Vollverstärker Gegentakt-AB von Experience Electronics

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RoA
Inventar
#1 erstellt: 28. Nov 2009, 13:20
Hi Folks,

wenn man sich ernsthaft mit dem Thema Selbstbau auseinandersetzt, gehört Experience Electronics wahrscheinlich zu den Adressen, die man sich im Netz näher anschaut. Obwohl einige von denen, die von den Preisen nicht sofort abgeschreckt wurden, auch Verstärker von Experience nachgebaut haben, findet man im Netz fast keine Erfahrungsberichte. Deshalb werde ich hier mal ein Selbstbau-Projekt der Dimension XXL vorstellen, und zwar den Vollverstärker Gegentakt-AB von Experience Electronics. Um es gleich vorweg zu nehmen: Den habe ihn nicht selbst gebaut, sondern eher zufällig recht günstig erstanden. Gekommen ist er mit der Post, wobei sich der arme Briefträger fast einen Bruch gehoben hat. Hier also mal ein Beispiel für eine bombensichere Verpackung:



Ausgepackt mußte der Verstärker dann erst mal eine Zeit lang in der Abstellkammer verweilen.



Der Verstärker hat 6 Eingänge (Empfindlichkeit für Vollaussteuerung ca. 0,35 V), Tape-Out und kann wahlweise mit der EL34 (2*35 Watt) oder der KT88 (2*50 Watt) betrieben werden, wobei die Röhren nicht einfach getauscht werden dürfen, sondern ein Umbau an der Stromversorgung und der Endstufenplatine (Lötarbeiten) notwendig wird. Da die Röhren eher den kleineren Teil des Gesamtprojektes ausmachen, empfiehlt sich der Einsatz der KT88 (Stückpreis um 30 Euro) gegenüber der EL34 (Stückpreis um 12 Euro). Bestückt war der Verstärker mit der 6550A von General Electric, und es war sogar ein Satz Ersatzröhren dabei. Hier mal die drei im Vergleich:



Lt. Aussage des Verkäufers gehörte der Verstärker zu einer Erbmasse und soll von einem „Fachmann“ zusammengebaut worden sein. Einen „Funktionstest“ habe er gemacht - alle Röhren würden glühen. Dermaßen beruhigt traute ich mich schließlich, das Gerät zu öffnen:



Das Innenleben sieht schon mal vertrauenserweckend aus. Wer auch immer den Verstärker montiert hat, wußte was er tat:



Praktisch perfekte Verkabelung, überall Kabelverbinder, kein Drahtverhau, so soll es sein. Links im Bild befindet sich die Hochspannungsplatine, rechts daneben mit den beiden LEDs ist eine kleine 15V-Versorgungsplatine zur Speisung eines externen Phono-Pres (wer’s braucht), darunter die Drossel. Es folgen von links nach rechts Übertrager, Trafo und Übertrager, und darüber residiert die Eingangswahl-Platine:



Zwischen den Kanälen ist zur besseren Kanaltrennung ein Kupferblech eingelötet. Die Eingänge werden über den Eingangswahlschalter vorne rechts am Gerät über Reed-Relais geschaltet:



Der Vorteil ist knackfreies Umschalten bei kurzen Signalwegen. Zwischen der Eingangswahl-Platine und dem rechten Übertrager befindet sich die Platine für die Röhrenheizung:



Links oben am Kühlblech sitzt der Gleichrichter (50V, 10A). Alle (!) Röhren werden mit stabilisiertem Gleichstrom geheizt, auch die Endröhren. Über das Poti kann die Heizspannung feinfühlig eingestellt werden, und natürlich ist eine Softstart-Automatik auch mit an Bord. Mehr Aufwand kann man eigentlich nicht betreiben.

Vorne befinden sich die beiden Endstufen-Platinen, hier die Bestückungsseite



und in der Mitte die Vorverstärker-Platine:



Zwischen den beiden Kanälen ist ein dünnes Kupferblech angelötet. Vielleicht kann mir mal jemand erklären, wie dadurch die Kanaltrennung verbessert werden soll. Unten im Bild die Lautstärke- und Balance-Regelung.

