ECL86 Verstärker Verdrahtungsplan - Korrekturen erwünscht

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Curlew
Stammgast
#1 erstellt: 08. Mai 2013, 04:25
Hallo zusammen,

ich habe mal mit Tubepad ein bisschen virtuell "gebreadboardet" und mich an einem Verdrahtungsplan für einen Röhrenverstärker versucht. Und zwar habe ich mir den unten zu sehenden ECL86-Verstärker aus dem Valvo-Brief Nummer 10 ausgesucht (fragt nicht, warum):

valvo brief ecl86 verstärker schaltplan
http://www.rainers-elektronikpage.de/10_11_1960.pdf

Hier der Verdrahtungsplan:
valvobriefecl86verstrke
Direktlink

Vielleicht könnte einer von Euch mal drübergucken, ob dieser Aufbau etwas taugt oder ob mir grobe Fehler unterlaufen sind. Und im letzteren Falle Änderungsvorschläge zur Verbesserung machen.

Die Leitungen zum zentralen Massepunkt sind aus Übersichtsgründen nicht eingezeichnet, sondern nur die drei Massepunkte grün markiert. Bei der Vorstufensiebung wusste ich nicht, ob ich die an den Massepunkt der Endstufe anschließen sollte (der Massepunkt der Vorstufe wäre zu weit weg). Deshalb vorerst ein eigener Massepunkt dafür. Zusätzliche Schwingschutzwiderstände an g1T und g2 würden sicher nicht schaden. Die Lötleisten orientieren sich an einer tatächlich käuflichen Variante mit 6 Kontakten + Befestigung.

Aber erstmal würde mich Eure Meinung interessieren.

Gruß
Vincent
Ingor
Inventar
#2 erstellt: 08. Mai 2013, 09:56
Ich empfehle dir anstatt der ECL 86 die PCL86 zu verwenden. Die Röhre ist baugleich bis auf die Heizspannung. Aber viel billiger zu bekommen. Die Heizspannung beträgt 13 V. Die Röhre kostet rund 5 Euro. Datenblatt und Bezug z.B. hier http://www.ak-modul-bus.de/stat/mehrfachroehre_pcl86.html
Curlew
Stammgast
#3 erstellt: 08. Mai 2013, 15:38
Ich habe noch einige ECL86 rumliegen. Auch eine PCL86. Das wäre also kein Problem. Bei der ECL86 spart man sich allerdings einen separaten Heiztrafo.

Gruß
Vincent
DB
Inventar
#4 erstellt: 08. Mai 2013, 16:23
Ein Schirmblech, was auch an der Fassung Triode und Pentode voneinander trennt, wäre zweckmäßig. Weiterhin ist es sinnvoll, die hier beschriebene Maßnahme zur Schirmung umzusetzen.


MfG
DB
Curlew
Stammgast
#5 erstellt: 08. Mai 2013, 18:10
Du meinst ein Schirmblech zwischen den Pins 2/3 und 8/9, oder? Wie würde man sowas am Besten montieren? Die Pins stehen relativ eng und liefen Gefahr, das Schirmblech zu berühren. Wie würde man das Blech davor schützen bzw. isolieren?

Gruß
Vincent
pragmatiker
Administrator
#6 erstellt: 09. Mai 2013, 11:26
Servus Vincent,

Du hast aber schon Lautsprecher mit hohem Wirkungsgrad, oder? Laut der ausführlichen Valvo-Applikationsschrift "Valvo-Brief Nr. 10 vom November 1960" durchbricht der Klirrfaktor dieser Schaltung mit Gegenkopplung nämlich bereits bei 0,45[W] Ausgangsleistung die 1%-Marke nach oben - und liegt bei 1[W] Ausgangsleistung bereits bei ca. 2%.

