MP3 weniger anfällig ist, finde ich weniger erstaunlich. Da wird eine erheblich kleinere Bandbreite (max. 320 kb/s) verarbeitet. Bei "richtigen" CD-Daten sind es circa das dreifache an Daten, die übertragen werden müssen.

Wahrscheinlich bekam man die Datenmenge mit der Zeit besser in den Griff. Es mag ja heute lächerlich erscheinen, aber wenn man sich vor Augen hält, dass 1983 die 3 1/2 Zoll Floppy Disc mit einer Kapazität von 0,88 MB eingeführt wurde, merkt man, wie revolutionär und herausfordernd 650 MB auf einer red book CD zur gleichen Zeit waren (mehr kam erst später). Das war schon echtes live erlebtes Sci-Fi.

Dass diese "unglaublichen" Datenmengen überhaupt sauber abgespielt werden konnten, war ein technisches Wunder, was bis heute nachwirkt: die CD ist immer noch im Markt und bietet immer noch den Benchmark zwischen low- und hi-Res. Qobuz nennt seine Standard-Qualität immer noch "CD-Qualität". Für einen in den 1970s entwickelten Standard absolut erstaunlich (wenn man sich die allgemeine Computer-Entwicklung in dieser Zeit vor Augen hält).

Ich halte die Einführung der CD für einschneidender als z.B. die Entwicklung der Schallplatte. Technisch war Vinyl "nur" ein notwendiger Zwischenschritt, weil man analog halt sonst nicht weiter gekommen wäre und digital noch nicht am Horizont war. Wenn man es genau nimmt, war die Hoch-Zeit der Schallplatte von maximal 1960s bis 1980s. Also maximal 25-30 Jahre. Die CD als nach wie vor meistverkauftes physikalisches Musik-Medium in Deutschland gibt es inzwischen seit 43 Jahre und sie ist der Wegbereiter und Benchmark für alle digitalen Arten Musik zu hören. Die Schallplatte macht dagegen nur einen kleinen Teil des Umsatzes und der verkauften Stück aus. Schallplatte 6,3 % Umsatz-Marktanteil; CD 7,2 %; andere digitale Arten 85,8 % (alles 2025). Wenn man das auf Stückzahlen rechnen würde, dann verschiebt sich das noch mehr zu Ungunsten der Schallplatte (siehe weiter unten). Schallplatte dürfte mit Abstand der teuerste relevante Musikdaten-Träger im Markt sein.

Was ich an dieser Statistik auch erstaunlich finde, sind die so krass unterschiedlichen Veröffentlichungszahlen physisch und digital: es erscheinen circa 10 x mehr Alben pro Jahr im Streaming als physisch. Dass das 2016 so war, kann ich verstehen: da hatte Streaming noch was nachzuholen. Aber 2025?! Vinyl-Liebhaber bringen oft als Argument, dass sie ihre Musik oft beim Streaming nicht finden. Eigentlich sollte es bei den Zahlen genau anders herum sein...

Mich wundert diese krassen Zahlen aber auch: ich habe bei Qobuz mal eine meiner Lieblingsbands eingegeben: Supertramp. Das ist ja nicht irgendwer aus irgendeiner Nische. Da fehlen ganze 4 Alben aus deren Diskografie (die ersten und die letzten Beiden). Klar kann man sich über Relevanz speziell dieser Alben streiten. Aber das kann man bei 3 Millionen neuen Stream-Alben im Jahr 2025 sicher öfters... Vielleicht komme ich ja nur mit diesen großen Zahlen nicht klar, aber wer hört das alles? Mich würde echt mal eine Statistik interessieren, wo ein Streamdienst sagt, welche von diese Millionen Titeln niemals abgerufen werden. Meine Phantasie schätzt 80 %. Oder liege ich so sehr daneben? Wie schätzt Ihr das?

Das Gleiche denke ich, wenn ich einen Vinyl-Laden betrete: wer kauft das alles? Bei Vinyl will man doch zumindest eine Seite gerne durchhören. Mir fallen gar nicht so viele Alben ein, die das erfüllen. Und bei einer Neu-Veröffenlichung, die ich nicht kenne, gebe ich doch nicht blind so viel Geld aus um dann festzustellen, dass ich das nicht gerne (durch-)höre. Aber vielleicht verstehe ich das Hobby Vinyl einfach nicht oder bin der Falsche dafür...

Weiter:

Die Zahl der Vinyl-Umsatze ist seit 2016 um 116 % gestiegen. Hurra! Die Zahl der Streaming-Umsatze im 400 %. Upps!

Es gibt auch einen Stückzahlen-Vergleich: 10,6 Millionen CD-Alben gegenüber 4,5 Millionen Vinyl-Alben in 2025 (Deutschland). Wie erwartet, geht da die Schere richtig auseinander. 2025 war sogar Vinyl etwas rückläufig (2,4 %). CD verliert Jahr um Jahr, aber es werden immer noch mehr als doppelt so viel CDs verkauft wie Schallplatten. Erstaunlich, oder? Wenn man in dem Hobby ist, will man das ja nicht wahr haben, aber BluRay-Audios, SACDs etc. werden ebenfalls immer weniger verkauft. Dolby Atmos als Musikformat auf physikalischen Musikdatenträgern ist "Nische in der Nische". Das war mir ja klar, aber die Zahlen zeigen, dass diese Nische schrumpft. Das scheint also ebenso gescheitert zu sein, wie alle Vorgänger auch. Mehrkanal-Musik als Massenphänomen wird es wohl zumindest physisch niemals geben. (Das macht das als Nische und Hobby umso interessanter... )

Bei aller Euphorie und Freude am Hobby: das sieht nicht danach aus, dass Vinyl DAS HiFi-Medium ist. Eher im Gegenteil. Trotz aller Schlechtrederei ist die CD (zumindest in Deutschland) der stärkere Umsatz- und vor allem Mengen-Bringer bei physikalischen Musik-Medien. Die Musikindustrie unterscheidet zwischen Vinyl, CD und "digital". Eigentlich gehört CD und digital zusammen. Die CD ist die "Mutter" aller digitalen Musikdaten.

Wenn man "digital" und "analog" vergleicht, wie das hier im Forum bzw. bei unserem Hobby passiert, dann ist analog kaum relevant im Markt. Sorry!

Wobei die Statistik der Musikindustrie meiner Meinung nach hinkt: Bei den physischen Musik-Medien wird nur der Kauf gezählt. Niemand weiß, wie oft eine Schallplatte oder eine CD abgespielt wird. Ebenso bei downloads. Bei Streaming dagegen wird jedes anklicken/abspielen gezählt. Klar, der Industrie geht es "nur" um Umsatz. Es kann ihnen herzlich egal sein, was die Kunden letztlich mit der Musik machen (oder nicht). Aber Kontrolle darüber ist ihr wichtig. Deswegen ist CD, seitdem man sie kopieren kann, auch ein ungeliebtes Kind. Vinyl ist großartig, weil es einen perfekten Kopierschutz bietet. Und Streaming so wie so, weil jeder Klick zählt.

Trotzdem versucht die Musikindustrie zu erfassen, wie Musik gehört wird und kommt bei physischen Musik-Medien auf 6 % (da steckt dann auch Vinyl drin); Premium-Audio-Streaming kommt auf 27,3; am meisten wird wohl noch Musik über "klassisches Radio" gehört (28,6 %). Diese Zahlen können ja nur aus statistischen Erhebungen entstanden sein, weil messen kann man das nicht. Das hat mit dem Eindruck, den man hier im Forum gewinnen kann, nichts zu tun. Entweder treffen sich hier nur Hobbyisten, die eben nichts anderes machen als den ganzen Tag Vinyl (oder CD) zu hören (je nach Gusto) oder wir sind nicht ehrlich zu uns selbst.

Meine These dazu ist, dass man da Äpfel und Birnen vergleicht: streamen ist für viele (nicht alle!) "nur" ein Radio-Ersatz. Ob das den ganzen Tag vor sich hin dudelt oder nicht, macht keinen Unterschied. Bei Vinyl, CD, download ist das anders: da hat man für das einzelne Album gezahlt und will das viel eher und bewusster nutzen. 6 % Vinyl-hören können viel intensiver sein als Hintergrundberieselung bei Radio oder streamen. Und bei Vinyl und CDs gibt es einen "After-market". Es sind unzählige gebrauchte Vinyls und CDs im Umlauf, die in diesen Statistiken nicht auftauchen. Ich für meinen Teil kaufe seit Jahren mehrheitlich gebrauchte Medien. A viel günstiger; B qualitativ kaum schlechter als Neuware. Da gibt es in allen Bereichen sicher Grauzonen, aber das ist halt schwer zu erfassen und letztlich egal, so lange die Kunden neu das kaufen, was der Industrie am besten in den Kram passt.

Siehe auch:

Zahlen Bundesverband der Musikindustrie 2025

Die Statistik auf Seite 4-5 finde ich besonders faszinierend, weil sie die Entwicklung des Marktes über einen langen Zeitraum dokumentiert.

