Strawinsky, Igor: "Skandal in Paris: Le Sacre du Printemps"

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Alfred_Schmidt
Hat sich gelöscht
#1 erstellt: 12. Mrz 2004, 17:50


Die Idee zu diesem Werk kam Stravinski schon während der Arbeiten am "Feuervogel", der wird zwar früher fertiggestellt (1911), aber später uraufgeführt (1915).
Eine Gruppe "weiser alter Männer" sitzt im Kreis. Jünglinge und Jungfrauen tanzen Ritualtänze. Aus den Reihen der Jungfrauen wird eine erwahlt, verherrlicht und geopfert um dem Frühlingsgott zu gefallen.
Gemeinsam mit seinem Freund Nicholas Roerich erarbeitete er das Libretto. Er verarbeitet etliche russische Folklore-Melodien, obwohl er selbst das bestreitet.
Die betonte oft brutale Rhythmik, die durch die lyrischen Stellen eher betont als gemildert wird, die neuartige Harmonik, und nicht zuletzt die Choregraphie Nijinskis war für das Publikum der Pariser Uraufführung am 29. Mai 1913
(unter Pierre Monteux) wohl doch ein wenig zu viel:
Aus einer zeigenössischen Kritik:
"Das Theater schien von einem Erdbeben heimgesucht zu werden. Es schien zu erzittern. Leute schrien Beleidigungen, buhten und pfiffen, sie übertönten die Musik. Es gab sogar Prügel und Boxhiebe...."

Heute ist diese Aufregung längst abgeklungen und zählt zur Klassischen Moderne.Etliche Aufnahmen sind am Markt. Hiebei wird nicht nur Dirigent und Orchester gefordert, sondern in besonderem Maße auch die Tontechnik

Welches sind nun Eure Favoriten und vielleicht kann auch mancher schreiben, warum.

Grüße
aus Wien
Alfred


[Beitrag von Alfred_Schmidt am 12. Mrz 2004, 17:57 bearbeitet]
embe
Stammgast
#2 erstellt: 13. Mrz 2004, 03:05
Hi,
meine Sacre Favoriten sind:
Bernstein New York Ph, 1958?, so fetzig habe ich das Stück vorher nicht gehört, das ist richtig brutal.
Ihm nahe kommt Chailly auf Decca, auch super Klang.
Auf LP war Tilson Thomas der Fetzer.
Colin Davis war mir etwas zu steif.
Sagenumwobener Ansermet riss mich nie vom Hocker.
Dorati macht auch Dampf.
Solti ist absolut Kacke wie ich finde, mein Negativfavorit.
Das holpert u. stolpert, nix für mich.
Skrowaczewski lässts auch knacken aber das Minnesota O. düdelt manchmal.
Eine meiner ersten Cds war Sacre mit Fedoseev, Japancd,
das war ein Boxenkiller damals, die Interpretation ist wahrhaft explosiv
Gruß
embe
drbobo
Inventar
#3 erstellt: 14. Mrz 2004, 00:20
Hallo

nach eine Dokumentation /Proben zu diesem Stück mit Leonard Bernstein und dem Israel Philharmonic Orchestra (89?) habe ich so richtig Zugang zu dem Werk gefunden.
Bernstein vermittelt mbmn recht gut die Spannung zwischen Arachaischem und Lyrischem.
Auf jeden Fall hat mir danach keine andere Einspielung mehr so gut gefallen, allerdings kenne ich die historische Bernstein von 58 nicht.
Autist
Schaut ab und zu mal vorbei
#4 erstellt: 14. Mrz 2004, 13:08
Hallo zusammen,

ich muß, wie embe auch, ebenfalls die Bernstein-Aufnahme von 1958 ganz nach oben stellen. Selbst Strawinsky soll, als er die Aufnahme gehört hat, gesagt haben: "Wow!".
Meine weiteren Favoriten sind auch schon älteren Datums: die Einspielung von Rene Leibowitz (1960): nicht viel weniger brutal und archaisch; Klangqualität trotz des Alters sehr gut. Als nicht so großer Boulez-Freund muß ich dann aber doch die Boulez-Aufnahme von 1969 mit dem Cleveland-Orchester empfehlen, die ich der Einspielung von 1991 vorziehe, da diese mir zu "glatt" scheint. (Ich besitze noch eine weitere Boulez-Aufnahme von 1963, die mir noch prägnanter erscheint, ist aber von der Klangqualität recht dürftig.)
Tilson-Thomas kommt ebenfalls recht schwunghaft daher, Montreux (Boston Symphonie-Orchestra) und Markevitch (Philharmonia Orchestra 1951 und 1959) spielen ebenfalls in der 1. Liga, aber für mich nicht ganz so treffend wie obige. Selbst die eigene Aufnahme von Strawinsky kommt für mich nicht rüber. Salonen wirkt etwas lau.

Gruß aus Hamburg
Uwe
Joe_Brösel
Hat sich gelöscht
#5 erstellt: 14. Mrz 2004, 19:12
Hi,
mein Favorit ist die Aufnahme, wo Igor selbst dirigiert (auf SACD, die Aufnahme von 1960), aber auch die Bernstein-Aufnahme von 1983 gefällt mir.
Hilda
Stammgast
#6 erstellt: 15. Mrz 2004, 11:54
Hallo,

meine erste Sacre-CD war auch diejenige von fedosejev (huhu embe :D) )

Meine Favoriten inzwischen sind die Clevelander Aufnahme von Chailly und die frühe Boulez.

Ich müsste sie mir aber mal wieder anhören - das Sacre ist für mich ein Stück, das fast immer wirkt

@drbobo:
die doku, die du meinst heisst: "Bernstein in Salzau". Hier pribt er mit einem Jugendorchester das Sacre. Ist eines meiner Lieblings-Videos (damals aus dem TV mitgeschnitten) und hat auch mir dieses Stück erst richig näher gebracht. Wie sagt Lennie so schön: Stravinsky's Sacre is all about.... SEX

Liebe Grüsse
Klaus
drbobo
Inventar
#7 erstellt: 15. Mrz 2004, 16:36
Hallo Hilda

aehm, scheint schon etwas länger her zu sein.....
aber vielen Dank für die Berichtigung.
Die CD ist allerdings tatsächlich mit dem Israael. Ph.. Orchester.
Hilda
Stammgast
#8 erstellt: 15. Mrz 2004, 17:18

Die CD ist allerdings tatsächlich mit dem Israael. Ph.. Orchester.


Da hast Du natürlich vollkommen recht

Gruss
Klaus
op111
Moderator
#9 erstellt: 20. Mrz 2004, 13:32
Hallo zusammen,
"Le Sacre ..." ist mehr als ein lauter Boxenkiller.
Die Ballettmusik markiert einen Wendepunkt der Musikgeschichte und steht in scharfem Kontrast zur klassischen Tradition, die zur Zeit der Kompostion mit der neuen Wiener Schule (Schoenberg, Berg, Webern) kulminierte.