Zur Schirmung: Die '86er Röhren sind durchaus steile, schwingfreudige Biester - da ist das von "DB" weiter oben erwähnte Schirmblech unbedingt empfehlenswert. Zusätzlich gehört zur Brummminimierung (d.h. für eine Brummunterdrückung gleich oder besser 60[dB]) laut Philips-Datenblatt der ECL86 dazu, daß Pin 4 der Röhre (das ist einer der beiden Heizungsanschlüsse) mit der Schaltungsmasse / Erde verbunden wird. Und aus diesen beiden Punkten kann man nun das (Kupfer- oder Messing-)Schirmblech konstruieren: Ein Teil des Bleches (der am Rand deutlich über den Rand der Röhrenfassung überstehen sollte) verbindet Pin 4 der Fassung und den metallischen Mittelzylinder der Fassung (d.h. es wird mit diesen beiden Punkten verlötet). An diesem Mittelzylinder macht das Blech dann (von unten auf die Fassung gesehen) einen Knick um ca. 30[°] nach rechts im Uhrzeigersinn und ragt dann durch den größeren Zwischenraum zwischen Pin 1 und Pin 9 der Fassung durch, wobei es auch hier deutlich über den Rand der Röhrenfassung überstehen sollte). An Punkt 4 der Fassung findet dann mit einem kurzen und dicken Vollmaterialdraht die Verbindung mit der Schaltungsmasse statt. Die Höhe des Schirmbleches sollte nicht weniger als ca. 15[mm] sein. Mit dieser Maßnahme wird das Trioden- vom Pentodensystem der ECL86 (zumindest leidlich) abgeschirmt.

Der innere Schirm zwischen Pentoden- und Triodensystem der ECL86 liegt an der Kathode des Pentodensystems und damit über den Kathodenelko C8 wechselspannungsmäßig an Masse. Falls trotz Schirmblech noch Schwingneigung bestehen sollte, kann ein keramischer Kondensator von ca. 10[nF], der mit sehr kurzen Anschlußdrähten zwischen Kathode des Pentodensystems (Pin 7) und das Schirmblech eingelötet wird, Abhilfe schaffen. Und, nein, das ist keine audiophile Voodoo-Maßnahme - hier geht's nur darum, die schlechten bis nicht vorhandenen HF-Eigenschaften des Elkos C8 so zu verbessern, daß der interne Schirm der ECL86 auch für Hochfrequenz an Masse liegt.

Aus demselben Grund kann man auch direkt vom Schirmgitteranschluß g2 (Pin 3) mit sehr kurzen Drähten einen keramischen Kondensator von 10[nF] / 500[V] einlöten - dann liegt auch das Schirmgitter der Pentode (welches sich ja im "Schirmbereich" der Triode befindet) hochfrequenzmäßig auf Masse. Wenn man dann noch direkt an der Röhrenfassung in Serie zum Steuergitter der Triode (Pin 1) mit sehr kurzen Drähten einen 1[kOhm] Widerstand einlötet, dann ist an dieser Mimik absolut nichts mehr dran, was noch schwingen könnte.

Der von Dir erwähnte Schwingschutzwiderstand am Schirmgitter der Pentode (g2, Pin 3) ist in diesem Fall übrigens keine gute Idee, weil dann der im Takt der Musik schwankende Schirmgitterstrom je nach Widerstandswert eine durchaus erhebliche Spannungsänderung im Takt der Musik am Schirmgitteranschluß in der Gegend von mehreren Volt hervorrufen kann (µ Triode = 100, µ(g2g1) Pentode = 21, µ(total) = 2.100 = ca. 66[dB] - die realistische Leerlaufverstärkung dürfte damit bei ca. 60...62[dB] liegen). Und da der Schirmgitteranschluß der Endpentode sich im Schirmbereich der Vorstufentriode befindet und der Steuergitteranschluß der Vorstufentriode nur zwei Pins entfernt ist, kann (je nach Verdrahtung) eine Neigung zur Selbsterregung nicht völlig ausgeschlossen werden. Mit einem solchen Schwingschutzwiderstand müßte man jedenfalls das Schirmgitter wechselspannungsmäßig je nach Widerstandswert mit einem Hochvoltelko in der Gegend 10....47[µF] / 400[V] "kaltstellen" - was den Aufwand und Platzbedarf in der Verdrahtung erhöhen würde. Da erscheint mir in dieser Anwendung die Methode mit dem 10[nF] Kondensator an einem Schirmgitter ohne Schwingschutzwiderstand die bessere zu sein.