Diese Statistik wurde Ende April veröffentlicht und ich schaue da eigentlich jedes Jahr gerne mal rein, auch wenn ich manches kritisch sehe. Es ist aber interessant zu erfahren, wie die Branche "Ihren" Markt sieht. Und vielleicht hilft das ja auch uns, bestimmte Dinge besser einzuordnen.
jandus
Stammgast
#157 erstellt: 04. Jun 2026, 12:30

tubescreamer61 (Beitrag #154) schrieb:
Ach komm`...... lass`gut sein - das führt zu nix


Es gibt Teilnehmer, mit denen muss man nicht diskutieren.
hifi_raptor
Inventar
#158 erstellt: 04. Jun 2026, 12:43

Ich hatte auch einmal überlegt ob ich mir eine Museumsanlage mit ausschließlich Dual Komponenten hinstellen soll.
Habe mich glücklicherweise 😅 dagegen entschieden.
Da wären dann LP‘s erforderlich gewesen, mit alten Erstpressung. Bin auch alt. Und Cassetten!
Aber wohin mit dem Krempel?
Dann habe ich die Preise für, wahrscheinlich funktionierende Komponenten - wie lange noch funktionierend? - gesehen, da war dann die Entscheidung sehr sehr leicht. Nein Danke.
Die Preise für Erstpressungen - gebraucht und abgenudelt - sind ebenfalls ein Witz.
Dafür bekommt man schon viel Luxuriöses HiFi.
Der Einstieg über einen neuen Dreher in 2026 ist auch nutzlos, zumal ich dann auch noch eine Naim SL als Phono Vorstufe gebraucht hätte.
Kostet alles endlos Geld und teuren Wohnraum.
Die neuen LP‘s in dann passender Qualität, so MFSL One Step Pressing für ein Hunni das Album?
In soweit bin ich da vor „törichtem“ Verhalten geschützt.
Schönen Tag noch
hifi_raptor
Inventar
#159 erstellt: 04. Jun 2026, 13:00
Übrigens das Streaming ist für die Bosse der MI perfekt! Bald muss man für jeden Aufruf bezahlen.
Physische Medien verursachen regelmäßig Herzinfarkte bei den MI Bossen, denn physische Medien können kopiert werden.
Für Musiker wäre die Abkehr vom pauschalen Streamingabruf auch besser. Werden sie dann doch auch besser vergütet werden.
Musiker bevorzugen dann doch lieber den Verkauf über physische Medien und Downloads.
Wobei ein Musiker nichts davon hat wenn eine LP für 100€ verkauft wird.
Schönen Tag noch.
Yamahaphilist
Stammgast
#160 erstellt: 04. Jun 2026, 14:03
Vinyl ist Digital Detox pur, fürs Runterkommen, haptisch, frickelig, knistrich, unvollkommen, irgendwie therapeutisch… ersetzt den Psychokempner. Dazu ein Glas Rotwein…, Fläschchen Bier geht auch. Und schon funzt es.
hifi_raptor
Inventar
#161 erstellt: 04. Jun 2026, 14:23

Für ein Glas Rotwein 🍷 brauche ich keine LP. Da reicht einfach schon ein gutes Album.
Einfach ein paar Buchstaben in die Suchzeile, antippen und Play drücken.
Lauscher und Mund auf, Augen zu. Wobei ein edler Tropfen von der Musik ablenken kann
Einen schönen noch und immer eine gute Scheibe unter Nadel / Laser / HDD Lesekopf / SSD Controller
#Gourmet
Stammgast
#162 erstellt: 04. Jun 2026, 14:27
Streaming ist nicht anderes als Fast Food
hifi_raptor
Inventar
#163 erstellt: 04. Jun 2026, 14:42
Servus
Du erklärst mir jetzt hoffentlich was Streaming mit Fast Food zu tun hat.
Nur weil es zappende Menschen gibt, oder welche die sich nicht mehr länger als 20 Sekunden auf etwas konzentrieren können, besteht da immer noch kein Zusammenhang.
Von wo aus ich ein Album zum hören aufrufe ist sowas von egal. Und nur weil die Digitale Welt ein größeres Paket schnüren kann hat das immer noch nichts mit Fast Food tun.
Entweder genieße ich ein Album, oder lasse es.
Schönen Tag noch


[Beitrag von hifi_raptor am 04. Jun 2026, 14:43 bearbeitet]
DOSORDIE
Inventar
#164 erstellt: 04. Jun 2026, 14:49
Naja, klar ist mp3 unempfindlicher auch als "Datenmenge", aber diese späteren mp3 CD Player hatten ja teils 3 Minuten große Puffer - auch für unkomprimierte Musik, aber das war dann auch die Zeit wo man mp3 Player mit 64 MB für 20 Euro kaufen konnte. In den 90ern war elektronischer Speicher (also nicht auf HDD) noch sauteuer, da hätte man nicht eben mal 3 oder 4 MB für 20 oder 30 Sekunden Redbook Puffer einbauen können, weil so ein Discman dann anstatt der ohnehin schon teuren 270 Mark halt mal eben das Doppelte gekostet hätte. Ich vermute mal, dass das EASS oder wie es bei Sony hieß ESP einfach die Bit und Samplingrate etwas runter gesetzt hat, sodass man mit 1 MB, evtl. auch weniger ohne zusätzliche Komprimierung auskam.

Ansonsten darf man nicht vergessen, dass heute ein Haufen KI Müll generiert wird und Spotify das nicht mal kenntlich macht. Viele dieser VÖs sind vielleicht auch auf sowas zurück zu führen und wahrscheinlich wird das nie Jemand bewusst hören, ausser der Algorithmus serviert es Einem.

Und deshalb sehe ich das auch bei Analogen Medien grundsätzlich distanziert. Das Interesse ist grundsätzlich immer mal wieder da, weil es in Filmen und in der Popkultur gehypt wird, basically wird es aber in der Masse nie wieder zurück kommen, wie das früher mal war. Der Hype wird also letztendlich vom Frühstücksfernsehen und von Medien gemacht, wenn Ihnen mal wieder nix einfällt.

Das ist wie dieses "Bleistift - Kassette" T Shirt. "Kennst du den Zusammenhang…". Ja. Wir saßen den ganzen Tag in der Schule und haben Nichts Anderes gemacht, als Kassettenbänder aufzuwickeln. Das ist im Durchschnitt Alle 3 Minuten passiert und man konnte froh sein, wenn mal ein Lied störungsfrei durch gelaufen ist, also abgesehen von dem Leiern und Rauschen und dem dumpfen Klang. Das was von der Musik dann erkennbar war halt. Wir hatten ne Menge Fantasie damals. NICHT.

Aber da sitzt dann irgend ne Gülcan oder Kai Pflaume oder Elton vor so ner Bluebox und erzählt genau so einen Kram und irgendeiner sagt garantiert "OOOOhhhhh Musik vom Radio aufnehmen, ich habs geliebt, und man hat immer gehofft, dass der Moderator nicht rein quatscht…". Das wird dann so erzählt, als wär genau das was richtig Geiles und dann wollen die Hipster genau das und dann wird das richtig abgekultet, son neuartiger billig Walkman und ein 2 Euro Kopfhörer mit orangen Ohrpolstern gekauft, weil schliesslich ALLLLE in den 80ern und 90ern orangene Ohrpolster hatten. Das lag daran, dass es damals noch kein schwarz gab. Mir hat mal ne Bekannte erzählt sie bräuchte ihre Hörspiele Alle im Cassettensound. Und die hat sich dann von irgend nem Server, Alles was es digital eigentlich eh gibt (John Sinclair, 3 Fragezeichen und so) in Versionen runterlegaden, die Jemand wahrscheinlich mit einem billigen Digitalisierer oder einem total kaputten Kassettenrecorder in richtig mieser Qualität digitalisiert hat.

Also ganz ehrlich, wenn ne Cassette kaputt ist, kann die echt scheiße klingen, aber so scheiße, wie das haben die auch auf den Geräten, die ich in meiner Kindheit hatte nie geklungen, ausser sie waren echt kaputt. Ich habe Meine Kindercassetten, als ich jugendlich war meiner Großcousine vermacht. Als mein Sohn dann in einem aufnahmefähigen Alter war, habe ich mir das, was noch übrig war wieder geholt (das war ein Großteil). Die waren und sind trotz der sicher nicht guten Behandlung durch meine und ihre Kinderhände Alle noch hörbar und klingen größtenteils noch super.

Das ist ne kollektive Erinnerung, die durch permanente Darstellung als totales Drecksmedium in die Leute der Köpfe gepflanzt worden ist. Auch relativ billige Recorder waren früher nicht so mies, wie das, was daraus heute gemacht wird aber aus irgendeinem Grund finden die Leute genau das schön und wollen das so.

Und bei Schallplatten ist es genau so. Die Platte war früher Mittel zum Zweck. Da hat eigentlich keiner von diesem religiösen Ritual gesprochen. Wenn du Musik hören wolltest musstest du halt ne Platte auflegen, weil ging nicht anders. Bei mir warens eher CDs und Cassetten. Klar hab ich gern Platten gekauft, auch als die grad out waren, aber das hing auch viel damit zusammen, dass ich als Jugendlicher nicht viel Geld hatte und mich schon immer sehr für alte Musik interessiert hab. Einen Sampler aus den 80ern und irgendwelche Hit Alben mit genau der Musik, die ich erst mal entdecken wollte, konnte ich dann für 2 bis 5 Mark auf Flohmärkten und in der Wühlkiste kaufen. Das bedeutete natürlich auch, dass ich dadurch viel schneller viel mehr Musik hatte.

Ich hab in dem Moment eigentlich selten gedacht "Oh jetzt zelebriere ich die Musik an meinem heiligen HiFi Schrein…", Ich fand das schön mich aufs Bett zu legen und die Platte von vorne bis hinten anzuhören, sie möglichst auch direkt für den Walkman aufzunehmen und ich fand und finde es immer noch schön das Medium in der Hand zu haben, aber so wie das manchmal dargestellt wird ist mir das doch ein Bisschen viel des Guten. Klar liebe ich das, ich liebe meine alten Geräte, meine Walkmans,Ghettoblaster, meine "Items" und ich verbringe viel Zeit damit und ja das fühlt sich anders an, als Spotify, manchmal emotionaler, schöner, keine Ahnung. Aber die Musik, die am Ende bleibt, ist auch auf AirPods mit dem iPhone ne emotionale Erfahrung und bleibt es auch, wenn es mal keine Kassetten mehr gibt.