Insgesamt ist das Gehäuse gut gefüllt.

Bei der Überprüfung der Verkabelung habe ich dann doch noch einen Fehler gefunden:



Schön zu sehen, oben rechts hat sich das Kabel von der Gegenkopplung gelöst. Das war schnell wieder dran, zur Sicherheit wurden auch gleich noch ein paar verdächtige Lötstellen nachgelötet.

Nach der ersten Durchsicht wurde das Gerät angeschlossen und angeschaltet, und der Verstärker fuhr ordnungsmäßig hoch. Spannungsmessungen an den entscheidenden Stellen ergaben keine Auffälligkeiten. Die Anodenspannung für die KT88 beträgt gemessene 558V, wer da einfach eine EL34 reinstöpselt, könnte sein blaues Wunder erleben. Bei einer Röhre ließ sich nicht der empfohlene Ruhestrom von 50mA (entsprechend 1V am Kathodenwiderstand) einstellen, bei 880mV war Schluß. Bei den anderen Röhren waren die Potis fast am Anschlag. Entweder waren die Röhren am Ende oder die Beschaltung der Ruhestromeinstellung war nicht optimal. Das spielte aber keine Rolle, denn eine Neubestückung war sowieso eingeplant.

Der erste Hörtest

Flugs verkabelt, schnell noch mal alle Schalter und Regler getestet, und dann ging es los.

[Schwurbelmodus]
Im Player lag gerade Andrea Bocelli, es wurde „Besame Mucho“ von der CD „Under the desert sky“ gegeben, live und Open Air. Mit dem Experience klang es, als ob die Aufnahme in einem verrauchten Jazz-Keller mit 2,0m Deckenhöhe gemacht wurde. Obwohl das auch was hatte, war es nicht viel. Zwischenzeitlich mal richtig aufgedreht konnte die Maximal-Lautstärke auch nicht überzeugen. Also entnervt das Ding ausgeschaltet und erst mal neue Röhren bestellt.
[/Schwurbelmodus]

Irgendwann wurden dann die neuen Röhren eingesetzt. Entschieden hatte ich mich nach Rücksprache mit einigen Foristen und sonstigen Recherchen für die KT88 von Svetlana (natürlich mit dem winged C), die in der Summe ihrer Eigenschaften am ausgewogensten sein soll. Die mitgelieferten ECC83 von Tesla mußten gematchten ECC803S JJ Goldpin weichen, und die namenlosen ECL86 wurden gegen ausgemessene ECL86 von RFT getauscht. Röhrenmäßig war ich damit auf der sicheren Seite. Schnell noch die Ruheströme eingestellt, mit den Svetlanas diesmal kein Problem, und los ging es, wieder mit Andrea Bocelli.

Der zweite Hörtest

[Schwurbelmodus]
Da die Endröhren neu waren, durfte er erst mal eine gute Stunde nebenbei im Hintergrund warm werden. Dann irgendwann mal Platz genommen, ein wenig aufgedreht, und es klang nicht mehr nach Jazzkeller. Aber auch nicht nach live. Kein echter Tiefbass, der Bass ansonsten unpräzise und wenig konturiert, das Klangbild mittig, kaum Höhen, als ob ein virtueller Höhenregler auf -10db gedreht wurde. Das Klangbild erinnerte an preiswerte Billig-Transistor-Verstärker der 70er, gewissermaßen eine umgedrehte Badewanne. Anti-Loudness. Sch…...
[/Schwurbelmodus]

Irgendwas war also unüberhörbar nicht in Ordnung, aber es sollte eine zeitlang dauern, bis alle drei Grundvoraussetzungen eintraten: Zeit, Lust, Gelegenheit. Ich wollte das Teil noch mal gründlich checken und bei der Gelegenheit auch die Heizung für die Vorstufe umbauen, da die ECL86 mittlerweile selbst für so ein Teil viel zu schade ist. Inzwischen habe ich nur noch 4 Stück davon, und die will ich aufheben. Die bis auf die Heizung baugleiche PCL86 kann man dagegen massenweise zu Schüttgutpreisen ab 2,50 Euro bekommen. Der Verstärker ist für 12,6V ausgelegt, die PCL86 braucht je nach Datenblatt 13-14V, d.h. mit einer moderaten Anhebung der Heizspannung auf 13,2V sollten alle Röhren gut leben können.

