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Schubert: Die Klaviersonaten

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Beitrag
der_graue
Stammgast
#1 erstellt: 14. Nov 2003, 02:40
Franz Schubert hat, obwohl er selbst kein überragender Pianist war, eine beachtliche Sammlung von Klaviersonaten hinterlassen. Diese Sammlung verfolgt kein Konzept wie die Sonaten von z.B. Beethoven.
Wer von Euch kennt die Sonaten Schuberts und welcher Pianist hat für Euch die besten Interpretationen hingelegt?
Ich habe die Gesamteinspielung von Andras Schiff und einige Einzelaufnahmen von Brendel.
Albus
Inventar
#2 erstellt: 14. Nov 2003, 14:10
Tag grauer,

also Schubert, also einzelne Werke. - Die drei späten/letzten DV 958, 959, 960 sind beinahe immer zum Stillschweigen hinterher: Schallplatten - Swajatolav Richter, besonders 958 (Melodia/Eurodisc), Claudio Arrau, besonders 960 (Philips); Brendel bringe ich hier der Reihe zum Opfer (Philips). DV 664, eine mittlere Sonate, Solomon Kutner, von 1950 (EMI), und, Friedrich Gulda (Amadeo) - eine der seltenen Gulda Platten mit einer Schubert'schen Klaviersonate, ohne jede Verzärtelung, Schubert als Mann sozusagen.

MfG
Albus


[Beitrag von Albus am 14. Nov 2003, 14:43 bearbeitet]
drbobo
Inventar
#3 erstellt: 15. Nov 2003, 20:24
Hallo,
Meine Favoriten (ohne Begründung)

und


[Beitrag von drbobo am 15. Nov 2003, 20:24 bearbeitet]
Markus
Inventar
#4 erstellt: 15. Nov 2003, 20:42
Mein großer Favorit in Sachen Schubert ist Alfred Brendel (göttlich auch seine Impromptus und Moments Musicaux). Eine sehr schöne Aufnahme der jüngsten Vergangenheit sind allerdings auch die späten Sonaten, gespielt von Murray Perahia.

Gruß,

Markus.
Antracis
Stammgast
#5 erstellt: 16. Nov 2003, 19:53
Mein bevorzugter Schubert-Interpret ist Sviatoslav Richter. Genaue Vorzüge seines Schubertspiels anzugeben, fällt mir schwer - es ist wohl die ganzheitliche Interpretation eines zutiefst musikalischen Menschen. Richter hat sicher auch seine (Aufnahme)Leichen im Keller, aber immer, wenn ich eine seiner "großen" Aufnahmen höre, habe ich einfach das Gefühl, mit einem äußerst stimmigen Gesamtkonzept konfrontiert zu sein. So auch und vor allem bei Schubert.
Eine meiner Favouriten ist die Aufnahme der großen B-Dur-Sonate D 960 von 1972. Es gibt noch einige weitere schöne CDs. Prinzipiell kann man meiner Meinung nach bei allem, wo Richter und Schubert draufsteht, guten Gewissens zugreifen.

Darüberhinaus besitze ich den Schuber "Späte Klavierwerke" von Brendel. Damit habe ich mich allerdings nie ganz anfreunden können. Mir ist bewußt, dass der Mann als einer der aktuell bedeutensten Schubertinterpreten gehandelt wird. Überzeugt hat mich sein Spiel aber nie wirklich. Es ist sicher solide, in einigen langsamen Sätzen auch von bezwingender Intimität, aber meinen Ohren nach wird es nicht dem Ruf gerecht, der Ihm vorausgeht. Da kenne ich größeres. Vielleicht liegt es aber auch daran, das ich ein bischen "brendelgeschädigt" bin: Ich sehe den Mann seit fast 10 Jahren jedes Jahr hier in Berlin und bin äußerst selten überzeugt. Da legen sich Vorurteile vor die Ohren. Aber das ist wohl die subjektive Note, welche die Suche in den vielfältigen Interpretationen so spannend macht.
Wie gesagt, mehr als solide vermag ich sein Spiel nicht zu nennen - und dann greife ich lieber zu Pollini, den ich auch als Schubert-Interpreten sehr schätze.

Grüße
Anti
Markus
Inventar
#6 erstellt: 16. Nov 2003, 22:02
Hallo Anti,

tja, Brendel und Schubert ist so eine Sache. Mir persönlich gefällt's in sofern, als dass er die Gegensätze, die Zerissenheit und Schroffheit, die in Schuberts Musik steckt, mustergültig zum Ausdruck bringt. Er überspielt nichts, sondern zeigt die Klüfte und Brüche sehr gut auf.

Es gibt sicher "harmonischere" Interpretationen, ich könnte mir vorstellen, dass Richter dazu gehört. Ich schätze ihn ebenfalls als sehr musikalischen Menschen, die allermeisten Aufnahmen, die ich bisher von ihm hören konnte, gefallen mir ausgesprochen gut.

Der ebenfalls von mir genannte Perahia geht übrigens ebenfalls in Brendels Richtung, ist aber doch ein wenig mehr in Richtung Schönklang orientiert.

Gruß,

Markus.
Antracis
Stammgast
#7 erstellt: 18. Nov 2003, 21:00
Hallo Markus,
tja, wie schon angedeutet: Ich komme mit dem Brendel irgendwie nicht zurecht. Hier lohnt es wohl, auf Deine Signatur zu verweisen.
Nichtsdestotrotz gehe ich immer wieder mal hin oder höre rein und lausche seinen Interpretationen in der Hoffnung, dass es mal zwischen uns funkt. Denn darum gehts ja, nicht ums "Recht haben".
Perahia werde ich mir mal anhören, den kenne ich eigentlich sehr wenig. Vermutlich auch ein eher unterschätzer Pianist, da nicht mit großem gelben Label sondern "nur" mit Sony-Vertrag gesegnet.
Ich habe Ihn mal mit dem dritten Klavierkonzert von Beethoven gehört (Abbado/Berliner) und war sehr angetan.


