Sinn und Unsinn des Punk im Rock/Pop Umfeld

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TomGroove
Inventar
#1 erstellt: 18. Feb 2018, 14:48

Käbbdn (Beitrag #199) schrieb:

Um wieder back to topic zu kommen, fielen mir die gehypten und überschätzten Sex Pistols ein - aber da Punk ohnehin nicht mein Fall ist, mag ich da eigentlich gar nicht rumlästern. Als sich die Aufregung damals etwas gelegt hatte, tauchten wieder "alte" Bands mit neuen "Meisterwerken" auf, Motto:


Mir ging es genau anders herum. Zu den Hype Zeiten konnte ich mit Punk nichts anfangen, heute finde ich Sex Pistols, The Damned, Ramones etc. sehr gut. Ging so Ende der 2000er los bei mir, dass ich gerade herausknallende Songs immer mehr zu schätzen wusste.
Maro95
Ist häufiger hier
#2 erstellt: 18. Feb 2018, 14:50
Gäbe es eine Band die ich für immer verbannen würde, wären es die Sex Pistols.. da bluten meine Ohren. :-D
TomGroove
Inventar
#3 erstellt: 18. Feb 2018, 14:52
Überragende Scheibe
Jason_King
Inventar
#4 erstellt: 18. Feb 2018, 14:59

TomGroove (Beitrag #202) schrieb:
Zu den Hype Zeiten konnte ich mit Punk nichts anfangen

Das geht mir bis heute so und wird sich auch nicht ändern. Das ist mir schlichtweg musikalisch zu banal. Auch das ganze "Lebensgefühl" dieser schmuddeligen Leute ist nie meins gewesen. Als diese Geschichte aufkam, war ich auch einfach schon zu alt. Fest im Leben stehend mit Frau und Kind, hatte man andere Sicht auf da´s Leben.

Und nur mal nebenbei: Das entwickelt sich hier irgendwie zu einem "Classic Rock-Stammtisch II". Kann man eigentlich auch alles dort bequatschen.
TomGroove
Inventar
#5 erstellt: 19. Feb 2018, 11:22

Jason_King (Beitrag #205) schrieb:

Und nur mal nebenbei: Das entwickelt sich hier irgendwie zu einem "Classic Rock-Stammtisch II". Kann man eigentlich auch alles dort bequatschen.


Stimmt, aber da haben wir es ja schon alles besprochen
Jason_King
Inventar
#6 erstellt: 19. Feb 2018, 11:30

TomGroove (Beitrag #206) schrieb:
[
Stimmt, aber da haben wir es ja schon alles besprochen :*


Da hast Du unbedingt recht. Andere wollen das ja auch mal wissen, gell? In diesem Sinne also weiter im Text!
*papamann*
Stammgast
#7 erstellt: 20. Feb 2018, 01:48

Jason_King (Beitrag #205) schrieb:

TomGroove (Beitrag #202) schrieb:
Zu den Hype Zeiten konnte ich mit Punk nichts anfangen

Das geht mir bis heute so und wird sich auch nicht ändern. Das ist mir schlichtweg musikalisch zu banal. Auch das ganze "Lebensgefühl" dieser schmuddeligen Leute ist nie meins gewesen. Als diese Geschichte aufkam, war ich auch einfach schon zu alt. Fest im Leben stehend mit Frau und Kind, hatte man andere Sicht auf da´s Leben.


Ohne jetzt blöd oder arrogant wirken zu wollen: genau deshalb entwickelte sich Punk. Den "schmuddeligen Leuten" ging (nicht nur) das musikalische Gewese der Art-, Prog- und Bombast-Rockern komplett auf den Sack. Mit ihren Phantasie-Umhängen und hohen Konzert-Preisen, mit ihrem Verschwinden in einer abgeschotteten Welt.

Wo blieb die Musik der Straße für die Kids? Wo war der Geist der Rebellion oder zumindest die Chance sich mit irgendetwas anderem abzusetzen, zu identifizieren?

Da blieb die Besinnung zu den Wurzeln des Rock'n'Roll, und der ist zum Leidwesen der Pink Floyd-Fanatiker eher roh, ungehobelt und mit Absicht neben der (Mainstream-) Spur.

Allerdings ist "Punk" durchaus ein Stil aber nur eine Facette der musikalischen Gegenbewegung. Eigentlich eher eine Geschäfts-Idee, siehe die Geschichte der Sex Pistols bzw. den Kurs den Malcom McLaren fuhr.

