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Mahler: Sinfonie Nr. 6

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embe
Stammgast
#1 erstellt: 02. Dez 2003, 14:53
Hallo Klassikfreunde,
jeder hat ja so seine Lieblingsaufnahmen.
Schwer beeindruckt hat mich Mahlers 6. Sinfonie mit
dem London S O unter Mariss Jansons.
Auf dem Eigenlabel des Orchesters.
Klanglich in Ordnung.
Interpretatorisch absolut TOP.
Meine bisherige Lieblingsaufnahme war die Solti Decca von
1970. Jansons scheint noch tiefer in den Abgründen zu suchen,
dadurch ein wenig breiter im Tempo aber wie mit Röntgenstrahlen
durchdringt er alle Schichten.
Solti bewegt sich mehr an der Oberfläche, durch die Klangtechnik von damals
noch unterstützt. Einzelne Bläsersoli wurden da deutlich vorgezogen und Streicher
schärfeln zuweilen.
Bei Jansons spielt der Raum eine grosse Rolle, so hört man eben nicht jedes Luftholen
oder Klappenklappern, alles wirkt livehaftiger.
Andere Aufnahmen und meine Kurzmeinung:
Abbado, DGG 1979, trocken und klar, alles da aber kein Zündfunke.
Inbal, Denon, super Klang, etwas langatmige (buchstabierte?) Interpretation.
Szell, Sony CBS, für damalige Verhältnisse guter Liveklang, analytisch aber recht locker,
fast schon zu beschwingt, mir fehlt der Schuss Dämonie.
Barbirolli, EMI, traurigste Version, trostlos, wehleidig, Geschmackssache!
Vielleicht sollte ich mir doch mal Bernsteins DGG Version zulegen, kennt die einer?
Gruß
embe
cr
Inventar
#2 erstellt: 02. Dez 2003, 15:01
Ich emfinde Inbal auch buchstabierend (habe aber alle auf Brilliant Claasics unlängst gekauft).
Ich habe die seinerzeit hochgelobte Interpretation der 6. mit Sinopoli (bei den übrigen Symphonien habe ich meist Solti, fallweise Abbado (empfinde ich als sehr lasch), die 8. neben Solti noch mit Kubelik, die 9. neben Solti noch mit Karajan (diese Symphonie, eine seiner letzten Einspielungen, ist gelungen, ansonsten ist ja Karajan kein Mahler-Dirigent)
Miles
Inventar
#3 erstellt: 02. Dez 2003, 16:17
Inbal buchstabiert?

Hat hier jemand die Rondo CD-Galerie - Mahler: Sinfonie Nr. 6 gelesen?


Barbirolli, EMI, traurigste Version, trostlos, wehleidig, Geschmackssache!


Das passt ja recht gut zu Mahlers Seelenzustand beim Komponieren der "Tragischen". Ich habe sie mit Barbirollis Aufnahme kennengelernt und diese Einspielung ist mir am liebsten.

Ich habe auch die Chailly/Decca-Aufnahme und die Inbal-Box, erstere gefällt mir auch sehr gut (und sie hat die gewaltigsten "Schicksalschläge" die ich je auf CD gehört habe), zweitere habe ich noch nicht gehört.

Irgendwelche Kommentare zu Boulez (nicht nur seine Sechste)? Der wird ja immer recht kontrovers rezensiert.


[Beitrag von Miles am 02. Dez 2003, 16:20 bearbeitet]
embe
Stammgast
#4 erstellt: 02. Dez 2003, 17:41
Rondo lesen? ICH??? Niemals.
Naja, manchmal...ab und zu...einmal im Monat
vielleicht...oder wöchentlich...aber nicht täglich...
nur alle zwei Tage, täglich lese ich Klassik heute.
Irgendwo her muss man sich ja informieren.
Die Fono Forum lese ich auch regelmässig.
Am interessantesten sind die CDs die in der einen
Zeitschrift verissen und in der Anderen hochgelobt werden.
Gruß
embe
Antracis
Stammgast
#5 erstellt: 02. Dez 2003, 17:47
Ich habe die Boulez-Aufnahme und mag sie sehr. Das jetzt ausführlich zu begründen oder zu beschreiben nützt aber leider nicht halb so viel, wie selber reinzuhören und sich ein Bild zu machen, ob man so Mahler hören möchte.

Ich kann jedenfalls nur soviel sagen, dass ich sie nicht als so "kalt" und "auschließlich analytisch" empfinde, wie die Aufnahme von einigen Kritikern beschrieben wurde. Aber dass sind meistens auch immer Menschen die froh sind, endlich wieder einen Musiker in eine Schublade pressen zu können. Allerdings ist Boulez sicher kein so impulsiv und frei musizierender Künstler wie z.B. Bernstein. Soweit schon richtig, soweit ist auch der Mahler deutlich anders.

Ansonsten kehrt Abbado nach seinem Abschied als Chefdirigent und 2 Jahren Pause am 4.-6. Juni 2004 wieder ans Pult der Berliner Philharmoniker zurück und wird Mahlers 6. dirigieren. Ich erwarte das Konzert mit Spannung (nach den letzten famosen Aufnahmen der neunten und siebten Sinfonie!) und es wird sicher mitgeschnitten, um auch den Berliner Mahlerzyklus zu vollenden.

Grüße
Anti


[Beitrag von Antracis am 02. Dez 2003, 17:48 bearbeitet]
Markus
Inventar
#6 erstellt: 02. Dez 2003, 18:04
Hallo embe,

danke für den Tipp, ich habe diese Version der 6. unverzüglich mal bei JPC geordert (ist mit ihren 10 EUR ja nicht gerade teuer).

Gruß,

Markus.
embe
Stammgast
#7 erstellt: 03. Dez 2003, 14:02
@ Miles,
Mahler mit Boulez besitze ich nicht, enthalte mich daher einer Meinung.
Aber als Interpret anderer Komponisten schätze ich ihn schon,
Bartok oder Französisches auch Strawinsky etwa.
Seine Bruckner 8. ist aber gewöhnungsbedürftig, vielleicht liegts auch am Aufnahmeort,
klingt irgendwie weihräuchrig katholisch, als täte Jochum wieder brucknern.
Gruß
embe
op111
Moderator
#8 erstellt: 15. Apr 2004, 17:08
Hallo Mahlerfans,

ich hab mal das alte aber interessante Thema aktiviert, weil mir aufgefallen ist, dass niemand über die korrekte Satzfolge (ausser M. janssons) diskutiert hat , die Booklets schweigen sich aus oder munkeln Dunkles.

Es gilt: Allegro - Andante - Scherzo - Finale.