Grüße
Anti
drbobo
Inventar
#8 erstellt: 24. Nov 2003, 07:21
Hallo,
das mit den unterschätzten Pianisten ist leider kein Einzelfall.
Wenn man das hohe Niveau der Konzert-Pianisten und sog. Nachwuchskünstler betrachtet und dann das auf Tonträgern erhältliche Repertoire damit vergleicht, fällt das Ungleichgewicht noch viel mehr auf.
Aufgenommen wird hauptsächlich, was sich gut verkauft, und da ist in der Klassik-Szene der bekante Pianist oft wichtiger als das Werk.
Alfred_Schmidt
Hat sich gelöscht
#9 erstellt: 11. Feb 2004, 16:04
Gut daß ich ein wenig gestöbert hab, sonst hätte ich diesen Thread nicht entdeckt und ihn vielleicht sogar neu angelegt.
Aber das ist ja das Schöne, daß solch ein Thema mehr oder weniger zeitlos ist, und man den "Faden" auch nach relativ
langer Zeit fortspinnen kann ,)

Ob Brendel "der" Schubert-Pianist ist oder nicht, ist
im einzelnen gar nicht so wichtig, formulieren wir es mal
so: Er ist eine Bereicherung der Schubertdiskographie, und ich möcht ihn nicht missen. Dabei hab ich noch gar nicht alles von ihm. Ich bin einer, der Geamtausgaben in der Kassette tunlichst aus dem Weg geht. (IMO hört man sich eine oder eineindhalb CDs an, dann 2hat man keine Zeit"..,wer kennt das nicht ? Kaum jemand hört den Zyklus auf einmal, das ermüdet.)
Hingegen kann man mich erwischen, daß ich ein Werk
in zwei Interpretationen am gleichen Tag kaufe.
Und: Hand aufs Herz, wer möcht schon jedesmal wenn er
seinen "Schubert-Klaviersonaten-Horizont" erweitern will, den ganzen Zyklus erneut erwerben ??

Brendels Zugang zu Schubert ist ein intellektueller,
akribisch ausgefeilter. Das ergibt natürlich ein spezielles Bild, man kann es mögen oder nicht.

DrBobo empfielt unter anderem Christian Zacharias,
was mich freut, denn gerade dieser Pianist ist IMO
weitgehend unterschätzt.
EMI hat ihn "gehen lassen" (er spielt jetzt für MDG
Dabringhaus & Grimm) und die meisten seiner CDs "verramscht"
d.h.in den Budgetbereich verschoben. (Red-Line)
Aber vielleicht verhilft ihm gerade das zu größerer
Bekanntheit.

Stephan (Der_graue) hat uns zwar wissen lassen, daß er Andras Schiffs Lesart der Sonaten besitzt, und ein wenig Brendel, nicht aber welchem von beiden "er" den Vozug gibt, aber vielleicht läßt sich das nachholen ? ,)
AFAIK spielt Schiff auf einem Bösendorfer, ist das richtig?
(Sollte im Beiheft vermerkt sein)

Mir scheint, daß einige wichtige Pianisten im Zusammenhang mit Schubert hier überhaupt vergessen wurden.
An Sonaten steht mir *auf CD* momantan leider keine
zur Verfügung, wohl jedoch eine Einspielung der "Wanderer-Fantasie, bzw der Impromptus.

Dann sollte man RADU LUPUS Einspielungen für die Decca
erwähnen, da gibt es etliches einzeln

Vielleicht hat auch jemand was zu Frau Uchidos Einspielung
zu sagen (Philips)

Man sollte nicht behaupten, Schuberts Klaviersonaten gut zu kennen, wenn man nicht zumindest eine CD mit Sonaten, gespielt auf einem alten Hammerflügel gehört hat.
Vielen wird es nicht gefallen, andere werden begeistert sein. Tatsache aber ist, daß manche Klangeffekte, die Schubert für die alten Klaviere "einplante" auf modernem
Flügel weniger zur Geltung kommen -- eine Geschmachssache.

BTW: Wer noch nie einen historisch Flügel gehört hat, wird sich erst gewöhnen müssen.....


Grüße
aus Wien
Alfred



PS: "Verramscht" ist hier nicht flapsiges Deutsch sondern
ein Fachausdruck, wenn der Ladenpreis von Büchern oder Tonträgern "freigegeben " wird.
Hilda
Stammgast
#10 erstellt: 11. Feb 2004, 16:20
also bei Pianisten bin ich immer sehr zurückhaltend, weil ich mich da immer mit Beschreibungen schwertue...

Es gibt eine russische Aufnahme der beiden Sonatan D958 und D960 von Richter, die mir auszgezeichnet gefällt.

Ansonsten liebe ich die Aufnahmen mit Andreas Staier sehr, alleine des Klangs des Hammerflügels wegen.

Gruss
Klaus
drbobo
Inventar
#11 erstellt: 11. Feb 2004, 20:27

......weitgehend unterschätzt.
EMI hat ihn "gehen lassen" (er spielt jetzt für MDG
Dabringhaus & Grimm) und die meisten seiner CDs "verramscht"
d.h.in den Budgetbereich verschoben. (Red-Line)
Aber vielleicht verhilft ihm gerade das zu größerer
Bekanntheit.


Hallo Alfred,
wusste ich noch gar nicht, danke für den Tip.
"Verramschen" hat zumindest für die Käufer Vorteile, aber auch die Künstler können wie du schon bemerkt hast profitieren.
Eine höhere Gewinnspanne fliesst in die Taschen von Hersteller und Handel.
phonolith
Neuling
#12 erstellt: 12. Feb 2004, 21:22
Schon mal die gehört?

Erscheinungsdatum: 25. Februar 2002
Label: Scl (Sony)
ASIN: B00005V6R5
Komponist: FRANZ/SCHUBERT, FRANZ LISZT
Künstler: ARCADI VOLODOS
Format: SACD
(CD-Anzahl: 1)

Ich bin süchtig geworden.
TomS
Ist häufiger hier
#13 erstellt: 13. Feb 2004, 11:08
Hallo,

Schubert gehört mit zu meinen Lieblingskomponisten, und ganz besonders dessen Klaviersonaten. Mein absoluter Favorit ist eine Einspielung der A-Dur Sonate (D 959) von Claudio Arrau. Sehr klanglich, aber auch zupackend. Ich finde, er hat sehr gut die Balance von lyrischem und transparenten Spiel gefunden.

Die Zacharias Box habe ich auch. Ich höre sie immer wieder gerne (ehrlich!), wegen ihrer Klarheit und Transparenz. Trotzdem muss ich jedes Mal schmunzeln, weil ich immer wieder eine Scarlatti'sche Ausschmückung (Triller etc.) erwarte. Bei Zacharias vermisse ich auch die Sanglichkeit, Schubert war ja grosser Liedkomponist, das hat Arrau meines Erachtens besser gelöst. Wenn ich die Schubert Sonaten nur mit Zacharias kennen würde, würde mir viel fehlen!

Uchida habe ich mal live gehört, auch D959. Das war nichts. Zu viel Gehämmere auf dem Instrument, keine Zartheit. Es fing schon mit dem ersten Akkord an, sie sass noch nicht richtig am Flügel und donnerte den Schwung des Hinsetzens gleich in den ersten Akkord. Aber ich kenne keine Einspielungen von ihr.

Von Backhaus habe ich eine alte Aufnahme der B-Dur Sonate, D960. Leider ziemlich rauschend und etwas "eiernd". Er ist für mich das Gegenteil von Zacharias, fast etwas arg entrückt. Höre ich aber dennoch immer wieder gerne. Es ist eben eine Interpretation seiner Zeit, was historische Interpretationen angeht, bin ich mit Alfred ganz d'accord.

