Bildqualität in Abhängigkeit vom Aufnahmemedium

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george
Stammgast
#1 erstellt: 16. Nov 2010, 11:06
Blu-Ray gibt uns zum ersten Mal überhaupt daheim eine Vorstellung davon, wie die Filmemacher sich ihr Werk vorstellen - kein Vergleich zum DVD-Matsch mit Kompressionsartefakten und PAL-Auflösung.

Aber dennoch fällt mir streckenweise auf, dass der Bildqualitätseindruck bzw. die Erwartungen an ein gutes HD-Bild häufig eigentümlich sind - insbesondere wenn der Film digital aufgenommen wurde. Ich habe nicht selten den Verdacht, dass manche Zuschauer schon vergessen haben, wie ein Film aussieht!?

Hier einfach mal drei "fünf Sterne"-Blu-Ray-Screenshots im Vergleich:

Antichrist RED 4k

Aufgenommen mit einer billigen 4k-Digitalkamera. Die Auflösung ist natürlich zu 2/3 interpoliert und die Kamera nicht in der Lage unkomprimiert aufzunehmen.

Avatar Sony F900

Kameras aus dem TV-Bereich, "nur" 1080p, dafür unkomprimiert und nicht interpoliert.

The International S35mm

35mm Film, mit 3k gescannt.

Die Bildqualität einer Blu-Ray ist von vielerlei Faktoren abhängig, die zudem häufig für uns nicht einsichtig sind und deswegen sollte man daran auch nicht die Qualität eines ganzen Aufnahmemediums messen - ich habe aber versucht, halbwegs repräsentative Blu-Rays/Screenshots zu wählen.

In meinen Augen fallen die beiden Digital aufgenommenen Filme auch auf der Blu-Ray stark ab!? Natürlich bietet gerade Avatar größtenteils atemberaubende CGI-Sequenzen, die Kameratechnik bei den Realfilm-Szenen ist aber keinefalls hochwertig, schon gar nicht angesichts des Budgets.
Die 35mm-Aufnahme zeigt als einzige etwas Korn/Rauschen, ist aber deutlich detailreicher und dynamischer. Die Hauttöne natürlich, das Bild sehr plastisch.
Die Digitalaufnahmen hingegen sind sehr "klar" und scheinen scharf, sind aber in Wirklichkeit nicht detailreich (z.B. Haare), Haut und Augen sehen regelrecht "tot" aus, wie zu starkes Filtern & Schärfen.

Bin ich der Einzige, der das so sieht? Wollen wir wirklich die Verwendung von Digitalkameras bei diesem technischen Stand?

Die TV-Serien "Castle", "Monk" oder "Dr. House" sind z.B. mit 35mm Kino-Equipment aufgenommen - die Bilder auch hier plastisch und natürlich, während einige neue Serien scheinbar (!) billigere Digitalkameras verwenden, die den "Look" weg vom Kino hin zu TV-Doku-Qualität verschieben (z.B. Dexter)!?

Die Hintergründe:
Etwa 80% aller Kinofilme werden auf 35mm Filmmaterial aufgenommen. Film ist chemisch und hat keine "Pixel" - für die Blu-Ray muss er gescannt werden. Ohne sich in Details zu verlieren, gilt als anerkannt, dass moderner Film praktische Auflösungen von bis zu 4k (gegenüber 1920 "Spalten" bei HD) erreichen kann, während digitale Kameras selbst unter Idealbedingungen (z.B. S/W) kaum 2,5k erreichen. Resultierende Auflösung und Megapixel auf dem Sensor sind nun einmal zwei paar Schuhe...
Hier z.B. eine 4k-Kamera unter Idealbedingungen (S/W, Linien in Pixelausrichtung, 20k€-Optik):
Auflösung Digitalkamera
Wichtiger ist allerdings der Kontrast bei einer bestimmten Auflösung, deswegen wirken häufig hochauflösende Quellen jenseits der HD-Auflösung auch auf Blu-Ray schärfer/klarer.