Zur Verdeutlichung, wie der gesamte obige Text gemeint ist:



Rechnen wir rein aus Interesse aus den Daten der Applikationsschrift (Valvo-Brief Nr. 10 vom November 1960) die "echte" Maximalverstärkung (also die "closed loop gain") dieses Verstärkerchens (bezogen auf die Anode der Endpentode) mal aus:

  • Angabe Vollaussteuerungsleistung (nach Valvo-Brief Nr. 10 vom November 1960): 3,9[W].
  • Angabe Eingangspegel für Vollaussteuerung (nach Valvo-Brief Nr. 10 vom November 1960): 110[mVeff].
  • Angabe Ausgangsübertrager (nach Valvo-Brief Nr. 10 vom November 1960): Z(prim) = 7[kOhm], Z(sek) = 4[Ohm] (den im Text erwähnten Ausgangsübertrager "Engel A4" gibt es übrigens heute nach wie vor noch bei der Firma HSGM zu kaufen: http://www.hsgm.com/hsgm/drossel.htm )
  • Berechnung Spannung an 4[Ohm] bei Vollaussteuerung: U(speaker) = (sqrt (3,9[W] / 4[Ohm])) * 4[Ohm] = 3,95[Veff].
  • Berechnung Spannungsuntersetzungsverhältnis Ausgangsübertrager: ü = sqrt (7[kOhm] / 4[Ohm]) = 41,833.
  • Berechnung Vollaussteuerungsspannung Anode Pentode ECL86: U(anode) = U(speaker) * ü = 3,95[Veff) * 41,833 = 165,24[Veff].
  • Berechnung Spannungsverstärkung Gitter(Triode) --> Anode(Pentode): v = 165,24[Veff] / 110[mVeff] = 1.502,2-fach.
  • Berechnung Spannungsverstärkung Gitter(Triode) --> Anode(Pentode) in [dB]: A(v) = 20 * (log (v)) = 63,5[dB].

In der Applikationsschrift steht explizit: "für 50mW werden mit Gegenkopplung 14mV benötigt". Daraus errechnet sich für 50[mW] Ausgangsleistung nach obigen Formeln eine Spannungsverstärkung ("closed loop gain") bezogen auf die Anode der Endpentode von 62,5[dB].

Die aus den Angaben der Applikationsschrift errechnete Spannungsverstärkung zwischen Gitter der Triode und Anode der Endpentode liegt also irgendwo in der Gegend um 63[dB] - das ist für eine Röhre, bei der dies alles auf engstem Raum in einem Glaskolben stattfindet, bereits eine Menge Holz - hier sind umfangreiche Schwingschutzmaßnahmen sicher nicht verkehrt.

Es sei nur noch darauf hingewiesen, daß sich das Potentiometer für die Einstellung der Höhen innerhalb der Gegenkopplungsschleife befindet - da wird sich Valvo sicher was dabei gedacht haben, allerdings macht das die Durchschaubarkeit der Schaltung (auch hinsichtlich von Nebeneffekten, z.B. Phasendrehung) nicht gerade einfacher. Hier ist es vielleicht keine schlechte Idee, exakt den oben verlinkten Ausgangsübertrager zu verwenden (um Schwingneigung bei bestimmten Stellungen des Höhenreglers zu vermeiden), weil dessen Phasenverhalten möglicherweise beim Schaltungsentwurf berücksichtigt wurde.

