Brahms, J.: Die Klavierkonzerte - Zwei Symphonien mit Piano Obligato

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Cliowa
Ist häufiger hier
#1 erstellt: 22. Mai 2004, 11:25
Liebe Forianer
Mit seinen zwei Klavierkonzerten ist Johannes Brahms dem Schatten, den Beethoven seines Gefühls nach immer auf ihn warf, sehr gut entkommen. Brahms Klavierkonzerte heben sich deutlich vom Rest der Klavierkonzerte ab, haben eine ganz neue Art Konzert geschaffen. Das Klavier und das Orchester sind sozusagen zwei gleichwertige Partner, daher auch der Ausdruck "mit piano obbligato". Die Klavierkonzerte sind nicht "einfach" zwei Viruosenwerke, obwohl sie einiges von Solist und Orchester fordern. Sie sind bspw. völlig anders als Tschaikowskys Klavierkonzert, wo das Orchester wirklich "nur" eine Begleitfunktion hat. Bei Brahms bilden Orchester und Solist so etwas wie eine Symbiose, was die Konzerte zu etwas Einmaligem macht.

Nun meine Frage: Wie steht ihr zu den Werken? Welche Aufnahmen besitzt ihr (wo möglich mit Interpretationsvergleich)?

Hier meine:
1. Klavierkonzert:
- Leif Ove Andsnes, City of Birmingham Symphony Orchestra, Simon Rattle (EMI 1998)
- Alfred Brendel, Berliner Philharmoniker, Claudio Abbado (Philips 1986)

Die beiden Versionen sind sehr verschieden. Bei Brendel und Abbado hört man mehr die Analytik, die Mechanik; die Konzerte sind sehr transparent. Allerdings ist Rattle meiner Meinung nach ein besserer Begleiter als Abbado. Das Orchester wirkt mehr mitgerissen. Irgendwie hat die Aufnahme mit Andsnes mehr "Drive". Aber ja, das ist rein subjektiv.

2.Klavierkonzert:
- Rubinstein, RCA Symphony Orchestra, Josef Krips (RCA 1958 aufgenommen, 1999 veröffentlicht)
- Gilels, Berliner Philharmoniker, Eugen Jochum (DGG 1972)

Hier gefällt mir die Version mit Rubinstein besser. Warum genau kann ich auch nicht richtig sagen. Jede der beiden Aufnahmen hat ihre Qualität, bloss insgesamt höre ich lieber Rubinstein.

Kommentare zu diesen sowie anderen Aufnahmen sind durchaus erwünscht.
P.S.: Hat jemand die (umstrittenen) Aufnahmen mit Zimerman und Bernstein auf DGG? Würde mich interessieren...
Viele Grüsse...Cliowa
Hüb'
Moderator
#2 erstellt: 23. Mai 2004, 08:53
Also ich höre das 2. Konzert am liebsten.
Favoriten sind hier Richter/Leinsdorf (RCA) und vor allem
Anda/Fricsay auf DG (obwohl es einfach sehr, sehr viele gelungene Einspielungen gibt).

Viele Grüße,

Frank
op111
Moderator
#3 erstellt: 23. Mai 2004, 15:07
Cliowa:
P.S.: Hat jemand die (umstrittenen) Aufnahmen mit Zimerman und Bernstein auf DGG? Würde mich interessieren...


Hallo Cliowa,
ich habe die und kann sie mit Vergnügen hören.
Als so schlecht und exotisch empfinde ich die nicht. Lenny B. war schon mal eigenwilliger.

An
Leon Fleisher/George Szell/Cleveland Orchestra (Sony)
kommt allerdings kaum eine heran,
allenfalls
Rudolf Serkin/George Szell/Cleveland Orchestra (Sony).

Gruß
Franz


[Beitrag von op111 am 23. Mai 2004, 15:17 bearbeitet]
Albus
Inventar
#4 erstellt: 25. Mai 2004, 10:09
Tag,

nur LP: die Steigerung, für je 1. und 2. KK, beginnt mit Solomon, Dirigent Issay Dobrowen, Philharmonia Orchestra, dann erhöht Clifford Curzon, 1. mit George Szell, London Symphony Orchestra, 2. mit Hans Knappertsbusch, Wiener Philharmoniker, schließlich der höchste Punkt: Claudio Arrau, Dirigent Bernard Haitink, Concertgebouw Orkest. Ein Opfer muss es geben: Julius Katchen, dessen wühlende Auslegungen die Form verlieren, aber alle Wucht mitbringen.

