Die Rückkehr des Vinyls.

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hifi_raptor
Inventar
#1 erstellt: 13. Sep 2008, 07:52
....titelt heute die Süddeutsche Zeitung auf der Seite 1!

Guten Morgen HiFi(ologen)

Die SZ schreibt in ihrer heutigen Ausgabe:

"Musik-CD in der Krise, die Schallplatte ist wieder da"

Die SZ führt aus, dass der Verkauf der CD's weiter stark rückläufig (12% 2007 gegenüber 2006, 10% im Jahr zuvor) ist und die Umsatzverluste auch durch steigende Verkäufe in legalen Downloadportalen (30% jedes Jahr) nicht wett gemacht werden kann.

Illegale Downloads werden als Grund für den Umsatzrückgang angeführt, wobei man natürlich nicht wisse wie hoch der Anteil dabei ist.

Das sieht die MI bestimmt ganz anders (meine Anmerkung).

Im Artikel heißt es weiter ".....so dass es gut sein könne, dass die konservierte Musik als solche, als technisches Genre, in einem Niedergang begriffen ist....".

Dagegen würde aber eben der Verkauf von Schallplatten gegenüber dem Verkauf von Alben über das Netz viel schneller wachsen.
Der Markt sei aber immer noch klein. Es seien letztes Jahr über 6 Mio. Platten verkauft worden. Dem gegenüber stehen 1,8 Milliarden CD's.
Es wurden aber eben doppelt soviele LP's verkauft wie im Jahr zuvor.

Damit einher geht auch ein wachsender Markt für Abspielgeräte. Als wiederkehrende Firmen werden in dem Artikel Thorens, Linn und Technics (wußte gar nicht das es die noch gibt!) genannt.

Es seien in letzter Zeit eben Alben nicht nur als CD sondern auch wieder auf Vinyl aufgelegt worden. Einige Musiker sind dazu übergegangen die neuen Alben im Bundle als CD und LP zu verkaufen.

Das riecht aber schon ein klein bisschen nach: "Alle Verluste mit Gewalt wettmachen" (meine Anmerkung).

Es wurde das Beispiel der Gruppe Radiohead genannt, die das Album "In Rainbows" im Internet als Download verschenkte und 60000 Boxen als Edition CD,LP und reich ausgestattetem Begleitbuch verkauften.

Die neue Metallica wird auf fünf Vinyl geliefert! weil sie für eine höhere Wiedergabequalität mit 45 Umdrehungen abgespielt wird.

Also doch wieder ein Trend zu hochwertiger Musikwiedergabe (meine Anmerkung).

Ebenso wächst natürlich der Anteil von schwarzen Scheiben vergangener Zeiten.

Der Artikel schließt mit der Festellung des Autors: "....Das jüngste Interesse an der Schallplatte scheint indessen anderen Motiven zu verdanken: dem Bedürfnis nach schierer Materialität in einer Epoche der radikalen Verflüchtigung....."

Das Thema "Verflüchtigung" hatten wir gestern schon im Zusammenhang mit dem neuen Naim HDX, bei der ich feststellte, dass der HDX einem die Möglichkeit gibt seine "Silberschätze" über ihr Verfallsdatum hinaus zu bewahren (meine Anmerkung).

Ich darf mich hier gleich mal als Hardcore CD-Besitzer outen, und jede Art der Komprimierung (außer bei Mobil)ist mir verhasst.
Der Trend geht offensichtlich doch wieder zu Qualität, die aber ganz sicher mit der CD möglich ist, wenn sich nur die Produzenten mal anstrengen würden.
Wer LP's kaufen möchte, und ich kann das durchaus verstehen, soll sich die schwarzen Scheiben kaufen, aber ich bleibe bei der CD, auch wenn ich anfange meine Pressungen aus den 80'zigern 1:1 zu abzuziehen.

Warum aber muss der Verkauf im Bundle erfolgen? Das sieht für mich nun wieder nach Abzocke aus!

Ich denke auch das der Trend zum Tonträger LP damit zu tun hat, dass man einerseits dem unsäglichen Kopierschutz und Rootkitmist entgehen kann, und andererseits wird die MI dem Trend sicher ganz gerne unterstützen da damit schnelle und in "Massen" gefertigte 1:1 Kopien nicht mehr möglich sind.

Hallo MI - Tauschen übers Internet kann ich damit aber trotzdem noch im Computerzeitalter!
Und wer CD's kopiert und getauscht hat, wird das auch mit LP's tun.

Und wie gesagt die CD hat eine Menge Vorteile im Handling, fette Booklets kann ich auch einer CD beilegen, und eine highfidele Qualität kann ich problemlos liefern.

Und wenn sich die Hersteller anstrengen würden, hätte ich keine Probleme mit CD's die verotten .
MFSL mit den Gold CD's darf ich hier mal ausnehmen. Die Scheiben sind auch ein bisschen teuer. Aber man gönnt sich ja sonst nicht's.

Die Scheiben von MFSL sind was ihre Qualität angeht hier das leuchtende Beispiel.

