Tafal Nachbau -einteilig aus Beton

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Mr._Flow_
Ist häufiger hier
#1 erstellt: 11. Aug 2016, 00:12
Ich wollte mir schon lange mal Lautsprecher bauen, bin nur irgendwie nicht dazu gekommen. Als ich dann von der Tafal gelesen habe, stand der Entschluss fest. Die sollen es sein, allein schon die detaillierte Dokumentation machte es einfacher, da es auch ein Erstlingswerk von mir ist. Abgesehen von carhifi...
Als ich dann zu Weihnachten die beiden Hochtöner von meiner Frau bekam , ging's dann auch langsam los.
Aus Holz gebaut, wäre das ganze sicher flott fertig geworden (bin ja Tischler), aber leider ist das mit den Verundungen am Gehäuse so eine Sache. Der Fräser ist verboten teuer und eine Oberfräse mit 12mm Aufnahme habe ich auch nicht. Also erstmal überlegen, wie ich das ganze angehe.
Da ist es mir in den Sinn gekommen, das Gehäuse aus Beton zu machen. Ist ausreichend steif, Resonanzarm und bringt Masse mit. Also habe ich mir Gedanken zur Form gemacht. Monolithisch, also aus einem Guss sollte es sein, um nicht so einen blöden Deckel hinten ansetzen zu müssen. Auch wiederverwendbar soll die Form sein, um zwei identische ls zu bekommen. Ich habe dann aus Siebdruckplatten ein Gehäuse gebaut dessen Innenmaß dem Aussenmaß der Tafal entspricht. Zur Rückseite hin, wird die Form aber 2mm größer, damit beim entformen nichts klemmt. Soweit so gut. Mit Poliesterspachtel habe ich dann angefangen, die Hohlkehlen zu modellieren. Man muss ja ein Negativ bauen -dann gibt es zum Schluss auch Rundungen Das war gar nicht so einfach -am Gehäuseboden sozusagen. Immer wenn ich zeit gefunden habe, wurde gespachtelt und geschliffen bis es passt. Ich habe mir dazu so einen Kunststoffspachtel besorgt und mit einem Zirkel den Radius markiert. Ausgeschnitten und geschliffen, fertig ist das "Werkzeug"
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Um die Chassis bündig in der Front versenkt zu haben, fräste ich Scheiben mit dem passenden Aussendurchmesser und schraubte sie an die passenden Stellen. Wie beim lackieren ist auch beim betonieren die Vorarbeit das A und O. Deswegen habe ich dann alles mit Spritzspachtel lackiert und nass geschliffen. Auch noch poliert, damit sich alles zum Schluss gut entformen lässt.
Da es schwer ist, nachträglich Löcher ohne Schlag in Hochfesten Beton zu bohren, habe ich Einschraubmuttern an den richtigen Stellen vorgesehen.
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Chassis richtig aufgelegt, angezeichnet und durchbohrt. Die Muttern dann von außen verschraubt damit alles da bleibt, wo es soll.
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Um das passende Volumen zu erhalten, muss ein "Platzhalter" her. Ich habe Styropor genommen, weil das ganze auch wieder raus muss. Und zwar durch die Öffnungen. Also einen Klotz mit dem Innenvolumen gebaut und mit Paketband umwickelt. Auf die Scheiben der Chassisausschnitte sind nochmal kleinere Scheiben aus Styropor gekommen, um auf die 25mm Wandung zu kommen und um die Öffnungen zu erhalten. Dann ganz wichtig: Trennmittel nicht vergessen! Da drauf dann den Klotz gestellt und ausgerichtet.
Für die Passivmembran auf der Rückseite hab ich es genauso gemacht.
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Gegen den Auftrieb vom Styropor habe ich ein dickes Flacheisen aufgeschraubt. Mit einer langen Spax in der Mitte, bleibt auch der Klotz in Position.
Für den Beton habe ich auf fertige Sackware zurückgegriffen, da dort alles im richtigem Verhältnis zueinander enthalten ist. Da die Masse fließen muss, habe ich Vergussbeton besorgt (Moby Dur).Normalerweise weiß, habe ihn aber mit Pigmenten eingefärbt. Der wird mit extrem wenig Wasser angemacht und läuft dann wie Honig. Wenn die Form voll ist, schön rütteln, damit alles gut verdichtet und entlüftet. Dann das schwierigste -warten.
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Zur Sicherheit noch etwas Gewicht...
Nach zwei Tagen ist alles so weit angebunden, dass ausgeschalt werden kann. Abgedeckt noch eine Woche stehen lassen und es ging mit dem zusammenbauen weiter. Für eine schön homogene Oberfläche habe ich dann noch einmal mit 1000/2000er Nassschleifpaper geschliffen. Wenn jemand das so nachbauen möchte, dem kann ich nur empfehlen, den Styroporklotz aus einem Teil zu fertigen und nicht wie ich aus Platten. Beim Guss hat es die einzelnen lagen etwas zusammen gedrückt, so dass in der Breite ca. 6mm fehlen. Deshalb ist die Weiche ausgelagert, damit das Volumen wieder passt. Beim weiteren habe ich es so gemacht, wie Tonfeile es schon beschrieben hat.
Mit dem Ergebnis bin ich mehr als zufrieden, Optisch mal was anderes als Holz und vom Klang das beste, was ich bisher so hatte.
Das Leergewicht von einem Ls ist übrigens 19,1kg.
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Wave_Guider
Inventar
#2 erstellt: 11. Aug 2016, 01:38
Hi,

