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Brahms: Die Sinfonien

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enkidu2
Inventar
#1 erstellt: 10. Mrz 2007, 18:06
Die laufenden Threads zu Bruckners und Beethovens Sinfonien verfolgend wunderte es mich, dass es keinen zu den Brahms Sinfonien zu geben scheint. Ist Brahms heutzutage als Sinfoniker nicht mehr angesagt? Droht er im Schatten der beiden sinfonischen Riesen Beethoven und Bruckner im Dunkel zu verschwinden?

Versucht einen Brahms Sinfonien Thread zu eröffnen, prüfte ich ersteinmal nach, ob das Thema nicht schon besetzt ist. Aber keiner der bisherigen Ansätze hat wirklich lange durchgehalten.

So hoffte ich denn im Thread <Thema: Johannes Brahms - (k)ein unterschätzter Komponist?(!)>
http://www.hifi-foru...rum_id=68&thread=870
eine Antwort zu finden. Dort wurde in der Anmoderation die Mutmaßung geäußert, dass Brahms Musik von manchen als zu sperrig empfunden würde. Vielleicht mag das auf Brahms 1. Sinfonie zutreffen, aber eigentlich ließe sich das doch auch über manche Bruckner Sinfonie sagen.

Ein Mangel an Popularität, d.h. nicht genügend Neueinspielungen? Aus meiner Erinnerung heraus würde ich behaupten, dass Brahms Sinfonien auch immer wieder neu eingespielt wurden und werden. Vor etlichen Jahren zumindest schien an Brahms Sinfonien auf dem Markt kein Mangel gewesen zu sein. Sollte sich das geändert haben? Ich für meinen Teil muss eingestehen, dass ich den Markt schon lange nicht mehr beobachtet habe, da ich mich inzwischen mehr abseits des Mainstreams bewege. Man kann ja auch nicht alle Einspielungen der Brahms Sinfonien besitzen. Schaue ich bei jpc vorbei, dann scheint es aber immer noch genügend Aufnahmen zu geben.

Ein Mangel an Popularität beim Publikum? Auf den Konzertprogrammen findet sich Brahms eigentlich immer wieder, über CD-Umsätze vermag ich nichts sagen, da mir keine Zahlen bekannt sind.

Oder ist Brahms einfach so unstrittig, sein Musik so gefällig, zu wenig polarisierend, um darüber streiten zu können? Auch fehlt Brahms vielleicht die Auffrischung, wie sie Beethoven dank den Bemühungen um eine historisch korrekte oder zumindest authentische (was immer das letztendlich heißen mag) zuteil wurde. Der Fluch des frühen Erfolges, der allgemeinen Popularität? War Brahms wirklich nur jemand der schöne Sinfonien geschrieben hat, aber kein Revolutionär wie Beethoven oder kein Veränderer wie Liszt-Wagner-Bruckner (Neudeutsche Schule)?

Aber vielleicht macht es ja auch keinen Sinn, einen Thread zu den Sinfonien zu eröffnen. Vielleicht ist ja schon alles gesagt: Unter den Gesamteinspielungen scheinen die von Solti und Klemperer unstrittig zu sein. Die Karajan-Fraktion wird sich sicherlich melden, und die Hinweise auf die Vierte unter Carlos Kleiber oder Carlo Maria Giulini werden nicht fehlen. Aber würde jemand ernsthaft für Frau Alsop oder für die Herren Abbado, Barenboim, Bernstein, Celibidache, Chailly, Furtwängler, Gielen, Harnoncourt, Jochum, Kubelik, Maazel, Mackerras, Marriner, Masur, Mengelberg, Mravinsky, Norrington, Sawallisch, Szell, Toscanini, Walter, Wand, Weingartner usw. eine Lanze brechen wollen?

Nun, ich wage es mal, und starte diesen Thread. Denn mich interessiert schon, welche der vier Brahms Sinfonien ihr besonders schätzt (oder gar alle?) und welche Einspielungen ihr empfehlt bzw. vor denen man warnen sollte. Und warum?
enkidu2
Inventar
#2 erstellt: 10. Mrz 2007, 18:08
Und nun mal in die Vorlage getreten:

Heute gehört, wenn auch in umgekehrter Reihenfolge:

Brahms Vierte ist eine meiner Lieblingssinfonien. Schon allein wegen des ersten Satzes: romantische Melodie gewürzt mit dramatischen Akzenten. Bei vielen Sinfonien spricht mich ja meist das Finale mehr an, hier aber ist es anders. Kraftvoll, rhythmisch gespielt, und doch mit viel Gefühl zu hören bei Georg Solti und dem Chicago Symphony Orchestra, das hier ein idealer Partner ist. Die Aufnahme aus dem Jahre 1978 klingt leider ein wenig beengt, was aber nur an wenigen Stellen wirklich auffällt. Eine in der Endnote gute Einspielung, die ich noch als Teil der "The SOLTI collection" erworben habe, also zu einer Zeit, wo Labels ihre Exklusivpartner noch zu würdigen wussten. Leider kein Cover gefunden.

Absolute Enttäuschung war für mich Celibidache und die Münchner Philharmoniker mit der Vierten: die Idee der extremen Langsamkeit, die manchmal bei Celi extrem schöne, verträumte Augenblicke hervorbringt, wird in dieser Aufnahme überreizt. Hinundwieder romantisch klingend, verliert diese Einspielung durch die Überdehnung der Tempi an Spannung. Ich ertappe mich, wie ich mich bei diesem ansonsten so geliebten 1. Satz zu langweilen beginne. Und beim Andante, dem 2. Satz, wird man so eingelullt, dass man wegzudämmern droht, wenn ich nicht gleichzeitig eine Aggression gegenüber dieser langweiligen Interpretation aufbauen würde. Brahms (fast) bis zur Unkenntlich gedehnt. Schrecklich. Neben der Langsamkeit geht einem dann auch mit der Zeit der dumpfe Klang der Aufnahme auf den Geist. Liegt das an meiner Anlage oder an EMI? Das Finale ist erträglich, ohne aber an z.B. Solti heran zu kommen. Im Ergebnis jedenfalls ein "mittelmäßig" als Note (was bei mir 5 von 10 Punkten heißt).

Einordnung: Neben der Aufnahme mit Solti schätze ich gleichermaßen die Einspielungen der Vierten mit Otto Klemperer und dem Philharmonia Orchestra (1956/7) sowie mit Carlos Kleiber und den Wiener Philharmonikern (1980). Getoppt wurde das bislang nur von Paul Kletzki mit dem Czech Philharmonic Orchestra (1965). Für die Aufnahme hatte ich ein "sehr gut" notiert, was bei mir viel heißt, da ich selten so euphorisch gestimmt bin.
Thomas228
Stammgast
#3 erstellt: 10. Mrz 2007, 19:28
Hallo enkidu2,

als ich es las, konnte ich es nicht glauben. Es soll wirklich kein Thread zu den Brahms-Sinfonien existieren? Aber tatsächlich, du hast recht. Zwar zeigt das Inhaltsverzeichnis des Forums - das eine Aktualisierung vertragen könnte - einige Brahms-Sinfonie-Threads, ergab auch die Suchfunktion einige Treffer. Aber das Gesuchte war nicht dabei. Nun denn:

Kennen gelernt habe ich die Brahms-Sinfonien in der Bernstein-Gesamtaufnahme. Davon, dass die Einspielung einen doch recht eigenen Brahms zeigt, wusste ich damals noch nichts. Mit der Zeit kamen einige Einzel-CDs hinzu, Walter, Karajan, die obligatorische Vierte mit Kleiber usw. So richtig die Schuhe ausgezogen hat mir keine der Aufnahmen. Dann aber, vor rund einem Jahr habe ich mir meine zweite Gesamtaufnahme gekauft, die von Sir Charles Mackerras. Da war es passiert! Mit offenem Mund und auf der Sesselkante hörte ich einen Brahms, der mich absolut gefangen nahm. Tontechnisch bravourös (eine typische Telarc-Aufnahme), waren hier Einzelheiten zu hören, wurde hier - historisierend - derart auf die Einzelheiten bedacht, aber gleichwohl packend, was sage ich, mitreißend musiziert, dass ich schon beim Schreiben dieser Zeilen wieder Lust bekomme, die CD aufzulegen. Einfach großartig!

amazon.de

Die
Auffrischung, wie sie Beethoven dank den Bemühungen um eine historisch korrekte oder zumindest authentische (was immer das letztendlich heißen mag) zuteil wurde.
gibt es also auch bei Brahms.