Die kritische Gesamtausgabe
Die Reihenfolge der Sätze in der
6. Symphonie von Gustav Mahler
wird folgendermaßen bestimmt:
I. Allegro energico, ma non troppo (22 min.)
Heftig, aber markig
II. Andante moderato (14 min.)
(in der kleinen Partitur als dritter Satz bezeichnet)
III. Scherzo (11 min.)
(in der kleinen Partitur als zweiter Satz bezeichnet)
IV. Einleitung und Finale (30 min.)
C. F. Kahnt Nachfolger.
Diese Mitteilung ließ Gustav Mahler in das Programm der Uraufführung des Werkes (27. Mai 1906 in Essen) einfügen. Entgegen allen anderslautenden Angaben hat Mahler das Werk niemals in einer anderen Gestalt aufgeführt und diese Änderung niemals zurückgenommen.

Dr. Reinhold Kubik
Vize-Präsident
Editionsleiter der Kritischen Gesamtausgabe
Oktober 2003

www.gustav-mahler.org gesamtausgabe/

Hat mal jemand probeweise konventionelle Einspielungen in der veränderten Reihenfolge gehört?
Ich finde die konventionelle Lösung (langsamer Satz = 3) angenehmer.

David Hurwitz hat die von embe favorisierte Aufnahme
London Symphony Orchestra
Mariss Jansons LSO-0038

auch rezensiert:
http://www.classicstoday.com/review.asp?ReviewNum=6914

Ich kenne die von Jansons nicht, meine Hits sind:
Solti, Chicago SO, Decca
Boulez, Wiener Ph., DG
Bernstein, Wiener Ph, DG
Szell, Cleveland O., Sony

Gruß
edit: Links angepasst


[Beitrag von op111 am 07. Jan 2008, 17:35 bearbeitet]
BigBerlinBear
Stammgast
#9 erstellt: 15. Apr 2004, 17:52
Die "6te" kann ich nicht allzu häufig hören; ich muß dazu in
großer Übereinkunft mit mir selber sein, wann ist man das schon mal ausschliesslich
aber wenn ich sie höre, dann entweder unter
Boulez (DGG)oder
Sinopoli.
Erstgenannter geht vielleicht nicht rasant genug zu Werke,
verglichen etwa mit Solti; aber auf der "Habenseite" steht,
daß er wirklich jeden versteckten Winkel der Werkes ausleuchtet; "seinem hörenden Auge" entgeht nichts, wie ein französischer Kritiker schrieb.
Bei Sinopoli habe ich den Eindruck, daß er, wohl als einziger mir bekannter Dirigent, das Werk wirklich "heiss liebt", auf die Gefahr hin, es möglicherweise "freundlicher"
zu zeigen, als es gemeint ist. Beide Aufnahmen haben eine ausgewogene Klangbalance vorzuweisen; Extreme werden vermieden; es gibt keinen brodelnden Hexenkessel ala Solti.
Die Janssons-Aufnahme kenne ich ich noch nicht, hab sie mir aber vorgemerkt... Über die genaue bzw. gewünschte Satzfolge der 6. kann man ausführlich in Jens Malte Fischers Mahlerbiografie (Empfehlung!) nachlesen ! Ja und noch was:
Die 6. war Vorbild für einen anderen "Koloss" der Sinfonik, nämlich die 4. von Dmitri Schostakowitsch !
Alfred_Schmidt
Hat sich gelöscht
#10 erstellt: 15. Apr 2004, 18:43
Hallo,

Ich habe ja Mahler viele Jahre meines Lebens abgelehnt, meine Mahler Begeisterung ist ja erst jüngeren Datums.

Zudem hatte ich einen Lehrer der über Mahler folgendes sagte: (aus der Erinnerung, aber sicher sehr nah am Originaltext zitiert)

"Meine Damen und Herren, reproduzierende Künstler, wie beispielsweise Dirigenten, sollten niemals dirigieren,--- was da dabei rauskommt...., na ja,--- damit Sie ein abschreckendes Beisspiel haben, was da rauskommt sieht man am Besten bei Gustav Mahler"

Würde ich nur die 6. kennen würde ich ihm beipflichten. Ich kann dieses Werk nicht hören. Für mich bedeutet das (ich habe die Aufnahme unter Szell) 73 mißvergnügliche Minuten.

Man beachte, *ich* bewerte das Werk keinesfalls, ich stelle nur *meine persönliche Beziehung dazu* klar.

Grüße aus Wien

Alfred
BigBerlinBear
Stammgast
#11 erstellt: 15. Apr 2004, 18:57


Würde ich nur die 6. kennen würde ich ihm beipflichten. Ich kann dieses Werk nicht hören. Für mich bedeutet das (ich habe die Aufnahme unter Szell) 73 mißvergnügliche Minuten.


Oweh Alfred, ich möchte nicht dein schmerzverzerrtes Gesicht sehen, wenn die 4. von Schostakowitsch erbarmunsglos auf dich einpeitschte
Meine Klavierlehrerin (Pragerin) sprach auch immer "vom verehrten Herrn Operndirektor Mahler", der auch komponiert haben soll
op111
Moderator
#12 erstellt: 16. Apr 2004, 11:58
BBB:
Oweh Alfred, ich möchte nicht dein schmerzverzerrtes Gesicht sehen, wenn die 4. von Schostakowitsch erbarmunsglos auf dich einpeitschte
Meine Klavierlehrerin (Pragerin) sprach auch immer "vom verehrten Herrn Operndirektor Mahler", der auch komponiert haben soll :P


Hallo zusammen,
Alfred hat ja gestern abend schon gekontert, seine Naxos CD ist allerdings eine sanfte Brise gegen den Sturm dieser Aufnahme:
Dimitri Schostakowitsch
Sinfonie Nr. 4 c-moll op. 43
Staatliches Sinfonieorchester des Kultusministeriums der UdSSR
Ltg. Gennadi Roshdestwensky, Melodya-BMG

Alfred:
Würde ich nur die 6. kennen würde ich ihm beipflichten. Ich kann dieses Werk nicht hören. Für mich bedeutet das (ich habe die Aufnahme unter Szell) 73 mißvergnügliche Minuten.

Was nicht an Szell liegen kann.
Schade, was mißfällt dir an der Musik der 6., alle Sätze gleichermaßen?

Gruß
Franz
Antracis
Stammgast
#13 erstellt: 16. Apr 2004, 12:10
Ich finde es ungemein spannend, dass Mahlers Musik so polarisieren kann. Nicht nur beim Konsumenten sondern auch bei den Dirigenten. Ich erinnere mich an Günter Wand, der in Mahlers Neunter so eine Art unaufführbares Chaos sah und Celibidache konnte damit auch entsprechend wenig anfangen. Zufall, oder ein strukturelles Problem zwischen Mahler- und Brucknerliebhabern (Interessanterweise polarisiert Bruckner ja ebenfalls ziemlich stark innerhalb der Zuhörerschaft?) Ich jedenfalls liebe alle Sinfonien von Mahler und das Finale der Sechsten ist für mich einer der sinfonischen Meilensteine.


