Sinfonieaufnahmen der Romantiker

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Marignac
Schaut ab und zu mal vorbei
#1 erstellt: 14. Jan 2010, 11:36
Über eine - wie ich finde - phänomenale Aufnahme des Requiems von Brahms von Gardiner bin ich mal wieder zu den Orchesterwerken der Romantik gekommen, wo mir Harnoncourts Aufnahmen der Brahmssinfonien mit den Berlinern sehr gut gefällt. Auch seine Schumann Sinfonien gefallen mir von der Interpretation nicht schlecht, allerdings ist der Klang sehr hart.

Jetzt suche ich vor allem Aufnahmen der Brucknersinfonien und Messen (F-Moll von Herweghe habe ich schon, finde sie aber ein wenig "flach"), die klanglich und interpretatorisch auf dem Niveau der Gardiner Einspielung des Requiems sind. D.h. plastischer Klang, voluminös aber nicht hart. Transparenz in den Stimmen, Tempi nicht klebrig langsam, vor allem schöne, bewegliche Dynamik und Metrik.

Was käme da in Frage?

Und wenn wir schonmal dabei sind: dasselbe für Brahms (es muss ja nicht bei Harnoncourt bleiben) und Schumann, vielleicht auch Mahler.
Hörbert
Inventar
#2 erstellt: 14. Jan 2010, 16:11
Hallo!

Bei Bruckner gibt es für mich zwei maßstabgebende Interpretationen, beide nicht die neuesten mit einigen Schwächen der damaligen Aufnahmetechnik aber zumindestens bei mir läßt die Güte der jeweiligen Interpretation diese vergessen:

1) Eugen Jochum der die Symphonien teilweise mit den Berlinern und zum Teil mit dem Orchester des Bayerischen Rundfunks aufgenommen hat.

2) Günter Wand mit dem Kölner Rundfunk Orchester.



MFG Günther


[Beitrag von Hörbert am 14. Jan 2010, 23:22 bearbeitet]
Martin2
Inventar
#3 erstellt: 14. Jan 2010, 17:27
Jochums erster Sinfoniezyklus gefällt mir auch sehr gut, jedenfalls das, was ich hörte und das waren die Sinfonien 4,7,8 und 9. Ich besitze allerdings auch seinen zweiten mit der Staatskapelle Dresden. Der ist auch analog, aber Ende der 70er, während der erste Anfang der 60er entstand. Dieser gefällt mir auch nicht schlecht und der ist günstig bei Brilliant erschienen.

Durchaus zu empfehlen ist wohl auch Karajan. Die 5. mit Karajan gefällt mir sehr gut, desgleichen die digitale 1. und die 6. und 9., bei der 4. finde ich Jochum besser.

Ein Problem bei Bruckner sind die Fassungen, insbesondere im Falle der 3. Sinfonie, wo früher immer die Spätfassung gespielt wurde, während man heute zur Erstfassung, die länger ist, tendiert. Die erste Fassung eingespielt haben u. a. Inbal und Tintner. Mir gefällt Tintner besser, nur braucht das Geduld, Dir wird möglicherweise der Inbal oder eine andere besser gefallen - wie etwa auch Wolfgang ( Teleton), der die langsamen Tempi von Tintner ganz schrecklich findet.

Tintners Zyklus besitze ich teilweise auch und auch Inbal. Tintner dürfte Dir allerdings nicht entgegenkommen, da er wie schon gesagt sehr langsame Tempi spielt. Inbals Aufnahmen anderseits dürften keine absoluten Topempfehlungen sein. Im Falle der 0. kenne ich noch Skrowachewski in der Brilliantbox und das könnte danach zu urteilen auch nicht schlecht sein. Im Falle der 00. Sinfonie, die allerdings ein noch nicht absolut großartiges Frühwerk ist, empfehle ich den Inbal und nicht den Tintner.

Gruß Martin


[Beitrag von Martin2 am 14. Jan 2010, 17:28 bearbeitet]
Kings.Singer
Inventar
#4 erstellt: 14. Jan 2010, 18:18
Hi.

Da auch noch Chorwerken gefragt wurde: Jochums f-moll Messe ist (Entschuldigung!) unter alle Kanone. Nicht wirklich eine Empfehlung wert. F-moll Messe ist eine schwierig zu empfehlende Sache, wie ich finde...

- Viele empfehlen gerne Matthew Best (Hyperion). Jedoch ist auch hier der Klang gegenüber klassischen Interpretationen etwas ausgedünnt, wie auch die Chorbesetzung. Die Aufnahme erfolgte für meine Begriffe recht direkt - ein breiter Klang mit viel Nachhall kommt weniger zustande. Ich glaube Best geht schon ein wenig in Richtung Herreweghe.

- Celibidache (EMI) ist generell ja ein Fall für sich. Langsame Tempi, breite Interpretation. Aber auch ein entsprechender Kirchenraum und ein Chor der es gut versteht trotz der celibidacheschen Langsamkeit die Spannung in den Chorpassagen (vor allem natürlich schwierig bei a capella Teilen) sehr gut zu halten.

- Bei Rilling (Hänssler) habe ich nur stichprobenartig rein gehört. Das war mir alles ein wenig zu "konventionell". Alles schön und gut aber es hat mich Nichts vom Hocker gerissen oder mich aufhorchen lassen.

- Am ehesten Empfehle ich immernoch Rögner (Berlin Classics). Die Aufnahme hat Flair, ausgeglichene Tempi und ein gutes Orchester. Interpretatorisch quasi der goldene Mittelweg zwischen Herreweghe und Celibidache. Problem ist hier (leider!) der Chor. Es wird keine schlechte Leistung gebracht, aber von einem Rundfunkchor erwarte ich manchmal mehr (Einsatzgenauigkeit und Intonation). Wie gesagt - Kritik auf hohem Niveau.
Aber um diese Aufnahme als "die beste" in allen Belangen dastehen zu lassen, dazu reicht es dann leider doch nicht.


Viele Grüße,
Alex.
Martin2
Inventar
#5 erstellt: 14. Jan 2010, 22:08
Hallo Alex,

interessant, was Du zu den Messen zu berichten weißt. Ich habe leider die von Dir so niedergemachte Einspielung von Jochum mit den drei Messen, die ich aber offen gestanden nicht wirklich oft gehört habe, wobei mir die 2. Messe am besten gefallen hat, vor allem mit diesem Anfang. Der Anfang soll auch ein Problem darstellen, denn hier singt über längere Strecken der Chor und irgendwann setzen dann die Instrumente ein, also wenn da nicht genau der Ton gehalten wird ...

Aber ich bin grundsätzlich bereit, es noch mal mit etwas anderem zu versuchen und behalte den Rögner im Hinterkopf.

Ich hatte auch darüber nachgedacht, Marignak die Karajan Sinfonien Box zu empfehlen, nur ist die lange nicht mehr so billig, wie sie mal war, das beste Angebot, was ich sehe, steht bei 60 Euro - ich habe 30 Euro dafür bezahlt. Weiß nicht, ob das noch so empfehlenswert ist, denn Mozart und Haydn sind vermutlich schlecht. Bruckner und Brahms sind, was ich hörte, allerdings ganz gut.

Gruß Martin
Marignac
Schaut ab und zu mal vorbei
#6 erstellt: 14. Jan 2010, 23:37

Martin2 schrieb:

Tintner dürfte Dir allerdings nicht entgegenkommen, da er wie schon gesagt sehr langsame Tempi spielt.


Oh - mir geht es nicht darum, dass die tempi per se schnell sein sollen. Sie sollen angemessen sein. Ob das schnell oder langsam ist, hängt halt davon ab, wie es dem Stück bekommt, also noch nicht mal vom Stück selber, sonderen eben von der Kohärenz der Interpretation.