Ich höre am häufigsten folgende Sacre-CDs:
Le Sacre du Printemps; Petruschka
The Cleveland Orchestra
Pierre Boulez
1992 Deutsche Grammophon CD 002894357692

Boulez, Pierre /
Cleveland Orchestra /
Sony #64085 (1970)

Igor Strawinsky, Columbia-Sinfonieorchester
Sony Classical SX9K 64136, 9 CDs (1960)

Riccardo Chailly, Cleveland Orchestra, Decca (1985)

und zur Belustigung die unten besprochene Karajans.

Einen weiteren Tief(st)punkt der CD-Geschichte des Sacre markiert L. Bernsteins späte Aufnahme mit dem Israel Philharmonic auf DG.

Nachtrag: "Le Sacre du Printemps" ist eines meiner Lieblingswerke. Ich habe es seit den 70er Jahren unzählige Male auch live gehört und wegen der Eignung als Boxenteststück oft auch nicht gerade freiwillig.

Zum Werk und Einspielungen möchte ich 2 Experten das Wort geben: zuerst Pierre Boulez und dann Igor Strawinsky selbst, der 3 Aufnahmen ausführlich rezensiert hat, von denen z,Z. mindenstens die von Karajan noch im Handel ist.
Wichtig erscheinen mir seine grundsätzlichen Ausführungen zum Stil gelungener Aufführungen.

Gruß
Franz

P. Boulez:
»Es war das frische Blut der >Barbaren<, eine Art von elektrischem Schock, der ohne Vorbereitung bleichsüchtigen Organismen verabreicht wurde. [.. .1 Harmonische Beziehungen und melodische Bildungen sind [im Sacre] auf schlagkräftige, leicht zu behaltende Formeln gebracht, die eigentlich fast nur dazu dienen, eine rhythmische Erfindungskraft zu lancieren, wie sie die westliche Musik bis dahin nicht gekannt hatte. [...] Zweifellos enthielt auch schon die Musik Westeuropas die Keime zur Vorherrschaft des Rhythmus ? vor allem in ihren Anfängen. Aber bei der Suche nach Lösungen wurde in den Epochen der Polyphonie, der melodischen Homophonie und der entwickelnden Formen die Rolle des Rhythmus mehr und mehr auf die einer unumgänglichen Grundlage reduziert. [

Bei Strawinsky aber kehrt sich dieses Verhältnis fast um: die überragende Bedeutung des Rhythmus schlägt sich nieder in der Reduktion von Polyphonie und Harmonik auf untergeordnete Funktionen. [...].
Strawinsky hat die Richtung des rhythmischen Impulses geändert. Bis dahin beruhte Musik wesentlich auf einem Grund-Metrum. Innerhalb dieses gleichförmigen Ablaufs wurden >Konflikte< produziert: Überschneidungen, Überlagerungen und Verschiebungen rhythmischer Formeln, die meist untrennbar mit melodischen Einfällen und harmonischen Funktionen zusammenhingen.
So ergab sich eine Art Ordnung und Regelmäßigkeit, die durch momentan auftretende Fremdkörper gestört wurde. Bei Strawinsky hingegen, und besonders im Sacre, existiert zunächst nur ein fast körperlich wahrnehmbarer Grundpuls. [. . .1 Dieser Grundpuls, der einer vorgegebenen Zählzeit entspricht, wird nun vervielfältigt, teils regelmäßig, teils unregelmäßig. Dabei entstehen natürlich die erregendsten Wirkungen durch die unregelmäßige Folge, das Phänomen des Unvorhersehbaren innerhalb eines vorhersehbaren Zusammenhangs« (Boulez, im CD-Begleitheft).


REZENSIONEN
Igor Strawinsky
Drei Arten von Frühlingsfieber
EIN VERGLEICH DREIER AUFNAHMEN AUS JÜNGSTER ZEIT VON
Le Sacre du printemps*


1. Herbert von Karajan, Berliner Philharmoniker
wiederveröff.: 2000 Deutsche Grammophon CD 002894636132

2. Orchestre national de la R.T.F., Pierre Boulez
Guilde du disque
wiederveröff.: / Fonit Cetra-Fortissimo (Ita) #3008:

3. Staatliches Sinfonieorchester der Udssr, Robert Craft
amalgamated unions gramophone studio

* Geschrieben im Oktober 1964 für die Zeitschrift HI FI-Stereo, teilweise aus Verärgerung über die unnützen Verallgemeinerungen in den meisten Schallplattenrezensionen.
...
1. BERLINER PHILHARMONIKER Dirigent: H. v. Karajan Deutsche Grammophon Gesellschaft
Resümee: Die Aufnahme ist im allgemeinen gut, die Aufführung im allgemeinen seltsam, wenn auch auf ihre eigene Weise verfeinert ? in der Tat verfeinert: ein domestizierter Wilder, kein wirklicher. Der Hauptfehler liegt im Hang zum sostenuto; hier sind die Längen der Töne eigentlich dieselben, wie sie bei Wagner oder Brahms wären: das dämpft die Energie der Musik und läßt das, was an rhythmischer Artikulation vorhanden ist, mühsam erklingen. Aber vielleicht hätte ich damit beginnen müssen, daß die Musik der Kultur ihrer Ausführenden fremd ist. Schönberg erkannte sie als einen Angriff auf die mitteleuropäische Tradition, als er sagte, es erinnere ihn an »die wilden Negerpotentaten, die nichts weiter anhaben als Krawatte und Zylinderhut«. (Als ihm 1925 berichtet wurde, ich hätte erklärt, sein Zwölftonsystem sei eine Sackgasse, antwortete er: »Es gibt keine sackere Gasse als >Sacre<.«) Aber ich zweifele, ob Le Sacre befriedigend im Rahmen der Tradition des Herrn von Karajan aufgeführt werden könnte. Ich möchte nicht unterstellen, daß er nun dabei nicht in seinen Tiefen sei, sondern daß er in meinen Untiefen ist ?beziehungsweise meinen einfachen Massenbildungen und Vergegenständlichungen. Es gibt im Sacre du printemps einfach keine Bereiche der Seelenforschung 1.