Gruß
Anti
Alfred_Schmidt
Hat sich gelöscht
#14 erstellt: 16. Apr 2004, 12:59
Hallo,

Also ich streife hier nur ganz kurz die DS Nr 4.
Ich hab überhaupt nicht "gekontert", sanftes Lämmlein, das ich bin (vielleicht wäre "Agnus" als Nick angebracht ?), ich hab mir lediglich die Vierte DS angehört, aus Zeitgründen leider nur den 1. Satz.

Näheres dazu im DS4-Threas (demnächst in diesem Forum)

Bleiben wir bei Mahlers 6.
Ähnlich wie Antracis bei Beethoven erging es mir mit Mahler.
Ich mied ihn. Er war in der Wiener Szene zudem noch verpönt, Böhm dirigierte ihn nicht, Karajan (angeblich)ungern.
Aber natürlich hatte ich vereinzelte Aufnahmen.
Mit 20 kannte ich Mahlers 1., die 4.(beide Kubelik) und die Lieder eines fahrenden Gesellen (Haitink/Prey). Punktum. Erste und "Lieder eines fahrenden Gesellen weisen ein Naheverhältnis zueinander auf, so war es nur natürlich daß ich, als ich Eines mochte, das Andere anschaffte.
Daran änderte sich jahrelang nichts. Als die CD eingeführt wurde, kam noch die 5. unter Inbal hinzu, die mir aber nicht gefiel. Später ergänzte ich die 5 durch eine Einspielung Kubeliks und erwarb "das Lied von der Erde" mit Wunderlich. Das blieb über viele Jahre so.
Dann folgten einige Schlüsselerlebnisse, wie z.B Rotts Sinfonie (wird auch ein Thread ist es wert)und Kontakte in Internetforen. Als dort das Thema Mahler auftauchte, sah ich, daß sowohl meine Mahler- als auch Brucknerdiskographie der Schandfleck in meiner Sammlung waren und ich ergänzte Stück um Stück. Es ging langsam voran, weil ich eher 3-4 Einspielungen desselben Werkes kaufe (um es wirklich kennenzulernen)als 4 verschiedene Sinfonien.Die erste wurde in 4 Versionen angeschaft, dann die 2.unter Klemperer (Studioaufnahme) die mich sofort begeisterte.
Die 6. mochte ich von Anbeginn nicht, desgleichen die 9.
Die 7. fand ich mir Bernstein (CBS) sehr beeindruckend, die Boulez-Aufnahme bei DGG vermochte nicht mich zu begeistern (liegt aber sicher an mir)
3. und 8. kamen am Schluß dran, weil ich gegen Sinfonien mit irrsinniger Länge eine Abneigung habe. (Ausnahmen gibt es).
Die 6. erschien mir spröde, ohne jede melodiöse Stelle.
Mehr vermag ich nicht zu sagen. Vielleicht erwerbe ich sie in fernen Tagen nochmals, denn auch die Aufnahmetechnik der alten Szell Aufnahme ist IMO kein Wunderwerk.

Wenn ich mich erinnere (und auch das ist es: Eigentlich erinnere ich mich an kein einziges "Thema") so ist es das Fehlen jener "kitschigen Stellen" die ich an den Sinfonien 1, 2, und 4 so schätze, oder besser gesagt, die den "Kitt" zur "Tradition" bilden. Diese Stellen werden von heutigen Musikwissenschaftern gelegentlich als "ironische Zitate" eingestuft. Hier war wohl der Wunsch der Vater des Gedanken. Man sehe sich Mahlers selbstverfassten Text zu "Das klagende Lied" an, dan sieht man, wie tief er noch in der Geisteswelt der deutschen Romantik verwurzelt war.
Manche sehen "diesen" Mahler nicht gern, der ja hier dem jungen Pfitzner und seinen Liedern näher ist als sonstwem (oder natürlich umgekehrt)

Trotzdem, werde ich die 6. gelegentlich wiederhören, man erlebt im Laufe des Lebens die tollsten Wandlungen des eigenen Geschmacks, ich weiß wovon ich rede (schreibe)

Gruß
aus Wien

Alfred


[Beitrag von Alfred_Schmidt am 16. Apr 2004, 13:02 bearbeitet]
op111
Moderator
#15 erstellt: 16. Apr 2004, 15:07
Hallo zusammen,
bemerkenswert erscheint mir in der 6. die Ausweitung des Instrumentariums um eher entlegene Instrumente wie
Glockenspiel, Kuhglocken, Rute, Hammer, Xylophon, Celesta.
Dabei instrumentiert Mahler trotz der großen Besetzung ganz durchsichtig, anders als R. Strauss.
Der Klang bekommt wie bei Debussy eine ganz besondere Bedeutung, ohne daß Mahler so frei wie Debussy damit verfahren wäre. Jedenfalls ist das keine Sinfonie, die noch annähernd in einer Klavierfassung zur Geltung käme, wie Brahms' Sinfonien.

Die Aufnametechnik verfährt mit dem Instrumentarium unterschiedlich.
Am besten erscheinen mir:
der transparente aber von z.T. typischen Decca-Manieren geprägte Klang, den die Decca Solti spendiert hat,
nicht schlecht auch Bernsteins DG-Produktion, die besonders Instrumentalsoli beleuchtet,
die neuere DG Produktion Boulez' fällt dagegen etwas weniger (über-)brillant aus, verzichtet auf Spotlight-Miking und verfügt über ein (in alten DG Produktionen vermisstes) ordentliches Bassfundament,

deutlich schlechter dann Abbados Chicagoer DG Produktion von 1979, der es an Räumlichkeit mangelt, es gibt nur links, mitte, rechts aber nichts dazwischen, Transparenz, Brillanz und Tiefbaß vermisse ich hier, insgesamt fällt diese Aufnahme weit hinter die 10 Jahre ältere Decca Produktion Soltis - mit dem gleichen Orchester im selben Raum aufgenommen - zurück.
Szells Livemitschnitt leidet unter dem dünnen entfernten Klang,

Die Hammerschläge sind nur bei Solti und Bernstein klanglich deutlich abgesetzt hörbar - vielleicht ist das aber nicht ganz im Sinne des Komponisten.