Jede Deutung hat etwas Exemplarisches. Solomon prägt Harmonie und Melodie, Curzon hält es mit Struktur und Akkorden, Arrau vereint alles in Architektur.

Die Helligkeit, das Apollinische des 2. KK hatte - einzig darin - in einem Konzert André Watts, NDR-Sinfonieorchester, Dirigent Rafael Frühbeck de Burgos, vor vielen Jahren getroffen. Unvergessen! Ein 1. KK - unvergessen - kam von Yuri Bronfman, NDR-Sinfonieorchester, Roberto Addado (Bruder des Claudio Abbado), die Komposition gemeinsam als vollkommenes Werk hinstellend.

Für verwirrte Situationen empfiehlt sich, das 1. KK zu hören und sogleich anschliessend das 2. KK. Die Werke sind sehr systematisch, die Klärung von unsicheren Verfassungen stellt sich hörend ein.

MfG
Albus


[Beitrag von Albus am 25. Mai 2004, 10:19 bearbeitet]
Alfred_Schmidt
Hat sich gelöscht
#5 erstellt: 25. Mai 2004, 12:09
Hallo,

Von mir diesmal keine Bewertung, bei Brahms KK bin ich nicht so "versiert" wie bei Mozart



Klavierkonzert Nr 1
Solist:Claudio Arrau
Philharmonia Orchestra
Carlo Maria Giulini
EMI (1961)

Klavierkonzert Nr 2
Solist: Wilhelm Backhaus
Wiener Philharmoniker
Karl Böhm
DECCA (1967)

Klavierkonzert Nr 2
Solist: Geza Anda
Berliner Philharmoniker
Herbert von Karajan (1964)



Gruß aus Wien
Alfred
Albus
Inventar
#6 erstellt: 25. Mai 2004, 12:58
Tag Alfred,

mir fällt eben jetzt nur auf, ..., was dies anregt: "Optimismus ist die unverdiente Selbstfeier der Dummheit" (Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung). Herr Nikolaus H. passt häufig mimisch sehr gut zu Arthur Schopenhauers Erledigungen.

Freundliche Grüße!
Albus
op111
Moderator
#7 erstellt: 25. Mai 2004, 17:42
albus:
dann erhöht Clifford Curzon, 1. mit George Szell, London Symphony Orchestra,
..
schließlich der höchste Punkt: Claudio Arrau, Dirigent Bernard Haitink, Concertgebouw Orkest.


Hallo albus,
interessant, daß du ausgerechnet
C. Curzon (der steht bei "Klavierexperten" nicht hoch im Kurs, ist ja auch kein Russe )
und B. Haitink (bei Dirigentenfreaks unbeliebt) erwähnst.

Die Szell/Curzon Aufnahme finde ich auch außergewöhnlich, hörenswert auch Ashkenazy/Haitink/Concergeb. Orkest/Wiener Ph. auf Decca. Arrau hat auch mit Giulini die Konzerte f. EMI aufgenommen.

Gruß, Franz


[Beitrag von op111 am 25. Mai 2004, 17:43 bearbeitet]
Albus
Inventar
#8 erstellt: 26. Mai 2004, 08:49
Morgen Franz,

ich bin über Arraus Aufnahmen ziemlich im Bilde, mein Bezugspunkt hier ist die spätere Produktion (auch bei den Beethoven Konzerten). Curzon wird unterschätzt (Schubert DV 960, Beethoven Eroica-Variationen). Wer an Haitink vorbei sieht, der sollte sich befragen.