Ein Bsp.: man kann das Crucifixus aus der h-moll Messe sehr schnell spielen, so dass die Violinen auf Schlag eins und die Flöten auf Schlag zwei und drei des 3/2 Takts tatsächlich klingen, wie die ins Holz geschlagenen Nägel. Man kann aber auch sehr langsam, sehr romantisch den Klang aus dem pianissimo zu den dissonanten Stellen hin ins Forte bauen und das Stück quasi panoramisch gestalten. Das Stück kann beides ab, wenn es nur konsequent und in sich stimmig gemacht wird. "Schnell" kam mir in den Sin wegen Gardiner und dem Requiem von Brahms, das klang so befreit.


- Viele empfehlen gerne Matthew Best (Hyperion). Jedoch ist auch hier der Klang gegenüber klassischen Interpretationen etwas ausgedünnt, wie auch die Chorbesetzung. Die Aufnahme erfolgte für meine Begriffe recht direkt - ein breiter Klang mit viel Nachhall kommt weniger zustande. Ich glaube Best geht schon ein wenig in Richtung Herreweghe.

- Celibidache (EMI) ist generell ja ein Fall für sich. Langsame Tempi, breite Interpretation. Aber auch ein entsprechender Kirchenraum und ein Chor der es gut versteht trotz der celibidacheschen Langsamkeit die Spannung in den Chorpassagen (vor allem natürlich schwierig bei a capella Teilen) sehr gut zu halten.

Nicht, dass der Eindruck entstünde, die Herreweghe Einspielung tauge nichts, mit flach meine ich in etwa das Gegenteil einer "panoramischen" Gestaltung, insofern ist Celibidache sicher ein Tip.

Beim Gardiner kommt übrigens witziger Weise beides für mich zusammen: panoramische Gestaltung (diese Dynamik!) UND zupackende Tempi.


[Beitrag von Marignac am 14. Jan 2010, 23:39 bearbeitet]
Martin2
Inventar
#7 erstellt: 15. Jan 2010, 00:23

Marignac schrieb:

Martin2 schrieb:

Tintner dürfte Dir allerdings nicht entgegenkommen, da er wie schon gesagt sehr langsame Tempi spielt.


Oh - mir geht es nicht darum, dass die tempi per se schnell sein sollen. Sie sollen angemessen sein. Ob das schnell oder langsam ist, hängt halt davon ab, wie es dem Stück bekommt, also noch nicht mal vom Stück selber, sonderen eben von der Kohärenz der Interpretation.



Ja, aber was angemessen ist, liegt halt im Auge des Betrachters. Tintners Bruckner hat zu seiner Zeit Preise über Preise eingeheimst - aber mögen muß man ihn trotzdem nicht.

Ich mag die Bruckners 3. mit Tintner, wobei schon der Inbal eine Offenbarung war, weil er eben die Erstfassung spielt und zusätzlich noch langsam. Dadurch wird die 3. zu einem fast 80 minütigen Monumentalwerk, während sie in der späteren Fassung und dann noch schnelleren Tempi wie bei Jochum oder Karajan irgendwas über 50 Minuten dauert. Das macht allerdings einen Unterschied. Und gerade der erste Satz entwickelt natürlich bei Tinter mit fast 28 Minuten eine sehr große epische Monumentalgewalt. Wobei ich den Schluß des Finales bei Inbal immer noch besser finde.

Für die Urfassung der 3. hat sich etwa auch der bekannte Komponist Robert Simpson vehement eingesetzt. Tintner spielt auch die Urfassung der 2.

Der Tintner ist allerdings billig ( Naxos) und auch der Dresdner Jochum ist sehr billig ( Brilliant).

Ich stehe im übrigen auch ein bißchen auf dem Standpunkt, daß man sich bei billigen CD Preisen keinen zu großen Kopf machen sollte, was man kauft. Eugen Jochum ist zum Beispiel ein Brucknerpionier eines älteren Jahrgangs, den man für mein Gefühl einfach mal gehört haben sollte, selbst wenn man dann vielleicht später mal andere Interpretationen vorzieht. Der Dresdner Zyklus etwa kostet etwa 2 Euro pro CD und ich mag Jochum immer noch sehr gerne, zum Beispiel in der 4. und 7.

Nur bei Celibidache wäre ich vorsichtig und ich habe auch nichts von ihm; er spielt teilweise absurd langsame Tempi, was dann großes Aufsehen erregt hat. Nur das interessiert mich nicht; ich brauche keine Tschaikovskis 5. die über eine Stunde dauert.

Langsame Tempi sind bei Bruckner allerdings durchaus angemessen, im Gegensatz etwa zu Tschaikovski. Tschaikovski vermittelt Leidenschaften, die durch zu langsame Tempi zerstört werden ( deshalb mochte ich schon den Karajan nicht), Bruckner ist dagegen ein Komponist des Feierlichen und Monumentalen, der langen Anläufe und des sich steigernden Momentums. Und deshalb höre ich immer gerne einen langsamen Bruckner, weil das paßt, wenn mans nicht übertreibt, was ich bei dem Celibidache befürchten würde.

Also mein Tip an Dich: Hole Dir mal den sehr günstigen Dresdner Zyklus mit Jochum von Brilliant, eventuell auch mal die früheren Aufnahmen der 4., 7. und 8. mit den Berliner Philhamonikern ( ein großartiges Orchester zu jener Zeit, mit einer Präzision wie von einem anderen Stern, etwa beim Beginn der 4.). Probiere mal die Naxoseinspielung von Bruckners 3. von Tintner. Und denke vielleicht doch mal über die Karajanbox mit allen Sinfonien von Beethoven, Mendelssohn, Schumann, Tschaikovski, Brahms und Bruckner ( und weniger guten Einspielungen der Haydn und Mozartsinfonien) nach. Kostet jetzt 60 Euro, teurer als zur Einführung, aber 60 Euro sind für 38 CDs mit technisch noch ganz guten ( Analogsound der späten 70er, teilweise digital - der Haydn, teilweise der Bruckner) Klang und zumindestens eines Orchesters, der Berliner Philharmoniker, die außerhalb jeder Diskussion stehen, immer noch ein ganz guter Preis.

Gruß Martin
Kings.Singer
Inventar
#8 erstellt: 15. Jan 2010, 07:36
Hi.

Dann muss ich doch noch etwas nachtragen, nicht dass hier der falsche Eindruck entsteht: Auch ich halte weder Jochum, noch Herreweghe für (ich zitiere den Titel eines anderen Themas) "Grütze". Es sind hier grundverschiedene Herangehensweisen an den Bruckner - Jochum bietet den, sozusagen, klassischen und traditionellen Bruckner; Herreweghe bietet den modernen, entschlackten und vielleicht sogar transparenteren Bruckner.

Was für mich allerdings eine Bruckner-Interpretation ausmacht ist: Das Flair. Gerade bei den Messen. Diese gehören meiner Ansicht nach in einen Kathedralraum mit viel Nachhall und schreien förmlich nach einer riesigen Besetzung. Was den Jochum daher etwas ins Abseits stellt ist unter Anderem die Aufnahmetechnik (daher "unter aller Kanone") - ich müsste die CD mal wieder einlegen um dahingehend etwas zu differenzieren, aber meine Erinnerung sagt mir, dass die Dynamik nicht gut ist und die Balance zwischen Chor und Orchester auch nicht - und dazu kommt die Interpretation, die so bei den Sinfonien ganz gut funktionieren mag - aber bei einem liturgischen Werk... Ich weiß nicht so recht.

Celibidache führt meine Forderungen sozusagen ins Extrem. Das hat Martin schon geschrieben. Wenn er nicht so völlig ins Extreme (das oberflächlich betrachtet vor allem die Tempi betrifft) abdriften würde, dann hätte die Einspielung meine Empfehlung werden können. Hätte...