Irgendwann bin ich dann bei der Bestückung der Endstufenplatinen angelangt. Einige leer gebliebene Positionen sind mir von Anfang an aufgefallen (s. Bild oben), aber da war ich noch arglos. Schließlich stellte sich anhand des Bestückungsplans dann die Frage, welche Funktion ein gewisser C5 haben könnte, der fehlte nämlich. Ein Blick auf den Schaltplan hatte dann eine gewisse Fassungslosigkeit meinerseits zur Folge: Bei diesem Verstärker verläuft die Gegenkopplung über einen Elko vom Übertrager zur Vorstufenröhre, und genau dieser Elko fehlt auf beiden Kanälen. Der wurde mit Sicherheit ganz bewußt weggelassen. Nicht zu fassen! Entweder war da ein Gegenkopplungshasser am Werk oder es handelte sich um eine Art Vergeltungs- oder Verarschungsaktion. Gut, daß ich das Kabel für die Gegenkopplung wieder angelötet habe. Erstens hat das natürlich nichts gebracht und zweitens waren die Kabel auch noch auf Masse, was so allerdings keine Rolle gespielt hat. Mir ist absolut schleierhaft, wie man so einen Satz Röhren annähernd verschleißen konnte. Der Besitzer muß entweder fast taub gewesen sein oder noch nie einen ordentlichen Verstärker gehört haben.

Der dritte Hörtest

Flugs die fehlenden Elkos eingebaut und wegen des guten Gewissens die Heizung auf PCL 86 umgerüstet, dann konnte es wieder losgehen. Diesmal nicht Andrea Bocelli.

[Schwurbelmodus]
Unfassbar: Ein einzelner Ton tönte plötzlich nicht mehr wie Vorgeplänkel, sondern nahm die Gestalt eines geheimnisvollen Keim-Universums an. Ich wollte ihn drehen und wenden und - während die Zeit scheinbar stehen blieb - von allen Seiten betrachten. Während dann lebendig schillernde Tonteilchen scheinbar hellseherisch auf die Weiterführung der Komposition hindeuteten. Au weia, und dann kam's, dann nahm ein warmes, allumfassendes Wogen mich direkt an die Brust der Musik. Da gab's kein Entrinnen, da trugen statt anderer Vehikel majestätisch ausholende Bassschwingen mich verdutzt dahin. Da spannten sich und zingerten die Gitarrensaiten nicht nur erschreckend echt und direkt, da brannte sich die sehnende Weise direkt ins Herz. Und ertönte nun Klavier, riss der Verstärker mich nicht mit Fulminanz, sondern wirklich mit den einzelnen Tönen hin. Nach dem Entstehen aus Filz, Stahl und Holz schwebten sie nun – wie funkelnde kleine Universen dahin, um sich gegebenenfalls sanft aneinander zu reiben.


Geschützter Hinweis (zum Lesen markieren):

Zitate geklaut von Johannes Maier (Stereoplay), dem Erfinder des Holzbassschnalzers.


[/Schwurbelmodus]

Da war es also wieder, das Grinsen, und es wollte gar nicht mehr aufhören. So geht’s!

Praxis-Check

Der Verstärker ist jetzt ca. 10 Jahre alt, allerdings wurde das Konzept seitdem nicht wesentlich verändert. Auf den Bildern sieht es nicht unbedingt so aus, aber der Verstärker ist groß. Richtig groß. Mit einer Grundfläche von 60*40 cm (!) dürfte er in zahlreichen Racks keinen Platz finden. Dies weil alle Baugruppen auf einer Ebene liegen, die Baugruppen nicht platzoptimal aufeinander abgestimmt sind und der Platz für die (nicht konfektionierten Kabel) großzügig bemessen wurde. Nicht nur die Chinesen machen es vor, wie man alles auf der Grundfläche einer DIN A4-Seite oder etwas größer unterbringen kann.