Ein weiteres Problem stellt das Rauschen (digital) bzw. das Filmkorn dar, da es sich schlecht mit der Kompression der Blu-Ray verträgt. Dies ist der Grund, warum grobkörniges 16mm für TV-Produktionen ungerne benutzt wird, da die Bitraten bei der Übertragung zu gering sind und Artefakte entstehen.

Das Nadelöhr stellt zumeist der Scan dar, häufig wird mit minderwertigen, dafür schnellen Verfahren gearbeitet, um ein billiges digitales Master zu erzeugen. Das Resultat ist mangelnde Schärfe, geringer Dynamikumfang und verstärktes Korn/Rauschen - nicht selten wird dann in den Blu-Ray-Tests darauf hingewiesen, dass die Qualität nicht so gut ist, da ja nicht in HD sondern "nur" 35mm aufgenommen wurde...


[Beitrag von george am 16. Nov 2010, 11:16 bearbeitet]
86bibo
Inventar
#2 erstellt: 16. Nov 2010, 13:05
Ich finde das schon ein bisschen Schwarzmalerei, aber du hast nicht ganz unrecht.

Definitiv erzeugen HD-Cams eine anderes Bild wie analoges Filmmaterial. Welches besser oder schlechter ist, mag ich pauschal nicht zu sagen. Fakt ist allerdings, das die Digitaltechnik noch nicht am Ende der Entwicklung ist und sich wohl in den nächsten Jahren der 4k Auflösung annähern wird. Die Zukunft ist es mit Sicherheit, da ich mir nicht vorstellen kann, dass in 30 Jahren noch Standardmäßig auf Film aufgenommen wird.

Die Frage ist aus meiner Sicht, ab wann betrachtet man die Technik als ausgereift genug um auf sie zu setzen und sich auch in 10 Jahren nicht darüber zu ärgern, dass man es getan hat. Heute sind wir doch heilfroh, dass es den 35mm Film gibt und so die Möglichkeit da ist, Filme wie Blade Runner oder der schwarze Falke in beeindruckender Qualität zu sehen.

Insbesonder das Fernsehen hat da schon den einen oder anderen Rückschlag hinnehmen müssen. Siehe Star Trek, wo man die alte Serie gut auf Blu-ray übertragen hat, die next Generation aufgrund der zu geringen Auflösung der Special Effects jedoch nur schwer auf die 2k-Auflösung bringen wird.
george
Stammgast
#3 erstellt: 16. Nov 2010, 17:15
Man muss sich vor Augen halten, dass wir hier Unterschiede wahrnehmen, die am Ende der Prozesskette stehen. Das ist etwa so, als könnte man erkennen welches Mikrofon für unterschiedliche Aufnahmen verwendet wurde und das auch noch beim Abhören auf unterschiedlichen Anlagen!?
Man kann mit geschickter Lichtsetzung und Postproduktion den "Look" massiv verändern - und dennoch sieht man prinzipielle Unterschiede auch abseits des Kinos (das man auf einem stark kompromierten 1080p-Videostrom noch Unterschiede wahrnimmt, schockiert mich).

Es gibt inzwischen die zweite Generation digitaler Filmkameras (ARRI Alexa), die zumindest deutlich bessere Farbwiedergabe und Dynamikumfang aufweisen - nur hat man vielerorts nicht einmal diesen Standard abgewartet.

Ich bin der Meinung, dass man den Filmemachern die Möglichkeit bieten sollte, abseits irgendwelcher Trends oder Kosten (wir reden hier von fünfstelligen Beträgen in Millionen-Projekten!) optimales Equipment zu verwenden.

Ich denke der Zuschauer spielt dabei eine massive Rolle, umso eher er sich mit schlechten Blu-Rays, Kinoprojektion etc abfindet, umso schneller schreitet das "race to the bottom" voran. Warum werden z.B. keine 65mm-Filme mehr gedreht? Und heute haben die meisten noch nicht einmal eine Vorstellung davon, wie eine 70mm-Projektion aussieht und fragen auch nicht mehr danach...

Man hat z.B. vor einigen Jahren versucht, den Tatort auf Video umzustellen - massive Zuschauerproteste ließen die Produzenten wieder zurückrudern.

"Erwartet" der Zuschauer also auch im TV oder Blu-Ray den "HD-Look", dann bekommt er auch diesen.


