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Glenn Gould, The Complete Columbia Album Collection+A -A |
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Mars_22
Inventar |
#1
erstellt: 20. Feb 2026, 23:05
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Dieser Thread soll Beobachtungen zur o.g. Sammel-Box beinhalten. Natürlich ist jeder eingeladen, Eindrücke aus anderen Veröffentlichungen Goulds beizutragen oder mitzudiskutieren. ![]()
[Beitrag von Mars_22 am 20. Feb 2026, 23:07 bearbeitet] |
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Mars_22
Inventar |
#2
erstellt: 20. Feb 2026, 23:38
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Griegs e-Moll Sonate op.7 auf CD 47 fällt auf durch konventionelle Interpretation. Was normalerweise keiner Erwähnung wert wäre, bei Gould ist es das wohl. Ansonsten ist die hübsche Sonate ein Solitär im Werk Griegs, und das einzige Werk Griegs das Gould aufgenommen hat, und beides dürfte nicht ganz zufällig sein. Ähnlich viele Minuten (20) bekommt Bizet mit dem Nocturne in d-Dur und den chromatischen Variationen.von 1868, beides sehr gut anzuhören, obwohl Gould teilweise durch den Bizet stakst, wie der Storch durch den Salat. Aber eben nur teilweise. In anderen Teilen bringt er das Werk schön zum leuchten. Allerdings nicht mittels des Klaviertons - der bleibt etwas matt, obwohl die Aufnahme von 1971 und damit keine der ganz Frühen ist. Brahms frühe 4 Balladen op.10 spielt Gould 1982 eigen, aber nicht manieriert. Ich habe Vergleichsaufnahmen von Arrau und Kozhukhin - jede ist anders, keine schlecht, einen klaren Favoriten habe ich nicht. Dies ist einer der schönen Fälle, wo es bereichernd ist, alle diese Interpretationen zu vergleichen, weil jeder Interpret andere Aspekte beleuchtet. Beim Einen ist das d-Moll Andante etwas „spukiger“, beim Anderen geschlossener, etc. |
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Mars_22
Inventar |
#3
erstellt: 21. Feb 2026, 00:07
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Das erste Bach-Werk, das ich höre, stellt mich vor ein Rätsel. Die wunderschöne Sarabande der ersten französischen Suite spielt Gould mit Phrasierungen, wie sie etwa Hogwood am Cembalo spielt. Es ist bekannt, dass Bach auf Agréments Wert legte, aber sie haben ja am Cembalo - für das Bach schrieb - auch eine Funktion, während es am Klavier keinen Anlass gibt, übermäßig davon Gebrauch zu machen, und sie stören die schlichte schöne Melodie. So wie man sie etwa bei Elisabeth Häbler findet, ist die schlichte schöne Version. [Beitrag von Mars_22 am 21. Feb 2026, 01:06 bearbeitet] |
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WolfgangZ
Inventar |
#4
erstellt: 21. Feb 2026, 01:22
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Zunächst möchte ich mich nur bedanken, dass Du mit dem Thread begonnen hast. Die genannten Werke kenne ich vermutlich nicht mit Gould. Wobei ich irgendwo in Erinnerung habe, dass Gould auch Grieg gemacht hat, und jetzt eher überrascht bin, dass es nur ein einziges Werk zu sein scheint. Es sind ja wohl auch nicht so viele Pianisten, die den Norweger gespielt haben - vom Klavierkonzert einmal radikal abgesehen ... Da wird dann Gould eher der Einzige sein, der es nicht eingespielt hat ........ Aber ich kenne bei den Klavierstücken nur eine großzügige Sammlung mit Hakon Austbö. |
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WolfgangZ
Inventar |
#5
erstellt: 21. Feb 2026, 01:31
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Was Du schreibst zu den Verzierungen, ist sicher diskussionswürdig. Ich könnte mir vorstellen, dass man diese in einem gewissen Rahmen, den Gould gewiss stärker ausschöpft als andere, auf dem Klavier bei Bach genauso macht wie auf dem Cembalo. Mozart-Konzerte werden gerne verziert, wenn der Meister selbst kaum etwas notiert hat, weil er wieder mal nicht dazugekommen ist. Die Frage bei langsamen Sätzen ist dann sicher die gleiche wie bei Bach. Sind sie nötig und üblich gewesen? Oder stören sie sogar? Es ist mir klar, dass es zu diesen vagen Überlegungen keine quasi allgemein gültigen Antworten gibt oder überhaupt geben kann. Wolfgang [Beitrag von WolfgangZ am 21. Feb 2026, 01:32 bearbeitet] |
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Mars_22
Inventar |
#6
erstellt: 21. Feb 2026, 01:40