Obwohl vom Design eher schlicht und ohne Schnörkel, vermittelt der Verstärker eine gewisse Wertigkeit und Erhabenheit, aber nur, wenn er frisch poliert wurde. Wenn der Verstärker eine Weile an ist, strahlt das ganze Gehäuse eine wunderbare Wärme ab, wie ein kleiner Ofen. Das hat Klasse, das hat schon was, das kann längst nicht jeder! Allerdings erreicht die Energie-Effizienz nur Stufe G, d.h. es gibt nur eine rote Feinstaub-Plakette, wenn überhaupt.



Das Gehäuse braucht regelmäßig Pflege (Polieren ist angesagt und Nevr Dull ist das Mittel der Wahl). Die verbauten Buchsen und Polklemmen verdienen das Prädikat high-endig. Allerdings ist die Original-Beschriftung der Schalter rudimentär und man kann teilweise an der Schalterstellung den Schaltzustand nicht erkennen, z.B. Power On oder Off ( ). Wenn die Schalter einrasten, schwingt das ganze Gehäuse mit. Zur Ruhestromeinstellung muß das Gehäuse geöffnet werden.

Eine Fernbedienung gibt es ebensowenig wie die Möglichkeit, die Endstufe wahlweise im UL- oder (Quasi-)Trioden-Modus laufen zu lassen. Allerdings kann man die Vorstufe entsprechend beschalten, und man kann herrlich mit unterschiedlichen Kondensatoren experimentieren und an der Gegenkopplung rumfummeln. Einen Kopfhörer-Ausgang kann man bei der Gelegenheit gleich nachrüsten.

Preis-Leistung
Die Elektronik (Bauteile und Röhren, Platinen und Trafo/Übertrager/Drossel) kostet aktuell bei Experience rund 1.200 Euro. Den Preis für das Gehäuse gibt es nur noch auf Anfrage; dieser dürfte weiterhin ca. 1.000 Euro betragen (das war der früher genannte Preis, und auf diesem Niveau bewegt sich auch eine andere vergleichbare Endstufe). Dazu kommen noch diverse Kleinteile (Kabel, Verbindungselemente etc.), d.h. die kompletten Materialkosten dürften sich auf etwa 2.500 Euro belaufen. Wenn man nicht selber bauen kann oder will, müßte man noch jemanden finden, der das Gerät aufbaut. Alle Kabel müssen einzeln abgelängt werden, und jedes Bauteil muß einzeln gesucht und eingelötet werden. Selbst ein „Fachmann“ dürfte 40-60 Stunden für den Zusammenbau und die Inbetriebnahme benötigen, so daß sich der Gesamtpreis für das Fertiggerät mindestens irgendwo zwischen 3.000 und 4.000 Euro belaufen dürfte. Das ist für einen Gegentakt AB-Verstärker eine Menge Holz, und bei der Konkurrenz hat man dafür schon fast die freie Auswahl. Die von Experience
hergestellten Trafos und Übertrager sind zwar über alle Zweifel erhaben und qualitativ den fernöstlichen Pendants deutlich überlegen, machen aber zusammen mit den übrigen selektierten Bauteilen nur etwa ein Drittel des Gesamtpreises aus.

Fazit
Technisch handelt es sich um einen ausgefeilten Verstärker, der die Schwächen eines Lautsprechers aufzeigen kann, ohne daß man sich gleich einen neuen kaufen möchte. Die Ausstattung ist eher spartanisch, da sind die Top-Modelle der Konkurrenz deutlich besser bestückt. Auch die Optik muß man mögen, und bereits die Größe macht ihn für manchen uninteressant. Und natürlich ist sein Preis-Leistungs-Verhältnis ebenso problematisch wie das seiner Mitstreiter.

Als Selbstbau-Projekt ist dieser Verstärker für Anfänger nur bedingt geeignet. Der Verstärker wird zwar in dem Buch von Herrn Haas beschrieben, aber etwas Erfahrung kann nicht schaden, denn das Buch beinhaltet keine detaillierte Aufbauanleitung.