Viele Grüsse,
Tom.
Alfred_Schmidt
Hat sich gelöscht
#14 erstellt: 13. Feb 2004, 19:08
@ DrBobo

wusste ich noch gar nicht, danke für den Tip


Gerne. Die Schubert-Sonaten mit Zacharias fandet man
jetzt in der Serie "EMI Red Line" zu ca 7 Euro per Stück
Es gibt hievon 5 Cds, die einzeln erhältlich sind.


@ Tom

Die Zacharias Box habe ich auch. Ich höre sie immer wieder gerne (ehrlich!), wegen ihrer Klarheit und Transparenz. Trotzdem muss ich jedes Mal schmunzeln, weil ich immer wieder eine Scarlatti'sche Ausschmückung (Triller etc.) erwarte. Bei Zacharias vermisse ich auch die Sanglichkeit, Schubert war ja grosser Liedkomponist, das hat Arrau meines Erachtens besser gelöst. Wenn ich die Schubert Sonaten nur mit Zacharias kennen würde, würde mir viel fehlen
!

Sehr gut beschrieben, und ich pflichte Dir bei, allerdings
würde Dir auch etwas fehlen, wenn Du sie *nicht* hättest,
sozusagen ein anderer (IMO guter, interessanter) Blickwinkel auf Schuberts Sonaten. Immer wieder bestätigt sich meine Philosophie, anstatt koplette Zyklen auf einmal zu kaufen, sie (bei Gefallen) stückweise zu ergänzen.

Ich freue mich, daß Du Arrau erwähnst, es ist still geworden
um ihn, in den letzten Jahren, aber sowas ist meist nur vorübergehender Natur.

Ich habe bislang nur eine CD von Uchida gehört,
(D850 und D784) hat mich aber nicht überzeugt.
Allerdings kann man nach einmaligem Hören kein
Urteil abgeben, weil auch wir Hörer haben
"Stimmungsschwankungen" die unser Urteil trüben...,)

@ Klaus

Kenne die von Dir gelobten Einspielungen persönlich nicht,
kanns mir aber gut vorstellen.

BTW: Wie sind die tontechnisch ??


Zu Perahia:
Eigentlich ist er *nicht* unterschätzt, und genoss
vor Jahren relativ hohes Ansehen (trotzdem hab ich kaum was von ihm, das soll sich jetz ändern)
Aber AFAIK war er längere Zeit kränkelnd und ist so
ein wenig in Vergessenheit geraten.


Grüße an alle Schubertianer
aus Wien
Alfred
Alfred_Schmidt
Hat sich gelöscht
#15 erstellt: 11. Apr 2004, 16:42
Hallo,

Wieder mal was "Neues" zu vermelden.

EMI hat in ihreren neuen Serie

"Great ARTISTS of the CENTURY"

folgende interessante Einspielung wiederveröffentlicht:

Franz Schubert: Klaviersonate Nr 21 in B-dur D960
Franz Schubert: Moments musicaux D780
Franz Schubert: Allegretto in c-moll D915



Kovacevich (in früheren Jahren bekannt als Stephen Bishop) bietet eine kraftvolle, machmal "ruppige", eher düstere Darstellung der Sonate Nr 21, und stellt somit eine interessante Alternative zu Brendel und Zacharias dar.

Die Aufnahme stammt aus dem Jahre 1994.
Der Preis ist 11.90 Teuro in Wien
Das mir vorliegende Exemplar ist, obwohl P2004,
frei von qualitätsmindernden Kopierschutzverfahren.

Gruß
aus Wien
Alfred
Hilda
Stammgast
#16 erstellt: 12. Apr 2004, 20:56
@Alfred

die Richter-Aufnahme ist bei Regis erschienen

amazon.de

tontechnisch ist sie durchaus akzeptabel. Der Staier ist guter Digitalstandard.

Gruss
Klaus
mondblume1
Schaut ab und zu mal vorbei
#17 erstellt: 13. Apr 2004, 08:01
Wunderschön finde ich die Einspielungen von IMOGEN COOPER, meines Wissens aber nicht mehr erhältlich. Eine wirklich bemerkenswerte Pianistin aus GB, hat sich auch als Liedbegleiterin einen wohlverdienten Namen gemacht.
Klassikliebhaber
Stammgast
#18 erstellt: 09. Sep 2004, 13:14
my favourites:richter und brendel
Martin2
Inventar
#19 erstellt: 04. Apr 2005, 19:59
Ich hole den Thread noch mal nach vorne, weil mich das Thema interessiert.

Ich habe die Klaviersonaten vor Urzeiten mal im Radio gehört. Da erinnere ich mich noch an eine tolle Aufnahme der G Dursonate. Und ich glaube, den Richter habe ich mit der B Dursonate (?) gehört und war höchst beeindruckt.

Im moment höre ich mich halt durch die gesamten Klaviersonaten auf meiner Schubertbrilliantbox hindurch. Viele verschiedene Interpreten. Gefällt mir aber ganz gut.

Jedenfalls finde ich, daß es bei den Schubertklaviersonaten unheimlich viel tolle Musik gibt. Und auch wenn mir meine Brilliantbox gefällt, werde ich wohl nicht darum herum kommen, mir noch mal CDs mit anderen Interpreten zu holen. Wenn ich mit meiner Box durch bin ( das dauert noch etwas, ich bin kein Schnellhörer), hole ich mir mal was von Richter. Der scheint ja ganz gut zu sein und ich habe ihn auch selber schon mal gehört und war beeindruckt. Hoffentlich sind diese Aufnahmen nicht so teuer. Aber es muß ja auch nicht gleich eine Gesamtaufnahme sein.

Gruß Martin
s.bummer
Hat sich gelöscht
#20 erstellt: 05. Apr 2005, 19:30
Hallo Martin,
mit Chance erhält man noch die beiden letzten Klaviersonaten von Schubert sowie die Impromptus in der Einspielung von Rudolf Serkin.
Die Aufnahmen müßten bei Sony zu kriegen sein, sonst suchen!!

Ich habe Richter (3-mal), Schnabel, Haskil, (Sogar) Horowitz, Afanassjew, Brendel, Kempff, de Grote und andere (ich müßte wühlen gehen) mit D960 aber keine rührt mich an wie die Aufnahme Serkins (Live 1977!!) und bei D959 geht es mir fast genauso!!
Wie Serkin den letzten Satz von D959 nimmt, ist einfach unbeschreiblich. Brendel ist mir zu vergrübelt artifiziell, Pollini zu sportlich flott, dagegen Serkin!!
Dies mal so als Tipp.

Gruß S.


[Beitrag von s.bummer am 05. Apr 2005, 19:42 bearbeitet]
Martin2
Inventar
#21 erstellt: 05. Apr 2005, 21:45
Lieber S.Bummer,

vielen Dank für den Tip. Serkin ist natürlich auch ein Name, den ich schon oft gehört habe.