ORCHESTRE NATIONAL DE LA R.T.F. Pierre Boulez
Resümee: Erstens die Aufnahme: Die immense dynamische Breite von Sacre wird auf das übliche Aufnahmestudio-Mezzoforte reduziert; neben der Verpackung allen Klangs in Hallraumflanell ist dies eine der schlimmsten Verfälschungen der Schallplattenindustrie. Lärm selber ist eine Art von Sprache und Lautstärke ein Element; und während die Nivellierung der Klangpegel bei einigen Musikstücken nur geringfügigen Schaden anrichtet, raubt sie der Partitur von Le Sacre eine ihrer wesentlichen Dimensionen; das ist zum Teil der Grund, weswegen sogar heute eine Konzertaufführung für jeden einen Schock bedeutet, der das Werk durch Schallplattenaufnahmen kennengelernt hat. Zweitens die Aufführung: Sie ist weniger gut, als ich mir erhofft hatte, da die Ansprüche im Falle von Maitre Boulez sehr hoch sind. Man hätte vermutet, daß diese Musik sein Bier wäre, zumal die Tatsache, daß ihm Herrn von Karajans Art von Kultur* völlig abgeht, hier von Vorteil ist. Von einigen schlampigen Stellen abgesehen, in dieser Aufführung überraschend, doch nicht von Wichtigkeit, gibt es einige sehr schlechte Tempi. Die Artikulation ist im allgemeinen ausgezeichnet und sehr erholsam gegenüber der Aufnahme der Deutschen Grammophon Gesellschaft.

3. ... Craft ....

Keine von den drei Aufführungen ist so gut, daß man sie aufbewahren müßte.

*/1 Deutsch im Original.


[Beitrag von op111 am 20. Mrz 2004, 13:57 bearbeitet]
chattia
Ist häufiger hier
#10 erstellt: 26. Mai 2004, 22:02
Hallo,
meine Lieblingsaufnahme sind:

1. Riccardo Chailly, Cleveland Orchestra, Decca (1985)

2. Tilson Thomas, Boston Symphony Orchestra, DGG (1972)

3. Ferenc Fricsay, RIAS Symphonie-Orchester, Heliodor (zw. 1950-54)

Wie findet Ihr die Fricsay Aufnahme? Würde mich sehr interessieren.

Viele Grüße
Alexander
Markus_Berzborn
Gesperrt
#11 erstellt: 27. Mai 2004, 00:32
Ich würde noch gerne Muti/Philadelphia Orchestra auf EMI anführen, da diese Version seltsamerweise fast nie Erwähnung findet. Von dynamischer Einebnung, wie oben im Zusammenhang mit einigen anderen Aufnahmen kritisiert, ist hier nichts zu spüren, zumindest nicht in der MFSL-Ausgabe.

Gruß,
Markus
Alfred_Schmidt
Hat sich gelöscht
#12 erstellt: 27. Mai 2004, 16:14

Wie findet Ihr die Fricsay Aufnahme? Würde mich sehr interessieren.


Ich glaube, das nicht viele Leute eine Sacre-Aufnahme im Mono besitzen, das Werk schreit ja geradezu nach Stereo.
Schade daß es Fricsay nicht vergönnt war das Werk auch in der Stereo-Ära einzuspielen, sicher ein Verlust...

Bei der Gelegenheit sehe ich gerad, daß ich meine vorhandenen Einspielungen gar nicht erwähnt habe.

Zumächst mal:

Solti mit dem Chicago S.O. (hab ich erst nach Threadbeginn gekauft).
Hier muß ich sagen , daß ich embes Aussage "das holpert und stolpert" nicht folgen kann Allenfalls wäre zu bemäkeln, daß Solti das Werk ein wenig "hemdsärmelig" dirigiert, gelegentlich auf Kosten der lyrischen Abschnitte (aber tut er das nicht meistens?), was aber in diesem Fall eine durchaus überzeugende Lesart sein mag.
Tontechnik (AAD) ist sehr gut, Koppelung mit Petrouchka (1911 Version,) ist optimal für Einsteiger. Label DECCA-eloquence. Der Preis ist heiß.

Auch aus dem Hause Decca: Dorati mit dem Detroit Symphony Orchestra, da gibts nix zu mäkeln. Sowohl Agressivität, als auch Wärme sind vorhanden, die Räumlichkeit ist exzellent, die Pauken eine Wucht. Ein Inferno
(Decca DDD)

Abaddos Aufnahme für die DGG ist in der Serie Galleria zu finden. Eher hell abgestimmt, was nicht jedermanns Sache sein dürfte. Analytisch - aggressiv. Die Pauken eher mulmig und nicht besonders eindrucksvoll (nur nachvollziehbar, wenn man die Vergleichsaufnahmen von DECCA oder CBS kennt)

Auch nicht zu verachten ist die Aufnahme die Boulez seinerzeit für die CBS (heute SONY)gemacht hat.
Er trifft die melancholischen Teile des Werkes IMO am besten, ohne die rhytmischen Teile zu vernachlässigen. Die Aufnahmetechnik ist IMO superb, die Pauken sind allerdings bei Dorati eindrucksvoller.

Wer solti nicht mag und trotzdem Budgetprice sucht ist mit Yuri Temirkanov und dem Royal philharmonic Orchestra bestens bedient. Die Aufnahme ist in etwa gleich voluminöse wie jener der decca, manchmal sogar räumlicher. Und das für ca 7 Euro !! Auch von der Interpretation her IMO voll konkurrenzfähig, ich wollte es anfangs kaum glauben..

Zusammenfassen möchte ich sagen, daß mir alle der vorliegenden Einspielungen gelungen scheinen, - jede in einer anderen Art.

Muti habe ich tatsächlich auch nicht.


Gruß aus Wien
Alfred
op111
Moderator
#13 erstellt: 22. Jun 2004, 12:34
Hallo zusammen,
da die nachstehend genannte Aufnahme im Telarc-Thread wg. ihrer m.E. defizitären Klangtechnik Diskussionsgegenstand war, sei hier noch auszugsweise der musikalische Aspekt jener dort schon zitierten Kritik nachgereicht.
Gruß
Franz


Igor Strawinsky
Le sacre du printemps
Cleveland Orchestra,
Dirigent Lorin Maazel
Produzent Robert Wood; Tonmeister Jack Renner)
Telarc


... Maazel ...Bei ihm klingt das Cieveland Orchestra, nimmt man dessen ältere Einspielung unter Boulez zum Vergleichsmaßstab, als habe inzwischen eine Revolution im Orchesterstandard stattgefunden: Unter Maazels Händen wirkt das Werk wirklich wie eine Populärmusik, so glatt, sauber und selbstverständlich ist alles in Szene gesetzt.

