SABA MI 215 Reingefall bei Kleinanzeigen – Hätte ich den Blog mal früher gelesen.

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Burgmueller
Neuling
#1 erstellt: 05. Mai 2026, 06:52
Hallo zusammen,
ich muss mir hier mal kurz den Frust von der Seele schreiben und brauche vielleicht auch technisch einen Rat von euch. Ich bin schon länger hinter einem gut erhaltenen SABA MI 215 her, weil ich den "schwarzwälder Panzer" klanglich einfach liebe. Jetzt habe ich bei Kleinanzeigen ein Exemplar ergattert – laut Verkäufer im Top-Zustand, voll funktionsfähig und aus einem Nichtraucherhaushalt. Das Ende vom Lied: Das Paket kam an, ich schließe ihn voller Vorfreude an und werde mit einem massiven Kratzen auf dem linken Kanal und einem sporadisch aussetzenden Lautstärkeregler begrüßt. Zudem riecht das Gerät nach den ersten zehn Minuten Betrieb verdächtig nach "warmem Staub und alter Elektrik".

Der Verkäufer stellt sich natürlich komplett quer, beruft sich auf den Privatverkauf und meint, bei ihm hätte noch alles funktioniert. Ich ärgere mich maßlos über meine eigene Naivität, wieder einmal per Vorkasse ohne Absicherung gezahlt zu haben. Wie es der Zufall so will, bin ich heute (leider erst nach dem Kauf) über diesen Blogartikel gestolpert: https://vetosmarktpl...arum-es-sicherer-ist. Hätte ich das mal vorher gelesen, wäre mir dieser ganze Ärger mit dem defekten SABA und dem verlorenen Geld wohl erspart geblieben, da dort genau erklärt wird, wie man solche Risiken bei Gebrauchtgeschäften umgeht.

Jetzt stehe ich vor der Wahl: Den MI 215 mühsam revidieren lassen oder ihn direkt wieder als defekt deklariert verkaufen? Hat von euch jemand Erfahrung mit der Endstufen-Sektion dieses Modells? Lohnt sich der Aufwand bei den aktuellen Marktpreisen noch oder ist das eher ein Fass ohne Boden? Ich bin gerade echt bedient und werde in Zukunft wohl nur noch über Wege kaufen, die einen echten Schutz bieten, so wie es in dem Blog beschrieben ist. Würdet ihr die Kiste nochmal zum Techniker geben oder lieber direkt den Verlust abschreiben?
VielDoof
Schaut ab und zu mal vorbei
#2 erstellt: 05. Mai 2026, 08:07
Hallo, vielleicht solltest Du diese Fragen auch in diesem Forum stellen.
http://saba-forum.dl...d16a790f9d1a4198f5b5
Laut Hifi Wiki ist das Gerät gut 40 Jahre alt, das es dann je Pflegezustand nach Staub und Ähnlichem müffelt ist, wenn nicht zwischendurch mal ne Revision oder Reinigung vorgenommen wurde, normal. Ist natürlich Mist wenn die Funktionalität nicht der Beschreibung entspricht, aber mit Einschränkungen hätte ich persönlich gerechnet, bei dem Alter. Gerade Schalter und Potis sind anfällig.
Lass dich mal in einem SABA Forum genau beraten, damit die Kiste kein Groschengrab wird.
Gruß


[Beitrag von VielDoof am 05. Mai 2026, 08:17 bearbeitet]
dan_oldb
Inventar
#3 erstellt: 05. Mai 2026, 09:10
Warum zum Geier hast du nicht über Kleinanzeigen bezahlt, dann hättest du deren Käuferschutz in Anspruch nehmen können? Sei froh das du bei deiner Vorkassezahlung überhaupt ein Gerät geschickt bekommen hast und nicht zwei Ziegelsteine.
Burgmueller
Neuling
#4 erstellt: 05. Mai 2026, 14:24
Hast ja recht, hinterher ist man immer schlauer. Aber der Käuferschutz dort ist halt auch kein Allheilmittel – oft hat man am Ende trotzdem den Stress mit dem Support und muss beweisen, dass der Defekt nicht beim Versand passiert ist. Mir ging es eher darum, wie man solche Typen von vornherein aussortiert, bevor man überhaupt Geld schickt. Aber klar, die Vorkasse war in dem Fall einfach naiv.