Musikalisch allerdings pflegten die "Pub-Rocker", so würde ich sie nennen eben diese eisenharten Kapellen aus den 6Ts a la Shadows Of Knight, The Sonics, The Count Five um nur noch heute bekannte Klassiker zu nennen. Oder The Stooges.

Und, jetzt werde ich doch etwas arrogant, Helden a la Elvis Costello kommen genau aus dieser Pub-Rock-Szene.

Das einem das nicht gefällt, also dieser neue Sound in den Mid 7Ts, ist selbstredend erlaubt. Das allerdings die Protagonisten "schmuddelige Leute" per se waren ist so nicht wahr. Gerade die Punk-Szene entwickelte eine Mode in allen Facetten die noch heute spürbar ist.

Und überhaupt. Gang Of Four oder XTC oder The Jam kommen letztlich aus dieser Bewegung. Alle spielen komplett andere Musiken. Aber eines verbindet die frühen Alben dieser Bands: eine Energie echten Aufbruchs!

Das zählt.

Ende der Predigt.

Liebe Grüße

Carsten

edit: das Zitat und fett geschrieben hier nicht klappt ist komisch: eigentlich habe ich die Regeln beachtet....
edit: Zitat repariert - arnaoutchot


[Beitrag von arnaoutchot am 20. Feb 2018, 09:53 bearbeitet]
Jason_King
Inventar
#8 erstellt: 20. Feb 2018, 09:11
Gut, das mag ja alles angehen, nur bleibt mir diese Welt komplett verschlossen. Warum eine Musikszene, eben die der "jungen" Leute, nachdem sie sich zu echter Kunst (eben Können) entwickelt hat, nun komplett wieder umgestürzt werden muß, verstehe ich nicht. Als Fan der "Dinos"kann ich mich nicht wie verrückt darüber freuen, wenn plötzlich jemand seinen Weltschmerz zu den berühmten zwei bis drei Akkorden rausrotzt. Wenn das junge Leute zu der Zeit, also Ende der 70er und Anfang der 80er toll fanden, sei es ihnen gegönnt. Mir war das fremd, musikalisch ungekonnt und uninteressant. Habe es nach dem Kauf von einigen LP's, glaube es waren Ultravox I, Tom Robinson Band, Sex Pistols und noch ein paar Scheiben, aufgegeben. Die LP's landeten auf dem Flohmarkt. Und hat den Punk irgendetwas zum Guten verändert? Wenn ja, ist das komplett an mir vorbeigerauscht. Hat sich durch ihn die Musik weiterentwickelt? Wenn du anführst, daß ja auch der Rock'n Roll musikalisch recht limitiert war, ist es auch dem Umstand geschuldet, daß der praktisch bei -0- anfing und nicht auf irgendetwas aufbauen mußte. Wollte der Punk nicht einfach nur umstoßen, einreissen, destruktiv sein? Das ist keine Entwicklung, kein Aufbau, keine Erweiterung. Zum Abschluß: Ich persönlich mag diese Art von "Musik" nicht. Das nehme ich für mich in Anspruch. Für Freunde dieser Unterhaltung sieht das anders aus und das sie ihnen auch von Herzen gegönnt.


[Beitrag von Jason_King am 20. Feb 2018, 09:11 bearbeitet]
kölsche_jung
Inventar
#9 erstellt: 20. Feb 2018, 10:32

Jason_King (Beitrag #209) schrieb:
Gut, das mag ja alles angehen, nur bleibt mir diese Welt komplett verschlossen. ....

was allerdings für die (musikhistorische) Bewertung von Bands oder Alben irgendwie irrelevant ist ...

lustigerweise habe ich genau diese "Unterhaltung", die papamann mit sich selbst geführt hat bereits Mitte der 80er mit nem Rockabilly in nem Zug von Tarragona nach Barcelona geführt ...

Insoweit ist - betrachtet man die Entwicklung der Musik - allerdings auch festzuhalten, dass es aber für den Punk eben auch (und zwar insbesondere) Art- und Progrock brauchte ... Die Wurzeln des Punk liegen sicherlich bei Chuck Berry und Jerry Lee Lewis (um nur 2 aus den 50ern zu nennen) und dem "Garagenrock" der 60er ... ohne die Prog-Phase wäre Punk allerdings nur eine schlichte und etwas langweilige Fortschreibung gewesen ... Erst die zunehmende Selbstverliebheit des Prog hat die Entstehung des Punk geradezu provoziert.