MfG
Albus
Ludwig_van_Beethoven
Ist häufiger hier
#9 erstellt: 21. Mrz 2005, 22:37
Ich finde beide Konzerte super das 1. sogar noch etwas mehr indes besitze ich eine Aufnahme mit Daniel Barenboim als Pianist und Sergiu Celebidache als Dirigenten.
Joachim49
Inventar
#10 erstellt: 01. Sep 2011, 23:43
jpc.de
Ich bin ein grosser Fan des 1. Brahmskonzertes. Hier eine wahrscheinlich aussergewöhnliche Aufnahme, auf einem Erard Flügel mit unromantisch klein besetztem Orchester (40 Musiker). Den Namen des Solisten, Dirigenten und Orchesters habe ich noch nie gehört. Weiss jemand mehr?
Hüb'
Moderator
#11 erstellt: 02. Sep 2011, 07:53
Hallo Joachim,

die Beteiligten sagen mir auch rein gar nichts.
MD&G tritt ja immer wieder mit recht unbekannten Künstlern in Erscheinung - was nicht unbedingt was über die künstlerirsche Qualität sagen mag.
Hardy Rittner (auch auf Wiki) hat für das Label bereits einige der Klavierwerke von Brahms eingespielt.
Die Presse ist voll des Lobes über diesen Pianisten: Klick.

Grüße
Frank


[Beitrag von Hüb' am 02. Sep 2011, 07:54 bearbeitet]
Moritz_H.
Stammgast
#12 erstellt: 05. Sep 2011, 07:40

Hüb' schrieb:
Hallo Joachim,
die Beteiligten sagen mir auch rein gar nichts.


Orchester l‘arte del mondo

Das Orchester l'arte del mondo, im Jahr 2004 vom künstlerischen Leiter Werner Ehrhardt gegründet, sieht sich in der Tradition der so genannten Alten Musik. Diese ist der Ausgangspunkt des Ensembles, welches sich aber genauso der Arbeit auf modernen Instrumenten und Repertoire bis in die Romantik verschrieben hat. …
l’arte del mondo wird ab der Spielzeit 2010/11 als permanentes "orchestra in residence" von Bayer Kultur gefördert. Das Ensemble probt und arbeitet im Bayer Kulturhaus Leverkusen und entwickelt gemeinsam mit Bayer Kultur jährlich vier außergewöhnliche Konzertprojekte.

Mehr auf http://www.lartedelmondo.de/index.php?id=85
teleton
Inventar
#13 erstellt: 05. Sep 2011, 10:37

Ludwig_van_Beethoven schrieb:
Ich finde beide Konzerte super das 1. sogar noch etwas mehr indes besitze ich eine Aufnahme mit Daniel Barenboim als Pianist und Sergiu Celebidache als Dirigenten.


Hallo LvB (tollen Namen hast Du Dir ausgesucht!),

ich kenne die von Dir angesprochene Aufnahme des KK NR.1 mit Barenb/Celi nicht !
Aber ich stelle diese auch gleich in Frage !??!
Warum ?
1. Barenboim habe ich voriges Jahr im TV in einem LIVE-Konzert mit diesem Konzert und einem anderen Dirigenten (ich glaube es war ein Russe) gesehen. Mir hat seine "wurstfingerige" Interpretation nicht besonders gefallen und das von mir gewünschte straffe Tempo, bei dem der 1. Satz nicht länger als 21Minuten dauert, wurde ebenfalls weit überschritten.
Eine spannungslose Aufführung ...

2. Celibibache ist für seine langsamne Tempi bekannt. Damit liegt er bei Brahms und den KK IMO voll daneben.
Kurz:
Eine Aufnahme, für die ich daher wenig Interesse hätte !

Meine Favoriten sind Serkin und Fleisher mit Szell (SONY), sowie Pollini/WPO/Böhm (DG).
Hüb'
Moderator
#14 erstellt: 05. Sep 2011, 10:43
Hi,

die Einspielungen sind damals auf VHS erschienen.
Keine Ahnung, ob es einen DVD-Transfer gibt:

amazon.de

Reinhören kann man bei YouTube: http://www.youtube.com/watch?v=D18AujwrQb4
http://www.youtube.com/watch?v=EoH9QOVSqX0&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=FG7F_z1xnIs&feature=related
...

Grüße
Frank
*renrew*
Ist häufiger hier
#15 erstellt: 05. Sep 2011, 11:02
Hallo Wolfgang,

Nach vielen Vergleichen ist für mich die auch von Dir u. a. zitierte Aufnahme mit RUDOLF SERKIN und dem CLEVELAND ORCHESTER unter GEROGE SZELL die schönste und überzeugendste. SERKIN befindet sich hier offenbar auf dem Zenit seines Könnens, sein Spiel ist eindrucksvoll und selbst bei schnellen Tempi immer noch glasklar und stets nuanciert. Das CLEVELAND ORCHESTRA folgt ihm kongenial. Schwer vorzustellen, daß man dieses herrliche Klavierkonzert noch perfekter und einprägsamer hören könnte.

