Frage zur Watt Leistung Röhrenverstärker

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Ruben80
Ist häufiger hier
#1 erstellt: 14. Jul 2008, 13:52
Hallo zusammen,

ich habe eine Frage zu der Leistung von Röhrenverstärkern.
Meine LS haben 150 W an 8 Ohm.
Nun möchte ich mir einen Röhrenverstärker kaufen, der
2 x 35 W an 8 Ohm hat.

Meine Frage, reicht diese Leistung für meine LS aus ?

bedeutet mehr Watt am Verstärker automatisch mehr Bass ?
oder hat das nur etwas damit zu tun, wie laut man hören kann ?

wieso haben Röhrenverstärker im Verlgeich zu "normalen" so wenig Watt ?

Hoffe Ihr könnte mir helfen.

Danke
Ruben
Hartmut2903
Ist häufiger hier
#2 erstellt: 14. Jul 2008, 15:58
Hallo!

Das ist alles nicht so leicht zu beantworten.

Der Wirkungsgrad der Lautsprecher ist entscheident und die Sinus Dauerleistung. Haben deine LS nur Magnatwatt, dann werden eher deine LS zerstört.
Ich habe zB 250W Boxen an einem 2 x 28W JVC Transe aus den 70ern, das halten die Lautsprecher gerade so aus.

Du darfst Sinus Dauerleistung nicht mit PMPO vergleichen.
Pioneer Mosfetverstärker haben auch nur 40W Bzw der andere 60W.

Mit Wirkungsgradstarken Boxen kommst Du auf weit über 110 dB was willst Du mehr.

Zu deinen Boxen müsstest du mehr angaben machen.

Mehr Watt bedeuten nicht mehr Bass sondern Lauter und Lauter ist natürlich auch mehr Bass, aber Du brauchst sicherlich eine Klangregelung oder Gerät MP3 Player der Bass-Boost ausgibt.


Hartmut


[Beitrag von Hartmut2903 am 14. Jul 2008, 16:01 bearbeitet]
DB
Inventar
#3 erstellt: 14. Jul 2008, 16:03
Hallo,

Ruben80 schrieb:

ich habe eine Frage zu der Leistung von Röhrenverstärkern.
Meine LS haben 150 W an 8 Ohm.
Nun möchte ich mir einen Röhrenverstärker kaufen, der
2 x 35 W an 8 Ohm hat.

Meine Frage, reicht diese Leistung für meine LS aus ?

das kommt auf die Kennempfindlichkeit Deiner Lautsprecher an und welche Lautstärke Du anstrebst.



Ruben80 schrieb:
wieso haben Röhrenverstärker im Verlgeich zu "normalen" so wenig Watt ?

Hierzu zweierlei: erstens braucht man für große Lautstärken zuhause (Lautsprecher mit brauchbarem Wirkungsgrad vorausgesetzt) nicht mehr als etwa 8...10W.
Zweitens sind Röhrenverstärker leistungsmäßig keineswegs so limitiert wie es den Anschein haben mag. Es gibt Exemplare mit vielleicht 5W, auch mit 100W oder aber auch mit 250000W.

MfG

DB
Wolfgang_K.
Inventar
#4 erstellt: 14. Jul 2008, 16:35
In der Regel gilt pro qm Raumfläche ein Watt Nennleistung, wenn Dein Wohnzimmer 70 qm hat dann reicht die Leistung eines 35 Watt-Röhrenverstärkers völlig aus.

Aber im Ernst. Die Wattzahl ist für eine gute Musikwiedergabe nicht unbedingt aussagekräftig. Ein 10 Watt Verstärker kann genauso gut klingen wie ein Verstärker mit 200 Watt. Entscheidend ist auch die Raumakustik.