das ist ja klasse geworden!
Und sehr durchdachtes Vorgehen!

Bei so relativ kleinen Gehäusen (mit 19Kg) ist das vom späteren Handling her dann auch noch praktikabel.

Allerdings:
zwischen gegenüber liegende Wände gehören Queraussteifungen.
Auch wenn man meint: wieso, ist doch Beton?
Ne ne, auch Beton-Wände schwingen.

Aber soweit echt klasse gemacht!
Erfrischend, mal wieder etwas Gehobenes hier zu lesen


Viel Spaß damit und Grüße von
Thomas
Mr._Flow_
Ist häufiger hier
#3 erstellt: 11. Aug 2016, 07:45
Ja, habe ich auch erst dran gedacht. Ich hätte es ähnlich wie bei der Nada gemacht, mit Gewindestangen vorgespannt. Da Tonfeile es aber selbst bei seinen gelassen hat, habe ich es so übernommen.
NHDsilkwood
Inventar
#4 erstellt: 11. Aug 2016, 08:28
Wie hast du die Verschalung gebaut? Die Außenkontur sieht brillant aus. Großartig
Mr._Flow_
Ist häufiger hier
#5 erstellt: 11. Aug 2016, 10:30
Aus Siebdruckplatten, wegen der Feuchtebeständigkeit. Die sind von sich aus schon recht glatt. Ansonsten füllern und schleifen
Schön stabil, Beton drückt sehr beim verdichten, sonst hat man hinterher ein Ei...
Die Hohlkehlen haben am meisten Arbeit gemacht, ist ja Handarbeit und symmetrisch soll es ja auch sein.
ton-feile
Inventar
#6 erstellt: 12. Aug 2016, 20:18
Hallo Mr. Flow,

wow, was für ein aufwändiges Projekt mit einem so schönen Ergebnis.
Da hast Du die Tafal mit dem Negativ zusammen ja praktisch zweimal gebaut.

Vielen Dank für Dein Vertrauen in die klanglichen Fähigkeiten meiner Schuhschachteln und beste Grüße
Rainer

Edit: Ich weiß nicht, wo die Resonanz von Beton bei der gegebenen Wandstärke und Fläche landen würde, aber mit Sicherheit weit über der von MDF und Multiplex.
Der Bassmitteltöner verabschiedet sich oberhalb von 1700Hz mit 24dB/8 und sollte die Resos der Gehäusewände deshalb praktisch nicht anregen können.
Meine Prototypen bräuchten da wohl viel eher eine Queraussteifung.


[Beitrag von ton-feile am 12. Aug 2016, 21:04 bearbeitet]
Viper780
Inventar
#7 erstellt: 12. Aug 2016, 22:32
Wie siehts eigentlich mit dem Hochtöner aus? Mittlerweile nicht mal mehr Gebraucht wirklich zu bekommen
Mr._Flow_
Ist häufiger hier
#8 erstellt: 12. Aug 2016, 22:47
???
Weiß ich leider auch nicht, ich hab sie von meiner Frau geschenkt bekommen :D.
ton-feile
Inventar
#9 erstellt: 12. Aug 2016, 23:24
Hallo Zusammen,


Wie siehts eigentlich mit dem Hochtöner aus? Mittlerweile nicht mal mehr Gebraucht wirklich zu bekommen

Es scheint jedenfalls leider so.