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Das fisselige Cembalo kriegte so mehr Körper, das Klavier hat das nicht nötig - das scheint mir der Grund für den üblicherweise reduzierten Einsatz zu sein. Caspar Frantz setzt bei seinen Bach-Suiten auch recht viele Agréments ein, aber in der Melodiestimme, nicht wie Gould in den Nebenstimmen. |
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arnaoutchot
Moderator |
#7
erstellt: 21. Feb 2026, 18:14
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Mangels neuer Erkenntnisse nochmals ein Repost von gestern: Gerade Scriabin - Sonata No. 3, op. 23 - aufgenommen 1967. Gekoppelt mit Prokofiev - Sonata No. 7, op. 83 von 1968. Das war eine LP mit je einer Sonate pro Seite. Die Kopplung passt nicht so wirklich. Der Scriabin-Sonate treibt Gould mit seinem kantigen und etwas abgehackten Spiel jegliche (Spät-)Romantik aus. Bei Prokofiev wird er zum Berserker, das ist ja eine der sog. Kriegs-Sonaten, und das vermittelt er ... Ich höre eigentlich am liebsten Bach mit Gould. |
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Mars_22
Inventar |
#8
erstellt: 06. Mrz 2026, 00:15
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Ich habe 21 Einspielungen des 5. Klavierkonzerts von Beethoven - Goulds Aufnahme mit Stokowski ist eine der Großen, nicht zuletzt aber Stokowski zu verdanken. Klanglich ist es frappierend, abgesehen von etwas forschem Streicherklang makellos. Keine Ahnung wie es vor diesem Remastering klang. Beim Vierten spielt mir Bernstein das Andante con moto zu breit, genauso wie Haitink mit dem hinreißenden Arrau. Die mir liebste Aufnahme ist immer noch Helmchen mit Manze und dem DSO Berlin, und zwar wegen Andrew Manze. Aber wir sind hier bei Gould, und an dessen Spiel habe ich nichts auszusetzen, und beim Allegro und im Rondo passt auch im Dirigat alles. |
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WolfgangZ
Inventar |
#9
erstellt: 06. Mrz 2026, 00:51
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Beethovens fünftes Klavierkonzert mit Bernstein gilt ja so manchen als zu langsam und zu breit, und angeblich habe es da wohl auch Meinungsverschiedenheiten gegeben zwischen dem Pianisten und dem Dirigenten. (Stimmt das so? Habe ich es schon anderweitig geschrieben? Dann würde ich um Nachsicht bitten.) Ich habe keine Probleme mit dieser Aufnahme, sehe sie schlicht als abweichendes Modell, das mich als solches reizt. Die Diskrepanz ist ja ohnehin quasi ein häufiges Merkmal der Gould'schen Sicht auf die Literatur. Wie ist das Tempo bei der Aufnahme mit Stokowski von daher zu sehen? Ich kenne die Aufnahme nicht. Stokowski könnte ich mir als getragenen Schwerblüter durchaus in Harmonie mit Gould vorstellen. Wir sprechen ja von Beethoven, nicht von Bach. Generell leide ich freilich ein wenig unter der Beobachtung oder dem Vorurteil, dass Stokowski alles Orchestrale seinem Breitwand-Sound unterordnet. Wolfgang |
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Mars_22
Inventar |
#10
erstellt: 06. Mrz 2026, 09:48
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So weit ich weiß bestand die Meinungsverschiedenheit bei Brahms 1. Klavierkonzert und wurde in coram publico verbal ausgetragen, allerdings freundlich. Hierbei war es Gould, der es breit wollte, nicht Bernstein. Das 5. KK ist tempomäßig fast unauffällig, sowohl bei Stokowski als auch Gould, außer dem Adagio un poco moto, was 1-1,5 Minuten länger dauert als üblich. Und ja, da gibt es dann Sequenzen, wo man in seinem Sessel unruhig werden kann. Hier scheint auch Gould der Bremser zu sein. Schön ist es dennoch. |
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Mars_22
Inventar |
#11
erstellt: 06. Mrz 2026, 10:28
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Das o.g. Brahms Klavierkonzert gibts auf Spotify, nicht in der Box. Es ist klanglich und bezüglich Nebengeräuschen schlecht, und bezüglich Tempo stimmt, was Bernstein sagt: es entstehen interessante Passagen. Was aber auch auffällt, wenn das Zeitlupentempo nie verlassen wird, beraubt man sich der Möglichkeit eines Ritardando, das von anderen Interpreten bei diesem Werk zur Steigerung der Dramatik wirkungsvoll genutzt wird. |
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WolfgangZ
Inventar |
#12
erstellt: 06. Mrz 2026, 14:17
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Das würde ich dann genauso sehen mit den Ritardandi. |
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WolfgangZ
Inventar |
#13
erstellt: 06. Mrz 2026, 14:22