Rögner zum Beispiel ist im Anfang von Gloria und Credo flotter als ein Rilling. Aber irgendwie wird durch die Aufnahme mehr Flair transportiert. Was mir natürlich eine Krux ist, sind die Abstriche beim Chor... Aber dennoch stellt für mich der Rögner mit den besten Kompromiss dar.

Viele Grüße,
Alex.


[Beitrag von Kings.Singer am 15. Jan 2010, 07:37 bearbeitet]
op111
Moderator
#9 erstellt: 16. Jan 2010, 12:56

Kings.Singer schrieb:
Jochums f-moll Messe ist (Entschuldigung!) unter alle Kanone. Nicht wirklich eine Empfehlung wert.

Jochums Ruf resultiert daraus, dass es über einen längeren Zeitraum wohl nur seine Aufnahme auf dem deutschen Markt gab.
Mit Jochums Bruckner und den seltsamen Rubati kann ich mich nicht anfreunden,
Gantz_Graf
Hat sich gelöscht
#10 erstellt: 19. Jan 2010, 06:01

Hörbert schrieb:
2) Günter Wand mit dem Kölner Rundfunk Orchester.

Ich höre 4,5,8 und 9 meist mit Wand und den Berlinern, die siebte hat er ja auch mit Berlin gemacht, da bevorzuge ich "Karajans letzte Aufnahme". Ich habe mal in eine Wand/Köln reingehört, aber ich entsinne mich, dass ich die Aufnahme schrecklich fand - ich weiß nicht mehr, ob es das Rauschen war.
Wodurch unterscheiden sich Wand Köln/Berlin alles in allem interpretatorisch - kann da jemand eine Aussage treffen? Bei welchen o.g. Symphonien würdet Ihr z.B. am ehesten Köln vorziehen?
Beantrage Thread-Umbenennung Dieser Thread sollte Bruckner im Namen führen, weil sich die Suche des OP darum dreht.


Kings.Singer schrieb:
Was für mich allerdings eine Bruckner-Interpretation ausmacht ist: Das Flair. Gerade bei den Messen. Diese gehören meiner Ansicht nach in einen Kathedralraum mit viel Nachhall und schreien förmlich nach einer riesigen Besetzung.

Sehe ich ganz genau so. Das Gesamtbild muß passen. In den Rahmen "Ehrfurcht vor dem großen Herrgott" - sozusagen


[Beitrag von Gantz_Graf am 19. Jan 2010, 06:06 bearbeitet]
Kreisler_jun.
Inventar
#11 erstellt: 19. Jan 2010, 09:36
Bei den Messen hält sich die Auswahl in der Tat in recht engen Grenzen.
(Angesichts der Überfülle von Brucknerschen Sinfonie-Aufnahmen in den letzten Jahren oder auch der Anzahl von Aufnahmen von Brahms' Requiem o.ä. beinahe verwunderlich.)

Ich habe Best/hyperion für 1 und 3; hier kann ich nachvollziehen, dass man die etwas zu schlank und nicht monumental genug findet. Die zweite e-moll mit der Bläserbegleitung ist aber wohl ziemlich sicher nicht so monumental gedacht, hier gefällt mir Herreweghe gut.
Ich besitze auch noch die Doppel-CD mit Jochum, bin aber nicht sicher, ob ich die überhaupt schon mal angehört habe; vermutlich nicht...

Allein das Te Deum gibt es noch in einigen, wohl recht empfehlenswerten Aufnahmen, zB Barenboim oder Karajan, jeweils DG.

JK jr.
Kings.Singer
Inventar
#12 erstellt: 19. Jan 2010, 19:06

Kreisler_jun. schrieb:
Allein das Te Deum gibt es noch in einigen, wohl recht empfehlenswerten Aufnahmen, zB Barenboim


Wie konnte ich das Te Deum nur vergessen. Da habe ich mir auch Rögner gekauft... Unter anderem auch wegen des - aus meiner Sicht - Mangels an herausragenden Alternativen.

Barenboims Messen (und das Te Deum) sind so geworden, wie ich es von Barenboim erwartet hatte: Hochdramatisch, extrem extrovertiert und groß angelegt. Für meinen Geschmack ist das allerdings alles ein weg "too much". So, wie es auch dem Vorurteil entspricht, das ich von Barenboim habe. Gerade liturgische Musik sollte doch niemals wie eine "Brüllarie" anmuten - praktisch: Davon kann sich jeder einen Eindruck verschaffen, indem man JPC mal um ein paar Klangschnipsel bemüht (Beispiel: Beginn von Gloria und Credo der f-moll Messe). [Anmerkung: Es sei denn der Komponist hatte so etwas im Sinn, wie Verdi (Dies Irae) und Berlioz (Tuba mirum) in ihren Requiem-Vertonungen!]
Von was man sich dann auch vortrefflich ein Bild machen kann, ist der Klang des John Alldis Choirs, den ich noch nie empfohlen habe, noch nie gut fand und der mich wohl nie eines Besseren belehren wird. Schön, dass auf der neuen EMI Koppelung auch einige a capella Motetten drauf sind. Hört da mal rein! Dass man für sowas früher sogar Geld bekommen hat...

Dafür spricht Barenboim einen definitiv auf Anhieb an und seine Bruckner-Symphonien werden auch nicht selten empfohlen. Also ist an seinem Zugang wohl schon etwas dran, aber bei der von mir oben beschriebenen Musik scheint's nicht ganz so gut zu funktionieren.

Viele Grüße,
Alex.


[Beitrag von Kings.Singer am 19. Jan 2010, 19:06 bearbeitet]
flutedevoix
Stammgast
#13 erstellt: 14. Feb 2010, 15:04
Habe gerade auf Bayern4 die Interpretation von Brahms 1. Sinfonie mit dem Orchestre revolutionaire et romantique unter Gardiner gehört.
Aus verschiedenen kontroversen Besprechungen ist mir bewußt, daß Gardiner auch hier polarisiert. Mir jedenfalls gefällt die dramatische Anlage mit der beeindruckenden dynamischen Spannweite sehr gut. Auch die schnellen aber niemals hektischen Tempi kommen der Sinfonie zu gute. Nach langer Zeit konnte ich mal wieder für die 1. von Brahms erwärmen!

Vielleicht wäre es aber in diesem Thread angebrachter über nicht so bekannte Sinfonien zu sprechen oder sie überhaupt einmal ins Gespräch zu bringen.

Ich möchte mal zwei Aufnahmen ins Rennen schicken:
Farrenc - Sinfonie Nr.1 und 3 - Radiophilharmonie des NDR Hannover - Johannes Goritzki
und
Draeseke - Symphonia tragica - Wuppertaler Sinfonie Orchester, George Hansson

Hochinteressante Musik in tollen Aufnahmen!
Vielleicht kennt ja der ein oder andere diese Werke noch nicht!


[Beitrag von flutedevoix am 14. Feb 2010, 15:07 bearbeitet]
Martin2
Inventar
#14 erstellt: 14. Feb 2010, 21:22

flutedevoix schrieb:

Vielleicht kennt ja der ein oder andere diese Werke noch nicht!


Du machst Witze, diese Sachen wird der wenigste kennen. Von Loise Farrenc habe ich mal eine Sinfonie im Konzertsaal gehört, allerdings von einem Laienorchester und ich fand die Musik stinklangweilig. Draeseke geistert auch immer mal wieder herum, ich kenne ihn nur vom Namen her.

