Raum für Schlagzeug dämmen

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Thor_der_Donnergott
Stammgast
#1 erstellt: 02. Sep 2011, 08:42
Hallo,

ich würde gerne den Raum in dem mein Schlagzeug steht etwas dämmen. Nicht, dass man das Schlagzeug draußen nicht mehr hören soll, sondern den Schall den der Raum reflektiert.

Aktuell sind die Wände sehr Schallhart. Spielen ohne Gehörschutz ist nicht möglich, weil Snare und Becken so viele spitze Töne von sich geben.

Reicht es hier einfach ein bisschen Noppenschaumstoff an die Decke zu kleben oder ist man auch hier besser bedient, wenn man Eckabsorber und Steinwolle anbringt?

Was habt ihr gemacht und was hats gebracht?

Gruß
Jochen
georgy
Inventar
#2 erstellt: 02. Sep 2011, 18:54
Dämpfen meinst du? Auf dem Fussboden ein Teppich, die Wände und Decke mit (Noppen)Schaumstoff verkleiden.
Alternativ kannst du auch mit Dämpfern spielen, hab ich in meiner alten Bude auch gemacht (nicht nur bei meiner Tröte, auch beim Schlagzeug).
thedesire
Ist häufiger hier
#3 erstellt: 10. Okt 2011, 20:27
Hallo Thor,

als Berufsschlagzeuger mit fast 40 Jahren Erfahrung kann ich dir folgenden Rat geben. Nagele an die Oberkannten deines Raumes Dachleisten. 6cm x 6cm. Daran tackerst du dann alten Teppich. ( Messebedarf )Decke abhängen nicht vergessen. Abstand zum Boden höchstens 1cm.
Das mindert nicht nur den Hall sondern auch die Geräusche nach aussen.

Also. Teste es mal.

Gruss

von thedesire
Thor_der_Donnergott
Stammgast
#4 erstellt: 11. Okt 2011, 17:38
Hab mir in den letzten Tagen 4 Absorber aus 7cm Mineralwolle gebaut und werde die später an die Decke hängen. Decke ist aus Beton und geschätzte 2,10 m hoch. Einmal Snare und Crash anschlagen schmerzt schon richtig in den Ohren.
Ich hab die jetzt einfach mal gebaut, sollte es alles schlimmer machen, werd ich sie irgendwo im Wohnzimmer unterbringen.

Kann ja dann auch mal kurz Fotos machen und hier hochladen.
Thor_der_Donnergott
Stammgast
#5 erstellt: 11. Okt 2011, 20:16
Schlagzeug Deckenabsorber
Schlagzeug Deckenabsorber
Schlagzeug Deckenabsorber

Sorry, es musste leider die Handykamera herhalten, aber ich denke man erkennt alles was wichtig ist.

Für die Absorber hab ich einen einfachen Holzrahmen aus 8 cm breiten gehobelten Latten gebaut, in die Kante je 4 Nägel geschlagen, ein Schnurgitter drüber und dann mit den günstigsten Sofadecken von IKEA bespannt. Aufhängung kann man an den Bildern erkennen.

Was hats gebracht? Das Schlagzeug ist immernoch laut. Soll ja auch so sein Bei Snare und Becken sind die massiv überspitzten Obertöne raus. Oder sagen wir mal, es ist besser. Könnte noch besser sein. Vielleicht werde ich an die Wand hinter dem Schlagzeug noch einen Teppich wie thedesire beschrieben hat aufhängen.

Toms und Bass-Drum weeeeeeesentlich besser. Hätte ich gar nicht erwartet. Jetzt klingt alles schön warm und wirklich schön. Ich meine auch, dass jetzt der Snare-Teppich weniger rasselt wenn man die Bass-Drum tritt.

Gruß
Thor
slaytalix
Stammgast
#6 erstellt: 17. Okt 2011, 11:22
Schalldichte Übekabine ?

Bild_01
monsterbox
Stammgast
#7 erstellt: 18. Okt 2011, 12:54
Moin Donnergott,

Bin gerade auf Deinen Thread gestoßen.

