Kenwood Amplifier Basic M1A Brumm

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UweEu
Neuling
#1 erstellt: 01. Okt 2019, 07:17
Mal eine Problemstellung aus meiner Sicht als Laie:
beim Einschalten meines alten Kenwood Verstärkers Basis M1A (Baujahr ca. 86) gibt es nur noch eine heftiges Brummen. Ursache seien defekte ElKos wurde mir gesagt. Habe das Gerät mal aufgeschraubt und mir sind die fetten ELNA Cerafine ins Auge gefallen (siehe Bild). Sollte ich die mal auf Verdacht auswechseln lassen, oder kann man da etwas messen??? Mal abgesehn davon sind die großen ELNA 71V/6800 wohl auch kaum noch zu bekommen, habe jedenfalls diese nicht im Netz gefunden. Freu mich über ein Experten-Feedback, VG Uwe aus EuskirchenKenwood Basic M1A Elkos
pragmatiker
Administrator
#2 erstellt: 01. Okt 2019, 07:53
Servus Uwe,

brummt es auf beiden Kanälen? Wenn ja: Brummt es auf beiden Kanälen gleich laut? Ist das Brummen abhängig von der Stellung des Lautstärkestellers, des Eingangswahlschalters und der Stellung des Baßstellers? Ändert sich was am Brummen, wenn man die Kabel ALLER Signalquellen (auch die von Tuner(n)) absteckt? Ändert sich was am Brummen, wenn man den Netzstecker um 180[°] verdreht in die Netzsteckdose steckt?

Ausgelaufen scheinen die Elkos ja schon mal nicht zu sein. Und wenn sie wirklich getauscht werden müssen (was aus meiner Sicht zum derzeitigen Zeitpunkt ohne Kenntnis der Antworten auf die obigen Fragen noch überhaupt nicht klar ist): Ob da 6.800[µF] oder 8.200[µF] Kapazität reinkommen und ob die 71[V] oder 80[V] oder gar 100[V] Spannungsfestigkeit haben, ist nicht so wichtig - Hauptsache ist, sie passen mechanisch (Durchmesser / Länge (Höhe) / Anschlußbild) und sind idealerweise (für eine lange Lebensdauer) für +105[°C] Temperatur spezifiziert.

Grüße

Herbert


[Beitrag von pragmatiker am 01. Okt 2019, 07:55 bearbeitet]
UweEu
Neuling
#3 erstellt: 01. Okt 2019, 08:45
Hallo Herbert,
vielen Dank für die erste Einordnung.
Zu den Fragen: Der Basic M1A (kein Röhrengerät, habe das Thema leider ins falsche Register einsortiert) ist eine reine Endstufe und hat keine Lautstärkeregelung, die läuft über den Vorverstärker. Das Brummen/Rauschen/Störgeräusch (sehr unangenehm laut) erfolgt, sobald ich die Endstufe einschalte, auf einem Kanal, dabei habe ich mal alle Kabel zu den Signalquellen (auch zum Vorverstärker) entfernt. Drehen des Netzsteckers in der Steckdosenleiste ändert nichts.
Was noch auffällt ist, dass es beim Einschalten des Gerätes manchmal, nicht immer, etwas dauert, bis die Endstufe "anläuft", d.h. das rote LED, das die Betriebsbereitschaft signalisiert, blinkt und es dauert einige Sekunden, bis es dauerhaft leuchtet.
Hoffe damit kannst Du die Ursache weiter eingrenzen, Danke und Gruß Uwe
pragmatiker
Administrator
#4 erstellt: 01. Okt 2019, 10:14
Wenn man auf dem nichtbrummenden Kanal Musik einspeist: Kommt dann auf diesem Kanal auch unverbrummte und unverzerrte Musik aus dem Lautsprecher (für diesen Test kann man den Lautsprecher des brummenden Kanals ruhig mal abstecken, um dessen Brummerei nicht zu hören)?

Grüße

Herbert
Reference_100_Mk_II
Inventar
#5 erstellt: 01. Okt 2019, 11:13
Hat sich vllt die Masseverbindung der Eingangs-Cinchbuchse gelöst?
Dann "fliegt" der Eingang doch und sammelt halt die Netzfrequenz von 50Hz ein.

Ich täte mal die Eingänge durchklingeln.

Meinung dazu?
UweEu
Neuling
#6 erstellt: 01. Okt 2019, 11:17
Ja, der andere Kanal arbeitet störungsfrei.
VG Uwe
pragmatiker
Administrator
#7 erstellt: 01. Okt 2019, 13:10
Im Servicehandbuch des Basic M1A (Quelle zum kostenlosen und anonymen PDF-runterladen: elektrotanya https://elektrotanya...pdf/download.html#dl ) geht aus dem Schaltbild hervor, daß die Leistungsversorgung aus einem gemeinsamen +/-65[V] Netzteil für beide Kanäle erfolgt.