Ich halte nichts von solchen Empfehlungen, solange man die größten Sinfoniker wie Beethoven, Schubert, Schumann, Brahms, Dvorak, Bruckner, Mahler, Sibelius, Tschaikovski, Nielsen, evt. Elgar und Vaughan Williams, Ives, Schostakowitsch, Prokoview und dann vielleicht noch Borodin, das eine oder andere von Mjaskovski noch nicht kennt.

Gruß Martin


[Beitrag von Martin2 am 14. Feb 2010, 21:30 bearbeitet]
Joachim49
Inventar
#15 erstellt: 14. Feb 2010, 23:01
[quote="flutedevoix"]Nach langer Zeit konnte ich mal wieder für die 1. von Brahms erwärmen!

quote]

Da sieht man mal, wie verschieden die Geschmäcker sind. Ich kann mich schon lange für Brahms' Erste erwärmen und habe wahrscheinlich von keinem Werk soviel verschiedene Aufnahme (15-20 vermute ich). Aber Gardiners Brahms hat mich ganz kalt gelassen, obwohl ich den Ausflügen der HIP-Leute ins romantische Repertoire eigentlich mit viel Sympathie zuhöre (Herreweghe, Norrington, Harnoncourt, auch Gardiner). Aber bei Gardiners erster Brahms-Symphonie hat bei mir kein Funke gezündet. Auch nicht bei seinem Deutschen Requiem. Ich werde es mir noch mal anhören.
Freundliche Grüsse
Joachim
(von Draeseke habe ich Lieder)
WolfgangZ
Inventar
#16 erstellt: 15. Feb 2010, 00:44

Martin2 schrieb:

flutedevoix schrieb:

Vielleicht kennt ja der ein oder andere diese Werke noch nicht!


Du machst Witze, diese Sachen wird der wenigste kennen. Von Loise Farrenc habe ich mal eine Sinfonie im Konzertsaal gehört, allerdings von einem Laienorchester und ich fand die Musik stinklangweilig. Draeseke geistert auch immer mal wieder herum, ich kenne ihn nur vom Namen her.

Ich halte nichts von solchen Empfehlungen, solange man die größten Sinfoniker wie Beethoven, Schubert, Schumann, Brahms, Dvorak, Bruckner, Mahler, Sibelius, Tschaikovski, Nielsen, evt. Elgar und Vaughan Williams, Ives, Schostakowitsch, Prokoview und dann vielleicht noch Borodin, das eine oder andere von Mjaskovski noch nicht kennt.

Gruß Martin


Ich gebe Dir recht, dass man die genannten Sinfoniker schon kennen sollte. Empfehlungen bezüglich weniger bekannten Repertoires können dennoch schwerlich schaden, oder? Klingt nicht wenig arrogant, Deine Bemerkung, stimmt's? Louise Farrencs Sinfonien sind solide gearbeitet, formstreng, einigermaßen markant in der Thematik, und sie erinnern an die Frühromantiker oder an Schumann. Mit dem von Dir gerne verwendeten Prädikat "stinklangweilig" solltest Du etwas vorsichtiger umgehen; es sagt nichts aus, liefert keine Information und spricht nicht von musikalischem Sachverstand.

Gruß, Wolfgang


[Beitrag von WolfgangZ am 15. Feb 2010, 01:33 bearbeitet]
WolfgangZ
Inventar
#17 erstellt: 15. Feb 2010, 01:27

http://www.amazon.de...id=1266192905&sr=1-1

Soeben höre ich mir wieder mal an - angeregt durch einen und aus Widerspruchsgeist gegen einen anderen der letzten Beiträge :

Louise Farrenc (1804 - 1875): Sinfonie, Nr. 3, g-moll, op. 36, 1849
Radio-Philharmonie Hannover des NDR / Johannes Goritzki


Interessanter, als man bei dem kaum bekannten Namen dieser allerdings mit der genannten Sinfonie recht erfolgreichen Komponistin vermuten würde.

Bemerkenswert sind der schöne langsame Satz und generell eine sehr ausgewogene Bläserbehandlung, die erkennbar auf Beethoven verweist. Insgesamt eher früh- als hochromantische Sinfonik, der mehr Verbreitung zu wünschen wäre. Lobenswert daher die interpretatorisch wie klanglich überzeugende cpo-Scheibe.

Besten Gruß, Wolfgang


[Beitrag von WolfgangZ am 15. Feb 2010, 01:31 bearbeitet]
Martin2
Inventar
#18 erstellt: 15. Feb 2010, 01:30

WolfgangZ schrieb:
Mit dem von Dir gerne verwendeten Prädikat "stinklangweilig" solltest Du etwas vorsichtiger umgehen; es sagt nichts aus, liefert keine Information und spricht nicht von musikalischem Sachverstand.

Gruß, Wolfgang


Es sagt nichts aus, außer daß ich mich bei dieser Musik sehr gelangweilt habe, ja. Das ist kein abschließendes Urteil über diese Musik, aber solcherlei Geschmacksurteile können selten abschließend sein. Musikalischen "Sachverstand" nehme ich gar nicht für mich in Anspruch. Ich bezweifle allerdings, daß man den Wert einer Musik mit dem Sachverstand beurteilen kann - sonst gäbe es nicht soviele historische Fehlurteile höchst sachverständiger Leute.


einigermaßen markant in der Thematik


"einigermaßen" ist nicht genug. Ich fand diese Musik nicht wirklich originell, sondern irgendwie so ganz nett. Natürlich hat die Farrenc bei mir auch keine faire Chance bekommen, weil so ein Konzertbesuch bei einem Laienorchester sicher nicht der Weisheit letzter Schluß ist. Da das Repertoire aber so ausgefallen ist, wollte ich meine Konzerterfahrung hier doch mitteilen.

Gruß Martin
WolfgangZ
Inventar
#19 erstellt: 15. Feb 2010, 01:51
Mit dem von Dir gerne verwendeten Prädikat "stinklangweilig" solltest Du etwas vorsichtiger umgehen; es sagt nichts aus, liefert keine Information und spricht nicht von musikalischem Sachverstand.

Es sagt nichts aus, außer daß ich mich bei dieser Musik sehr gelangweilt habe, ja. Das ist kein abschließendes Urteil über diese Musik, aber solcherlei Geschmacksurteile können selten abschließend sein.

Sie sind vor allem überflüssig.

Musikalischen "Sachverstand" nehme ich gar nicht für mich in Anspruch. Ich bezweifle allerdings, daß man den Wert einer Musik mit dem Sachverstand beurteilen kann - sonst gäbe es nicht soviele historische Fehlurteile höchst sachverständiger Leute.

Wenn man Musik nicht mit "Sachverstand" beurteilen kann, können wir uns dieses Forum sparen.

einigermaßen markant in der Thematik

"einigermaßen" ist nicht genug.

Dann nehme ich diese Einschränkung zurück. Und was machst Du jetzt? Seltsame Logik.

Da das Repertoire aber so ausgefallen ist, wollte ich meine Konzerterfahrung hier doch mitteilen.

Du hast ja kein konkretes Wort über diese Konzerterfahrung verloren, so wenig wie Du ein konkretes Wort über die Musik verloren hast.

Sorry, aber dieser Beitrag von Dir bringt niemandem etwas und verärgert mich (und wohl auch flutedevoix), da mich diese Musik anspricht und ich auch sagen kann, warum. Es nervt.

Gruß, Wolfgang


[Beitrag von WolfgangZ am 15. Feb 2010, 02:10 bearbeitet]
Martin2
Inventar
#20 erstellt: 15. Feb 2010, 02:24
Hallo Wolfgang,

du kannst also sagen, warum dich diese Musik anspricht. Das möchte ich ehrlich gesagt sehr bezweifeln. Wüßte man so genau, was einen an einer Musik anspricht, dann wäre es ein einfaches, gute Musik einfach zu reproduzieren, weil man den Bogen ja raus hätte. Nichts gegen den Sachverstand, aber die Schönheit einer Musik läßt sich nun beim besten Willen nicht einfach analysieren.