Gruß
Franz


[Beitrag von op111 am 07. Jan 2008, 17:47 bearbeitet]
sound67
Hat sich gelöscht
#16 erstellt: 16. Apr 2004, 15:23


Dabei intrumentiert Mahler trotz der großen Besetzung ganz durchsichtig, anders als R. Strauss.


Na ja. Ein Zemlinsky ist er aber auch nicht.

Gruß, Thomas
Hilda
Stammgast
#17 erstellt: 16. Apr 2004, 15:33

Jedenfalls ist das keine Sinfonie, die noch annähernd in einer Klavierfassung zur Geltung käme, wie Brahms' Sinfonien.


Hallo Franz-J.

da muss ich mal wieder in meinen Kellerkisten graben ich glaube da liegt eine Aufnahme der sechsten Mahler für zwei Klaviere (oder vierhändig - naj egal...) erschienen bei Dabringhaus und Grimm.

Ewig nicht mehr gehört - war mal ein Geschenk...

Gruss
Klaus
op111
Moderator
#18 erstellt: 16. Apr 2004, 15:47
Thomas:
Na ja. Ein Zemlinsky ist er aber auch nicht.


na glücklicherweise,
dessen lyrische Sinfonie ist ja ab und zu ganz nett anzuhören, aber ob der an Mahler heranreichen kann?

Klaus:
eine Aufnahme der sechsten Mahler für zwei Klaviere (oder vierhändig - naj egal...) erschienen bei Dabringhaus und Grimm.


Die müßte das sein:
Symphonien Nr. 6 & 7 für Klavier 4-händig
(Nr. 6 arrangiert von Alexander von Zemlinsky;
Nr. 7 arrangiert von Alfredo Casella)
Evelinde Trenkner & Sivlia Zenker, Klavier
D&G
ist bestimmt spannend, die mal zu hören.
Im WDR habe ich mal Berarbeitungen für Kammerensebles der Sinfonien und des Lieds von der Erde gehört. Die Klangfarben des Originals fehlen schon sehr. Bei der S. fantastique op. 14 von Berlioz ist die Lisztfassung auch nur ein Notbehelf.

Gruß
Franz
sound67
Hat sich gelöscht
#19 erstellt: 16. Apr 2004, 15:57

Thomas:
Na ja. Ein Zemlinsky ist er aber auch nicht.


na glücklicherweise,
dessen lyrische Sinfonie ist ja ab und zu ganz nett anzuhören, aber ob der an Mahler heranreichen kann?


@Franz

Ich meinte auch eher die fabelhafte symphonische Dichtung "Die Seejungfrau" - ich kenne kein Werk (fin de siècle oder darum herum), das besser orchestriert wäre.

Gruß, Thomas
op111
Moderator
#20 erstellt: 16. Apr 2004, 16:20
Thomas:
Ich meinte auch eher die fabelhafte symphonische Dichtung "Die Seejungfrau" - ich kenne kein Werk (fin de siècle oder darum herum), das besser orchestriert wäre.

Hallo Thomas,
so ist es, auch die lyrische Sinfonie hat ihre Stärken,
lohnt sich auf jeden Fall, die Aufnahme des SWR-Orchesters unter Michael Gielen (BMG-Arte Nova) gibt's ja z.T. sehr preiswert. Da hat man dann auch was aus dem Umkreis Mahlers, was man neben H. Zender und B.A. Zimmermann ins Regal stellen kann.
Gruß
Franz
cr
Inventar
#21 erstellt: 04. Mai 2004, 02:10
Hochgelobt wird in der aktuellen Stereo Fabio Luisis Einspielung der 6. mit dem Leipziger Runfunk-Orchester (MDR Sinfoniker): 5 Sterne für Interpretation und 4 für Klang.
Da Fabio Luisi noch relativ wenig CDs herausgebracht hat, ist er außerhalb von Österreich wenig bekannt. Daher rege ich an, ihm einen Thread zu widmen.
mefisto
Ist häufiger hier
#22 erstellt: 27. Jun 2004, 16:29
Mein Tip:als Alternative zur Studio-Aufnahme Barbirolli´s seine kürzlich erschienene LIVE-Aufnahme mit den Berliner Philharmonikern.SPITZE!!Gruss Guido.
op111
Moderator
#23 erstellt: 29. Jun 2004, 10:52

Mein Tip:als Alternative zur Studio-Aufnahme Barbirolli´s seine kürzlich erschienene LIVE-Aufnahme mit den Berliner Philharmonikern.SPITZE!!Gruss Guido. :)


Hallo Guido,
ich muß gestehen, daß mir die Wiederbegegnung mit Barbirollis Mahler-Schätzen der LP-Ära bisher Enttäuschungen bereitet hat, zuletzt die 9. mit den Berlinern (auch das mit Mahler unvertraute Orchester läßt viel zu Wünschen übrig) ganz besonders, die im heutigen (Über-)Angebot guter Einspielungen (Giulini, Solti, Klemperer, Walter, Bernstein) mich nicht mehr überzeugen kann.
Früher war nicht alles besser.
Gruß
Franz

PS:
Classics Today ist sicher nicht das Maß aller Magazine, aber
Victor Carr Jr widmet genau dieser 6. einen herben Verriss und empfiehlt die Studioproduktion mit dem Philharmonia Orchestra auch wegen der mangelhaften Ausführung durch die Berliner Ph.:
http://www.classicstoday.com/review.asp?ReviewNum=7554

GUSTAV MAHLER
Symphony No. 6
Berlin Philharmonic Orchestra
John Barbirolli
Testament- 1342(CD)
Artistic Quality 3 .
"... John Barbirolli's live 1966 Berlin Philharmonic Mahler Sixth lends new meaning to the work's "Tragic" subtitle. Here, the legend--the conductor's reputation as an exceptional Mahler conductor--dies a cruel death in the face of the reality we hear in this performance. However inspired Barbirolli's interpretation--and there are some compelling moments here and there, especially in the finale--the execution is dismal ..."
Goonie
Ist häufiger hier
#24 erstellt: 02. Jul 2004, 10:57
Hallo an alle!

Mich würde interessieren, ob jemand die Aufnahme mit dem SWR-Sinfonieorchester unter Michael Gielen kennt...nicht?
Hört mal rein!

Gruß,

Goonie
zoe
Ist häufiger hier
#25 erstellt: 13. Jul 2004, 18:19

Hallo,

Ich habe ja Mahler viele Jahre meines Lebens abgelehnt, meine Mahler Begeisterung ist ja erst jüngeren Datums.