Zu guter Letzt sei noch erwähnt, daß auch der im "Valvo-Brief Nr. 10 vom November 1960" erwähnte Netztrafo dieses Projektes vom Typ "Engel N80/2" auch heute noch von der Firma HSGM lieferbar ist: http://www.hsgm.com/hsgm/ntr.htm . Dieser Trafo hat zwei Heizwicklungen: einmal 6,3[V] / 2,7[A] (damit lassen sich die 2 * 700[mA], total also 1,4[A] für zwei ECL86 im Stereobetrieb bequem bedienen - Heizleistung auf dieser Wicklung: 8,82[W]) und einmal 6,3[V] / 1[A] (damit kann man eine EZ81 mit ihrem 1[A] Heizstrom heizen - Heizleistung auf dieser Wicklung: 6,3[W]). Ich würde hier wegen der Stereoausführung eine EZ81 anstelle der von Valvo vorgesehenen EZ80 verwenden, um die Gleichrichterröhre nicht (lebensdauerschädigend) bis an ihre Grenzdaten ausfahren zu müssen (Grenzdaten EZ81: 2 * 350[Veff], 2 * 150[mA]). Die Anodenwicklung dieses Trafos kann total 80[mA] und entweder 2 * 250[V] oder 2 * 340[V]. Hier würde ich (wegen der Stereoausführung) vom Valvo-Schaltungsvorschlag abweichen: Ein Kanal dieses Verstärkerchens zieht ca. 38[mA] Anodenstrom - macht bei Stereo ca. 76[mA]. Das liegt bereits sehr nahe an den 80[mA] Maximalstrom des Trafos. Also würde ich persönlich die EZ81 an die 2 * 340[V] hängen, aber hinter der EZ81 keinen Ladekondensator ranhängen, sondern sofort in eine Drossel reinfahren, z.B. vom Typ "Engel ND150" von HSGM: http://www.hsgm.com/hsgm/drossel.htm . Diese Drossel hat eine Induktivität von 10[H] bei einer maximalen Strombelastbarkeit von 150[mA] sowie einem Gleichstromwiderstand von 140[Ohm] (mit dieser leichten Überdimensionierung ist man beim Laststrom dieses Projektes weiter weg von der magnetischen Sättigung und hat deswegen mehr reale Induktivität zur Verfügung). Nach der Drossel würde ich einen ersten Siebkondensator (Elko) von 100[µF] / 450[V] vorsehen. Hinter der Drossel bringen wir dann noch einen Siebwiderstand von 800[Ohm] an (Vorschlag zum Widerstand: 470[Ohm] + 330[Ohm] zur Verlustwärmeverteilung und -minimierung in Serie, jeder Widerstand ist ein 11[W] / 10% Drahtwiderstand vom Typ Vitrohm KH216-8 http://vitrohm.com/download/series/18/ , den es hier auch für Privatkunden gibt: https://www.buerklin...estion=&l=d&ch=32806 ). Diese beiden Widerstände sind bewußt leistungsmäßig um ca. den Faktor 4,05 (470[Ohm]) bzw. 5,77 (330[Ohm]) überdimensioniert, weil sie im Sinne der Betriebssicherheit auch nur so wenig warm wie möglich werden sollen (enstehende Gesamtverlustleistung bei 76[mA]: 4,62[W]; Gesamtbelastbarkeit der Widerstände: 22[W]). Diesen Widerstand schließen wir mit einem weiteren Elko von 220[µF] / 400[V] ab und komplettieren damit das Siebnetzwerk. Rechnerisch stellt sich dieses Netzteil dann wie folgt dar:

  • Überschlagsrechnung Spannungskette: (Trafospannung: 340[V]) - (EZ81: 12[V] @ 76[mA] Strom) - (Drossel: 76[mA] * 140[Ohm] = 10,64[V]) - (Siebwiderstand: (800[Ohm] * 76[mA]) = 60,8[V]) = 256,56[V] Betriebsspannung. Dieser Wert liegt nahezu ideal bei dem Wert von 256[V] Betriebsspannung, welcher im "Valvo-Brief Nr. 10 vom November 1960" aufgeführt ist.
  • Berechnung Siebfaktor LC-Glied (@ 100[Hz]): K(LC) = ~ 0,4 * L * C (L in [H], C in [µF]) = ~ 0,4 * 10[H] * 100[µF] = ca. 400.
  • Berechnung Siebfaktor RC-Glied (@ 100[Hz]): K(RC) = ~ 0,63 * R * C (R in [kOhm], C in [µF]) =~ 0,63 * 0,8[kOhm] * 220[µF] = ca. 110,88.
  • Berechnung Gesamtsiebfaktor (@ 100[Hz]): K(ges) = ~ K(LC) * K(RC) = ca. 44.352.
  • Brummspannung vor der Siebdrossel unter Berücksichtigung der Innenwiderstände von Trafo und Gleichrichterröhre @ 76[mA] Laststrom (siehe Simulation weiter unten): ca. 400[Vss].
  • Brummspannung am letzten Siebkondensator (220[µF]) der Siebkette bei 76[mA] Laststrom: ~ 400[Vss] / ~ 44.352 = ca. 9[mVss] = ca. 3.2[mVeff].
  • Berechnung Brummspannungsabstand allein für den Netzteilbrumm und bezogen auf die Endstufe (die ja als Eintaktendstufe keinerlei eigene Brummunterdrückung aufweist) bei Vollaussteuerung: Vollaussteuerungspegel in [Veff] (siehe weiter oben) / Brummspannung Anodenspannung in [Veff] = 165,24[Veff] / ~ 3.2[mVeff] = ca. 51.637,5 = ca. 94,3[dB]. Das ist bereits ein sehr ordentlicher Wert (der Dynamikbereich einer CD beträgt 96,3[dB]).
  • Gesamte Sekundärleistung des Netztrafos: (Heizung 1 (8,82[W]) + Heizung 2 (6,3[W]) + Anode (340[V] * 76[mA] = 25,84[W])) = 41[W]. Netztrafos mit einem Kern M85a aus Dynamoblech (wie der Engel N80/2) haben einen Wirkungsgrad in der Gegend von 84%. Also brauchen wir für 41[W] Sekundärleistung eine Primärleistung von 48,8[W]. Rechnen wir nun mit einem cos(phi) von 0,9 (was realistisch und zulässig sein dürfte, weil wir durch den Drosseleingang und den fehlenden Ladekondensator recht nahe am ohmschen Verbraucher sind), dann beträgt die Primärscheinleistung 54,2[VA]. Schlagen wir darauf noch 21% drauf (Faktor 1,21 = 1,1 für 10% Netzspannungserhöhung * 1,1 für dann folgende 10% Netzstromerhöhung), dann kommen wir auf eine worst-case Primär-Scheinleistung des Netztrafos von 65,6[VA]. Der Kern M85a mit Dynamoblech kann eine maximale Primärleistung von 70[VA] - hier liegen wir also noch ca. 6,3% unter dem zulässigen Maximalwert.

Ich hab' das von mir angedachte Netzteil mal mit LTSpice nach folgender Schaltung simuliert:



Diese Simulation lieferte folgende Ergebnisse:

  • Ausgangsgleichspannung an C2: 256,8[V] (das ist fast identisch mit obigem Rechenergebnis).
  • Brummspannung an C2: 4.5[mVss] = ca. 1.6[mVeff] (die Effektivwertumrechnung ist hier zulässig, da die Brummspannung praktisch sinusförmig ist). Dieser Wert liegt ca. den Faktor 2 unter dem weiter oben berechneten Wert der Siebfaktoren. Hiermit würde man für die Endstufe bei Vollaussteuerung unter den oben angegebenen Rechenbedingungen einen Brummspannungsabstand von ca. 100,3[dB] erhalten - ein für einen Eintaktverstärker sehr guter Wert.
  • Innenwiderstand des Netzteils (aus Sicht der Last, also des Verstärkers) bei Gleichstrom (R(DC)): ca. 867[Ohm] (o.k.: zu Fuß und für statische Bedingungen gerechnet täte ein anderer - höherer - Wert herauskommen. Aaaber: Der LTSpice rechnet stur Differentialgleichungen durch - und wo der Kerl das (praxisnah) angenäherte Unendlichkeitskriterium ("Infinitesimalrechnung") ansetzt, davon habe ich keinen blassen Dunst).
  • Innenwiderstand des Netzteils (aus Sicht der Last, also des Verstärkers) bei 31,5[Hz]: ca. 22,9[Ohm].
  • Innenwiderstand des Netzteils (aus Sicht der Last, also des Verstärkers) bei 63[Hz]: ca. 11,4[Ohm].
  • Innenwiderstand des Netzteils (aus Sicht der Last, also des Verstärkers) bei 125[Hz]: ca. 5,7[Ohm].
  • Innenwiderstand des Netzteils (aus Sicht der Last, also des Verstärkers) bei 250[Hz]: ca. 2,8[Ohm].
  • Innenwiderstand des Netzteils (aus Sicht der Last, also des Verstärkers) bei 500[Hz]: ca. 2,8[Ohm].
  • Innenwiderstand des Netzteils (aus Sicht der Last, also des Verstärkers) bei 500[Hz]: ca. 1,4[Ohm].
  • usw.......der Innenwiderstand wird (natürlich) mit steigender Frequenz immer niederohmiger.

Die Netzteilimpedanz (der Innenwiderstand) liegt bei meinem Ansatz ab 16[Hz] an aufwärts ungefähr um mindestens den Faktor 5 niedriger wie beim Valvo-Entwurf - das kann sich im tieffrequenteren Impulsbereich trotz Klasse-A-Betrieb möglicherweise positiv auf das Klangergebnis auswirken.

Daß die Simulation und die "zu-Fuß"-Berechnung der Brummspannung ungefähr um den Faktor 2 (also um 50% oder 100% - je nachdem, von welcher Seite man kommt) auseinanderliegen, ist überhaupt nicht verwunderlich: Es gibt in der Elektronik fast nichts Schwierigeres, als Induktivitäten (wie es Transformatoren und Drosseln nunmal sind) rechnerisch einfach, allgemeingültig und mit geringen Toleranzen reproduzierbar zu erfassen. Das ist also kein Ergebnis, was zu Stirnrunzeln Anlaß geben muß - wobei ich in diesem Fall geneigt wäre, die Waage eher zu Gunsten der Simulationsergebnisse ausschlagen zu lassen.

Zur Verdeutlichung, wie ich mir das Netzteil eines solchen Verstärkers vorstellen könnte:


In hochauflösender: http://666kb.com/i/cdxhbxqj64l5rvtk6.jpg

Im Unterschied zum Valvo-Vorschlag würde ich die Heizung der EZ81 Gleichrichterröhre nicht auf Masse legen (auch wenn dadurch die U(fk) Spezifikation der Röhre von 500[V] nicht im entferntesten verletzt wird). Ich würde die Heizung potentialmäßig nirgends anbinden und "schwimmen" lassen (sie hat ja eine getrennte Heizwicklung) und nur bei Bedarf durch "Rx" und "Ry" potentialmäßig grob deutlich oberhalb des Massepotentials anbinden. Diese Maßnahme vermeidet erfahrungsgemäß Anwenderberichte der Art: "der Verstärker knistert", "es knattert in den Lautsprechern", "es ist ein Rascheln zu hören" usw.