Wiegesagt: Diese Brilliantaufnahmen sind weiß Gott nicht schlecht ( was ich so gehört habe), aber ich liebe diese Klaviersonaten wirklich so sehr, daß ich sie irgendwann gerne noch mal in einer anderen Version anhöre.

Ich bin wieder unheimlich begeistert von diesen Klaviersonaten! Ich kann mir nicht helfen, irgendwie habe ich doch den Eindruck, als seien die Klaviersonaten wirklich das beste von Schubert ( na ja, das ist so der Eindruck spontaner Begeisterung). Großartige Musik, die dabei vermutlich lange noch nicht genug bekannt ist. Das ist so mein Eindruck.

Gruß Martin
Jeremias
Stammgast
#22 erstellt: 05. Apr 2005, 23:14
Mein Tip für Einsteiger in das Reich der Schubert'schen Sonaten ist ganz klar die Aufnahme der letzten 3 Werke D958-960 mit Murray Perahia. Kein anderer Pianist hat es m.E. je geschafft, den oftmals heiteren Charakter mit den Vorahnungen des nahenden Todes derart in seinen Interpretationen verschmelzen zu lassen. Ich hatte das große Vergnügen ihn zweimal mit der c-moll Sonate und einmal mit der großen in B-Dur live zu hören. Bis heute bin ich der Ansicht: Besser kann man es nicht machen!
AcomA
Stammgast
#23 erstellt: 06. Apr 2005, 12:52
hallo jeremias,

da gehen unsere meinungen auseinander. ich kenne die einspielungen von m. perahia auch, und gehört habe ich ihn mit der c-moll sonate in mülheim a.d. r. . pianistisch ist das auf hohem niveau, keine frage. was mich nicht so überzeugt, ist die 'weichmacher'-art seines anschlages. dadurch geht etwas vom konfliktpotential verloren. seine phrasierungskunst hat etwas pauschalisierendes.

wilhelm kempff hat nicht das ausgefeilte manualtechnische rüstzeug, doch leben seine interpretationen von der variabilität seines anschlages mit vielen möglichkeiten zwischen pp und ff. zumindest mich berühren seine aufnahmen (stereo) um vieles mehr. das gilt übrigens auch für die aufnahmen von c. zacharias und a. brendel, obwohl ich nicht so für brendel schwärme.

abschließend möchte ich die perahia-aufnahmen nicht schlecht machen, sie sind sehr gut, aber es gibt auch anderes, dass mindestens auch so gut ist.

gruß, siamak


[Beitrag von AcomA am 06. Apr 2005, 12:53 bearbeitet]
lutarg
Schaut ab und zu mal vorbei
#24 erstellt: 07. Apr 2005, 15:37
Also Freunde, hier fehlt mir noch ein Name, nämlich der von Michael Endres. Der hat Mitte der 90iger für Capriccio alle wichtigen Sonaten aufgenommen und wurde seinerzeit mit Lob förmlich überschüttet. Komischerweise verschwanden die Aufnahmen nach kürzester Zeit vom Markt. Im American Record Guide stand seinerzeit sinngemäß: es gibt für einzelne Sonaten sicher noch die eine oder andere tieferschürfende Interpretation (z.B. Richter, Serkin) aber keine andere Gesamtschau bietet alle Sonaten auf derart hohem Niveau. Dem ist nichts hinzuzufügen, außer vielleicht, das jpc die 6 CD z.Zt. in einer Box für 11,99 anbietet.

lutz
Martin2
Inventar
#25 erstellt: 07. Apr 2005, 17:32
Ach ja, immer diese verlockenden Sonderangebote

Ehrlich gesagt bin ich mit meinen Brilliantaufnahmen ganz zufrieden. Und wenn ich mir dann doch noch mal andere holen sollte, würde mich das "Tieferschürfende" der Herren Serkin und Richter doch schon sehr interessieren.

Oder lohnt es sich vielleicht doch, diese 12 Euro mal zu investieren? Das ist natürlich ein toller Preis, wer wollte das bestreiten.

Gruß Martin
Martin2
Inventar
#26 erstellt: 30. Mrz 2007, 23:52
So, ich hole den Thread noch mal nach vorne. Ich habe festgestellt: Zwei Jahre sind vergangen und ich habe mir die Gesamtaufnahme von Schubert Klaviersonaten immer noch nicht geholt. Habe immer noch die Brilliantaufnahmen.

Geholt habe ich mir allerdings die Russian Archives Box von Brilliant mit Sviatoslav Richter, sehr schön. Diese Interpretationen begeistern mich, auch die Liszt H moll Sonate ist toll.

Das Internet ist in gewisser Hinsicht natürlich ein Fluch, man liest sich durch hunderte von Beiträge ( kenne eigentlich alle großen englischsprachigen und deutschsprachigen Foren) und am Ende ist man so klug wie vorher.

Endres ist natürlich billig, höre aber nicht nur positives von ihm. Das gleiche gilt für die nun neu erschienene Brilliantsammlung mit Dalberto ( ehemals Denon). Von Klien höre ich negatives, von Schuchter höre ich negatives.

Ein bißchen gräme ich mich, daß ich mir damals die Box mit Schnabel nicht geholt habe, als Zweitausendeins sie noch hatte. Da war Schubert dabei. Aber Schnabel ist ja auch asbachuralt. Aber Schnabel ist toll: Habe sehr viel Freude an meiner Beethoven Klaviersonatenbox.

An sich hätte ich gerne noch etwas Richter und sein Schubert soll toll sein ( aber er hat natürlich längst nicht alles von Schubert aufgenommen, nur sind sicher auch nicht alle Sonaten von Schubert wohl erstklassig). Aber Richter ist ja wirklich auch so teuer. Mir sind sie wirklich zu teuer, die BBC Legends, Aufnahmen aus den frühen 60ern, kosten immer noch glatte 20 Euro. Da war die Brilliantbox wirklich ein Schnäppchen.

Ich weiß nur, daß mich die D 959 in meiner Brilliantaufnahme nur gelangweilt hat, ebenso die Wanderphantasie, aber da wird es sicher bessere Aufnahmen geben, denn an sich sollen das ja große Werke von Schubert sein.

Ich weiß auch nicht, ob ich wirklich noch eine zweite Gesamtaufnahme brauche. Wichtigerer wäre es mir, die größten Werke in wirklich überragenden Aufnahmen zu haben.

Gruß Martin
Moritz_H.
Stammgast
#27 erstellt: 31. Mrz 2007, 09:21

Martin2 schrieb:
Endres ist natürlich billig, höre aber nicht nur positives von ihm. Das gleiche gilt . . .


