Panasonic Plasma-TV - allgemeine Reparaturtipps

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e42b
Neuling
#1 erstellt: 19. Nov 2014, 03:15
Hi Leute,

nachdem mein Medion HD Ready gestorben und ein Reparaturversuch gescheitert war, habe ich mir überlegt, nichts mehr in das alte Gerät zu investieren und mir statt dessen einen HD-TV mit erstklassigem Bild zuzulegen, da ich hauptsächlich einen Monitor benötige.
Da auch ältere Fernseher dieser Art in 42 Zoll gebraucht noch einige 100 € kosten, musste es ein defekter sein, dessen Defekt soweit definiert war, dass das Panel heil ist und die Reparatur nicht allzu anspruchsvoll scheint. Es wurde ein TH-42PZ70EA mit dem Blinkcode 7 für unter 50 € in der näheren Umgebung. (Die älteren Panasonic-Geräte sind noch halbwegs diskret aufgebaut, was einem ambitionierten Hobbyisten den Zugriff deutlich erleichtert.)

Die Einzelheiten zur Reparatur kann man in diesem und anderen Foren nachlesen und darauf möchte ich nicht hinaus.
Was mir fehlte, waren konkrete Erfahrungen bei Ausführung der Reparatur. Wie ich nachlesen konnte, waren in meinem Fall die einschlägigen Verdächtigen das SD-, das SU und das SC-Board. Dazu gibt es Reparaturhinweise en masse und sogar einen Technical Guide von P. Trotzdem bin ich in einige Fallen getappt.

-> Im Technical Guide wird angeraten, als erstes SU- und SD-Board physikalisch vom Fernseher abzukoppeln. Davon rate ich dringend insofern ab, dass man die gelben Flachbandkabel (vier Stück pro Board, jeweils 135 Kontakte) besser nicht abzieht, denn das genaue Anstecken wird sehr schwierig. Besser ist es, die Boards auszubauen aber die o.a. Kabel dran zu lassen, denn das erleichtert den späteren Zusammenbau erheblich.

Nun ja, bei mir war (wie wohl in 90% aller Fälle) das SC-Board der Übeltäter und dort auch zwei der üblichen Verdächtigen 5N2307.
Im Netz grassieren viele Meinungen über Testmethoden, bei mir hat die folgende Vorgehensweise funktioniert:

Iin der linken Reihe befinden sich drei Gruppen von MosFets 5N2307, deren Drain jeweils parallel geschaltet ist. In meinem Fall waren die Gruppen von 14 Stück insgesamt in 6,2,6 aufgeteilt. Das sollte man vorher ohmsch am Drain ausmessen. Dann misst man die Gruppen an einem MosFet von Drain nach Source auf Durchgang durch und ermittelt so die Gruppe, in der sich ein oder mehrere defekte MosFets befinden. Hat man die Gruppe ermittelt (Es kann auch mehr als eine sein, aber meistens ist es die untere.), lötet man bei allen MosFets dieser Grupe das Source-Beinchen ab. Ich habe dazu den Lötkolben auf 500 Grad eingestellt und mit Entlötpumpe gearbeitet. In einem zweiten Arbeitsgang habe ich nach erneutem Erhitzen das Beinchen mit einem Uhrmacherschraubendreher hochgebogen. Ist das bei allen MosFets erfolgt, kann man den Übeltäter leicht ermitteln. Um ihn auszulöten, empfehle ich dringend eine Workstation (Heißluft), die mindestens stabil 480 Grad bringt. (Ganz dringend Finger weg von Opas 250-Watt-Brateisen. Mit so einem Gewaltteil kann man nicht genau arbeiten und deswegen ist die Gefahr von Kollateralschäden sehr groß.)
Zuvor muss noch das Gate abgelötet werden und hier lauert wieder eine Falle:

-> Direkt oberhalb des Gate-Pins befindet sich ein SMD-Widerstand, der leicht im Nirwana verschwindet, wenn man nicht höllisch aufpasst, deswegen auch hier mit Lötkolben und zwar von unten vorgehen.

-> Um den defekten MosFet von der Platine zu lösen, hat es bei mir gut funktioniert, mit der dünnsten Düse der Workstation (2,5 mm) auf der rechten Seite das Basisblech zu erhitzen und mit einer Pinzette den Körper abzuziehen, wenn das Lötzinn gerade flüssig ist.

-> Die MosFets bekam ich günstig vom Buchtnutzer "loeterotto", der mir auch noch Tipps gab. (Dies ist eine Empfehlung!)

Das Einlöten des neuen MosFets geht nicht, ohne ihn vorher zu verzinnen und jetzt sind wir beim Lot. Das Werk verwendet das vorgeschriebene bleifreie Lot, dessen Schmelzpunkt bei 380 Grad liegt. Bleihaltiges schmilzt deutlich früher und deswegen habe ich mich dafür entschieden, weil die Verarbeitung wesentlich einfacher ist. Funktionell sind keine Einbußen zu erwarten, denn der MosFet erreicht per Verlustleistung die Entlöttemperatur von bleihaltigem Lot nicht, ohne vorher zu sterben. (Auch der wohl serviceseitig schon ausgetauschte MosFet ist mit bleihaltigem Lot verarbeitet gewesen.)
Das Verzinnen habe ich mit dem Kolben (480 Grad) gemacht. Wichtig ist, dass nur sehr wenig Lötzinn auf der Fläche verbleibt und dieses nur so kurz erhitzt worden ist, das noch nicht alles Flussmittel verdampft ist, d.h.: Kurze Lötzeiten! (Immer unter 2 Sekunden)
MosFet an seine Stelle setzen, pin-seitig Druck ausüben und von rechts blasen, bis es patscht. Sitz kontrollieren und ggf. korrigieren, Heißluft wegnehmen und nach fünf Sekunden sitzt der MosFet sicher.
Alle Pins wieder (mit dem Kolben) anlöten.
-> Obwohl das Service Manual das Gegenteil behauptet, habe ich keine Probleme beim Mischen von bleifreiem und bleihaltigem Lot festgestellt, wenn ich die Löttemperatur höher als 380 Grad gehalten habe.