Zudem hatte ich einen Lehrer der über Mahler folgendes sagte: (aus der Erinnerung, aber sicher sehr nah am Originaltext zitiert)

"Meine Damen und Herren, reproduzierende Künstler, wie beispielsweise Dirigenten, sollten niemals dirigieren,--- was da dabei rauskommt...., na ja,--- damit Sie ein abschreckendes Beisspiel haben, was da rauskommt sieht man am Besten bei Gustav Mahler"

Würde ich nur die 6. kennen würde ich ihm beipflichten. Ich kann dieses Werk nicht hören. Für mich bedeutet das (ich habe die Aufnahme unter Szell) 73 mißvergnügliche Minuten.

Man beachte, *ich* bewerte das Werk keinesfalls, ich stelle nur *meine persönliche Beziehung dazu* klar.

Grüße aus Wien

Alfred


Da sind wir ja schon zu dritt, die die Sechste nicht aushalten. Die "Krupp Sinfonie" wie sie auch genannt wird, wegen des Ortes der Uraufführung und auch wegen der Musik.
Ich kann Alfred nur zustimmen. Und dabei bin ich ein ziemlicher Mahler Fan, zum Schrecken meiner Frau und der Nachbarn, wir wohnen in einem alleinstehenden Haus!, aber wenn die 2. unter Klemperer stattfindet, und der Hausherr auf der Flöte mitspielt, dann wackelt einiges (ich hab die Lautsprecher einer Rockgruppe abgekauft) und trotzdem, mit der sechsten kann ich nichts anfangen. Zuviel Lärm, keine Melodie, ich schaff es nicht bis zum Ende der 73 Minuten, obwohl ich nicht nur Solti, sondern auch Bernstein, Inbal und Boulez auf und wieder ablegen kann. Auch der vielbesternte (Diapason d'or und begeisterte französische Presse) Boulez ist mir zuwider.
Halten wir das extrem tragische nicht aus, sind wir noch nicht weit genug, zu sensibel?
Vielleicht mit zunehmendem Alter bleibt Hoffnung oder gibt es da eine Aufnahme?
Barbirolli allerdings macht mir keine, habe ich schon Schwierigkeiten mit seiner von einigen hochgelobten 5.und den technischen Problemen der Berliner.

Grüsse aus Strasbourg

zoe
BigBerlinBear
Stammgast
#26 erstellt: 14. Jul 2004, 08:38
Hallo, ich denke, die Antwort ist viel einfacher ! Niemals kann, bzw. wird "jeder alles mögen". Ich schrieb hier bereits, daß ich zur 6. ein eher ambivalentes Verhältnis habe; wirklich uneingeschränkt kann ich nur den "langsamen" Satz (mit den Herdenglocken) hören; für alles andere muss ich in besonderer Stimmung sein. Es gibt auch sogenannte klassische "Meisterwerke", dei mir glatt am Arsch vorbeigehen, und die gemäß landläufiger Meinung "wohlkingend
und schön" sind. Die meisten Sinfonien Mozarts und Haydns sind halt "nix für mich" und ich habs mir abgewöhnt, mir deshalb Minderwetigkeitskomplexe einzureden...
Last not least: wenn du halt auf Mahlers 6. nicht kannst, hör doch ganz einfach was anderes

Es gibt noch soooo viel zu entdecken

Grüsse aus dem frühwinterlichen Berlin
op111
Moderator
#27 erstellt: 14. Jul 2004, 09:34
bbb:
Niemals kann, bzw. wird "jeder alles mögen".
...für alles andere muss ich in besonderer Stimmung sein. Es gibt auch ... klassische "Meisterwerke", dei mir glatt am Arsch vorbeigehen, ... Die meisten Sinfonien Mozarts und Haydns sind halt "nix für mich"
Es gibt noch soooo viel zu entdecken


Hallo zusammen,
bbbs Stellungnahme kann ich nur unterstreichen; obwohl ich die 6. Mahler ganz besonders schätze, kann ich sie nicht oft, insbesondere nicht zu jeder Gelegenheit und in jeder Stimmung hören.
Zu bbbs ungemochten Werken Mozarts und Haydns würde ich sogar einige Werke Bachs und Brahms' hinzuzählen.
Aber was ist das schon für eine winzige Lücke bei auf CD dokumentierter Musik aus 700 Jahren.
Gruß,
Franz
palisanderwolf
Hat sich gelöscht
#28 erstellt: 14. Jul 2004, 09:52
Hallo,

nicht verzweifeln!
Ich habe mir die Mahler 6. gerade mit Haitink, Orch. Nat. France zu Gemüte geführt. Das Einzige, was mich gestört hat, war der zu früh und unvermittelt hereinbrechende enthusiastische Beifall.

Mahlers 6. ist eigentlich garnicht so "tragisch". Das Tragische ist eher,daß wir sie nicht leicht vertragen oder sie nicht einfach verstehen können. Das aber hat Mahler ja wohl auch beabsichtigt. Sie ist Mahlers zentrale S., "eine Nuß, die es zu knacken gilt", ein Enigma.

Nachdem ich mich hier jetzt so weit herausgewagt habe:
die 6. ist seine individualistischste Symphonie. In der wichtigen Stille danach, in dieser notwendigen Pause nach der Aufführung kann das Individuum jedesmal auf das Neue entscheiden, ob es sich dem Unausweichlichen ängstlich resignierend ergeben, oder ihm mutig entgegensehen will.

Wenn man überhaupt soweit denkt. Ist nur so ein Vorschlag von mir.

MfG Bernd
op111
Moderator
#29 erstellt: 14. Jul 2004, 12:28
Hallo, Bernd

nicht verzweifeln!

aber hier verzweifelt doch niemand, oder?


Mahlers 6. ist eigentlich garnicht so "tragisch". Das Tragische ist eher,daß wir sie nicht leicht vertragen oder sie nicht einfach verstehen können. Bernd

Das "wir" möchte ich mal nicht auf alle ausgedehnt sehen.
Dass die 6. je nach Hörer unterschiedlich oder gar nicht aufgefasst wird, finde ich auch nicht tragisch.
Ebensowenig stört oder hilft der Ort der Uraufführung mir bei der Rezeption.

Gruß, Franz
BigBerlinBear
Stammgast
#30 erstellt: 14. Jul 2004, 12:33
doch Franz: wenn ich z.b. lese: Brahms.... uraufgeführt in MEININGEN !

also da rührt sich schon was bei mir
palisanderwolf
Hat sich gelöscht
#31 erstellt: 14. Jul 2004, 12:49
Hallo Franz,
MAHLER SYMPHONIE N 6 TRAGIQUE, B.Haitink, Radio France, Orchestre National de France, erschienen auf "naive"
Ruhig mal reinhören.

