Einstellungen Rim Imperator EL 84 Ultralinear/Gegentakt

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Tubeandy
Neuling
#1 erstellt: 03. Mrz 2007, 14:09
Hallo da ich neu im Hifi-Forum bin eine Kurze Vorstellung.
Bin 44 Jahre Jung komme aus der Gegend um Heidelberg und habe vor kurzem meine Liebe zu den Röhren wiederentdeckt. (6C33C)
Hatte einen Rim Imperator seit mehr als 25Jahren gelagert.Leider war meine damalig letzte Aktion so erfolgreich, dass 4 EL84 in einem Feuerwerk untergegangen sind.
Leider ist der Verstärker nicht Orginalgetreu aufgebaut zb Micro.Stufe mit der EF86 fehlt ebenso die Aussteueranzeige mit der Thyratronröhre.
In der Beschreibung des Verstärkers heist es Die exakte Einstellung der vorgeschriebenen negativen Vorspannung sowie der einwandfreie Abgleich der Anodenruheströme der Endröhren kann durch die Einstellregler P 7, P 8 (P 7', 8') vorgenommen werden.
Kann mir jemand weiterhelfen mit der Einstellung der negativen Vorspannung und dem Abgleich der Anodenruheströme.
Welche Werte müssen diese haben?
pragmatiker
Administrator
#2 erstellt: 04. Mrz 2007, 12:13

Tubeandy schrieb:
Hallo da ich neu im Hifi-Forum bin eine Kurze Vorstellung.
Bin 44 Jahre Jung komme aus der Gegend um Heidelberg und habe vor kurzem meine Liebe zu den Röhren wiederentdeckt. (6C33C)
Hatte einen Rim Imperator seit mehr als 25Jahren gelagert.Leider war meine damalig letzte Aktion so erfolgreich, dass 4 EL84 in einem Feuerwerk untergegangen sind.
Leider ist der Verstärker nicht Orginalgetreu aufgebaut zb Micro.Stufe mit der EF86 fehlt ebenso die Aussteueranzeige mit der Thyratronröhre.
In der Beschreibung des Verstärkers heist es Die exakte Einstellung der vorgeschriebenen negativen Vorspannung sowie der einwandfreie Abgleich der Anodenruheströme der Endröhren kann durch die Einstellregler P 7, P 8 (P 7', 8') vorgenommen werden.
Kann mir jemand weiterhelfen mit der Einstellung der negativen Vorspannung und dem Abgleich der Anodenruheströme.
Welche Werte müssen diese haben?


Servus Tubeandy,

zunächst einmal willkommen im Forum und viel Spaß bei uns. Zu Deinem Imperator und dem Datenblatt der EL84 (Philips) zunächst einmal zwei Links:

http://www.jogis-roehrenbude.de/Rim/Imperator.htm

http://www.mif.pg.gda.pl/homepages/frank/sheets/030/e/EL84.pdf

Gemäß dem Röhrenbude Link wird für den Imperator eine Dauerausgangsleistung von 20[W] pro Kanal angegeben - was angesichts der Angaben im Philips Datenblatt (17[W] bei 300[V] Anodenspannung im Gegentakt-B-Betrieb) wirklich das absolute Maximum darstellen dürfte.

Da die 300[V] Anodenspannung gemäß dem o.a. Datenblatt gleichzeitig der Grenzwert für die EL84 ist, gehen wir mal von einer Anodenspannungsversorgung in dieser Gegend im Imperator aus. Desweiteren gehe ich aufgrund der im Schaltbild komplett fehlenden Kathodenwiderstände mal von Gegentakt-B-Betrieb bei diesem Verstärker aus.

Und da weist dann das Philips Datenblatt für die 17[W] pro Kanal bei Gegentakt-B-Betrieb eine Gittervorspannung von -14.7[V] für jede EL84 aus.

