Rachmaninov 3. Klavierkonzert

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Wolfgang_Schulz
Ist häufiger hier
#1 erstellt: 12. Mai 2011, 17:05
Seit einiger Zeit bin ich auf Rachmaninovs 3. Klavierkonzert hängen geblieben. Ich habe eine Handvoll Interpretationen des Werks bei mir zu Hause.

  • -Arcadi Volodos - Berliner Philharmoniker
  • -Martha Argerich - Radio Symphonie Orchester Berlin
  • -Peter Rösel - Berliner Symphoniker
  • -Irgendwer mit dem Tiblisi Orchester
  • -Rachmaninoff plays Rachmaninoff
  • -André Watts - New York Philharmonics

Wobei Volodos mit den Berliner Philharmoniker meine pers. Reverenzversion darstellt.

Habt ihr Tips, Hinweise, absolute Lieblingsaufnahmen, CD oder Interpretationen von R.s 3. Klavierkonzert, die für mich interessant sein könnten?
Lohnt sich das Yefim Bronfmans Aufnahme hinterher zu jagen?

by Wolfgang
STR
Ist häufiger hier
#2 erstellt: 12. Mai 2011, 18:49
Volodos/Levine gefällt mir auch sehr gut und macht beim Hören sehr viel Spass. Bronfman/Salonen gehört zu meinen Lieblingsaufnahmen. Meiner Meinung nach bietet diese Aufnahme das beste Gesamtpaket.

Spannend für dich könnten auch Horowitz/Ormandy und Hough/Litton sein. Ersteres Gespann zeigt auch deutlich die Modernität von Rachmaninows Musik auf und Hough orientiert sich in seiner Einspielung sehr stark an Rachmaninows eigener Aufnahme.

Mein Favorit ist seit langem allerdings Rodriguez/McGrane. Es ist einfach unübertroffen, was die beiden im Finale abliefern :)...
Steffen_Bühler
Stammgast
#3 erstellt: 13. Mai 2011, 08:00
Ich habe dieses Konzert, nach welchem ich schon jahrelang süchtig bin, zuerst mit Ashkenazy/Previn (1998) gehört. Und es ist wie immer bei mir: diese Aufnahme hat sich als Referenz eingebrannt. Ein prägnantes Beispiel ist die Reprise (ich nenne sie mal so) im ersten Satz (bei 12:38, hab gerade noch einmal reingehört).

Das Chaos der "Durchführung" (ich stelle mir hier immer einen Kerl vor, der sich mehr und mehr betrinkt, dann wild im Zimmer rumtanzt und schließlich zusammenbricht) ist vorbei, es wird ruhig, zwei Flöten (bei 10:47) spielen meinen Protagonisten in den wohlverdienten Schlaf.

Nun trägt das Klavier das erste Thema ja noch einmal solo vor. Vollgriffige Akkorde, immer zwei oben, zwei unten. Schrang schrang, wumm wumm. Ashkenazy tritt hier total auf die Bremse! Und das ist gut so, auf diese Weise kommt die seelische Verzweiflung, in der sich unser Freund befindet, besser zur Geltung, man kann ihn förmlich mit den Fäusten auf den Boden trommeln hören. Es gibt eine Stelle in Brahms' Erstem, da ist das ähnlich.

So. Und nun wollte ich wissen, wie es der Meister selbst spielt. Also CD gekauft, eingelegt, natürlich Begeisterung, aber dann kommt die genannte Stelle bei 9:28. Rachmaninoff rast darüber weg, als wäre es eine Tarantella, keine Fäuste, keine Verzweiflung, nur Gehüpfe, doppelt so schnell wie Ashkenazy. So war das also gemeint? Ich weiß nicht.

Überraschenderweise habe ich bisher keine Ashkenazy-artige Interpretation dieser Stelle gehört, alle halten sich an den Komponisten (was ja auch verständlich ist) und fegen über die Tasten. Dennoch finde ich hier den zurückhaltenden Ansatz den besseren

Wenn ich's richtig im Kopf habe ist in einer Biographie der Rockgruppe Yes zu lesen, daß sich der Keyboarder Rick Wakeman Rach3 mit Ashkenazy auf eine Insel mitnehmen würde, wenn nur ein Album erlaubt wäre. Ich kann's verstehen, ich glaube, das wäre auch meine Wahl.

Viele Grüße
Steffen
Kreisler_jun.
Inventar
#4 erstellt: 13. Mai 2011, 08:14
Ist nicht gerade mein Lieblingsstück (wenn auch lange nicht so abgenudelt wie das 2.), aber als Klassiker gilt auch die Einspielung von Byron Janis/Dorati (Mercury, es gibt evtl noch eine weitere mit Reiner?). Das war jahrelang meine einzige und die einzige, die ich häufiger gehört habe. Von ein wenig Rauschen abgesehen begegnet man dem transparenten und direkten Mercury-Sound, der gemeinsam mit der eher straffen Interpretation die Schmalzvergiftung in Grenzen hält
Wolfgang_Schulz
Ist häufiger hier
#5 erstellt: 14. Mai 2011, 09:31
Danke für die Hinweise,

na dann Fasse ich mal zusammen.