Gruß
Joachim49
Inventar
#16 erstellt: 05. Sep 2011, 13:40
jpc.de
jpc.de
Szell - Cleveland - Leon Fleisher lohnt sich auch. Als Barenboimfreund empfehle ich natürlich auch die Aufnahmen der beiden Brahmskonzerte, die er vor langer Zeit mit Barbirolli gemacht hat. Und wer die Wurstfinger auch sehen will, kann dies auf der DVD vom Europakonzert der Berliner Philharmoniker mit Rattle in Athen. Dazu bekommt er eine formidable Aufnahme des Brahms'schen Klavierquartetts op 25 in der Transkription von Schönberg (viel besser als Rattles frühere Aufnahme in Birmingham).
AladdinWunderlampe
Stammgast
#17 erstellt: 02. Nov 2011, 23:30
Lieber Joachim,

zur kürzlich erschienen Neueinspielung des Klavierkonzertes Nr. 1 d-Moll, op. 15 von Johannes Brahms mit Hardy Rittner (Klavier) und dem Ensemble L'arte del mondo unter der Leitung von Werner Ehrhardt hattest Du angemerkt:


Joachim49 schrieb:
jpc.de
Ich bin ein grosser Fan des 1. Brahmskonzertes. Hier eine wahrscheinlich aussergewöhnliche Aufnahme, auf einem Erard Flügel mit unromantisch klein besetztem Orchester (40 Musiker). Den Namen des Solisten, Dirigenten und Orchesters habe ich noch nie gehört. Weiss jemand mehr?


Die Interpreten Hardy Rittner und Werner Ehrhardt sind mir aus einigen anderen CD-Einspielungen gut bekannt: Der letztere hat sich vor allem als Leiter des furiosen Ensembles Concerto Köln und als unermüdlicher Vorkämpfer für die Musik von Joseph Martin Kraus einen Namen gemacht. Und der junge Pianist Hardy Rittner wurde vor allem mit Einspielungen der Soloklavier-Werke von Brahms berühmt; ich kannte ihn jedoch lediglich von seiner Einspielung des gesamten Soloklavier-Werks von Arnold Schönberg an zwei historischen Klavieren der Jahrhundertwende (Streicher für die frühen und Steinway für die späteren Werke), zu der ich ein gemischtes Verhältnis habe: Interpretatorisch ist sind die Aufnahmen sehr überzeugend; allerdings bin ich mit der Instrumentenwahl zumindest im Hinblick auf Opus 11 nicht glücklich, weil der eher gedeckte, ein wenig dumpfe und dynamisch eher begrenzte Klang des Streicher-Flügels die extremen klangfarblichen und dynamischen Kontraste insbesondere des Klavierstücks op. 11 Nr. 3, das vor ffff ebensowenig zurückscheut wie vor pppp, meines Erachtens zu stark nivelliert. (Der historische Steinway-Flügel für die Werke ab Opus 23 ist dagegen eine sehr gute Wahl.)

Seit kurzem besitze ich nun auch Rittners Einspielung des 1. Klavierkonzerts von Brahms - und die gefällt mir (soweit ich das nach zweimaligem Anhören beurteilen kann) sehr gut.

Rittner hat diesmal einen Érard-Flügel ausgewählt, dessen Klang mir außerordentlich gut gefällt - das dynamisch weite Spektrum und die Brillanz des Instrumentes sowie die Transparenz des Bassbereiches ermöglichen Rittner eine sehr nuancierte und zugleich durchsichtige Wiedergabe des Klavierparts, die der komplexen Satzstruktur, in der auch vermeintliche Begleitstimmen oftmals thematisch abgeleitet sind, sehr entgegenkommt. L'arte del mondo spielt auf historischen Instrumenten der Brahms-Zeit (bzw. deren Nachbauten) und - gemessen an heutigen Gepflogenheiten - in relativ kleiner Besetzung; in Verbindung mit dem Érard-Flügel ergibt sich so eine perfekte Balance zwischen Solo- und Orchester-Part - Rittner muss auch in Tutti-Passagen nichts forcieren, um hörbar zu bleiben. Natürlich hat der Orchesterpart unter solchen Bedingungen nicht immer die Wucht, die hier größere Ensembles mit modernen Instrumenten entwickeln; doch erstens machen die Interpreten diesen Mangel - wenn es denn ein Mangel ist (und nicht nur eine eingeschliffene Hörgewohnheit) - durch ihren temperamentvollen Zugriff mehr als wett; und zweitens verliert der Orchestersatz etwas von jener klobigen Al-Fresco-Schwerfälligkeit, die ich lange Zeit für ein Zeichen ungeschickter Instrumentation gehalten habe; das kommt insbesondere dem dritten Satz zugute, der in dieser Wiedergabe von geradezu bestürzendem Elan getrieben wird und auch in der Schlusswendung nach Dur formal schlüssig erscheint.