Wie schon geschrieben kostet die komplette Elektronik ca. 1.200 Euro, davon entfallen auf die Herzstücke Trafo, Übertrager und Drossel gut 500 Euro. Wenn man das Gerät freiverdrahtet aufbaut oder die Platinen selbst ätzt und sich die passiven Bauteile bei Conrad & Co. besorgt, kann man ein paar 100 Euro sparen. Dann hat man nur noch das Gehäuse-Problem (was man nicht unterschätzen sollte, zumindest mir geht es so). Mit etwas Geschick kann man dann einen Verstärker aufbauen, der wirklich keinen Vergleich zu scheuen braucht und trotzdem ein exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis hat.

So, zum Abschluß hier noch das obligatorische Portrait:

rorenoren
Hat sich gelöscht
#2 erstellt: 28. Nov 2009, 16:36
Moin Rolf,

schöner Bericht, schöner Verstärker.

Abgesehen von den Endröhrenfassungen auf Platine gut gemacht!

Zur Gegenkopplung:

Ich könnte mir vorstellen, dass der Vorbesitzer nicht taub war, sondern "passende" Lautsprecher hatte.

Ohne Gegenkopplung schlägt der Impedanzverlauf der LS ziemlich heftig durch.

Bei guten Übertragern sollte ein halbwegs impedanzlinearisierter LS auch ohne Gegenkopplung ordentlich klingen können.
(muss nicht, aber könnte)

Bei Pentoden macht aber m.E. eine Gegenkopplung immer Sinn.

Viel Spass mit dem schönen Teil!

Gruss, Jens
RoA
Inventar
#3 erstellt: 30. Nov 2009, 08:44
Danke für die Blumen.

Also wenn die Lautsprecher vom Vorbesitzer "passend" waren, dann hätte es schon eine ziemlich krasse Fehlanpassung über einen weiten Frequenzbereich gewesen sein müssen. Ich hatte mich das natürlich auch gefragt, ob meine Lautsprecher und der Verstärker möglicherweise nicht miteinander können. Da ich aber schon diverse Röhrlinge, auch kleinere Eintakt A, im Betrieb hatte, die Lautsprecher unkritisch sind und der Verstärker mit den verbauten Übertragern auch weit kritischere Lasten bewältigen können sollte, habe ich diesen Gedanken wieder verworfen.

Experience gibt von 20-20.000Hz einen linearen Frequenzgang (-0,1db) an, gehörmäßig waren es bereits bei 5.000Hz eher -10db. Ich wüßte nicht, mit was für einem Lautsprecher das kompensiert werden könnte bzw. konnte. Ich schätze eher, der Vorbesitzer hat es einfach nicht gemerkt. Wahrscheinlich hat er sogar vorausgesetzt, daß es anders klingen müsse, weil es eben eine Röhre war. Jedenfalls wurde pauschal auf jegliche Gegenkopplung verzichtet, und das ist wirklich ungewöhnlich. Ich hätte erwartet, dass zumindest mit einer moderaten Gegenkopplung experientiert wird, aber dafür gibt es keine Anzeichen.
Doomit
Ist häufiger hier
#4 erstellt: 02. Dez 2009, 21:41
Hallo Rolf,
super Gerät das du da an Land gezogen hast.
Habe auch einen von der gleichen Firma. Allerdings ist meiner etwas älter. Als Treiber bzw. Phasenumkehrstufe habe ich Transistoren. Die Endstufenröhren waren ursprünglich EL34.
Vor zwei jahren habe ich die Kiste komplett umgebaut auf KT77 in Ultra Linear. Neue Trafos habe ich mir extra von Hr. Haas für die KT77 anfertigen lassen.
Die komplette Platine habe ich ausgetauscht, da die ursprüngliche Bestückung z.B. noch aus Kohleschicht Widerständen bestand.Verkabelung mit Teflonisolierung. Signalführende Kabel, auch die Gegenkopplung mit RG59 Kabel.
Eine Beurteilung des Klanges gebe ich hier nicht ab.
Es hat aber mit Sicherheit einiges gebracht und kann auch mit Komerziellen Geräten locker mithalten. Betrieben wird der Verstärker an Infinity RS 4000. Diese wurden heuer komplett überholt (Weiche mit Folien C's bestückt usw.).
Viel Spass noch mit dem Teil wünscht
Klaus

Ingor
Inventar
#5 erstellt: 02. Dez 2009, 22:22
Hallo Rolf,
mir hat die Art deiner Darstellung sehr gefallen. Vor allem den "Schwurbelmodus" fand ich eine geniale Idee.
RoA
Inventar
#6 erstellt: 03. Dez 2009, 13:47
Merci.