Bevor wir jetzt das Basteln anfangen, eine kleine Warnung (ich kenne leider Deinen technischen Hintergrund - noch - nicht, deswegen muß das sein):

Röhrengeräte arbeiten mit hohen Spannungen, welche lebensgefährlich sind! Darüber muß man sich beim Arbeiten an solchen Geräten immer klar sein. Desweiteren sollte man sich an das Innenleben solcher Geräte nur heranwagen, wenn man genau weiß, was man tut. Bei Arbeiten an spannungsführenden Teilen gehört immer eine Hand in die Hosentasche. Außerdem sollten solche Arbeiten nur hellwach und stocknüchtern durchgeführt werden! Nach dem Ausschalten und dem Netztrennen solcher Geräte immer noch mindestens 5 Minuten warten, damit sich alle Netzteilelkos sicher entladen haben! Die Spannung an diesen Elkos zur Sicherheit vor dem Beginn weiterer Arbeiten noch einmal nachmessen (sie muß unter 40[V] betragen)!

Nun setze ich mal voraus, daß dieser Verstärker technisch bis auf die abgefackelten EL84 in Ordnung ist - das heißt: alle Koppelkondensatoren sind in Ordnung (insbesondere die braunen WIMA "Bonbons" sollten komplett ohne wenn und aber ausgetauscht sein). Die Gefahr von (mit Niedervoltmeßgeräten u.U. nicht meßbaren) Feinschlüssen ist sonst einfach zu groß.

Dann setze ich voraus, daß ein Quartett nagelneuer EL84 aus Markenproduktion vorhanden ist - ob alt oder neu, ist hierbei egal, nur sollte es nicht der letzte Fernostschrott sein (zumindest sollten bei allen vier Röhren die Systeme optisch identisch aussehen, alle auf selber Höhe und gerade im Glaskolben stehen).

Die folgenden Einstellarbeiten finden jetzt zunächst einmal mit gezogenen Endröhren statt. Der Imperator wurde für 220[V] Netzspannung gemacht - insofern können die nachfolgend angegebenen Werte um ca. 4.5% höher liegen - je nach aktuell bei Dir vorhandener Netzspannung.

Durchzuführende Arbeiten:

  1. Für alle nachfolgenden Messungen ist nun ein hochohmiger Spannungsmesser mit einem Innenwiderstand von mindestens 10[MOhm] sowie ein Ohmmeter mit Durchgangspiepser (oder ein Multimeter mit derselben Funktion) erforderlich.
  2. Das Gerät bleibt zunächst einmal ausgeschaltet und vom Netz getrennt.
  3. Jetzt werden zunächst einmal die Trimmpotentiometer P7 / P8 und P7' / P8' mit dem Ohmmeter daraufhin durchgemessen / durchgepiepst, ob a.) die Schleifer auf der ganzen Widerstandsbahn von Anfang bis Ende des Einstellbereiches sicher Kontakt haben und b.) der Anfang und das Ende der Widerstandsbahnen sicheren Kontakt zu seinen (häufig nur auf einen Pertinaxträger aufgenieteten) Anschlüssen hat. Die volle Funktionsfähigkeit dieser vier Trimmer ist extrem wichtig, weil irgendein Fehler jedes einzelnen Trimmers bei der gewählten Schaltungsart dazu führt, daß eine oder mehrere EL84 0[V] Gittervorspannung sehen und "hochgehen". Ein Piepser, der auch schon bei ein paar-zig-Kiloohm anspricht, ist hierbei hilfreich, weil man mit diesem Wackelkontakte recht schön "hört".
  4. Anschließend packen wir uns die Primärwicklungen der Ausgangsübertrager: Mit dem Ohmmeter sollten hierbei von den Anodenanschlüssen aller vier Endröhren (Pin 7 der EL84) zu den Ultralinear-Schirmgitterabgriffen hin zum Einspeisepunkt der Anodenspannung (Heizfadenanschlüsse der GZ34, Rö12 oder Pluspol von - soweit ich das lesen kann - C21 oder C31) identische ohmsche Widerstände (typischerweise 100...300[Ohm]) zu messen sein - ist dies der Fall, kann man mit einiger Sicherheit davon ausgehen, daß die Ausgangsübertrager in Ordnung sind (keine Wicklungsunterbrechung, kein Teilwindungsschluß durch Überlastung etc.)
  5. Wenn bis hierher alles in Ordung ist: Gerät ohne die Endröhren einschalten - ideal wäre es, das Gerät an einem Stelltransformator langsam innerhalb von ca. 5 Minuten hochzufahren, um die Netzteilelkos zu formieren.
  6. Nun messen wir mit dem Spannungsmesser an den Endröhrenfassungen (Pin 7) jeder der vier EL84 die Anodenspannung gegen Masse - hier sollten im Leerlauf irgendwas zwischen 310[V] und maximal ca. 340[V] anstehen.
  7. Ist auch diese Messung zufriedenstellend verlaufen, messen wir an den Schirmgitteranschlüssen der Röhrenfassungen jeder vier EL84 (Pin 9) die Schirmgitterspannung: hier sollten im Leerlauf ebenfalls irgendwas zwischen 310[V] und maximal ca. 340[V] anstehen - ist auch diese Messung in Ordnung, ist das ein Indiz dafür, daß die Schirmgitterwiderstände o.k. sind.
  8. Nun stellen wir die Symmetrietrimmpotentiometer P8 und P8' in die mechanische Mittelstellung.
  9. Mit P7 und P7' wird jetzt die Gittervorspannung (zu messen an Pin 2 der Röhrenfassung von jeder EL84) gegen Masse auf -14.7[V] eingestellt - P7 ist hierbei für die Röhren Rö4 / Rö5 des linken Kanals zuständig, P7' ist für die Röhren Rö9 / Rö10 des rechten Kanals zuständig. Sollten sich mit dieser Einstellung für die beiden Röhren eines Kanals keine identischen Spannungswerte einstellen lassen, so ist mit P8 (für Rö4 / Rö5, linker Kanal) bzw. mit P8' (für Rö9 / Rö10, rechter Kanal) auf identische Spannungswerte nachzugleichen. Danach kann es erforderlich sein, P7 und P7' ebenfalls nochmals nachzugleichen - dies ist ein iterativer Prozeß. Ziel ist es in jedem Fall, am Ende dieses Angleichs an den Steuergitteranschlüssen aller vier EL84 (Pin 2) einheitlich -14.7[V] gegen Masse anstehen zu haben. Die Sorgfältigkeit dieser Arbeit ist auch deswegen besonders wichtig, weil der Imperator laut Schaltbild bei den EL84 über keinerlei Kathodenwiderstände verfügt - mithin der Ruhestrom der Endstufe also nicht direkt gemessen werden kann.
  10. Sollte es bei dieser Einstellung nur die leisesten Zweifel oder Probleme geben, so fliegen die vier Elkos (8[µF]) von den Endanschlägen der Trimmer P8 und P8' raus und werden gegen 10[µF]/100[V] Typen ersetzt - Polarität beachten (Pluspol an Masse).
  11. Ist bis hierher alles in Ordnung: Gerät ausschalten, Elkos entladen lassen - und dann: die vier (neuen) EL84 in das Gerät einstecken.
  12. Gerät wieder einschalten (und nicht aus den Augen lassen). Bekommen die EL84 nach ca. 20...40[s] "rote Backen" (sprich: die Anodenbleche beginnen zu glühen), SOFORT wieder ausschalten und nichts mehr tun - in diesem Fall müßten wir dann gemeinsam die Fehlerursache ermitteln.
  13. Sieht nach ca. einer Minute alles o.k. aus, dann wird die Anodenspannung an der Fassung jeder der vier EL84 (Pin 7) gegen Masse gemessen. Diese Spannung sollte für alle vier Röhren praktisch identisch sein (das deutet dann nämlich auf einen identischen Spannungsabfall an allen vier Teilprimärwicklungen der Ausgangsübertrager - und damit auf einen identischen Ruhestrom aller vier Endröhren hin). Die gemessene Spannung gegen Masse sollte absolut nicht wesentlich unter 300[V] liegen - tut sie das doch, fließt entweder insgesamt ein zu hoher Ruhestrom, oder die Gleichrichterröhre Rö12 (GZ34) ist hinüber.
  14. Wenn bis hierher alles in Ordnung ist, sollte das Gerät eigentlich spielen. Zum Feinabgleich von P8 und P8' (Symmetrie) bräuchte es jetzt noch einen klirrarmen Sinusgenerator, einen 5[Ohm] Lastwiderstand und eine Klirrfaktormeßbrücke - dann könnte man P8 (linker Kanal) und P8' (rechter Kanal) bei 1[kHz] und 10[W] Ausgangsleistung für jeden Kanal auf den geringstmöglichen Klirrfaktor einstellen. Dieser Abgleich wäre auch deswegen wichtig, weil es bei der gewählten Schaltungsart der Phasenumkehrstufe nicht 100%-ig sichergestellt ist, daß die Höhe der Steuergitteramplitude für beide Endröhren eines Kanals absolut identisch ist.
  15. Wenn alles korrekt durchgeführt wurde, die Endröhren auch nicht glühen und die Anodenspannung trotzdem zu niedrig liegt (und der Verstärker ggf. verzerrt spielt oder brummt), so ist wahrscheinlich ein Austausch aller Netzteilelkos erforderlich.