Und 10 Watt vollaufgedreht, kann durchaus die Polizei nachts vor Deiner Tür stehen und das Ding konfiszieren

Deine Lautsprecherboxen müßtest Du an einem solchen Röhrenverstärker einfach einmal testen - aber in der Regel gibt es das keine Problem...
Gelscht
Gelöscht
#5 erstellt: 14. Jul 2008, 17:00
Wenn die "Watt" nicht reichen, kann ein gewiefter Röhrenfreak
leicht mehr rausholen/tunen (oft sind kleine Umbauten möglich,
mit 50% mehr Leistung. Nachteil: die Röhren machen dann eher schlapp)
Ruben80
Ist häufiger hier
#6 erstellt: 14. Jul 2008, 17:23
erstmal vielen Dank für Eure Antworten.
Ich habe die B&W CDM 7 NT und die Raumgröße beträgt 23 qm².
Im Manual der LS steht unter Sensitivity 90db.
Mit Wirkungsgrad und Kennempfindlichkeit kenne ich mich ehrlich gesagt garnicht aus, bin noch ziemlicher Anfänger im hifi bereich

Eine Klangregelung mit Höhen,- und Bassregler haben ja die wenigsten Röhrenverstärker, das würde mich aber nicht weiter stören.

Ich denke ich werde es einfach "auf gut Glück" ausprobieren und sollte ich nicht zufrieden sein, kann man das Gerät ja immer wieder verkaufen.
Justfun
Inventar
#7 erstellt: 14. Jul 2008, 21:52
Hallo Ruben,

Im Manual der LS steht unter Sensitivity 90db.

Mit 2x35W kommst du damit auf unerträgliche 108dB, also Reserve ohne Ende.
Mit 2x5Watt würdest du bei diesen Boxen schon auf 100dB kommen, mehr als 90dB sind auf Dauer unangenehm, für die 90dB brauchst du noch nicht mal 2 x 1W
Gruß
Manfred
wodim
Gesperrt
#8 erstellt: 14. Jul 2008, 22:36
Ok, da ist nur noch ein Problem: Wenn's dir doch mal "zu leise" sein sollte, und du reißt den Amp soweit auf, dass er an seine Leistungsgrenze kommt - was passiert dann? Richtig, er fängt an zu verzerren. Und das kann Oberwellen ergeben, die ggf. gar nicht hörbar sind (weil sie in der Frequenz über dem hörbaren Bereich liegen) - aber in Sekundenbruchteilen die Speaker killen können. Auf den ersten Blick ein Paradoxon - aber mit einem zu schwachen Amp kannst du Speaker eher kaputtkriegen als mit einem zu starken.
Hartmut2903
Ist häufiger hier
#9 erstellt: 14. Jul 2008, 22:43
Hallo!

Nun ein Unterschied zum Tranistor.
Röhren gehen weicher in die Übersteuerung als Tranistoren.
Tranistoren begrenzen hart.
Deshalb wird ein Röhrenamp immer etwas anders in der Übersteuerung (weicher) klingen wie ein Tranistor.
Die Gefahr mit Röhren einen Hochtöner zu töten ist viel geringer wie bei einem Tranistor.

Hartmut

Lasse mich gerne belehren wenn es nicht so seien sollte


[Beitrag von Hartmut2903 am 14. Jul 2008, 22:49 bearbeitet]
wodim
Gesperrt
#10 erstellt: 14. Jul 2008, 22:57
Wem sagst du das - oder warum sind Röhrenamps gerade bei Gitarristen heute noch so beliebt - speziell, wenn sie an der Leistungsgrenze gefahren werden. Und eine Gitarrenbox hat keine Hochtöner - alles was über etwa 8...10kHz geht, kann bei der Klampfe nur noch Rauschen sein. Ich glaube zwar, wir bewegen uns inzwischen weit außerhalb des HiFi - Bereichs, aber scheinst ein interessanter Diskussionspartner zu sein - wart's ab, wenn ich erst wieder meinen eigenen Zugang habe, nicht im Internet - Cafe tippen muss, ist stressig.