Die Tempi sind allesamt eher auf der zügigeren Seite, ohne dabei aber auf neue Geschwindigkeitsrekorde abzuzielen - die musikalische Spannung resultiert hier vor allem aus Gegeneinander der instrumentalen Parts, der ineinander verhakten und rhythmisch teils widerborstigen motivischen Gesten, die sich im Zusammenspiel von Solist und Orchester mit großer Klarheit (aber auch großer Selbstverständlichkeit) mitteilen.

Natürlich ist auch diese Einspielung nicht allein seligmachend (welche Einspielung ist das schon?), und manch einer mag vielleicht die liebgewonnene Bass-Wucht gängiger Brahms-Interpretationen vermissen (die mir, der ich mit den ebenso strengen wie packend-dramatischen Brahms-Interpretationen Günther Wands großgeworden bin, nicht sonderlich fehlt), aber sie bietet einen sehr überzeugenden und spannenden Blick auf ein Stück, das ich persönlich für eines der großartigsten Klavierkonzerte der gesamten Musikgeschichte halte.



Herzliche Grüße
Aladdin


[Beitrag von AladdinWunderlampe am 03. Nov 2011, 14:29 bearbeitet]
Joachim49
Inventar
#18 erstellt: 03. Nov 2011, 23:51
Das klingt sehr verführerisch. .... es würde (oder wird) meine 19te Aufnahme dieses Konzertes (werden).
("Concerto Köln" sagt mir natürlich was, aber Werner Ehrhardt nicht, wahrscheinlich weil die nicht so einen Starkult machen.)
Danke für die Beschreibung - schon beim Lesen klingt es in den Ohren.
Herzliche Grüsse
Joachim
op111
Moderator
#19 erstellt: 05. Nov 2011, 17:31
Das Konzert Nr. 1 war ürsprünglich als Sonate für 2 Klaviere konzipiert.
Silke-Thora Matthies und Christian Köhn haben in ihrer Serie mit Aufnahmen von Brahms' Werken in Bearbeitungen für Klavier 4-händig 2 Fassungen des 1. Konzertes realisiert.
Alle diese Bearbeitungen stammen von Brahms.

Klavierkonzert Nr. 1 (Klavier 4-händig)
Naxos , DDD, 1996
jpc.de

Klavierkonzert Nr. 1 (arr. für 2 Klaviere)
Naxos , DDD, 2001
jpc.de

Die Aufnahme des 2. Konzerts ist m.W. noch nicht erschienen.

Ich werde mir, sobald Portemonnaie und CD-Regal wieder genügend Luft lassen, auch diese zulegen.
teleton
Inventar
#20 erstellt: 06. Nov 2011, 14:13
Liebe Brahms-Freunde,

im Moment auf dem Brahms-Tripp mit mehereren Neuanschaffungen (Sinfonien mit Dorati und Swetlanow, Klavierkonzert Nr.2 mit Richter/Leinsdorf).

Seit Jahren geplant, habe ich nun mein Vorhaben in die Tat umgesetzt und mir die allerseits und auch in diesem Thread (auch die von Frank favorisierte) vielgelobte Aufnahme mit Richter / Chicago SO / Leinsdorf (RCA, Okt 1960, ADD) zugelegt. Die Aufnahme wird als ein "MUSS" für alle Brahms-Liebhaber bezeichnet.

Allen meinen Vorrednern kann ich zustimmen, denn was der fabelhafte Swjatoslaw Richter auf dem Klavier zaubert ist genial. Auch die recht forschen Tempi kommen meinem Geschmack sehr entgegen: 16:46 - 8:40 - 12:41 - 8:49.