Viel Spaß und Erfolg bei den Arbeiten.

Grüße

Herbert


[Beitrag von pragmatiker am 04. Mrz 2007, 13:31 bearbeitet]
Tubeandy
Neuling
#3 erstellt: 04. Mrz 2007, 16:53
@Pragmatiker

Bevor wir jetzt das Basteln anfangen, eine kleine Warnung (ich kenne leider Deinen technischen Hintergrund - noch - nicht, deswegen muß das sein):

Hallo Herbert
habe ich doch glatt vergessen bin von Berufswegen Energieanlagenelektroniker, außerdem durch diverse Kontakte in frühster Jugend (Röhrenbasteln) Spannungsfest man kann auch sagen Vorsichtig ist nicht angenehm einen mit 300V geladenen Kondensator mit den Fingern zu entladen.

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort hat mir super geholfen.
Da ich den Verstärker neu aufbaue möchte ich etwas an der Schaltung ändern, denke über eigene Kathoden Widerstände nach und Gitterspg. einstellbar für jede Endröhre einzeln. Habe auf Jogis Röhrenbude eine 30 Watt- Stereo-Endstufe mit 4 x EL 84 gefunden so stelle ich es mir vor (nur mit 2 EL84). Ist diese Ausführung vorteilhafter oder die Orginalausführung von Rim

Grüße Andy
pragmatiker
Administrator
#4 erstellt: 04. Mrz 2007, 16:56

Tubeandy schrieb:
Habe auf Jogis Röhrenbude eine 30 Watt- Stereo-Endstufe mit 4 x EL 84 gefunden so stelle ich es mir vor (nur mit 2 EL84). Ist diese Ausführung vorteilhafter oder die Orginalausführung von Rim


Genauen Link zu dem Projekt auf Jogis Röhrenbude? Da gibt's nämlich wahnsinnig viele Projekte....

Und im übrigen: Ich persönlich würde den Verstärker so lassen wie er ist - es ist ein historisches, erhaltenswertes Gerät (wenn er in ordentlichem, unverbastelten Allgemeinzustand ist). Einfach ordentlich und vollständig reparieren (sowas darf man bei historischen Geräten auch mit heutigen Bauteilen machen - eine Reparatur kam schließlich auch zu "Lebzeiten" dieser Geräte hin und wieder vor), nicht modifizieren (einzige Ausnahme: Falls sich im Bereich der Netzverkabelung Dinge zeigen, die nicht mehr VDE-gemäß sind, müssen diese natürlich angepaßt werden) und sich am Klang eines 60er Jahre Röhrenverstärkers freuen. Übrigens - der Klang von RIM-Verstärkern ist durchaus ansprechend...ich habe selber einen "Organist" hier und kann nicht klagen....der wesentliche Punkt sind hier die "Engel" Ausgangsübertrager, und sowas dürfte bei Deinem "Imperator" auch verbaut worden sein.