Nicht beantworten möchte ich deine Frage danach, welche Sinfonie ich am meisten schätze. War es anfangs die erste, bald darauf die zweite, höre ich die erste inzwischen am seltensten. Mit der Zeit ändern sich eben auch die Vorlieben.


Viele Grüße

Thomas
(der sich sicher irgendwann noch mal die Klemperer-Aufnahmen zulegen wird)
teleton
Inventar
#4 erstellt: 10. Mrz 2007, 20:41
Hallo enkidu2,

wie und mit welchen Aufnahmen zu Brahms gekommen ist kann sehr unterschiedlich sein. Das zeigt mir der kurze Verlauf dieses Threads bereits.

Meine ersten Brahms-Schallplatten waren in den 80er-Jahren die EMI-LP´s mit Klemperer Philharmonia Orchestra London, die ich mir alle 4 einzeln kaufte.
So habe ich Brahms schätzen und lieben gelernt. Die heute in den Foren machmal erwähnten Negativissmen, Brahms wäre irfendwo knorrig oder sperrig kann ich bis heute nicht nachvollziehen.
Brahms gehört zu meinen ganz großen Lieblingen.

Als später die CD-Zeit einsetzte wollte ich unbedingt eine ergänzende Aufnahme haben. Die Klemperer-Aufnahme war in den hohen Streichern und Bläsern(auf LP) ziemlich quäkig, was mich immer gestört hat.
Ich griff zur Solti-Aufnahme (DECCA) und war voll zufrieden - ja ich hatte bis heute meine Aufnahme gefunden. Damit liegen wir auf einer Ebene mit Solti und Klemperer.

Als Bernstein-Fan und Brahms-Fan wollte ich natürlich seine Leseart auch kennenlernen und habe mir die Bernstein-DG-Aufnahmen der Sinfonien 1,3 und 4 mit den Ouvertüren und Haydn-Variationen gekauft. Bernstein bietet einen hochromantischen Brahms, der in den Sinfonien Nr.3 und 4 mir noch einigermaßen liegt, aber die Erste hat mir zu wenig "schmackes". Leider ist Bernstein recht langsam, sodaß die Aufnahmen mich nicht so vom Hocker hauen, wie Solti, Szell und Klemperer, aber ich höre sie hier und da.

Durch die Klassikforen ließt man so einiges und da ich von George Szell noch nie eine CD auf dem CD-Teller hatte, die mich nicht begeisterte kam dieser als nächstes an die Reihe.
Wenn man sich für Brahms interessiert kommt es wahrlich nicht auf den Preis an, aber zum Naxos-Preis gibt es fantastische 3 CD´s der Brahms- Sinfonien mit Szell / Cleveland Orchester (SONY).
So vorwärstreibend und dramatisch hochgespannt mit dem cleveländer Präzisionsensemble macht Brahms unheimlich Spaß. Die CBS-Klangqualität kann sich auch hören lassen, trotz der Aufnahmedaten Anfang der 60erJahre mit etwas rauschen , aber klanglich zigmal besser als EMI-Klemperer.


Wir haben noch einen großen Brahms - Interpreten vergessen: Herbert von Karajan
Als Karajan-Freund möchte ich auch auf seine TOP-Aufnahme der Sinfonie Nr.1 mit den Wiener PH (DECCA) von 1960 hinweisen, die ich in die Spitzengruppe der 3genannten Solti, Klemperer und Szell einreihen möchte.
Ich kenne auch seine DG-Aufnahmen, aber alles muß man nun nicht haben, wenn mann bereits gut ausgestattet ist.



Welche Aufnahme würde ich heute von allen Favorisieren ?
Müßte ich mich heute für eine Brahms-Sinfonien-GA entscheiden würde ich Solti wählen, da sie in allen belangen perfekt ist, auch in altgewohnter Decca-Klangqualität. Solti beachtet gegenüber fast allen anderen Dirigenten alle Wiederholungszeichen bei den Brahms-Sinfonien, wodurch sich längere Spielzeiten bei den Ecksätzen ergeben, die aber nicht auf ein langsames Tempo der Aufnahme schließen lassen können - Solti ist nicht langsamer als Szell, aber ebenso präzise und dramatisch ohne irgendwo Langeweile auszustrahlen (wie seinerzeit Harnoncourt, den ich auch mal testete, weil megapreiswert, aber die 14Euro für diese Box waren nichtmal dieses Geld wert - sie haben einen Brahms-Schock bei mir ausgelöst.)

Ich bin aber froh heute Solti, Bermstein, Szell, Karajan zu haben, denn Szell bietet die beste Tragische Ouvertüre, Haydn-Variationen und Sinf.Nr.3; Bernstein die Beste Akademische Festouvertüre; Karajan die beste Sinfonie Nr.1; Solti die besten Sinfonien Nr.2 und 4.
JohnD
Stammgast
#5 erstellt: 10. Mrz 2007, 21:12
Also ich möchte dann doch noch mal eine Lanze für Norrington/LCP brechen.
Das ist alles sehr prima, vor allem 3+4!

Hoffentlich kommen die bald günstig raus, mir fehlt die 2.
Bei Amazon kann man die noch als Japan-Import bestellen.
daniel5993
Hat sich gelöscht
#6 erstellt: 11. Mrz 2007, 13:55
Hallo,

Brahms Symphonien?

Seit langem liegt bei mir eine LP-Box der Brahms Symphonien unter Karl Böhm in meiner Sammlung, aber angehört habe ich sie mir nie! Da mich die erste nicht vom Hocker riss, habe ich Sie achtlos zur Seite gelegt!

Jedoch ist dieser Thread eine Anregung für mich und ich werde mich dem Thema Brahms neu wittmen, Ihm eine neue Chance geben!

Werde mich dann demnächst dazu äußern!

Gruß
daniel
Martin2
Inventar
#7 erstellt: 11. Mrz 2007, 14:05
Ich habe die Gesamtaufnahme mit Sanderling und dem Philharmonia Orchestra. Die war mal ganz billig ( irgendso ein italienischer CD Verlag). Inzwischen sind sie wieder Hochpreis. Mir gefallen die eigentlich ganz gut. Dann habe ich noch Radiomitschnitte ( Wand, Kleiber). Und dann noch Brilliant, wo ich neulich mal rein hörte ( zum Kennenlernen vielleicht geeignet).
Hüb'
Moderator
#8 erstellt: 11. Mrz 2007, 19:21

Martin2 schrieb:
Ich habe die Gesamtaufnahme mit Sanderling und dem Philharmonia Orchestra. Die war mal ganz billig ( irgendso ein italienischer CD Verlag). Inzwischen sind sie wieder Hochpreis. Mir gefallen die eigentlich ganz gut. Dann habe ich noch Radiomitschnitte ( Wand, Kleiber). Und dann noch Brilliant, wo ich neulich mal rein hörte ( zum Kennenlernen vielleicht geeignet).

Genauer: mit Thomas Sanderling. Die Interpretation mag gut sein, der Klang ist allerdings eher schlecht und total verhallt.
@Martin:
Von welcher Aufnahme bei Brilliant redest Du? Sawallisch?
Martin2
Inventar
#9 erstellt: 11. Mrz 2007, 20:51

Hüb' schrieb:

Genauer: mit Thomas Sanderling. Die Interpretation mag gut sein, der Klang ist allerdings eher schlecht und total verhallt.


Stimmt. Wenn ich mich nicht täusche, der Sohn von dem etwas bekannteren Vater Kurt Sanderling. Daß der Klang so schlecht ist, ist mir nicht aufgefallen. Vermutlich weil ich auf solche Dinge weniger achte und nur wenn es sich mir quasi aufdrängt.

Die Brilliantaufnahmen, die ich meinte sind die aus der Masterworksbox. Das Netherlands Philharmonic Orchestra ( das sagt mir gar nichts) unter Jaap von Zweden. Da hatte ich mal die 1. gehört vor ein paar Wochen und natürlich ist der Sanderling und der Wand ( Lifeaufnahme des NDR, aus dem Radio mitgeschnitten) besser, aber soo schlecht war das ganze nicht.

