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Anekdoten und Geflügelte Worte aus der Klassikwelt

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Beitrag
Alfred_Schmidt
Hat sich gelöscht
#1 erstellt: 12. Mrz 2004, 20:49
Also das is ja nun mal bestimmt nix Neues.
Aber es kann lustig sein, und zudem entspannend.
Daher hab ich mir die Idee von wo "gegrapscht" wo ich
früher mal war. Meine damaligen Beiträge werd ich auch hierher verfrachten.
Also jeder der Lust hat soll halt eine Anekdote aus dem Bereich der "Klassischen Musik" hierher posten.
Mein erster Beitrag folgt im nächsten Posting.

Viel Spaß beim Mitmachen
Alfred
Alfred_Schmidt
Hat sich gelöscht
#2 erstellt: 12. Mrz 2004, 21:06
Max Reger


Eine Dame der besseren Gesellschaft schickte Ihre hübsche uber total unbegabte Tochter zu Reger in den Klavierunterricht:

Einige Wochen später wollte Sie Regers Urteil hören.

Reger antwortete in der für ihn typischen Art:

"Gnädige Frau, ohne Flügel wäre Ihr Fräulein Tochter ein Engel !"




Grüße aus Wien
Alfred
op111
Moderator
#3 erstellt: 12. Mrz 2004, 21:12
Otto Klemperer

Der erste Dirigent, der grundsätzlich alles auswendig dirigierte, war Arturo Toscanini. Er tat das nicht aus Geltungssucht, sondern weil er sehr kurzsichtig war. Was Otto Klemperer zu der Bemerkung veranlasste: ?Nur weil dieser Mensch zu eitel ist, eine Brille aufzusetzen, können wir jetzt Partituren auswendig lernen!?
gaspard
Ist häufiger hier
#4 erstellt: 15. Mrz 2004, 14:39
Sie klingen wie ein Damenorchester

Rüge des Patriarchen Celibidache an seine Münchner Philharmoniker (1990)[img]
op111
Moderator
#5 erstellt: 15. Mrz 2004, 16:37
Hallo zusammen,
noch eine Anekdote von Otto Klemperer.

Als Bruno Walters Tod bekannt wurde, fragte ein Journalist Otto Klemperer, wie er als nun letzter Überlebender dieser Dirigentengeneration (u.a. Toscanini, Furtwängler, Kleiber) darauf reagiert habe:
Klemperer: "Ich habe sofort meinen Agenten angewiesen, meine Honorarforderungen zu erhöhen."
Alfred_Schmidt
Hat sich gelöscht
#6 erstellt: 15. Mrz 2004, 19:26
Nun mal keine Anekdoten sondern ein Zitat:

"Ich glaube, dass es wenig geistig interessierte Menschen gibt, die Optimisten sind. Denn Optimismus setzt immer einen ziemlichen Grad von Blödheit voraus."

Nikolaus Harnoncourt, ORF-Sendung "NÖ heute" am 21.02.2003



In diesem Sinne
Servus aus Wien
Alfred
Antracis
Stammgast
#7 erstellt: 15. Mrz 2004, 23:46
Toscanini

Während einer Überfahrt von Europa in die Vereinigten Staaten hört der berühmte Dirigent eine Aufnahme der "Eroika", über die er sich wegen angeblich diletantischer Stabführung furchtbar in gewohnter Manier ereifert. Er schimpft den "Kollegen" sogar einen Hornochsen und nimmt dies auch nicht zurück, als Ihm eröffnet wird dass er es selbst sei, der dort dirigiere.

Toscanini & Furtwängler

Furtwängler sitzt in einem Konzert in New York, in dem Toscanini die 9.Sinfonie von Beethoven dirigiert. Bereits nach den ersten Takten steht Furtwängler auf und verlässt mit den Worten "Verdammter Taktklopfer" den Saal.
Hintergrund: Toscanini lies die Sextolen des Beginns penibel genau auspielen, während Furtwängler daraus immer eine Art mystischen Nebel werden lies. Hier traten die vollkommen entgegengesetzten musikalischen Auffassungen der beiden großen Musiker offen zu Tage.

Daniel Barenboim & Karl Böhm

1952 schleicht sich der noch sehr kleine Daniel während eines Kurzaufenthaltes in Wien in eine Zauberflöte, die Karl Böhm dirigiert. Der kleine, von der Reise noch erschöpfte Junge schläft während der Oper ein, erwacht dann total desorientiert und schreit nach seinen Eltern - Ordner werfen das Kind aus dem Saal.

Etliche Jahre später probt der Pianist Barenboim mit Böhm und erzählt ihm die Anekdote mit dem humoristischen Hinweis, gleich im ersten Konzert das er unter Böhm gehört habe, eingeschlafen zu sein. Schallendes Gelächter im Orchester. Böhm beweißt vermittelst eisigen Schweigens und kommentarlosem Fortsetzen der Probe, dass ihm außerhalb des Musikalischen menschlich durchaus Grenzen gesetzt waren - zumindest, was den Humor betraf.

Leonard Bernstein & Glenn Gould

Vor einem Konzert der New Yorker Philharmoniker mit dem Pianisten Glenn Gould hielt der Dirigent Leonard Bernstein folgende berühmte Ansprache

"Leonard Bernstein:
Keine Angst, Mr. Gould ist hier [Gelächter im Publikum]. Er wird gleich auftreten. Ich habe eigentlich - äh -, wie Sie wissen, nicht die Gewohnheit, vor Konzerten zu sprechen, außer bei den Voraufführungen am Donnerstagabend. Aber es ist eine eigenartige Situation entstanden, die, wie ich glaube, ein oder zwei Worte verdient. Sie werden eine, man könnte sagen, einigermaßen unorthodoxe Aufführung von Brahms' d-moll-Konzert hören - eine Aufführung, die sich deutlich
von allem unterscheidet, was ich je gehört habe oder was ich mir je auf diesem Gebiet erträumt habe, deren Tempi ungewöhnlich breit sind und die regelmäßig von Brahms' dynamischen Anweisungen abweicht. Ich kann nicht sagen, daß ich mit Mr. Goulds Konzept vollkommen einverstanden bin, was die interessante Frage aufwirft: „Warum dirigiere ich das überhaupt?“ [verhaltenes Gelächter im Publikum]. Ich dirigiere es, weil Mr. Gould ein wirklicher, ein ernsthafter Künstler ist,so daß ich alle seine Ideen, die er in bester Absicht entwickelt, ernst nehmen muß. Und sein Konzept ist so interessant, daß ich denke, Sie sollten es sich anhören.