Ich habe hier neben ein paar AL130 noch zwei unverkäufliche Pärchen TAF27+ auf Halde, weil ich die Leute im Falle eines Defekts nicht hängen lassen kann, die die Tafal im Studio als Abhöre nutzen und zum Arbeiten brauchen.
Bis jetzt gab es aber nur AL130 Defekte durch mechanische Überforderung (umgebördelte Membranen duch zuviel Auslenkung) und dabei keinen einzigen kaputten HT.

Dass SEAS die Fertigung der TAF27+ Lotte eingestellt hat, kann ich nicht wirklich verstehen.
Genelec sollte noch welche haben, weil sie meines Wissens in den 1032 Monis verbaut sind, aber die rufen sicher Apothekenpreise auf...

Gruß
Rainer
Wave_Guider
Inventar
#10 erstellt: 13. Aug 2016, 02:52
tonfeile schrieb:


Edit: Ich weiß nicht, wo die Resonanz von Beton bei der gegebenen Wandstärke und Fläche landen würde, aber mit Sicherheit weit über der von MDF und Multiplex.
Der Bassmitteltöner verabschiedet sich oberhalb von 1700Hz mit 24dB/8 und sollte die Resos der Gehäusewände deshalb praktisch nicht anregen können.
Meine Prototypen bräuchten da wohl viel eher eine Queraussteifung.


`n Abend Tonfeile,

es könnte seit Jahren zum Allgemeinwissen auch eines Boxen-Hobby Entwicklers gehören,
dass Boxenwände auf den Frequenzen der inneren Stehwellen zum Huben angeregt werden.

Kein Boxenwand-Material, welches da eine Ausnahme machen würde.
Auch nicht Beton.
Auch nicht 5cm Beton.
Was man dagegen tun kann, ließe sich seit Jahren googeln.


Dass SEAS die Fertigung der TAF27+ Lotte eingestellt hat, kann ich nicht wirklich verstehen.


Bin mir sicher, einen Grund dafür, könnte ich heraus finden.
Also sofern es Auffälligkeiten im Datenblatt gäbe.
Klar: davon ab Seas-interne Gründe für die Abkündigung des Produktes, die könnte ich nicht kennen.

Gibt es ein Datenblatt zu dem HT noch?
Oder vergleichsweise auch eigene Messungen jenes Hochtöners?

Grüße von
Thomas
ton-feile
Inventar
#11 erstellt: 13. Aug 2016, 11:21
Na Du hast ja mal einen Supertopcheckerbunny-Ton am Leib...

Bei dem Volumengewicht und den verhältnismäßig kleinen Flächen der Gehäusewände halte ich eine Dämmung mit Bitumenmatten für sinnvoller, als verspannen.

Aber was weiß ich schon.


Dass SEAS die Fertigung der TAF27+ Lotte eingestellt hat, kann ich nicht wirklich verstehen.


Bin mir sicher, einen Grund dafür, könnte ich heraus finden.

Klar, da habe ich Doof schon wieder Schrott für mein Projekt ausgesucht.
Wenn Du rausgefunden hast, wie ich mich bei der Auswahl so schrecklich irren konnte, freut sich Genelec sicher auch über eine Mail.
Die verbauen die Teile in ihren 1032A Monis.

Untertänigste Grüße
Rainer


[Beitrag von ton-feile am 13. Aug 2016, 11:25 bearbeitet]
thewas
Inventar
#12 erstellt: 13. Aug 2016, 18:02

Wave_Guider (Beitrag #10) schrieb:
es könnte seit Jahren zum Allgemeinwissen auch eines Boxen-Hobby Entwicklers gehören,
dass Boxenwände auf den Frequenzen der inneren Stehwellen zum Huben angeregt werden.

Kein Boxenwand-Material, welches da eine Ausnahme machen würde.
Auch nicht Beton.
Auch nicht 5cm Beton.

Die Schwingungsamplituden des Gehäuses sind jedoch sehr wohl unterschiedlich abhängig von dessen Steifigkeit und das ist am Ende auch was entscheidet oder diese parasitäre Schallquelle im Vergleich zu dem Primärsignal hörbar ist.


Was man dagegen tun kann, ließe sich seit Jahren googeln.

Meinst du einen internen Helmholzresonator a la BT?


Bin mir sicher, einen Grund dafür, könnte ich heraus finden.