Ich selber habe den Brahms allerdings in meiner Jugendzeit im Radio kennen gelernt, als NDR 3 noch richtig gut war. Billiger Monocassettenrecorder, billige Cassetten und das alte Radio von Oma ( dann die erste Stereoanlage mit 16 oder 17). Trotzdem meine größte Brahmserfahrungen. Die Musik war halt noch so neu, diese Sinfonien waren so wunderbar. Da erwachte meine Leidenschaft für klassische Musik! Bruckner und Mahler kamen später.

Gruß Martin
alidoro
Ist häufiger hier
#10 erstellt: 12. Mrz 2007, 02:28
TOSCANINI!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
SirVival
Hat sich gelöscht
#11 erstellt: 12. Mrz 2007, 18:11
1. Sinfonie mit Claudio Abbado und den Berlinern. Keiner bringt den Übergang von der Einleitung zum Hauptthema des letzten Satzes so überzeugend wie er.
Moritz_H.
Stammgast
#12 erstellt: 12. Mrz 2007, 20:49

Hüb' schrieb:
Genauer: mit Thomas Sanderling. Die Interpretation mag gut sein, der Klang ist allerdings eher schlecht und total verhallt.


Leider werde ich den Eindruck nicht los, dass diese Sanderling-Aufnahmen "über Gebühr" niedergemacht werden. Sicher gibt es bessere, doch finde ich diese Aufnahmen sehr wohl hörenswert. Schlechter und verhallter Klang kann ich nicht erkennen trotz meiner fast 57 Lenze . . .
Thomas228
Stammgast
#13 erstellt: 12. Mrz 2007, 22:52

alidoro schrieb:
TOSCANINI!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!


Das finde ich dann doch etwas knapp. Toscanini hat laut einer Internet-Discographie die erste Sinfonie sieben Mal, die zweite fünf Mal, die dritte sechs Mal und die vierte fünf Mal aufgenommen. Gesamteinspielungen gibt es von RCA mit dem NBCSO und von Testament mit dem Philharmonia. Worauf beziehst du dich also?

Ich möchte dir mit dieser Frage nicht zu nahe treten. Mich interessiert schlicht, welches die empfehlenswerte Einspielung ist. Am weitesten verbreitet dürfte die RCA-Aufnahme sein (es gibt sie in verschiedenen Ausgaben; unterscheidet sich die Klangqualität?). Der Penguin-Guide favorisiert die Aufnahme mit dem Philharmonia Orchestra (und hebt dabei D. Brain heraus, nur Lokalpatritotismus?

Schöne Grüße
Thomas
alidoro
Ist häufiger hier
#14 erstellt: 13. Mrz 2007, 02:38
Ciao,
es gibt ausgesprochen viele sehr gute Aufnahmen der Brahms-Sinfonien. Ich schätze auch Mackerras, Wand, Klemperer und Giulini sehr, trotz aller Unterschiede. Ich beziehe mich auf die RCA-GA mit dem NBCSO, die ich - ohne eigentlich viel davon zu erwarten - eher durch Zufall mal angehört habe. Zunächst war ich von der unerwartet guten Klangqualität überrascht. Dann merkte ich, dass die Interpretation aufgrund ihrer Stringenz und wegen ihrer stets vorwärts drängenden Energie außerordentlich fesselnd und den zuvor Genannten mindestens ebenbürtig ist. Ja, Toscanini hat sich zeitlebens sehr intensiv mit Brahms auseinandergesetzt! Die Londoner Aufnahmen - danke für den Tip - sollte ich auch mal testen. Ich bin durchaus kein Freund von Raserei, aber hier handelt es sich einfach um eine äußerst vitale Brahms-Sichtweise unter Hochspannung, die jeder mal testen sollte, der eine "Entstaubung" dieses Sinfonikers für angebracht hält. 41 Minuten Spielzeit bei der 1. Sinfonie - muß ich mehr sagen? Stupendo e portentoso! A dopo, Alidoro


[Beitrag von alidoro am 13. Mrz 2007, 02:40 bearbeitet]
vanrolf
Inventar
#15 erstellt: 13. Mrz 2007, 03:58

Moritz_H. schrieb:
Leider werde ich den Eindruck nicht los, dass diese Sanderling-Aufnahmen "über Gebühr" niedergemacht werden. Sicher gibt es bessere, doch finde ich diese Aufnahmen sehr wohl hörenswert. Schlechter und verhallter Klang kann ich nicht erkennen trotz meiner fast 57 Lenze . . .



Hallo zusammen,

die angesprochene, italienische Ausgabe mit Thomas Sanderling /Philharmonia Orchestra habe ich mir damals auch besorgt (ich glaube, sie hat sogar nur € 1,00 gekostet) und hatte sie ebenfalls als klanglich dürftig, um nicht zu sagen schlecht in Erinnerung. Jetzt habe ich sie nochmal rausgeholt und muß sagen, daß zumindest die No. 1 sogar recht ordentlich klingt. Das Dirigat ist gut, keine Frage, alles ist sehr sauber herausgearbeitet. Manchmal vielleicht ein bißchen brav, etwas kerniger und schroffer hätte es für mich schon sein können, an manchen Stellen gern auch schneller (obwohl der vierte Satz da m.M. nach keinerlei Defizite hat), aber das ist sicher Geschmackssache. Sanderling macht ohne Zweifel einen sehr guten Job, die Aufnahme wirkt wie aus einem Guß. Das gilt auch für die No. 3, sie ist klanglich vergleichbar.

Was mich allerdings irritiert, ist die Tatsache, daß mein Winamp Mediaplayer in der Titellaufzeile als Interpreten nicht "Philharmonia / Thomas Sanderling" angibt, sondern "Orchestra Filarmonica Polonica / Karl Prisner"
Die gibt es wirklich, und sie haben vor etwa 5 Jahren tatsächlich ebenfalls alle Brahms-Symphonien aufgenommen - für das italienische Label "Azzurra Music"

Tja, ich gehe trotzdem einfach mal davon aus, das es sich hier um Sanderling-Aufnahmen handelt...

Ansonsten: Karl Böhms damals als Referenz gehandelter Brahms-Zyklus auf DGG (aufgenommen Mitte der 70er Jahre) war meine erste Begegnung mit den Symphonien. Es folgte der Zyklus von Günter Wand mit dem NDR-SO auf RCA. Damit war ich lange wunschlos glücklich und schätze die Sachen auch heute noch sehr. Dann kamen Szell und Klemperer, und die sind eine ganz eigene Liga.
Um es kurz zu machen: Szell ist mein bisheriger Favorit, bei den Klemperer-Aufnahmen muß ich Wolfgang (teleton) zustimmen, der sie "in den hohen Streichern und Bläsern(auf LP) ziemlich quäkig" empfunden hat. Das geht mir mit der CD-Ausgabe ähnlich, der Klang wirkt eng und gepresst, beim Hören verursacht mir das auf Dauer schon etwas Stress.

Hinweisen möchte ich auf eine Aufnahme der No.3 unter Szell, die ich für ganz außerordentlich halte und die sich in dieser Original Masters-Box von Decca befindet:





Sie wurde 1951 mit dem London Symphony Orchestra eingespielt und ist noch mono. Decca hat sie aber derart gut aufbereitet, daß es eine wahre Freude ist. Man vermisst nichts, es gibt hunderte Aufnahmen deutlich jüngeren Datums, die nicht eine solche Transparenz bieten. Straffer, spannender und flüssiger habe ich dieses Werk noch nicht gehört, auch Szells eigenes Remake mit dem Cleveland Orchestra auf CBS fällt dahinter zurück.

Mackerras steht auch schon länger auf meiner Liste, ist mir aber noch zu teuer.

Gruß Rolf
alidoro
Ist häufiger hier
#16 erstellt: 13. Mrz 2007, 13:14
Detto tra parentesi: äußerst lohnend sind von Mackerras (Telarc!) nicht nur die Sinfonien, sondern auch deren Vorstufen, die beiden Serenaden. Senza pari!
lydian
Stammgast
#17 erstellt: 13. Mrz 2007, 14:12

vanrolf schrieb:

Hinweisen möchte ich auf eine Aufnahme der No.3 unter Szell, die ich für ganz außerordentlich halte und die sich in dieser Original Masters-Box von Decca befindet:





Sie wurde 1951 mit dem London Symphony Orchestra eingespielt und ist noch mono. Decca hat sie aber derart gut aufbereitet, daß es eine wahre Freude ist. Man vermisst nichts, es gibt hunderte Aufnahmen deutlich jüngeren Datums, die nicht eine solche Transparenz bieten.