Es bleibt jedoch die uralte Frage: „Wer ist bei einem Solokonzert der „Boss“ (Gelächter im Publikum) - der Solist oder der Dirigent?“[anschwellendes Gelächter]. Die Antwort lautet natürlich: Mal der eine, mal der andere. Das hängt ganz von den beteiligten Personen ab. Aber fast immer schaffen es die beiden, sich zu einigen - durch Überzeugungsarbeit, durch Charme oder auch
durch Streiten [Gelächter im Publikum] - und so eine einheitliche Aufführung zustandezubringen. In meinem ganzen Leben ist es mir erst einmal passiert, daß ich mich völlig neuen, für mich unnachvollziehbaren Vorstellungen eines Solisten gebeugt habe - und das war bei meinem letzten Auftritt mit Mr. Gould [lautes Gelächter im Publikum]. Diesmal war die Diskrepanz zwischen unseren Sichtweisen so tiefgreifend, dass mir diese kurze Erklärung nötig schien. Denn - um die Frage zu wiederholen - warum dirigiere ich das? Warum lasse ich es nicht auf einen kleinen Skandal ankommen und besorge mir einen Ersatzsolisten oder lasse einen Assistenten dirigieren? Weil mich die Möglichkeit fasziniert und glücklich macht, eine neue Sicht auf dieses vielgespielte Werk zu gewinnen, vor allem weil in Mr. Goulds Interpretation immer wieder Momente von erstaunlicher Frische und Überzeugungskraft entstehen und drittens weil wir alle von diesem außergewöhnlichen Pianisten, diesem denkenden Künstler, lernen können. Und schließlich weil es in der Musik tatsächlich dieses - wie Dimitri Mitropoulos es nannte – „sportliche Element“ gibt [verhaltenes Gelächter im Publikum]: diesen Aspekt der Neugier, des Abenteuers und des Experimentierens.

Ich kann Ihnen versichern, daß es durchaus ein Abenteuer war [Gelächter im Publikum], in dieser Woche zusammen mit Mr. Gould dieses Brahms-Konzert zu erarbeiten.

Und es ist dieser Abenteuergeist, den wir ihnen jetzt präsentieren
werden [lauter Beifall].


Gruß
Anti


[Beitrag von Antracis am 15. Mrz 2004, 23:49 bearbeitet]
Alfred_Schmidt
Hat sich gelöscht
#8 erstellt: 16. Mrz 2004, 04:30
Richard Strauß


Wilhelm II., der für die Werke von Richard Strauß nichts übrig hatte,
sagte einst über die Salome:

"So soll der Strauß nicht komponieren.---Damit schadet er sich"

Als man Strauß von diesem Ausspruch in Kenntnis setzte, sagte er lakonisch:

"Von diesem Schaden hab ich mir mein Haus in Garmisch gebaut"


Gruß
Alfred
Tantris
Hat sich gelöscht
#9 erstellt: 16. Mrz 2004, 12:03
Hallo,

"Schubert ist ein ganz merkwürdiger Zeitgenosse, er redet nie und schweigt die ganze Zeit" (Richard Wagner)

"Dieser Wagner ist ein komischer Mensch, er redet ohne Pause" (Franz Schubert)

Gruß, T.
Hilda
Stammgast
#10 erstellt: 16. Mrz 2004, 12:09
Hi Tantris,

bist Du da sicher???? Schubert starb 1828 - da war der gute Richard (*1813) also gerade mal 15 Jahre alt...

Hat Wagner Schubert als Teenager kennengelernt? Wenn ja sicher interessant.

Gruss
Klaus
op111
Moderator
#11 erstellt: 16. Mrz 2004, 12:16

"Schubert ist ein ganz merkwürdiger Zeitgenosse, er redet nie und schweigt die ganze Zeit" (Richard Wagner)
"Dieser Wagner ist ein komischer Mensch, er redet ohne Pause" (Franz Schubert)


Da muß man wohl F. Schubert durch Heinrich Heine ersetzen.

Die haben sich tatsächlich in Paris in einer Kneipe getroffen.
Wagner redete und bleib so fast nüchtern, Heine kam kaum zu Wort aber desto häufiger zum Trinken, was ihn teuer zu stehen kam.


Gruß
Franz


[Beitrag von op111 am 16. Mrz 2004, 13:47 bearbeitet]
driesvds
Ist häufiger hier
#12 erstellt: 16. Mrz 2004, 19:27
"Übe nicht allein die Kunst, sondern dringe auch in ihr Inneres. Sie verdient es: denn nur die Kunst und die Wissenschaft erhöhen den Menschen bis zur Gottheit. Der wahre Künstler hat keinen Stolz; leider sieht er, dass die Kunst keine Grenzen hat. Er fühlt dunkel, wie weit er vom Ziele entfernt ist, und indes er vielleicht von andern bewundert wird, trauert er, noch nicht dahin gekommen zu sein, wohin ihm der bessere Genius nur wie eine ferne Sonne vorleuchtet."

Beethoven an Emilie M. 17.7.1812

"Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie."

Beethoven an Bettina von Arnim - 1810

Tantris
Hat sich gelöscht
#13 erstellt: 17. Mrz 2004, 20:03
Hallo,

ohoh, peinlich, es muß natürlich Robert Schumann sein und nicht Franz Schubert... ;-) Schumann und Wagner waren Mitte der 1840er Jahre ja quasi Nachbarn in Dresden.

Aber die beiden werden ja gerne verwechselt, man denke an die Geschichte mit der Briefmarke der Deutschen Bundespost, wo beide Komponisten verwechselt wurden... ;-)

Gruß, T.
Alfred_Schmidt
Hat sich gelöscht
#14 erstellt: 18. Mrz 2004, 22:27
Otto Klemperer



Klemperer wird eine Einspielung von Debussys "La Mer" vorgespielt.
Er rümpft die Nase.
"Was soll das sein ---Wer dirigiert das ?"
Die Antwort kommt prompt: "La Mer --- George Szell"
Darauf Klemperer:
"Szell ? Szell ? La Mer ?
Also wenn Sie mich fragen: Das hier klingt nicht wie "La Mer" von Debussy....,
sondern eher wie........... "Zell am See"

Servus aus Wien
Alfred


*Zell am See
Luftkurort im Bundesland Salzburg
ca 8000 Einwohner
BigBerlinBear
Stammgast
#15 erstellt: 19. Mrz 2004, 22:16
Wilhelm Furtwängler

Wilhelm Furtwängler wurde gebeten, anlässlich eines Jubiläums ein Provinzorchester zu dirigieren.
Unter Angabe einer sehr hohen Summe sagte er zu.
Die örtlichen Honoratioren kabelten zurück, obs denn nicjt ein wenig billiger ginge...

