Eure Live Jazz Erfahrungen

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LyleFinster
Ist häufiger hier
#1 erstellt: 27. Feb 2005, 20:26
Hallo hoffe ich werde Euch nicht zu neugierig.

Angelehnt an die Idee des "Was hört ihr gerade" Threat wärs ja genauso interessant über die Live Konzerte die Ihr besucht habt zu berichten und ggfs. sogar zu diskutieren. Sicher ist's eher unwahrscheinlich dass hier mehrere dasselbe Konzert gesehen und gehört haben, aber meisten Musiker touren ja doch durch mehrere Städte.

Ich fang mal an:


Die drei besten Jazz-Konzerten die ich bislang besucht habe, sind:

- Fred Wesley im Sommer 2002(?) bei der Jazz Summer Night in Minden (gratis aber nicht umsonst!!!)
- Silje Nergaard, letztes Jahr (ich glaub es war Mai) in Düsseldorf und
- Joo Kraus im November in Mindener Jazz-Club.

Fred Wesley trat 2002 (glaub ich) auf dem Markt im Minden bei der Jazz Summer Night auf. Der Platz war trotz schlechten Wetters recht voll und als er und seine Band loslegten war der Nieselregen eh egal, das Publikum kochte und das Wasser verdampfte bevor es die Zuhörer erreichen konnte. Goovig, funkig, super!

Silje war nicht nur wegen ihrer wundervollen Stimme traumhaft, sie hatte auf eine sehr "putzige" Art an sich. Show oder nicht, so hat sie auf jeden Fall eine recht private Atmosphäre ins Theater an der Kö gebracht. Die Pause für sie gabs fürs Publikum nicht, denn dies war ein langer fantastischer Prolog an den Tasteninstrumenten (den Namen des Musikers weiss ich nicht mehr) zu "Be still my heart".

Joo Kraus in Minden war aber der Überhammer! Der Jazz-Club in Minden ist relativ eng und wenn dann noch acht Musiker auf der Bühne stehen und das Auditorium voll besetzt ist, wirds automatisch familiärer. Als es dann losging wurde es ganz schnell noch enger, die Zuhörer brauchten viel mehr Platz, weil keiner stillsitzen konnte. Jeder schnippte, wippte, hibbelte auf dem Stuhl. Die Stehenden swingten und tanzten.

Mein bestes Konzerterlebnis bislang.


So bitte, jetzt dürft Ihr.
Novize
Stammgast
#2 erstellt: 27. Feb 2005, 22:26
Silje Nergaard habe ich auch mal live gesehen und fands sehr gut (es gibt ja geteilte Meinungen über ihre Stimme, aber mir gefällt sie). Live gefällt mir die Musik noch besser als auf Platte, weil sie im Konzert intimer ist (ich war erst auf dem Konzert, habe mir danach die At first light gekauft und mich teilweise ein bisschen über die Strings geärgert). Auch wenn ich nicht bei dem Konzert in Düsseldorf gewesen bin, aber der Tastenmann war mit ziemlicher Sicherheit Tord Gustavsen, der Nergaard mit seinem Trio (Harald Johnson am Bass, JArle Vespestad an den drums) normalerweise begleitet. Das Tord Gustavsen Trio hat auch eine traumhaft schöne Platte auf ECM veröffentlicht (Changing Places), die absolut empfehlenswert ist (und morgen kommt der Zweitling des Trios raus, bin schon gespannt). Wenn Nergaard mit diesem Trio unterwegs ist, lohnt sich der Besuch also doppelt: man bekomnmt Silje und das fantastische Tord Gustavsen Trio.

Gruß Andreas


[Beitrag von Novize am 27. Feb 2005, 22:29 bearbeitet]
markus3
Ist häufiger hier
#3 erstellt: 27. Feb 2005, 23:35
hi,
ich beschränke mich wie gewünscht auf 3 acts, kernthema musik - nicht show:

dee dee bridgewater, die "tribute to kurt weill" tour: sensationell
(das betrifft musik, tontechnik, performance .. und bridgewaters intensität. und auch ihre show )


pat metheny, ca 1993, grottenschlecht, über kurze strecken genial, im wesentlichen aber akustische körperverletzung, totale fehlleistung der tontechnikmurkser

no-name-band in der kneipe von konstatin wecker (mit dem thermosensiblen acrylklimperkasten): beim proben, unter der woche, ohne elektronik: whoow, appetit auf mehr - beim grossen auftritt am wochenende, mit "soundsystem":

meine meinung anhand vieler anderer konzerte: kein respekt vor grossen namen. wenn immer möglich, akustische instrumente in kleiner besetzung, um die ohren zu "erden"

habe die ehre, markus
LyleFinster
Ist häufiger hier
#4 erstellt: 28. Feb 2005, 10:40

markus3 schrieb:
hi,
ich beschränke mich wie gewünscht auf 3 acts,


So streng ist das nicht gemeint, es können auch gerne mehr oder auch weniger sein.


markus3 schrieb:

kernthema musik - nicht show


Das ist beim Jazz doch sowieso das Wesentliche, die Show ergibt sich aus der Stimmung. Wenn der Funke überspringt ist die Show eher die Folge von der Musik.