Grüße

Herbert


[Beitrag von pragmatiker am 04. Mrz 2007, 17:01 bearbeitet]
Tubeandy
Neuling
#5 erstellt: 04. Mrz 2007, 17:52
Hallo Herbert,

leider ist der Verstärker in keinem so guten Zustand vom Orginalzustand, anderes Gehäuse, klpt.anderer Aufbau leider soweit entfernt, das ich nur aufgrund der Beschriftung des AÜ's mit Imperator und danach stichprobenweise Kontrollen des Schaltbildes diesen überhaupt mit dem Imperator in Verbindung bringen konnte.
Daher die Idee von mir mit den Trafos von RIM einen ahnlichen Verstärker aufzubauen.
Der Link der von mir gemeinten Endstufenschaltung Verstärker 4xEL84


Gruß Andy
pragmatiker
Administrator
#6 erstellt: 04. Mrz 2007, 19:17
Servus Andy,

wenn ich Dich richtig verstanden habe, sind von dem Imperator noch die beiden Ausgangsübertrager, evtl. der Netztrafo sowie noch ein paar Kleinbauelemente übrig. Und um diese Komponenten herum (beim Netztrafo ist es eine Vermutung meinerseits) möchtest Du jetzt einen Röhrenverstärker-Eigenbau aufziehen.

Wenn dem so sein sollte, dann ist die von Dir verlinkte Schaltung nicht die richtige, weil: 4 Stück EL84 pro Kanal (davon je zwei Stück parallel geschaltet) erfordern einen Ausgangsübertrager mit kleinerem R(aa) (näherungsweise ca. 4[kOhm]) und einem Kern, der mindestens die doppelte Leistung der Imperator-Übertrager kann. Diese Schaltung wird mit den Imperator Übertragern nicht zufriedenstellend laufen - sprich: es kommt nicht mehr Leistung als ca. 20[W] pro Kanal raus - trotz der vier Endröhren pro Kanal.

Wenn Du mit der Schaltung mit den vier Endröhren pro Kanal (und dann neuen, dazu passenden Ausgangsübertragern) weiter machen möchtest, dann sag' Bescheid - in diesem Fall hätte ich zu der von Dir verlinkten Schaltung einige Anmerkungen (die ich mir spare, wenn das Projekt aufgrund des oben gesagten eh' nicht in Frage kommt).

Im anderen Fall würde ich vielleicht folgende Schaltung in die nähere Wahl ziehen:

http://www.jogis-roe...r-Amp/MMayer-Amp.htm

Da passen Deine Ausgangsübertrager und auch der RIM Netztrafo, die Schaltung hat von vorne bis hinten Autobias (dadurch ist nichts ab- oder nachzugleichen) und so 15...17[W] pro Kanal sollten da auch rauskommen. Die Phasenumkehrstufe ist ordentlich (Differenzverstärker) und macht etwas eigene Verstärkung, ebenso macht die EF86 vorne dran genug Verstärkung, so daß auch die Gegenkopplung vernünftig greift. Beim Netzteil würde ich in Deinem Fall natürlich keine zwei getrennten Netzteile aufbauen, sondern die GZ34 Lösung des RIM-Imperator für beide Endstufen zusammen übernehmen. Bei der Röhrengleichrichtung mußt Du übrigens bleiben, wenn der RIM-Netztrafo weiter Verwendung finden soll - bei Einsatz eines Halbleitergleichrichters wäre die Anodenspannung viel zu hoch und klar außerhalb der Spezifikationen der EL84.

Grüße

Herbert


[Beitrag von pragmatiker am 04. Mrz 2007, 19:19 bearbeitet]
Tubeandy
Neuling
#7 erstellt: 04. Mrz 2007, 20:36
Hy Herbert,

der von dir vorgeschlagene Verstärker sieht nicht schlecht aus.Bei dem von mir genannten Verstärker wollte ich je Kanal die parallel geschalteten EL 84 entfernen.
Hier mal 2 Bilder damit du dir einen Eindruck machen kannst wie der Verstärker aussieht mit dem Bügel kann man die komplette Röhreneinheit über Steckkontakte herausziehen.