[Beitrag von george am 16. Nov 2010, 17:17 bearbeitet]
Volkmar67
Ist häufiger hier
#4 erstellt: 16. Nov 2010, 18:08
Hi george,
erst einmal ein interessantes Thema, über das es sich lohnt zu diskutieren.

Vorab, meine Schnellansicht der Entwicklung im Heimkinobereich, wie ich sie in den letzten 30 Jahren erleben durfte.

Kino war das Größte, dann kam Betamax und VHS und zum ersten Mal war das Filmeschauen zu Hause realisierbar. Über die Bildqualität damals, brauchen wir hier glaube ich nicht zu diskutieren.

Die DVD empfand ich als Quatensprung. Bisher ungekannte Schärfe und Tonqualität, für die Wiedergabe auf Leinwand aber nur bedingt geeignet.

Die kurze HD Ära, war nicht wirklich überzeugend.

Mit der Einführung von Full HD und Blu-Ray kam dann für mich der nächste Quantensprung. Endlich, Heimkino wie ich es mir immer erträumt hatte.

Leider hält der Kommerz aber immer mehr Einzug um den Heimkinomarkt zu bedienen und immer mehr Titel werden digital gedreht, weil es billiger oder "stylisch" ist.

Das Ergebnis kennen wir alle aus dem Fotobereich. Bei guten Lichtverhältnissen macht die xxxmegapixel Digitalkamera recht schicke Bilder, aber wehe es dämmert! Und das gleiche ist auch bei den Filmen zu beobachten und insbesondere bei den Billigproduktionen.

Bei den Blockbustern sehe ich nicht so das Problem, die sind in der Regel qualitativ gut, auch weil hauptsächlich noch in 35mm gedreht.

Aber ich gebe Dir recht wenn Du befürchtest, dass das digitale Filmen immer mehr Einzug hält und der gute, alte 35mm Film immer mehr ins Abseits gerät.

Meiner Meinung nach müsste für die Zukunft die Frage lauten: Ist bezahlbare digitale Technik vorhanden, die es mit dem 35mm Film aufnehmen kann?


[Beitrag von Volkmar67 am 16. Nov 2010, 18:10 bearbeitet]
86bibo
Inventar
#5 erstellt: 17. Nov 2010, 17:50
Einige Regiseure gehen ja mitterlweile sogar freiwillig zu digitalen Kameras (sogar den "günstigen") da sie dies als "Stilmittel" benutzen. Siehe Green Zone und Miami Vice. Ich kann damit auch nichts anfangen, aber das ist ähnich wie das Unding mit den Wackelkameras (Cloverfield fand ich gut, der Rest ist eigentlich Schrott) und den super schnellen Schnitten bei Action und Kampfszenen. Im Prinzip dient das in 90% der Fälle nur um Kosten zu reduzieren. Die CGI muss z.b. deutlich weniger perfekt sein, wenn sie nur ein bis zwei Zehntelsekunden zu sehen ist oder nur als kleinen Ausschnitt, als wenn eine Aufnahme der Totalen über mehrere Sekunden läuft.
george
Stammgast
#6 erstellt: 18. Nov 2010, 11:28
"Green Zone" ist 35mm - wenn auch Greengrass-typissch völlig verfremdet und vergeigt

Als Stilmittel akzeptiere ich digital durchaus, es steht dem Künstler (Regisseur, Kameramann) frei, den Look nach Gusto zu kreieren.
Das aber - gefördert von Anbietern der Digitaltechnik -Produzenten und anderes Management-Gesindel sich in künstlerische Fragen einmischen und den Fachleuten vorschreiben, was sie zu benutzen haben, das ist fatal!

Jedes professionelle Equipment kostet einige tausend € am Tag, die Leute die es adäquat nutzen können nochmal einiges mehr...
Ob digital oder Film spielt dabei kaum eine Rolle. Im Gegenteil, nicht wenige digitale Produktionen kosten schlussendlich mehr aufgrund eines aufwändigen Workflows (Farbkorrektur, Archivierung).


[Beitrag von george am 18. Nov 2010, 11:29 bearbeitet]
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