... Da kann der Dirigent kaum widerstehen, und so zeigt er dem Komponisten, daß dessen ziemlich hoch entwickelter Standard in den Vortragsbezeichnungen provinziell ist. Bei Maazel wird alles noch perfekter gespielt, als es der Komponist den Mut hatte, in die Notation einzufügen, und wenn plötzlich (nach Ziffer 57) auf ein Molto allegro ein Ritenuto pesante folgt, macht der Dirigent aus dem Tempoverlauf zugleich einen dynamischen, so daß die einzelnen Parameter der Musik sich verselbständigen. Das ist der durchgehende Zug dieser Interpretation, die auf ihre Weise fabelhaft ist, zugleich aber ein gewisses Unbehagen erweckt; als vor einem Jahr die EMI Riccardo Mutis Philadelphia-Einspielung vorlegte (HiFi Stereophonie 8/80), hatte die bei allem orchestralen Glanz noch soviel Biß, daß man sich den Skandal von 1913 vorstellen konnte.

...
meine begrenzte Freude angesichts eines Klangs, der zwar in der Breite ausufert ..., in der Tiefe aber keinerlei Perspektive eines natürlichen Klangraums entwickelt, sondern Blechbläser liefert, die irgendwo über dem Ganzen thronen und dieses erschlagen (mit der Trommel). Die analoge Muti-Einspielung, von der ich sprach, bietet da eine sehr viel natürlichere Perspektive;
... wem das Betätigen der Kesselpauke immer schon Anlaß war, Musik mit dem Kirmesspiel "Haut auf den Lukas" zu assoziieren, der wird in dieser Aufnahme eine neue Rekordmarke erreicht finden

U.Sch. HiFi-Steroph.


PS: Die Muti Aufnahme ist die von 1979 mit dem Philadephia O. auf EMI


[Beitrag von op111 am 22. Jun 2004, 17:43 bearbeitet]
Hilda
Stammgast
#14 erstellt: 22. Jun 2004, 16:32
Hallo Franz-J.

es ist erschreckend, wie sich meine Lieblings-Sacres mit Deinen decken...

Ich würde auch noch die Muti-Aufnahme dazu nehmen - die habe ich mir in meiner Philadelphia-Phase gekauft und höre sie seitdem recht häufig und mit Genuss...

Zu Bernstein habe ich ein vorbelastetes Verhältnis, weil mich die Einstudierung des Sacre mit dem Jugendorchester beim Schleswig-Holstein Musik Festival '88 (Doku: Bernstein in Salzau) sehr beeindruckt hat - er erzählt zwar von Dinosauriern und altrussisch-orthodoxem Sex :D, aber das hat mir das Stück damals schon näher gebracht - und das war nach meiner Pubertät

Gruss
Klaus
op111
Moderator
#15 erstellt: 22. Jun 2004, 16:42

es ist erschreckend, wie sich meine Lieblings-Sacres mit Deinen decken...

Ich würde auch noch die Muti-Aufnahme dazu nehmen -

Zu Bernstein habe ich ein vorbelastetes Verhältnis,

Die Probe war gut, die späte Aufnahme mit dem Israel Ph. auf DG eher seltsam, vielleicht auch schauderbar.
Seine Londoner Aufnahme von 73 auf CBS/Sony war sehr gut wird von der Kritik aber fast durchweg nicht gemocht. Der Schluß des 1. Bildes - unglaublich.
Maazel sticht Karajans Torkelei in puncto Schönklang um Längen aus.
Gruß
Franz
Susanna
Hat sich gelöscht
#16 erstellt: 22. Jun 2004, 23:05
Hallo,

neulich bekam ich mal wieder eine CD geschenkt (die Leute sind immer dankbar, wenn sie sich weiter keine Gedanken über Mitbringsel machen müssen), "Le sacre du Printemps", gemeinsam mit dem "Feuervogel", Decca.
Es spielt das Detroit Symph. Orch. unter Antal Dorati.
Meine Frage: Muß ich die CD jetzt wegwerfen, also Ihr wißt, wie ich das meine, oder taugt die Aufnahme auch was?

Gruß,
Susanna
Reinhard_H
Ist häufiger hier
#17 erstellt: 22. Jun 2004, 23:15


Muß ich die CD jetzt wegwerfen, also Ihr wißt, wie ich das meine, oder taugt die Aufnahme auch was?



Hallo Susanna,
ich habe die gleiche Aufnahme (zwar als einzige, deshalb fehlt mir der Vergleich), aber ich würde meine auf keinen Fall wegwerfen. Für mich ist sie gut

Viele Grüße
Reinhard
Susanna
Hat sich gelöscht
#18 erstellt: 22. Jun 2004, 23:29


Hallo Susanna,
ich habe die gleiche Aufnahme (zwar als einzige, deshalb fehlt mir der Vergleich), aber ich würde meine auf keinen Fall wegwerfen. Für mich ist sie gut

Viele Grüße
Reinhard


Hallo Reinhard,

vielen Dank für Deine Einschätzung. Für mich ist sie nämlich auch gut (habe auch keinen Vergleich), aber ich kenne mich bei Strawinsky nicht so aus und wollte mal Meinungen hören. Wegwerfen meinte ich natürlich nur im übertragenen Sinn.

Viele Grüße,
Susanna
Reinhard_H
Ist häufiger hier
#19 erstellt: 22. Jun 2004, 23:37

Wegwerfen meinte ich natürlich nur im übertragenen Sinn


Hallo Susanna,
auch auf die Gefahr, völlig off topic zu sein: Ich habe es bisher noch nie geschafft, eine CD wegzuwerfen - selbst wenn ich sie (im Moment) grottenschlecht finde. Ähnlich geht es mir mit Büchern.
Ich hoffe ich stehe damit nicht allein da.

Herzliche Grüße
Reinhard
Susanna
Hat sich gelöscht
#20 erstellt: 22. Jun 2004, 23:45


Wegwerfen meinte ich natürlich nur im übertragenen Sinn


Hallo Susanna,
auch auf die Gefahr, völlig off topic zu sein: Ich habe es bisher noch nie geschafft, eine CD wegzuwerfen - selbst wenn ich sie (im Moment) grottenschlecht finde. Ähnlich geht es mir mit Büchern.
Ich hoffe ich stehe damit nicht allein da.



Hallo Reinhard,

meinst Du, ich? Und gottlob habe ich meine LPs nicht weggeworfen! Bei Umzügen kommt man leicht in die Versuchung. Einige können ja schon ein Teil meiner Altersvorsorge sein.
Bücher? Niemals! Allerdings bin ich auch kein Sammlertyp.

Viele Grüße,
Susanna
op111
Moderator
#21 erstellt: 23. Jun 2004, 00:01

"Le sacre du Printemps", gemeinsam mit dem "Feuervogel", Decca.
Es spielt das Detroit Symph. Orch. unter Antal Dorati.
Meine Frage: Muß ich die CD jetzt wegwerfen,


Hallo Susanna,
wie schrieb embe weiter oben: "Dorati macht auch Dampf."
Das ist schon eine Empfehlung.
Also bevor du sie wegwerfen möchtest, schick sie lieber mir.
Gruß
Franz

PS: Denk dran, mach zur Sicherheit eine Kopie, bevor du die Original-CD wegwirfst.
Susanna
Hat sich gelöscht
#22 erstellt: 23. Jun 2004, 00:14


Hallo Susanna,
wie schrieb embe weiter oben: "Dorati macht auch Dampf."
Das ist schon eine Empfehlung.
Also bevor du sie wegwerfen möchtest, schick sie lieber mir.