Da nur ein Kanal brummt und der andere Kanal wohl einwandfrei funktioniert, kann man wohl nach derzeitigem Kenntnisstand die abgebildeten 6.800[µF] / 71[V] Elkos als Fehlerquelle ausschließen. Da das Gerät entweder auf 120[V] oder auf 240[V] Netzspannung einstellbar ist, sollte ihm auch die Netzspannungserhöhung von 220[V] auf 230[V], welche in Deutschland ab 1987 durchgeführt wurde, nichts anhaben können.

Die Brummerei kann jetzt allerlei Ursachen haben. Erstmal wäre (im direkten Vergleich zwischen linkem und rechtem Kanal) festzustellen, ob irgendwelche kanalidentischen Bauteile unterschiedlich (also "angebräunt") aussehen oder ob es in der Sektion eines Kanals "brandig" riecht. Die vorher vorgeschlagene Überprüfung der Masseverdrahtung der Cinchbuchsen ist sicher auch noch ein Überprüfungsschritt - mit ca. 270[kOhm] hochohmig genug wären die Eingänge jedenfalls, um im Verdrahtungsfehlerfall an diesem Punkt zu brummen.

Alles, was danach an Tests kommt, erfordert elektronische / elektrotechnische Kenntnisse und mindestens ein vertrauenswürdiges Multimeter als Meßgerät. Außerdem sind in dem Gerät jede Menge Spezial-ICs drin, die man nicht mal schnell so "um die Ecke" bekommt und die aber möglicherweise als vor Ort liegender Ersatzteilbestand hilfreich sind, wenn die Reparatur nicht Monate bzw. erhebliche Bruchteile von Jahren dauern soll, sondern mehr oder weniger in "einem Rutsch" durchgezogen werden soll. Dies sind insbesondere:

Diese Teile dürfte ein Werkstatt-Reparateur nicht einfach so "auf Verdacht" rumliegen haben - es wäre zu überlegen, ob man sie nicht "auf Vorrat" kauft, wenn man plant, dem Gerät noch ein langes und ersatzteilunterstütztes Leben zu spendieren.

Jeder Kanal ist über seine FET-Differenzeingangsstufe (mit dem µPA68H Doppel-FET) von der Endstufe her gegengekoppelt. Geht diese Gegenkopplungsschleife auf (weil z.B. einer der beiden µPA68H kaputt ist - zumindest denkbar, wenn er z.B. durch statische Entladung auf die Cinch-Buchse (Lederschuhe / Teppich) "erschlagen" wurde), dann passiert zweierlei:

  • Die Verstärkung steigt steil - bis in die Nähe der Leerlaufverstärkung - an; d.h. der Kanal wird "laut".
  • Da der Restbrumm des (ungeregelten) Netzteils jetzt nicht mehr durch die Gegenkopplung ausgeregelt wird, brummt es.

In diesem Fall sollte es allerdings (zumindest dann, wenn der Eingangs-FET noch "lebt") so sein, daß man dann, wenn man nur auf dem kaputten Kanal ein Musiksignal einspeist, unter dem Brumm auch noch das unterlagerte Musiksignal hören sollte - das wäre zu überprüfen.

Die Gegenkopplung läuft über den 16-poligen Steckverbinder zwischen Vorverstärkerleiterplatte und Endstufenleiterplatte. Diese Steckverbindung wäre ebenfalls zu überprüfen (auf festen Sitz, auf lockere Kabel etc.) --> Das alles selbstverständlich NUR bei ausgeschaltetem und vom Netz getrenntem Gerät frühestens 10 Minuten nach dem Ausschalten (damit sich alle Elkos entladen konnten). Auch die Steckverbindungen zur Lautsprecherumschaltleiterplatte sind unter diesem Gesichtspunkt genau zu überprüfen.

Grüße

Herbert


[Beitrag von pragmatiker am 01. Okt 2019, 13:34 bearbeitet]
UweEu
Neuling
#8 erstellt: 01. Okt 2019, 14:43
Hallo Herbert,
vielen Dank für die ausführlichen Hinweise zum weiteren Vorgehen.
Die ICs bestellen und erhalten ist das eine und ja auch kostenmässig überschaubar. Schwieriger wird's dann wohl mit dem "Schrauber meines Vertrauens" den ich leider noch nicht habe.
Gehe diesbezüglich mal auf die Suche. VG Uwe
pragmatiker
Administrator
#9 erstellt: 01. Okt 2019, 15:00
Das sollte ein Rundfunkmechaniker oder Radio- und Fernsehtechniker alten Schlages sein (deutlich graue Haare sind hier kein Nachteil) - auch fachkundige Funkamateure, die selbst entwickeln und basteln (also keine reinen "Steckdosenamateure") können hier hilfreich sein. Leute, die diesen Beruf erst unter moderneren Berufsbezeichnungen, die alle irgenwie mit "Information" oder "Kommunikation" anfangen, gelernt haben, haben häufig das Rüstzeug in der analogen Schaltungstechnik, das man für die Reparatur Deines Verstärkers braucht, nicht mehr. Das gleiche gilt häufig für Leute, die beruflich nur noch gelernt haben, stumpf ganze Module oder Funktionsgruppen auszutauschen.