Ääh - ich heiße auch Hartmut, aber dafür kann nur meine Mutti was.
DB
Inventar
#11 erstellt: 15. Jul 2008, 14:42

telefunky schrieb:
Wenn die "Watt" nicht reichen, kann ein gewiefter Röhrenfreak
leicht mehr rausholen/tunen (oft sind kleine Umbauten möglich,
mit 50% mehr Leistung. Nachteil: die Röhren machen dann eher schlapp)


Eigentlich nicht, weil die Anodenspannung sowie das Übersetzungsverhältnis des AÜ festliegen.
Hier die Formel für die Wechselstromleistung:
P~ = 2* (dU/sqr2) * (di/sqr2)
dU - Spannungsänderung
di - Stromänderung

Man müßte also Röhren mit geringerer Restspannung einsetzen oder die Anodenspannung erhöhen.

MfG

DB
Gelscht
Gelöscht
#12 erstellt: 15. Jul 2008, 15:33
da gibts schon Tricks, wie "Heizspannung zur Anode dazuhängen" oder gar "Spannungsverdoppler" , von
Class A auf Class B wechseln usw.
Ist halt alles so eine Sache... mit ?-Ergebnis.
DB
Inventar
#13 erstellt: 15. Jul 2008, 16:07

telefunky schrieb:
da gibts schon Tricks, wie "Heizspannung zur Anode dazuhängen" oder gar "Spannungsverdoppler" , von
Class A auf Class B wechseln usw.
Ist halt alles so eine Sache... mit ?-Ergebnis.

6,3V auf 450V draufpacken bringt nichts, A-Betrieb auf B-Betrieb bringt auch fast nichts, siehe das Datenblatt zur EL34, der Unterschied zwischen EL34 in AB und B liegt vorrangig an einem anderen Raa.

Man könnte jetzt den vorhandenen Netztrafo nehmen und den beschriebenen Spannungsverdoppler einsetzen, dann erhöht sich die Leistung erheblich, aer das geht im wesentlichen nur bei EL34, außerdem ist dann der AÜ (wahrscheinlich auch der NT) auch wesentlich zu klein vom Eisen und zu falsch vom Raa.

Zusammengefaßt: merkliche Leistungssteigerungen erreicht man ohne gravierende Eingriffe nicht.

Been there, done that.

MfG

DB
hf500
Moderator
#14 erstellt: 15. Jul 2008, 18:11
Moin,
nochmal zur Ausgangsfrage.
Auf den Lautsprechern steht "150W". Wenn der Hersteller ehrlich ist, ist das die Leistung, die der Lautsprecher,
gespeist mit Rosa Rauschen, fuer eine bestimmte Zeit aushalten muss.
Das Limit setzt die mechanische und thermische Belastbarkeit der Komponenten in der Box.

Der Wirkungsgrad von 90dB bedeutet in der Regel, dass man bei 1kHz mit 1W zugefuehrter Leistung in 1m Abstand eine
"Lautstaerke" von 90dB erhaelt.

Mit dem 35W Verstaerker kann man hier nicht viel falsch machen. Der Verstaerker ist fuer reichlich Lautstaerke,
die auf jeden Fall _nicht_ Mietwohnungskompatibel ist, kraeftig genug.
Das wurde hier schon ausgerechnet.

Roehrenverstaerker sind im Vergleich zu Transistorverstaerkern "schwach", weil es im Gegensatz zu Transistorverstaerkern
einen erheblichen Aufwand bedeutet, hoehere Leistungen als etwa 50W zu erzielen. Die Roehren werden teuer,
Netztrafo und vor allem Ausgangsuebertrager sogar sehr gross und teuer.
Als Ausgleich hilft das Phaenomaen, dass "Roehren-Watt" mehr als "Transistor-Watt" zu sein scheinen. Moeglicherweise liegt das am gutmuetigem
Klirrspektrum bei Vollaussteuerung oder leichter Uebersteuerung.
Ich bin jedenfalls schon mit einem 2x 15W Roehrenverstaerker vollkommen zufrieden, auch wenn sie auf geschlossene und gestopfte Boxen mit etwa 90dB
Wirkungsgrad arbeiten. Selbst mit einem 2x 8W Verstaerker kann man schon richtig "Musik machen".