Musik entwickelt sich halt Jazz - Rock - Beat - Prog - Punk - Disco - Techno ... und da nimmt man eben auch nicht jeden immer mit ... who cares, wichtig ist nur die (Weiter-) Entwicklung ... und da kann man (mE allerdings nur retrospektiv) Alben und Bands als "musikhistorisch bedeutsam" bewerten oder auch eben nicht ...

... und was die Weiterentwicklung angeht ... ja, da könnte man den Eindruck haben die Musikindustrie tritt da seit Jahren mit zB Britney Spears und Justin Bieber auf der Stelle ... aber ... genau den Eindruck habe ich auch
die mE stillstehende Zustimmung der Zuhörerschaft liegt momentan eben bei Ed Bieber und Justin Sheeran ... holt mich auch nicht ab, is aber egal ... es wird schon irgendwann weitergehen ... und aktuell kann es doch nur besser werden
Jason_King
Inventar
#10 erstellt: 20. Feb 2018, 11:06

kölsche_jung (Beitrag #210) schrieb:

die mE stillstehende Zustimmung der Zuhörerschaft liegt momentan eben bei Ed Bieber und Justin Sheeran und aktuell kann es doch nur besser werden :D

Wer weiß, wie die mal in 40- 50 Jahren musikhistorisch bewertet werden. Teenie-Musik hat es immer gegeben. Denke nur mal an die frühen 70er. Als T.Rex-Fan hattest du es da richtig schwer, in der Clique anerkannt zu werden. Oder die Bay City Rollers....
Das mag ja auch dem Punk zustehen, irgendwie "musikmäßig" in den Rockannalen gewürdigt zu werden. Aber geht es da dann wirklich um die Musik oder eher um das gesamte Umfeld? Und mit der Einstellung: "Es ist alles so scheiße und ich bin so kaputt und die ganze Welt hat schuld daran" habe ich mich nieeeee identifizieren können. Wie bereits erwähnt, war ich für derlei Weltsicht schon zu alt.
kölsche_jung
Inventar
#11 erstellt: 20. Feb 2018, 14:20

Jason_King (Beitrag #211) schrieb:
... Das mag ja auch dem Punk zustehen, irgendwie "musikmäßig" in den Rockannalen gewürdigt zu werden. Aber geht es da dann wirklich um die Musik oder eher um das gesamte Umfeld? ...

das kommt immer drauf an ... nimmt man zB den Punk oder den RocknRoll oder FlowerPower war (teils mehr, teils weniger) politische Attitüde untrennbar mit der Musik verbunden ... diese politische Message ist mE in der heutigen Musik (zumindest in der kommerziell erfolgreichen) mehr in den Hintergrund gerückt denn je zuvor.


Jason_King (Beitrag #211) schrieb:
... Und mit der Einstellung: "Es ist alles so scheiße und ich bin so kaputt und die ganze Welt hat schuld daran" habe ich mich nieeeee identifizieren können. Wie bereits erwähnt, war ich für derlei Weltsicht schon zu alt.

Naja, andererseits ... wenn das Haus brennt, ruf ich laut Feuer, auch wenn ich keinen Schlauch in der Hand halte
"Man" muss ja nicht immer eine Lösung parat haben, zum Anstossen des gesellschaftlichen Diskurs reicht es manchmal auch laut Scheiße zu brüllen

... und wo sind den die "Protestsongs" heute? Wo sind den die Guthries, Ochs, Scherben, Biermänner, Renfts, Lennons, Dylans und und und von heute?

aber ich drifte ab und bin kurz davor, gegen das foreneigene "Politikredeverbot" zu verstoßen ... insoweit lassen wir doch alles weitere mal zeitgemäß unpolitisch auf uns zukommen ... die Musikhistorie wird die große Leistung von zB Justin Bieber schon zu würdigen wissen
Passat
Moderator
#12 erstellt: 20. Feb 2018, 14:27

kölsche_jung (Beitrag #212) schrieb:
... und wo sind den die "Protestsongs" heute? Wo sind den die Guthries, Ochs, Scherben, Biermänner, Renfts, Lennons, Dylans und und und von heute?


Die gibts genug, man muß nur hinhören.
Kennst du z.B. den Song "Dear Mr. President" von Pink?
Da übt Pink ziemlich scharfe Kritik an der Politik des damaligen Präsidenten Bush.
Und der Song war in Deutschland und der Schweiz Platz 3, in Österreich sogar Platz 1 der Charts.

Es gibt viele Protestsongs auch von bekannten Gruppen, die sogar in den Charts waren.
Nur hört heute keiner mehr hin, was denn da genau gesungen wird.