Was hörst Du denn sonst noch von ihm? Wenn man allerdings auf alles hört . . . kommt man auch nicht weiter . . .


lutarg schrieb:
Also Freunde, hier fehlt mir noch ein Name, nämlich der von Michael Endres . . . es gibt für einzelne Sonaten sicher noch die eine oder andere tieferschürfende Interpretation (z.B. Richter, Serkin) aber keine andere Gesamtschau bietet alle Sonaten auf derart hohem Niveau. Dem ist nichts hinzuzufügen, außer vielleicht, das jpc die 6 CD z.Zt. in einer Box für 11,99 anbietet.


Wenn Du bist jetzt noch immer nicht zugegriffen hast, bist Du selber schuld!! Habe selbst die Aufnahmen aus früheren Jahren mir besorgt und bin sehr zufrieden.
M. Perahia hat die letzten Sonaten auf SONY eingespielt; die sind ebenfalls top.
Fressbacke
Stammgast
#28 erstellt: 31. Mrz 2007, 12:27

Martin2 schrieb:
Von Klien höre ich negatives, von Schuchter höre ich negatives.

Gruß Martin



Hallo Martin!

Und was hörst du von Klien Negatives? Die Rezension bei Amazon hört sich eigentlich ganz gut an finde ich! Der Preis stimmt auch ...
Hast du da vielleicht einen Link zum genannten "Verriß" der Einspielungen?

Ralf
Martin2
Inventar
#29 erstellt: 31. Mrz 2007, 13:11
Lieber Ralf,

nein, finde ich nicht mehr. War jedenfalls ein englischsprachiges Forum, ich glaube Google. Beim Suchen danach fand ich auch jemand, der den Klien ausdrücklich lobte.

Ich will auch keinen der angesprochenen madig machen. Bei den negativen Kritiken mag auch Wichtigtuerei dabei gewesen sein, das kann ich überhaupt nicht beurteilen. Die Russian Archivesbox mit Richter ist jedenfalls große Klasse, kann ich sehr empfehlen. Wie ich sehe ist der Klien auch wieder teurer ( ist Voxbox, möglicherweise ist er in den Staaten wieder billiger). Immerhin 20 Euro für die Doppel CD. Der Endres ist immer noch billig und immer noch zu haben.

Insgesamt gebe ich Moritz wenn er schreibt


Wenn man allerdings auf alles hört . . . kommt man auch nicht weiter . . .


unbedingt recht. Kennt jemand die Dalberto CD von Brilliant?

Gruß Martin
Fressbacke
Stammgast
#30 erstellt: 31. Mrz 2007, 13:39
Die Richter-Box habe ich schon mal ins Auge gefasst. Die Klien-Einspielungen sind zwar bei Amazon selbst recht teuer, aber am Marktplatz, trotzdem man dort für jede CD 3 Euro Porto berappen muß, sehr günstig. Mit dem Anbieter hatte ich bislang noch nie Probleme. Für 3-mal 8,17 Euro ist man dann gut ausgestattet mit Schubert.

Ralf


[Beitrag von Fressbacke am 31. Mrz 2007, 13:40 bearbeitet]
Kreisler_jun.
Inventar
#31 erstellt: 31. Mrz 2007, 16:21

Martin2 schrieb:

Ich weiß auch nicht, ob ich wirklich noch eine zweite Gesamtaufnahme brauche. Wichtigerer wäre es mir, die größten Werke in wirklich überragenden Aufnahmen zu haben.


Auf jeden Fall! Die frühen Sonaten sind nur für Komplettisten. Man braucht ca. 8:
D 664 A-Dur, D784?irgendwas a-moll D 845 a-moll, D 850, D-Dur, D 894 G-Dur und die letzten drei D 958, 959, 960, dann evtl. noch die unvollendete Sonate D 840.
894 und 960 hast Du ja mit Richter; die sind zwar ziemlch extrem (SEHR langsam), aber auf ihre Art natürlich großartig.
Richter hat D 959 nie gespielt, versuche evtl. sein D 845 und D 958 zu finden; die gab es auch relativ preiswert (Melodiya, Olympia, Regis). D959 und 960 mit Schnabel gibt es auf etlichen Billigst-CDs (TIM Dokumente, Iron needle usw.), natürlich nicht unbedingt optimal überspielt, aber anhörbar.
Etliche Sonaten preiswert einzeln in ordentlichen geradlinigen Interpretationen gibt es mit Zacharias (EMI). Zumindest eine CD mit A. Staier ist in eine preiswerte Warner-Reihe gerutscht und ermöglicht, eine gute Aufnahme auf einem historischen Flügel.

viele Grüße

JK jr.
Martin2
Inventar
#32 erstellt: 31. Mrz 2007, 19:13
Lieber Kreisler Junior,

also ich höre auch die früheren Sonaten zum Teil ganz gern. Heute zum Beispiel D 566 mit Richter. Sehr schön. Manche haben einen recht unschuldigen Charme. Ist aber lange her, daß ich sie alle gehört habe und könnte schon gar nicht mehr sagen, welche mir besonders gut gefallen haben. Ich glaube aber auch, daß die Brilliantkünstler die schon recht gut hinkriegen, die späteren ambitionierteren dürften eben auch interpretatorisch anspruchsvoller sein.

Gruß Martin
Hüb'
Moderator
#33 erstellt: 08. Apr 2007, 11:32
Hi!

Die Aufnahmen von Endres kann ich nachdrücklich empfehlen (ebenso seinen Mozart und Bax).
Natürlich gibt es Subjektiveres/"Besseres", wie z. B. Richter. Dennoch vermag Endres durchweg auf hohem musikalischem Niveau zu überzeugen.

IMHO bspw. der Einspielung von Wilhelm Kempff durchaus vorzuziehen!

Grüße

Frank
Edgar_III.
Neuling
#34 erstellt: 09. Apr 2007, 10:37
Guten Morgen, alle miteinander,

hab mit Interesse gelesen, was meine Vorgänger so geschrieben haben und bin mit vielem sehr einverstanden.

Zunächst mal zu Brendel. Auch ich komme mit ihm häufig nicht zurecht. Sowohl live als auch auf Platte. Mit ein paar Ausnahmen. Und Schubert zählt definitiv dazu. Erinnere mich etwa an ein Konzert, das mich über weite Teile ziemlich gelangweilt hat (und das bei der Kreisleriana!!!), dann aber kam B. zu den Moments musicaux - und mit einem Mal lebte die Musik, war ich völlig weg... Seine Platten: Habe den späten Schubert mit ihnen kennengelernt. Unglaublicher Eindruck. Und als ich neulich seine Aufnahme der D958 hörte - ungeheuer! Bei ihm hat Schubert sehr viele Dimensionen. Er sieht in ihm weder einen Komponisten "schöner" Musik zum Entspannen, noch ausschließlich den mittlerweile so viel zitierten zerrissenen gequälten Schubert. Was B schafft, ist seine Musik sehr natürlich klingen zu lassen, oft auch wirklich fröhlich und tänzerisch, aber meist auch ein wenig Bedrängnis, Unsicherheit spüren zu lassen, die Grenze des Umschlagens von Fröhlichkeit in Hysterie spürbar werden zu lassen... Usw.