Jetzt kommt das ABER: Im Laufe der Jahrzehnte haben sichmeine Favoriten für die Klavierkonzerte bereits ziemlich gefestigt. So bin ich nach Rubinstein/Reiner, Ashkenazy/Haitink u.v.a dann doch klar bei Serkin/Szell und Fleisher/Szell in meiner Gunst geblieben. George Szell ist dann auch der, der es wirklich versteht dem Klavierpart das spannenste Orchester an die Seite zu stellen und damit dem Klavierpart eine gleichwertige und höchst packende Orchesterbegleitung zu geben. Szell ist für mich der "Spiritus Rector" für die Brahms Konzerte - eine bessere packendere und angemesseneres Orchester habe ich bei keiner Aufnahme je gehört.

Mein Eindruck, bei allem Wohlwollen für diese Richter Aufnahme, ist mir Leinsdorf an vielen Fortestellen zu harmlos mit zu wenig Emotion und Dramatik. Selbstverständlich wird auch ein Pianist bei seiner Interpretation vom Dirigenten angeheizt, wenn dieser entsprechend mitzieht.
Von daher wage ich wage kaum daran zu denken, was das Duo Richter/Szell für eine Aufnahme geworden wäre !
(Man sieht das auch bei den Brahms-Kk mit Gilels: unter Jochum mehr Schönklang, aber dann Gilels mit Szell (leider keine Brahms-KK) aber bei den Beethoven-KK absolut zupackend.)

Die Richter/Leinsdorf ist davon abgesehen natürlich eine der absoluten Spitzenaufnehmen für das KK Nr.2, daran nun keinen Zweifel, damit ihr mich richtig versteht (und auch Beethovens Appassionata auf der CD) - aber dann der Vergleich mit Szell ...
Wegen Richter ist das natürlich eine CD die meine Sammlung bereichert hat.

amazon.de
RCA, Oktober 1960, ADD


Noch Pollini zum Vergleich zu meinen Aussagen:
Auch für Pollini/WPO/Abbado (DG) treffen meine Ausagen für die Orchesterbegleitung (die hier auch nur eine solche ist) zu, aber trotzdem finde ich sogar Abbado orchestral bei dem KK Nr.2 angemessener als das was Leindorf auf RCA liefert. Das KK Nr.1 mit Pollini/WPO/Böhm (DG) ist dann (nur orchestral gesehen !) wieder eine ganz andere Liga, die Szell fast gleichkommt.
Auf die späten Pollini Aufnahmen mit den Berliner PH unter Abbado (DG), kann ich nun wegen dem dort gebotenen "Romatiksoftgedudel" ganz verzichten, denn die habe ich auch noch (aber nicht mehr lange).
Debris1
Ist häufiger hier
#21 erstellt: 22. Aug 2013, 12:22
Hallo, bin ebenfalls großer Fan von den beiden Klavierkonzerten Brahms´ und favorisiere ebenfalls wie Cliowa eingangs angibt die Aufnahme Gilels, Berliner Philharmoniker, Eugen Jochum (DGG 1972), wobei ich nun die LP-Version zu der bisher gehörten CD-Fassung besitze und eindeutig den Klang der Vinylausgabe besser finde. Brahms ist für mich gleich nach Beethoven der Größte! Die Klavierkonzerte von Beethoven reichen allerdings bei Weitem nicht an die von Brahms heran, finde ich.

Viele Grüße


[Beitrag von Debris1 am 22. Aug 2013, 12:32 bearbeitet]
Hörbert
Moderator
#22 erstellt: 22. Aug 2013, 14:40
Hallo!

Das dir die alte Analogplatte besser gefällt liegt sehr wahrscheinlich daran daß das alte Analogband über die Jahre bis davon eine CD gefertigt wurde nicht besser geworden ist oder aber das Mastering für die CD wurde neu gemischt und die Abmischung war nicht ganz so sorgfältig.

Ein direkter Vergleich Besser-Schlechter zwischen den Konzerten von Brahms und Beethoven kann man m.E. eigentlich so nicht vornehmen, zu unterschiedlich sind die Ausgangssituationen, die komositorischen Möglichkeiten und nict zuletzt die Entstehungszeit der Werke.

Natürlich bleibt davon unbenommen was einem persönlich besser gefällt.