Grüße Andy


[Beitrag von Tubeandy am 04. Mrz 2007, 23:09 bearbeitet]
pragmatiker
Administrator
#8 erstellt: 04. Mrz 2007, 20:47
Servus Andy,

ziemlich angegammelt, aber nicht hoffnungslos. Zumindest ist ziemlich viel Material vorhanden - das einzige, was Du noch nachkaufen müßtest, sind die vier EL84 und die GZ34, soweit ich das sehe (und natürlich ggf. die Koppelkondensatoren, falls die älterer Machart sein sollten - was ggf. auch für die Elkos gilt). Wie auch immer - mit einem Materialaufwand in der Gegend von EUR 100,-- müßte das erledigt sein (was natürlich das Gehäuse nicht mit einbezieht).

Das ist die zentrale und erste Frage, die Du Dir beantworten mußt: Restaurierst (sprich: entrostest) Du das originale Chassis und reicherst es um eine neue Frontplatte an oder baust Du ein komplett neues Chassis auf - es ist abzuwägen, was aufwendiger ist. Für die Restauration spricht meiner Meinung nach, daß die komplette Verdrahtung und Massepunktverlegung schon da ist (die kann auch relativ leicht auf andere Schaltungen abgeändert werden - soooo unterschiedlich sind die verschiedenen EL84 Gegentakt-Schaltungsarten nicht). Bleibt die Massepunktverlegung unverändert bestehen und hat der Verstärker vorher brummfrei funktioniert, so wird er dies mit einiger Wahrscheinlichkeit auch nachher tun - ein nicht zu unterschätzender Vorteil (jeder, der schon mal tagelang Brummfehler gesucht hat, weiß, wovon ich da rede).

Grüße

Herbert


[Beitrag von pragmatiker am 04. Mrz 2007, 20:48 bearbeitet]
hf500
Moderator
#9 erstellt: 05. Mrz 2007, 21:49
Moin,
etwas zur Anodensstrommessung ohne Katodenwiderstaende.
Man kann ihn auch hier direkt messen, mit einem kleinen Messfehler.

Man schaltet ein moeglichst niederohmiges Milliamperemeter parallel zur Anodenwicklung des Ausgangsuebertragers.
Nach der Stromteilerregel fliesst dann fast der gesamte Anodenstrom ueber das Messinstrument, es muss nur sehr viel
niederohmiger als die Primaerwicklung sein. Die ueblichen Digitalmultimeter haben im 200mA-Bereich 10 Ohm, was die Forderung erfuellen sollte.
Einen Nachteil hat diese Methode, der Messkreis liegt gegen Chassis (Erde) liegt komplett auf Anodenspannung, also Vorsicht beim "Fummeln" ;-)

73
Peter
pragmatiker
Administrator
#10 erstellt: 06. Mrz 2007, 11:20

hf500 schrieb:
Einen Nachteil hat diese Methode, der Messkreis liegt gegen Chassis (Erde) liegt komplett auf Anodenspannung, also Vorsicht beim "Fummeln" ;-)


Servus Peter,

DAS genau ist der Grund, warum ich das nicht vorgeschlagen habe....die gesamte Messung auf hohem Potential....den damaligen Beitrag hab' ich nämlich zu einem Zeitpunkt verfaßt, zu dem ich noch nicht wußte, daß Andy Energieanlagenelektroniker ist.

Grüße

Herbert
Tubeandy
Neuling
#11 erstellt: 07. Mrz 2007, 20:12
Hallo Herbert,

welche Vor-oder auch Nachteile hat denn eine feste Gitterspannung. Bin im Moment hin und her gerissen ob ich den Imperator nicht doch nach Schaltplan aufbaue habe eine ähnliche Schaltung gefunden Se 25 die mir etwas unkomplizierter scheint und auch eine super Beschreibung, allerdings möchte ich nicht auf die Klangregelstufe des Imperators verzichten auf den Micro-Eingang allerdings schon.Weiterhin möchte ich 3 oder 4 Chinch- Stereoeingänge über Drehschalter mit Reed-Relais nachrüsten.