Gruß
Franz

Hallo Franz,

ach ja, habe ich übersehen. 'tschuldigung, embe!

Jetzt hast Du aber übersehen, daß ich sie nicht wegwerfen will. Ja, die Tagesereignisse!!

PS: Denk dran, mach zur Sicherheit eine Kopie, bevor du die Original-CD wegwirfst.

Ja, wenn sie nicht kopiergeschützt ist.

Gruß,
Susanna
mefisto
Ist häufiger hier
#23 erstellt: 25. Jun 2004, 08:49
Mein Favorit in Sachen "Sacre": FERENC FRICSAY mit dem RIAS-SO,1954; geballte Kraft, kein Pathos, mit grosser Eleganz.Gruss Guido.
Thomas228
Stammgast
#24 erstellt: 14. Feb 2008, 01:15
Liebe Freunde der Musik Strawinskys,

in den letzten Tagen habe ich meine Aufnahmen des Sacre mal wieder bzw. neu gehört. Also nutze ich die Gelegenheit, um euch meine Eindrücke zu schildern - ein regelrechtes Vergleichshören habe ich allerdings nicht veranstaltet.

Bisher besaß ich Karajan 1964 (eine Aufnahme, über die ich den Mantel des Schweigens legen möchte), Strawinsky 1960 (kann mit den besten Aufnahmen bei weitem nicht konkurrieren und Gergiew 1999 (mein klarer Favorit: urwüchsige Kraft bei gleichzeitiger Kontrolle, großartig, auch tontechnisch sehr empfehlenswert):



Neu habe ich Bernstein 1972 und Chailly 1985:



Bernstein entwickelt einen gigantischen Schub, der mich beeindruckt, spricht mich ansonsten aber nicht so sehr an, weil mir zu viele Einzelheiten untergehen. Chailly hingegen empfinde ich - bei sehr guter Tontechnik - als Meister der Einzelheiten. Hier erlebe ich eine extraordinäre Durchhörbarkeit, die begeistert. Nur finde ich, dass diese Durchhörbarkeit auf Kosten des bei Bernstein so eindrucksvollen Schubs geht, was allerdings schon fast schon zuviel der Kritik ist, so hervorragend ist das von Chailly dirigiert.

Insgesamt gesehen werde ich nächstes Mal wohl zu Gergiev greifen. Der scheint mir insgesamt gesehen doch am besten.

Viele Grüße
Thomas


[Beitrag von Thomas228 am 14. Feb 2008, 01:16 bearbeitet]
teleton
Inventar
#25 erstellt: 14. Feb 2008, 13:32
Hallo Thomas,

zu Le Sacre gibt es hier im HIFI-Forum noch einen Thread: Strawinsky: Le Sacre du printemps in der Version 1913 / 1947

Durch die Diskussionen im T-Forum aus dem Jahre 2005 bin ich so nach und nach auch auf noch bessere Aufnahmen des Le Sacre gekommen.

Einen meiner Favoriten Chailly (Decca) hast Du bereits genannt. Hier begeistert auch die Decca-Tontechnik, die SACD-Qualität hat. An Durchhörbarkeit und rhytmischem Gespür bringt diese Aufnahme, alles mit was man sich wünscht.

Meine erste Aufnahme auf LP, die absolut überrumpelnd mit rhytmischer unerbittlicher Härte ist
Swetlanow/Staatl.SO der UDSSR Moskau (Melodiya/Eurodisc-LP). Alleine mit dieser könnte man auf ewig zufrieden sein.

Da ich diese auf CD nicht bekommen konnte, habe ich zu Fedossejew/Moskauer PH (JVC/Melodia-Aufn.DDD).
Diese ist klanglich von den Japanern auf den Markt gebracht worden und nah an Swetlanow dran. Der russische Orchesterklang sorgt die übrige Begeisterung - Ideal.
Die großen Trommeln (im Wohnzimmer auf der Anlage) vergrößern das WZ, da die Wände auseinandergeschoben werden .

Auf meinen absoluten Favorit
Bernstein/NewYorker PH (SONY /CBS1958) bin ich durch die Diskussionen 2005 gekommen - das ist wohl die eindruckvollste, ergreifenste und härteste Aufnahme des SACRE aller Zeiten.
Bernsteins spätere Aufnahmen mit dem LSO (die Du erwähnst) und erst recht nicht die DG-Aufn.mit dem Israel SO erreichen diese Überrumpelung und Phantastik !
Diese gehört für mich zu den wenigen unverzichtbaren Aufnahmen überhaupt. Wie ich aus deinem Beitrag entnehme kennst Du diesen Wahnsinn noch nicht - das könnte Dein neuer Favorit werden.

In der RONDO-Kritik habe ich gelesen, das Bernstein in New York bei seiner ersten (von Drei) Einspielung auf CBS eine hörschockartige Interpretation abgeliefert hat:
Mehr als allen anderen Dirigenten gelingt es Bernstein, den Schock begreiflich zu machen, den das Werk bei seiner Uraufführung auslöste. In ihrer Wildheit und Brutalität kommt diese Aufnahme einem orchestralen Exorzismus gleich. Das Orchester ist bis an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit gefordert – und darüber hinaus: Gelegentlich sind durchaus Erschöpfungserscheinungen spürbar.



Weitere Aufnahmen, die ich auch habe und schätze sind:
Solti/Chicago SO (Decca).
Diese war Jahrelang mein Favorit. 2005 wurde ich jedoch eines besseren belehrt, das Solti zu sehr auf dem Gaspedal steht und daher die Kontrastwirkungen nicht so zaubert, wie die o.g. vier Favoriten.

Boulez /Cleveland Orchestra(DG) wurde überall vielgelobt. Die Aufnahme des Feuervogels auf gleicher DG-CD und mit dem CSO hat dieses Lob verdient (die Beste), aber der Sacre ist mir zu seziert und verliert dadurch an Spannung. Keine Chance gegen die obigen 4.
Thomas228
Stammgast
#26 erstellt: 14. Feb 2008, 14:56
Hallo Wolfgang,

danke für deine Hinweise. Nach der Bernstein 1958-er Aufnahme werde ich wohl noch mal Ausschau halten. Eigentlich hatte ich gedacht, dass sie auf der von mir gekauften CD ist. Tja, Pech gehabt.