Und ein Faktor spielt ganz sicher auch eine Rolle - der immer noch tobende Formatkrieg der Tonträger nach der LP.

Happy Weekend


[Beitrag von hifi_raptor am 13. Sep 2008, 07:58 bearbeitet]
Hörbert
Inventar
#2 erstellt: 14. Sep 2008, 18:45
Hallo!

Der Rückgang der Verkaufszahlen betrifft vor allem die Eintagsfliegenmusik der Charts, bei anderen Sparten ist dieser Rückgang wesentlich moderater und z.B. bei Klassischer Musik verdankt die MI die dort herrschende Stagnation ihrem zögerlichem Verhalten Experimente zu wagen und der Unfähigkeit wirklich herausragende Produktionen auf dem Markt zu bringen.

Der Trend zur Schallplatte zurück ist halt vor allem für die Generationen die mit diesem Tonträgermedium bisher kaum oder gar keine Berührung hatte eher chic als für jene die ihre alten Plattenspieler nebst Vinylscheiben in den späten 80gern zugunsten der CD die Tonne gekloppt haben. Bezeichnenderweise gibt es eine relativ große Auswahl aktueller Popmusik auf Schallplatten, aber es gibt z.B. keine aktuelle Klassische Neueinspielung auf Schallplatte nur einige Nachpressungen uralter Interpretationen aus den 60gern und 70gern. Auch bei aktuellem Jazz sieht die Sache nicht gerade rosig aus. Von einer wiederkehr der Schallplatte würde ich also eher nicht sprechen sondern eher von einem Modetrend vorwiegend für junge Leute.

MFG Günther
Metal-Max
Inventar
#3 erstellt: 15. Sep 2008, 08:13
Die ganze Metal-Szene ist von Anfang an dem Vinyl treu geblieben und viele Fans der ersten Stunde ebenso. Da ich Jahrgang 83 bin, kann ich mich natürlich nicht als solcher bezeichnen. Aber ich bin wahrscheinlich ein gutes Beispiel dafür, was Hörbert angesprochen hat, daher kurz meine Vinyl-Geschichte:
Als mein Musikgeschmack vernünftig ausgeprägt war und ich irgendwann die Sch***ze gestrichen voll hatte, von miesen mp3s aus Tauschbörsen und einem schnöden Ordner auf der Festplatte, habe ich angefangen, CDs zu kaufen. Durch das herumstöbern bei eBay bzw diversen Shops im Netz bin ich dann irgendwann darauf aufmerksam geworden, daß in der Metal-, der Punk- und der Alternativeszene sehr viel noch oder wieder auf Vinyl erschien. Da mich Schallplatten schon immer fasziniert hatten, und ich jetzt ja sowieso mit dem Geldausgeben für Musik angefangen hatte, stöberte ich im Keller, buddelte einen Thorens von meinem Papa aus, machte ihn wieder flott und begann, Schallplatten zu kaufen. Das beschränkte sich natürlich nicht auf Neuerscheinungen, sondern ich fing auch an, in diversen 2nd-Hand-Läden in Aachen zu stöbern, um mir günstig einige Must-Haves der 60er und 70er Jahre zu besorgen.
Aus der Affinität ist zwischenzeitlich eine Leidenschaft, mitlerweile fast eine Sucht geworden. Neuerscheinungen werden, soweit möglich, als Vinyl gekauft, bei absoluten Top-Scheiben der Lieblingsbands wird auch evtl noch eine CD-Version dazugenommen, zwecks mobilem An- und häuslichem Dauerhören.
Die Anzahl der Platten ist, im Verhältnis zur Sammelzeit, auf eine stattliche Zahl gewachsen und strebt danach, die CDs einzuholen.
Auch die Anzahl der Plattenspieler hat sich vergrößert, was natürlich auch an meiner Bastelleidenschaft liegt. Ich liebe es, einen schönen, alten Dreher aus der Bucht wieder flott zu machen.
Eine Platte aufzulegen ist immer in Genuss für mich, es hat etwas feierliches, rituelles. Mitlerweile hat auch mein Papa wieder einen Dreher im Wohnzimmer stehen, hab ihn wohl angesteckt.


[Beitrag von Metal-Max am 15. Sep 2008, 08:13 bearbeitet]
Mimi001
Hat sich gelöscht
#4 erstellt: 15. Sep 2008, 10:45
Wenn weltweite 6 Mio. verkaufte Platten ( neue ) eine Rückkehr sein soll, na dann !
Was soll man zum SZ-Artikel sagen ?
Ist immer noch Sommerloch, oder durfte der Praktikant mal ran ?
Die Vinyl-Scheibe war nie tot, sie ist halt nur in eine ( kleine ) Nische gewandert .
Das diese Nische , entgegen dem allg. Trend der Branche Umsatzplus verbucht mag ja sein, die absoluiten Zahlen relativieren aber schnell. Ich würde dazu nicht Rückkehr sagen.

In gewissen Kreisen ist Vinyl ja grade auch wieder schick und CD -Player sollen ja mittlerweile auch analog klingen !