[Beitrag von Burgmueller am 05. Mai 2026, 14:26 bearbeitet]
n5pdimi
Inventar
#5 erstellt: 05. Mai 2026, 14:29
Sowas würde ich nur direkt per Abholung und nach Begutachtung vor Ort kaufen. Wenn der Preis stimmt kann mans natürlich riskieren.
dan_oldb
Inventar
#6 erstellt: 05. Mai 2026, 14:31
Die Gefahr eines Defekts beim Versand trägt der Verkäufer bzw. Versanddienstleister, nicht der Empfänger.

Vorher Aussortieren? Schwierig. Die Bewertungen bei Kleinanzeigen sind recht wenigsagend finde ich, und abseits von vor Ort Geschäften bleibt einem da nicht viel. Tatsächlich ist das der Grund warum ich Kleinanzeigen ausschliesslich mit Abholung nutze, sowohl als Käufer als auch als Verkäufer.
Burgmueller
Neuling
#7 erstellt: 05. Mai 2026, 14:39
Abholung wäre ja gut, wenn der Verkäufer nicht in Sachsen wohnen würde, und ich komme aus Hamburg.
n5pdimi
Inventar
#8 erstellt: 05. Mai 2026, 14:59
Wobei sich Deine Beschreibung absolut nach "mit wenig Aufwand wieder herstellbar" anhört. Kratzen aus einem Kanal und Lautstärkeregleung hört sich ganz simpel nach Poti an? Also ist ja praktisch normal und zu erwarten bei dem Alter.
Das kann man sicher ganz einfach tauschen?
Rabia_sorda
Inventar
#9 erstellt: 05. Mai 2026, 16:23
Im Service-Manual handelt es sich bei dem Volume-Poti um ein logarithmisches (log) Stereo-Poti mit 2x 100 k und das sollte erhältlich sein.
Schwieriger wird es aber bei den mechanischen Eigenschaften (Achslänge, Durchmesser, Form). Dazu müsste man also auch Vergleiche anstellen.
Eine zu lange Achse lässt sich aber natürlich ohne Weiteres kürzen.

Da es sich hier aber um ein relativ simples Poti handelt, kann man es garantiert öffnen, reinigen und versiegeln.
Also grundsätzlich alles kein Hexenwerk.

Aber bei so alten Geräten können Schalter, Taster und Potis oxidiert sein, und dazu sollte man es erstmal mit einer etwa 30-maligen Betätigung ALLER ( AN/AUS nicht(!) ) genannten Bauteile versuchen.
Definitiv ist auch das LS-Schutzrelais (Rs1621) zu nennen. Solche Relais sind oft für genau diese Fehler bekannt und es sollte bei so alten Geräten präventiv immer erneuert werden.

P.S. :
Im Gerät befinden sich auch Tantal-Kondensatoren und Elkos von Roederstein. Diese können "von jetzt auf gleich" Ausfallerscheinungen besitzen. Bei den Elkos wäre es eher nicht so schlimm, nur Tantale sind für Kurzschlüsse bekannt und Folgeschäden sind dabei nicht unüblich.

Einige der kleinen, innen verbauten Potis für z.B. den Endstufenabgleich können auch Oxidationen besitzen oder zerfallen sogar und dabei raucht dann die Endstufe ab.

Diese Dinge sollte man also bedenken und zeitig die richtigen Maßnahmen ergreifen.
Burgmueller
Neuling
#10 erstellt: 05. Mai 2026, 17:06
Vielen Dank für die extrem hilfreiche und detaillierte Einschätzung! Das hilft mir gerade massiv weiter, um den Frust in Tatendrang umzuwandeln.

Das mit dem LS-Schutzrelais und den Roederstein-Elkos ist ein super Hinweis. Die 'Schneemänner' (so werden die Roedersteins doch genannt, oder?) habe ich in anderen Threads auch schon als potenzielle Gefahrenquellen gesehen. Dass die Tantale sogar Kurzschlüsse verursachen können, war mir so nicht bewusst – das erklärt vielleicht den verdächtigen Geruch nach ein paar Minuten Betrieb.

Ich werde jetzt am Wochenende mal die '30-mal-betätigen'-Kur machen, um zu sehen, ob sich das Kratzen am Poti dadurch zumindest temporär bessert. Falls nicht, traue ich mir das Öffnen und Reinigen des Potis eigentlich zu, solange es kein Hexenwerk ist.