Akustisch kommt Deine Idee schon ganz gut hin, aber gesundheitlich hätte ich Bedenken.

Die Mineralwolle vibriert nun direkt über Dir, während Du spielst, und die allerfeinsten und kürzesten Fasern, welche leider am tiefsten in die Lungenkapillaren gelangen, werden auf Dich herabrieseln.

Nach meiner Erfahrung reicht es zur Dämpfung hoher Frequenzen aus, entlang der Decke einen "fluffigen" Dekostoff zu hängen.

Zur Bekämpfung des Hochtonproblems solltest Du auch noch genau hinhören, ob es nur einen zu starken Nachhall wegen der vielen schallharten Flächen im Raum gibt, oder auch ein sogenanntes "ringing", d.h. ein sehr schnell zwischen zwei parallelen Flächen hin und her laufendes Echo (dann muß eine der beiden Flächen stillgelegt werden).

Allgemein soll ja im Überaum ein über alle Frequenzen ausgeglichener, und für Schlagzeug eher kurzer Nachhall erreicht werden.

Die Kontrolle der Hochtonfrequenzen ist billig, der Mitteltonbereich geht auch noch, aber zum Bass hin wird es teuer.

Der Grund dafür ist die Wellenlänge.

Rechnen wir mit 330 m/s kommen wir auf eine Wellenlänge von 330m bei 1Hz,
33m bei 10Hz,
3,3m bei 100Hz,
33cm bei 1000Hz
3,3cm bei 10.000 Hz

Die einfache Sinuswelle durchläuft in vier Teilen folgende Phasen:
Anfangs ihr Druckmaximum, dann ihr Schnellemaximum (Luftpartikelbewegung), dann ihr Druckminimum und schließlich ihr Schnellemaximum in der Gegenrichtung.

Eine Schallwelle hat direkt an der Fläche, von der sie zurückgeworfen wird, ihr Druckmaximum, und in einer Entfernung von einem Viertel der Wellenlänge ihr erstes Schnellemaximum.

Dämpfen läßt sich eine Frequenz im Bereich der Schallschnelle mit fluffigem Material, welches die Partikelbewegung der Luft behindert, während zur Dämpfung im Bereich des Druckmaximums ein fluffiges Material wirkungslos bleibt. Dort hilft nur eine Nachgiebigkeit der Reflexionsfläche, um so die Energie aufzunehmen.

Da man in der Regel nicht mitten im Raum dämpfen möchte, sondern möglichst dicht an der Fläche, wird aus den oben genannten Wellenlängen für die Frequenzbereiche sofort deutlich, weshalb eine Dämpfung im Hochton einfach ist, und im Bass so schwierig, denn für 100Hz liegt der nächste Bereich der Schallschnelle immer noch 82,5 cm von der Reflexionsfläche, und ist zudem weit ausgedehnt.
Um Bässe zu kontrollieren, ist die relativ kostengünstigste Maßnahme noch die Anbringung großer, dünner Spanplatten auf der Wand/Decke mit einer Glaswollefütterung dahinter.
Für die Hochtondämpfung reichen aufgehängte Stoffe in der Wandnähe aus, im Mitteltonbereich ist der oben erwähnte Teppich mit etwas Distanz zur Wand die beste Variante.

Unschöne Resonanzspitzen bekommen wir bei den Frequenzen, die genau zwischen zwei parallele Flächen passen, sowie deren ganzzahligen Vielfachen (genannt Obertöne).
Im Bass sind sie als "Raummoden" bekannt, und bei einem quaderförmigen Raum einfach berechenbar (aus dem Abstand der parallelen Flächen).
Im Mittelton hören wir Resonanzen als Verfärbungen - so kann ein Raum z.B."topfig" klingen.
Im Hochton wäre es dann das "ringing".

Ist also einfach nur zuviel Hochton vorhanden, läßt sich die Sache mit aufgehängten Stoffen korrigieren.

Gruß - Detlef


[Beitrag von monsterbox am 18. Okt 2011, 13:21 bearbeitet]
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