Es ist wie dieser Ausdruck "Lebensgefühl", so richtig funktioniert das für mich nicht, weil ich zu jeder Zeit einen Alltag hatte. Retrospektiv wird das dann Alles so romantisiert und auf einige Wenige Momente reduziert. Plötzlich war zur NDW Zeit so ein riesiger Aufbruch, Alle waren total crazy und sind den ganzen Tag in pinken Cabrios rumgefahren und es kam ungefähr aus jedem dieser Autos, die natürlich auch eine Mörder Anlage mit Topp Blaupunkt oder Alpine Radio hatten, 24/7 Carbonara und Nur geträumt und Rosemarie und Ich will, es war die gesamten Jahre 1982 bis 1983 365 Tage sommerliche 25 Grad, hat nie geregnet und Alle waren entweder auf dem Rummelplatz oder saßen auf irgendeiner geilen Wiese rum wo immer nur tolle Musik lief, selbst, wenn sie keinen Radiorecorder dabei hatten. 1984 wurde die NDW dann durch Breakdance abgelöst und an jeder Ecke standen 5 riesige Sharp Ghettoblaster und es lief permanent Street Dance, Hey You Rocksteady Crew, Irgendwas von Shannon und NOJOB oder IOU von FREEEZ. Und dann sagen Alle "Ja, das war halt das Lebensgefühl damals.".

Wenn mich jetzt einer nach meinem Lebensgefühl fragen würde, würd ich sagen "Ja normal halt ne. Arbeiten, Essen, Schlafen, n Bisschen was für die Hydraulik, Fernsehen, Medien konsumieren, Spazieren und Alltagsdinge machen, Einkaufen, Klo putzen, am Wochenende gelegentlich feiern, Tanzen gehen, Freunde treffen." und grundsätzlich war das vor 20 Jahren nicht anders. Dann wird aber so getan, als hätte man in den späten 90ern den ganzen Tag nur Snake gespielt und ist eigentlich nur zur Schule gegangen um da abzuhängen, wie in ner amerikanischen High School Serie, wo der Unterricht praktisch nicht statt findet. Ich hatte nie ein Nokia Handy. Und vor Allem werden Dinge dann auch voll vermischt. Die 90er werden auf Eurodance und Tamagotchis reduziert. Dabei fand das gar nicht parallel statt. Die 80er sind dann irgendwie Zauberwürfel, Walkman, Atari, Arcade Hallen, die es hier in der Form wohl nur kurzzeitig gab, Toupierte Frisuren und auch gern Dinge, die eigentlich nur in amerikanischen Filmen statt finden oder fanden, jedenfalls gar nicht oder eher weniger in Deutschland. Und irgendwie besteht auch jedes Jahrzehnt gefühlt nur aus 50 Hits. Hinzu kommt dann auch noch die völlig unterschiedliche Lebensrealität von Leuten aus dem Osten und dem Westen, das Landleben, das Stadtleben usw.

Wenn ich dann wieder irgendwo höre oder lese "Retro ist wieder in…". Retro war immer in. Von Generation zu Generation gab es immer Nostalgie, immer Dinge, Gegenstände, Gadgets die grad besonders beliebt oder wertvoll waren, Sachen die plötzlich in leicht anderer Form wieder hip waren, z.B. diese Aufblasbaren Sessel oder Lavalampen, als ich 14 war. Plötzlich hatten Alle sowas. Schlaghosen kamen alle paar Jahrzehnte mal wieder und sind es jetzt auch wieder. Neulich war ich im Bershka und hab da ein Reprint von einem Backstreet Boys Shirt original so gesehen, wie es die Mädels zu meiner Grundschulzeit getragen haben. Jetzt tragen das die 14 jährigen und wissen wahrscheinlich nicht, wer die Backstreet Boys sind. Aber so ne "Altmüllverwertung" ist ja nix Neues. Im Moment ist son Clash. Zig Styles aus allen Dekaden der Popkultur durcheinander. Viele Kids sehen jetzt aus, wie wir damals, andere feiern mutwillig den "Zonengabi" Look, ohne den Hintergrund zu kennen, weil sie irgendwie meinen das wäre stylish und seit Jahren fahren Alle wieder auf diese Drahtgestell Helmut Kohl Brillen ab, im Moment werden die Rahmen immer dicker, einige Leute aus dem näheren Umfeld sehen damit fürchterlich zornig aus, aber irgendwie erinnert es mich auch sehr an alte Filme aus den 60er und 70er Jahren. Ich glaube die Masse macht sich darüber nicht so Gedanken.

Letztendlich ist ja das "Lebensgefühl" eine nachträgliche Interpretation. Wenn mich einer in 20 Jahren fragt, wie ich die 2020er fand und wie da das Lebensgefühl war… Keine Ahnung. War halt "normal". Pandemie war scheiße, hab da aber auch gute Erlebnisse gehabt und rückblickend stand das bei mir gar nicht so im Vordergrund, letztendlich hat man mit den Einschränkungen gelebt und dann ging's weiter. Gesamtheitlich kein Anderes Lebensgefühl als jetzt. Ach keine Ahnung ey.

Es ist jedenfalls unmöglich ein Gefühl zu rekonstruieren, das man entweder nie hatte oder so zu tun, als wär das Alles nie passiert. Es wird nicht mehr 1985, wenn ich in Klamotten aus der Zeit mit Musik aus der Zeit die Straße lang tanze, aber wahrscheinlich hätte sich der Moment 1985 auch gar nicht so anders angefühlt, als man im Nachhinein erwartet. Am Ende gehts doch nur um eins: Ne künstliche Sehnsucht nach ner besseren Zeit zu schaffen, die gar nicht besser war, aber wofür Leute konsumieren und Geld ausgeben. Wenn man dann den x-ten Beitrag und Bericht liest, sieht, hört fühlt man sich verbunden, denkt man ist Teil von was Großem und bekommt vielleicht Lust auf Dinge, die man gar nicht vermisst oder nie besessen hat um aus der Gegenwart in eine Vergangenheit zu fliehen, die es so nie gab.

Das ist wie diese Haltung von Leuten die meinen früher wär alles haltbarer und besser zu reparieren gewesen. Die erzählen dann schon jetzt, wenn sie sich einen neuen Fernseher oder ein Smartphone kaufen, dass das ja nicht hält, das wissen die schon vorm Auspacken und das erzählen die selben Leute auch seit ich denken kann.


[Beitrag von DOSORDIE am 04. Jun 2026, 14:53 bearbeitet]
hifi_raptor
Inventar
#165 erstellt: 04. Jun 2026, 15:01
Morgen
Wenn ich Musik aus meiner Zeit mit geschlossenen Augen höre kann ich mich in diese Zeit zurückversetzen.
Die Musik ist der Kristallisationspunkt!
Gruß
#Gourmet
Stammgast
#166 erstellt: 04. Jun 2026, 15:02

hifi_raptor (Beitrag #163) schrieb:
Du erklärst mir jetzt hoffentlich was Streaming mit Fast Food zu tun hat.
Nur weil es zappende Menschen gibt, oder welche die sich nicht mehr länger als 20 Sekunden auf etwas konzentrieren können, besteht da immer noch kein Zusammenhang.


Streaming-Dienste bieten Unterhaltung auf Knopfdruck, ähnlich wie Fast Food jederzeit verfügbar ist. Streaming-Plattformen servieren Musik ähnlich wie Fast-Food-Ketten Menüs

Es gibt genügend Studien online, wie Streaming heute genutzt wird und diesen Vergleich bestätigt.
Zaianagl
Inventar
#167 erstellt: 04. Jun 2026, 15:10
Genau! Und das ist ausnahmslos so!
Und die Mukke selbst die da gehört wird ist auch Scheiße! Fast Food Mukke eben!
Und dann sowieso bloß über billige IE oder BT Brüllwürfel!
Nämlich!
jandus
Stammgast
#168 erstellt: 04. Jun 2026, 15:27
Danke @DASORDIE für deine interessanten Beiträge...
hifi_raptor
Inventar
#169 erstellt: 04. Jun 2026, 15:54
Morgen
Nur weil man einen Tonarmlift bedienen muss, ist das nicht jederzeit verfügbar? Verfügbarkeit ist kein Kriterium für Fast Food. Zwischen der Playtaste am CD Player drücken und der Playtaste in der App zu drücken ist ein Unterschied?
Was hat das mit scheiß Mukke zu tun? Also ich wähle meine Musik mit Bedacht aus. Streamingdienste bestehen nicht nur aus scheiß Mukke. Wenn das bei Spotify so ist, muss man sich halt einen anderen Dienst aussuchen. Oder der Streamingdienst hat per se nicht die Musik die man hört.
Und bin der letzte der Musik über Brüllwürfel hört. Zwischen einem Audiostream eines Albums von einem Streamingdienst oder von meinem NAS besteht (fast) kein Unterschied.
Aber klar kann man das so sehen wenn man will. Und natürlich auch gerne zum Plattenregal laufen um es spannender zu machen.

Gruß und schönen Resttag
#Gourmet
Stammgast
#170 erstellt: 04. Jun 2026, 16:12
Es geht um die Weise, wie heute Musik von der Mehrheit konsumiert wird und das ist Fast-Food-Konsum und die AI erstellte Musik = Junk Food.
hifi_raptor
Inventar
#171 erstellt: 04. Jun 2026, 16:21
Dann gehöre ich halt zu einer Minderheit
jandus
Stammgast
#172 erstellt: 04. Jun 2026, 16:25

#Gourmet (Beitrag #170) schrieb:
Es geht um die Weise, wie heute Musik von der Mehrheit konsumiert wird und das ist Fast-Food-Konsum und die AI erstellte Musik = Junk Food.


Die "K-tel Power Hits"-Sampler aus den 1970ern bieten eine großartige Hit-Auswahl, jedoch nur mäßige Tonqualität. Um auf einem kleinen Tonträger viele Lieder unterzubringen, wurden die Rillen bei Vinyl eng geschnitten, was zu Höhenverlusten und oft gekürzten Songversionen führte.

War früher auch nicht anders,wo in vielen Wohnzimmer preiswerte Musikanlagen standen.