Perahia hat mir sehr zugesagt. Einfach stimmige Aufnahmen.

Richter liebe ich sehr (jeder sollte diese DVD von Monsaingeon haben!!!). Die D959 ist unglaublich. Aber sicher nichts für schwache Nerven. Abgründiger, erstarrter kann man das sicher kaum spielen. Beeindruckend. Einer der wenigen, die subjektiv bis zum Exzess sein können und dabei nicht willkürlich wirken.

Arrau ist genannt worden. So ein Pianist, den ich lange nicht recht geschätzt habe. Mittlerweile ist der Knoten aber geplatzt. Großartige Klangkultur. Seriosität im Umgang mit der Musik. Dramatischer Atem. Schubert lebt bei ihm,

Sokolov hat zwei Sonaten eingespielt. Habe ihn auch mit D959 im Konzert gehört. Und D 664. Die Einspielungen bewegen sich auf höchstem Niveau. Seine Stärken sind: Fantasie und Hingabe - und die erstaunlichste Fähigkeit, den Flügel klingen und singen zu lassen und dafür etwa 7 Millionen Klangfarben zu finden... Schwäche: Er verliert manchmal bei aller Ausdifferenzierung den rhythmischen Puls, den Zug, die Entwicklung voranzutreiben. Bei Schubert ist das allerdings keinesfalls immer schlecht...

Endres habe ich noch nicht lange und hatte noch nicht viel Zeit, mir alles intensiv anzuhören. Erster Eindruck: Sehr lohnend. Bei ihm hört meinen einen stürmisch-jugendlicheren Schubert. Jemanden, der sensibel auf die Welt reagiert - weil er die Welt kennt und liebt. Keine ständige Todesnähe. Pianistisch vortrefflich. Alles sehr gut geformt. Meist zügige Tempi. Rhythmisch packend. Manchem (darunter manchmal auch ich selbst) mag einiges zu prosaisch daher kommen. In D 959 etwa das Andantino oder in D960 das Andante sostenuto. Die Tempobezeichnungen jedoch geben ihm Recht: gehend... Sehr fantasievoll das Finale aus D850. Schwierigkeiten hatte ich mit D 664.

Volodos hat mit seiner Schubert-Platte sein Meisterstück abgelegt. Trifft einen wundervollen warmen, innigen Schubertton. Rein und natürlich. Sehr zu empfehlen.

Gilels hat ein paar beeindruckende Sachen bei Schubert gemacht. D 784 op 143 im amerikanischen Studio mit großer Strenge und Unerbittlichkeit. Das düstere Schicksal ist bei ihm nicht aufzuhalten. Schubert klingt da sehr modern. Gibt auch Live-Aufnahmen. Mag die Studio-Version mehr - obgleich ich sie leider nicht mehr habe... Auftrumpfend seine Studio-Aufnahme von D 850. Großer Spaß!

Hat jemand Andsnes-Aufnahmen? Da soll die ein oder andere Perle dabei sein...

Schönen Ostermontag noch.
Joachim49
Inventar
#35 erstellt: 09. Apr 2007, 13:04
Liebe Klassikfreunde,
ich nehme an, dass im Beitrag von Edgar III die Richter-Aufnahme von D 960 gemeint ist (und nicht 959. Oder gibt's die wirklich?). So richtig kann mich Richters Zeitlupenversion nicht überzeugen. (Gibt's die 'Tagebücher' von Richter, aus denen er auf der dvd vorliest auch auf Deutsch? Ich habe mal eine französische Version gesehen und gelesen. Es sind meist kurze Aufzeichnungen über Konzertbesuche oder Schallplattenaufnahmen. Richter schwärmt z.B. von Debussy's 'Pelleas und Melisande'.)
Ich habe die älteren Beiträge gelesen und kann nichts neues hinzufügen, - es sei denn meine Zustimmung, oder - zumindest in einem Fall - Ablehnung, nämlich Pollini.
Auch ich möchte mich hier, was Schubert betrifft, als Brendel-fan 'outen'. Grossen Eindruck hat auf mich auch Serkin gemacht und zu den bedeutenden Schubertinterpreten würde ich auch Radu Lupu zählen (und unter den älteren natürlich Schnabel). Und wenn man die Gilels-Aufnahme der a-moll Sonate gehört hat, dann wird man ungalublich traurig, dass er so wenig Schubert aufgenommen hat.
Freundliche Grüsse
Joachim
Thomas228
Stammgast
#36 erstellt: 10. Apr 2007, 09:07
Hallo Joachim,

die Richter-Tagebücher sind in dem 2005 auch in deutsch erschienenen Buch "Swjatoslaw Richter. Mein Leben, meine Musik" von Bruno Monsaingeon erschienen. Bei amazon ist das Buch aber offenbar nicht mehr erhältlich.

D959 hat Richter nach dieser Discography tatsächlich nicht aufgenommen: Richters Schubert-Aufnahmen

Gruß, Thomas
Martin2
Inventar
#37 erstellt: 16. Jun 2007, 00:56

Hüb' schrieb:
Hi!

Die Aufnahmen von Endres kann ich nachdrücklich empfehlen (ebenso seinen Mozart und Bax).
Natürlich gibt es Subjektiveres/"Besseres", wie z. B. Richter. Dennoch vermag Endres durchweg auf hohem musikalischem Niveau zu überzeugen.

IMHO bspw. der Einspielung von Wilhelm Kempff durchaus vorzuziehen!

Grüße

Frank
:prost


Lieber Frank,

ich habe mich von Deiner Empfehlung beeinflussen lassen und das wirklich billige Angebot dann mal wahrgenommen. Mein erster Eindruck ist recht positiv. Die frühen Klaviersonaten ( also die erste CD) machten einen recht subtilen Eindruck, subtiler als die Brilliant CDs ( Tempobeschleunigungen und Verlangsamungen, Creszendos und Diminuendos). Die Brillianteinspielungen klingen da straiter, was mir allerdings auch nicht schlecht gefällt. Bei DV 958 gefiel mir der Endres deutlich besser ( ich mag die Sonate aber immer noch nicht so besonders), bei D960 ist er im ersten Satz deutlich schneller als Richter, auch schneller als Klara Würtz auf Brilliant, und ich denke, das gefällt mir nicht.

Aber danke für Deine Empfehlung. Ich muß aber sagen, daß den letzten Ausschlag die wirklich guten Kritiken für den Endres bei der Grammophon gegeben haben ( wohingegen der Dalberto, mit dem ich auch geliebäugelt hatte, dort schlechte bis durchwachsene Kritiken bekommt).