Grüße Andy
pragmatiker
Administrator
#12 erstellt: 07. Mrz 2007, 21:15

Tubeandy schrieb:
Hallo Herbert,

welche Vor-oder auch Nachteile hat denn eine feste Gitterspannung. Bin im Moment hin und her gerissen ob ich den Imperator nicht doch nach Schaltplan aufbaue habe eine ähnliche Schaltung gefunden Se 25 die mir etwas unkomplizierter scheint und auch eine super Beschreibung, allerdings möchte ich nicht auf die Klangregelstufe des Imperators verzichten auf den Micro-Eingang allerdings schon.Weiterhin möchte ich 3 oder 4 Chinch- Stereoeingänge über Drehschalter mit Reed-Relais nachrüsten.

Grüße Andy


Servus Andy,

im Prinzip eine nachbausichere Standardschaltung, mit der man nicht viel verkehrt machen kann. Die feste Gittervorspannung hat den Vorteil, daß man damit aus einem gegebenen Endröhrenpärchen bei gleicher Betriebsspannung etwas mehr Leistung herausholen kann, weil reiner B-Betrieb möglich ist (etwas, was bei Autobias so nicht geht) und den Nachteil, daß man mehrere Abgleichpunkte in der Schaltung hat, die u.U. gelegentlich mit der Röhrenalterung (in allerdings sehr großen Zeitintervallen) nachzustellen sind (Autobias kompensiert die Röhrenalterung automatisch).

Bei dieser Schaltung fielen mir allerdings ein paar Punkte auf:

  • Der Verbindungspunkt "R17 / R18" gehört an Masse angeschlossen.
  • Den Verbindungspunkt von R12 und R13 würde ich persönlich nicht an Masse legen, sondern an den negativen Pol von C7 - also direkt an das negative Gitterspannungsnetzteil (ggf. sind dann R12, R13 und R25 umzudimensionieren). Begründung: Geht einer der beiden Schleifer von P1 oder P2 (z.B. durch einen Wackelkontakt) auf, dann liegen im Fall der Originalschaltung die Gitter der beiden Endröhren auf 0[V] - damit sind die EL84 gleichspannungsmäßig voll ausgesteuert und ziehen den maximalen Strom aus dem Netzteil, den dieses hergibt. Endresultat: Die Endröhren bekommen "rote Backen" (sprich glühende Anodenbleche) und gehen in kürzester Zeit hoch.
  • Zwischen C3 und dem Gitter der ECC83(b) gehört unmittelbar und mit kürzestmöglichen Drähten an das Gitter ein 1[kOhm] UKW-Schwingschutzwiderstand hin (braucht's vielleicht nicht unbedingt, ist aber eine Sicherheitsmaßnahme, die einem etwas mehr Freiheiten hinsichtlich eines "lockeren" Aufbaus gibt).
  • Die Anodenspannung (270[V] * sqr(2) = ca. 380[V], mit 210[mA] belastet laut Text ca. 370[V]) liegt für eine EL84 VIEL zu hoch. Das Datenblatt der EL84 spricht hier eine eindeutige Sprache: Limiting Values - Anode Voltage: max. 300[V].
  • Da R9 wechselspannungsmäßig nicht mit einem Kondensator überbrückt ist, geht sein Widerstandswert in die Wechselspannungseigenschaften der Phasenumkehrstufe ein. Für eine optimale Symmetrie dieser Stufe sollte aber gelten: R8 = R9 + R10. Außerdem sollten diese Widerstände 1%-Typen sein.
  • Die Verbindungspunkte R14 / R12 / P2 und R11 / R13 / P2 sollten mit je einem hinreichend dimensionierten Kondensator nach Masse gelegt werden, damit diese Punkte wechselspannungsmäßig sauber auf 0[V] stehen. Damit vermeidet man, daß sich die beiden EL84 gitterseitig wechselspannungsmäßig "sehen" - das kommt der Symmetrie der Endstufe zugute.


