Hilfe bei Gehäuseplanung für Vifa Coax erbeten

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klemminger
Ist häufiger hier
#1 erstellt: 13. Dez 2008, 01:42
Hallo zusammen,

nachdem bislang die Suchfunktion zur Klärung aller offenen Fragen herangezogen werde konnte, muss ich mich diesmal leider direkt an Euch wenden und hoffe Ihr könnt mir weiterhelfen:

Ich habe hier einen ziemlich betagten, aber neuwertigen Vifa-Coax (A17WG-01-04), den ich gerne verbauen würde. Ursprünglich wurde er für Car-Hifi konzepiert, aber er sollte auch daheim eine gute Figur machen. Einen empfohlenen Weichenplan für Heimanwendung (recht einfach gehalten (12/12dB) habe ich jedenfalls schon - die haarigste Angelegenheit ist also schon mal geklärt.

Ich bin jetzt also auf der Suche nach einem passenden Gehäuse.
Herr Lommersum von Vifa war so nett, mir die TSP des Tieftöners (leicht modifizierter Vifa M17WG) zu Verfügung zu stellen:

Parameter:
fs = 58 Hz
Re = 3.0 Ohm
Sd = 133 cm²
Hub = +/- 3 mm
Mms = 12 g
Vas = 15 Lit
Qms = 2.7
Qes = 0.77
Qts = 0.60

Die Empfehlung ging zu einem geschlossenen Gehäuse ab 15 l.
Leider fehlt es mir an Messequipment, Simulationssoftware (Apple :{) und zu allem Überdruss auch noch an praktischer Erfahrung :..
Ich habe also mal klassische Formeln und verschiedene Online-Simulationsrechner durchprobiert und der momentane Stand wären 25 Liter geschlossen. Für das Gehäuse würde ich eine schlanke Standbox bevorzugen. Als Innenmaße dachte ich an 15B x 17T x 100H.

Nun wollte ich die netten Fachleute fragen: bin ich hier auf einem guten Weg, oder ist das alles Mumpitz? Geringe Zweifel plagen mich auch bei der Bauform: unter 100 Hz kann ich wahrscheinlich nicht wirklich viel erwarten, oder (ich bin aber auch kein Tiefbassfetischist)? Für eine Bassreflexbauweise liegt Qts aber wahrscheinlich viel zu hoch, oder?

Vielen Dank schon mal - ich bin für jeden Ratschlag dankbar.



Herzliche Grüße,
klemminger

P.S. Nach der langen Zeit des Mitlesens, kann ich jetzt auch mal folgendes loswerden: klasse Forum!!!
Christoph_Gebhard
Inventar
#2 erstellt: 13. Dez 2008, 10:25
Hiho,

du bist schon auf einem guten Weg.
Geschlossen geht auf jeden Fall, viel Tiefbass wird da aber nicht kommen. Das dürfte maximal in kleinen Räumen und bei niedrigen Ansprpüchen tolerierbar sein.
Bassreflex geht mit gewissen Einschränkungen in der Linearität auch noch. Das würde ich gegenüber dem tiefbassschwachen geschlossenen Gehäuse sogar noch als kleineres Übel ansehen, auch wenn die Dogmatiker jetzt aufschreien.
Am besten dürfte sich wohl eine TML eignen.
Ich simulier mal etwas und melde mich dann nochmal.

Edit:

Hier ist geschlossen in 25 Liter (grün), BR auf ca. 48Hz in 25 Liter (schwarz), TML in ca. 38 Liter (rot):



Das sind jetzt nur grobe Annäherungen, man kann da durchaus noch feintunen, vor allem bei der TML und BR. Die Zacken bei der TML über 100Hz treten in der Praxis nach der Bedämpfung kaum mehr in Erscheinung.
Nach der Simulation wäre BR mein Favorit. Die TML liefert kaum Vorteile, braucht aber mehr Volumen und ist im Grundtonbereich schwerer zu beherrschen und bedämpfen.

Gruß, Christoph


[Beitrag von Christoph_Gebhard am 13. Dez 2008, 11:22 bearbeitet]
klemminger
Ist häufiger hier
#3 erstellt: 13. Dez 2008, 15:44
Hallo Christoph,

vieeelen Dank für die Simulation und die Ratschläge!