Von Svetlanov ist vor einiger Zeit diese Sacre-Einspielung auf den Markt gekommmen:



Ist das die, von der du sprichst?

Viele Grüße
Thomas
op111
Moderator
#27 erstellt: 14. Feb 2008, 15:29
Hallo Thomas,

Thomas228 schrieb:
Bernstein entwickelt einen gigantischen Schub, der mich beeindruckt, spricht mich ansonsten aber nicht so sehr an, weil mir zu viele Einzelheiten untergehen.

ich halte die von dir gelistete Londoner Aufnahme Bernsteins für seine beste, in machen Details (z.B. bei - Der Weise ff.) ist er näher an Strawinskys Forderungen als dieser selbst.
Die CD-habe ich noch nicht gehört - die alte SQ-Quadro-LP klingt jedenfalls um Klassen durchsichtiger als die der alten New-Yorker-Produktion.
Thomas228
Stammgast
#28 erstellt: 14. Feb 2008, 17:18
Hallo Franz,

die unterschiedliche Wahrnehmung hängt wohl mit dem Vergleichsmaßstab zusammen. So habe ich zuerst Chailly gehört und anschließend Bernstein. Gegenüber Chailly aber geht bei Bernstein vieles unter. Wie gesagt, Chaillys Klangqualität ist herausragend und sehr auf Transparenz bedacht. Ich wäre womöglich zu einem anderen Ergebnis gekommen, hätte ich zunächst Benstein 1958 und danach Bernstein 1972 gehört.

Strawinskys Forderungen bzgl. des Sacre sind mir unbekannt. Ich messe die Aufnahmen allein an meinem Geschmack. Nicht einmal die Noten besitze ich. Die allerdings sollte ich mir mal zulegen, denke ich gerade. Könnte sinnvoller sein, als noch eine Aufnahme zu kaufen.

Viele Grüße
Thomas
op111
Moderator
#29 erstellt: 14. Feb 2008, 19:29
Hallo Thomas,
bei mir haben sich im Lauf der Zeit diese 3 Aufnahmen als meine Favoriten herauskristallisiert.
The Cleveland Orchestra, Pierre Boulez
(1992) Deutsche Grammophon CD 2894357692
(1970) CBS/Sony
Riccardo Chailly, Cleveland Orchestra, (1985) Decca

Igor Strawinsky, Columbia-Sinfonieorchester
Sony Classical (1960) Straw.-Edition


Strawinsky war sicher nicht einer der versiertesten Dirigenten, das Orchesterspiel wirkt [wie das der Berliner unter Karajan 1963] gegenüber dem der Clevelander etwas überspitzt gesagt wie ein ad hoc Laienensemble, aber diese Aufnahme darf Authenzität für sich beanspuchen, sie ist, endlich trifft es mal zu, die Referenz.
Ob es die Rezension Strawinskys "Drei Arten von Frühlingsfieber" noch im aktuellen Buchangebot (I.S. & R. Craft: "Erinnerungen und Gespräche") gibt, weiß ich nicht, aber die solltest du unbedingt mal Lesen.
Sehr gut und außerhalb des Üblichen liegend ist auch der Kommentar im Beiheft der Boulezschen-DG-CD.
Der Notentext ist nicht gerade einfach zu lesen und reichlich komplex. Beim Lesen habe ich mich oft dabei ertappt, daß die CD mich weit überholt hat.

Gruss
Franz


[Beitrag von op111 am 14. Feb 2008, 19:32 bearbeitet]
teleton
Inventar
#30 erstellt: 15. Feb 2008, 12:53

Thomas228 schrieb:
Hallo Wolfgang,

danke für deine Hinweise. Nach der Bernstein 1958-er Aufnahme werde ich wohl noch mal Ausschau halten. Eigentlich hatte ich gedacht, dass sie auf der von mir gekauften CD ist. Tja, Pech gehabt.

Von Svetlanov ist vor einiger Zeit diese Sacre-Einspielung auf den Markt gekommmen:



Ist das die, von der du sprichst?

Viele Grüße
Thomas

Hallo Thomas,

nein da bin ich mir nicht sicher, dies ist eine neuere Swetlanow-Aufnahme auf WARNER. Da steht allerdings auch die Angabe ADD. Aber ob WARNER Melodiya-Aufnahmen übernimmt ?

Ich habe jedenfalls durchweg die Erfahrung gemacht, das alle Swetlanow-Aufnahmen auf WARNER mit diesem Cover (es sind zum Teil DDD-Aufnahmen von 1995) lange nicht mehr den BISS haben, wie seine Melodiya/Eurodisc-Aufnahmen haben(die ich zahlreich auf LP habe).
So bin ich mit seinem neueren Rachmaninoff auf WARNER gar nicht zufrieden, da er sehr lange auszelibriert und nichts mehr straff durchzieht, wie zu seiner Glanzzeit mit den Moskauer Orchestern in den 60er bis 70er-Jahren !
Die alten TOP-Aufnahmen konnte ich jetzt bei einem amerikanischen Label auch auf CD ergattern - ich berichtete an den entsprechenden Stellen.

Die Swetlanow-Aufnahme mit den Staatlichen SO der UDSSR Moskau, die ich meine ist von 1964 und es handelt sich um die russische Erstaufnahme auf Schallplatte.
Auf dem Eurodisc-LP-Cover ist das Sacre-Opfer als nackte Diva abgebildet. Eine sehr gelungene Darstellung, genau wie der Platteninhalt.

Die Melodiya-CD sieht so aus - aber bei amazon steht:
Derzeit nicht verfügbar.

Melodiya, 1964, AAD

-------------------------
Hallo FarnzJ,

es mag sein, das die LSO-Bernstein-Aufnahme schon durch das spätere Aufnahmedatum durchsichtiger ist, aber darum geht es nicht.
Diese Überrumpelung und hörschockartige Interpretation hat nur seine Erstaufnahme.

Bernsteins Interpretation (CBS1958 ) ist absolut überwältigend; kein Detail wird verschluckt, die Schlaginstrumente kommen sauber und trocken über den Lautsprecher. Spannung vom ersten Teil bis zum Schluß, wie Swetlanow (Eurodisc), Fedossejew(JVC) und Chailly, Solti(Decca).
In wilden Passagen entsteht kein Klanggewusel (=die Instrumente verschwimmen ineinander) der Schlaginstrumente (wie bei Boulez(DG)), sondern jeder Schlag ist präzise einzeln durchzuhören.
Die CBS-Techniker bei Bernstein waren schon 1958 auf einem zukunftsweisenden Stand der Technik.

Die Petruschka-Version (1947) auf der Bernstein-CD ist ebenfalls spitzenmäßig gelungen.