Der guten Ordnung halber möchte ich noch vermerken, daß ich keinerlei persönlichen oder wirtschaftlichen Vorteil von der Empfehlung der oben verlinkten Firmen habe und auch mit niemandem aus diesen Firmen in irgendeiner Weise verwandt oder verschwägert bin. Das sind einfach nur die Firmen, die in Deutschland das hier diskutierte Zeugs problemlos liefern - Punkt. Gerne hätte ich bei den Engel / HGSM Trafos / Übertragern / Drosseln auch die aktuellen Bürklin-Bestellnummern mit genannt, aber scheinbar haben die Herrschaften diese Dinge ja (wahrscheinlich wegen zu geringer Nachfrage) nicht mehr im Programm, obwohl HGSM sie nach wie vor als Bürklin-Artikel listet (im 2009er-Bürklin-Katalog fand man teilweise noch was, z.B. die Netzdrossel ND150 unter der Bestellnummer 72C130 für EUR 16,70 + Mwst.).

Das wäre dann vielleicht das Gerüst für einen sehr kleinen und recht brummarmen Stereoverstärker, der mit insgesamt nur drei Röhren und ohne jeden Halbleiter über getrennte Höhen- und Tiefeneinstellung verfügt und den man natürlich problemlos um einen Quellenwahlschalter erweitern kann - ein nettes kleines Projekt (sowas muß man als China-Gerät erstmal finden).

Falls aus obigen Zeilen a bisserl rausgeblitzt haben sollte, daß mir dieses Thema Spaß machen könnte: Ja, das könnte es!

Hoffen wir, daß Du Deinen Verstärker - vielleicht auch mit Hilfe von meinen Kommentaren und Anmerkungen - "auf den ersten Schuß" zum Laufen bringst. Viel Spaß beim Basteln!

Grüße

Herbert


[Beitrag von pragmatiker am 09. Mai 2013, 19:47 bearbeitet]
hf500
Moderator
#7 erstellt: 09. Mai 2013, 21:25
Moin,
lobenswerte Fleissarbeit, aber es ist gut, dass das mein erster selbstgebauter Verstaerker nicht lesen konnte ;-)
Er bestand aus einer PCL86 und einer PC92. Er musste fuer ein MM-TA-System Mikrophonempfindlichkeit haben.
Die Schaltung der PCL86 stammte genauso wie der Uebertrager aus einem Nordmende-Fernseher. Aufgebaut habe ich das an einem Nachmittag auf einem Brett, Schirmung gab es nur von der Eingangsbuchse zum LS-Poti und von da zur EC92. Anodenspannung lieferte ein Rundfunknetztrafo, die Heizung ein Trafo fuer etwa 13V/600mA mit Gleichrichter und Ladeelko, damit ich auf die etwa 17V fuer die Heizung kam. Die Schaltung selbst habe ich mehr oder weniger freitragend direkt an die Fassungen der liegend montierten Roehren geloetet. Sah interessant aus, was man so als 16-jaehriger baut ;-)
Das Ding habe ich etwa 2 Jahre lang benutzt, es war trotz des Aufbaues brumm- und rauschfrei. Die einzige Schaltungsbesonderheit war eine (bassanhebende) Gegenkopplung (original im Fernseher vorhanden) von einer auf dem Uebertrager untergebrachten GK-Wicklung ueber eine RC-Reihenschaltung auf die Anode der eCl86. Das musste zusammen mit einem 180l Lautsprecher die TA-Entzerrung spielen ;-)

Es ging also auch chaotisch, wieviel Glueck ich damit hatte, kann sich jetzt nicht mehr feststellen lassen.

Zum Innenwiderstand des Netzteiles:
Den wuerde ich nicht so hoch haengen. Der ist schon mit einem 50µF Ausgangskondensator klein genug, weil wesentlich kleiner als der Widerstand, den der Verstaerker darstellt. Zudem hat ein Klasse A-Verstaerker eine konstante mittlere Stromaufnahme.
Persoenlich wuerde ich ueberhaupt keine Gleichrichterroehre verwenden. Sie erfordert nur einen teureren Trafo und hat eine erhebliche Verlustleistung (Heizung eingeschlossen). Eine Siliziumbruecke erfordert nur eine einfache Anodenwicklung und hat bei dem winzigen Strom praktisch keine Verluste. Dem Verstaerker an sich ist der Gleichrichter ohnehin egal, er "sieht" eh nur den Ausgangkondensator des Netzteiles.