73
Peter
faustan
Ist häufiger hier
#15 erstellt: 15. Jul 2008, 20:44
Reiner zur Linde nennt zu diesem Phänomen 2 Gründe:
Zum einen kann, wie schon erwähnt, eine Röhre aufgrund ihrer weniger scharfen Begrenzung weiter ausgesteuert werden als ein Transistor, ohne dabei sofort unangenehm zu klingen.
Des weitern stellen wohl die geringen Versorgungsspannungen der Transen bei großen Amplituden ein Hindernis dar, daß Röhren dank ihrer hohen Versorgungsspannungen nicht haben.
DB
Inventar
#16 erstellt: 16. Jul 2008, 06:54
Hallo,

faustan schrieb:
Reiner zur Linde nennt zu diesem Phänomen 2 Gründe:
Zum einen kann, wie schon erwähnt, eine Röhre aufgrund ihrer weniger scharfen Begrenzung weiter ausgesteuert werden als ein Transistor, ohne dabei sofort unangenehm zu klingen.

das kann man so pauschal nicht saen. Es gibt auch hart begrenzende Röhrengeräte.


faustan schrieb:
Des weitern stellen wohl die geringen Versorgungsspannungen der Transen bei großen Amplituden ein Hindernis dar, daß Röhren dank ihrer hohen Versorgungsspannungen nicht haben.

Sehe ich auch nicht unbedingt. Ein Transistor kann bei geringen Spannungen einen großen Strom liefern, bei einer Röhre ist es umgekehrt (was aber aufgrund des Übertragers unproblematisch ist).

MfG

DB
faustan
Ist häufiger hier
#17 erstellt: 16. Jul 2008, 07:13
Moin,

das ganze sollte natürlich keine Pauschalisierung sein. Sicherlich kann man Röhren so betreiben, daß sie ein ähnliches Klirrspektrum wie eine Transe erzeugen, jedoch ist dies im allgemeinen Fall wohl eher unerwünscht und wird - denke ich jedenfalls - auch selten so umgesetzt. Ich habe auch gelesen, daß man mit JFets aufgrund ihrer röhrenähnlichen Kennlinien den umgekehrten weg gehen kann.

Was die Versorgungsspannung angeht kann ich mir lediglich vorstellen das sich bei einer höheren Spannung eine bessere Auflösung des Signals ergibt. So ungefähr als wüde man versuchen dasselbe Wort einmal auf einer Länge von 1cm und einmal auf 10cm schreiben. Die Aussagen stammen ja, wie bereits erwähnt nicht von mir.


Schöne Grüße

Daniel
richi44
Hat sich gelöscht
#18 erstellt: 16. Jul 2008, 07:30
Der Hauptunterschied zwischen "Transistorwatt" und "Röhrenwatt" (es gibt einen uralten Thread zu diesem Thema) ist, dass ein Röhrenverstärker nicht zwingend eine starke Gegenkopplung braucht. 20dB sind da schon gross.
Bei Transistorgeräten sind Gegenkopplungen aber zwingend, weil Transistoren IMMER verzerren. Und mit einer grossen Gegenkopplung (bei Transis bis 60dB) sinkt der Klirr, aber er setzt dafür auch schlagartig ein. Bei einem Röhrengerät kann also der Klirr fast linear mit der Leistung zunehmen. Und das Ohr empfindet verzerrte Klänge als lauter, weil es selbst bei lauten Tönen zu klirren anfängt.