Grüße
Roman


[Beitrag von Passat am 20. Feb 2018, 14:30 bearbeitet]
kölsche_jung
Inventar
#13 erstellt: 20. Feb 2018, 14:37
ja, hatte ich aufm schirm ... das is jetzt auch schon 12 jahre alt

... und natürlich gibt es vereinzelt das ein oder andere ... in einer gesamtschau sehe ich das heutzutage aber eher so, dass jeder sich da möglichst bedeckt hält um keine "andersdenkenden" User zu verlieren, also möglichst wenig Reibungsfläche zu bieten, quasi der Gegenentwurf zu Punk
TomGroove
Inventar
#14 erstellt: 20. Feb 2018, 14:58
Proteste gibt es speziell im HipHop mehr als genug, ist aber auch das einzige Musikgenre, in dem sich zur Zeit was tut.

Costello würde ich aber jetzt aber nicht direkt im Punk ansiedeln, klar die ersten Scheiben hatten etwas punkiges, aber dann ging es doch ganz anders weiter. Aber er ist auch einer meiner Helden
tomtiger
Administrator
#15 erstellt: 21. Feb 2018, 22:12
Hi,


Jason_King (Beitrag #209) schrieb:
Gut, das mag ja alles angehen, nur bleibt mir diese Welt komplett verschlossen.


dafür schreibst Du sehr viel zu dem Thema.



Warum eine Musikszene, eben die der "jungen" Leute, nachdem sie sich zu echter Kunst (eben Können) entwickelt hat, nun komplett wieder umgestürzt werden muß, verstehe ich nicht.


Was Du als "echte Kunst (eben Können)" bezeichnest, nennen andere Ausverkauf und Kreativitätsverlust. Langeweile.

Deinem Argument folgend muss man erfragen, warum es überhaupt kontemporäre Musik gibt, nachdem es schon sowas wie Oratorien von Bach gab.



Mir war das fremd, musikalisch ungekonnt und uninteressant.


Dafür schreibst Du viel drüber. Es gibt viele Musikgenres, die mich nicht interessieren, Du kennst sie nur nicht, weil ich nicht darüber schreibe, weil sie mich nicht interessieren.



Und hat den Punk irgendetwas zum Guten verändert? Wenn ja, ist das komplett an mir vorbeigerauscht. Hat sich durch ihn die Musik weiterentwickelt?


Wäre das nötig, damit er mir gefällt? Wäre das nötig, damit er gut ist oder eine Daseinsberechtigung hat?

Eben, nein.

Tatsächlich hat Punkt aber einen ganz erheblichen Einfluss auf die Musikentwicklung, so gilt Grunge als Subgenre des Punk, Hardcore ist die "Mutter" einer Reihe von Musikstilen, sogar New Wave gilt als Weiterentwicklung des Punk.

Es wird heutzutage schwierig, irgendeinen Bereich "harter" Musik zu nennen, der komplett frei von Einflüssen des Punk wäre.



Wenn du anführst, daß ja auch der Rock'n Roll musikalisch recht limitiert war, ist es auch dem Umstand geschuldet, daß der praktisch bei -0- anfing und nicht auf irgendetwas aufbauen mußte.


Ich nehme an, Du möchtest keine musiktheoretische Abhandlung, daher vereinfacht: Der Rock 'n' Roll - ein Euphenismus für Sex - ist nur die weiße Form von R&B. Und die Quellen des R&B sind ebenso mannigfaltig. Bei "0" kann heutzutage keine Musik anfangen.



Wollte der Punk nicht einfach nur umstoßen, einreissen, destruktiv sein? Das ist keine Entwicklung, kein Aufbau, keine Erweiterung.


Aber nein! In einer Zeit, in der Barry Manilow und Simon & Garfunkle als "Rock 'n' Roll bezeichnet wurden, wollten einige zurück zu den Wurzeln des RnR, und von dort aus neu anfangen.



Zum Abschluß: Ich persönlich mag diese Art von "Musik" nicht. Das nehme ich für mich in Anspruch. Für Freunde dieser Unterhaltung sieht das anders aus und das sie ihnen auch von Herzen gegönnt.


Niemand muss alles mögen. Es wird Dir aber schwer fallen, wenn Du diese Musik nicht magst und Du Dich daher nicht damit auseinander gesetzt hast, Argumente dagegen zu finden.