So, die Reparatur ist durchgeführt, alle Kabel bis auf SD- und SU-Board sind verbunden, schalten wir mal ein.
-> Das ist die nächste Falle: Beim Bildaufbau fließen hohe Ströme und alle gehen über Masse, weswegen wir das SC-Board mit allen Schrauben fest einschrauben müsssen, weil sich der Strom sonst andere Wege sucht, was zwingend weiteren Bauteiletod nach sich zieht, also:

-> Vor dem ersten Anschalten verschrauben wir das SC-Board fest mit dem Chassis und wenn SU- und SD-Board wieder angehängt sind, auch diese. No Way Out!

Sollten wir die obigen Ratschläge beherzigt haben und sonst nichts defekt sein, sollte der Fernseher nach einigem grün Blinken ein Ganzbild ohne Querstreifen darstellen.
Bei mir war das nicht so. Ich hatte pixelbreite Streifen in der oberen Bildschirmhälfte. Nach einigem Suchen kam ich auf den Trichter, dass ein Vorfummler das Service Manual wörtlich genommen und die linken Anschlüsse zum Panel gelöst hatte. Lösen ist einfach (braune Leiste hochklappen und Kabel rausziehen), richtig einsetzen ist schwer. Ich habe einen halben Tag für drei Kabel gebraucht.

-> Da die Verbindungen in zwei Ebenen stattfinden, muss man darauf achten, dass das jeweilige Kabel mittig und weit genug eingesteckt wird. Es gibt keine Mittenführung und man muss erklecklichen Druck ausüben, um das Kabel ganz einzuschieben. Am Ende habe ich das Board eingeschraubt, mit beiden kleinen Fingerspitzen eindrehend das jeweilige Kabel mit Druck und Gefühl eingeschoben, während ich mit einem Stift im Mund die (braune) Klemme zugedrückt habe. Es ist Fummelei und ich war kurz davor aufzugeben und einen Panelfehler anzunehmen aber am Ende hat es geklappt. Geduld, Hinschauen und nochmal von vorn. Wenn man das Kabel nicht beschädigt, klappt es irgendwann.

Auch wenn das Ding schon alt ist und kein 3D kann und viel Strom frisst, es lohnt sich, denn das Bild ist so dermaßen klasse, dass ich jeden LCD dafür stehen lasse. (Normaler Weise repariere ich Notebooks.)

Viel Glück und Erfolg

Edit: Formulierungsfehler beseitigt


[Beitrag von e42b am 20. Nov 2014, 23:31 bearbeitet]
driebolb
Stammgast
#2 erstellt: 19. Nov 2014, 08:45
Hallo e42b,

toll, dass Deine Reparatur erfolgreich war. Vielleicht hilft die sehr genaue Beschreibung anderen auch.

Wenn Du deinen PZ70 noch etwas mehr Kontrast entlocken willst, empfehle ich diese Maßnahme.

Gruß
driebolb
e42b
Neuling
#3 erstellt: 20. Nov 2014, 23:15
Hi driebolb,

es war mein Ziel, anderen durch den ausführlichen Text Hilfe bei der konkreten Reparatur zu geben. Auch mit Erfahrung aus anderen Bereichen ist so eine Reparatur nicht ganz anspruchslos. Z.B. hätte ich fast einen der o.a. Widerstände verloren, weil ich zuerst versucht habe, die Beinchen mit Heißluft abzulöten. Zum Glück hab ich's noch früh genug bemerkt und konnte ihn wieder richtig positionieren und anlöten. Da er zum ordnungsgemäßen Betrieb der Stufe unbedingt notwendig ist und nur schwer Ersatz zu beschaffen ist, ist es deutlich besser, ihn nicht zu verlieren.

Da ich nicht mehr der Jüngste bin und meine Augen schon merkbar nachlassen, nutze ich als Lupe ein altes Vergrößererobjektiv, was in diesem Fall sehr hilfreich war, denn die beteffende Bauteilgröße bewegt sich im einstelligen mm-Bereich.

Danke für den Tipp.

Abendgrüße
E.
e42b
Neuling
#4 erstellt: 06. Jun 2015, 00:19
Nachtrag:

Der Fernseher läuft bis heute (ein halbes Jahr später) immer noch einwandfrei, was mindestens heißt, dass die Bauteile von loeterotto (der der günstigste Anbieter weit und breit war) qualitativ gut sind. (Die Reparatur kann wohl auch nicht so schlecht gewesen sein.)
Ich nutze den Fernseher regelmäßig auch als Monitor für Bildbearbeitung und habe keine Schattenbildung festgestellt. Dies mag dem Umstand zuzuschreiben sein, dass das Gerät jetzt an die acht Jahre alt ist und reichlich Zeit hatte, sich zu "setzen".
Ich bin immer noch begeistert von der herausragenden Bildqualität und der stabilen Funktion.

Jedem, der einen stabilen Plasma (gibt es ja nicht mehr) sucht, kann ich einen solchen Fernseher empfehlen, denn ein besseres HD-Bild habe ich danach nicht gesehen und auch keins, das auch nur in die Nähe kam.

Nachtgrüße
E.
e42b
Neuling
#5 erstellt: 28. Nov 2016, 01:02
Hi,
nur so am Rande: Die Kiste läuft immer noch und zeigt mal gar keine Auflösungserscheinungen.
Nachtgrüße
E.
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