Gruß Martin
Thomas133
Hat sich gelöscht
#38 erstellt: 18. Jun 2007, 09:06
Hallo,

Ich habe ebenso die Endres-Gesamteinspielung. Von der Interpretation her hab ich je nach Sonate gemischte Eindrücke (die Mehrheit davon aber positiv), vom Klang her ist es im Vergleich zu einigen anderen Klavieraufnahmen die ich besitze leider ziemlich bescheiden. Der Klavierklang klingt ein wenig zu dünn, die Dynamikunterschiede sind ein wenig zu groß geraten. Aber für den Preis kann man es dennoch durchaus empfehlen denke ich (auch wenn es nicht ganz an das Preis/Leistungsverhältnis der Gulda-Beethovensonaten rankommt)
gruß
Thomas
kallix
Stammgast
#39 erstellt: 22. Nov 2007, 17:16
so !
ich habe mir jetzt die endres GA bestellt ( 9,59 € + versand ) und bin auch darauf gespannt : http://www.amazon.de/gp/product/B0000544G7

da kann ich ja einiges vergleichen. von der brendel doppel cd erwarte ich einiges - er hat selbst aus dem archiv live aufnahmen herausgesucht - und bei € 6,50 beim amazon marketplace ist es mir das risiko wert.
gruss
kalli
Hüb'
Moderator
#40 erstellt: 22. Nov 2007, 22:23
Hallo Kalli!

Bitte berichte einmal, wie Dir die Einspielung gefällt.
Ich finde sie hervorragend!

Grüße

Frank
kallix
Stammgast
#41 erstellt: 23. Nov 2007, 17:25
Hallo Frank,
mach ich ! ich habe mir auch noch das dazu bestellt http://www.amazon.de/gp/product/B00002DF2S ( gebraucht für 3 € )
von Kempff habe ich schon die Impromptus - vor langer zeit gekauft und neulich wieder angehört - mir gefällt sein spiel.
gruss
kalli
kallix
Stammgast
#42 erstellt: 20. Dez 2007, 19:02
So !
ich habe jetzt die endres cds erhalten - 2 davon haben einen hervorragenden eindruck hinterlassen. ich habe die 960er verglichen - kempff, brendel (live),perahia - am besten gefallen mir perhia und endres, womit ich die anderen nicht abwerten möchte - ist geschmackssache ( mir fehlt höherer sachverstand, bin selbst nur bis zu "elise" gekommen ). die endres box ist in jeder hinsicht sehr empfehlenswert - der preis ist schon fast unverschämt niedrig. vielleicht schaffe ich in der ferien alle cds.
danke nochmal für den tip!
gruss
kalli


[Beitrag von kallix am 21. Dez 2007, 16:20 bearbeitet]
Martin2
Inventar
#43 erstellt: 20. Dez 2007, 19:20

kallix schrieb:
ist geschackssache ( mir fehlt höherer sachverstand


Das gleiche könnte ich von mir selber auch behaupten. Mir hat der Endres weniger gefallen, ohne daß ich eigentlich sagen könnte warum. Ich habe außerdem noch die Brillianteinspielungen aus der Masterworksbox ( inzwischen gibt es eine andere von Brilliant, D'Alberto). Mir gefallen diese Einspielungen von Brilliant wirklich sehr gut. Endres ist zweifellos raffinierter, macht mehr mit Temposchwankungen und Dynamik, aber der unschuldige Charme gerade der frühen Sonaten geht dabei für mich verloren. Und dann habe ich natürlich auch noch den Richter mit einigen Sonaten und der gefällt mir am besten.
pt_concours
Stammgast
#44 erstellt: 29. Dez 2007, 02:10
Einem so langen Thread kann man natürlich recht wenig Neues hinzufügen, aber manchmal ist ja auch eine weitere Bestätigung bereits Gesagtem hilfreich...
Hier meine Favoriten-Aufnahmen von Schuberts Klaviersonaten:

Nr.09 H-Dur D575, Richter, S. (rec. 1979)
Nr.16 a-moll D845, Gulda, F. (rec. 1977)
Nr.17 D-Dur D850, Richter, S.(rec. 1956)
Nr.18 G-Dur D894, Richter, S. (rec. 1979)
Nr.21 B-Dur D960, Serkin, R. (rec. 1975)
Nr.21 B-Dur D960, Planès, A. (rec. 1997)

Interessant, dass ich, wie viele, S. Richter als Schubert-Interpret besonders schätze, allerdings mit anderen Sonaten!
Die Sonate G-Dur ist eindeutig meine Lieblingssonate- und Richter erklärte sie ebenfalls zu seiner bevorzugten Sonate! Interessant ist in diesem Zusammenhang die Geschichte, wo Glenn Gould über Richters Schubert-Interpretation erzählt, dass er ein Konzert von Richter besuchte und bei Schubert (D894?) gehen wollte, da er Schubert nicht besonders mag, aber ihn die Musik (oder das Klavierspiel Richters) so faszinierte das er blieb. Als man Richter diese Filmszene zeigte sagte er: "Warum sagt Gould nicht: Ab heute liebe ich Schubert?" - "Aber er blieb weil Sie es spielten" entgegnet der Reporter. Richter zuckt mit den Achseln. "Aber ich spiele doch nur was in den Noten steht...

Gulda und Serkin wurden ja bereits auch genannt. Ob die Einspielung mit Planes wirklich für immer im Bestand "ewige Schubertaufnahmen" bleibt, muss sich natürlich noch zeigen, aber ich mag diese zurückhaltende feine Art 8biedermeierlich?) sehr, wie er diese Sonate spielt.

Ansonsten halte ich die Brillant-Box mit Dalberto (14 CD) als gelungene Kompletteinspielung aller wichtigen Klavierwerke Schuberts. Dass da nicht jede Sonate die Qualität eines Richter, Serkin, Brendel besitzt ist bei so einer Box wohl nicht verwunderlich.

Lipatti, Gilels, Curzon, Gieseking, Kraus sind weitere Pianisten, die ich mit Schuberteinspielungen (Impromtus, Moments Musical, u.a.) sehr schätze, auch wenn ich von ihnen keine besonderen Einspielungen von Klaviersonaten kenne.

Die Gesmataufnahme mit Wlater Klien, über die hier schon einmal dikutiert wurde, interessiert mich allerdings schon länger. Alles, was ich an Einspielung von Klien kenne (Brahms, Schumann, u.a.), scheint mir die Behauptung zu rechtfertigen, dass die relativ geringe Bekanntheit dieses Pianisten längst nicht seiner Bedeutung gerecht wird.