Da wurde auch nur Musik "konsumiert"
Zaianagl
Inventar
#173 erstellt: 04. Jun 2026, 16:25
Gehts hier nicht um diesen wiedergabetechnischen Mist mit diesen riesigen Scheiben und dem suboptimalen Frequenzgang hin und her Gebiege?
hifi_raptor
Inventar
#174 erstellt: 04. Jun 2026, 16:36

Also wenn ich Michael Fremer zuhöre, reden wir eben nicht über „wiedergabetechnischen“ Mist.
#Gourmet
Stammgast
#175 erstellt: 04. Jun 2026, 16:59
Technisch betrachtet ist die CD der Schallplatte in den meisten messbaren Disziplinen überlegen. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass sie von jedem als besser klingend empfunden wird. Viele Vinyl-Masterings aus den 60ern bis 80ern bleiben klanglich das Maß der Dinge. Unübertroffen! Da hilft auch die 99. CD-Neuauflage oder 24/192 Hi-Rez nichts, wenn das Mastering Schrott ist. Für viele Musikliebhaber ist die Frage daher weniger „Was ist genauer?“, sondern „Was macht mir mehr Freude beim Hören?“.
tubescreamer61
Inventar
#176 erstellt: 04. Jun 2026, 17:13
Man kann sich ja noch ewig über die technischen Nachteile einer Vinyl-Pressung gegenüber einer CD oder streaming auslassen.
Tatsache ist, das Vinyl nicht mehr DAS Hifi-Medium ist .......... war es aber mal - für relativ lange Zeit.
........... andererseits hat man mittlerweile auch festgestellt, das die CD offenbar doch nicht DAS "langzeitstabile" Speichermedium ist.
Habe ich zufälligerweise mal in einer Zeitschrift gelesen - weiß aber nicht mehr welche (war aber eine glaubhafte Quelle).
Streaming ist - wenn ich das hier richtig verstanden habe - aber auch nicht "langzeitstabil". Magnetbänder haben über längere Lagerdauer das Problem der "durchmagnetisierung" der Bandwickel ("Geisteraufnahme" im Hintergrund).
Was bleibt also ? ............... auch, wenn die Qualität mit jeder Abtastung minimal "schlechter" wird.
Ich bin jetzt aber kein "glühender Vinyl-Fan" - obwohl ich eine umfangreiche Schallplattensammlung besitze.
Gruß
Arvid

P.s: Lustig in diesem Zusammenhang: Keine (menschliche) Kapelle spielt 2 oder mehrmals ein und das selbe Musikstück absolut gleich - die hören sich immer leicht unterschiedlich an.
Nachdenklich hat mich damals ein Auftritt der Stones in Oberhausen gemacht ................ absolut grausam (Mick Jagger hat fast keinen Ton getroffen und Keith Richard habe ich auch schon mal besser spielen gehört).


[Beitrag von tubescreamer61 am 04. Jun 2026, 17:21 bearbeitet]
hifi_raptor
Inventar
#177 erstellt: 04. Jun 2026, 17:15
Morgen
Was gutes Mastering ist dürfte so individuell gesehen werden wie „Klang“ individuell wahrgenommen wird.
Und was hilft gutes Mastering wenn noch viele andere Geräusche beim abspielen dazukommen.
Überhaupt wie muss gutes Mastering eigentlich klingen?
Schönen Abend


[Beitrag von hifi_raptor am 04. Jun 2026, 17:16 bearbeitet]
flexiJazzfan
Inventar
#178 erstellt: 04. Jun 2026, 17:16
Also DOSORDIE , da waren ja in #164 so viele knackige Sätze, die sollte man vielleicht noch ein paarmal lesen!

Ja die Schaffung einer Vergangenheit, die es so nie gab, eben "great again", ist bei vielen Hobbytreibenden üblich. Das reicht von den Briefmarkensammlern über die Oldtimerschrauber bis zu "Omas Küche" und zum Phonographen.

Seien wir ehrlich: Hat man jemals so viel Musik in so guter Qualität hören können?

Gruß
Rainer
#Gourmet
Stammgast
#179 erstellt: 04. Jun 2026, 17:30

hifi_raptor (Beitrag #177) schrieb:

Überhaupt wie muss gutes Mastering eigentlich klingen?


Ein Album besteht aus Aufnahme-Mix-Mastering. Wie es klingen muss? So wie es der Musiker oder die Musikerin authorisiert.

Heute bestimmen weniger die Künstler den Klang einer Platte, sonst würde ein Album nich in unterschiedlichen Komprimierungen veröffentlicht. Grotesk, das heute meist CD und Streaming in miserabler Qualität veröffentlicht wird, während die LP nahezu den vollen Dynamikumfang aufweist.
tubescreamer61
Inventar
#180 erstellt: 04. Jun 2026, 17:31

.......... über die Oldtimerschrauber ............


Stimmt - Ich habe u. a. eine "olle brätische Triumph" ........... und genaugenommen ist das ein "Sche.ß-moppet". Da sind konstruktiv so viele "typisch britische" Lösungen/Eigenheiten ...... das würde kein Konstrukteur der Welt so machen (wenn er nicht von "der Insel" käme).
Trotzdem macht das Ding irre Spaß.
Und auch die "Kult-Karre" aus den Vereinigten Staaten ist eigentlich ein "Schei.haufen" - erfreut sich aber schon seit Jahren einer treuen Fan-Gemeinde (die "Company" war ja clever - sie behauptete schon vor Jahren: Wir verkaufen keine Motorräder, wir verkaufen einen Lifestyle ).
Gruß
Arvid
rat666
Inventar
#181 erstellt: 04. Jun 2026, 17:31

Ja die Schaffung einer Vergangenheit, die es so nie gab, eben "great again"

Das liegt in der menschlichen Natur, mann erinnert sich eben besser an das Gute und erinnert sich verklärt an seine Juzgend.

als ich anfing war MC und Platte neben dem FM Radio das Maß der Dinge, Tonband war unbezahlbar und etwas anderes gab es nicht.

Was war ich damals stolz auf meine erste Anlage bestehend aus Geräten von Denon, Pioneer und einem Thorens Dreher im schwarzen Sperrholzrack mit Glastüre

Das Ganze hat retrospektiv betrachtet absolut Kacke geklungen aber ich hatte einfach nur Spaß damit.

Das Internet gab es damals auch noch nicht, also hat man sich über diverse Zeitschriften seine Informationen geholt (und auch gegelaubt)
tubescreamer61
Inventar
#182 erstellt: 04. Jun 2026, 17:42

...... Tonband war unbezahlbar ......

Hatte in meiner Lehrzeit ein Telefunken Magnetophon 2000 und - aus Preisgründen - immer die "Billig-Shamrock" Bänder gespielt .......... das hat (gefühlt) so schnell den Kopfspiegel durchgeschliffen, da hätte man auch Schmirgelpapier nehmen können :-)
Gruß
Arvid


[Beitrag von tubescreamer61 am 04. Jun 2026, 17:43 bearbeitet]
hifi_raptor
Inventar
#183 erstellt: 04. Jun 2026, 17:50

Äh die gute alte Zeit bestand aus einer orangenen Plandrehmaschine aus Plastik und Mono Lautsprecher. Natürlich tragbar. Quasi der Vorläufer des Walkman.
Zudem hatte ich eine Schallfolie und eine K-TEL. Das Abspielen der Beatles Abbey Road von meinem Bruder wurde mir unter Drohungen untersagt. Aber er war ja nicht immer daheim.
Aber das Feeling beim Hören der Abbey Road ist immer noch da Wenn auch jetzt von HDD.
Doch die gute alte Zeit.
Schönen Abend
Yamahaphilist
Stammgast
#184 erstellt: 04. Jun 2026, 17:57
Plattenreinigung ging damals doch inetwa so, drauf gespuckt und mit Taschentuch sauber gerieben
DOSORDIE
Inventar
#185 erstellt: 04. Jun 2026, 18:04
@#Gourmet : Das haben wir bereits seitenweise besprochen. Ja, es gibt Platten die subjektiv besser abgemischt sein mögen oder vielleicht sogar auch objektiv (was auch immer objektiv oder besser in diesem Fall ist), aber das ist halt das, was ich schon vor vielen Seiten geschrieben habe. Das macht es halt technisch nicht überlegen. Es kann ja nicht die Ausrede sein, dass manche Platten besser klingen weil sie irgendein Dulli halt besser abgemischt und es bei der CD versemmelt hat, das die Platte auf Ewig das bessere Medium ist und ihre Limitierungen aber Alle irgendwie entschuldigt und verniedlicht werden. Das dreht sich wortwörtlich im Kreis. Emotional, haptisch usw. kann die Platte subjektiv schöner sein. Das macht sie technisch aber nunmal auch nach 100 solcher Posts nicht besser als digitale Medien.

Ich glaube für die Magnetophone braucht es keine Shamrock Bänder um die Köpfe abzunudeln. Telefunken wird ja oft als Qualitätsmarke beschrieben, bei den Tonbandgeräten außerhalb des Studiobedarfs kann ich das aber nicht bestätigen, das ist ziemlich billiger Scheiß. Auch im Vergleich zu Grundig, Philips oder SABA, die Laufwerke haben eher die Anmutung eines zu groß geratenen Kassettenrecorders und das ist bei Grundig teilweise schon recht übel. Zumal die Shamrocks für die 5 Mark nicht unbedingt schlecht waren. Kommt auf die Farbe an. Die mit der schwarzen Rückseitenbeschichtung und dem komischen grau braun auf der Magnetseite fingen irgendwann an zu schmieren, aber wenn sie liefen klangen die richtig gut, ist aber ja auch nur zugekaufte B Ware von Ampex oder irgendwelchen anderen Markenherstellern. Fairerweise muss man aber sagen, dass auch viele Bänder von AGFA, BASF, Scotch, Sony usw. sich im Alter auflösen und die Shamrock Bänder im Neuzustand wirklich gut zu gebrauchen waren.

Boah ich liebe K-tel. Wer die Doku vom Kanadischen Fernsehen nicht kennt, sollte sie unbedingt mal angucken. Die Stories sind echt nicht zu glauben. Dieser Kives hat mit Klinken Putzen angefangen und dann das Informercial erfunden.