SONY, CBS1958, ADD
op111
Moderator
#31 erstellt: 15. Feb 2008, 13:00
Hallo Wolfgang,

teleton schrieb:
... Bernsteins Interpretation (CBS1958 ) ... kein Detail wird verschluckt, die Schlaginstrumente kommen sauber und trocken über den Lautsprecher.
...
In wilden Passagen entsteht kein Klanggewusel (=die Instrumente verschwimmen ineinander) der Schlaginstrumente (wie bei Boulez(DG)), sondern jeder Schlag ist präzise einzeln durchzuhören.

Bernsteins 58er müßte ich sogar als mp3 dabeihaben, die höre ich mir noch mal an.
Danke für den Tipp!

Gruß
Thomas228
Stammgast
#32 erstellt: 15. Feb 2008, 13:51
Hallo Wolfgang,

ich habe eben noch mal eine sehr ordentlich geführte Svetlavov-Diskographie durchforstet (http://www.svetlanov.net/). Laut dieser hat Svetlavon das Werk nur 1 Mal aufgenommen, und zwar am 24.05.1966, außerdem soll es noch eine TV-Aufnahme unbekannten Datums geben.

Diese Angabe scheint aber nicht zu stimmen (oder doch?). Denn russiandvd.com führt noch:

(aufgenommen nach dortigen Angaben 1994)

(unklares Aufnahmedatum, laut der oben genannten Discographie handelt es sich um die 66er Aufnahme)


(ebenfalls unklares Aufnahmedatum)

Bei cduniverse.com findet sich dagegen diese CD:


Diese gibt es auch bei arkivmusic.com. Dort steht als Angabe zum Aufnahmedatum 1966. In der Besprechung ebendieser CD bei classicstoday ist allerdings vom Aufnahmedatum 1968 die Rede (http://www.classicstoday.com/review.asp?ReviewNum=7655)

Wahrscheinlich handelt es sich bei all diesen Aufnahmen, also auch bei der bei Warner erschienenen um die 1966er-Aufnahme, die laut deinem LP-Cover von 1964 stammt. Sicher bin ich mir allerdings nicht.

Gut, dass ich mich nicht entscheiden muss.

Viele Grüße
Thomas
teleton
Inventar
#33 erstellt: 16. Feb 2008, 13:38
Hallo Thomas,

ich habe gerade nochmal auf meiner EURODISC-LP mit Swetlanow nachgesehen.
Damals wurden auf LP´s die Aufnahmedaten nicht immer angegeben und man findet das Datum oft nur auf der Platte in dem freien Feld zwischen Rillen und Cover.
Das bisher von mir angenommene Datum 1964 ist laut Deiner Recherchen wohl tatsächlich 1966 ( die 2Jahre tun ja keinem weh).

Die von Dir abgebildete CD MOSKAU STUDIO ARCHIVES (aus USA) ist sehr preiswert zu haben. Aus dieser Serie habe ich auch schon so manchen Swetlanow - Schatz auf CD ausgehoben.
Das ist auf jeden Fall die Swetlanow-Aufnahme von 1966 und damit auch die russische Ersteinspielung auf Schallplatte.
Vermutlich bei den anderen alles die gleiche Aufnahme, denn bei der ersten CD ist 1994 das Erscheinungsdatum der CD.
Die von mir abgebildete Melodiya - CD ist dann ein vorläufer davon.

Kurz:
Egal welche man holt - man hat eine Super-Swetlanow-Aufnahme des Sacre !
Lemminkäinen
Ist häufiger hier
#34 erstellt: 12. Apr 2008, 16:52
Hallo.

ist die erwähnte CBS-Einspielung von Bernstein eigentlich identisch mit der Aufnahme aus der Original Jacket-Box ? Die gibt*s nämlich bei jpc gerade für 50 Euronen.

Gruß Lemmie
teleton
Inventar
#35 erstellt: 13. Apr 2008, 11:17
Hallo Lemmie,

ja, es ist die TOP-Bernstein-Aufnahme von 1959 (CBS/Stereo) auch in der Original-Jacket-Bernstein-Box enthalten.
Nicht die spätere/schwächere mit dem LSO.

Wenn Du Dir Punkt 21 bei amazon anschaust, dann siehst Du, das es die NewYorker Aufnahme ist. Dort kostest die Box übrigens nur 44,67Euro+3,-Versand - der Regularpeis beträgt 130,-Euro, aber den zahlt man ja nicht !
op111
Moderator
#36 erstellt: 10. Dez 2014, 21:06
Gerade erschienen:
Igor Strawinsky (1882-1971)
Le Sacre du printemps in 2 Versionen: von 1913 & 1967.
+David Zinman spricht über die verschiedenen Fassungen und demonstriert die Unterschiede anhand von Klangbeispielen
Tonhalle Orchester Zürich,
David Zinman

RCA, DDD 2014
jpc.de


[Beitrag von op111 am 10. Dez 2014, 21:09 bearbeitet]
op111
Moderator
#37 erstellt: 10. Dez 2014, 21:08
Vor einigen Monaten erschienen:
Igor Strawinsky (1882-1971)
Le Sacre du Printemps
(in der Rekonstruktion der Premieren-Version von 1913)
+Petruschka
Les Siecles, Francois-Xavier Roth
ActesSud, DDD, 2013 (live)
jpc.de
5281555
op111
Moderator
#38 erstellt: 10. Dez 2014, 21:22
Ein preiswerter Blick in einen Teil der Interpretationsgeschichte:

Igor Strawinsky (1882-1971)
Le Sacre du Printemps -100th Anniversary Collection (10 Reference Recordings)

Philadelphia Orchestra, Leopold Stokowski (1929 / 1930);
New York Philharmonic, Igor Strawinsky (1940);
Boston Symphony Orchestra, Pierre Monteux (1951);
Philadelphia Orchestra, Eugene Ormandy (1955);
Columbia Symphony Orchestra, Igor Strawinsky (1960);
Chicago Symphony Orchestra, Seiji Ozawa (1968);
Cleveland Orchestra, Pierre Boulez (1969);
London Symphony Orchestra, Leonard Bernstein (1972);
Philharmonia Orchestra, Esa-Pekka Salonen (1989);
San Francisco Symphony Orchestra, Michael Tilson-Thomas (1996)
Sony, ADD/DDD, 1929-1996 10 CDs i
jpc.de
op111
Moderator
#39 erstellt: 15. Mai 2017, 14:20
s.a. (Beitrag #17074)" 15,.5.17 "Was hört ihr gerade jetzt ... "

Am Wochenende bei einem Musikfreund im Blindvergleich gehört
Igor Strawinsky (1882-1971)
Le Sacre du Printemps


Los Angeles Philharmonic Orchestra,
Esa-Pekka Salonen

DGG, DDD, 2004, SACD, Stereospur
jpc.de

Cleveland Orchestra
Riccardo Chailly
Decca, DDD, 1985
jpc.de

Hört man diese Aufnahmen im Vergleich, glaubt man, eine Revolution der Tontechnik habe stattgefunden.