Man kann den Versuch machen und eine Musik über einen Röhren- und einen Transistroverstärker laufen lassen und so weit aufdrehen, dass man ein leichtes Klirren hört. Dabei sollte der Röhrenverstärker etwa 20W haben, der Transi aber etwa 100W.
Hört man sich die Musik mit einer Umschaltpause von 1 Minute an, so glaubt man, die Röhre sei lauter. Schaltet man aber unterbruchslos, hört man den Lautstärkesprung und stellt fest, dass die Röhre deutlich leiser war.

Was die Versorgungsspannung angeht kann ich mir lediglich vorstellen das sich bei einer höheren Spannung eine bessere Auflösung des Signals ergibt. So ungefähr als wüde man versuchen dasselbe Wort einmal auf einer Länge von 1cm und einmal auf 10cm schreiben. Die Aussagen stammen ja, wie bereits erwähnt nicht von mir.

Da gibt es wirklich keinen Zusammenhang. Die Betriebsspannung hat wirklich nur Auswirkung auf die Leistung. Wenn Du etwas anderes gelesen hast in dem Sinne, wie Du es hier angegeben hast, so ist dies Prospektgeschwurbel und technisch Unsinn.
faustan
Ist häufiger hier
#19 erstellt: 16. Jul 2008, 08:45
So,

nur nochma dazu was ich wo gelesen habe:

Die Vermutung zur Auflösung war nur so eine fixe Idee von mir. Offensichlich Blödsinn aber leider bin ich (noch) nicht so fit in dem Thema.

Die beiden anderen(über Amplituden und Aussteuerung) stammen wie gessagt aus Reiner zur Lindes "Röhrenverstärker für Gitarren und Hifi".


Zu der Lautstärkegeschichte: Ist es nicht möglich eine halbwegs objektive Messung dazu durchzuführen?

schöne Grüße

Daniel
selbstbauen
Inventar
#20 erstellt: 16. Jul 2008, 10:51
In einem Lautsprecher werden die Leistungsanteile üblicherweise im Verhältnis 6 zu 2 zu 1 zwischen Bass, Mitten und Hochton aufgeteilt. Das heißt, dass der Hochtöner gerademal ein Neuntel der zugeführten Leistung verarbeiten muss und daher auch nur dafür ausgelegt wird. Im angesprochenen Lautsprecher dürfte der Hochtöner also maximal für kurze Zeit etwa 20 Watt aushalten.

Der grundlegende Unterschied zwischen Röhren- und Transistorverstärkern ist ihr Verhalten im Grenzbereich. Ein Transistor produziert im Übersteuerungsbereich - im Clipping - hochfrequente Störsignale mit maximaler Leistung. Ein 35 Watt Verstärker würde damit beim Übersteuern den Hochtöner mit hochfrequenten Signalen von 35 Watt befeuern - und diesen Hochtöner zerstören.

Anders ein Röhrenverstärker: Beim Clipping wird lediglich die Welle in der Amplitude abgeschnitten. Der Verstärker verzerrt hörbar. Natürlich steigen die Klirrwerte an, die Leistungsaufteilung bleibt aber erhalten.

Daher darf man einen Lautsprecher mit jedem Röhrenverstärker befeueren, aber nur mit Transistorvertärkern, die deutlich mehr leisten können, als der Lautsprecher verarbeiten kann.

Um einen Flügel mit Originallautstärke wiederzugeben, sind bei durchschnittlichem Wirkungsgrad etwa 5 Watt nötig. In meinen Schulzeiten habe ich eine Disko in der Aula mit zwei mal 18 Watt befeuert - je zwei Mal die EL 84 - das hat gereicht.
richi44
Hat sich gelöscht
#21 erstellt: 16. Jul 2008, 16:06

selbstbauen schrieb:
In einem Lautsprecher werden die Leistungsanteile üblicherweise im Verhältnis 6 zu 2 zu 1 zwischen Bass, Mitten und Hochton aufgeteilt. Das heißt, dass der Hochtöner gerademal ein Neuntel der zugeführten Leistung verarbeiten muss und daher auch nur dafür ausgelegt wird. Im angesprochenen Lautsprecher dürfte der Hochtöner also maximal für kurze Zeit etwa 20 Watt aushalten.