@Doomit: Das Bild wird bei mir nicht angezeigt
Ingor
Inventar
#7 erstellt: 04. Dez 2009, 01:30
@Doomit, sehe ich das richtig, dass der Staubwedel schon länger das Goldstück links liegen gelassen hat.
RoA
Inventar
#8 erstellt: 04. Dez 2009, 10:02
Das geht natürlich gar nicht.

Ein echter Klassiker, noch mit Trafo-Hauben, bekommt man nicht oft zu sehen. Aber warum wurde der so aufwendig auf KT77 umgebaut?
Doomit
Ist häufiger hier
#9 erstellt: 04. Dez 2009, 22:02
Hallo,
der Umbau hat verschiedene Gründe. Ich komme ursprünglich aus dem Nachrichtenbereich und bin nebenbei noch Amateurfunker.
Ein Grund ist, das die HiFi Anlage in die Jahre gekommen ist und ich wollte mal wieder den Lötkolben schwingen.
Ich habe mir auf HighEnd Messen einige Geräte angeschaut, probegehört usw. und bin dann zum Entschluss gekommen das eine Neuinvestition sehr teuer ist und sich klanglich nicht unbedingt lohnt. Also wurden die guten alten Infinity Boxen restauriert, danach bei meinem Restek VV das Lautstärkepoti erneuert usw.
Bei der Endstufe hatte ich klare Vorstellungen. Es sollte Ultra Linear Technik sein. Mit dem alten Netztrafo war die Anodenspannung zu hoch und dadurch natürlich auch die Schirmgitterspannung. Obwohl laut Datenblatt die Schirmgitterspannung bis 800V betragen kann, hatte ich immer wieder Probleme. Das Schirmgitter verträgt nur 6W. Also ein kurzes Telefonat mit Hr. Haas, alles abgeklärt, neuer Netztrafo, Übertrager bestellt, alles zusammengebaut, abgeglichen und seitdem läuft die Kiste ohne Probleme.
Da das Gehäuse schon vorhanden war hielt sich alles in einem guten finanziellen Rahmen.
Warum KT77? Ich halte diese Röhre derzeit für die beste Alternative für EL34. Ist natürlich Geschmackssache.
Die Endstufe bringt nach dem Umbau etwas weniger Leistung als vorher (durch die geringere Anodenspannung), hält mit Sicherheit wieder mindestens 20 Jahre.
Wer seine Anlage mal bis ins letzte Detail austesten will, dem empfehle ich "Symphonic Star Trek" von Erich Kunzel.
(Gibt es günstig bei Amazon)

Gruß Klaus


[Beitrag von Doomit am 04. Dez 2009, 22:06 bearbeitet]
rzauszbeif
Neuling
#10 erstellt: 27. Mrz 2013, 18:13
Hallo Rolf

ich baue gerade auch mit meinem Sohn ebendiesen Vollverstärker von Herrn Haas (nach).

Ich habe Deinen "Aufsatz" sehr genossen, nur leider sind die Bilder nicht mehr verfügbar.
Da ich aus Kostengründen das Gehäuse selbst bauen (oder bauen lassen) will, wären sie mir bestimmt hilfreich gewesen.

Gibt es eine Möglichkeit mir die Bilder zukommen zu lassen? Können auch gerne mehr sein.

Schon mal Danke
Rainer
Fan_großer_Schwingspule...
Inventar
#11 erstellt: 05. Mai 2013, 22:28
Hallo liebe Selbstbauer

Ich habe heute genau diesen Verstärker gebraucht als defekt gekauft und konnte Ihn direkt bei Vorbesitzer abholen. Er baute Ihn mit einem Spezi gemeinsam in liebevoller Arbeit vor ca 10 Jahren auf. Und zwar in einem traumhaften, riesigen Buchenholzgehäuse mit gerundeteten Seitenteilen. Oben ein edles Blech und die Trafos sind von einem geschwungenem Holzrelief eingefasst. Es ist so ein schickes und schweres Teil.