Ich lasse mir in diesem Forum jedenfalls den Mund nicht verbieten, wenn es darum geht, was mir gefallen hat und was nicht. Soweit kommt es noch, daß einem dies in diesem Forum nicht mehr gestattet ist.


Sorry, aber dieser Beitrag von Dir bringt niemandem etwas und verärgert mich (und wohl auch flutedevoix), da mich diese Musik anspricht und ich auch sagen kann, warum. Es nervt.


Es mag Dich nerven, aber mich nervt gelegentlich auch etwas. Und spreche bitte nur für Deine eigene Person, nicht fürs Forum, das steht Dir nicht zu.

Gruß Martin
WolfgangZ
Inventar
#21 erstellt: 15. Feb 2010, 11:11
Hallo, Martin!

Gut ... Frieden! Bleiben wir konstruktiv!

Tipp: Hör Dir obige dritte Sinfonie an und Du wirst anders denken! Auch ohne "Sachverstand"!

Gruß, Wolfgang
Joachim49
Inventar
#22 erstellt: 15. Feb 2010, 12:56
Hallo, ihr Streithähne
natürlich war an flutedevoix's Formulierung etwas provozierend, nämlich "Vielleicht kennt ja der ein oder andere diese Werke noch nicht". Ich vermute, dass es viele Forianer gibt, die diese Musik noch nicht gehört haben, und ich bekenne ohne Schamröte, dass ich dazugehöre. Obwohl flutedevoix noch Neuling auf dem Forum ist, wird er natürlich auch gemerkt haben, dass es, was Hôrerfahrungen betrifft, erhebliche Unterschiede bei uns gibt. Es gibt allerdings Leute, die das eiserne Repertoire schon recht gut kennen, und die durchaus interessiert sind, Hôrtipps zu erhalten, die auf Neuland führen. Insofern finde ich solche Tipps nützlich. Natürlich ist es keine Empfehlung für Leute, die noch nie eine Beethoven- oder Brahmssinfonie gehört haben. Jedenfalls lohnt es sich nicht darüber zu streiten, ob solche Empfehlungen nützlich sind oder nicht, denn für den einen sind sie es, für den anderen nicht.
Wolfgang ist mit Martin etwas zu streng. Zwar stimmt es, dass wir mit manchen Urteilen Martins wenig über das Musikstück erfahren, aber einiges über Martins Geschmack. Aber ich würde doch nicht fordern, dass das subjektive Geschmacksurteil sozusagen auf dem Forum verboten werden muss. Auch wenn wir uns (meistens) nur vom Forum kennen: mich stört es nicht zu lesen, wer welche Vorlieben oder Abneigungen hat, auch wenn solche Standpunkte nicht immer rein sachlich motiviert sind.
mit freundlichen grüssen
Joachim


[Beitrag von Joachim49 am 15. Feb 2010, 12:57 bearbeitet]
WolfgangZ
Inventar
#23 erstellt: 15. Feb 2010, 16:56
Hallo, Joachim!

Natürlich würde ich nie fordern, ein subjektives Geschmacksurteil zu verbieten. Wenn Du das kurze Geplänkel verfolgst, siehst Du hoffentlich, worauf ich hinaus wollte, es war diese doch recht arrogant klingende, auch wenn vielleicht so nicht gemeinte "Empfehlung"! Denn wo steht geschrieben - überspitzt formuliert - dass ich erst einiges von Mjaskowski kennen muss, bevor es sich lohnt, sich eine Sinfonie von Farrenc anzuhören? Ich muss auch zugeben, dass mich allein das Wort "stinklangweilig" aggressiv macht.

Man muss aber deswegen nicht streiten, da hst Du völlig Recht!

Wolfgang
Gantz_Graf
Hat sich gelöscht
#24 erstellt: 15. Feb 2010, 17:54
Ich verstehe die Aufregung nicht. Ich sah keinen Grund, hier loszupoltern. Ich kann vielem hier zustimmen und vielem nicht.

- Ich finde Empfehlungen nicht überflüssig.
- Geschmacksurteile halte ich nicht für sinnlos; treten sie vermehrt auf, hat man sogar noch die Statistik als Unterstützung für künftige Hörentscheidungen. Mir nützt das.
- "Musikalischer Sachverstand" - ach, was ist das schon: allenfalls relativ.
- Joachim49, Dein "ö" klemmt.
Martin2
Inventar
#25 erstellt: 15. Feb 2010, 18:06
Hallo Wolfgang,

vielleicht hätte ich das Wort "stinklangweilig" vermeiden sollen und sicher wäre es besser gewesen, die Formulierung mehr ins Subjektivische zu verlegen, indem man sagt: ich habe mich gelangweilt, statt: diese Musik ist langweilig. Aber ich bitte Dich schon sehr, hier nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen.

Sicher wird die Musik von Loise Farrenc und auch von dem Dräseke einen gewissen Wert haben. Und Empfehlungen derart auszusprechen ist auch nicht verkehrt, diese Dinge werden bei mir auch im Hinterkopf abgespeichert, also kann Deine Empfehlung dazu führen, für den Fall daß mir diese Musik noch mal begegnet, genauer hin zu hören.

Trotzdem zählen weder Farrenc nocht Dräseke heute zu den erstrangigen Komponisten. Ob zu recht oder zu unrecht, kann ich nicht beurteilen. Und sicher gab es immer Komponisten, die sich relativ spät durchgesetzt haben; den Status, den etwa Bruckner oder Mahler heute haben, hatten sie vor 80 Jahren vermutlich nicht.

Daß sich übrigens Mjaskovski auf breiter Front durchsetzt, glaube ich auch nicht; dazu sind mir seine Sinfonien zu uneben. Für einen absolut erstklassigen Komponisten halte ich ihn auch nicht, aber für einen, bei dem die Beschäftigung lohnt. Ich denke allerdings trotzdem, daß er doch angesehener ist als Farrenc und Dräseke.

Gruß Martin
flutedevoix
Stammgast
#26 erstellt: 15. Feb 2010, 18:18
Ich wollte mit meinen Empfehlungen nur einen Akzent in diesem Forum setzen. Beim Durchstöbern der Forumsbeiträge stellte ich fest, daß viele Mitglieder hier CDs im vierstelligen Bereich ihr eigen nennen. Da ging ich einfach davon aus, daß die Sinfonik von Beethoven, Brahms, Bruckner, Schumann, Mendelssohn um nur einige der wichtigsten zu nennen, entsprechend gewürdigt ist. Zudem existieren zu dieser Sinfonik z.T. eigene Threads.

Ich bin immer neugierig, Neues zu entdecken. Und für mich waren Farrenc und Draeseke großartige Entdeckungen, fernab von "stinklangweilig"! Ich denke aber zum Wort "stinklangweilig wurde bereits alles gesagt. Ich glaube auch, daß man nicht immer nur "großen" Namen hinterherhecheln muß. Ich denke auch für einen Einsteiger, kann es sehr interessant sein sich im Umfeld von den "großen" Komponisten mit heute unbekannteren Komponisten in Berührung zu kommen

Ich würde mich freuen, wenn der ein oder andere auch noch Empfehlungen fernab der ausgetretenen Repertoirepfade machen würde, schließlich lebt ja dieses Forum vom Austausch.


[Beitrag von flutedevoix am 15. Feb 2010, 19:34 bearbeitet]
WolfgangZ
Inventar
#27 erstellt: 15. Feb 2010, 19:22

flutedevoix schrieb:
Ich bin immer neugierig, Neues zu entdecken.