LG Tom
tomtiger
Administrator
#16 erstellt: 21. Feb 2018, 23:03
Hi,


kölsche_jung (Beitrag #13) schrieb:
ja, hatte ich aufm schirm ... das is jetzt auch schon 12 jahre alt

... und natürlich gibt es vereinzelt das ein oder andere ... in einer gesamtschau sehe ich das heutzutage aber eher so, dass jeder sich da möglichst bedeckt hält um keine "andersdenkenden" User zu verlieren, also möglichst wenig Reibungsfläche zu bieten, quasi der Gegenentwurf zu Punk


nunja, darf man Punk Bands nennen?

Aus Pennywise 2014 Album Yesterday das Lied What you deserve.

Wobei die meisten Lieder durchwegs Protestsongqualitäten haben. Public Defender z.B.

Auch möchte ich an der Stelle gerne auf ein Album aus 2016 der aus Haifa stammenden Punkband Useless ID hinweisen. Da sind etliche Protestsongs drauf.

Ska-P, und Nachfolgeprojekte wie The Locos sind ebenso gesellschaftskritisch. No Relax Album "ANIMALibre" sagt schon viel aus.

Mit etwas Phantasie kann man "Tears of a Clown" vom letzten Iron Maiden Album durchaus als kritisch bezeichnen, es beschäftigt sich mit dem Selbstmord von Robin Williams.

Man muss oft nicht weit schauen:

Julia Engelmanns Stille Poeten hätte auch was von einem Protestsong auf der CD sind einige kritische Lieder.

Berge 10.000 Tränen gegen Massentierhaltung.

Made in USA von HämaTom.

Ich hätte noch eine Menge, ....


LG Tom
vanye
Inventar
#17 erstellt: 21. Feb 2018, 23:36

Jason_King (Beitrag #10) schrieb:
Und mit der Einstellung: "Es ist alles so scheiße und ich bin so kaputt und die ganze Welt hat schuld daran" habe ich mich nieeeee identifizieren können. Wie bereits erwähnt, war ich für derlei Weltsicht schon zu alt.

Zu alt war ich (zumindest biologisch) als Jahrgang 66 nicht. Ganz im Gegenteil, viele meiner Altersgenossen waren Punks. Auch für mich war das immer eher eine Einstellung als ein Musikgenre und wie Du konnte ich mit Punkern nichts anfangen. Im persönlichen Umgang habe ich sie immer als Schnorrer erlebt, die einerseits meinten, die Welt und alle, die Kohle haben, sind schlecht, aber andererseits der festen Überzeugung waren, dass beide ihnen etwas schulden - natürlich ohne Gegenleistung.

Ich fand schon damals, dass das ein Widerspruch in sich ist. Und die negative Grundhaltung (no future) entlarvte sich schnell als Ausrede, um nur nichts konstruktiv beisteuern zu müssen.

Punk als Musik spiegelt diese schlichte und negative Grundhaltung für mich. Kann ich mal hören, muss ich aber nicht.
tomtiger
Administrator
#18 erstellt: 22. Feb 2018, 00:03
Hi,


vanye (Beitrag #17) schrieb:
viele meiner Altersgenossen waren Punks.
[...]
Im persönlichen Umgang habe ich sie immer als Schnorrer erlebt,


die Punks in meiner Schule (die waren alle 3, 4 Klassen über mir) waren damals nett und sind heute Richter am OLG, Dozenten an der MedUni, etc.

Wer der englischen Sprache mächtig ist, dem würde ich folgenden Film nahelegen:

amazon.de


Inhalt ein- wie ich meine - recht reizend gemachter Film, auch wenn man nicht Punk ist, wenn man die Musik mag und die Leute kennt, isses natürlich noch feiner.

Auch aus Hifi Sicht nicht ganz uninteressant, man sieht, dass Flea (RHCP) eine Audio Research Anlage hat, auch seinen Plattenspieler ....

Wer absolut nicht bereit ist, die 5 Euro für die DVD zu bezahlen, man findet den Film auch auf Youtube ....


Punks sind Menschen wie Du und ich ....

LG Tom
*papamann*
Stammgast
#19 erstellt: 22. Feb 2018, 00:14
Diese Sorte Punks haben in der Tat einiges auf dem Kerbholz. Bezogen auf alles Scheiße, das reicht. Bier her! Du zahlst! Für die englische Jugend waren das in der Tat harte Zeiten, aber diese Einstellung fand ich auch immer doof. Man könnte zumindest Gitarre lernen und über seine Situation berichten....

Das schmälert aber nicht die kreative Bombe. Und die musikalische Energie. Irgendwie denkt man ja immer die Musik hat drei Akkorde und Gröhl-Refrains.