Es ist wirklich schade, dass die Compilations zumindest bis in die 80er so miserabel klingen und Alles restlos gekürzt ist. K-tel hat jede Menge gute Compilations und auch Best Ofs gehabt. Einige meiner Lieblinge habe ich mir aber auch als "Vollversion" digital neu erstellt und dann wieder auf Cassette aufgenommen. Die wussten aber auch ganz genau, wie man den Nerv einer Zielgruppe trifft. Auch die amerikanischen und kanadischen Rock Sampler sind interessant und es ist spannend, wie gleiche Titel von Land zu Land variieren. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die einen maßgeblichen Einfluss auf die Definition und die Art wie Compilations oder das Gefühl wie man Musik kombiniert hatten. In den 70ern waren mehrere der ersten Titel in den Billboard Album Charts K-tel Compilations.

Natürlich hab ich auch Gefühle zu Songs, die zu einer gewissen Zeit neu waren oder, die ich zu dem Zeitpunkt oft gehört habe, aber woher weiß man, dass sich das in dem Moment genau so angefühlt hat? Man hat ja keinen Vergleich mehr. Ich denke schon, dass man da Vieles zusammen baut, was nicht so gewesen ist.

Mit 16 hatte ich ne Phase, da war ich manchmal 2 mal an einem Wochenende in den Nachthallen. Eine Kasseler Alternativ Disco. Es gab dort das Musik Theater (MT), das Tonwerk und die Dark Area. Im MT lief Alternative, Indie, Rock, Punk, Metal etc., im Tonwerk lief Charts, Dancehall und kommerzielleres Zeug, in der Dark Area Alle Arten von Gothic Musik und es gab Abende mit Themenschwerpunkten, gelegentlich auch 80er Parties, mittelalterliche Tanznächte, Abi Parties und auch ab und zu Konzerte etc., die unterschiedlichen Floors waren mit einem Chilloutbereich verbunden. Da war ne Bar und man konnte da mitten in der nacht noch ziemlich gut für faire Preise essen. In der Bar waren auch manchmal Kleinkunstveranstaltungen, Jazz Konzerte, Vorlesungen und im Sommer gab es einen Biergarten. Da traf Alles aufeinander, Mainstream und Subkultur aller Arten. Es war für Alle das "Geringste Übel". Wenn ich an die Abende zurück denke wars eigentlich gar nicht so geil. Ich hab vielleicht 3 oder 4 Songs im MT gehabt, wo ich getanzt hab. In der Dark Area gabs dann noch ab und zu was Gutes und ne Zeit lang hatten die auch so eine Ü30 Party im Tonwerk wo Rock Klassiker der 80er und 90er liefen, das gabs aber nicht lang, da hab ich mich zusammen mit der 80er Party, die es ungefähr 1 bis 2 mal im Jahr gab am Wohlsten fühlte. Bereits einige Jahre danach liessen die Besucherzahlen nach, dabei hatte die Disco eine lange Tradition, meine Mutter ist da schon hin gegangen.

Dann kam Emo, so um 2005 und das MT erlebte ein letztes Glow Up. Freitag und Samstag füllte sich der Königsplatz mit Emos, der NVV musste, wenn es Richtung Öffnungszeiten des MTs ging zusätzliche Busse einsetzen, weil die vorhandenen komplett überfüllt waren und fast einbrachen. Das ging etwa 1 oder 2 Jahre so und dann war auch das vorbei, dann versuchte man mit Bad Taste und 90er Eurodance Parties Besucher zu catchen, bevor die 90er überhaupt so hip waren. Statt Alternative kam plötzlich Marusha und Scooter und auf Beamern wurden Serienintros von Animes aus meiner Kindheit und frühen Jugend projiziert, gelegentlich lief auch das Pokemon Intro oder irgendein Serien Theme. Nachdem bereits Bereiche geschlossen wurden und am Ende nur noch das MT selbst offen hatte, die restlichen Räumlichkeiten an Firmen verpachtet wurden, wurde das MT zur Techno Disco. 130 BPM. Es gab dann noch den Classic Friday 1 mal im Monat, wo die Musik lief, die vorher im MT gespielt wurde. Im 130 BPM traten voll große Techno Acts auf, aber die Besucherzahlen blieben (vielleicht auch aufgrund der abgelegenen Lage, am Stadtrand inmitten eines Gewerbegebiets, die Jahrzehnte niemanden störte) zu schlecht bis auch das 130 BPM schliesslich Geschichte war.

2 mutige Frauen versuchten das dann liebevoll zu retten und zu erhalten und holten das MT noch einmal zurück. Dieses mal retrospektiv romantisiert. Die Einrichtung war über Jahrzehnte die Gleiche und so blieb es auch. Plötzlich war es ein Ort, den man seiner jüngeren Freundin zeigte, oder Menschen, die das von früher nicht kannten…

"…. und hier bin ich jedes Mal als Erstes hin, weil es gab so eine MT Card, wo man Alle Getränke zum halben Preis bekam. Ich hab mir dann immer eine von nem Kumpel geliehen und mir direkt 2 Bananenweizen geholt, weil nicht sicher war, dass ich ihn später wieder finde…" "und hier war früher noch ein Raucherbereich…."…

Aber plötzlich war auch die Playlist so, wie ich sie damals gern gehabt hätte. Sie war zwar meist automatisiert weil oft kein DJ da war, aber es liefen nur die guten Songs, die sich über die Jahre angesammelt hatten und die, auf die ich getanzt hab. Wir waren in dieser Zeit nur 2 bis 3 mal da, da hab ich die ganze Nacht durchgetanzt, dann hat es wieder geschlossen. Eigentlich war das für mich fast die schönste MT Zeit. Und obwohl ich weiß, dass es nie so war, hat es sich so angefühlt, als wäre es so gewesen. Die beiden Frauen hatten ein Versprechen auf der Homepage und dem Flyer hinterlassen. "Dein MT ist wieder da und dieses mal bleibt es für immer.".

Ich konnte es noch mal riechen und fühlen und dann war es vorbei und so wie es an diesen Abenden war, bleibt es jetzt in meiner Erinnerung, obwohl ich weiß, dass ich damals traurig war, dass ich meistens allein nach hause gefahren bin, weil meine Freunde mit denen ich gekommen oder verabredet waren plötzlich Alle verstreut waren, dass mir die Musik oft irgendwie auf den Sack ging, dass ich mich oft mit irgendwem gezofft habe und es meistens eher stressig war, weil wieder irgendwer eskaliert ist. Früher war auch Scheiße und ich will das nicht zurück.

Es gibt heute andere Orte wo genau diese Musik läuft, aber wo ich glücklicher bin, eigentlich geh ich da viel lieber hin.

So ist es vielleicht auch mit diesen Compilations. Viele hat man sich schön gehört, weil man nichts Anderes hatte. Die meisten sind eher mittelmäßig oder gar nicht mal gut. K-tel und später auch Arcade hatten die Songs mit Verspätung. Wenn es keine Oldies oder All Time Favorites oder Best Ofs von irgendwelchen Künstlern waren, waren die Sachen da schon ein halbes Jahr alt. So war das bei Club Top 13 Music Beispielsweise auch. Die hatten Alle den Vorteil, dass sie sich bei allen Majors bedienen konnten, während Ariola, Polydor, CBS, Teldec, WEA und Co nur Zugriff auf ihren eigenen Katalog hatten. Die großen Hits konnten sie dann teilweise nicht veröffentlichen oder nur als Cover Version. Man hatte also die Wahl K-tel, Ronco, Arcade zu kaufen und bereits leicht angestaubte Hits aber Alles auf einer Compilation zu bekommen, oder aktuellere Songs aber nie Alle von einem Major zu kaufen - häufig auch in besserer Qualität und dafür nicht so viel oder deutlich teurer als Doppel LP.

Das Blatt wendete sich, als Polydor Mitte der 70er Polystar gründete und Ariola mit der Super 20 an den Start ging. Ab da gab es regen Austausch zwischen den Majors und K-tel und Arcade gingen über die 80er kaputt.

So hat z.B. Polystar mit High Life (Vorgänger 20 Original Polystar Hits, manchmal auch einfach nur 20 Original Top Hits) mit der Super 20 von Ariola sicher eine der über Jahre erfolgreichsten Compilations gehabt. Beide sind ziemlich zeitnah gestartet. Ariola war etwa 1 Jahr früher. Allerdings gibt es bei Discogs bereits Einträge zu 20 Original Top Hits von Polydor, der Älteste ist von 1973 und dann wird es merkwürdig. Denn es gibt sowohl parallel zu den Polystar Veröffentlichungen später, als auch zu High Life Zeiten noch Compilations von Polydor unter dem Namen, sowie auch einige High Lifes bis 1981 immer mal wieder bei Polydor erschienen sind (da hab ich Einige von). Es gibt sogar Doppelalben von Polydor die 40 Original Top Hits heißen.

Und super weird ist auch, dass es in anderen Ländern Compilations gab die von Polygram oder Polydor sind aber einfach "Polystar" mit einem anderen Logo heißen. Eine indische Pressung hat ein Cover, das aus der DDR sein könnte und komplett anders aussieht als unsere deutschen High Lifes, ist von Polydor, es steht aber Polystar High Life drauf und die Titelzusammenstellung scheint weitgehend oder 100%ig identisch zu der deutschen Version zu sein. Ich muss jetzt sofort damit aufhören, sonst falle ich in ein Rabbit Hole.

Retrospektiv haben jedenfalls K-tel und Arcade oft die bessere Auswahl, damals waren die Zusammenstellungen aber eigentlich schon veraltet, als sie veröffentlicht wurden, was natürlich mit 40 Jahren Abstand Niemanden mehr juckt. Ich habe ne Menge Club Top 13 Cassetten. Da kam alle 2 Monate ne neue. In der Dezember Ausgabe 86 sind die Sommerhits des Jahres drauf. z.B. Ice in the Sunshine von Beagle Music Ltd. oder Holiday Rap von MC Miker G und DJ Sven. Mich würde interessieren ob auf der Juni Ausgabe von 85 dann auch Do they know it's Christmas von Band Aid drauf ist :-D

K-tel hatte damals das Konzept, die Sachen auch ausserhalb von Plattengeschäften anzubieten. An Tankstellen, im Supermarkt, in Drogerien. So kurz vor der Kasse, als was, was man wie Zigaretten oder Kaugummis noch spontan mit aufs Band packt. In den USA kostete so eine Platte 3,99. Hier immerhin 18,90 , vielleicht waren die Cassetten etwas günstiger. So viel kosteten auch die irrsinnigen Haushaltsprodukte wie z.B. der K-tel Bottle Cutter oder der Golf Master. Ich will immer noch einen Bottle Cutter, dann kann ich endlich wunderschöne Gläser aus Alten Flaschen herstellen, schone so die Umwelt und erfreue meine Familie!