Die beiden Brahms-Konzerte würde ich eher mit Max Regers einzigem Klavierkonzert vergleichen als mit Beethovens Konzerten wobei allerdings auch hier das obengesagte für mich gilt da Reger wie schon Brahms bei Beethoven über das hinausgeht was Brahms gemacht hat aber ohne Brahms Werk gar keine solche Basis dafür hätte.

MFG Günther
Joachim49
Inventar
#23 erstellt: 22. Aug 2013, 15:25
jpc.de
Ich wäre froh, wenn das Regerkonzert, für das auch Serkin sich so sehr eingesetzt hat, mir auch nur annähernd so gefallen würde wie die beiden von Brahms. Die erscheinen in Kûrze mit Helene Grimaud (das Erste hat sie schon mal mit Sanderling aufgenommen).
Hörbert
Moderator
#24 erstellt: 22. Aug 2013, 16:38
Hallo!

Na ja, das Konzert von Max Reger hat durchaus seine Meriten und erschöpft sich vor allem nicht in bloßer Nachfolge der beiden Klavierkonzerte von Brahms, natürlich stellen die beiden Konzerte von Brahms in gewisser weise den Schlußstein einer ganzen Epoche dar in der gerade das Klavierkonzert eine Entwicklung vom brillianten Solistenkonzert zu einem quasi-Symphonischen Werk mit obligatem Klavier durchlaufen hat und in derem Verlauf sich der Orchestersatz vom reinen Begleiter zu einer gleichberechtigten Stellung emanzipiert hat. Zwar gab es auch noch nach Brahms genügend "Solistenkonzerte" aber der Stellwert solcher Werke hat danach doch stark nachgelassen wie nicht zuletzt Regers Werk zeigt.

Bei Brahms selbst bevorzuge ich eher das zweite Klavierkonzert, hier habe ich schon seit etlichen Jahren neben den beiden Rubinstein-Aufnahmen (mit Joseph Krips und Eugene Ormandy) eine Interpretation mit Cyprien Katsaris/ Eliahu Inbal die mich vollauf zufriedenstellt. Das erste Klavierkonzert ist mir persönlich ein wenig zu uneinheitlich, zwar habe ich hier eine sehr gute Aufnahme mit Pollini/Abbado neben einer etwas historischen Rubinstein/Reiner aber so ganz warm werde ich damit im Gegensatz zum zweiten Konzert nicht.

MFG Günther
Debris1
Ist häufiger hier
#25 erstellt: 16. Sep 2013, 16:03
ich muß doch noch etwas zum Vergleich Beethovens Klavierkonzerte und Brahms´ Klavierkonzerte sagen: Bei Beethoven ist das Klavierkonzert noch eher ein Paradevehikel für den Konzertpianisten, bei Brahms ist Klavier und Orchester auf einer Höhe und es gibt weniger vordergründige Angebereien bei Brahms. Aber ich stimme zu, daß es wirklich nur Geschmacksache ist, denn das 4. von Beethoven ist sicher auf der Höhe der Brahmsklavierkonzerte, was die Vielschichtigkeit und Sensibilität des emotionalen Ausdrucks angeht. Die ersten 3 von Beethoven fallen aber nicht nur im Vergleich zu Brahms, sondern auch im vergleich zu Mozart, mit denen sie auch überhaupt eher vergleichbar sind, ab. Wenn Beethoven nicht ertaubt wäre, hätte er sicher noch ein 6. Klavierkonzert-Spätwerk erschaffen, das meine subjektive Laienmeinung weggepustet hätte, man muß sich nur die spät. Klaviersonaten anhören und die Neunte....
:-)
Steffen_Bühler
Stammgast
#26 erstellt: 16. Sep 2013, 16:15

Debris1 (Beitrag #25) schrieb:
Bei Beethoven ist das Klavierkonzert noch eher ein Paradevehikel für den Konzertpianisten, bei Brahms ist Klavier und Orchester auf einer Höhe und es gibt weniger vordergründige Angebereien bei Brahms.


D'accord, wobei Brahms 1 schon noch durchaus "Angebereien" enthält.
Gerade die Oktavtriller im ersten oder das Gefetze im dritten Satz sind Stellen, wo manche Pianisten noch richtig die Sau rauslassen können.