Furtwängler kabelte:
1. entweder sie zahlen den vereinbarten Betrag

2. sonst Jochum !
BigBerlinBear
Stammgast
#16 erstellt: 20. Mrz 2004, 17:09
Furtwängler zu den Berlinern Philharmonikern !
"Wissen Sie, was ein von "Jott" verlassener Dirigent ist? "

Ein Ochum !
Alfred_Schmidt
Hat sich gelöscht
#17 erstellt: 23. Mrz 2004, 19:18
Die wahren Hintergründe bezüglich der Enstehung von Beethovens Sinfonie Nr 5:

Es ist wieder mal so weit.
Beethoven muß ausziehen.
Seine Vermieterin, Frau Woprschalek hat nun endgültig genug:

"Nah, Herr von Bääthofn, so gäht das net.
Jädn Tohg der Lärm der schräckliche. I muass ihna kindign.
Des halt ja das stärkste Nega net aus diesn Lärm !!

Beethoven will bleiben.
Er ersinnt eine List und verlegt sich aufs Schmeicheln.

"Frau Woprschalek,
Schauns, ich kann ja gar nicht weg von da.
Ich brauch SIE doch !!!
Ich verrat ihnen Jetzt ein Geheimnis: "*Sie* sind meine Muse !!!)"

"Herr von Bähtfofn, do missns ihna oba scho was Gscheitares einfalln lassn,
*Dees* glaubt Ihna niemand
*IIIIIch* Ihner Muse ?????
Da muass i aba lachn:
HA HA HA HAAAAaaaaaahhh
(Sie lacht die ersten Töne der Schicksalssinfonie)

------------------------------------------------------------------------

Das Internet ist nicht gut geeignet diesen Witz zu transportieren, trotzdem mache ich es. Man sollte unbedingt "böhmakeln" /Bähmakln) können um diesen
Witz treffsicher zu erzählen. Wichtig auch daß Frau Wprschalek (Untalentierte können die Frau auch Navratil taufen)als möglichst derbe Person gezeichnet wird, der man die "Muse" nie abnehmen würde)


Viel Erfolg.
Alfred
Alfred_Schmidt
Hat sich gelöscht
#18 erstellt: 06. Apr 2004, 23:02
Otto Klemperer

Klemperer war mit seinem Agenten Mendelssohn* in der Londoner City unterwegs. Er hatte kurze Zeit vorher Beethovens Sinfonien neu eingespielt und nörgelte:
"Herr Mendelssohn, sie müssen was machen.Nirgendwo sieht man meine Platten, nirgendwo ist mein Beethoven in den Auslagen zu sehen"
Mendelssohn beschwichtigt: "Aber Herr Klemperer, das ist doch gar nicht wahr, das bilden Sie sich nur ein. Jeder kennt und schätzt Ihren Beethoven"

Die beiden kommen an einem der führenden Schallplattenläden vorbei, und Klemperer geht schnurstrax hinein. Sein Agent folgt ihm.

Klemperer in der Klassikabteilung: "Ich bekomme die 4. Sinfonie von Beethoven unter Klemperer"
Verkäuferin: "Haben wir nicht"
Klemperer:" Was ? -- Die haben sie nicht ? Wieso nicht ?"
Verkäuferin: "Es gibt keine 4. Beethoven unter Klemperer. --Er hat sie nicht aufgenommen."
Klemperer: Doooooch! er hatttt !!!!
Verkäuferin: "Nein, das würde ich wissen"
Klemperer: (zornig)"Dooooooch !!!!!!
Verkäuferin (schnippisch) : Woher wollen denn gerade Sie das wissen ??
Klemperer (stellt sich in Pose und donnert) "Ich SELBST bin KLEMPERER !!!!
Verkäuferin (lacht höhnisch)" Siiiiie der Klemperer ?---- Siieeeeee ?-------
Dann ist der (sie zeigt auf den Agenten) wahrscheinlich der Beethoven ???"
Klemperer. (trotzig): Nein ---- Das ist der Mendelssohn!!!!!



Gruß
aus Wien
Alfred

*Mitglieder der Familie Mendelssohn (Ob die mit dem Komponisten verwand sich weiß ich nicht) waren oft irgendwie in der Musikbranche tätig. Einer hatte sogar eine Schallplattengesellschaft.


[Beitrag von Alfred_Schmidt am 06. Apr 2004, 23:08 bearbeitet]
BigBerlinBear
Stammgast
#19 erstellt: 07. Apr 2004, 09:10
Dietrich Fischer-Dieskau, der sich auch als Dirigent mehr oder weniger erfolgreich versuchte, traf Otto Klemperer
in einer Konzertpause in London, stürzte auf Klemperer zu und sagte:"Stellen sie sich vor, Herr Professor Klemperer, ich dirigiere morgen abend die "Eroica" in der Royal Albert Hall und würden sie mir die Ehre erweisen, zu meinem Konzert
zu erscheinen ?" Klemperer,damals 84 jahre alt, erwiderte:"Das passt leider nicht, Herr Fischer, denn ich singe morgen Abend die "Winterreise" in der Purcell-Hall
Alfred_Schmidt
Hat sich gelöscht
#20 erstellt: 23. Apr 2004, 00:01
und wieder mal:
OTTO KLEMPERER


Eine Dame himmelt Klemperer an:

"Maestro !!!!-----*Sie* sind der größte Dirigent aller Zeiten !!!!"
.........................................................
Klemperer ist geschmeichelt, will aber bescheiden erscheinen:

"Na, na, ---- Übertreiben Sie nicht.......................
.......da gibt es doch noch einige....................,
....diesen.........diesen........Dingsda........ wie heißt er denn.....
.... und dann noch.....diesen.......diesen.............................
...............................................................................................

"Aber nein ich seh gerade......................Sie haben recht!"
(steigert sich in die Begeisterung hinein).
SIE HABEN WIRKLICH RECHT !!!!