Das ist doch das Entscheidende, oder? Wenn ich aber Anregungen über mir noch nicht bekannte Musik holen will, bringt es mir doch viel mehr, wenn ich auch einen kleinen Anhaltspunkt bekomme, warum jemand sie als langweilig, uninspiriert oder eben faszinierend und neuartig empfindet. Den Sinn eines solchen Forums sehe ich darin, Beschreibungen, Anhaltspunke, stilistische Vergleiche zu bekommen, gleich, auf welchem (pseudo-)wisschenschaftlichen Niveau. Ich bin keineswegs Musikwissenschaftler, vermutlich nicht mehr und nicht weniger als etwa Martin. Aber je mehr man hört und kennt, desto interessantere Aussagen kann man machen. Das möchte ich dann auch tun, von anderen Neues lernen und vielleicht auch umgekehrt.

Soweit das Wort zum Rosenmontag.

Martin schrieb:

Daß sich übrigens Mjaskovski auf breiter Front durchsetzt, glaube ich auch nicht; dazu sind mir seine Sinfonien zu uneben. Für einen absolut erstklassigen Komponisten halte ich ihn auch nicht, aber für einen, bei dem die Beschäftigung lohnt. Ich denke allerdings trotzdem, daß er doch angesehener ist als Farrenc und Dräseke.


Das mag sein, das mag nicht sein. Wie misst man das? Und interessant wird es doch erst, wenn ich mir unter Mjaskovski etwas Konkretes vorstellen kann, denn so richtig vergleichen können mit Farrenc wird man ihn nun vermutlich nicht, nehme ich an. Ich kenne noch nichts von ihm, werde das wohl ändern. Liege ich ungefähr richtig in der Einschätzung, dass es eher plakative, quasi sozialistische Spätromantik irgendwo zwischen Kabalewski und Prokofieff ist? (Dann würde es im allerweitesten Sinne sogar in diesen Thread passen. )

Gruß, Wolfgang


[Beitrag von WolfgangZ am 15. Feb 2010, 19:31 bearbeitet]
flutedevoix
Stammgast
#28 erstellt: 15. Feb 2010, 19:34
Ich lege gerne noch eine Empfehlung nach:

C. M. v. Weber - Sinfonien Nr. 1 & 2, Concertino für Horn - A. Halstead, Hanover Band, R. Goodman

Sehr interessante Werke, die einen Komponisten noch auf dem Weg zu den Instrumentationskünsten seiner späten Opern zeigt, aber alles andere als "Anfänger"musik. Die Aufnahmen in historisch informierter Aufführungspraxis sind durchweg gelungen, könnten aber an der ein oder anderen Stelle inspirierter sein. Großartig das Hornconcertino!
Joachim49
Inventar
#29 erstellt: 15. Feb 2010, 19:35

Gantz_Graf schrieb:
Joachim49, Dein "ö" klemmt.

Mein ö klemmt überhaupt nicht, aber ich schreibe mit einer azerty Tastatur, und da ausserhalb des deutschen Sprachgebietes ä's, ö's und ü's ungebräuchlich sind, muss ich immer erst die richtige Tastenkombination finden um diese Zeichen zu produzieren. Das geht halt manchmal schief. Aus demselben Grund verwende ich auch kein "sz", sondern immer Doppel-ss (abgesehen davon, dass ich mich an die diversen deutschen Rechtschreibereformen noch nicht so richtig gewöhnt habe).
Trotzdem Danke für den Hinweis.
mit freundlichen Grüssen
Joachim
Joachim49
Inventar
#30 erstellt: 15. Feb 2010, 20:05

flutedevoix schrieb:

Ich würde mich freuen, wenn der ein oder andere auch noch Empfehlungen fernab der ausgetretenen Repertoirepfade machen würde, schließlich lebt ja dieses Forum vom Austausch.


Ich habe u.a. gerade Klavierquartette von Gernsheim und Lieder von Bruno Walter bestellt - vermutlich keine ausgetretenen Repertoirepfade. Sobald ich sie gehört habe, werde ich berichten (es sei denn, dass mir die Worte fehlen). Ausgetretene Repertoirepfade mit Empfehlungen eher unbekannter Werke/Komponiste, dafür lohnt sich wahrscheinlich ein eigener thread. Den Freunden Schostakowitschs könnte ich z.B. die Werke Weinbergs empfehlen (Zeitgenosse & Freund Schostako's, die eine deutliche (vielleicht zu deutliche) Verwandtschaft mit der Musik Weinbergs haben. jedenfalls sind sie etwas für Leute, die 20. Jahrhundert hören wollen, aber die Atonalität und radikale Experimente scheuen.
Freundliche grüsse
Joachim
Martin2
Inventar
#31 erstellt: 16. Feb 2010, 15:50

WolfgangZ schrieb:


Und interessant wird es doch erst, wenn ich mir unter Mjaskovski etwas Konkretes vorstellen kann, denn so richtig vergleichen können mit Farrenc wird man ihn nun vermutlich nicht, nehme ich an. Ich kenne noch nichts von ihm, werde das wohl ändern. Liege ich ungefähr richtig in der Einschätzung, dass es eher plakative, quasi sozialistische Spätromantik irgendwo zwischen Kabalewski und Prokofieff ist? (Dann würde es im allerweitesten Sinne sogar in diesen Thread passen. )

Gruß, Wolfgang


Nein, Mjaskovski empfinde ich nicht als "plakativ". Außerdem ist er schon etwas älteren Jahrgangs, so daß seine erste Schaffensphase noch in die Zeit des russischen Reiches fällt. Nicht "sozialistische" Zeitgenossen wie Hanson, Rachmaninov oder Vaughan Williams sind sicher auch nicht moderner, eher im Gegenteil. Mjaskovski gehörte zu den Komponisten, die 1948 zusammen mit Schostakowitsch und Prokoview dem großen Scherbengericht Stalins ( "Formalismus" ) zum Opfer fielen.

Mjaskovski war spätromantisch am Anfang ( seine 1. Sinfonie war ziemlich spätromantisch ), um dann aber teilweise auch eine modernere, etwas atonalere Schreibweisen zu schreiben wie in der 6. und 7. , um dann am Ende seiner Laufbahn einen Stil zu schreiben, den ich ein bißchen als neoklassizistisch / romatisch empfinde. Ich empfinde seinen Stil aber weniger als anbiedernd als etwa den von Prokoview in der 7. Sinfonie. Er kann durchaus auch ein guter Melodiker sein. Sein Spätwerk hat durchaus auch einen nostalgischen Einschlag und ist keine bloße Kopie von Spätromantik.

Gruß Martin
WolfgangZ
Inventar
#32 erstellt: 16. Feb 2010, 15:54
Danke an Martin für die Antwort! (Da staunst Du, wie prompt das geht! ). Ich werde mal mit einer der bei amazon weit vorne gelisteten Einspielungen anfangen. Die Gesamtaufnahme will ich mir nicht zulegen.

Prokofieffs Siebente ist schon in gewisser Weise anbiedernd; ich finde die Melodik dennoch ausgesprochen attraktiv, da einerseits fast filmmusikalisch, andererseits stiltypisch für die großen Intervalle und Bögen des Komponisten. Nur halt fehlt halt jede Schärfe und Ironie.

Wolfgang


[Beitrag von WolfgangZ am 16. Feb 2010, 15:57 bearbeitet]
Martin2
Inventar
#33 erstellt: 16. Feb 2010, 22:12
Hallo Wolfgang,

bezüglich der 7. Sinfonie Prokoviews gebe ich Dir recht, daß diese durchaus ihre Qualitäten hat. Nur daß dies sinfonische Qualitäten sind, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden. Man fühlt sich eher an die Dornröschen Balletmusik erinnert, hat aber keinesfalls den Eindruck, daß das hohe Niveau der 6. Sinfonie, die wirklich eine genuine Sinfonie genannt werden darf, in irgendeiner Weise fort gesetzt wird. Das wäre auch nicht vergleichbar mit Schostakowitschs 9. Sinfonie, deren Klassizismus deutlich sarkastische Züge trägt, sondern das ist für mich zwar ein ganz angenehm zu hörendes Werk, aber definitiv keine Sinfonie.