Die von mir oben genannten Richter Aufnahmen sind ja zurzeit im Midprice-Bereich wieder erhältlich.

frankdb
Neuling
#45 erstellt: 15. Jun 2011, 22:55
ich höre gerne die Interpretationen von Wilhelm Kempff; seine Interpretation ist sehr ausgewogen, nie hart, aber doch sehr kraftvoll, mit viel Gefühl, aber nie sentimental; die tempi ändern sich nie innerhalb der Stücke, und trotzdem ist die Phrasierung sehr differenziert, die Themen haben alle ihre "Zeitstruktur", man kann alle Themen gut verfolgen, die Stücke werden dadurch auch irgendwie erklärt und sind gleichzeitig sehr frisch und lebendig - Curzon hat auch ähnlich gute Interpretationen - Brendel ist für mich zu "zerebral" zu "künstlich" aber doch auch sehr interessant, für mich häufig mehr eine Lektüre als ein Spiel - nur Daniel Barenboim interpretiert Schubert nach meinem Gefühl genauso gut wie Kempff.
Martin2
Inventar
#46 erstellt: 16. Jun 2011, 02:22
Hallo Frank,

herzlich willkommen hier. Ein paar Sachen Schubert mit Kempff habe ich auch bei mir - in dieser Box

amazon.de

Wilke hat die auch. Muß ich mal wieder hören.

Gruß Martin
*renrew*
Ist häufiger hier
#47 erstellt: 17. Jun 2011, 13:54
Hallo Schubert-Klaviermusik-Liebhaber,

Ich glaube doch, daß BRENDEL, der ja schon in sehr frühen Jahren uneingeschränkt Schubert huldigte, gerade bei den Schubert-Sonaten Maßstäbe gesetzt hat. Man höre einmal seine sehr intelligent und dennoch sehr warm gestaltete Einspielung von 1975 der Klaviersonate D 845 (bei Philips) an, und man wird bei allen Geschmacksdifferenzen daran kaum etwas auszusetzen finden, sondern von diesem Spiel gefangen und überzeugt sein. Das gleiche gilt auch für seine Interpretation der Impromptus op. 142! Sehr schön auch seine Einspielung der Ecossaises D 781 und der Klavierstücke D 946 op. p.h.

Für andere Klavierwerke Schuberts gibt es dagegen einige andere heute nicht mehr ganz so bekannte Interpreten mit wunderbaren und z. T. sehr individuellen Deutungen und Einspielungen. Wer das Glück hat, diese Aufnahmen noch zu bekommen, dem würde ich z. B. empfehlen:

die Ecossaisen op. 18 mit dem Franzosen JEAN MICAULT

die Impromptus op 90 und op. 142 durch INGRID HAEBLER

die Impromptus op 142 und die Klavierstücke D 946 durch JÖRG DEMUS (sehr interessant der Vergleich mit ALFRED BRENDEL - aber beide auf ihre Art sehr einnehmend.

Die Ländler op. 171 durch JEAN MICAULT

Die Moments musicaux op. 94 durch den heute ganz sicher zu Unrecht fast vergessenen, wunderbaren Schubert-Interpreten
ADRIAN AESCHBACHER. Auch dessen Einspielung der Wanderer-Fantasie op. 15 hebt sich wohltuend gegen die oft allzu stark virtuose Darbietung einiger großer Tasten-Löwen ab.

Gruß
Martin2
Inventar
#48 erstellt: 17. Jun 2011, 15:30

*renrew* schrieb:

Ich glaube doch, daß BRENDEL, der ja schon in sehr frühen Jahren uneingeschränkt Schubert huldigte,


Diese Aussage überraschte mich, denn ich bin ja im Besitz der 35 CD Box mit seinen frühen Vox, Vanguardaufnahmen. Der große Block da Beethoven, alle Sonaten, Klavierstücke, Konzerte. Einiges von Mozart und Lizt. Schubert nur eine Sonate und ein paar Klavierstücke.
*renrew*
Ist häufiger hier
#49 erstellt: 17. Jun 2011, 16:20
Hallo Martin,

Ich weiß jetzt nicht von wann die frühen Vox, Vanguard-Aufnahmen datieren - vermutlich zwischen 1950 und 1960 - , vielleicht fühlte sich Brendel zu dieem Zeitpunkt noch nicht reif für den von ihm so verehrten Schubert. Jedenfalls wurden neben seinen Beethoven-Einspielungen auch seine Schubert-Einspielungen als exemplarisch gerühmt. Ich beziehe mich auch ganz speziell auf die Aufnahmen bei Philips Classics um 1970, die er wohl mit seiner hohen Sensibilität, die ja auch Schubert's Musik so auszeichnet wie man diese wohl bei keinem anderen Komponisten findet, und mit seinem Tiefgang, in späteren Interpretationen kaum mehr erreichte.

Viele Grüße
Joachim49
Inventar
#50 erstellt: 17. Jun 2011, 17:51
Der Vanguard Schubert ist aus den späten 60-ern (die Sonaten 1968), der Philips Schubert aus den frühen 70-ern. Viel Zeit liegt nicht dazwischen. Ich glaube allerdings nicht, dass Brendel sich eine gewisse Zurückhaltung auferlegt hat, weil er sich für Schubert noch nicht reif fühlte. Er hatte ja Ende der 6o-er Jahre zo ziemlich das Gesamtwerk Beethovens für Soloklavier eingespielt, die Variationswerke inbegriffen. Da hat man keine Gefühle der Unreife mehr.
Der Name Micault ist mir ziemlich unbekannt. Ob er ein bedeutender Schubertinterpret war, lässt sich wahrscheinlich nicht gut anhand von Ländlern und Eccosaisen beurteilen.
mit freundlichen Grüssen
Joachim
Kreisler_jun.
Inventar
#51 erstellt: 17. Jun 2011, 18:54
Die Vox-Aufnahmen sind aus den frühen 1960ern. 1962 wurden Impromptus, Moments, Musicaux, die späten Klavierstücke und einige vierhändige Sachen aufgenommen. Ein Grund, dass keine Gesamtaufnahme der Sonaten produziert wurde, dürfte sein, dass Vox wenige Jahre vorher, allerdings noch mono, die erste GA der Schubert-Sonaten (damals noch weitgehend Nischenrepertoire) überhaupt, gespielt von Friedrich Wührer, aufgenommen hatte (meines Wissen nicht auf CD zu haben.)

amazon.de

(NB finde ich die Idee einigermaßen seltsam, dass ein Interpret älter sein muss, als Schubert, Mozart oder Chopin je wurden, um deren Stücke angemessen zu spielen...)

Außer den Klavierstücken habe ich nur drei Sonaten mit Brendel, allerdings die späteren Philips-Digitalaufnahmen aus den 1980ern. Vor einigen Monaten hatte ich bei einem Vergleich der großen G-Dur-Sonate D 894 von Brendel eher einen gemischten Eindruck. Grundsätzlich recht gut, aber u.a. erstaunlich wenig dynamische Abstufungen, insgesamt keine allzu große emotionale Spannweite, Brendel ist mir besonders im Andante zu harmlos z.B. verglichen mit Richter, der dann freilich im Kopfsatz absurd langsam ist.
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