Er lief wohl 7 Jahre ohne Probleme bis dann irgentwann die Sicherungen der Endstufen rausflogen. Die Vorstufe selber funktioniert einwandfrei und ich betreibe Ihn vom Line Ausgang gerade an meinem Vollverstärker. Es klingt jetzt schon traumhaft luftig und losgelößt. Man o Man.
Naja und nun zum Problem, der Vorbesitzer hat keinen Kontakt mehr zu seinem Spezi und hatte nur Grundwissen. Er konnte den Fehler nicht finden und sagte mir, daß man den Ruhestrom nicht einstellen kann. Was mir auffällt, ist, daß die 4 EL34 Endröhren sehr unterschiedlich glimmen. 2 sind sehr hell, eine fast dunkel und die 4. so la la. Bin selber zwar Hifi und bastelverrückt, habe aber von Röhrenverstärkern überhaupt keine Ahnung. Er zeigte mir zwar wo man den Ruhestrom einstellt und ich habe auch alle Unterlagen, sogar das Elektor Buch von Gerhard Hass aber bis jetzt keine Ahnung. Soll ich erstmal die relativ alten EL34 erneuern und dann den Ruhestrom messen?

Wäre für ein paar Tipps sehr dankbar
schönen Abend
RoA
Inventar
#12 erstellt: 06. Mai 2013, 13:33
Da die Bilder offline sind, habe ich für Interessierte den Bericht mit Bildern als .pdf hier hochgeladen: http://www33.zippyshare.com/v/56921253/file.html

Wenn down, dann bitte PM.

@Fan_großer_Schwingspule...

Neue Röhren scheinen in Deinem Fall eine gute Empfehlung zu sein. Wenn Du schon mal dabei bist, solltest Du den Verstärker auf KT88 umrüsten - die paar Bauteile und Lötarbeiten sind überschaubar, und die KT88 werten den Verstärker optisch auf und bringen auch etwas mehr Leistung. Allerdings sind sie teurer (ca. 30 Euro pro Stück vs. 10-15 Euro für die EL34). Unabhängig davon, ob Du das machst, solltest Du nur dann Hand an den Verstärker legen, wenn Du dir den Umbau anhand der Angaben in dem Buch zutraust. Ansonsten: Finger weg und jemand anders ranlassen!

Fern-Diagnosen sind immer schwierig, vor allem, wenn es keine detailierten Angaben gibt, weil man unmöglich auf alle Eventualitäten eingehen kann. Vorm Einbau der neuen Röhren solltest Du die Spannungen überprüfen (s. Buch). Die Gittervorspannung an G1 beträgt für EL34 ca. -40V, und die muß an den Potis (die auch checken) auch ankommen, sonst werden die neuen Röhren schnell geröstet.


Was mir auffällt, ist, daß die 4 EL34 Endröhren sehr unterschiedlich glimmen.