Grüße aus Wien
Alfred
BigBerlinBear
Stammgast
#21 erstellt: 23. Apr 2004, 22:40
Cosima Wagner hatte über einflussreiche Freunde in Berlin den Versuch unternommen, einen Adelstitel für ihren Sohn Siegfried und seine Familie zu bekommen:
Als man Kaiser Wilhelm Zwo darauf ansprach, sagte er: "Mir reicht schon der "Siegfried" von Wagner; aber ein "Siegfried von Wagner" das wär nicht auzuhalten ! "
Alfred_Schmidt
Hat sich gelöscht
#22 erstellt: 16. Mai 2004, 12:14
Hans KNAPPERTSBUSCH

Knappertsbusch war kein Freund von Proben.
Auf dem Programm steht die "Eroica". Es spielen die Berliner Philharmoniker.
Kna verständigt sich mit dem Orchester:
"Meine Herrn! Sie kennen das Werk - und ich kenne das Werk - Proben wären reine Zeitverschwendung - Wir sehn uns als heute Abend. Guten Tag !"
Der Orchestervorstand ist nich ganz einverstanden, ers wären da "Neulinge " im Orchester, die das Werk noch nicht gespielt hätten -- Solte man nicht doch - zumindest ein wenig - probieren?.
Knappertsbuch gibt unwillig nach. Er probt, lässt aber aus Gründen der Zeitersparnis die Wiederholungen weg.

Abends bei der Aufführung, es ist nichts besprochen worden, ist sich das Orchester nicht einig ob heute mit oder ohne Wiederholuingen gespielt wird. Es kommt zu einem kurzfristigen, aber unüberhörbaren "Wackler", schließlich setzten sich sie "Wiederholer" durch und die Sinfonie wird erfolgreich zu Ende gespielt. Jubel bricht los. Aber aller Insider haben den Lapsus natürlichbemerkt.
Als Knappertsbusch das Podium verlässt zischt er dem Orchestervorstand im Vorbeigehen wütend zu:

"Das kommt von Ihrer Scheiß-Probiererei !!!"


GRüße aus Wien

Alfred


(Keine Anekdote, hat sich zugetragen)
Torquato
Stammgast
#23 erstellt: 30. Okt 2004, 12:45
Heinrich Bart/Arthur Rubinstein

Rubinstein erzählte über seinen Klavierlehrer in Berlin, Heinrich Bart, er sei so streng gewesen, dass er seine talentlosen Schülerinnen, die "armen Mädchen (...) aus Amerika, die nach Berlin kamen, um etwas Klavier zu lernen, aber auch in die Opern zu gehen oder vielleicht einen Bräutigam zu finden und die deutsche Sprache zu lernen", durch seinen disziplinären Unterrichtsstil und verbale Ausbrüche wie "Ich werde doch nicht das Geld ihres Vaters stehlen" dermaßen zur Verzweiflung brachte, dass sie sich nach jeder Stunde töten wollten.

-

Bart zu Rubinstein:
"Junge, wenn du arbeiten wolltest - du könntest alle in den Dreck spielen"

Rubinstein über Bart:
"Da habe ich gelernt, dass er mich für ein großes Talent hält, aber für einen so faulen Jungen, dass nichts aus mir wird, wenn ich nicht arbeiten wolle"
AcomA
Stammgast
#24 erstellt: 29. Jan 2005, 15:00
gregor piatigorskys erste ehefrau heiratete später pierre fournier. piatigorsky kommentierte diesen umstand: 'wenigstens ist sie dem instrument treu geblieben.'


gruß, siamak
AcomA
Stammgast
#25 erstellt: 30. Jan 2005, 15:56
prinz louis ferdinand v. hohenzollern sollte im oktober 1806 in der schlacht zu saalfeld (wenige tage vor der doppelschlacht von jena und auerstedt) die avantgarde des hohenloheschen corps übernehmen. die letzte nacht davor auf der heidecksburg oberhalb des thüringischen rudolstadt, offiziere, hofdamen, der gastgebende fürst, louis ferdinand am klavier, beethovens musik, gegen mitternacht abrupter aufbruch.

die gastgeberin:"sie haben jetzt auf einem anderen klavier zu spielen." der prinz:"ja, lauter dissonanzen !"

(louis ferdinand fiel in der schlacht zu saalfeld)


gruß, siamak
AcomA
Stammgast
#26 erstellt: 31. Jan 2005, 23:04
aus artur schnabels erinnerungen:

dann erinnere ich mich an ein editorial im 'musical courier', den ich damals regelmäßig, seitdem aber nicht mehr gelesen habe. die überschrift lautete 'salesmanship'. dort hieß es: "zur zeit gastiert hier ein ausgezeichneter künstler und musiker, mr. schnabel. warum ist er nicht vernünftig ? warum insistiert er darauf, sein repertoire zu spielen ? er könnte viel geld verdienen, wenn er nur ein wenig flexibler und anpassungsfähiger wäre. er kam hierher, um seine produkte zu verkaufen, und wenn er seine produkte verkaufen will, muß er auch den bedürfnissen des marktes rechnung tragen."
ich wußte, wer der autor war; wir hatten einen gemeinsamen freund. ich denke, der mann hatte vollkommen recht. also bat ich meinen freund, ihm auszurichten, dass ich mit ihm übereinstimme. "nur in einem punkt irrt er sich. es stimmt, dass ich hierherkam, um meine produkte zu verkaufen, aber er verwechselt mich mit einem warenhaus !"


gruß, siamak


[Beitrag von AcomA am 31. Jan 2005, 23:05 bearbeitet]
Liveniz
Hat sich gelöscht
#27 erstellt: 01. Feb 2005, 04:38
Eine sehr schöne Anekdote zu Wolfgang Sawallisch:

http://www.hoefliche...hp?s=&threadid=14114
AcomA
Stammgast
#28 erstellt: 01. Feb 2005, 22:37
aus artur schnabels erinnerungen:

zuweilen bitten mich diese öffentlichkeitsmanager um die seltsamsten dinge. jüngst bekam ich einen brief, in dem ich gebeten wurde, unverzüglich 8000 'dodgers' zu schicken. ich zog mein wörterbuch zu rate, und dort hieß es, ein 'dodger' sei 'ein verschlagener mensch, ein schwindler'. gut, dachte ich, du kennst etliche halunken, aber 8000... schließlich fand ich heraus, dass 'dodger' im amerikanischen slang 'handzettel' bedeutet.