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Mit Brahms - statt Beethoven - und Bernstein/ Gould ist das auch interessant. Ob ich das gewusst und gemeint habe - da bin ich mir nicht sicher. Freundlich streiten, ist wohl vor Publikum das Mindeste. Dass Gould die Dinge - überhaupt oder quasi noch einmal - breiter haben wollte als Bernstein, überrascht mich ebenso wenig. Wolfgang |
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WolfgangZ
Inventar |
#14
erstellt: 06. Mrz 2026, 14:30
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Und jetzt erst - ich will es gestehen - habe ich mir auch die Ankündigung Bernsteins angehört. Ich kann mir vorstellen, dass Gould, der Autist, das vermutlich überhaupt nicht gemacht hätte. Aber Bernstein ist hier eben ein intellektueller Dialektiker mit Charme und ein wenig Ironie. Das passt schon! |
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op111
Moderator |
#15
erstellt: 17. Mrz 2026, 10:36
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Hallo zusammen, bei dieser Aufnahme ist das Husten nicht so extrem wie in anderen, älteren Überspielungen. Orchester und Solist sind nach wie vor zeitweise auseinander. Im Vergleich z.B. zur DG Aufnahme mit Zimerman ist die Gesamtzeit auch nahe beisammen. Tracks 1 'Don't Be Frightened. Mr Gould Is Here...' - Leonard Bernstein 2 Op.15: I. Maestoso 25:19 3 Op.15: II. Adagio 13.15 4 Op.15: III. Rondo. Allegro Non Troppo 13:47 5 Exc Phil Intermission Radio Interview - Glenn Gould Aufn.: 6. April 1962 Carnegie Hall NYC Glenn Gould NYPh Leonard Bernstein Remaster. Engineer – Andreas Meyer*, Richard King Remaster. Producer – Louise De La Fuente ![]() Franz [Beitrag von op111 am 17. Mrz 2026, 10:46 bearbeitet] |
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op111
Moderator |
#16
erstellt: 17. Mrz 2026, 12:54
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zum Vergleich Leonard Bernstein, Wiener Philharmoniker, Zimerman DG 1984 Konzert Für Klavier Und Orchester Nr. 1 D-Moll Op. 15 Maestoso 24:32 Adagio 16:27 Rondo 13:00 ges.: 54:08 --- Bernstein, Gould 53:14 Rattle, Zimerman 51:21 --- Serkin Szell 46:56 Fleisher Szell 46:52 Wer ist denn damit der Bremser, Bernstein, Gould, Zimerman? Franz |
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Mars_22
Inventar |
#17
erstellt: 22. Mrz 2026, 21:01
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Ich habe das Konzert mit Zimerman, selbst dirigiert und gespielt, mit den Wienern: 6 Sekunden schneller ![]() Edit: Quatsch, das ist dasselbe, mit Bernstein am Pult. Da ist die Eröffnung des Orchesters schon seehr langsam. Meine Schnellste mit 45:06 ist Pollini mit Abbado und den Berliner Philharmonikern, 1998. Gefällt mir übrigens sehr gut! Nur klanglich ist alles etwas eng, gemessen an den Möglichkeiten des Aufnahmejahrs. [Beitrag von Mars_22 am 22. Mrz 2026, 21:16 bearbeitet] |
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op111
Moderator |
#18
erstellt: 23. Mrz 2026, 13:43
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Ich vermute da hatten sie, wie bei manchen anderen Live-Aufnahmen, bei der Mikrofonierung darauf geachtet, die Nebengeräusche auszublenden. Da klingt es schon mal eng. Das höre ich auch bei Giulinis Wiener Brahms- und Bruckneraufnahmen der DG. Franz |
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Mars_22
Inventar |
#19
erstellt: 23. Mrz 2026, 14:15
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op111
Moderator |
#20
erstellt: 23. Mrz 2026, 18:22
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Klavierexperten zufolge haben Pollinis manuelle Fähigkeiten altersbedingt ab Ende der 1990er merkbar abgenommen. Ob die bessere Aufnahmetechnik/organisation das im Gegenzug ausgleichen kann? |
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Mars_22
Inventar |
#21
erstellt: 25. Mrz 2026, 20:52
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Für Brahms hat‘s noch gereicht, ich höre keine Schwäche im Klavierpart, und auch im Zusammenspiel nicht. |
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op111
Moderator |
#22
erstellt: 26. Mrz 2026, 15:43
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Das bewährte Aufnahmeteam um Klaus Hiemann ist m.W. auch für Qualität bekannt. Thielemann soll ja auch nicht dem Klischee des konservativen, pathetischen, behäbigen, altmeisterlichen Brahms-Bilds folgen. Aber nun wieder zurück zu Glenn Gould. Franz |
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Wolfgang