Nur mal am Rande: Diese Bänder muss man nicht "aufbereiten". Decca-Aufnahmen aus den 50er Jahren klingen auch als Mono-LP meist fantastisch, was man jedoch in vollem Umfang nur mit einem adäquaten Tonabnehmer (Mono sowie den Rillen entsprechende Verrundungsradien des Diamanten) hört. Oft ziehe ich, wenn alternativ vorhanden, die Mono-Ausgabe einer Stereo-Fassung vor. Immerhin waren die gleichen Toningenieure, die den legendären Decca-Klang des frühen Stereo-Zeitalters hervorbrachten, auch für die früheren Mono-Aufnahmen zuständig (bspw. Kenneth Wilkinson). Gerade im Vergleich zu den späten RCA-Aufnahmen Toscaninis tun sich da aus klanglicher Hinsicht Welten auf.

Aber: Das Orchester auf der von vanrolf erwähnten fulminanten Aufnahme ist das Concertgebouw Orkest Amsterdam.

Gruß,
Steff
cr
Inventar
#18 erstellt: 13. Mrz 2007, 14:28
Meine bevorzugten sind
Sym 1+2 mit Giulini/Los Angeles SO (vor allem die erste kommt sehr schwerblütig daher)
Sym. 3/Solti
Sym. 4/C.Kleiber
Joachim49
Inventar
#19 erstellt: 13. Mrz 2007, 22:52
Liebe Musikfreunde,
ich bin ganz neu hier und es reizt mich ganz besonders etwas zu den Brahmsaufnahmen zu schreiben. Viele Namezn sind schon ghefallen, aber merkwürdigerweise nicht der von Bruno Walter. Vor allem seine frühen Aufnahmen mit den New Yorker Philharmonikern sind ganz grossartig. Alle Brahmsfreunde sollten sie kennen. Ein grosser Brahmsinterpret war auch Hermann Abendroth. Dass er in der DDR Karriere gemacht hat scheint seinem Ruf geschadet zu haben (Er war während der Nazi-zeit Chef des berühmten gewandhausorchesters in Leipzig, nach dem krieg 'nur noch' am Radioorchester von Leipzig und Berlin Ost, sowie an der Oper in Weimar. In der französischen Musikpresse hält man ihn oft für ebenbürtig mit Furtwängler. Sein Brahms ist erstklassig, sowohl der Leipziger, als auch die Aufnahmen mit dem Radioorchester Prag, dem Gewandhaus und einige andere. Jedenfalls ziehe ich diese Aufnahmen aus den fünfziger Jahren so ziemlich allen neueren vor.
Von Dohnanyi's Aufnahme der Ersten mit dem Clevelandorcjester zählt für mich auch zu den bedeutenden Aufnahmen. Kennt jemand die Abendroth-aufnahmen und die frühen Bruno Walters?
Freundliche Grüsse
Joachim
s.bummer
Hat sich gelöscht
#20 erstellt: 14. Mrz 2007, 00:22
Meine Tipps.
1. Klemp, der Hamburger ( geb. Breslauer) Jung dirigiert norddeutsch knorrig
2. Szell, elegant, alternativ Toscanini RCA oder Günni Wand mit den Berlinern auch RCA.
3. Knappertsbusch. Mag ich immer wieder gerne hören, gerade wenn es ungewöhnlich klangsam ist.
4. Kleiber. Ob Live oder im Studio. Ob es wohl je ne bessere geben wird? Eher nicht.
Dies mal so als Idee.
Gruss S.
vanrolf
Inventar
#21 erstellt: 14. Mrz 2007, 00:46

lydian schrieb:
Nur mal am Rande: Diese Bänder muss man nicht "aufbereiten". Decca-Aufnahmen aus den 50er Jahren klingen auch als Mono-LP meist fantastisch, was man jedoch in vollem Umfang nur mit einem adäquaten Tonabnehmer (Mono sowie den Rillen entsprechende Verrundungsradien des Diamanten) hört. ...


Aber: Das Orchester auf der von vanrolf erwähnten fulminanten Aufnahme ist das Concertgebouw Orkest Amsterdam.



Hallo Steff,

danke für die Berichtigung wegen des Orchesters, es war schon spät gestern abend...
Ich habe keinen direkten Vergleich mit Original-Mono-LPs aus der Zeit und habe auch gelesen, daß diese Aufnahmen exzellent gewesen sind. Andererseits kann ich mir aber kaum vorstellen, daß 55 Jahre alte Bänder selbst bei noch so sorgfältiger Herstellung und Aufbewahrung wirklich keinerlei Störgeräusche aufweisen. Und hier hört man so gut wie nichts, auch nicht in den leisen Passagen. Ich lasse mich da gerne eines besseren belehren, aber ist es nicht wahrscheinlich, daß da - trotz brillianten Ausgangsmaterials - ein bißchen "aufgefrischt" wurde?

Gruß Rolf
Kreisler_jun.
Inventar
#22 erstellt: 14. Mrz 2007, 00:49

Joachim49 schrieb:
Liebe Musikfreunde,
ich bin ganz neu hier und es reizt mich ganz besonders etwas zu den Brahmsaufnahmen zu schreiben. Viele Namezn sind schon ghefallen, aber merkwürdigerweise nicht der von Bruno Walter. Vor allem seine frühen Aufnahmen mit den New Yorker Philharmonikern sind ganz grossartig. Alle Brahmsfreunde sollten sie kennen. Ein grosser Brahmsinterpret war auch Hermann Abendroth. Dass er in der DDR Karriere gemacht hat scheint seinem Ruf geschadet zu haben (Er war während der Nazi-zeit Chef des berühmten gewandhausorchesters in Leipzig, nach dem krieg 'nur noch' am Radioorchester von Leipzig und Berlin Ost, sowie an der Oper in Weimar. In der französischen Musikpresse hält man ihn oft für ebenbürtig mit Furtwängler. Sein Brahms ist erstklassig, sowohl der Leipziger, als auch die Aufnahmen mit dem Radioorchester Prag, dem Gewandhaus und einige andere. Jedenfalls ziehe ich diese Aufnahmen aus den fünfziger Jahren so ziemlich allen neueren vor.


Die Mono-Aufnahmen Walters (aber durchaus guter Klang, Anfang der 50er) halte ich auch für ausgezeichnet.
Sie sind (evtl. nur in Frankreich) sehr preiswert als Doppel-CD (Sony) zu haben. Mit Abendroth müßte ich eine 1. irgendwo haben; seine Aufnahmen lohnen ebenfalls (leider oft auch fürs Alter nicht idealer Klang und die DDR-Orchester waren Ende der 40er noch nicht auf der Höhe).

Ein weiteres Dokument, um das man nicht herumkommt, ist die 2. unter Fritz Busch, der bei einem der maßgeblichen zeitgenössischen Brahms-Dirigenten, Fritz Steinbach, studiert hatte (anscheinend liegt nur diese Sinfonie unter Busch vor ). Authentischer gehts höchstens noch mit Felix Weingartner (dessen Aufnahmen ich jedoch noch nicht kenne). Buschs 2. ist auf der ihm gewidmeten "Great Conductors"-Folge (EMI) zu finden, ordentlicher Klang (ca. 1950).

viele Grüße

JK jr.
cr
Inventar
#23 erstellt: 14. Mrz 2007, 02:59
Ich kenne viele Aufnahmen aus den ganz frühen 60ern und späten 50ern. Klanglich befriedigend finde ich keine, abgesehen von meist geringen Störgeräuschen stört aber doch das Rauschen und die klangliche Ausgedünntheit bzw. Unausgewogenheit.
Im Vergleich sind derartige Interpretationen von legendären Dirigenten durchaus interessant, ein ungetrübter Genuß stellt sich jedoch bei mir selten dabei ein, mit Kopfhörer schon gar nicht.
SirVival
Hat sich gelöscht
#24 erstellt: 14. Mrz 2007, 10:51
Hi cr,

d'accord. Ich besitze selber 'ne Menge alter Mono-Aufnahmen. Aber wirklicher Hörgenuss stellt sich in der Tat doch mur bei moderneren Aufnahmen ein. Monos mögen aus mancherlei Gründen, Interpretationsvergleich, Nostalgie von bereits in Ehren ergrauten und schwerhörigen alten Herren u.ä. ganz interessant sein, aber meinen Ohren mute ich das auch nur in Ausnahmefällen zu. Zumal gerade die etwas pastose Instrumentation von Brahms in moderneren Stereoaufnahmen besser aufgefächert und durchsichtiger wird.