Heute hörte ich mal wieder mit großer Begeisterung Mjaskovskis 11. Sinfonie. Für mich hat diese Musik etwas mitreißendes. Ich denke was mir an dieser Musik sympathisch ist, ist die neoklassizistische Harmonik und Instrumentation, bei gleichzeitiger für mich gesunder klassisch romantischer Melodie und Motivbildung.

Ob du die Sinfoniebox mit Svetlanov dir zulegen willst, mußt du selber wissen. Ich habe sie mir damals zugelegt, als es die 16 CDs, alle mit knapp 80 Minuten randvoll bespielt, für unschlagbare 44 Euro gab. So billig ist es nicht mehr.

Allerdings gefällt mir nicht alles in dieser Sinfoniebox, so daß ich auch noch nicht zum vollständigen Durchhören gekommen bin. Die 1. Sinfonie ist ganz gut, die 2. gefiel mir weniger, die 3. wieder mehr, die 5. ist eine gute Sinfonie, die mir allerdings mit Downes besser gefällt, die 6. ist gut, die 7. ganz ausgezeichnet, die 8. im ganzen weniger gut, hat aber einen sehr schönen langsamen Satz, die 9. ist nicht schlecht, die 10. ist einsätzig und hat ist dabei fast avantgardistisch schwere Kost, die 11. Sinfonie gefällt mir wiegesagt ausgezeichnet, die 14. gefällt mir auch, die 19. ist ein eher leichtgewichtiges Werk für Blasorchester ( wohl irgendein Militärjubiläum und obwohl ganz nett zu hören, wohl doch nicht ganz ernst zu nehmen) , die 22. ist ein großartiges Werk, die 24. und 25. sind sehr gute Sinfonie, mit der 26. konnte ich wenig anfangen, die 27. ein schöner melancholischer Abgesang. Auch die Sinfonietten sind nicht schlecht.

Für mich hat sich die Box auf jeden Fall gelohnt; es ist sehr schöne Musik. Mir sagt diese Musik mehr zu als beispielsweise Martinu, von Bax oder Magnard mal ganz zu schweigen.

Übrigens ist auch das letzte seiner Streichquartette sehr schöne Musik. Und auf längere Sicht werde ich mir sicher noch mehr von Mjaskovski besorgen, so soll sein Cellokonzert sehr gut sein. Ich habe keine gute Aufnahme des Violinkonzerts.

Ich denke zwar, daß nicht alle Sinfonien gleich gut sind, manche sind uneben, manche sagen mir ( noch ) nichst. Aber in allen besseren Werken hat man das Gefühl unbedingter Substanz, die aus Melodik und Motivbildung entstehen. Von der Stimmung her sind sie oft melancholisch und heben sich vom stalinistischen optimistischen Fortschrittsgedröhn schon angenehm ab. Die Musik kann aber auch witzig sein wie etwa in der 11. Sinfonie, wo das kecke Schlußmotiv eines ebenso kecken Themas durch alle Register des Orchesters durchgereicht wird.

Für mich hat sich diese Box auf jeden Fall gelohnt und gäbe es nicht soviel andere großartige Musik, die mich auch beschäftigt ( wie in letzter Zeit viel Beethoven und Haydn) wäre ich in der Auseinandersetzung mit dieser Box auch schon weiter.

Gruß Martin
WolfgangZ
Inventar
#34 erstellt: 17. Feb 2010, 00:39
Hallo, Martin!

Es freut mich, dass Du die vielen Sinfonien kurz und knapp, aber doch abgestuft wertend vorgestellt hast. Dann weiß ich eher, wie ich anfangen soll.

Andererseits bin ich jetzt angesichts der Tatsache, dass ich schon ab und an eine Gesamtaufnahme zusammengesammelt habe (die Haydn-Quartette bei Brilliant beispielsweise oder die Pettersson-Sinfonien), um am Ende die Integrale viel billiger gehabt haben zu können, doch wieder am Überlegen ...

Schau mer mal.

Die Bax-Sinfonien habe ich noch nicht komplett gehört. Magnard ist nicht so interessant, wie ich gehofft habe. Aber Martinu, den ich schon sehr lange durch Sinfonien, Konzerte und Kammermusik kenne, halte ich schon für ganz unverwechselbar.

Besten Gruß!

Wolfgang


[Beitrag von WolfgangZ am 17. Feb 2010, 00:42 bearbeitet]
Martin2
Inventar
#35 erstellt: 18. Feb 2010, 10:30
Hallo Wolfgang,

es freut mich, daß Du an Mjaskovski Interesse zeigst. Er war sicher ein genialer und vielseitiger Komponist. Bei mir war es halt so, daß ich einige Sinfonien und andere Werke vor vielen Jahren bei Zweitausendeins erwarb ( Melodia auf Zyx). Dann war es für mich keine Frage, diese Box haben zu wollen.

Mjaskovski hat nur das Problem eben der Vielseitigkeit. Das heißt seine Sinfonien sind wirklich sehr verschieden. Seine 1. Sinfonie etwa zeigt eine Absorbtion der Spätromantik, die er auf eine angenehme Weise zeigt, ohne daß dies nun überwältigend genial zu nennen wäre, aber es ist trotzdem ein überzeugendes Werk. Nach der mir wenig sagenden 2. ist die 3. dagegen ein wirklich großer Wurf. Das ist keine Spätromantik mehr, sondern man hört hier deutlich den Einfluß von Skrjabin, besonders im fiebrigen 1. Teil, wobei diese Skrjabinsche Fiebrigkeit dann aber letzlich in einem geradezu mahlerschen Trauermarsch endet. Die 5. dagegen zeigt Mjaskovski wieder von einer ganz anderen Seite, was für mich allerdings nur bei dem Downes, zumindestens im 1. Satz heraus kommt, ein geradezu pastorales melodisches Strömen. Die 6. dagegen ist ein teilweise sehr dissonant klingendes Werk, daß im übrigen ungewöhnlicher Weise sehr monumental angelegt ist. Die 7. ist wieder völlig anders. Die Musik entwickelt sich hier über einem mystisch klingenden harmonischen Klangteppich, der mit Spätromantik wirklich gar nichts mehr zu tun hat. Die 9. ist wieder anders. Sehr melancholisch im ersten Satz, der mich fast an Elgars 3. Sinfonie erinnert. Auch ein sehr gutes Werk. Die einsätzige 10. wieder anders, sehr expressiv und wenig traditionell, wobei mich dies nicht völlig überzeugt. Die 11. wieder anders. In den Ecksätzen ein fetziger Neoklassizismus, im Mittelsatz melancholische Schönheit. Die 14. dagegen merkwürdig leichtgewichtig, trotzdem nett zu hören.

Was ich damit sagen will: Mjaskowsi ist gerade in den frühen Sinfonien zwar sehr gut, aber nicht wirklich zu greifen. Greifbar ist er vielleicht am ehesten in der Melancholie und dem Melos des Spätwerks ( 22., 24. 25. und 27.) Zwar ist auch hier nicht "alles gleich", aber der Komponist hat hier zu einem gewissen Individualstil gefunden. Es gehört für mich aber auch ein großes Talent dazu, dermaßen stilistisch vielfältig zu komponieren.