Brahms 2 dagegen ist wirklich "demokratisch". Der Klavierpart ist hier keineswegs leichter (hier gibt es Leute, die ihn sogar schwerer finden), aber er fügt sich nahtlos ein. So wie ein netter Spätburgunder, der nicht dominieren will, im Gegensatz zu einem Malbec, der erst mal alles zudröhnt.

Viele Grüße
Steffen
Joachim49
Inventar
#27 erstellt: 01. Sep 2015, 22:37
jpc.de
jpc.de
jpc.de
jpc.de
Die Deutsche Grammophon scheint eine besondere Vorliebe für Brahms' Klavierkonzerte entwickelt zu haben. Das Erste muss Barenboim zumindest schon 5 mal aufgenommen haben. Da ich sowohl Brahms' Erstes als auch Barenboim mag, stört es mich nicht.
op111
Moderator
#28 erstellt: 16. Mrz 2018, 14:41
Aus: Was hört ihr gerade jetzt

arnaoutchot (Beitrag #17785) schrieb:
...
Aber zu etwas anderem: Gestern kam Brahms - Piano Concerto #1 - Fleisher/Szell- Sony Remaster 1997. Hab heute früh im Auto mal reingehört. Das grosse Aha-Erlebnis blieb dabei (noch? - siehe unten) aus. OK, Auto ist vielleicht kein idealer Abhörplatz, aber ich kann bei der Routinefahrt ins Büro dennoch konzentriert zuhören. Was mir aber auffiel, besonders im Mittelsatz: Das Klavier ist doch deutlich hörbar verstimmt ? Oder hab ich da was an den Ohren ? Ich habe das Booklet überflogen (aber jetzt gerade nicht hier), ich habe etwas gelesen, dass Fleishers Flügel am Anfang der Aufnahmen noch nicht im Studio war und er auf einem fremden Flügel spielen musste. Weiss dazu jemand was ?

jpc.de

Edit: Ich habe dann abends nochmals ausführlicher gehört, die Interpretation ist wirklich herausragend im Sinne von spannender Dramaturgie, jugendlich biegsamem Pianisten und straff geführtem Orchester. Zu Recht ein Klassiker und Referenz für dieses Konzert. Danke an alle nachdrücklichen Empfehler.

Fleisher hatte lt. Booklet sein eigenes Piano nur für den 2. und 3. Satz. Insofern kann es daran nicht liegen, aber ich bleibe dabei, dass das Klavier besonders im 2. Satz für mich im Mittenbereich auf einer Taste verstimmt ist, wenn ich Pianist wäre, könnte ich Euch sagen, welcher Ton. :.
op111
Moderator
#29 erstellt: 16. Mrz 2018, 15:01
An anderem Ort wurde schonmal folgender Aufnahme-/Spielfehler erwähnt
Johannes Brahms (1833-1897)
Klavierkonzert Nr.2
Emil Gilels, Berliner Philharmoniker, Eugen Jochum
DGG, ADD, 1972/1975
jpc.de
Eine Quelle habe ich dazu noch parat:
lee.classite.com/music/ Records with errors
lee.classite.com/music/RecordError/EBrahms.htm


... * RECORDS with ERROR ; Items

2. Brahms
1) 2 Piano Concertos(+7 Fantasies op.116)
- Emil Gilels(p)/Eugen Jochum(con.)/Berlin Philharmonic
- Recording ; 1972
- DG Originals 447 446-2
- Contribution ; Classical Music Forum in HiTEL, Message board No.8, #1511
(In Korean, Mar. 1998)

I was perplexed in listening the second movement of Concerto No.2. I think Gilels was 'absent-minded' for a moment in the recording. In Trio of this movement, orchestra only plays about 30 seconds after modulation to D major, and piano plays solo more than 10 seconds. This solo consist of two phrase - a melody is played first by octave-unison(time 5:27~5:34), then by harmonization(~5:42). In this harmonized phrase(5:38~5:39), suddenly the music gets confused^^.
Miss such as this takes place occasionally in Gilels' playing, and you will be able to find at his live recordings - Schubert's Impromptus D.935-1 and Beethoven's Hammerklavier Sonata in BMG-Melodiya 74321 40116 2. But, this is a Studio recording in tape era, so I think producer must correct miss such as this by editing and that it is one of basic etiquette to record listeners. This is larger mistake than I think humorous^^.
...
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