Bei den Buzzcocks als Beispiel....bitte sehr! Tolle Kapelle! Pop-Songs mit punky Feel.

Auch scheinen musikalische Aspekte eher verschwommen. Für den einen sind The Exploited die wahre Lehre, für andere die Debut-Alben von Devo, Pere Ubu oder XTC. Die drei letztgenannten sind für manche vielleicht gar nicht Punk weil musikalisch zu gut.

Dann gab es den Kult um Sid Vicious, der nicht mal wirklich Bass spielen konnte aber als Vorzeige-Punk diente. Lächerlicher Zirkus. Mätzchen.

Jedenfalls brachte das ganze Punk-Gewese tolle Kapellen mit sich; vom Straßen-Rock a la The Lurkers oder auf die Polit-Kacke hauenden Dead Kennedys. Das war einfach frische geile Rock-Musik!

Die bald einsetzende Uniformität und Plattenverträge bei den "großen" ist wieder ein anderer Schnack. Meine 7-inches auf Small Wonder, Beggar's Banquet und vielen kleinen Labeln bleiben ein echter Schatz!

Wie sagt man heute? Da ging was!

Liebe Grüße

Carsten


[Beitrag von *papamann* am 22. Feb 2018, 00:19 bearbeitet]
Jason_King
Inventar
#20 erstellt: 22. Feb 2018, 08:59

tomtiger (Beitrag #15) schrieb:
H
Niemand muss alles mögen. Es wird Dir aber schwer fallen, wenn Du diese Musik nicht magst und Du Dich daher nicht damit auseinander gesetzt hast, Argumente dagegen zu finden.
LG Tom

Da hast Du vollkommen recht. Niemand muß alles mögen. Wie ich bereits schrieb, ist es vollkommen in Ordnung, wenn sich andere Leute gern akustisch mit Punk beschäftigen.
Ich gehe nachher mal 'ne Runde "Foxtrott" hören. Wie sagte schon der Persil-Mann? "Da weiß man, was man hat"!
tomtiger
Administrator
#21 erstellt: 23. Feb 2018, 03:40
Hi,

wenn es nicht nur akustisch sein soll:

Eins neun neun vier ist eine - wie ich finde - interessante Dokumentation des Punk (US westküstenzentrisch) die den Zeitraum etwa Mitte der 1980er bis Ende der 1990er Jahre behandelt. Bei einigen Dinge habe ich andere Eindrücke, aber hey, die Jungs waren dabei.


Punk ist nicht tot - LA 2016 ein oberflächlicher aber durchaus persönlich wirkender Einblick in die aktuelle Punk Szene in LA. Weniger musikzentrisch, beleuchtet eher den menschlichen Hintergrund.

Punk ist nicht tot - 2007 eine interessante Beleuchtung von den 1970ern bis heute (also 2006), mit vielen alten Leuten, UK Subs, Captain Sensible (der zeigt seinen Allerwertesten ) ... aber auch modernen Situationen.


LG Tom
*papamann*
Stammgast
#22 erstellt: 26. Feb 2018, 14:31
Ja, die Energie des Punk....

...."Eight Miles High". Von den Byrds. Und die Version von Hüsker Dü.

Ich finde beide total geil. Klar, man kann kritteln was die Hüsker Dü-Version da unnötigerweise an Aggressivität auffährt. Gezerre und Geschrei.

Allerdings spüre ich da eher eine Verbeugung vor dem Song. Als ob Hüsker Dü ahnten was das für ein Monster ist/war.

Nur so Gedanken. Alles gut.

Liebe Grüße

Carsten
kinodehemm
Hat sich gelöscht
#23 erstellt: 26. Feb 2018, 15:20
..Tatsache ist jedenfalls, das ein 'zufälliger Punk-Treffer' im Autoradio immer ein breites Grinsen erzeugt- spontaner als jede andere Mukke..
Leider läuft das unter 'rare Momente'..
Dualplattenspieler
Inventar
#24 erstellt: 26. Feb 2018, 19:20
Sehr schön dass dies nicht am Stammtisch kleben geblieben ist! Ist beileibe keine "mag ich - mag ich nicht " Diskussion.
Die politische Wirkkraft glich allerdings eher der eines kontrollierten WMF Dampfkochtopfes. Das hatte aber nicht mit der Musikqualität sondern der Industrie zu tun, die sich seit den 60'ern "fortgebildet" hatte und eine Lenkung solcher Ströme wesentlich effektiver in Zählbares umzusetzen vermochte (Stichwort Pistols)
Vermutlich waren die Punks the last of a dying breed denn die Millennials haben es lieber Musik zu konsumieren statt sie verstehen zu wollen/mögen/können.