Nicht daß sich etwas im Sinne des Komponisten oder Komponierten verbessert hätte, im Gegenteil.
Die (ältere) Decca-Aufnahme klingt selbst an den tumultösen lärmigen Tutti-Stellen unverzerrt, balanciert, durchsichtig und transparent.
Die neuere dagegen hat etwas von minderer Filmmusik, die verschiedenen Orchesterstimmen, die bei Chailly klar zu unterscheiden waren, vermischen sich zu einem halligen undifferenzierten (Strawinsky: "Hallraumflanell") Sumpf, Streicher sind kaum auszumachen, die weit zurückgesetzten Blechbläser tuten was das Zeug hält ohne richtig wahrnehmbar zu sein, allein Kesselpauken und die große Trommel, die akustisch über und vor allem thront, bestimmen den Klang.
Wie schrieb Ulrich Schreiber (R.I.P.) noch in der Hifi-Stereophonie 4/1981 über die Telarc-Aufnahme Maazels sinngemäß: "wem das Betätigen der Kesselpauke immer schon Anlaß war, Musik mit dem Kirmesspiel "Haut den Lukas" zu assoziieren, der wird in dieser Aufnahme eine neue Rekordmarke erreicht finden."
Salonen und seine Tontechniker haben nun diese Pegel-Marke noch einmal nach oben und das Werk weiter in den Sumpf der Beliebigkeit verschoben.
Das wäre mal (zusammen mit der Zinman CD von RCA s.o) ein echter Kandidat für die "CDs from Hell"-Kategorie.


[Beitrag von op111 am 15. Mai 2017, 14:23 bearbeitet]
op111
Moderator
#40 erstellt: 08. Mrz 2018, 11:41
Kurz reingehört:
Igor Strawinsky (1882-1971)
Le Sacre du Printemps
NDR Elbphilharmonie Orchester,
Krzysztof Urbanski
Alpha, DDD, 2017: Toning.: Katja Zeidler
1 CD, 1 Blu-ray Disc mit dem Konzertmitschnitt des Le Sacre du Printemps aus der Elbphilharmonie Hamburg am 17.2.2017

jpc.de
Etwas spannungsarme, brave und klanggeschönte Wiedergabe mit leicht entferntem und dünnem Klangbild.
Keine Konkurrenz zu den älteren Spitzenproduktionen.
op111
Moderator
#41 erstellt: 08. Mrz 2018, 11:44
Neuerscheinung:
Igor Strawinsky (1882-1971)
Chant funèbre
Le Faune et la Bergere op. 2;
Feu d'artifice op. 4;
Scherzo fantastique op. 3;
Le Sacre du Printemps
Lucerne Festival Orchestra,
Riccardo Chailly

Decca, DDD, 2016, Toning.: Philip Siney
jpc.de


[Beitrag von op111 am 08. Mrz 2018, 11:51 bearbeitet]
op111
Moderator
#42 erstellt: 08. Mrz 2018, 11:46
Igor Strawinsky (1882-1971)
Le Sacre du Printemps
+Debussy: Printemps
+Rachmaninoff: Vesna op. 20

Rodion Pogassov (Bariton),
Royal Liverpool Philharmonic Chorus,
Royal Liverpool Philharmonic Orchestra,
Vasily Petrenko

Onyx, DDD, 2016, Toning.: Philip Siney
jpc.de
Michelle_Collector
Stammgast
#43 erstellt: 08. Mrz 2018, 12:00
Guten Morgen,
eine sehr gute Aufnahme fehlt noch in den Aufzählungen :

Eugene Goossens auf Everest Records mit LSO aus 195X.

Da stimmt alles , Tontechnik , Interpretation ....

Nun denn , man kann nicht alles haben.
op111
Moderator
#44 erstellt: 08. Mrz 2018, 12:02
Ebenfalls neu erschienen:
Igor Strawinsky (1882-1971)
Musik für 2 Klaviere
Le Sacre du Printemps;
Konzert für 2 Klaviere;
Madrid;
Tango;
Circus Polka

Marc-Andre Hamelin,
Leif Ove Andsnes
Hyperion, DDD, 2017, Teldex Studio Berlin, Toning: Arne Akselberg
jpc.de
In meiner Sammlung die mit einigem Abstand beste Aufnahme der Version für 2 Klaviere.
Stimmige Tempi, weite Dynamik, exzellent durchsichtiges Klangbild.
op111
Moderator
#45 erstellt: 08. Mrz 2018, 12:15
Gemeint ist wohl diese:
Igor Strawinsky (1882-1971)
Petruschka
Le Sacre Du Printemps
London Symphony Orchestra,
Eugene Goossens
Everest, ADD, 1960, Toning. wahrscheinlich Bert Whyte ?
jpc.de

Ja, man kann nicht alles haben.
Von Le Sacre gibt es womöglich fast so viele Aufnahmen wie von Dvoraks 9. Sinfonie ... gefühlt 273
op111
Moderator
#46 erstellt: 08. Mrz 2018, 12:24
Wie ich dem Cover der Everest CD entnehme, ist Le Sacre dem Label nicht einmal eine sinnvolle Trackeinteilung wert gewesen, es hat genau einen Track.
1960 war die Aufnahme möglicherweise klanglich herausragend, in den mittlerweile vergangenen fast 60 ! Jahren hat sich aber einiges in der Ton- und Speichertechnik getan.


[Beitrag von op111 am 08. Mrz 2018, 12:26 bearbeitet]
Michelle_Collector
Stammgast
#47 erstellt: 08. Mrz 2018, 13:29
Die Scheibe , die ich meine ist eine "Hochpreis-Ausgabe" mit "20Bit from the mastertapes";

ist gebraucht sehr teuer , aber deutlich besser als die Neu-Ausgabe.

Zur Tontechnik:
Was nützt denn neue Technik , wenn auf der vorliegenden CD , von der Plattenfirma gesteuert, nur
75 % der Original-Aufnahme drauf ist:
Bestes Beispiel Polygram : Da gibt's nix vom Mastertape !
Hüb'
Moderator
#48 erstellt: 08. Mrz 2018, 13:37
Audiophile Remastering-Voodoo-Glorifizierung hin oder her, ich würde gerade bei diesem Werk (mittlerweile) auch eher zu einer klanglich unangreifbaren Neuaufnahme raten, z. B. zu der Nachfolgenden unter dem exzellenten Dirigat von Andrew Litton:

amazon.de

Viele Grüße
Frank
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