[Beitrag von LyleFinster am 28. Feb 2005, 17:15 bearbeitet]
Bassig
Stammgast
#5 erstellt: 01. Mrz 2005, 13:41
Servus Publikum,

hm, 3 Jazzkonzerte nennen, die mir besonders gefallen haben? Ich habe da in verschiedenen Kategorien meine Favouriten.

sehr mitreißend (mehr als 3 :-)):
-Incognito, Hannover, Capitol 1995 und Hamburg Deichtorhallen 1999/2000
-Maceo Parker, FBZ, Braunschweig, 1996, was für eine Party!
-Collosseum, Pavilion, Hannover, 1995, als ob die 23 Jahre seit der Trennung nicht gewesen wären
-Nils Landgren Funk Unit, FBZ, Braunschweig, späte 90er, noch härter als Maceo

die Besonderen (auch mehr als 3 :-)):
-Gurus Jazzmatazz, Bad, Hannover, 1995, besser als die frühe Jazzkantine
-Pat Metheny, Marktplatz, Hildesheim, 1995, es goss in Strömen
-Joe Henderson/John McLaughlin/Jimmy Smith, Montreux, 1995, soviel Stars an einem Abend
-Fourplay, Montreux, 1999, endlich mal in Europa zu sehen
-Nat Adderley, Museum, Braunschweig, 1993
-The Great Guitars of Jazz (Mundell Love, Herb Ellis, John Pisano), Museum, Braunschweig, 1998, herrlich entspannt, wie die drei gestzteren Herren da musizierten

Könnte wohl noch mehr nennen, aber ich denke das langt erstmal, oder?
ugoria
Hat sich gelöscht
#6 erstellt: 01. Mrz 2005, 15:07
Dann will ich auch mal,

da ich auf sehr viele Jazz-Konzerte gehe, will ich mal von einem anderen Live-Erlebnis berichten.

Christoph Oeser ist ein begnadeter Boogie-Woogie-Pianist und tritt derzeit auch mit einer wunderbaren Kombo auf (der Bassist von Paule Kuhn spielt bei ihm auch mit). Zweimal im Jahr zeigt das Programmkino in Mörfelden einen Stummfilm und Christoph Oeser begleitet diesen Live (ohne Noten sondern frei improvisierend) am Piano.
Gänsehaut beispielsweise bei Fritz Lang "Metropolis".

Viele Grüße

Andi
tjobbe
Inventar
#7 erstellt: 01. Mrz 2005, 15:23
mein aus der Rückschau prägendes JazzLive Erlebnis war Sommer 1975 live auf dem Bonner Marktplatz der Auftritt von Chris Barber, der den damals 12 Jährigen nachhaltig geprägt hat.....

was immer wieder begeistert ist auch die WDR BigBand

Cheers, Tjobbe
Classe
Stammgast
#8 erstellt: 05. Mrz 2005, 10:10
bin mit meiner Mama Sonntags statt in die Kirche zum Jazzfruehschoppen gegangen; da war nie etwas bekanntes dabei - ausserdem ne grosse Menge an Jamsessions, die mal so mal so ausfielen. Dennoch kann ich, obwohl es nur Jazz am Rande ist, Gil Scott Heron nennen, dessen Konzert mich tief geruehrt hat.
martin
Hat sich gelöscht
#9 erstellt: 06. Mrz 2005, 01:57
Das Beste i.S. geballte Virtuosität war Charlie Haden mit seinem Quartett in Stuttgart vor ca. 3 Jahren. Das Konzert war eine Hommage an Charlie Parker. Man hatte bei den Soli den Eindruck, jeder der Musiker hat das Zeug den Abend allein als Leader überzeugend zu gestalten.

Das Beste i.S. absolut relaxte Stimmung: Metheny/Haden mit ihren Missouri Sky Duets. Die Weiten des Mittleren Westens eingefangen in der Stuttgarter Liederhalle,Mai 2003. Ein Traum.

Die positivste Überraschung: Der als Vorgruppe für ein Galliano-Konzert (die Tour mit hervorragenden Piazzola-Covern)eingesprungene und mir bis dahin unbekannte in D lebende argentinische Schlagzeuger Daniel Messina mit Band. Stimmung wie im Rockkonzert. Der Typ untermalt und vermittelt zwar nicht als Drummer zwischen seinen Mitstreitern, peitscht sie aber gnadenlos nach vorne und treibt sie zu physischen Höchstleistungen an.