gruß, siamak
AcomA
Stammgast
#29 erstellt: 02. Feb 2005, 14:52
aus artur schnabels erinnerungen, begegnung mit glasunov:

glasunov liebte es, mir seine kompositionen vorzuspielen. eines abends spielte seine adoptivtochter ein stück, das er gerade komponiert hatte, und ich saß mit ihm zwei zimmer weiter in dem geheizten raum, um es mir anzuhören. glücklicherweise verfügte sie über einen recht kräftigen ton. sie spielte dieses ziemlich unspektakuläre stück, und plötzlich faßte er mich am arm und sagte: "haben sie gehört ? eine dissonanz." aber ich hatte überhaupt nichts bemerkt.


gruß, siamak
AcomA
Stammgast
#30 erstellt: 02. Feb 2005, 22:45
aus artur schnabels erinnerungen, begegnung mit glasunov:

es verwirrte und verletzte ihn (glasunov), dass ein mann wie strawinsky erfolg hatte. "von allen 2000 schülern, die ich am st. petersburger konservatorium unterrichtet habe", sagte er, "hatte er das schlechteste gehör."


gruß, siamak
AcomA
Stammgast
#31 erstellt: 03. Feb 2005, 23:01
als zum ende des zweiten weltkrieges pfitzners haus durch bomben getroffen wurde, kommentierte der komponist diesen umstand so: "und da sagen die leute, mir fiele nichts mehr ein !"


gruß, siamak
AcomA
Stammgast
#32 erstellt: 04. Feb 2005, 23:24
in wien trifft daniel steibelt (klaviervirtuose und komponist) auf beethoven: der weitgereiste auf den sonderling, der virtuose auf den wüterich; man ist sich keineswegs sicher, wie das rencontre ausgeht: es waren, heißt es, "mehrere freunde beethovens bange, dieser möchte ihm an seinem rufe schaden". in einer abendgesellschaft beim grafen fries begegnen sich beide zum ersten mal und geben erwartungsgemäß etwas zum besten. beethoven spielte den klavierpart in seinem opus 11, dem gassenhauer-trio f. klavier, klarinette u. v'cello. "der spieler kann sich hierin nicht besonders zeigen. steibelt hörte es mit einer art herablassung an, machte beethoven einige komplimente und glaubte sich seines sieges gewiss - er spielte ein quintett von eigener composition, phantasierte und machte mit seinen tremulandos, welche damals etwas ganz neues waren, sehr viel effect. beethoven war nicht mehr zum spielen zu bringen."
kein zweifel nach diesem bericht, dass die erste runde des duells an daniel steibelt ging. doch acht tage später war wieder 'concert' bei fries, eine art revanche-partie. steibelt griff beethoven, immer musikalisch natürlich, geradezu an: er setzte sich zum improvisieren ans klavier, d.h., er spielte eine offenbar vorbereitete phantasie (wie wenn er sie soeben erfände) und nahm als ausgangsmaterial das thema des variationensatzes aus dem beethovenschen trio. der gestus des vorgangs ist klar: hört zu - so arbeitet man mit einem solchen thema, das alles läßt sich daraus machen.
die herausforderung muss allen im saal deutlich sein. diese phantasie ist eine lektion für beethoven. jetzt kann er sich nicht drücken. der augenzeuge: "er mußte nun ans klavier, um zu phantasieren; er ging auf seine gewöhnliche, ich möchte sagen ungezogene art ans instrument, wie halb hingestoßen." doch auf dem weg zum flügel passiert etwas, das seine gewohnte brüskerie noch übertrifft: so wie steibelt zuvor in beethovens thema eingegriffen hatte, so greift der sich nun steibelt. d.h., er nimmt im vorbeigehen ein blatt der cello-stimme eines steibeltschen quartetts (das zu beginn gespielt worden war), legt es vor sich aufs notenpult des klaviers, dreht es vor aller augen um, so dass es auf dem kopf steht. jetzt schlägt er mit einem finger ein paar töne aus der verkehrt gewendeten notenseite, töne von frecher beziehungslosigkeit, provokanter unmelodik. doch auf einmal bekommt der bizarre vorgang seine stimmigkeit, die tonfolge ihren sinn, denn beethoven begibt sich in eins seiner großen improvisationsabenteuer. solch erfindungsekstasen und -expeditionen dauerten oft eine stunde lang; ob auch beim grafen fries ist nicht überliefert: nur hatte der wahrhaft ausgespielte steibelt noch vor dem ende die gesellschaft tief beleidigt verlassen. er weigerte sich, jemals noch wieder beethoven zu treffen, und wenn er eingeladen war, vergewisserte er sich, dass der nicht auch da sein würde.


gruß, siamak


[Beitrag von AcomA am 04. Feb 2005, 23:27 bearbeitet]
AcomA
Stammgast
#33 erstellt: 05. Feb 2005, 15:54
sein virtuoses können, vor allem die beherrschung perfekter fingertechnik in der linken hand, machte alexander dreyschock (1818-1869) zu lebzeiten berühmt. als konzertpianist feierte er große erfolge. sein spiel galt indes eher als effektvoll, denn als tiefgründig.

so schrieb heinrich heine in einer konzertkritik: "da an dem abend seines konzertes der wind südwestlich war, so konnten sie vielleicht in augsburg die gewaltigen klänge vernehmen; in solcher entfernung ist ihre wirkung gewiss eine angenehme. hier jedoch, im département de la seine, berstet uns leicht das trommelfell, wenn dieser klavierschläger loswettert."

ein anderes mal heinrich heine über a. dreyschock: "es war, als hörte man nicht den klavierspieler dreyschock, sondern den schock dreyer pianisten."


gruß, siamak
AcomA
Stammgast
#34 erstellt: 06. Feb 2005, 15:28
aus artur schnabels erinnerungen:

die berliner philharmonie, eine umgebaute rollschuhbahn, bestand damals aus drei sälen. unsere kammermusikkonzerte fanden im sogenannten oberlichtsaal statt, der ursprünglich als foyer gedacht gewesen war. die eintrittspreise waren niedrig - man könnte von 'populären preisen' sprechen -, doch das publikum setzte sich aus musikliebhabern zusammen, die in der lage gewesen wären und durchaus gewohnt waren, auch 'unpopuläre' zu entrichten. man saß an tischen und konnte bier oder mineralwasser, allerdings kein essen, bestellen. dennoch gab es keinen lärm und keine unruhe, vielmehr herrschte während der aufführungen stets absolute stille und aufmerksamkeit. tatsächlich nutzten nur wenige unserer zuhörer die gelegenheit, körperlichen und geistigen durst gleichzeitig zu stillen. und so wurde die pessimistische einschätzung, bier würde die anziehungskraft der musik erhöhen, bald aufgegeben: die tische wurden entfernt, die zahl der sitzplätze vervielfacht, die einnahmen gesteigert. veranstalter und musikfreunde profitierten gleichermaßen von der trennung von bier und kunst.


