OneMic - The minimalist recording series

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Curlew
Stammgast
#1 erstellt: 07. Dez 2016, 01:52
Ich habe mich ja immer gefragt, wie es klingen würde, wenn man die Aufnahmetechnik der 1930er Jahre mit modernem Equipment nutzen würde. Damit meine ich, dass alle Musiker um ein einzelnes Mikrofon gruppiert sind und selber für die klangliche Balance verantwortlich sind, ohne dass eine nachträgliche Abmischung stattfindet.

Nun habe ich tatsächlich jemanden gefunden, der das ausprobiert hat mit Bands, die nach allgemeinem Verständnis Mehrspurtechnik erfordern würden:

1. OneMic / Session One / San Geronimo / AEA R88 mic / 4k
2. OneMic / Session Two / George Cole Trio / AEA R88 mic / 4k
3. OneMic / Session Three / Quiles & Cloud / AEA R88 mic / 4k video
4. OneMic / Session Four / The Rubinoos / AEA R88 mic / 4k
5. OneMic / Session Five / Essence / AEA R88 mic / 4k video
6. OneMic / Session Six / Nell Robinson and Jim Nunally


Series One "Oakland" will showcase six recording artists performing two songs each around one AEA R88 stereo ribbon microphone. Each session is shot in 4k video by filmmaker Nathaniel Kohfield. What makes this series so different from other live performance videos is that the artist is in complete control of his/her presentation. This means that the sound, balance, dynamics and stereo image is decided upon at the moment of creation, not in post production. The artist (band) is responsible for the final product. Also, a high resolution 4k video is shot with one handheld camera that hovers around the performers during their live performance. There is no editing of the audio or video. It’s as honest as it can be including imperfections. This organic presentation isn’t limited to “acoustic” music as seen with live classical and folk music. In this series I will attempt to record bands with electric guitars and drums that would normally require a multi-mic, multi-track approach. This is not the first time this has been done but this single microphone technique was quickly forsaken soon after the multi-track tape recorder was invented and with it a loss of a level of musical intimacy. The OneMic series will demonstrate the positive aspects of the minimalistic recording process of the 1930s but will be captured on modern recording equipment.


Laut eines Kommentars wurden beim Mastering durchaus EQ, Limiter und Hall verwendet. Auch ist mir klar, dass es sich strenggenommen um eine Technik mit zwei Mikrofonen handelt, die in dasselbe Gehäuse eingebaut sind.

Das sind nicht meine Videos und ich bekomme auch kein Geld vom Mikrofonhersteller für die Werbung. Mir geht es nur um das klangliche Ergebnis, das ich hier mal zur Diskussion stellen möchte. Bevor ich was dazu schreibe, dachte ich, ich lasse euch zuerst zu Wort kommen.
Curlew
Stammgast
#2 erstellt: 08. Dez 2016, 00:40
Ja, dann will ich mal Selbstgespräche führen...

Allgemein stelle ich bei diesen Aufnahmen eine überragend gute Räumlichkeit fest, wie es sich von dieser Methode auch erwarten lässt. Man hört, dass die Musik in einem Raum aufgenommen wurde und nicht aus dem Nichts kommt. Insbesondere E-Gitarren profitieren vom Raum - da frage ich mich, warum normalerweise Mikrofone direkt vor die Gitarrenverstärker gestellt werden. Für die Hammondorgel im 3. Video gilt im Prinzip dasselbe. Auch hier beeindruckt mich die sehr gute Räumlichkeit.

Das Schlagzeug befindet sich im Hintergrund, so wie es sich meiner Meinung nach gehört (auf modernen Aufnahmen ist es stets zu präsent). Der Sound ist trotzdem druckvoll - die Kickdrum klingt hier nach Kickdrum und nicht nach "Klick"drum, ist aber nicht unpassend laut. In den Becken fehlt etwas Brillianz, was mich persönlich aber nicht weiter stört. Allerdings klingt im 4. Video die Snare durch die Nähe zum Mikrofon sehr direkt (vielleicht sogar zu sehr).

Das Problem, dass die Instrumente die Gesangsstimme übertönen, was man oft bei amateurhaften Aufnahmen hört, tritt hier nicht auf. Jedoch ist bei geringem Mikrofonabstand bei Kopfbewegungen der Sänger ein Wandern der Stimme auf der Stereobasis zu hören. Das fällt besonders bei der Leadsängerin im 5. Video auf (beim zweiten Leadsänger, der weiter weg vom Mikrofon steht, dagegen nicht). Dieses Problem würde sich bei einer Mono-Aufnahme, wie es früher üblich war, prinzipbedingt nicht stellen.

Insbesondere die Blues-/Jazz-Aufnahmen im 5. Video klingen sehr authentisch nach 40er-Jahre-Aufnahmen, allerdings ohne die Nachteile der damaligen Technik (eingeschränkter Frequenzgang, Verzerrungen). Besonders der Klaviersound gefällt mir sehr gut, was aber auch an der Spielweise liegt. Wer solche Musik nicht nur authentisch spielen, sondern auch authentisch aufnehmen will, sollte sich vielleicht mal mit dieser Methode befassen.

Im 6. Video ist das Ausbalancieren des Klanges durch die Musiker gut zu sehen und zu hören, als beim Bass-Solo der Bassist näher ans Mikrofon herangeht und der Banjo-Spieler weiter weg.

Die sehr gute Räumlichkeit erkauft man sich allerdings generell mit einem Verlust an Präsenz, und zwar umso mehr, je weiter die Instrumente vom Mikrofon entfernt sind. Ich tendiere daher dazu, die Aufnahmen eher etwas lauter zu hören. Es stört mich aber auch nicht unbedingt - das muss jeder für sich entscheiden.

Zuletzt sei gesagt, dass man für diese Methode offensichtlich einen guten Aufnahmeraum und gute Musiker braucht, die in der Lage sind, einen Take fehlerfrei einzuspielen.
Curlew
Stammgast
#3 erstellt: 02. Mai 2017, 19:16
Die Videos sind jetzt hier zu finden:

OneMic - the minimalist recording series

Und es sind inzwischen noch einige dazugekommen.

Für einen schnellen Überblick: OneMic Series - Introduction & Samples by John Cuniberti


[Beitrag von Curlew am 02. Mai 2017, 19:35 bearbeitet]
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