    Horowitz/Ormandy
    Hough/Litton
    Ashkenazy/Previn
    Byron Janis/Dorati
    Bronfman/Salonen


Bronfman/Salonen die CD ist ja vergriffen aber, die liegt angeblich in meiner öffentl. Bibliothek rum. Da muss ich noch mal hinter her sein.

Ansonsten finde ich den Übergang von 2. in den 3. Satz einfach nur großartig. mal mächtiger mal schmächtiger Interpretiert. Für die Orchester und die gesamte techn. Einspielung können die Musiker nichts, aber ich muss schon sagen, wie Frau Argerich über die Tasten fegt ist zwar beeindruckend aber zwiespältig wie ich finde.

Interesannt finde ich, dass des Meister himself Rachmaninov gespielte Interpretation weniger geliebt wird. Darüber besteht sogar weitesgehend konsens wie ich hier im Forum das so mitbekommen habe.


[Beitrag von Wolfgang_Schulz am 14. Mai 2011, 09:34 bearbeitet]
Schneewitchen
Inventar
#6 erstellt: 14. Mai 2011, 14:28
amazon.de

Alternativ zur Aufnahme Ashkenazy/Previn ziehe ich die Aufnahme Ashkenazy/Haitink vor.

amazon.de

Die Aufnahme mit Wild/Horenstein möchte ich auch empfehlen.

Ich besitze verschiedenen Aufnahmen des 3.Klavierkonzertes,darunter natürlich auch die mit Byron Janis/Dorati.
Kissin.

Die Aufnahme mit Horowitz/Ormandy ist ein "must have",habe ich aber noch nicht.Muß ich aber haben.
An der Aufnahme mit Hough/Litton werde ich auch nicht vorbeikommen.
Wolfgang_Schulz
Ist häufiger hier
#7 erstellt: 17. Mai 2011, 15:06
Kennt jemand diese Aufnahnme? Wer oder Was spielt das? Ich hab zwar die Aufnahme, aber wer zum Geier ist das? klingt nicht ganz neu. Im großen und ganzen sehr Romantisch das Orchester klingt gut, der Pianist neigt etwas zum stolpern aber im ganzen eine Runde sache.
Rachmaninov concerto No. 3 & pieces
Schneewitchen
Inventar
#8 erstellt: 17. Mai 2011, 16:30
Die obige Aufnahme des 3.Klavierkonzerts stammt vom
Sinfonie-Orchester Tiflis
Dirigent Jansug Kakhidze

Solist könnte George Vachnadze (Klavier) sein,der alle 4.Konzerte Rachmaninovs mit o.a. Orchester und Dirigenten aufgenommen hat.
Amazon.com gibt neben em Dirigenten Kakhidze noch 3 weiter Personen an,nämlich Dina Kaminskaya, Maria Smirnovaund Nato Ts'Vereli. Da kann man sich aussuchen,wer der Solist sein könnte.


[Beitrag von Schneewitchen am 17. Mai 2011, 16:41 bearbeitet]
Wolfgang_Schulz
Ist häufiger hier
#9 erstellt: 17. Mai 2011, 18:47
@Schneewitchen, Vielen herzlichen Dank!

Ich hatte nur auf amazon.de gesucht, aber nicht amazon.com.
Ich freue mich das es hier im Klassik-Forum, freundlich gediegen und nett und hilfsbereit zugeht. Danke noch mal an dich.
Steffen_Bühler
Stammgast
#10 erstellt: 13. Feb 2017, 10:22

Steffen_Bühler (Beitrag #3) schrieb:
Überraschenderweise habe ich bisher keine Ashkenazy-artige Interpretation dieser Stelle gehört, alle halten sich an den Komponisten (was ja auch verständlich ist) und fegen über die Tasten.


Seit gestern kenne ich einen zweiten, der hier so ashkenazyesk spielt: es ist der junge Daniil Trifonov, den ich momentan mit Rachmaninoff "bis zum Abwinken" erleben darf (alle Klavierkonzerte/Sinfonien innerhalb einer Woche!).

Schon beim ersten war zu hören, dass Trifonov die elegischen Stellen eher langsam angeht. Der wunderbare zweite Satz (tut mir leid, ich bin hier ein hoffnungsloser Fall) wurde da regelrecht ausgewalzt. Genau nach meinem Geschmack eben. Was nicht heißt, dass er die schnellen Sätze ebenfalls ausbremst: hier geht es dann richtig zur Sache, unglaublich exakt und fehlerfrei. Die standing ovations hat er sich jedenfalls verdient.

Aus irgendeinem Grund gibt Gergievs Petersburger Orchester nur drei Konzerte. Vielleicht waren die Philharmoniker sauer, dass sie hier ausgeschlossen wurden und haben rebelliert. Jedenfalls bekam ich die vorbestellten Karten letztes Jahr recht spät. Der Kompromiss ist nun, dass die Münchner das populäre zweite spielen dürfen. Und schon bei gestrigen dritten spielte plötzlich der erste Philharmoniker-Geiger bei den Russen mit. Was da wohl hinter den Kulissen abgelaufen war...

Im nun wirklich anspruchsvollen dritten zeigte Trifonov erneut, dass er vor nichts Angst hat. Ein einziges Mal war der rechte kleine Finger etwas daneben, sonst habe zumindest ich nur Perfektion gehört. Und eben eine Kadenz, wie ich sie favorisiere.

Viele Grüße
Steffen
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