gruß, siamak
AcomA
Stammgast
#35 erstellt: 07. Feb 2005, 23:00
aus artur schnabels erinnerungen bzgl. eines auftrittes in riga im jahre 1905:

als ich dort spielen sollte, lag die opernverwaltung bereits seit monaten mit der deutschen musikergewerkschaft über kreuz, die seltsamerweise auch das rigaer orchester kontrollierte. es war ende märz, und man hatte der gewerkschaft zu verstehen gegeben, dass die verträge mit dem orchester, die am 1. mai ausliefen, nicht verlängert werden würden. die musiker erwiderten diese aussperrung mit nadelstichen heimlicher sabotage und 'passiven widerstands'. bei jeder probe und jeder aufführung fehlten einige wichtige instrumentalisten wegen krankheit; ersatz war nicht zu bekommen, da das haus bereits unter gewerkschaftsboykott stand.
ich sollte wieder einmal brahms' b-dur-konzert spielen. diesmal war das erste horn mit krankfeiern dran, und die lage schien aussichtslos. da erbot sich ein junger korrepetitor und kapellmeister, in die bresche zu springen. er sagte, er habe am konservatorium in köln horn spielen gelernt und würde es gern versuchen. wir nahmen sein angebot dankbar an, und er spielte den heiklen hornpart in der probe am vormittag recht gut. wir bewunderten ihn sehr, denn wie sie wissen, gehört das horn zu den schwierigsten instrumenten. im bestreben, am abend noch besser zu spielen, übte er weiter - das instrument und die stimme. kein wunder, dass am nachmittag seine lippen von dieser ungewohnten anstrengung geschwollen waren. doch ungeachtet seiner beträchtlichen schmerzen und seiner dementsprechenden nervosität war er fest entschlossen, das eingegangenen abenteuer durchzustehen. seine tapferkeit wurde im großen und ganzen mit einer bemerkenswerten aufführung belohnt, bis er plötzlich und natürlich an der exponiertesten stelle den faden verlor und einige sekunden lang allein durch die partitur irrte. es war ein denkwürdiger augenblick.
ich berichte diese geschichte deshalb so ausführlich, weil es sich bei dem helden am horn um fritz busch handelte, den heute weltberühmten dirigenten.


gruß, siamak


[Beitrag von AcomA am 07. Feb 2005, 23:06 bearbeitet]
AcomA
Stammgast
#36 erstellt: 10. Feb 2005, 23:03
aus artur schnabels erinnerungen:

in los angeles traf ich mich mit einer alten freundin, einer wienerin, die ich seit mehr als fünfzehn jahren nicht mehr gesehen hatte. bei unserem letzten zusammentreffen in berlin, es muss so um 1905 herum gewesen sein, hatte ich ihr eine fotografie von mir gegeben - keines jener reklamefotos, von denen zahlreiche kopien gezogen werden, sondern ein richtiges porträt. von dieser fotografie existierten nur zwei abzüge - einen, der stets in meiner familie verblieb, und eben jenen, den ich meiner freundin gegeben hatte. sie lud mich in los angeles zum essen ein, und als ich zu ihr kam, zeigte sie mir als erstes eine alte, vergilbte zeitungsseite, auf der das bild prangte, das ich ihr gegeben hatte. es war unverkennbar das gleiche bild, jedes detail der kleidung, jede falte meines jacketts war identisch. sie hatte diese zeitung ungefähr fünf jahre zuvor auf der straße gefunden. sie hatte das bild gesehen und sie aufgehoben in der meinung, es handele sich um eine ankündigung, dass ich nach amerika käme. doch zu ihrem großen erstaunen stand ein anderer name unter dem bild, und im dazugehörigen artikel hieß es, dies sei der mann, den man tags zuvor im park ermordet habe. als sie näher hinsah, stellte sie fest, dass die zeitung aus einer anderen stadt stammte und der erscheinungstag lange zurücklag.
sie gab mir die zeitung, und ich besitze sie noch immer. es tröstete mich einigermaßen, dass ich immerhin nicht als mörder, sondern als opfer abgebildet war. die sache hat sich nie aufgeklärt.


gruß, siamak
Tommy_Angel
Inventar
#37 erstellt: 10. Feb 2005, 23:22
offenbar etwas einseitig hier , ggg, aber sehr schön, wollte nur sagen, daß ich das annere nit bös gemeint habe, nur halt...
AcomA
Stammgast
#38 erstellt: 13. Feb 2005, 14:41
man könnte das treffen mozart - clementi sicher als ein aufregendes musikfest, ein reizvolles miteinander bezeichnen und es dabei belassen, aber die konvention verlangte nach einem 'siegel'. angeblich ist es clementi gewesen; nach einem anderen bericht hat der kaiser seine wette gewonnen, und der habe auf mozart gesetzt. der komponist karl ditters von dittersdorf hat sich später einmal mit dem kaiser über beide unterhalten und dieses gespräch in seiner autobiographie festgehalten:

der kaiser: haben sie mozart spielen gehört ?
ich: schon dreimal.
der kaiser: wie gefällt er ihnen ?
ich: so wie er jedem kenner gefallen muss.
der kaiser: haben sie auch den clementi gehört ?
ich: ich habe ihn auch gehört.
der kaiser: einige ziehen ihn dem mozart vor...
was ist ihre meinung hierüber ? gerade heraus !
ich: in clementis spiel herrscht bloß kunst,
in mozarts aber kunst und geschmack.
der kaiser: eben das habe ich auch gesagt.


gruß, siamak


[Beitrag von AcomA am 13. Feb 2005, 14:42 bearbeitet]
Torquato
Stammgast
#39 erstellt: 18. Feb 2005, 12:42
In der Fernsehsendung "Ich trage einen großen Namen" treten Nachfahren berühmter Persönlichkeiten auf, die es zu erraten gilt. Manchmal jedoch ist der Nachfahre ähnlich berühmt wie der zu Erratende. In diesen Fällen bleibt - damit das Ratespiel nicht sofort mit seinem Auftritt beendet ist - der Gast bis zum Ende der Raterunde hinter einem Paravent verborgen. Vicco von Bülow alias Loriot trat einmal als Verwandter des berühmten Dirigenten Hans von Bülow auf und wollte sich allerdings keineswegs hinter dem Paravent verstecken, um nicht sofort vom Rateteam erkannt zu werden. Er veränderte sein Aussehen nur leicht durch eine seiner berühmten Masken. Während der Raterunde spielte er dann den etwas verschüchterten Nachfahren. So richtig abgelenkt hat er aber das Rateteam durch einen dicken und leicht verschmutzten Verband am Zeigefinger, an dem er ständig herumspielte. Niemand erkannte ihn...