Gruß
Thomas228
Stammgast
#25 erstellt: 14. Mrz 2007, 18:40
Kennt jemand eigentlich die Abbado-Aufnahmen (mit den BP bei DGG)? Irgendwo sind diese mal enthusiastisch empfohlen worden. Leider kosten die 4 CDs im Paket immer noch 68 Euro (einzeln sind sie billiger). Ein Wahnsinn bei der Konkurrenz!

Thomas
zoe
Ist häufiger hier
#26 erstellt: 14. Mrz 2007, 18:44

vanrolf schrieb:
.....

Was mich allerdings irritiert, ist die Tatsache, daß mein Winamp Mediaplayer in der Titellaufzeile als Interpreten nicht "Philharmonia / Thomas Sanderling" angibt, sondern "Orchestra Filarmonica Polonica / Karl Prisner"
Die gibt es wirklich, und sie haben vor etwa 5 Jahren tatsächlich ebenfalls alle Brahms-Symphonien aufgenommen - für das italienische Label "Azzurra Music"

Tja, ich gehe trotzdem einfach mal davon aus, das es sich hier um Sanderling-Aufnahmen handelt...


Gruß Rolf


Hallo,
Da wär ich mal vorsichtig. Auf diese Weise ist der ganze Hatto-Skandal aufgeflogen...
Allerdings kann man bei Amazon.de die mp3 Auszüge von Priesner zum Vergleich heranziehen und das sollte schon zu einer Klärung beitragen.

Grüsse

zoe
SirVival
Hat sich gelöscht
#27 erstellt: 14. Mrz 2007, 20:59
Hi Thomas,

siehe meinen Beitrag weiter oben. Die Brahmssinfonien mit Abbado sind einfach große Klasse, interpretatorisch wie klanglich technisch. Erste Sahne. Ich kenne viele Interpretationen der Sinfonien von Brahms. Ich möchte soweit gehen und sagen, Abbados sind das Non-plus-Ultra.

Gruß
Fressbacke
Stammgast
#28 erstellt: 14. Mrz 2007, 21:50

zoe schrieb:

Da wär ich mal vorsichtig. Auf diese Weise ist der ganze Hatto-Skandal aufgeflogen...
Allerdings kann man bei Amazon.de die mp3 Auszüge von Priesner zum Vergleich heranziehen und das sollte schon zu einer Klärung beitragen.

Grüsse

zoe


Wobei ich da nicht unbedingt nicht so viel drauf gebe, was mir ein Player so anzeigt. Wenn ich eine CD in den PC lege, zeigt mir Musicmatch auch öfters eine völlig andere Aufnahme an, z.B. Giulini statt Klemperer etc. Ob es daran liegt, daß jemand mal einen falschen Datensatz erfasst hat oder an Erkennungsproblemen seitens der Datembank... egal, ich würde da jetzt nicht schließen, daß es einen erneuten Fall Hatto gibt *g*.

Um zum Thema dieses Threads zurück zu kommen: So Ende der 80er-Jahre hörte ich während einer Autofahrt eine Aufnahme der 2. Symphonie von Brahms. Ich war begeistert, den Finalsatz fand ich mitreissend und ich habe mitgesummt. Umso größer die Überraschung am Ende, als ich erfuhr, daß es sich um eine Neueinspielung handelte ... der Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Karajan.
Ich kaufte mir dann nach langer HvK-Abstinenz (nur die Alpensymphonie hatte ich auf CD!) diese GA:

amazon.de
Mir gefällt sie - "süffig" gespielt (das verträgt Brahms, denke ich!).

Sehr schätze ich auch noch die GA des Cleveland Orchestra unter Christoph von Dohnanyi.Jedoch - unverzichtbar sind die 3 CDs, auf denen sich Otto Klemperer dieser wundervollen Musik angenommen hat!


Ralf
Berman
Inventar
#29 erstellt: 12. Jun 2007, 20:05
Ich kann nicht viel fachsimpeln, da ich eigentlich ein Metaler bin, zumindest was den Musikgeschmack angeht ;).

Jedoch weiss ich eines: Brahms Symphonien (auch wenn leider Gottes nur 4 an der Zahl) kann ich zu jeder Gelegenheit hören.

Es wird nie langweilig, die Symphonien sind nie unpassend, lassen sich mit jeder Stimmung vereinbaren. Es gibt einen bestechenden Minimalismus, nicht in Bezug auf die technische Ausführung, vielmehr auf den Gesamtsound. Alles scheint harmonisch miteinander zu verschmelzen.

Ich finde Brahms einfach nur wunderschön, doch es hat einige Anläufe gebraucht.

Mit Beethoven Symphonien, die bis heute für viele "E-Musik-Hörer" (dämlicher Begriff) das Maß der Dinge darstellen, kann ich nur selten etwas anfangen. Auch wenn ich das Genie Beethovens nicht in Frage stellen möchte.

Gruß,

Berman
Martin2
Inventar
#30 erstellt: 12. Jun 2007, 21:37
Lieber Bermann,

welche Einspielung von Brahms Sinfonien hast Du denn? Von Brahms gibt es noch viel gutes.

Ich kann Dir diese dicke Box empfehlen:



Die Brilliant Masterworksbox, da ist die gesamte Kammermusik, Klaviermusik und Chormusik ( jedenfalls ohne Orchester) drauf. Eine unerschöpfliche Fundgrube und wirklich sehr billig ( wenn die Preise sich gehalten haben 26 Euro bei Zweitausendeins).

Du hast recht, die Brahmssinfonien sind wirklich wunderschön, ich konnte zu meiner Jugend zu gewissen Zeiten gar nichts anderes hören, aber es gibt wirklich sehr viel mehr.

Schade, daß Dir der Beethoven nicht gefällt, ist aber auch wirklich ein ganz anderer Komponist aus einer anderen Epoche. Kann sich alles irgendwann mal ändern. Übrigens glaube ich nicht, daß Beethoven das Maß aller Dinge ist, es gibt andere Komponisten, die sind auch sehr groß. Und Brahms ist zweifellos groß.

Hast Du es nicht wenigstens mal mit den Brahms Konzerten versucht, also die Klavierkonzerte, das Violinkonzert und das Doppelkonzerte? Alles sehr feine Werke, in dem der "Brahmssound" auch nicht gerade untergeht.

Gruß Martin
teleton
Inventar
#31 erstellt: 13. Jun 2007, 08:39
Hallo Berman und Martin,

das Dir als "Metaller" ( Wo gibt´s denn sowas ) Brahms gefällt freut mich.

Allerdings wirst Du dann als Metaller außerhalb der Sinfonien und den beiden Ouvertüren höchstens noch an den Klavierkonzerten gefallen finden, sodaß ich die von martin gezeigte Box für Dich als zu viel des Guten empfinde.

Warum Du Beethoven weniger schätzt als Brahms ist mir ein Rätsel, denn ich sehe Brahms als den direkten Nachfolger von Beethoven:
Seine Sinfonie Nr.1 wird nicht umsonst als die 10. von Beethoven genannt. Brahms verwendet zudem jede Menge verdeckte Beethoven-Zitate.

Wenn es um die Brahms-Sinfonien geht kommt für mich hauptsächlich die
Solti-Aufnahme mit dem Chicago SO (DECCA) in Frage.
Aber auch Karajan (DG und Decca) und Szell (SONY) sind hier TOP-Adressen.

Mein Liebling Bernstein auf DG mit den Wiener PH besitze ich auch - das sind sehr tief empfundene Interpretationen, doch kann ich mich mit dem langsameren Bernstein-Tempo hier nicht so anfreunden.