Heute ist ( besonders in Frankreich... ) der 14. Juli

MfG Bernd


[Beitrag von palisanderwolf am 14. Jul 2004, 13:02 bearbeitet]
op111
Moderator
#32 erstellt: 14. Jul 2004, 14:03

MAHLER SYMPHONIE N 6 TRAGIQUE, B.Haitink, Radio France, Orchestre National de France, erschienen auf "naive"
Ruhig mal reinhören.

Hi Bernd,
spielst du da mit oder bist du bei dem Label/Vertrieb?
Gruß
Franz
palisanderwolf
Hat sich gelöscht
#33 erstellt: 14. Jul 2004, 14:25
Hallo Franz,

weder.. noch..
MfG Bernd


[Beitrag von palisanderwolf am 14. Jul 2004, 14:40 bearbeitet]
RealHendrik
Inventar
#34 erstellt: 14. Jul 2004, 18:00

Mahlers 6. ist eigentlich garnicht so "tragisch". Das Tragische ist eher,daß wir sie nicht leicht vertragen oder sie nicht einfach verstehen können. [...]

Dass die 6. je nach Hörer unterschiedlich oder gar nicht aufgefasst wird, finde ich auch nicht tragisch.

Ebensowenig stört oder hilft der Ort der Uraufführung mir bei der Rezeption.


Nee, ausgeprägte Assoziationen zum Ort der Uraufführung habe ich bei der Sechsten Mahlers auch nicht... obwohl ich zu diesem Ort eine besondere Beziehung habe...

Ich bin aber gespannt wie ein Flitzebogen, ob es am 27. Mai 2006 an genau jenem Ort (der leider kürzlich "grosszügig" - aber meiner Ansicht nach nur wenig vorteilhaft - umgebaut wurde) mit genau jenem Uraufführungsorchester - wobei sicher keiner der damals Mitwirkenden heute mitwirken dürfte - eine Aufführung von Mahlers a-moll-Sinfonie stattfindet... und ich werde wohl dort sein...

Gruss,

Hendrik
zoe
Ist häufiger hier
#35 erstellt: 15. Jul 2004, 10:07



Heute ist ( besonders in Frankreich... ) der 14. Juli

MfG Bernd :prost


Da hab ich nicht Mahlers 6., sondern Beethovens Dritte mit Leibowitz aufgelegt und mitgespielt. Leibowitz zieht da ein tolles Feuerwerk ab und ist für mich eine erhebliche Alternative zu Furtwängler.
Leibowitz war übrigens 1944 Lehrer am Konservatorium von Paris, dann Mitglied der Resistance und einer seiner Schüler war Boulez.

Grüsse aus Strasbourg

zoe
BigBerlinBear
Stammgast
#36 erstellt: 15. Jul 2004, 10:27
und wenn ich jetzt noch erfahren würde, was Leibowitz
(und sein im übrigen genialer Beethoven-Zyklus) nu wiederum
mit Mahler und der 6exxten zu tun haben, würd ich ja gerne mit anstoßen
palisanderwolf
Hat sich gelöscht
#37 erstellt: 15. Jul 2004, 12:00
Hallo BigBerlinBear,

Leibowitz und Beethoven für das Feuerwerk ( wird in Frankreich am 14.7. gebraucht...);
im Zusammenhang des threads nicht auf Leibowitz sehen, sondern eher auf Boulez. Dann schließt sich der Kreis wieder..?! Also:

Weiter oben ist ja schon etwas zu Boulez gesagt worden. Bei Mahler bisweilen recht distanziert...??

Andere Meinungen und Meinungen Anderer, wie immer, sehr willkommen.

@ zoe,
herzliche Grüße nach Strasbourg.

MfG Bernd


[Beitrag von palisanderwolf am 15. Jul 2004, 12:37 bearbeitet]
vanrolf
Inventar
#38 erstellt: 03. Aug 2004, 17:17
Hallo,
kennt zufällig jemand die Einspielung der 6. Sinfonie unter Karajan/Berliner Philharmoniker (DG)? Ich frage nur deshalb, weil es von diesen eine sehr gelungene 9. gibt. Trotz allgemeiner Vorbehalte gegen diese Kombination (vor allem im Zusammenhang mit Mahler) könnte es ja sein, daß deren Version der 6. ebenfalls hörbar ist!?!
Gruß, Rolf
op111
Moderator
#39 erstellt: 03. Aug 2004, 17:25

kennt zufällig jemand die Einspielung der 6. Sinfonie unter Karajan/Berliner Philharmoniker (DG)?

Hallo Rolf,
ich kann mich nur dran erinnern, daß die Kritiken zu Karajans Aufn. von Mahlers 4., 5. und 6. im Gegensatz zu denen der 9. vernichtend waren, u.a. wg. des geleckten Schönklangs, falscher Klangproportionen etc.
Spannend ist so eine HvK-Retrospektive aber vielleicht schon.
Gruß, Franz
op111
Moderator
#40 erstellt: 04. Aug 2004, 00:06
Hallo Rolf,
Nachtrag: es gibt auch einen Karajan-Thread:

"Das Wunder Karajan? - - - Versuch einer Annäherung"
http://www.hifi-foru...arajan+mahler&z=5#85

in einer Kritik der 5. Mahler stand mal "kulinarische Kostbarkeiten, die in erbrochenem Zustand auf einem Silbertablett zum erneuten Verzehr dargeboten werden"

Es wäre mal interessant, sich HVKs Mahler erneut aus der historischen Distanz anzuhören. Hat jemand die 4., 5., 6.?

Gruß, Franz


[Beitrag von op111 am 04. Aug 2004, 00:12 bearbeitet]
vanrolf
Inventar
#41 erstellt: 04. Aug 2004, 00:29

Es wäre mal interessant, sich HVKs Mahler erneut aus der historischen Distanz anzuhören. Hat jemand die 4., 5., 6.?


Hallo Franz,
ich habe von Karajan die 5. (auf Vinyl) und bin bislang nicht so drauf abgefahren. Rattle sagt mir da z.Zt. eindeutig mehr zu. Allerdings muß ich zugeben, daß mir Karajans Adagietto (auch wenn's langsam peinlich ist: ich liebe es!) von den mir bislang bekannten Versionen (Rattle, Bernstein) am besten gefällt, klingt für mich traumhaft wie aus dem Jenseits, (Himmel natürlich).
Gruß Rolf
op111
Moderator
#42 erstellt: 04. Aug 2004, 10:29
Hallo zusammen,
mal wieder eine Fundsache aus dem Archiv
Gruß, Franz

HiFi-St. Sept. 1978
Gustav Mahler
Symphonie Nr. 6 a-moll
Berliner Philharmoniker, Herbert von Karajan

(Aufnahmeleitung Cord Garben, Tonmeister Günter Hermanns)
DG 2707 106 (2 LP)
Interpretation 4
Repertoirewert 2
Aufnahme-, Klangqualität 5
Oberfläche 9