Anders als kinodehemm habe ich es allerdings längst aufgegeben auf diese raren Radiomoments zu hoffen (kein Wunder bei NDR Info, DLF, WDR 5 und Kulturradio als Programmtasten 1-4 ), dafür habe ich auf meinem "mixed stick" stets a bisserl Stooges, Damned, Ramones, Undertones und Wipers. Die lassen mich auch heute noch entsprechend "grinsen" um beim Bild zu bleiben.
*papamann*
Stammgast
#25 erstellt: 02. Mrz 2018, 04:20
@ Dual: Made my day. Geiler Beitrag!

Stichwort Industrie: Die Energie des Punk (das Geschrote und der Beitrag der Kunst-Szene und alles dazwischen) brachte allerdings eine neue echte Bewegung: Independent. Rough Trade. Und damit einen Vertrieb jenseits verschnarchter Majors. Das waren tolle Zeiten! Aufbruch!

Über Musik streiten wir sowieso, aber nicht zu leugnen ist das frischer Wind wehte. Hallo? die erste von The Cure. Eine Bombe!

Aber echt. Und die nur als Beispiel.

Das Independent heute ein bekloppter Begriff ist schmälert nicht die damalige Stimmung.

Das "Hier sind drei Akkorde, gründe eine Band" war plakativ aber wirkungsvoll. Zumindest bei mir. Ein Kind der drei Akkorde. So macht Gitarre lernen Spaß! Hat vieles leichter gemacht. Sofort komponiert. Ohne musikalischen Schnall. Aber den Sound in den Ohren.

Und genau sowas geht den Freunden guter Musik sicher irgendwie auf den Sack. Emporkömmlinge. Mätzchen. Und sowas macht Platten.

Liebe Grüße

Carsten
TomGroove
Inventar
#26 erstellt: 02. Mrz 2018, 13:04

*papamann* (Beitrag #22) schrieb:
Ja, die Energie des Punk....



genau das ist es, da ging die Energie plötzlich in eine völlig neue Richtung, die man heute noch spüren kann. Weg vom Fusion Rock und Progressive, die ja immer komplexer wurden und damit auch immer komplizierter.

Gestern mal Replacements gehört, auch feine Truppe.

*papamann*
Stammgast
#27 erstellt: 07. Mrz 2018, 17:30
Diese Melodik die eher an Fußball Stadion erinnert als an R'n'B hatte mich damals aber richtig am Haken. Heute auch noch. Als Beispiel dieses "Betrayal" von Jah Wobble. Der Song und das ganze Album ist umwerfend. Und musikalisch interessant. Reggae-Elemente....

Sollte nicht unerwähnt bleiben denn Jah Wobble war der Bassist von Public Image Ltd. Mit eben Johnny Rotten (John Lydon) von den eher irgendwie lächerlichen Sex Pistols. Allerdings war das Vocal-Geschrote von Lydon bei denen auch irgendwie geil. Finde ich zumindest.

Das waren abgefahrene Zeiten! Nach den Cockney Rejects und Discharge lief problemlos die erste Pere Ubu EP ("Datapanic In The Year Zero") oder die erste Devo. Deren Version von "Satisfaction" von den Stones allein schon zu hören war irgendwie Aufruhr. Protest. Die Stones sind Mainstream!

Unangetastet blieben die Kinks. Irgendwie waren die mit die Urväter der neuen Bewegung. Man, was für ideologischer Quark. Aber die neuen Platten irgendwelcher Pubs'n'Punks waren einfach himmlisch damals. Kennt noch einer The Lurkers?

Besonders am Ar... hatten mich später in den 8Ts die Kapellen die Punk-Energie mit 6Ts-Garage und Psychedelia mixten....heute leider ausgestorben. Hach ja, die Miracle Workers mal als Beispiel....."Patron Saint" von der "Overdose". Die Bombe!

In Berlin-West gab es einen Plattenladen der nur mit neuer Garagen/Psychedelic Musik dealte. "Acid Force". Da musste man noch durch die DDR-Kontrolle in Helmstedt-Marienborn.

Those where the days....

....aber es geht auch heute weiter, mir geht es nicht um Nostalgie.