Wie kam ich jetzt bloß darauf?


[Beitrag von DOSORDIE am 04. Jun 2026, 18:16 bearbeitet]
rat666
Inventar
#186 erstellt: 04. Jun 2026, 18:26

Ich will immer noch einen Bottle Cutter


Gibt es neu für 20-30€ überall zu kaufen
Zaianagl
Inventar
#187 erstellt: 04. Jun 2026, 18:35
Ganz schlimm waren diese Sampler die von irgendwelchen Cover Bands eingespielt wurden. Der Unbedarfte hatte die gern mal irrtümlich gekauft...
DOSORDIE
Inventar
#188 erstellt: 04. Jun 2026, 19:07
Ja die kenn ich auch, von irgendwelchen Billig Labels, meist mit einer leicht bekleideten oder gar nackten Frau vorne drauf, die absolut nix mit der Musik zu tun hat. Da stehen dann die Songs die drauf sind mit dem Hinweis "gesungen" :-D

Nee, ich will nicht irgendeinen Bottle Cutter, ich will nur den von K-tel!
Rascas
Inventar
#189 erstellt: 04. Jun 2026, 19:11
Wir hatten in meiner Jugend einige Platten von K-Tel und Arcade in der Familie. Es war halt die einfachste Art an möglichst viele Hits zu kommen.

Diese Platten wurden bei uns rauf und runter genudelt. Irgendwann sind sie halt im Keller gelandet. Ich habe mir vor ein paar Jahren den Spass gemacht und habe diese Platten auf meinem Rechner nachgestellt. Einfach eine Playlist angelegt und die Lieder zusammen gesucht. Qualität war erst Mal zweitrangig. War es bei den Platten ja auch...

Natürlich das Ganze in die richtige Reihenfolge gebracht und mit dem richtigen Cover versehen. Ein großer Spaß!

Auf diese Weise sind die Playlisten

ARCADE Black Gold
ARCADE Giants of Rock
ARCADE Hit Rocket
ARCADE Hit Tornado
ARCADE Time for Action
K-Tel's Pop History 1968 - 1976
K-Tel's The Rock Album
K-Tel's Music Power
K-Tel's Pop Greats

entstanden.

Bei einem Lied ist mir dann erstaunliches aufgefallen: zuerst habe ich gedacht, ich hätte eine falsche Version genommen. An dem Lied in der Playlist stimmte irgend etwas nicht. Ich bin aber nicht darauf gekommen, was es war. Also ab in den Keller und das "Original" hochgeholt. Das war seit bestimmt 40 Jahren nicht mehr auf dem Plattenteller. Als ich es durchgehört habe, wusste, was nicht stimmte: auf der Platte war seit jeher ein Kratzer, der für mich Teil des Liedes war. Das fehlte natürlich in der Version in der Playliste. Das musikalische Gedächtnis ist schon erstaunlich!

Ich fand es schade, dass diese Platten es nicht in die CD-Zeit geschafft haben. Auf Schallplatte war die Qualität schon dürftig (aber zeitgemäß). Auf CD hätte das viel besser sein können. Den "Hit Tornado" hatten wir nur auf Kassette. Das lief endlos im Auto meines Vaters. Die Kassetten waren klanglich weniger problematisch. Als ich diese Kasstte nach den vielen Jahren mal wieder eingelegt habe, war ich erstaunt, dass auch sie die Zeit überlebt hat. Analog ist erstaunlich strapazierfähig und langlebig! Das sind CDs und digitale Musikdaten aber auch. Klar, kann man Pech haben. Hier wie da. Aber bei "guter Pflege" hält beides ewig.

Ich kaufe seit 1985 CDs. Bis auf 2-3 Fertigungsfehler spielen die alle noch. Meine ersten Schallplatten dagegen haben durch den Mister Hit schon gelitten. Das waren aber eher "Märchenplatten" von Europa. Da habe ich ein paar als CD nachgekauft. Die wurden glücklicherweise neu aufgelegt. Die einzige Musik-LP, die ich kaputt gespielt habe, war The Wall von Pink Floyd. Die war wohl etwas zu oft auf dem Plattenteller....
8erberg
Inventar
#190 erstellt: 04. Jun 2026, 19:35

DerHilt (Beitrag #148) schrieb:

tubescreamer61 (Beitrag #145) schrieb:
Anhand welcher Informationen triffst du deine Entscheidungen ?

Eine witzige Frage. Anhand welcher Infos entscheidest du?

Hust, hust. Es ist nicht einmal so lange her da gab ich Dir Ratschläge bei einem Vinyl-Thema (vielleicht kannst Du Dich erinnern)
Da warst Du "recht grün hinter den Ohren" und keinerlei Erfahrung bei Phono.


Ich habe da meinen eigenen Modus Operandi, der sich aus jahrzehntelanger Erfahrung gepaart mit über Jahre erworbenem Wissen speist, und dann möglicherweise noch ner Tonne anderer Randbedingungen. Und da du weder über meine Erfahrungen noch über mein Wissen verfügst (sondern jeweils über deins) ist das für dich total irrelevant. Oder, wie wir hier sagen: geht dich nen Scheißdreck an.
Ja, ich war garnicht gefragt, aber meine Antwort gilt auch genrell. ;)


Bittesehr... Nur am Rande erwähnt.
Musst ja Tag & Nacht gehört, verifiziert und validiert haben.
Was bin ich stolz Dich mal in grün hinter den Ohren auf (fast) den richtigen Weg gebracht zu haben.

Leider doch nur fast.

Peter


[Beitrag von 8erberg am 04. Jun 2026, 19:36 bearbeitet]
DOSORDIE
Inventar
#191 erstellt: 04. Jun 2026, 19:52
Arcade hat damit geworben, dass die Songs im Gegensatz zu anderen Anbietern ungekürzt waren. Die Cassetten waren nicht immer besser, es kommt immer drauf an, was für Band verwendet wurde. Manchmal hat man Glück und manchmal Pech, hängt auch davon ab, wie stark das Plattenmaster komprimiert ist, denn letztendlich ist das auch auf Cassette.

Dass die Compilations nicht neu aufgelegt wurden hat einen einfachen Grund: Die Labels sind alle pleite. K-tel gibt es zwar noch, aber das ist jetzt ne 10 Mann Bitze, die die Rechte für Musikpakete für Filme und Serien vermieten. Das Unternehmen gehörte mit 3M mal zu den größten Firmen der Welt überhaupt, die hatten mal 300.000.000 Mio Mark Jahresumsatz zu einer Zeit, als die Mrd. Marke noch nicht geknackt war. In den 90ern verkauften die noch Haushaltskram und CD Compilations im Teleshopping. Dominion gehörte ja anscheinend auch dazu. Sehr ähnlich wie Club Top 13 Music gab es auch die K-Tel Hit News noch auf lange Zeit auf Bestellung und die wurde auch im Fernsehen beworben.

Teilweise haben Künstler auch Songs für K-tel ein zweites Mal eingespielt, wenn ein Major den Song nicht raus rücken wollte. Vermutlich geht das heute nicht mehr so ohne Weiteres, wenn man bei einer Firma unter Vertrag ist. Der erste Sampler kam in den späten 60ern raus und hieß 20 Country Hits. Kives hatte dafür nicht mal Lizenzen, die haben das einfach verkauft und gehofft, dass Keiner klagt. Hat wohl funktioniert.

https://www.k-tel.com/watch-and-listen/

Hier kann man die Doku und die mega geilen Werbespots angucken.

Ich habe mal einen Bericht über den Untergang von Arcade in Deutschland gelesen. Da stand, dass ehemalige Mitarbeiter von K-tel und Arcade es jetzt beim neu gegründeten Label DINO Music probieren wollen. Zeitlich kommt das genau hin. Die letzten größeren erfolgreichen mir bekannten Compilations aus Deutschland von K-tel sind irgendwo um 1986 erschienen, bei Arcade war schon früher das Licht aus, da kommt ab 83/84 Alles aus NL oder UK, wo sie noch Niederlassungen hatten. Die ersten DINO Music Compilations kamen so 1985 glaub ich, aber da war dann auch etwa 1991 Schluss.
Rascas
Inventar
#192 erstellt: 05. Jun 2026, 08:09
Schöne Nostalgie-Infos. Danke dafür...
hifi_raptor
Inventar
#193 erstellt: 05. Jun 2026, 11:20

Neu auf der HiEnd in Vienna.
Ortofon MC Vertex für 15k. Nadel und Nadelträger aus Diamant 💎.
Gut passt natürlich zu einem Bohrturm.

Na ja eine K-Tel wird der geneigte Nutzer nicht drunter legen.

Bin ja sonst nicht so, aber für 15k bekommt man eine komplette Anlage mit Plandrehmaschinen die nicht viel "schlechter" sein dürften.

An alle Bohrturmbesitzer - Ran an den Speck.

Schönes Wochenende
flexiJazzfan
Inventar
#194 erstellt: 05. Jun 2026, 11:40
Ich frage mich wirklich, welche Pop- und Rocksongs bleiben von den letzten Jahrzehnten? Wer von den ganzen Geschäftemachern in der Musikindustrie hält die alten viel bejubelten "Hits" noch am Leben? Da gibt es die lokalen Coverbands, die ihre eigenen Best-Of Programme für ihr Nostalgiepublikum spielen - und so manche Radiostation mit echten Musik"programmen". Wenn dann deren Intendaten erklären "ihr bringt zu wenig Werbeeinnahmen" ist es auch da vorbei.