Wer kennt die alten Bernstein-Aufnahmen (CBS/SONY) aus den 60er-Jahren ???
Sind die auch im Unterschied so jugendlich straff, wie die Beethoven-Sinfonien zwischen DG und SONY ?
op111
Moderator
#32 erstellt: 13. Jun 2007, 10:02
Hallo zusammen,

teleton schrieb:
Mein Liebling Bernstein auf DG mit den Wiener PH besitze ich auch - das sind sehr tief empfundene Interpretationen, doch kann ich mich mit dem langsameren Bernstein-Tempo hier nicht so anfreunden.

In einem Thread zur 1. Sinfonie habe ich ja mal todesmutig gewagt zu bekennen, daß Bernsteins Melancholie-be/überfrachtete Interpretation bei mir nicht auf abgrundtiefe Ablehnung stößt.


teleton schrieb:
Wer kennt die alten Bernstein-Aufnahmen (CBS/SONY) aus den 60er-Jahren ???


Ich besitze die CDs sogar.
Martin2
Inventar
#33 erstellt: 13. Jun 2007, 15:04

teleton schrieb:


Warum Du Beethoven weniger schätzt als Brahms ist mir ein Rätsel, denn ich sehe Brahms als den direkten Nachfolger von Beethoven:
Seine Sinfonie Nr.1 wird nicht umsonst als die 10. von Beethoven genannt. Brahms verwendet zudem jede Menge verdeckte Beethoven-Zitate.



Also das ist mir persönlich überhaupt kein Rätsel. Mir ging es in jungen Jahren ganz genauso. Mir gefiel der Brahmssound wirklich auch sehr gut mitsamt dieser einschmeichelnden "blühenden" Melodik. Das ist wirklich wunderschön bei Brahms. Beethoven ist viel viel spröder, ich schätzte ihn, liebte ihn aber weniger. Brahms habe ich wirklich geliebt, blieb aber insbesondere bei den Sinfonien auch wirklich hängen.

Es ist auch schwer, Tips zu geben. Den Tip mit den Klavierkonzerten unterstütze ich. Aber so etwa wie die Brahmssinfonien wird er kaum wieder finden. Die sind wirklich einmalig. Elgar vielleicht, Elgars Sinfonien klingen eigentlich auch ganz gut und haben gelegentlich dieses blühende. Aber eigentlich lägen die Tschaikovski und Sibeliussinfonien näher, sie sind eingängiger, klingen aber natürlich überhaupt nicht nach Brahms. Immerhin sind sie Spätromantik.

Gruß Martin
Berman
Inventar
#34 erstellt: 13. Jun 2007, 15:28

Martin2 schrieb:
Lieber Bermann,

welche Einspielung von Brahms Sinfonien hast Du denn? Von Brahms gibt es noch viel gutes.


Einige, müsste mal nachsehen


Martin2 schrieb:

Ich kann Dir diese dicke Box empfehlen:



Die Brilliant Masterworksbox, da ist die gesamte Kammermusik, Klaviermusik und Chormusik ( jedenfalls ohne Orchester) drauf. Eine unerschöpfliche Fundgrube und wirklich sehr billig ( wenn die Preise sich gehalten haben 26 Euro bei Zweitausendeins).


Danke für den Tipp!


Martin2 schrieb:

Hast Du es nicht wenigstens mal mit den Brahms Konzerten versucht, also die Klavierkonzerte, das Violinkonzert und das Doppelkonzerte? Alles sehr feine Werke, in dem der "Brahmssound" auch nicht gerade untergeht.


Es ging ja um die Symphonien in diesem Thread! Deshalb hab ich mich auch nur auf selbige bezogen

Ansonsten wandern Komponisten wie Dvorak, Bruckner, Mahler, Smetana... u.v.a. regelmässig in den Player.

Gruß,

Berman
Hüb'
Moderator
#35 erstellt: 08. Aug 2007, 18:05
Aus einem anderen Thread ;):

Thomas228 schrieb:
Hallo René,

ja, die Kleiber-Aufnahme hat ihren fantastischen Ruf zu Recht. Über Brahms-Sinfonien gibt es eine Reihe von Threads. Geh doch zweckmäßgerweise einfach auf die Seite Orchesterwerke und lass dir die Beiträge nach Themen sortieren (auf "Thema" klicken). Sodann wirst du auf Seite 4 f. fündig. Wenn du anschließend noch Fragen oder konkrete Wünsche hast (z.B. eine besonders ruppige oder aufnahmetechnisch gute oder samtige oder sonstwie geartete Aufnahme), nur raus damit.

Das Schöne bei den Brahms-Sinfonien ist, dass es viele, viele Aufnahmen gibt, die günstig sind. Man kann also problemlos immer weiterkaufen.

Gruß, Thomas


Hüb' schrieb:
Ich kenne die Aufnahme zwar (noch) nicht, könnte mir aber gut vorstellen, dass die hier sehr gut ist:



Grüße

Frank
:prost


Audiodämon schrieb:
Hallo Thomas, hallo Frank,

danke für Eure Tipps, ich werde mich die kommende Zeit auf jeden Fall näher mit der Suchfunktion befassen. Die empfohlene Aufnahme von Frank liest sich schonmal sehr gut, auch der Preis ist klasse, leider klingen die Ausschnitte auf jpc qualitativ grottenschlecht, aber dafür kann ja keine Aufnahme was, das muss sich jpc vorhalten lassen. Wie auch immer, da werde ich mal zuschlagen.

Viele Grüße

René


Hüb' schrieb:
Hallo René,

der Tipp mit den Clevelandern unter Dohnanyi war nicht völlig ins Blaue hinein, auch wenn es so scheinen mag.

Ich besitze eine ganze Reihe von Brahms-Einspielungen und Gesamtaufnahmen - u. a. auch die erwähnte "Kleiber 4" - und werde mir die empfohlene Warner-Box (vormals Telefunken) in naher Zukunft selbst zulegen. Ich traue dieser Künstlerkonstellation eine ansprechende und von der Spielkultur sicherlich perfekte Einspielung zu.

Als Alternative im Budget-Bereich fiele mir noch diese hier ein, die mir sehr gut gefällt:



Wolfgang Sawallisch ist ebenfalls sehr gut, mir scheint aber, dass Du nach einer mitreißenderen Einspielung mit mehr "drive" suchen könntest.

Grüße

Frank


PS:

Gähn...



Aber Bruno reist es raus!
Ganz groß! :hail


Fressbacke schrieb:

Hüb' schrieb:
Ich kenne die Aufnahme zwar (noch) nicht, könnte mir aber gut vorstellen, dass die hier sehr gut ist:



Grüße

Frank
:prost


Dann solltest du sie unbedingt kennenlernen! Die Dohnanyi-Einspielungen sind erstklassig, mit einer hervorragenden Spielkultur. Ganz anders als z. B. Klemperer - und doch mag ich beide.


Ralf
Hüb'
Moderator
#36 erstellt: 08. Aug 2007, 19:02
Hier ein Link auf eine Netzbesprechung (die ich - trotz Unkenntnis der Aufnahme - aber für nicht sehr gelungen halte):
http://magazin.klass...143-3E63F9DFCCBAD4E8

Grüße

Frank
Thomas228
Stammgast
#37 erstellt: 08. Aug 2007, 19:20
Wenn wir gerade über Brahms sprechen, lohnt sich vielleicht der Hinweis, dass die vielgelobte und auch oben bereits mehrfach erwähnte Einspielung G. Wands ebenfalls günstig zu haben ist.



Heute habe ich sie mir gekauft (für 11,99 bei 2001). Für mich als Hamburger war das gewissermaßen ein Pflichtkauf. Ich freue mich schon aufs Hören.

Lieben Gruß
Thomas
AladdinWunderlampe
Stammgast
#38 erstellt: 08. Aug 2007, 19:30
Hallo Thomas,

ich hoffe, Du hast so viel Vergnügen mit der Wand-Einspielung der Brahms-Sinfonien wie ich, der ich diese Aufnahmen schon seit Jahren besitze und liebe. Zwar hört man an einigen Details, dass das NDR-Sinfonie-Orchester ein sehr gutes, aber nicht überragendes Ensemble ist, aber der geradlinige, strenge Zugriff Wands, der jedes Schwelgen in aufgeblähter klanglicher Opulenz meidet, entschädigt dafür meines Erachtens voll und ganz.