Grüße
martin
Plüschus
Stammgast
#10 erstellt: 07. Mrz 2005, 14:13
Ach ja,

Miles Davis Juli 1987 in Eutin/Schleswig Holstein im Schloßpark auf der Openair-Bühne (wo sonst Opern aufgeführt werden !). Einfach umwerfend mit Stücken wie Jean Pierre, Back Seat Betty ..... ein atemberaubender Sound, blauer Himmel, schöne Umgebung . Toll für mich war's das größte...

Gruß Thomas
snark
Inventar
#11 erstellt: 07. Mrz 2005, 14:16
Hi,

bisher am besten haben mir live Maceo Parker und Joshua Redman gefallen

Am enttäuschendsten fand ich Jan Garbarek, der ignorierte sein Publikum völlig, entsprechend konnte auch kein Funke überspringen.

so long
snark
Plüschus
Stammgast
#12 erstellt: 07. Mrz 2005, 14:34
Ja ,

und noch ein Miles Davis Konzert ! In der Hamburger Musikhalle 1985/86 mit Sheila E. an den Percussions.
Wie ein Derwisch fegte diese Frau zwischen einem riesigen Aufbau an Trommeln , Glocken , Schellen , Rasseln ...hin und her.

Der große Meister hat ihr in diesem Konzert sehr viel Freiheit für viele Soli gegeben.

Werd' ich nie vergessen.

Gruß Thomas
kulte
Ist häufiger hier
#13 erstellt: 08. Mrz 2005, 09:34
was fällt mir dazu ein:

pat metheny mit christian mcbride und antonio sanchez; 2004, staatsoper wien.

john scofield (bevor die überjam rauskam), graz.

larry coryell, 2004, graz.

herbie hancock im trio, ca 96 graz.

billy cobham ca 97, graz.

und das schrägste war mal terry bozzio mit gerald preinfalk und alex machacek (besetzung: der bozzio mit seinem riesndrumkit, ein stromgitarrist und sax). das war wirklich mal was anderes. zuerst wusste man nicht, ob man sich drauf einlässt oder nicht und dann in der zweiten hälfte hatts dann geklickt.


grüße


[Beitrag von kulte am 08. Mrz 2005, 09:36 bearbeitet]
poubelle
Inventar
#14 erstellt: 13. Mrz 2005, 01:19
hm, muss so ende der 70 oder anfang der 80 gewesen sein. das bislang beeindruckendste konzert bei dem ich dabei war:
Balver Höhle, das Sun Ra Arkestra mit tänzern und tänzerinnen auf der bühne und nach einer weile überall. John Gilmore marschierte an der spitze der holzbläser durch die reihen auf der anderen seite die prozession der blechbläser und auf der bühne nur noch trommler und tänzer. 20 minuten später, nach dem alle wieder auf der bühne standen, kam Sun Ra nach vorne, namm seine kappe ab und ließ, gerade als der mond aufging, sein feuerrotes haar erstrahlen.
unvergeßlich.
LyleFinster
Ist häufiger hier
#15 erstellt: 20. Mrz 2005, 10:51
Da es ja nicht nur um die beeindruckensten sondern auch um aktuelle Konzerte gehen soll ( auch wenns sich in diesem Fall überschneidet) mach ich mal weiter.


Gestern war ich mal wieder in unserem örtlichen Jazz-Club und ein Wort könnte reichen um das Konzert zu beschreiben:

- Doldinger -

Der frisch gekürte Grimme Preis Träger gab sich die Ehre und brachte den propenvollen Keller unseres JazzClubs zum brodeln zum kochen zum überlaufen...
Der Wahnsinn, dieser Mann hat im kleinen Finger mehr Musik als 99% der aktuellen Charts.

Es wechselten sich ruhige Stücke wie "Ataraxia" mit schnelleren "The Traveller" ab, ohne dass ein roter Faden verloren ging.

Humor bewies er auch, "La Paloma" (sic! ja genau - Freddy Quinn) wurde kuzerhand in "Tarantula" (glaub ich wars) eingeflochten. Das Publikum platzte vor Begeisterung.
Und als Zugabe gabs "Tatort" !!!

Denen die jetzt die Nase rümpfen und meinen sagen zu können Das ist doch kein Jazz sage ich, das mag für die ARD zutreffen, gestern wars welcher, und zwar vom aller Feinsten.

Zudem noch ein Künstler ohne irgendwelche Allüren, völlig normal und witzig, mit dem Publikum scherzend.

von 5

Gruss Tom

Edit: habe grade gesehen, dass es heute 20.03. um 20:00 in Bonn in der KAH auftritt. Wer noch nix vor hat und wer was vor hat sollte es verschieben, Leute hin, es lohnt sich!


[Beitrag von LyleFinster am 20. Mrz 2005, 17:23 bearbeitet]
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