Gruß
Rainer
hifi_raptor
Inventar
#195 erstellt: 05. Jun 2026, 12:00
Morgähn
Ist nur davon abhängig welche Musik du magst und für dich auch noch nach 50 Jahren Relevanz haben. Zum anderen kommen eben nach wie vor Alben in der X-ten Auflage raus. Solange die gekauft werden. Offensichtlich ist da Bedarf.
Gibt auch heute noch die ein oder andere Compilation mit Hits aus dem Jahr / Jahrzehnt Annopiefendeckel raus.
Wir oft sich das verkauft wissen wir nicht.
Bei mir ist das auch so, erst die LP, dann als CD und dann als HiRes Remaster. Nicht zu vergessen nochmal als 50th Anniversary.
Ja muss sein.
Wohl dem der bei LP geblieben ist.
Schönes Wochenende
Dellebach
Ist häufiger hier
#196 erstellt: 05. Jun 2026, 13:07

hifi_raptor (Beitrag #193) schrieb:
:D
Neu auf der HiEnd in Vienna.
Ortofon MC Vertex für 15k. Nadel und Nadelträger aus Diamant 💎.
Gut passt natürlich zu einem Bohrturm.

Na ja eine K-Tel wird der geneigte Nutzer nicht drunter legen.

Bin ja sonst nicht so, aber für 15k bekommt man eine komplette Anlage mit Plandrehmaschinen die nicht viel "schlechter" sein dürften.

An alle Bohrturmbesitzer - Ran an den Speck.

Schönes Wochenende

Hi,

und von Graham noch nen Tonarm für 33Tsd dazu.
So what.
Wer kann der kann.
Yamahaphilist
Stammgast
#197 erstellt: 05. Jun 2026, 13:21
Dann gäbe es ja noch die Burmester Lackschallplatten (aus der „Pure Sound“-Reihe), streng limitierte, in Echtzeit von Hand geschnittene Unikate. … Anstatt sie wie reguläre Schallplatten zu pressen, wird die Musik ohne nachträgliche Bearbeitung oder Filter direkt mit einem Saphir in eine lackbeschichtete Folie geschnitten, was kompromisslose Klangtreue und authentische analoge Tiefe garantiert. …

https://www.burmester.de/master-recordings/
DerHilt
Inventar
#198 erstellt: 05. Jun 2026, 13:31
[quote="8erberg (Beitrag #190)"] Da warst Du "recht grün hinter den Ohren" und keinerlei Erfahrung bei Phono. Peter [/quote]

Wow, du hattest 1974 schon Internetz?


[Beitrag von DerHilt am 05. Jun 2026, 13:40 bearbeitet]
hifi_raptor
Inventar
#199 erstellt: 05. Jun 2026, 13:41

Cool - so wird die Sache rund. Kopie vom Masterband. Das ganze für 777 Teuronen. Wie klingt ein HiRes Remaster - gleich mal suchen .....
Und der 15k Diamant kratzt mit jedem Abspielen ein bisserl aus der Rille?
Einmal abspielen kostet ?€ Weil nach ? Auskratzvorgängen ist die Scheibe hin.

Also einen Riesen Vorteil haben Freunde solcher Scheiben schon. Viele können die nicht davon sammeln.
Gruß

P.S. DSD 64 für 25,09 Teuronen und in 24/96 18,89 Teuronen
P.P.S. Wie der Unterschied jetzt zustande kommt ist ein neues Rätsel


[Beitrag von hifi_raptor am 05. Jun 2026, 13:54 bearbeitet]
DOSORDIE
Inventar
#200 erstellt: 05. Jun 2026, 14:34
Also ich denke dass die Zeit wo sich wirklich neues Sounddesign entwickelt hat seit ungefähr 20 Jahren oder gar mehr vorbei ist. Das kommt immer auch ein Bisschen aufs Genre an. In der Rockmusik war das ein Bisschen früher, als im elektronischen Bereich.

Zeigst du mir einen Song aus den 50ern bis 90ern, kann ich ohne ihn zu kennen anhand des Sounddesigns meistens aufs Jahr genau sagen, von wann der Song ist. Wenn nicht liege ich höchstens 2 Jahre daneben. Das hängt auch damit zusammen, dass früher Alles hardware basierter war. Die neusten Synthesizer, E Drums, Sampler, Effektgeräte konnten halt immer nur eine limitierte Art von Sound und waren zusätzlich noch sauteuer. Man musste also vorher wissen, was man machen will.

Ich mag z.B. die Epoche, die so ab dem SY99 einsetzt nicht mehr so. Obwohl der bessere Sounds kann, als der DX7, wird da extrem viel mit Real Tones gemacht, was verglichen zu den fetten Flächen und gewollt elektronisch klingenden Sounds der 80er für mich sehr dünn klingt. Das ist natürlich sehr pauschal. Der Hip Hop hingegen blüht durch die AKAI MPCs erst richtig auf. Aber gerade Pop, Rock und Schlager gefallen mir bis in die 80er in Masse viel besser.

Diese Zuordnung zu einem gewissen Zeitraum wird heute immer schwieriger. Eine Rock Platte von 1998 klingt nicht anders, als eine von 2015 oder 2024 und viele Bands verändern, wenn sie was neues machen wollen nicht ihr Sounddesign, wie es bis in die 90er üblich war, sondern das Genre. Erfolgreiche Künstler in den 80ern haben mit jeder Platte auch anders geklungen, weil die technischen Möglichkeiten ständig erweitert wurden, neue Instrumente und Geräte raus kamen. Hört man sich mal sowas wie Kim Wilde an, verändert sich bis in die 90er der Sound mit jedem Album. Da sind im Sounddesign Sprünge dazwischen und man hört auch sofort was neuer ist. Seit ihrem Comeback klingt jede Neuveröffentlichung gleich, seit über 20 Jahren. Irgendwann hat die Entwicklung stagniert und einen dramatisch neuen Sound gibt es nicht mehr, dazu kommt das Konsumverhalten, das früher anders war. Trotzdem gibt es ständig neue Subgenres, die kaum anders klingen, als deren Maingenre, wo man früher vielleicht gesagt hätte "hey, das ist halt der Stil dieser Band, aber sie gehören in die New Wave oder Shoegaze Schiene mit rein.", heute ist manchmal eine spezielle Art der Texte, eine besondere Optik der Band.

Heute kann man mit DAWs Alles emulieren. Jedes elektronische Instrument, jeden Effekt etc. Es gibt auch viel mehr Presets als früher. In den 80ern war das ein eigener Markt. Da gab es Firmen, die Sounds für den DX7 oder D50 programmiert und die Cartridges oder Disketten verkauft haben, weil sie so kompliziert zu programmieren waren.

Viele Standard Presets finden sich aber in jeder zweiten 80er Platte ab 1984 und auch die Art wie Sequenzen gegroovt haben, am Anfang war das Alles ganz steif, deshalb sind die frühen 80er auch sehr auf einfache und Steife Rhythmen, wie bei Don't you want me, wenn man das mal mit Taylor Dayne vergleicht oder später Technotronic, sowas wäre halt 81/82 schwer bis gar nicht umsetzbar gewesen, ausser vielleicht, man war so fit am Keyboard, dass man das per Hand akkurat einspielen konnte. Oder diese Orchestra Hits vom Fairlight, die plötzlich in jedem Song waren. Bei Mixed Emotions, Dieter Bohlen und dann aber auch in der Dance Musik und im Hip Hop oder bei Milli Vanilli. Bestimmte Loops, gesampelt aus irgendwelchen alten Jazz oder Funk Platten, darunter dann ne 808.

Solche Sachen haben damals wahnsinnig viel Know How und Technisches Wissen voraus gesetzt, speziell auch bevor es MIDI als gemeinsame Art der Kommunikation für alle Instrumente gab. Ich glaube viele junge Leute wissen gar nicht, was für ein Aufwand in solchen Songs steckte, wenn die sich das heute anhören und dann sagen "Ja ganz nette Popnummer, aber mach ich dir in 2 Stunden mit meinem Macbook…" und das macht das für sehr viele Leute obsolet.

Die haben Sounddesign nicht verstanden. Die wissen wie es geht, aber kennen den Ursprung nicht.

Dementsprechend gibt es heute sicher so viel gute Musik wie nie zuvor, aber dadurch, dass sie so einfach zu produzieren ist, setzt das wahnsinnig viel Kreativität frei, für Leute, die das vor 30 oder 40 Jahren eben nicht einfach so gekonnt hätten, weil sie weder das Technische Wissen noch den Zugang zur Technik gehabt hätten, mit der man sowas hätte umsetzen können. Ein DX7 kostetet 4700 DM. Das ist zu der Zeit schon fast ein Kleinwagen gewesen und auf jeden Fall ein guter Gebrauchter. Davon hatte man aber noch keinen Arpeggioator (ich schreib das immer falsch), keinen Sequencer, keinen Drum Computer, keine Effektgeräte, keine Aufnahmemöglichkeit usw. Heute kaufst du dir n Notebook für 300 Euro, n Master Keyboard für 100 und ne Ableton Lite Lizenz ist meistens schon beim Keyboard dabei, wenn nicht kostet die 20 oder 30 Euro, damit kannst du schon professionelle Tracks basteln, die genau so gut oder besser klingen, als das, was in den 80ern und 90ern aus Studios kam. Mikros braucht man fast nicht mehr, weil gute Smartphones mittlerweile eine hervorragende Mikrofonie bieten, aber auch für unter 100 kriegt man schon ganz gute Gesangsmikros.