Eine Frage noch: Wenn ich das Gerät eh offen habe, um die Potis zu reinigen – woran erkenne ich als Laie am besten, ob die Ruhestrom-Potis für die Endstufe schon zerfallen oder oxidiert sind? Gibt es da ein optisches Warnsignal, bevor mir die Kiste wirklich abraucht?

Ich tendiere jetzt dazu, den SABA doch zu behalten und ihn Stück für Stück zu revidieren. Er ist optisch einfach zu schade für die Tonne.
Rabia_sorda
Inventar
#11 erstellt: 05. Mai 2026, 17:33

Die 'Schneemänner' (so werden die Roedersteins doch genannt, oder?) ...


Nein, nur die weißen Kondensatoren. Die hatten aber noch wein-rote, bräunliche und orangene Elkos im Plastikbecher.
Das sind grundsätzlich gute Elkos, nur können die Gehäuse Rissbildungen aufweisen und dann geht es mit ihnen drastisch "Berg abwärts".
Deren Elkos (und auch die von Frako) im Alubecher sind oftmals noch intakt (was natürlich nicht die Regel sein muss).


Dass die Tantale sogar Kurzschlüsse verursachen können, war mir so nicht bewusst ...


Hauptsächlich aber nur bei einer anliegenden Spannung die im Bereich der max. Spannungsangabe der Tantale liegt.
Falls sie weit unterhalb ihrer Spekifikationen betrieben werden wie z.B. als Koppel-Kondensatoren in den Signalwegen, dann halten sie eigentlich ewig.


– das erklärt vielleicht den verdächtigen Geruch nach ein paar Minuten Betrieb.


Würde ich nicht meinen.
Ich wäre dann auch eher dabei:


Laut Hifi Wiki ist das Gerät gut 40 Jahre alt, das es dann je Pflegezustand nach Staub und Ähnlichem müffelt ist, wenn nicht zwischendurch mal ne Revision oder Reinigung vorgenommen wurde, normal.



Eine Frage noch: Wenn ich das Gerät eh offen habe, um die Potis zu reinigen – woran erkenne ich als Laie am besten, ob die Ruhestrom-Potis für die Endstufe schon zerfallen oder oxidiert sind? Gibt es da ein optisches Warnsignal, bevor mir die Kiste wirklich abraucht?


Als "Laie" ist es so eine Sache ....
Der Schleifring sollte nicht schon schwarz oder grün angelaufen und natürlich noch vollständig vorhanden sein.
Falls da aber schon Auffälligkeiten vorhanden sein sollten dann sind sie definitiv zu erneuern (ich verwende immer die gekapselten Potis vom spanischen Hersteller "Piher"). Eine Justage der Potis ist danach aber immer vorzunehmen, denn ohne einer Justage kann die Endstufe evtl. schlecht(er) klingen und im Extremfall auch abrauchen.

Auf diesem Bild sieht man wie schlecht darin schon einige der Potis aussehen können.
L+R sind mittig 2 hochkant-gesteckte Platinen und jeweils dort erkennt man (etwas schlecht) schon schwarz-oxidierte Potis.

BILD


Hier noch der Link zum SM:

SABA INTEGRATED STEREO AMPLIFIER MI 215
pedi
Inventar
#12 erstellt: 05. Mai 2026, 20:10

dan_oldb (Beitrag #6) schrieb:
Die Gefahr eines Defekts beim Versand trägt der Verkäufer bzw. Versanddienstleister, nicht der Empfänger.

Vorher Aussortieren? Schwierig. Die Bewertungen bei Kleinanzeigen sind recht wenigsagend finde ich, und abseits von vor Ort Geschäften bleibt einem da nicht viel. Tatsächlich ist das der Grund warum ich Kleinanzeigen ausschliesslich mit Abholung nutze, sowohl als Käufer als auch als Verkäufer.

bei privatkauf trägt der käufer das versandrisiko.
Rabia_sorda
Inventar
#13 erstellt: 05. Mai 2026, 20:29
Übrigens würde ich den weiteren Verlauf (bzw. die Reparatur) besser im Reparatur-Unterforum untergebracht sehen.
Ich würde daher das Fehlerbild dort nochmals erläutern und dazu auch noch diesen Thread verlinken.
Ich denke, die Resonanz würde durch die dortigen "Fachleute" womöglich um einiges steigen und dem TE bei den Reparaturen durchaus weiterhelfen können.
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