In jedem Fall: Auch wenn bei Mjaskovski ähnlich wie bei Prokoview und Schostakowitsch stalinscher Druck zu vermuten ist ( zu Lenins Zeiten war der Druck ja weit weniger groß, deshalb gibt es Werke wie Schostakowitschs 2. Sinfonie und auch Mjaskovski konnte sich hier fortschrittlicher zeigen) ist Mjaskovski auch im Spätwerk "bürgerliche Kunstmusik" und hat mit proletarischen Märschen wenig zu tun. Den Stalinpreis hat er jedenfalls nie bekommen, Schostakowitsch schon ( für das Lied der Wälder).

Er ist jedenfalls für mich ein genuiner Sinfoniker und absoluter Musiker, nur daß er nun so skrupulös wie Brahms war, kann man nicht erwarten, wenn man 27 Sinfonien schreibt. Gewisse Sinfonien wie die 14. und 19. haben dann allerdings dann wohl Sinfoniettaqualitäten.

Gruß Martin
WolfgangZ
Inventar
#36 erstellt: 18. Feb 2010, 12:08
Hallo, Martin!

Es ist tatsächlich so, dass ich bei Miaskovsky aufgrund gewissen Halbwissens eher der Meinung war, der gehöre in die Reihe der nicht unbegabten sowjetischen Propagandisten. Schön zu lesen, dass die Situation differenzierter ist.

Ich bin kein ganz großer Schostakowitsch-Liebhaber, weiß aber die Bedeutung von Sinfonien wie der Vierten, der Achten oder der Fünfzehnten in ihrer abgrundtiefen Doppelbödigkeit zu schätzen, und ich mag, offen gestanden, auch die effektvolle, sicherlich weniger tiefschürfende Siebte oder die Zehnte. Bedingt durch die herbe biographische Situation des Sowjetrussen muss man halt auch Abstriche im Gesamtrepertoire machen. Wenn dies bei Miaskovsky ähnlich ist, so ist es kein Grund, der gegen den Komponisten spricht.

Wolfgang
Martin2
Inventar
#37 erstellt: 18. Feb 2010, 12:53
Hallo Wolfgang,

lese Dir mal den Wikipediaartikel durch; der ist recht informativ

http://de.wikipedia.org/wiki/Nikolai_Jakowlewitsch_Mjaskowski

Was mich nur wundert, ist, daß hier davon die Rede ist, daß Mjaskovski sechsfacher Stalinpreisträger war, während im Begleitheft meiner Zyx CD der 3. Sinfonie ( mit Verbitzky), die ich heute mit großer Begeisterung hörte, stand, daß ihm diese Auszeichnung verwehrt blieb. Die Swetlanov Box mit dem sinfonischen Gesamtwerk kommt übrigens ganz ohne Dokumentation aus, was schon sehr schlecht ist bei einem nicht so bekannten Komponisten.

Mich wundert allerdings wieder da zu lesen, daß Mjaskovski mit seiner 6. Sinfonie am bekanntesten ist. Mag sein. Ich habe diese Sinfonie noch nicht sehr gründlich gehört. Sie hat auf mich einen gewissen Einfluß gemacht, aber andere fand ich besser.

Im englischsprachigen Werkverzeichnis werden auch die 6. und die 27. Sinfonie als "Meisterwerke" gesondert aufgeführt, was ich für einen Schmarrn halte. So als ob andere Werke wie etwa die 3., 5., 7., 9. 11. 22. oder 25. keine Meisterwerke wären. Die 27. ist halt Mjaskovskis "Schwanengesang" und die 6. die einzige monumentale Sinfonie mit Chor - das sind aber nur Äußerlichkeiten.

Wie auch immer, ich muß diese Box in jedem Fall noch gründlicher erforschen, weil ich einiges immer noch nicht gehört habe.


Gruß Martin
op111
Moderator
#38 erstellt: 18. Feb 2010, 14:28
Hallo Martin und Wolfgang!

Ich habe die Diskussion über Mjaskowski mit Interesse verfolgt.

Könntet Ihr euch vorstellen, die Beiträge ab #31 in den
Mjaskowski-Thread
Mjaskovski (Miaskowsky; Nikolai Jakowlewitsch Mjaskowski) (1881-1950) - Die Sinfonien
in der richtigen Reihenfolge zu kopieren?
Wenn nicht, stelle ich sie dort ein - das geht dann aber leider nur als Zitat.
WolfgangZ
Inventar
#39 erstellt: 18. Feb 2010, 16:21
Hallo, Franz!

Ich habe bestimmt nichts dagegen, wenn Du die Beiträge als Zitat kopierst.

Gruß, Wolfgang
Martin2
Inventar
#40 erstellt: 19. Feb 2010, 07:13
Hallo Franz,

Ich habe ebenfalls nichts dagegen, wenn Du unsere Diskussion in den Mjaskovski Thread ( wir haben glaube ich zwei) kopierst.

Gruß Martin
WolfgangZ
Inventar
#41 erstellt: 19. Feb 2010, 11:43
Danke an Franz für das Kopieren in den passenderen Thread!

Wolfgang
op111
Moderator
#42 erstellt: 19. Feb 2010, 11:50

Gern geschehen.

Vielleicht sollte die Mjaskowski-spezifische Diskussion auch dort
Link
weitergehen, sonst wird man sie nur schwer, etwa durch gezieltes Ins-Forum-googeln wiederfinden.
MANFREDM
Stammgast
#43 erstellt: 18. Feb 2011, 10:19

WolfgangZ schrieb:

http://www.amazon.de...id=1266192905&sr=1-1

Soeben höre ich mir wieder mal an - angeregt durch einen und aus Widerspruchsgeist gegen einen anderen der letzten Beiträge :

Louise Farrenc (1804 - 1875): Sinfonie, Nr. 3, g-moll, op. 36, 1849
Radio-Philharmonie Hannover des NDR / Johannes Goritzki


Interessanter, als man bei dem kaum bekannten Namen dieser allerdings mit der genannten Sinfonie recht erfolgreichen Komponistin vermuten würde.

Bemerkenswert sind der schöne langsame Satz und generell eine sehr ausgewogene Bläserbehandlung, die erkennbar auf Beethoven verweist. Insgesamt eher früh- als hochromantische Sinfonik, der mehr Verbreitung zu wünschen wäre. Lobenswert daher die interpretatorisch wie klanglich überzeugende cpo-Scheibe.

Besten Gruß, Wolfgang


Ich finde die Musik von Louise Farrenc sehr bemerkenswert. Als erstes hatte ich zufällig und günstig per Second Hand die Aufnahme von NAIVE geschossen: http://www.jpc.de/jp...o-op-44/hnum/3668045
Klanglich sehr überzeugend. Die preisgünstigen CPO-Aufnahmen habe ich mir danach natürlich auch bestellt. Mich erinnert diese Musik an warme, langweilige (damals als Provinz-Jugendlicher) Sommertage und romantische Kammermusik aus dem Radio, mit der ich damals noch nicht viel anfangen konnte. Inzwischen liebe ich diese Art von Kammermusik. Schöner Tipp.
flutedevoix
Stammgast
#44 erstellt: 18. Feb 2011, 17:09
Farrenc ist auch wirklich ausgezeichnete, hochromantische Musik. Beeindruckend ist die Expressivität und auch die Experimentierlust.

Neben der Sinfonik kann ich auch noch sehr folgende Kammermusik-Einspielungen empfehlen:

jpc.de

Die Besetzung Klavier mit Bläserquartett ist ja mit den Meisterwerken Mozarts und Beethovens bestens bekannt. Hier wird das Klavier meines Wissens zum ersten Mal mit einem "klassischen Bläserquintett" kombiniert. Farrenc weiß sehr gut um die Eigenheiten der Blasinstrumente Bescheid und kombiniert sie zu sehr wirkungsvollen Klangwirkungen


[Beitrag von flutedevoix am 18. Feb 2011, 17:11 bearbeitet]
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