Solange das die Heizfäden sind, besagt das gar nichts. Wichtig ist, daß die Anodenbleche nicht glühen. Wenn das so sein sollte, werden die Röhren überlastet (zu hoher Ruhestrom), und das könnte der Grund für das Durchbrennen der Sicherung gewesen sein (ich nehme mal an, es waren die Anodensicherungen (eine oder beide?), sonst würde die Vorstufe auch nicht funktionieren). Sind alle Sicherungen in Ordnung oder brennen sie gleich wieder durch? Wenn ja: Wann? Sofort beim Einschalten oder erst, wenn das Relais die Anodenspannung frei gibt, nachdem sich die Endröhren aufgeheizt haben? Bei durchgebrannten Anodensicherungen fließt natürlich kein Ruhestrom, den man einstellen kann. Brennen die Sicherungen auch durch, wenn die Endröhren nicht eingesteckt sind? Neue Röhren natürlich erst einsetzen, wenn der Fehler lokalisiert und behoben wurde, die Spannungen stimmen und die Sicherungen mit den alten Röhren nicht durchbrennen. Vorher die Ruheströme auf Minimum regeln, dann die Röhren tauschen und wie im Buch beschrieben die Ruheströme einstellen.
Fan_großer_Schwingspule...
Inventar
#13 erstellt: 06. Mai 2013, 20:09
Hallo
Danke für Deine superschnelle und ausführliche Antwort.
Muß mich als Laie erstmal langsam ran tasten aber ich habe ein paar Infos mehr als gestern.
Die -40Volt Gleichstrom liegen an den beiden Endstufenleisten an. Zumindest pro Seite einmal. Bin mir aber total unsicher welche Pins ich ausmessen soll. War wohl eher eine blinde Zufallsmessung. Wenn ich die Endröhren herausziehe, halten alle Sicherungen. Wenn ich sie reinstecke, fliegen sie raus. Beim Hauptschalter hinten passiert noch nichts und die Heizungen funktionieren auch. Aber nach dem ich den vorderen Spannungsschalter dazu schalte vergehen einige Sekunden und dann fliegen die 2er Sicherungen raus. Dabei blitzen mindestens 2 Röhren ziemlich hell auf. Ein paar Minuten später nach dem Ausschalten bemerkte ich, daß 2 Endröhren viel kälter waren als die anderen 2.
Habe heute mal bei Experience angerufen und der nette Herr gab mir ebenfalls wertvolle Tipps wie Deine.

Das mit den schicken KT88 reizt mich schon sehr aber das muß erstmal warten bis ich fitter mit dem Thema bin. Auch hat der Experience Chef gemeint, daß die EL34 etwas feiner klingen würde. Das Datenblatt im Buch gibt mit meinen A 234S Übertragern 66 Watt an. Das wäre ja der Wahnsinn.

Hier mal ein paar Bilder von dem Teil
IMG_4808
IMG_4804
IMG_4806

schönen Abend
GorgTech
Hat sich gelöscht
#14 erstellt: 07. Mai 2013, 01:08
Hallo,

die blitzenden Röhren sind auf jeden Fall hinüber ( Elektrodenschluss ist sehr wahrscheinlich ), die sollten auf jeden Fall ersetzt werden. Ich würde um sicher zu gehen gleich ein neues EL34 Quartett kaufen ( z.B. von EH... JJ sind da minderwertiger was die Haltbarkeit angeht ).

Auf jeden Fall macht das Gerät auch optisch etwas her und ist es auch wert, repariert zu werden. Manche Leute kaufen sich da billige Chinaverstärker ( die zudem auch alles andere als schön aussehen und exotische Namen haben wie Opera, MusicAngel etc. ); einen guten Eigenbau mit guten Ausgangsübertragern und einer durchdachten Schaltung werden diese Geräte aber nicht übertrumpfen können

Grüße,

Georg
Fan_großer_Schwingspule...
Inventar
#15 erstellt: 07. Mai 2013, 18:51
Hallo Georg

Danke für Deine Blumen. Dies macht Hoffnung .
Leider habe ich Deine Mail zu spät gelesen und ein Quartett gematchte JJ EL34L bestellt. Zum ran testen und lernen genügen die sicher erstmal. Muß mich ja erstmal intensiver damit verpassen.

Wenn Du wüßtest wie fein die Vorstufe dieses Verstärkers bereits jetzt schon an meinem Musical Fidelity M3i klingt. Man o Man, das ist jetzt schon eine andere Liga als nur über den Mufi Amp. Und selbst dieser klingt schon sehr gut..

schönen Abend euch
Fan_großer_Schwingspule...
Inventar
#16 erstellt: 11. Mai 2013, 22:49
Guten Abend

Es gibt gute Neuigkeiten. Es waren wirklich nur die Endröhren defekt und verursachten eine Überlastung der 0,2A Anodensicherung. Nach dem mehrmaligem Abgleichen des Ruhestroms läuft alles einwandfrei und ich hab einiges dazugelernt.

liebe Grüße

Carsten
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