Schönen Tag !


[Beitrag von Mimi001 am 15. Sep 2008, 14:47 bearbeitet]
*Zen
Ist häufiger hier
#5 erstellt: 15. Sep 2008, 20:34
Kann den Artikel mal jemand einscannen? Mein Vater hat mir davon erzählt, die Zeitung ist aber leider schon weggefahren.

Da steht anscheinend auch drin, dass irgendeine schweizer Firma die früher bekannt für ihre Plattenspieler war wieder aufmachen konnte.


[Beitrag von *Zen am 15. Sep 2008, 20:38 bearbeitet]
poubelle
Inventar
#6 erstellt: 15. Sep 2008, 21:04

*Zen schrieb:
Kann den Artikel mal jemand einscannen? Mein Vater hat mir davon erzählt, die Zeitung ist aber leider schon weggefahren.

Da steht anscheinend auch drin, dass irgendeine schweizer Firma die früher bekannt für ihre Plattenspieler war wieder aufmachen konnte.

bitte schön -
*Zen
Ist häufiger hier
#7 erstellt: 15. Sep 2008, 23:16
Vielen vielen Dank!
hangman
Hat sich gelöscht
#8 erstellt: 03. Okt 2008, 16:21
ich hab am mittwoch meinen augen nicht getraut, als ich in mm (der größere von zweien in meiner umgebung, welchen ich aber sehr selten besuche) plötzlich vor nem plattenregal stand...
erstes gefühl: *freu*
gefolgt von dem ernüchternden gedanken: "wird eh bloß müll drin stehen"

also anfangen zu wühlen, und wieder meinen augen nicht getraut:
alte rock-klassiker (black sabbath, led zep, usw, etwas soul), und viel(!!!) indie und nicht kommerzielles (zb a storm of light(!!!),psychopunch, drobkick murphys und hellsongs!) und null charts-gemülle!!!

letztendlich waren von den geschätzten 300 lp´s gut 15% die für mich in frage kämen.
aaaber alle hatte ich bereits in irgend einer form zuhause..

ich war mit der situation kpl überfordert!!!
ich mußte noch fürs abendessen einkaufen, und war eh schon spät dran!!! und jetzt das!!!
mir war eins klar: "du gehst hier nicht raus ohne ne platte zu kaufen!!"
also die überlegung:
kauf ich eine die ich bereits auf cd habe?
oder kauf ich eine die ich jetzt grundsätzlich nicht unbedingt gekauft hätte?

das regal noch zwei, drei mal durchgeackert und entschieden:
kauf eine die du noch nicht hast! und zwar:

ayreon - 01011001 (drei lp album)

eigentlich steh ich echt nicht auf son bombast metal, und "projekte" und konzeptalben mag ich eigentlich auch nicht.
aber ich dachte es wäre ne gute wahl, da ich mir hier eine anständige produktion und aufnahme vorstellen konnte...

naja, die ernüchterung kam schon beim auspacken der zugeschweißten platte: DURCHSICHTIGES VINYL

nichts davon erwähnt mit nem sticker oder so. naja, war jetzt so, also mal anhören:
klingt besser als erwartet, und die anneke ist sowieso immer gern gehört...
aber bevor ich anfang mit zuviel blabla, was ich eigentlich sagen will:

ich freu mich daß die platte wieder breiter verfügbar ist, und werde wohl öfter da reinschneien...
Texter
Hat sich gelöscht
#9 erstellt: 04. Okt 2008, 13:21
Massenmarkt, Mainstream & Monokultur ist selten gut.

Auch in den MediaMärkten in denen ich mich rumtreibe, steht plötzlich wieder Vinyl. Find ich natürlich fein aber ich bin kein Vinyl-Ultra-Mensch. Ich mag CD, Vinyl & MP3. Je nach Einsatz, Qualität, Preis, Bedeutung entscheide ich mich für das eine oder andere.
darkman71
Hat sich gelöscht
#10 erstellt: 05. Okt 2008, 00:17
Ich hoffe nicht.

Schließlich hat die Plattenindustrie schon sehr gute Formate wie die SACD und die DVD-Audio verbockt.
riotsk
Stammgast
#11 erstellt: 05. Okt 2008, 00:51
In Indie/Hardcore-Kreisen gibt es vor allem in den Staaten tolles Material mit Gatefolds und farbigen Vinyl und allesamt ausgestattet mit MP3 Codes zum Runterladen. Was will man mehr? Auch einige Klassiker zb. alte Police Scheiben gibt es derzeit als Re-Issue auf schwerem Vinyl mit Code zum Download. Oder Dave Gahan hat zum Beispiel seinem neuem Album die CD beigelegt... na, das ist doch wohl nur cool...wie metal-max schon schrieb, es ist einfach etwas rituelles und schönes....aber praktisch ist Vinyl als solches in der Tat nicht. Aber in Verbindung mit CD´s oder Down-codes und einer deutlichen Preisminderung hat Vinyl echt eine Chance sich wieder zu etablieren.
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