Ein Dirigent von solch hoher Popularität hätte die Möglichkeit, für ein Werk Mahlers auch bei jenen zu werben, die nicht für diesen Komponisten eingenommen sind. Diese Chance wird hier nicht wahrgenommen. Karajans Konzept basiert nicht auf der erregenden Viel- und Verschiedenstimmigkeit der Partitur, sondern bevorzugt homogenen Klang. Damit gehen die Tugenden des Werkes verloren, Nebenstimmen werden zu Füllstimmen degradiert, manche gehen gar im Gesamtklang unter.
Schon der Beginn des ersten Satzes läuft nicht in markigen Schlägen an, sondern so vehement, daß das Klangbild brutalisiert wird und keine weitere Steigerung mehr zuläßt. Im Andante (dritter Satz), in dem - wie Bruno Walter gelehrt hat - auch jede Begleitstimme singen soll, wird meist auf Homophonie abgestellt, wodurch der Satz an Wirkung auf den Hörer verliert. Am besten gelingt noch das Finale. Auch hier freilich ignoriert Karajan vorgeschriebene Akzente, die die geforderte Vielstimmigkeit hervorbringen könnten. Auf sorgfältig differenzierte Stricharten, wie sie etwa in der Aufnahme von Haitink hörbar werden, wurde hier verzichtet.

Die Aufnahmetechnik gehorcht offenbar dem Konzept des Dirigenten. Wüßte man nicht, daß die Deutsche Grammophon über Aufnahmemethoden verfügt, die den Forderungen einer Mahlerschen Partitur meisterhaft entsprechen (wie in Giulinis Aufnahme der Neunten), dann wäre man verleitet, dem Aufnahmeteam anzulasten, was dem Dirigenten zuzuschreiben ist.
K. Bl.


[Beitrag von op111 am 04. Aug 2004, 10:30 bearbeitet]
BigBerlinBear
Stammgast
#43 erstellt: 06. Aug 2004, 09:54
@Franz schrieb:
Wüßte man nicht, daß die Deutsche Grammophon über Aufnahmemethoden verfügt, die den Forderungen einer Mahlerschen Partitur meisterhaft entsprechen (wie in Giulinis Aufnahme der Neunten), dann wäre man verleitet, dem Aufnahmeteam anzulasten, was dem Dirigenten zuzuschreiben ist.
K. Bl.


Hallo Franz, diese 26 Jahre alte Kritik kann ich auch heute noch in jedem Punkt unterschreiben !
op111
Moderator
#44 erstellt: 06. Aug 2004, 15:06
@BBB

Hallo BBB,
nicht alle Kritiken halten der Überprüfung stand, bei manchen tritt nach so langer Zeit deren Zeitbezogenheit zu Tage. Tennstedts Mahler hat man z.T. damals nicht immer zu Recht abgewertet. Mancher non-HIP Mozart und Haydn läßt sich heute (wieder) mit Genuß hören.

Leider habe ich die Aufnahme der 6. in all den Jahren vielleicht 3mal und nur im Radio gehört, kann so recht nichts mehr dazu sagen.
Es gibt so viele gute 6. (Boulez, Solti ...) seit der Mahlerschwemme da hab ich die von Karajan ausgelassen.
Hast du Karajans Mahler auf CD?
Ist ja auch sinnvoller was neues zu entdecken als die x-te 6. von wem auch immer zu sammeln.
Gruß, Franz
BigBerlinBear
Stammgast
#45 erstellt: 07. Aug 2004, 09:37
Hallo Franz, leider habe ih die nicht oder besser gesagt:
Gottseidank !
Aber ich hatte Gelegenheit, sie bei Bekannten vergangene Woche zu hören; das reichte....
op111
Moderator
#46 erstellt: 07. Aug 2004, 09:52
Hallo BBB,
Gottseidank passt auf das Beiseitelassen von Karajans Mahler-Bemühungen in der Tat besser.
Mahler ist auch, um Strawinskys Urteil über HvK mal zu erweitern, ebenfalls ein Komponist, der in der "Kultur" des Herrn von Karajan nicht adäquat interpretiert werden kann.
Da brauche ich als Sammler nicht noch eine weitere CD im Schrank, um das Urteil der Kritiker zu verifizieren.
Vielen widerständigen, Brüche aufweisenden Werken (und dazu zähle ich nich nur modernere, auch die von Brahms und Schumann) bekommt HvKs Schönklang-Masche nicht.

Gruß, Franz
BigBerlinBear
Stammgast
#47 erstellt: 07. Aug 2004, 16:20


Vielen widerständigen, Brüche aufweisenden Werken (und dazu zähle ich nich nur modernere, auch die von Brahms und Schumann) bekommt HvKs Schönklang-Masche nicht.
Gruß, Franz


Hallo Franz: es ist ja eigentlich noch viel fataler: Karajan hatte Wind davon bekommen, daß Mahler auf der Leiter der Publikumsgunst immer höher stieg und er meinte dann wohl, auf dieser "Welle des Erfolges" windschnittig mitschwimmen zu müssen. Natürlich ist er viel zu sehr Profi, als das seine Aufnahme wirklich richtig trashig geworden wäre, aber gerade bei DIESEM Werk wirken alle Glättungsversuche einfach nur lächerlich, etwa so, als wenn jemand aus der "Venus von Willendorf" (Jungsteinzeit) um jeden Preis eine Giacometti-Skulptur drechseln will. Fazit: Operation gelungen: Patient tot
op111
Moderator
#48 erstellt: 09. Aug 2004, 18:57
BBB:
es ist ja eigentlich noch viel fataler: Karajan hatte Wind davon bekommen, daß Mahler auf der Leiter der Publikumsgunst immer höher stieg und er meinte dann wohl, auf dieser "Welle des Erfolges" windschnittig mitschwimmen zu müssen. Natürlich ist er viel zu sehr Profi, als das seine Aufnahme wirklich richtig trashig geworden wäre, ... Operation gelungen: Patient tot

Hallo BBB,
den Verdacht hatte ich auch schon bei HvKs Schumann, Schubert und auch den Bartok-, Strawinsky-, Schoenberg-, Webern-, Berg-Aufnahmen.
Da wird das Werk handwerklich routiniert als Show abgezogen. Hauptsache: HvK war auch auf dem "Marktsegment" präsent.
Gruß, Franz
Philos
Schaut ab und zu mal vorbei
#49 erstellt: 12. Feb 2005, 01:48
Hat jemand die Aufnahme Mahlers 6. von Simon Rattle mit dem Birminghamer Symphonie-Orchester gehört und kann seinen Eindruck schildern?