[EDIT] Was ich vergaß: Die grauhaarigen Fachleute für solche Sachen sind - da häufig schon in Rente - inzwischen hie und da in Repair-Cafes anzutreffen. Vielleicht lohnt sich ja mal ein Besuch in einer solchen Einrichtung.....

Grüße

Herbert


[Beitrag von pragmatiker am 02. Okt 2019, 07:48 bearbeitet]
Poetry2me
Inventar
#10 erstellt: 03. Okt 2019, 16:52
Speziell IC 3 scheint gelegentlich kaputt zu gehen. Das wäre eine von mehreren möglichen Fehlerursachen. Dieses IC schaltet die Ansteuerung des beiden Paare Leistungstransistoren mit niedrigeren und höheren Versorgungsspannungen (Rail Spannungen). Das Das Feature heißt bei Kenwood SuperDLD.

Trotzdem würde ich ICs und STK-Module nicht pauschal austauschen, da man Gefahr läuft, nur Fakes mit schlechteren Eigenschaften zu bekommen.

Besser ist es, über verschobene Gleichspannungspotentiale entlang der Gleichspannungspfade der einzelnen Stufen den Fehler zu suchen und dann gezielt Bauteile auszutauschen.

Zur Erleichterung der Fehlersuche habe ich mal die verschiedenen Schaltungsstufen farblich markiert.

Kenwood Basic M1A schematic detail left power amp stages marked

Die Stufen 1 bis 3 sind auf einer hochkant gesteckten Platine untergebracht, um induktive Wechselwirkungen mit den empfindlichen Eingangsstufen zu minimieren. Stufe 3 (rot) erstreckt sich über zwei Platinen und bildet sogar bis in das IC 1 hinein seinen Gleichstrompfad.

Die meisten erforderlichen Spannungsangaben sind im Schaltplan enthalten.

- Johannes


[Beitrag von Poetry2me am 03. Okt 2019, 16:53 bearbeitet]
pragmatiker
Administrator
#11 erstellt: 04. Okt 2019, 11:26

Poetry2me (Beitrag #10) schrieb:
Trotzdem würde ich ICs und STK-Module nicht pauschal austauschen, da man Gefahr läuft, nur Fakes mit schlechteren Eigenschaften zu bekommen.

Da hab' ich mich vielleicht nicht genau genug ausgedrückt - jedenfalls meinte ich sicher nicht "pauschal tauschen", sondern nur die Teile auf Vorrat beschaffen und dann "da liegen" zu haben, damit man bei einer Reparatur alles, was man an Spezial Ersatzteilen eventuell brauchen könnte, dann gleich parat hat und dadurch Zeit spart. Selbstverständlich sollte die Fehlerursache fachmännisch ermittelt werden und es sollte anschließend nur das getauscht werden, was auch wirklich kaputt ist.

Grüße

Herbert
vowe727
Neuling
#12 erstellt: 08. Nov 2019, 16:59
Ursache des Fehlers waren kalte Lötstellen in der Vorverstärkerplatine und auf der Hauptplatine um den Fehler zu beheben muss man des Gerät fast ganz zerlegen . LG der graue Techniker von Radio Weber in Stotzheim.
Poetry2me
Inventar
#13 erstellt: 08. Nov 2019, 18:37
Danke für die Rückmeldung vom Profi

Es geht doch nichts über eine klassische Fehlersuche

- Johannes
pragmatiker
Administrator
#14 erstellt: 11. Nov 2019, 09:14

vowe727 (Beitrag #12) schrieb:
Ursache des Fehlers waren kalte Lötstellen in der Vorverstärkerplatine und auf der Hauptplatine

Nur für's Protokoll (und zum Nachlesen von anderen Leuten in einigen Jahren): Ist dieses Gerät bekannt / berühmt / berüchtigt für kalte Lötstellen?

Grüße

Herbert
grautvOHRnix
Stammgast
#15 erstellt: 12. Nov 2019, 08:10
Ja, besonders die frei stehenden Hybrid-Treiber ICs haben
sich schon während der Garantiezeit gerne mal aus den
Lötstellen befreit, durch die Eigenerwärmung wurden diese
spröde.


P.S.: der graue Weber hat kein Gewerbeschild


[Beitrag von grautvOHRnix am 12. Nov 2019, 08:11 bearbeitet]
vowe727
Neuling
#16 erstellt: 13. Nov 2019, 14:26
Irrtum das Gewerbe besteht seit dem 1.3.1994 und das Geschäft schon fast 70 Jahre .
pragmatiker
Administrator
#17 erstellt: 13. Nov 2019, 15:45
Es war auch nicht die offizielle Gewerbeanmeldung gemeint, sondern die Kennzeichnung als "Gewerblicher Teilnehmer" hier im Forum, die ich die Firma Radio Weber in Stotzheim bitte, gemäß unseren Nutzungsbedingungen umgehend nachzuholen.

Dankeschön und Grüße

Herbert
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