Grüße

Herbert


[Beitrag von pragmatiker am 07. Mrz 2007, 21:42 bearbeitet]
hf500
Moderator
#13 erstellt: 07. Mrz 2007, 23:24
Moin,
das Katodyn ist so in Ordnung, wenn R8 und R10 den gleichen Wert haben.
Da in R8 und R10 der gleiche Strom fliesst, ist auch die Spannung an
beiden Widerstaenden die gleiche. Der Wechselspannungsanteil ueber R9
kann rechnerisch dem ueber der Roehre zugeschlagen werden.

73
Peter
pragmatiker
Administrator
#14 erstellt: 08. Mrz 2007, 03:02

hf500 schrieb:
Moin,
das Katodyn ist so in Ordnung, wenn R8 und R10 den gleichen Wert haben.
Da in R8 und R10 der gleiche Strom fliesst, ist auch die Spannung an
beiden Widerstaenden die gleiche. Der Wechselspannungsanteil ueber R9
kann rechnerisch dem ueber der Roehre zugeschlagen werden.


Da hast Du allerdings recht, Peter - da hab' ich gepennt. Irgendwie hat sich bei mir (fälschlicherweise) der Gedanke festgesetzt, daß der Abgriff des Koppelkondensators direkt an der Kathode erfolgte....keine Ahnung, warum.

@TubeAndy:

Also, die Phasenumkehrstufe (in dieser Schaltungsart "Kathodyn" genannt, im englischen Sprachraum auch als "Concertina" bekannt) ist - wie Peter richtig anmerkte, so in Ordung....allerdings sollten R8 und R10 trotzdem 1%-ige Widerstände sein.


Grüße

Herbert


[Beitrag von pragmatiker am 08. Mrz 2007, 03:09 bearbeitet]
Audi-o
Neuling
#15 erstellt: 15. Sep 2007, 18:12
Hallo Herbert und alle anderen,
bin gerade zum 1ten mal im Forum und hätte schon ein goßes Anliegen und zwar hab ich vor kurzen einen RIM Imperator
ergattert bzw. geschenkt bekommen.
Als ich ihn angeschlossen habe ging er zwar aber brummte wie ein dicker fetter Teddibär und da ich kein man vom Fach bin bräuchte ich jemand der ihn mir für nen vernünftigen Preiss überholen bzw. durchjecken kann.
Kann mir jemand helfen???
Güsse Sascha
Ps: er kling auch jetzt schon toll
Florianska
Schaut ab und zu mal vorbei
#16 erstellt: 13. Dez 2007, 12:56
Hallo,
ich bin ebenfalls wie der Themenstarter neu in diesem Forum.
Also stelle ich mich kurz vor.
42 jahre jung und schon als Schüler mit dem Fahrrad auf Röhrenradiosuche, meistens 22Uhr bis 4Uhr durch die Sperrmüllbestände.
Damals gabs noch festgelegte Termine ohne Abrufkarten.
Jetzt bin ich Projektleiter für den Aufbau einer neuen Neutronenquelle am Forschungsreaktor FRM2 in Garching bei München.

Zu den Daten des Imperator-S von Rim hätte ich eine Frage, wegen der eingesetzten Endstufen.
Ich bin immer auf der suche nach bezahlbaren Stradivari Röhrenradios von Stern Radio Rochlitz in den Versionen 2 und 3mono ist diese Endstufe verbaut, Ausgangsleistung 8Watt. Allerdings mit 280V an den Schirmgittern und 275Volt an den Anoden. reicht das für die erheblich geringere Leistung?
Und wenn nicht, wie kann ich die leistungsgrenze des Ausgangsübertragers ermitteln?
Zur Info kann ich einen Auszug aus dem unter anderem auch mit abstimmbarer HF-Vorstufe versehenen Radio als email-Anhang senden.
Mit freundlichen Grüßen
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