Sind Michael Geilens Einspielungen der Mahler Sinfonien auch einzeln zu erwerben?

Vielen Dank schonmal und viele Grüße
Philos


[Beitrag von Philos am 12. Feb 2005, 01:49 bearbeitet]
Martin2
Inventar
#50 erstellt: 12. Feb 2005, 12:41

Philos schrieb:
Hat jemand die Aufnahme Mahlers 6. von Simon Rattle mit dem Birminghamer Symphonie-Orchester gehört und kann seinen Eindruck schildern?

Sind Michael Geilens Einspielungen der Mahler Sinfonien auch einzeln zu erwerben?

Vielen Dank schonmal und viele Grüße
Philos


Lieber Philos,

ich bin schlecht im Schildern von Eindrücken und ich analysiere Eindrücke auch nicht in dem Maße.

Ich habe Mahlers 6. mit Rattle gehört, kann jedoch nicht mehr sagen mit welchem Orchester. Hatte ich aus der Bücherhalle ausgeliehen und mich hat sie enttäuscht. Ich fand sie fade. Allerdings gebe ich zu, daß ich mich auch nicht gründlich mit dieser Aufnahme auseinandergesetzt habe.

In meinem Besitz befinden sich 3 Versionen: Karajan, Szell und Abravanel.

Ich glaube der Karajan kann beim ersten Hören schon Eindruck machen, aber das nutzt sich schnell ab. Ich fand den obigen Verriß aus einem Magazin von 1978 auch sehr interessant. Im Grunde kann ich ihn unterstreichen. Der Penguins Guide lobt die Aufnahme über den grünen Klee ( "a revalation") und setzt ihn ganz nach oben auf die Liste, was ich aber heute nicht nachvollziehen kann. Das hat mich damals dazu verführt, diese Aufnahme zu kaufen.

Meine jetzige Lieblingsaufnahme ist der Abravanel. Gut, das Utahsinfonieorchester ist kein Spitzenorchester, aber was für mich zum Beispiel gerade im ersten Satz herauskommt, ist die Schönheit der Musik. Die 6. Sinfonie ist eine schöne Sinfonie und gerade auch der erste Satz ist ein schöner Satz. Das geht für mich beim Karajan unter. Da fand ich es schon sehr treffend, daß der Rezensent hier vom von vorneherein "brutalisierten Klangbild" sprach. Genau das ist es, was mich am Karajan stört, das ist sehr "fetzig" gespielt, aber der Mahler geht für mich dabei unter. Mir gefielen auch die zügigeren Tempi des Abravanel im Scherzo und dem langsamen Satz. Das Scherzo entwickelt dabei einen großen Reiz, der langsame Satz wird in einem Tempo gespielt, daß sich seine Schönheit entfalten kann, ohne doch, wie beim Karajan durch allzu große Dehnungen trivialisiert zu werden. Das wird schön im Fluß gehalten. Das Tragische wird im letzten Satz bei Abravanel keineswegs übertrieben. Ich weiß noch nicht, ob mich das so ganz überzeugt, zumal das Utahsinfonieorchester eben kein Spitzenorchester ist. Irgendwie hat das Tragische dann aber für mich eine menschliche Dimension, die beim "großen Drama" mit einem superlativen Berliner Philharmonischen Orchester untergeht.

Szell habe ich lange nicht mehr gehört, möchte ich aber doch noch mal tun. Deshalb kann ich zu Szell auch nicht soviel sagen, müßte ihn einfach noch mal hören. Ich weiß nur, daß ich ihn dem Karajan vorziehe. Auch wenn das eine andere Sichtweise als der Abravanel ist ( das Scherzo ist wesentlich langsamer), ist dies, glaube ich, schon eine ganz gute Version.

Gruß Martin
op111
Moderator
#51 erstellt: 27. Apr 2005, 23:20
Aus "Was hört Ihr gerade jetzt? .."
http://www.hifi-foru...119&postID=2081#2081

Hilda schrieb:
gestern abend recht buntes Programm...

Zuerst ein Vergleichshören von Mahlers 6. Symphonie (2.Satz) - fragt mich nicht warum... Es fing ganz harmlos mit einer Aufnahme an...

Teilnehmer:

Kubelik/DG
Chailly/Decca
Haitink/Philips
Szell/Sony
Solti/Decca
Maazel/CBS
Abbado/DG
Tennstedt/EMI
Inbal/Brilliant

Nach langwierigen, (musik-)wissenschaftlichen Auswertungen kam folgendes dabei heraus (alles natürlich IMHO :D)

Das Concertgebouw Orchester hat Klasse Holzbläser (Hier punkten Chailly und Haitink)
Szell hätte ich mir gerne klanglich besser gewünscht (Liveaufnahme)
Kubelik lässt als einziger die Pauke nach dem ersten Schlag noch weiter hören...
Abbado ist lasch
Solti ist mir zu brutal
Inbal ist klanglich enttäuschend - ich glaube ich mag diese Zweimikrofonaufnahmen nicht so recht. Im Gegensatz zu den anderen Aufnahmen sehr 'verwaschenes' Klangbild - befriedigt mich ästhetisch nicht. Schade um die Interpretation - die gefällt mir eigentlich recht gut.
Tennstedt ist unterschätzt.

Meine Favoriten???

Kubelik, Chailly, Haitink

Gilt natürlich nur alles für den zweiten Satz und nicht fürs Gesamtwerk :D


Klaus' Betrachtung hat mich veranlasst, in einige meiner Aufnahmen reinzuhören:
Boulez Wiener Ph, live 9.5.94 ORF
Boulez Wiener Ph, DG
Bernstein, NYP Sony
Bernstein, Wiener, DG
Abbado, s.o.
Szell, s.o. Sony

In meiner Szell-Aufnahme höre ich die Pauke nach dem 1. Schlag zumindest am Satzanfang,
ich höre sie bei Solti nicht, weil die Kontrabässe (vielleicht ein bisschen zu laut abgemischt, weil die Konkurrenz sie zu niedrig gemischt hat?) sie verdecken, desgleichen in Boulez' Wiener Liveaufnahme.

Bei Bernstein (NYP, Sony) wirkt der 2. Satz noch leichtgewichtiger (vielleicht noch dünner) als bei Abbado,
in der DG Aufnahme zu weich, geschönt (liegt vielleicht an den WPh, die ihm nicht die schroffen Akzente realisierten wie später Boulez (live)).

Meine Favoriten beim 2. Satz: Boulez, Solti, Bernstein DG.
Szell hätte man ein Deccaaufnahmeteam gewünscht.

Gruß
Franz


[Beitrag von op111 am 28. Apr 2005, 10:08 bearbeitet]
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