Dies ist natürlich nur dann richtig, wenn die Trennfrequenzen bei 2kHz und 8kHz liegen würden. Nur dann käme man zu dieser Aufteilung, was ziemlich praxisfremd ist.
Ganz grob kann man den 10 Oktaven, welche das Musikspektrum umfasst, gleiche Leistungsanteile zuordnen (im Tiefbass und in den Lagen oderhalb 8kHz reduziert sich bei normaler Musik dieser Anteil nochmals, aber das lassen wir im Moment mal aussen vor). Bei üblicher Trennung bei 500Hz und 3kHz wäre demnach die Leistungsverteilung etwa 45% im Bass, etwa 30% in den Mitten und 25% in den Höhen.


Der grundlegende Unterschied zwischen Röhren- und Transistorverstärkern ist ihr Verhalten im Grenzbereich. Ein Transistor produziert im Übersteuerungsbereich - im Clipping - hochfrequente Störsignale mit maximaler Leistung. Ein 35 Watt Verstärker würde damit beim Übersteuern den Hochtöner mit hochfrequenten Signalen von 35 Watt befeuern - und diesen Hochtöner zerstören.

Der Transistorverstärker produziert im Maximum Rechtecksignale, mehr ist nicht möglich. Und beim Rechtecksignal von z.B. 50Hz (nehmen wir den 35W Verstärker, so ist die Rechteckleistung 70W) wären die Anteile von 150Hz etwa 30%, jene von 250Hz etwa 10%, jene von 350Hz etwa 3%, 450Hz hätten einen Anteil von 1%, jene von 550Hz 0,3% usw.
Wann also der Hochtöner verbrutzelt, hängt schon von der Ausgangsfrequenz ab. Haben wir einen mittleren Ton von 300Hz, so sind die Verteilungen bei 900Hz 30%, bei 1500Hz 10% und bei 2100Hz 3%.
Entscheidend ist dabei, dass sich diese Anteile mit den ohnehin vorhandenen Signalen addieren, die beim Ausfahren des Verstärkers also schon recht hoch sein können und die Summe aller Signale, also des normalen Signals und des Klirr aus einer Übersteuerung können für den Hochtöner kritisch werden. Es ist aber falsch, generell die Nennleistung als dem Hochtöner zugeführt zu betrachten.


Anders ein Röhrenverstärker: Beim Clipping wird lediglich die Welle in der Amplitude abgeschnitten. Der Verstärker verzerrt hörbar. Natürlich steigen die Klirrwerte an, die Leistungsaufteilung bleibt aber erhalten.

Die Leistungsverteilung ändert sich in dem Masse, als beim Röhrengerät üblicherweise kein hartes Clipping erzeugt wird (zu geringe Verstärkung, zu geringe Gegenkopplung), sodass es nicht zu einem Rechtecksignal kommen kann, sondern nur zu einem abgeflachten Sinus, der kaum über K3 hinaus kommt. Liegt aber die dreifache Nutzfrequenz, also K3 im Bereich des Hochtöners, verändert sich zwangsläufig die Leistungsaufteilung.

Daher darf man einen Lautsprecher mit jedem Röhrenverstärker befeueren, aber nur mit Transistorvertärkern, die deutlich mehr leisten können, als der Lautsprecher verarbeiten kann.

Um einen Flügel mit Originallautstärke wiederzugeben, sind bei durchschnittlichem Wirkungsgrad etwa 5 Watt nötig. In meinen Schulzeiten habe ich eine Disko in der Aula mit zwei mal 18 Watt befeuert - je zwei Mal die EL 84 - das hat gereicht.