Beste Grüße

Carsten


[Beitrag von *papamann* am 07. Mrz 2018, 17:32 bearbeitet]
tomtiger
Administrator
#28 erstellt: 07. Mrz 2018, 18:35
Hi,


*papamann* (Beitrag #27) schrieb:
....aber es geht auch heute weiter, mir geht es nicht um Nostalgie.


gibt auch immer wieder was zu entdecken, z.B.

https://www.youtube.com/watch?v=Oiqx0MonOHU
https://www.youtube.com/watch?v=eDUMYrOIjCE

LG Tom
*papamann*
Stammgast
#29 erstellt: 07. Mrz 2018, 18:47
Celtic Punk, auch so ein Begriff. Lecker dein Link! Bad Religion fallen mir da ein. Die Real Mckenzies haben den besseren Solo-Gitarristen. Tolle Melodik. Yeah!

Liebe Grüße

Carsten
tomtiger
Administrator
#30 erstellt: 07. Mrz 2018, 19:06
Hi,

bei manchen Sachen bin ich nicht recht sicher, ob das noch als Punk anzusehen ist.

Z.B. werden die oft als Hillbilly Punk bezeichnet:

https://www.youtube.com/watch?v=MsObv4b-qYg

Das Album gefällt zwar, ist aber mE. kein Punk.

LG Tom
*papamann*
Stammgast
#31 erstellt: 13. Mrz 2018, 20:20
Immer wieder erstaunlich wie so manche "Beat-Band" in den Mid-6Ts genau diese gewisse Punk-Power schon hatte. Die amtliche Monks-LP ("Black Monk Time") mal als Beispiel. Was gehen die ab!

Crypt-Records in Hamburg, mein Händler Nummer 1 in eher abseitiger (aber abgehender!) 6Ts-Punk Musik hat wunderbare Singles zahlreicher No-Hit Wonder die mich immer wieder umhauen.

Da stehen die aufkommenden "Pubs And Punks" in bester Tradition. So neu war das eigentlich nicht Mitte der 7Ts. Nur weit rotziger. Dazu der echt neue Power-Pop-Sound a la Buzzcocks. Das war schon lecker. Die Jungs machen immer noch Platten....."What Do I Get" alter Tage ist ein Kleinod einer 2:45 min-Single. Pop-Miniatur trifft Punk-Energie. Für mich ein Meisterwerk. Denn der Aufbau des Songs ist eben nicht billig sondern sehr gewitzt. Dazu diese Wahnsinns-Energie der Combo.

So richtig neues brachte womöglich der US-Hardcore in den 8Ts. Der heute erstaunlich gut funktioniert. "New Day Rising" von Hüsker Dü. Geil!

Okay, das bringt nichts neues zum Diskurs aber ihr wisst jetzt welche LPs heute liefen.

Wer an diesen besagten Runnin'-Nowhere Singles interessiert ist möge in der Tube zum Beispiel nach "Man With Money" von The Eyes forschen. Oder nach dem unsterblichen "Faces" von TC Atlantic.....

Liebe Grüße

Carsten


[Beitrag von *papamann* am 13. Mrz 2018, 20:38 bearbeitet]
Jason_King
Inventar
#32 erstellt: 14. Mrz 2018, 09:03

*papamann* (Beitrag #31) schrieb:
Immer wieder erstaunlich wie so manche "Beat-Band" in den Mid-6Ts genau diese gewisse Punk-Power schon hatte. Die amtliche Monks-LP ("Black Monk Time") mal als Beispiel. Was gehen die ab!

Stimmt, die passten aber irgendwie nicht in ihre Zeit. Zehn Jahre später wären die Monks wahrscheinlich "Superstars" geworden. Über die Kraft der Kapelle kann man auch heute wirklich nur staunen. Und immer mal wieder anhören!
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Welche Walzer aus dem Rock-/Pop-Genre gefallen Euch?
Enfis am 30.10.2012  –  Letzte Antwort am 23.04.2015  –  32 Beiträge
Prog-Rock
Don_Tomaso am 09.12.2016  –  Letzte Antwort am 10.12.2016  –  2 Beiträge
Pop-Alben die ihr gehört haben solltet.
fibretec am 09.02.2009  –  Letzte Antwort am 24.08.2017  –  130 Beiträge
Aufbau einer "audiophilen" Pop- Sammlung
Mr._Lovegrove am 04.08.2011  –  Letzte Antwort am 28.11.2013  –  16 Beiträge
Gittaren-Pop von Bastian Baker
Error33 am 11.10.2012  –  Letzte Antwort am 11.10.2012  –  2 Beiträge
Soeben gekauft!
chriss71 am 21.01.2011  –  Letzte Antwort am 10.03.2012  –  44 Beiträge
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