Herzliche Grüße
Aladdin
Audiodämon
Inventar
#39 erstellt: 12. Aug 2007, 14:20
Hallöchen, gestern gekauft für 4,99/Stück. Werde hoffentlich heute dazu kommen sie zu hören. Bin mal gespannt wie diese Einspielungen sind. Besonders interessiert mich Eure Meinung hierzu.



jpc
jpc

Viele Grüße

René


[Beitrag von Audiodämon am 12. Aug 2007, 14:28 bearbeitet]
Thomas228
Stammgast
#40 erstellt: 12. Aug 2007, 15:21
Hallo René,

wusste ich doch, dass ich zu Kurt Sanderling bereits etwas geschrieben habe (im Thread zu Brahms erster Sinfonie):


Thomas228 schrieb:
Liebe Brahms-Freunde,

soeben habe ich die erste Sinfonie von Brahms zwei Mal hintereinander gehört: zunächst dirigiert von Karajan:


http://www.jpc.de/jp.../classic/rsk/hitlist

dann dirigiert von Kurt Sanderling:


http://www.jpc.de/jp.../classic/rsk/hitlist

Bis vor einiger Zeit habe ich die Karajan-Einspielung für eine gute Aufnahme gehalten (Achtung, es gibt meherere Aufnahmen Karajans). Ich habe sie jedenfalls deutlich öfter, also lieber gehört als die Aufnahme Bersteins mit den Wienern, mit der ich die Sinfonie kennengelernt habe.

Vor etwa einem Jahr kaufte ich mir Mackerras Zyklus. Ich war begeistert. Karajan und Bernstein blieben fortan im Schrank.

Und dann kam Sanderling! Es mag sein, dass die Spielkultur der "Wunderharfe" großen Einfluß hat. Gleichviel, so schön, so warm, so voller Menschlichkeit (ja, schlagt ruhig auf mich ein, weil ich zur Beschreibung absoluter Musik einen außermusikalischen Begriff gebrauche, ist mir egal) habe ich diese Sinfonie noch nicht gehört. Wunderbar!

Die Brillanz der Aufnahme Karajans, der I. Harden lt. Zitat auf der jpc-Seite perfekte Orchesterkultur und ein Spiel, das kaum schöner umd homogener vorstellbar sei, attestiert hat (heute würde er das wohl nicht mehr behaupten), wirkt im Vergleich technokratisch, leer und kalt.

Viele Grüße,
Thomas


Diese die erste Sinfonie betreffende Einschätzung kann ich mittlerweile auf sämtliche Sinfonien erstrecken. Eine sehr, sehr schöne Aufnahme!

Zur Einspielung Wands mit dem NDR-Sinfonieorchester möchte ich, mein obiges Wort vom Pflichtkauf aufgreifend, schreiben: Und die Pflicht ward zur Lust! Sehr treffend schreibt Aladdin von einem geradlinigen, strengen Zugriff. Norddeutsch, könnte man sagen. Besondere Freude bereiten mir - wie so oft bei dem NDR-Sinfonieorchester - die Holzbläser.

Freundliche Grüße an alle
Thomas
HenningKolf
Ist häufiger hier
#41 erstellt: 25. Aug 2007, 12:43
Bis jetzt waren die Einspielungen von Szell (die aus den 60zigern, die älteren kenn ich nicht, bin auch rauschallergisch) - soweit ich sie denn habe (2.u.3.) - meine Favoriten - mit Abstand (habe ansonsten den späten Karajan und - jeweils nicht Gesamtaufnahmen, nur einzelne Sinfonien -: Solti, Suitner, Haitink, Pesek, Masur) . Die Sanderling Einspielungen kenne ich nicht. Jetzt bin ich aber neugierig und werde mal schauen...(aber erst mal sind Violin- und Doppelkonzert mit Oistrach/Szell auf der Liste, die phänomenalen Klavierkonzerte hab ich schon)
Thomas228
Stammgast
#42 erstellt: 25. Aug 2007, 12:51
Hallo Henning,

erst einmal ein freundliches: Willkommen im Forum!

Und dann noch eine Warnung: Wenn du dich allzusehr von den CD-Empfehlungen anstecken lässt, benötigst du für deine Wunschliste alsbald eine Excel-Tabelle.

Brahms kann man so herrlich unterschiedlich spielen. Die Szell-Aufnahmen der Sinfonien von Brahms kenne ich nicht. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass sie deutlich andere Aspekte der Werke beleuchten als Kurt Sanderlings.

Gruß
Thomas
Joachim49
Inventar
#43 erstellt: 25. Aug 2007, 20:14

HenningKolf schrieb:
die phänomenalen Klavierkonzerte hab ich schon)


Du solltest auch versuchen die Brahms-Klavierkonzerte mit Szell und Leon Fleisher (und nicht nur die mit Serkin) zu bekommen. Die Kombination Szell-Fleisher war immer Spitzenklasse (und wäre es noch lange geblieben, wenn Fleisher nicht die Probleme mit der rechten Hand bekommen hätte). Das erste Konzert gibt's auch in der Kombination Szell-Clifford Curzon.
Freundliche Grüsse
Joachim

(Zur Frage des Szell'schen Humors. Als Glenn Gould einmal minutenlang an der Klavierstuhlschraube herumdrehte und nie so richtig mit der erreichten Höhe zufrieden war, soll Szell zu ihm gesagt haben: "Wir könnten vielleicht auch ein Stück von ihrem Hintern abschneiden". (Ich nehme an, dass Gould seinen abgesägten Küchenstuhl nicht mit auf Konzerttourneen genommen hat)).
s.bummer
Hat sich gelöscht
#44 erstellt: 25. Aug 2007, 20:17
Hallo allerseits:
mein leider vor kurzem verstorbener Freund Hans aus Berlin war ein HvK Fan der ersten Stunde. Immerhin hatte er schon früh mit seinem Lebenpartner ein BP Abbo und pilgerte dort immer und meistens gerne hin.
Irgendwann, HvK war längst tot und Abbado war nun Chef, sagte er beim abendlichen Wein, er hätte nie wieder Brahms so gut wie mit HvK gehört, weder mit Jochum, noch Maazel, Barenboim überhaupt, Bernstein sei ihm zu schwuchtelig, Abbado schon gar nicht und Haiting, was der wolle sei ihm schleierhaft... So schimpfte er ca. 5 Minuten auf alles, was sich an Brahms in Berlin versucht hatte und kam dann nach einer Stadionrunde wieder auf HvK zu sprechen.
Nach einem solchen Hohelied konnte ich als HvK Skeptiker nur am Weinglas nippen und sagen, ich hätte keine Ahnung.

Dem habe ich nun abgeholfen mit nem Flohmarktkauf. Alle 4 Sinfonien und das Violinkonzert mit Ferras und das Requiem auf 7 ELLPehs für 10€ aus den 60igern von der DGG.
Platten bis zu 2x gewaschen, waren arg verdreckt wie Tom Sawyer, der ganze Schuber stank nach Dachboden.
Dann ganz korrekt mit der 1. begonnen:
Wahrlich ein Gedicht: Flüssig und überzeugend. Nix von Plüschklang, nix von Stahlarmaturen. Eine absolut erfreuliche Aufnahme aus den frühen 60igern.
Noch viel viel besser ist die 4.: Leute, wenn ihr Kleiber so abfeiert (ich auch, zugegeben), dann hört Euch mal HvK aus den 60igern an. Das relativiert erheblich. (Am besten im Doppelblindtest)
Das Violinkonzert ist als Legende überschätzt, gegen Oistrach/Szell oder Oistrach/Klemp kann es nicht gegenanstinken, von Heifetz/Reiner sowieso abgesehen und Viktoria Mullova macht heute ja alle platt.
Aber mit solch verschnarchten Zeitgenossen wie Menuhin oder Schneiderhan kann Ferras locker mithalten (und beim Saufen mit Szeryng, hahah, nur ist deseen Brahms dochn Zacken besser) und bei der Begleitung wird die Aufnahme richtig packend. Sie fristet halt so ein Nischendasein, wie die einst auch hochgelobte Version Kremer/Bernstein. Aufnahmen also, die Lichtjahre entfernt sind von einem Dreck wie Tennstedt/Kennedy.
Schade, das HvK mit den Klavierkonzerten so gar keine richtige Lust entwickelt hat.