Das hängt a) vom Kennschalldruck (Wirkungsgrad) der Lautsprecher ab. So gab es damals Lautsprecher mit 14% Wirkungsgrad in einem Bassreflexgehäuse, was heute nicht mehr geliefert wird und b) sind die heutigen Lautstärkeansprüche um das X-fache gestiegen.
selbstbauen
Inventar
#22 erstellt: 16. Jul 2008, 22:30
Eine eher zufällige Erkenntnis: Die Leistungsmitte bei nahezu allen Musikprogrammen liegt bei etwa 250 Hz.

In einer früheren Ausbaustufe meiner Stereoanlage hatte ich eine aktive Trennung bei 250 Hz in Bass und Rest vorgenommen. Die Leistungsanzeigen im Tief- und Mittel/Hochtonbereich waren exakt gleich.
richi44
Hat sich gelöscht
#23 erstellt: 17. Jul 2008, 07:02
Nach allgemeiner Feststellung entspricht der Durchschnitt von Musik recht genau rosa Rauschen. Einschränkungen gibt es wie erwähnt im Bereich von unter 80Hz (Leistungsanteil nimmt bis 20Hz auf -9dB ab) und bei 5kHz (Leistung nimmt bis 20kHz ebenfalls um 9dB ab).

Dies gilt, sofern nicht extreme elektronische Musik mit synthetischen Instrumenten eingesetzt wird (übertriebene Höhen) und solange keinerlei frequenzgangbeeinflussende Massnahmen (Klangregler) verwendet werden. Das Belastbarkeits-Messsignal basiert auf dieser Leistungsverteilung und ist bereits mit der Hifi-Norm 45500 eingeführt worden. Eine Korrektur ist inzwischen nicht erfolgt, sodass dieses Signal nach wie vor seine Berechtigung hat.

Woher Du Deine Leistungsverteilung nimmst, müsstest Du schon näher erläutern. Selbst mit einem Terzband-Analyzer sind solche Verteilungen im Studio nicht bekannt. Wenn Du natürlich mit irgendwelchen "Entzerrungen" arbeitest ist das Resultat ein willkürliches Signal, das nichts mit dem allgemeinen Einsatz zu tun hat.
wodim
Gesperrt
#24 erstellt: 24. Jul 2008, 21:58

faustan schrieb:
Reiner zur Linde nennt zu diesem Phänomen 2 Gründe:
Zum einen kann, wie schon erwähnt, eine Röhre aufgrund ihrer weniger scharfen Begrenzung weiter ausgesteuert werden als ein Transistor, ohne dabei sofort unangenehm zu klingen.
Kann nicht nur - macht es seit Jahrzehnten. Was man bei HiFi scheut wie der Teufel das Weihwasser, wird bei Gitarrenamps manchmal bis zum Exzess getrieben. Aber ich glaube, ich wiederhole mich.


faustan schrieb:
Des weitern stellen wohl die geringen Versorgungsspannungen der Transen bei großen Amplituden ein Hindernis dar, daß Röhren dank ihrer hohen Versorgungsspannungen nicht haben.
Quatsch. Die hohe Anodenspannung bei Röhren - [Beispiel: 545V (in Worten: Fünfhundervierzig Volt) beim ENGL Savage 120] nützt dir gar nichts - da muss halt noch ein Ausgangstrafo dazwischen. Oder kennst du einen Speaker, der mit solchen Spannungen arbeitet?

Dieser (Gitarren-) Amp hat übrigens einen Output von max. 120VA - an einer Gitarrenbox mit - na ich denke mal - max. 16 Ohm. Originalton eines mit bekannten "Users": "Das Monster reicht mit Sicherheit, eine Garage in Leichtbauweise zu sprengen. Ich bin derjenige in meiner Band, der es gern etwas leiser hätte."
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