Quelle: www.swr.de
AcomA
Stammgast
#40 erstellt: 18. Feb 2005, 23:20
emil brachvogel über die begegnung zwischen j.s. bach und louis marchand in dresden:

aber auf einmal ist der musikalische wettstreit ein politischer kampf, das tastenduell eine art hofintrige, der krieg im saal nur das äußere zeichen für den zusammenprall zweier feindlicher lager: "die versammlung", sagt unser gewährsmann,"war nicht nur heute, sondern immer in zwei heerlager, zwei parteien geteilt. auf der einen stand, freilich in der minderzahl, die alte autorität mit ihrem glauben, ihrer einfachheit und ihrem ernste. und auf der anderen seite, zu der auch der kurfürst zu rechnen ist ? sind da die fröhlichen weltleute zu finden, die den altehrwürdigen ritus altehrwürdig sein lassen und statt auf die nationale ehrbarkeit der väter mehr auf die individuelle ehrbarkeit der lebenden setzen.
da kommt er schon, und wie er aussieht ! er trägt die nationaltracht des egoismus, einen violetten hofanzug, zieht sich aber gleich in ein nebenzimmer zurück mit der affektierten bemerkung, er wolle sich nicht eher als nötig mit seinem gegner 'amalgamieren'. als man ihn aber rufen will, ist er weder im nebenzimmer, noch in seiner wohnung zu finden, und august muß sich die auskunft gefallen lassen, marchand habe dresden mit sack und pack verlassen.

noch immer hält die deutsche sprache für solche form des abgangs die geringschätzige wendung bereit: einer hat sich auf französich empfohlen.


gruß, siamak
AcomA
Stammgast
#41 erstellt: 20. Feb 2005, 15:57
der recht bekannte russische pianist lazar berman, schüler alexander goldenweisers, und etwas jünger als seine kollegen svjatoslav richter und emil gilels, verstarb am 06. februar d.j. im alter von 75 jahren. aus diesem grunde möchte ich einige episoden aus seinen erinnerungen zitieren.

einmal gab mein lehrer alexander goldenweiser ein konzert im kleinen saal des konservatoriums und spielte wirklich fürchterlich. zu seinem konzert war auch einer seiner großen bewunderer und freund gekommen, der organist, pianist und komponist alexander gedike. nach dem konzert ging er zu goldenweiser, um ihn zu begrüßen und ihm zu gratulieren. gedike war ein sehr ehrlicher mensch und mochte goldenweiser wirklich, konnte ihm aber nicht sagen, dass er gut gespielt hatte, aber eben auch nicht, dass es ein schlechtes konzert gewesen war.
er fand einen ausweg aus der heiklen lage. als er in goldenweisers künstlerzimmer trat, ging er sogleich auf ihn zu, umarmte und küsste ihn und sagte: "nun gut, du hast gespielt."


gruß, siamak
Susanna
Hat sich gelöscht
#42 erstellt: 21. Feb 2005, 00:36
Hallo,

damit siamak nicht immer so einsam hier bleibt (übrigens meinen Dank an ihn für die meist amüsanten Stories), ein Satz, den ich heute im Radio anläßlich des 65. Geburtstags von Christoph Eschenbach hörte. Dieser arbeitete u. a. mit H. v. Karajan und George Szell zusammen und sagte über beider Dirigierweisen:

"Karajan war der Maler, Szell der Zeichner."

Deutungen sind freigestellt!

Gruß,
Susanna
AcomA
Stammgast
#43 erstellt: 24. Feb 2005, 23:14
hallo,

obgleich ich den eindruck gewonnen habe, dass muti in einigen dingen karajan ähnelt. z.b. die ausgefeilte klangästhetik und die meditative 'pose' beim dirigieren. da fällt mir eine anekdote aus dem großen musikvereinssaal in wien ein. der späte karajan soll dort nicht nur während des dirigates sondern auch beim abgang die augen geschlossen gehalten haben. ein altgedienter saaldiener soll dann gesagt haben:"der karajan brauchts demnaechst a blindenhund."




gruß, siamak


[Beitrag von AcomA am 24. Feb 2005, 23:52 bearbeitet]
AcomA
Stammgast
#44 erstellt: 27. Feb 2005, 22:37
aus lazar bermans erinnerungen:

oft spielte goldenweiser mit seinem lieblingsschüler ginzburg im klavierduett. und einmal nahmen sie eine der suiten für zwei klaviere von rachmaninoff auf. wie man weiß, sollte man bei einer aufnahme möglichst fehlerfrei spielen, da man sonst alles noch einmal aufnehmen muss. auch diesml spielte goldenweiser nicht besonders gut und machte viele fehler. der tontechniker, der goldenweiser schon kannte, hatte sich daher zuvor mit ginzburg geeinigt, der immer fehlerfrei spielte. sobald korrekturen vonnöten gewesen wären, hätte er gesagt, dass ginzburg falsch gespielt hatte, um goldenweiser nicht zu betrüben.
sie fingen also aufzunehmen an. nach ein paar minuten hielt der tontechniker die aufnahme an und sagte ins mikrophon: "professor ginzburg, sie haben sich geirrt, bitte wiederholen sie die passage." sie wiederholten die passage, und diesmal lief alles glatt. doch nach ein paar minuten, an einer anderen stelle, präsentierte sich dasselbe problem noch einmal, und so fort. und wieder sagte der tontechniker denselben satz: "professor ginzburg, sie haben sich schon wieder geirrt." schließlich schrie alexander goldenweiser:"grisa, warum hast du dich nicht auf die aufnahme vorbereitet !


gruß, siamak
AcomA
Stammgast
#45 erstellt: 06. Mrz 2005, 15:23
eine rostropowitsch-geschichte:

einmal sollte er (m. rostropowitsch) zu einem festlichen anlass in einer fabrik spielen, in der es nach dem konzert ein bankett gab. völlig unerwartet näherte sich ihm ein fabrikarbeiter, der vom vielen wodka ziemlich betrunken schien und zu ihm sagte:"wenn ich dich so anschaue, siehst du recht vertrauenswürdig aus, aber du hast dein leben vertan. hör zu, gib lieber das gitarrenspiel auf und geh in die produktion. fang endlich zu arbeiten an."



gruß, siamak


[Beitrag von AcomA am 06. Mrz 2005, 15:26 bearbeitet]
Ludwig_van_Beethoven
Ist häufiger hier
#46 erstellt: 21. Mrz 2005, 15:56
Listz zu Chopin nach einem Streit

Können sie mir nicht verzeihen?