73
Peter
Curlew
Stammgast
#8 erstellt: 09. Mai 2013, 22:00
Hallo zusammen,

@Herbert:
Da hast du dir wirklich viel Mühe gemacht und auch alles gut erklärt. Vielen Dank dafür. Jetzt fühle ich mich geradezu verpflichtet, diesen Aufbau wirklich aufzubauen und auszuprobieren. Man merkt wirklich, dass dir das Spaß macht.
Da du die Originaltrafos der Firma Engel erwähnst: Eigentlich wollte ich dafür bereits vorhandenes Material verwenden. U.a. den ATRA0211 von Jan Wüsten als Ausgangsübertrager (laut Homepage nach alter Telefunken-Vorschrift gewickelt). Ich hätte auch noch andere alte AÜs da, die aber vom Kern her deutlich kleiner sind. Wenn du mir wegen der Klangregelung davon abrätst, müsste ich mir etwas Anderes überlegen. Oder den Verstärker ohne die Klangregelung aufbauen.
Beim Netzteil hätte ich an eine Siliziumgleichrichtung gedacht, da mir das vom Trafo her entgegenkommt. Ich denke, es ist auch kein Nachteil, die Gleichrichterröhre einzusparen. Ich sehe gerade, Peter sieht das genauso.
Auch dachte ich erstmal an einen Monoaufbau, um den Aufwand klein zu halten. Wäre dann halt ein Verstärker im Stil von damals. Darauf bezog sich auch mein Verdrahtungsplan im ersten Beitrag, der praktisch die Untersicht ins Chassis darstellt. Links im Bild wäre dann Platz für die Netzteilbauteile. Ich nehme an, der Entwurf ist so in Ordnung, sonst hättest du protestiert.

@Peter:
Das kommt mir doch bekannt vor. Wir haben uns schonmal in der Röhrenbude über dein "Machwerk" unterhalten, kann das sein? Und ich war damals schon ungläubig, dass das funktioniert hat.

Wenn sonst keine Kritikpunkte mehr auftauchen, werde ich demnächst mal die Bauteile zusammensuchen.

Gruß
Vincent

PS: Allgemeine Frage noch: Wieviel Abstand sollte man hier zwischen der Röhre und dem Ausgangsübertrager ungefähr lassen?
Ingor
Inventar
#9 erstellt: 11. Mai 2013, 10:06
Hallo Herbert,
ich finde deine Überlegungen sehr spannend und absolut lesenswert. Mich beeindruckt die Fülle an technischer Sachkenntnis. Hast du nicht Lust ein Buch zu schreiben? Es würde sicher eine kleine Bibel für den Röhrenverstärkerbau.

Hallo Peter,

dein Hinweis auf die dann doch praktische Einfachheit eines Röhrenverstärkeraufbaus macht Vincent sicher Mut, aber häufig ist es einfach Glück und geringer Anspruch, der uns unsere Selbstbaumeisterwerke gelingen lässt. Mir gelang es mal aus einem alten Röhrenradio-Tuner einen vollwertigen UKW-Sender zu bauen, der eine erstaunliche Qualität aufwies, aber auch nur 50 m weit sendete. Wie sich die FM-Modulation ergab, ist mir heute rätselhafter als damals.
Ich halte die Hinweise von Herbert für sehr wertvoll und würde insbesondere auf die Abschirmbleche an der Fassung und den kleinen Kondensator parallel zu C8 Wert legen.
Ich würde einen solchen Verstärker nur aus alten Teilen aufbauen. Ich finde die geringe Ausgangsleistung bei einem extrem hohen Klirrfaktor einfach uncharmant. Dafür neue Teile kaufen, das könnte ich nicht mit meiner Bastlerehre vereinbaren.

Grüße
Ingo
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