Auf jeden Fall: Hvk war in den 60igern wie schon bei LvB wirklich sehr sehr gut und für 10€. Hey, da kommt selbst Briliant mit seinen ...Aufnahme kaum mit.
Gruß s.


[Beitrag von s.bummer am 26. Aug 2007, 09:08 bearbeitet]
HenningKolf
Ist häufiger hier
#45 erstellt: 25. Aug 2007, 23:51

Thomas228 schrieb:
Hallo Henning,

erst einmal ein freundliches: Willkommen im Forum!

Und dann noch eine Warnung: Wenn du dich allzusehr von den CD-Empfehlungen anstecken lässt, benötigst du für deine Wunschliste alsbald eine Excel-Tabelle.

Brahms kann man so herrlich unterschiedlich spielen. Die Szell-Aufnahmen der Sinfonien von Brahms kenne ich nicht. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass sie deutlich andere Aspekte der Werke beleuchten als Kurt Sanderlings.

Gruß
Thomas


danke für die freundliche Begrüßung. Ja, Wunschliste ist sehr lang und wird immer länger. Klar, ich mag ja nicht nur Brahms, sondern auch besonders Sibelius, Mahler, Mendelssohn, Tschaikowski, Schostakowitsch z.Teil, aber auch Nielsen, Glazunow und und und. Hinzu kommt dass ich mich erst jenseits der dreissig, also nach 1990, für Klassik zu begeistern anfing und zunächst - vielleicht etwas ahnungslos - auf eher neuere Aufnahmen gestürzt habe. Man hat schon viel Repertoire erworben und merkt dann erst, dass vieles aus den 60ern oder 70ern vorzugswürdig ist und wider Erwarten auch einen Rauschallergiker wie mich nicht verschreckt und klanglich zu überzeugen vermag...

aber der der Wünsche hat ist eher besser dran als der der wunschlos ist
Joachim49
Inventar
#46 erstellt: 26. Aug 2007, 21:03

s.bummer schrieb:

Schade, das HvK mit den Klavierkonzerten so gar keine richtige Lust entwickelt hat.


Es müsste aber ein Brahms 2 mit Geza Anda als Solisten geben. Das erste hat HvK glaube ich nie eingespielt.

Freundliche Grüsse
Joachim
Thomas228
Stammgast
#47 erstellt: 26. Aug 2007, 21:13
Ein Blick ins HvK-Zentrum ergibt, dass Karajan das zweite Klavierkonzert mit drei verschiedenen Pianisten aufgenommen hat: Richter-Haaser (den Namen habe ich noch nie gehört), Backhaus und Anda: http://www.karajan.o...8&Werk=207&Anzahl=20

Das erste Klavierkonzert hat Karajan tatsächlich nie aufgenommen, noch nicht einmal aufgeführt.

Thomas
s.bummer
Hat sich gelöscht
#48 erstellt: 26. Aug 2007, 23:31
Dass er das 2. KK aufgenommen hat, unter anderem mit Hans Richter-Haaser, bekannt in den 50igern, war mir schon klar, immerhin habe ich den Osbourne zu Hause.
Vor dem 1. hat er sich immer gedrückt und mit dem 2. ist ihm, wolln mal doch ehrlich sein, nie der Knaller gelungen, oder?
Wo bleibt da also die Lust? Eben!
Gruß S.
teleton
Inventar
#49 erstellt: 11. Sep 2007, 09:08
Hallo Brahms-Freunde,

Als großer Bernstein-Fan habe in der letzeten Wochen "Nägel mit Köpfen" gemacht und mir die Brahms-, Schumann, Mendelssohn-Sinfonien komplett und Drorak 9 mit Bernstein / New Yorker PH zugelegt.
Von einigen berichtete ich bereits.

Das Positiverlebnis mit Bernstein auf CBS/SONY, das ich nach den Sinfonien von Sibelius, Nielsen, Tschaikowsky, Berlioz, Beethoven, Mahler erlebt hatte, wollte ich nun auch bei Brahms erleben.

Bernsteins DG-Aufnahme der Brahms-Sinfonien mit den Wiener PH habe ich schon seit vielen Jahren im CD-Schrank (nur Nr.1,3,4).
Mein Eindruck zu dieser sehr prächtig angelegten Aufnahme ist jedoch eingeschränkend das sehr breite Tempo. Aus diesem Grunde konnte ich mich nach Klemperer (EMI), Solti (Decca), Karajan (Decca,1960)nur Nr.1 und Szell (SONY) nie so 100% mit Bernsteins Wiener - Aufnahme anfreunden.
Mir fehlt auch im Vergleich zu den anderen genannten die Durchschlagskraft.

Nun höre ich zumindest was die Sinfonien Nr. 1-3 anbetrifft mit Bernstein und den New Yorker PH eine der beeindruckensten Brahms-Einspielungen überhaupt.

Es gelten hier die gleichen positiven Worte wie bei Dvoraks Sinfonie Nr.9 mit Bernstein (SONY).
Die Aufnahme ist elektrisierend und voller hochspannender Momente.
Szells straffer und präziser Interpretation hat er sogar einiges an spannenden Momenten draufzusetzen, das diese Aufnahme von 1960 unvergessen macht.

Bernstein hat mich wiedermal nicht enttäuscht und ich hatte nach der hervorragenden Beethoven-Sinfonien-GA auf SONY, die ich dieses Jahr erst mit ihm kennengelernt habe, auch nicht daran gezweifelt, dass er diese "10te von Beethoven" ebenfalls TOP rüberbringt.


Bernstein / New Yorker PH
SONY, 1960-66, ADD

Die Sinfonie Nr.4 ist mit Bernstein ebenfalls imposant gelungen, doch erkenne ich hier einige Interpretationseigenheiten, die mir bei Klemperer und Solti richtiger erscheinen, dort präziser gestaltet sind und auch bei Karajan (die habe ich seit vorgestern auch als DG-GA) einfach angemessener und richtiger erscheinen.
Hier bei der Nr.4 gebe ich auch der Bernstein-DG-Aufnahme den Vorzug gegenüber der CBS-Aufnahme, weil Bernstein diese "Fehler" dort vermeidet.
Gerade der wichtige letzte Satz mit dem immer wiederkehrenen Thema wirkt in der neueren Aufnahme detailreicher, überlegter und spannender disponiert.

Die beiden Ouvertüren Tragische Ouvertüre und Akademische Festouvertüre gehören auch auf diesen SONY-CD´s zum besten, was mir alle zahlreichen vergleiche bisher geboten haben.
Wie spannend Bernstein die Tragische Ouvertüre gestaltet ist einmalig.

Mich wundert, das diese fantastischen SONY-Brahms-Bernstein-CD´s bisher kaum Erwähnung fanden.
kallix
Stammgast
#50 erstellt: 28. Jan 2010, 19:56
hallo,

ich war auch auf der suche nach einer gesamtaufnahme der sinfonien - neben solti ( den ich sehr mag , vor allem bei bruckner ), karajan u.a. wurde im taminoforum sawallisch empfohlen - jetzt habe ich mir für sehr günstige 17,99 € incl. versand einen fast kompletten brahms ( 7 CDs ) bestellt. alles gute aufnahmen.
http://www.jpc.de/jp...-Nr-1-4/hnum/6229351

da kann man nicht viel falsch maschen - sicher ein guter einstieg !

gruss

kalli


[Beitrag von kallix am 28. Jan 2010, 19:58 bearbeitet]
klassik-eddie
Stammgast
#51 erstellt: 28. Jan 2010, 20:14
Was haltet Ihr von Brahms mit Sawallisch (Aufnahme aus den Jahren 1989/91)? Wird derzeit ziemlich günstig verschleudert:

Die Sinfonien gibt's als 3-CD-Box (Brilliant Classics):


Die gleichen Aufnahmen, aber mit zusätzlichen Werken (Klavier- und Violinkonzerte etc., plus Mozart) gibt's als 7-CD-Box (EMI):


Komische Geschichte, das mit den Lizenzierungen ...

EDIT: Habe gerade entdeckt, dass Kalli den Vorschlag mit der 7-CD-Box schon gemacht hat. Da hatte ich gerade meinen Post erst begonnen.


[Beitrag von klassik-eddie am 28. Jan 2010, 20:29 bearbeitet]
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