Der Unterschied ist halt, wenn ich einen neuen Song höre, dann ist der für mich nicht mehr prägend. Ich habe, wenn ich einen neu veröffentlichten Titel höre ganz selten noch das Gefühl "In der Form hab ich das noch nie gehört." und wenn dann ist es eine Nuance von dem entfernt, was es schon seit meiner Kindheit gab. Wenn du jetzt 16 bist und die alten Sachen alle nicht kennst, denkst du vielleicht "woar, sowas hab ich ja noch nie gehört.". Früher war das anders. Auch, wenn man schon älter war, gab es Techno und Dance z.B. ja vor den 90ern nicht. Acid war ganz anders und so frühe Techno Sachen klingen voll oft wie sowas aus der Grufti Szene. Das 4 to the floor kam erst so gegen Ende der 80er, aber bei den meisten Tracks ist die Snare da noch viel präsenter.

Heute ist es vielleicht auch nicht mehr so wichtig, ob da ein neuer Sound eine bestimmte Zeit prägt und die Welt verändert. Vermutlich berühren einen die Songs, die einen in bestimmten Epochen seines Lebens begleiten automatisch und es gibt sicherlich auch immer die Leute, die keinen richtigen Musikgeschmack haben und einfach Alles annehmen, was der Mainstream so anspült.

Ich meine wenn man so um 93/94, wo Eurodance und Rave und Happy Hardcore ihren Peak hatten mal einen ganz normalen Mainstream Radiosender angemacht hat, dann lief da halt 50% das. Das hat ja ne Geschwindigkeit, die heute bei dem ganzen Deep House artigen, lowen Kram und Murder On the Dancefloor hafte Einschlafparty Musik eigentlich undenkbar ist. Aber damals hat man die Masse systematisch daran gewöhnt, 180 bis 220 BPM normal zu finden. Blümchen ist ja auch nur Hardtekk mit Schlagerrefrain. Im Prinzip ist das aber richtig hartes Gebretter und das passt heute eher weniger in ein angepasstes Hitradio Format, obwohl das grad wieder kommt (Möbelstück, IKKIMEL und wie die Alle heißen), aber das wird auch wieder abklingen. Und da ist ja wirklich Alles verwurschtelt worden. Kinderlieder, Volksmusik, Werbejingles, Oldies, 80er Hits… Sogar Grönemeyer hat mal son Remix Album raus gebracht. Wenn ich sowas heute meinen Eltern vorspiele, was 94/95 auf jeder Bravo Hits war und echt Alle gehört haben, bei VIVA und im Radio rauf und runter lief sagen die "Mach das aus, ich krieg n Rappel.". Genau wie es auftauchte verschwand es auch wieder, Als hätte Jemand einen Knopf gedrückt und danach war der Mainstream für immer anders und nie wieder gab es solche Musik. Bis 1996 war es überall, in Nachrichten Jingles, Filmintros, der Sportschau, Werbung. Die CD Compilations waren in dieser Zeit bei Doppel CDs so aufgeteilt, dass Dance auf CD 1 war und Alles Übrige auf CD 2. Für mich war das als Kind total logisch und klar. Ich kannte das gar nicht anders, als ich dann ab 94 die ersten CDs zusammensparte und auslieh. Die ganzen Dance Projekte wie Dune, Masterboy und DJ Bobo haben danach Alle was Anderes gemacht und bei vielen Leuten hat Popmusik sowieso immer nur Wert, so lang sie relevant ist.

Nebenan im Mietshaus meines Vaters wohnte so ein jüngerer Typ. Der war da so 20. Der hatte dann seine erste Anlage von Sony mit CD Wechsler im Golf 2 Cabrio und lieh mir dann immer die neusten Compilations. Eine ganze Zeit erzählte er mir, dass er die aktuelle Musik eigentlich gar nicht gut findet und lieber die alten Sachen höre. Dann hat es ne Weile gedauert und er ist voll drauf abgefahren, so als hätte er sich dran gewöhnt und es schön gehört.

Oftmals ist das ja auch son Zugehörigkeitsding. Wenn deine Freunde eben diese Musik hören machst du mit, weil es dir eh egal ist, weil du irgendwas hören musst und nicht allein sein willst. Ich schätze so funktioniert das bei den meisten Jugendlichen, die sich nicht so für Musik interessieren. Ich war mit meinem Musikgeschmack lange Zeit allein, weil ich in den späten 90ern und frühen 00ern fast Alles scheiße fand was neu war. Das langweilte mich oft tierisch, weil ich schon da das Gefühl hatte, das ist der Xte Aufguss von irgendwas, was es vorher schon mal gab, nur merkt es Keiner, weil sich Niemand für alte Sachen interessiert.

Da gings auch noch viel mehr um Image, als jetzt. Wenn du dazu gehören wolltest, musstest du eben bestimmte Musik gut finden oder verachten, eigentlich gings gar nicht um einen wirklichen Musikgeschmack. Wenn ich da meine DDR Schlager, Oldies, New Wave, Post Punk, 80er Hits usw. gehört hab, gabs Leute bei mir in der Schule, die mir den Kopfhörer vom Kopf gerissen und mich dann angespuckt haben. Ich wurde deshalb nicht nur Einmal richtig übel bloss gestellt und ausgelacht.

Auch das ist natürlich pauschal. Es gab und gibt in jeder Zeit Massen an Musik, die mir gefallen, aber eben mal mehr und mal weniger. Aber im Mainstream kann ich das stark beobachten. Wenn ich bis 1995 in die Charts gucke, finde ich genug Musik, die mir gut gefällt - bis heute. Danach bin ich froh, wenn ich in einer Jahres Top 100 mehr als 10 Songs finde, die ich mag.

Mir ist das Genre und das Alter der Musik ziemlich egal, weil es überall und immer Musik gibt, die mich begeistert. Aber der 500.000ste Punk Song oder Deutsch Rap ist halt nicht mehr so revolutionär und aufregend, wie das Erste Mal WIZO, Normal, Knochenfabrik, oder De La Soul oder Freundeskreis oder Blumentopf oder 5 Sterne Deluxe.

Bei meinem Sohn beobachte ich, dass der mit seinen Freunden sehr viel alte Musik hört. Er ist jetzt 16. Vielleicht verläuft sich heute die Masse an Musik irgendwie in der Nichtigkeit. Ich höre durch alternative Radiosender ständig neue Musik, die mir gefällt und so 1 mal im Jahr gibt es auch wieder mal einen richtigen Hit, der mich mit nimmt. SOMBR z.B. oder Lost Frequentes - Love is the only thing. Was wirklich Neues war das auch nicht, aber vielleicht hat es mich gerade deshalb so berührt, weil es klang wie die Sommerhits in den frühen 90ern. Es bleibt jedenfalls nicht mehr so viel hängen und gleichzeitig entdecke ich auch viel mehr, als früher. Es fällt schwer sich zu fixieren, weil ich gar nicht die Zeit dazu finde, das Alles zu hören. Die Schnittmenge an neuen Songs, die aus einem Jahr übrig bleiben ist jedenfalls geringer, als die alter Songs, die ich noch nicht kannte und die dann auf ewig in meiner unendlichen Playlist bestehen und ich merke, dass ich so viel Musik konsumiere, dass ich Songs vergesse. Spotify hat ja neulich diese 20 Jahre All Time Playlist erstellt, wo ausgewertet wurde, was man am häufigsten gehört hat. Für mich ist das nicht ganz repräsentativ, weil ich ja oft Mixtapes oder analoge Tonträger höre und auch die importierten Songs in Spotify gar nicht gezählt werden, aber ich hab einige Songs wieder entdeckt, die ich ganz vergessen hatte und vor einigen Jahren rauf und runter gehört habe.

Also ich denke es gibt sehr viel gute neue Musik, aber sie ist eben nicht mehr so prägend und wichtig und wird wahrscheinlich nicht mehr den Einfluss auf die Welt haben, wie es damals Klassiker hatten. Ein neuer guter Song ist ein neuer guter Song, aber nie wieder "Wow, ich hab grad zu ersten Mal Pump up the Jam gehört." oder "Wie nennt man das, was Rage Against The Machine machen? Das ist irgendwie was komplett Neues…", nicht mit so einer Macht und vielleicht wird es deshalb auch immer seltener, dass das so hängen bleibt, wie diese Klassiker. Aber wahrscheinlich feiern die heute Jugendlichen in 20 Jahren auch auf die Hits der 20er.

Gleichzeitig glaub ich auch, dass total Viele in den 70ern und 80ern eine HiFi Anlage haben wollten oder hatten, weil es zum Guten Ton gehörte und weil es eben nicht so viele Möglichkeiten gab, sich irgendwie zu beschäftigen. Viele von Denen, die damals eine hochwertigere Anlage hatten, haben heute nicht mal mehr eine bessere BT Box und hören nur noch Radio. Ich glaub das war auch oft so ein Zugehörigkeitsding und auch eine Art Statussymbol. Dann kamen PCs, Spielekonsolen, Smartphones usw. und HiFi verlor an Relevanz. Ich glaub wirklich, dass die meisten Menschen gar keinen wirklich eigenen Musikgeschmack haben, weil sie kein Gefühl für Musik haben. Die hören dann Songs in Filmen oder bei irgendwelchen Events und finden dann das gut, nicht weil der Song so toll ist, sondern weil sie das damit verbinden.


[Beitrag von DOSORDIE am 05. Jun 2026, 14:44 bearbeitet]
8erberg
Inventar
#201 erstellt: 06. Jun 2026, 07:51

DerHilt (Beitrag #198) schrieb:

8erberg (Beitrag #190) schrieb:
Da warst Du "recht grün hinter den Ohren" und keinerlei Erfahrung bei Phono. Peter


Wow, du hattest 1974 schon Internetz? :D



tu nicht so doof!

Was soll das überhaupt?
Haste auch was zu verkaufen?

Peter
DerHilt
Inventar
#202 erstellt: 06. Jun 2026, 09:24

8erberg (Beitrag #201) schrieb:
tu nicht so doof!
Was soll das überhaupt?
Haste auch was zu verkaufen?
Peter

Na du hast doch gesagt, du hättest mir geholfen, als ich von Phono keine Ahnung hatte. Das war 1974, als ich mir meinen ersten Plattenspieler kaufte. War übrigens n Dual.
Und ja, ich hab was zu verkaufen. Kuck mal bei „Biete“.
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