Also von der TML lasse ich aufgrund mangelnder Erfahrung und des größeren Gehäuses erst mal die Finger und werde mich dann wohl an der Bassreflexbauweise versuchen.
Mein einziges Bedenken geht hierbei nur in die Richtung, dass der Bass vielleicht etwas "schwabbbelig" werden könnte.
Würde sich in diesem Falle mit einer Bedämpfung des Bassreflexkanals entgegensteuern lassen?

Für die weitere Planung habe ich, gemäß Formel, für das geschlossene 25l-Gehäuse eine Resonanzfrequenz fc von 68 Hz und einen totalen Q-Faktor Qtc von 0,71 errechnet.
Daraus ergäbe sich nach Buch eine Abstimmfrequenz für die 25l-Bassrelexbox von 44 Hz.
Daher würde ich den Bassreflexkanal mit einer Öffnungsfläche von 25 cm2 machen. Angedacht war hier die Öffnung nach vorne zu legen und den Kanal mittels eingeleimten Brett unten am Fuß der Box zu realisieren (so wie Udo das bei seinen Kreationen häufig tut).
Ich habe mir dann wieder die Länge des Kanals ausgerechnet und bin anschließend auf folgenden Online-Reflexrohrberechner gestoßen: http://users.informatik.uni-halle.de/~hoffmaro/akustik/
Meine Berechnung wollte ich unter dem Menüpunkt "Bassreflexkanal (einfache Edition)" verifizieren.

Gemäß meiner Parameter (44Hz, 25l, 25cm2) ergibt sich eine Länge des Kanals von:

frei: 11,4 cm
an einer Innenwand entlanglaufend: 8,5 cm
an zwei Innenwänden entlanglaufend: 5,7 cm
an drei Innenwänden entlanglaufend: 2,9 cm

Huch
Das sind ja signifikante Unterschiede in der Länge, die mich gerade dezent verwirren. Kann mir das jemand erklären, bzw, was wäre denn nun die richtige Länge für meine Konstruktion? Genaugenommen würde der Kanal (auch wenn er nur 1,7 cm hoch ist) ja an drei Innenwänden entlanglaufen. Aber eine Länge von 2,9 cm kann es ja wohl nicht sein, oder?
Vielleicht sollte ich mir doch einfach ein Reflexrohr kaufen und es frei einleimen?


Herliche Grüße,
klemminger
Christoph_Gebhard
Inventar
#4 erstellt: 13. Dez 2008, 17:17
Hallo Klemminger,

benachbarte Wände haben einen Einfluß auf die Abstimmfrequenz, aber nicht in dem Maße, wie es angegeben wird.
Ich würde mich da generell nicht verrückt machen, der Einfluß des Raumes und der Aufstellung ist um ein Vielfaches größer, wichtig ist erstmal dass die Abstimmung zum Raum passt, auch wenn´s in der Simu vielleicht krumm aussieht.
Ich würde bei einem klassischen Rohr bleiben, das kannst du schnell wechseln. Am besten in zwei Längen parat halten und dann hören (z.B HP70 in voller Länge und auf 12 cm gekürzt). Zur Not stopfst du das Loch halt zu, dann hast du die geschlossene Variante.
Das Rohr kannst du auf mittlere Höhe setzen. Den Bereich unterhalb des Rohres kannst du wegen der Längsresonanzproblematik im Gehäuse relativ stark bedämpfen, zwischen Treiber und Rohr würde ich mit Material dagegen sparen.

Gruß, Christoph
klemminger
Ist häufiger hier
#5 erstellt: 13. Dez 2008, 19:31
Hallo Christoph,

vielen Dank für die prompte Antwort.
Ja, so werde ich's dann machen und mich an Deinen Vorschlag halten.
Ich war halt nach der ganzen Theorie, die ich mir anzueignen versucht habe, etwas ängstlich den praktischen Teil anzugehen.
Aber nachdem das Projekt glücklicherweise keine Unsummen verschlingen wird und ich keine Wunder bezüglich des Ergebnisses erwarte, freue ich mich jetzt doch wie Schneekönig loszulegen und endlich Erfahrungspunkte im Bereich der Praxis sammeln zu können.
Zu Schade, dass ich mich noch bis zu den Weihnachtstagen gedulden muss, bevor es losgehen kann.

Ich sage vielen Dank und falls es sonst noch irgendwelche Tips, Ideen oder Denkanstöße gibt, die zu einer Optimierung des Ergebnisses führen könnten, werden sie dankbar angenommen.

Herzliche Grüße,
klemminger
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