Chopins Antwort

Verzeihen? Selbstverständlich, aber vergessen nicht.
AcomA
Stammgast
#47 erstellt: 27. Mrz 2005, 14:00
noch eine rostropowitsch-geschichte:

während eines auftrittes in einer moskauer fabrik spielte m. rostropowitsch vor den arbeitern aus bachs cellosuiten. die fabrikarbeiter waren gezwungen worden, ihm zuzuhören. nach ungefähr einer dreiviertelstunde hielt es einer der arbeiter nicht mehr aus und rief: "hau endlich ab !"



gruß, siamak
eugen_2
Ist häufiger hier
#48 erstellt: 28. Mrz 2005, 21:00
Hallo

Aus einem Buch von Franz Mohr, dem Klavierstimmer von Steinway & Sons:

"Wie alle Klavierstimmer saß ich sonst immer hinter der Bühne, um im Notfall sofort zur Stelle zu sein. Jenes Konzert in Chicago war das erste und letzte Mal, daß ich bei einem Auftritt von Horowitz im Publikum saß. Warum? Die Atmosphäre war wie vor jedem Horowitz-Konzert voll gespannter Erwartung. Die Luft war wie elektrisch geladen und alle waren furchtbar nervös. Ich war natürlich in besonderer Unruhe wegen des Flügels. Aber am angespanntesten war vermutlich Horowitz selbst............
An jenem Abend in Chicago spielte er als erstes Stück eine Hadyn-Sonate. Danach ging er hinter die Bühne.......und kam eine ganze Weile nicht wieder zum Vorschein. Mir war schon etwas mulmig zumute, und ich fragte mich, was wohl los sei. Dann wurde die Tür zu unserer Loge geöffnet. Einer der Bühnenarbeiter steckte den Kopf herein und fragte: "Ist der Klavierstimmer hier?" Ich sprang so schnell ich konnte die Treppe hinunter, direkt hinter die Bühne. Als ich dort ankam, war Horowitz außer sich. "Franz", sagte er, "ich habe so furchtbar falsch gespielt. Irgendjemand war an meiner Bank. Sie ist zu HOCH!"
"Maestro", erwiderte ich, "was soll ich tun?"
"Nun, drehen Sie sie niedriger!" sagte er. "Drehen Sie sie niedriger."
"Aber wieviel, Maestro?"
Darauf zeigte er mir mit den Fingern etwa einen halben Zentimeter. Während also das Publikum darauf wartete, daß ER sich wieder zeigen würde, trat nun ICH im dunklen Anzug auf die Bühne. Die Leute lachten und klatschten, so daß ich mich mehrmals verbeugte, während ich zum Flügel hinüberging und den Hocker etwa einen halben Zentimeter niedriger drehte-unter dem anhaltenden Applaus des Publikums! Dann ging ich zurück hinter den Vorhang, und Horowitz kam heraus und setzte sein Konzert fort. Nach diesem Erlebnis setzte ich mich während eines Horowitz-Konzertes nie wieder in den Saal."


Gruß von eugen
AcomA
Stammgast
#49 erstellt: 27. Apr 2005, 21:15
aus artur schnabels erinnerungen (zur zeit der großen inflation):

schließlich, gegen ende der inflation, kostete eine busfahrt mehrere milliarden mark. ich erhielt meine gagen in paketen von geldscheinen, und einmal, als ich mit dem philharmonischen orchester in berlin gespielt hatte, musste ich einen mann bitten, mir meine gage nach hause tragen zu helfen. unterwegs kamen wir an einem feinkostgeschäft vorbei, und um meinen helfer zu entlasten, investierte ich die hälfte in ein paar würstchen. am nächsten morgen entnahm ich der zeitung, dass ich nun für die andere hälfte nicht mehr ein einziges würstchen bekommen würde.



gruß, siamak
op111
Moderator
#50 erstellt: 29. Apr 2005, 12:41
Conductors must give unmistakable and suggestive signals to the orchestra -
not choreography to the audience.


George Szell [György Széll]
(* 7.6.1897 (Budapest) + 29.7.1970 (Cleveland)


[Beitrag von op111 am 29. Apr 2005, 12:41 bearbeitet]
Susanna
Hat sich gelöscht
#51 erstellt: 15. Sep 2005, 22:24
Hallo,

ein paar lustige, aber wahre Sachen von 20 Jahren SHMF (Schleswig-Holstein-Musik-Festival):

Bernstein ein Jahr vor seinem Tod: "Schleswig-Holstein - ich kann es immer noch nicht aussprechen, aber bei Gott, ich liebe es."

In der Lübecker Stadthalle beim SHMF, Hermann Prey, einen Liederabend gebend, hat gerade Geburtstag. Ob Frantz ihm öffentlich gratuliert? Er kam sogar mit einem Geschenk und sagt: "Für Dein Grundstück an der Nordsee habe ich Dir einen Rasenmäher mitgebracht"----und auf der Bühne erschien ein trächtiges Mutterschaf.

Juli 1988: Ein liebestoller Pfau saß auf dem First der Scheune von Gut Altenhof und stieß derart grelle Töne aus, daß das Stuttgarter Melos-Quartett abbrechen mußte. Erst nachdem die Feuerwehr den Vogel vom Dach geholt hatte, gewann Beethoven wieder die Oberhand.

Festivalsommer 1989 (weniger lustig): Eine Wespe stach den Pianisten Krystian Zimmermann so heftig in den Finger, daß er nicht spielen konnte. Die Dramaturgie telefonierte durch halb Europa und wurde in Wien fündig. Rudolf Buchbinder raste zum Flughafen und mit 30 Minuten Verspätung begann der Abend.

Fortsetzung folgt.....eventuell.

Gruß,
Susanna
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