Ich finde es für den Gedankenaustausch fördernder wenn man nicht in Rätseln wie Pythia spricht.


[Beitrag von thewas am 13. Aug 2016, 18:28 bearbeitet]
ton-feile
Inventar
#13 erstellt: 13. Aug 2016, 19:18
Hallo,


Die Schwingungsamplituden des Gehäuses sind jedoch sehr wohl unterschiedlich abhängig von dessen Steifigkeit und das ist am Ende auch was entscheidet oder diese parasitäre Schallquelle im Vergleich zu dem Primärsignal hörbar ist.


Das ist imO der Punkt. Die Gewichtung der parasitären Effekte.

Für die unerwünschte Schallerzeugung durch Gehäusewände gibt es aus meiner Sicht zwei Ursachen.

Zum einen die Resonanzfrequenz der Gehäusewand.

Ein Betongehäuse wird durch seine hohe Steifigkeit und geringe innere Dämpfung also irgendwo mit ziemlich hoher Güte "klingeln", so ähnlich wie eine Metallmembran.
Dieser Effekt kommt aber nur zum tragen, wenn er durch den Treiber direkt angeregt wird, der in das Gehäuse strahlt.
Im Falle der Tafal sollte das unkritisch sein, weil die Resonanzfrequenz der Gehäusewände über dem Übertragungsbereich des Bassmitteltöners liegen dürfte.

Zum anderen die Nachgiebigkeit des Gehäusematerials.

Eine Sperrholzbox wird die Moden im Gehäuse ziemlich ungedämpft nach draußen lassen, während Beton in dieser Wandstärke und bei der kleinen Fläche kaum beeindruckt sein dürfte.

Gegen die Nachgiebigkeit hilft verspannen mittels Gewindestangen oder Gehäuseversteifungen, gegen die Resonanz hilft dämmen z.B. mit Bitumenmatten. Die Übergänge sind allerdings fließend, weil jede Maßnahme beide Phänomene beeinflusst.


Im Fall der Tafal ist aber aus meiner Sicht beides nicht nötig.

Gruß
Rainer

P.S.

@Mr. Flow:
Entschuldige bitte, dass wir Unstimmigkeiten in Deinen Thread gebracht haben.
Ich wünsche Dir viel Spaß mit den Lautsprechern und bewundere Deine handwerklichen Fähigkeiten bei der Umsetzung des Projekts.
Mr._Flow_
Ist häufiger hier
#14 erstellt: 13. Aug 2016, 21:44
Vielen Dank! Für mich ist bei diesem Hobby der weg das Ziel. Erlaubt ist was gefällt, man macht es ja für sich. Deswegen sehe ich das nicht so verkniffen.
@ton -feile: Planst Du evtl. schon ein neues Projekt?
ton-feile
Inventar
#15 erstellt: 13. Aug 2016, 21:57
Hallo Mr. Flow (hast Du auch einen Vornamen? ),

es steht ein Pimp-Projekt an.
Die Amphion Argon 3S soll überarbeitet werden.

Ein optisch sehr schöner Lautsprecher im Apple Design mit Waveguide und Passivmembrane.
Mal sehen, was das wird...

Die Hardware ist gegeben und es geht in erster Linie um die tonale Abstimmung, also eine Neuentwicklung der Weiche und evtl. Änderungen bei der Passivmembrane/Bassabstimmung.

Viele Grüße
Rainer

Edit: falsche Zeitform.


[Beitrag von ton-feile am 14. Aug 2016, 00:23 bearbeitet]
Mr._Flow_
Ist häufiger hier
#16 erstellt: 13. Aug 2016, 22:01
Mr. Flow -Flo -Florian

Wikipedia:
Flow (englisch „Fließen, Rinnen, Strömen“) bezeichnet das als beglückend erlebte Gefühl eines mentalen Zustandes völliger Vertiefung (Konzentration) und restlosen Aufgehens in einer Tätigkeit („Absorption“), die wie von selbst vor sich geht – auf Deutsch in etwa Schaffens- bzw. Tätigkeitsrausch oder auch Funktionslust.


[Beitrag von Mr._Flow_ am 13. Aug 2016, 22:05 bearbeitet]
ton-feile
Inventar
#17 erstellt: 13. Aug 2016, 22:19
Hi Florian,

Na da soll einer draufkommen.

Viele Grüße
Rainer
Wave_Guider
Inventar
#18 erstellt: 16. Aug 2016, 03:14
ton-feile schrieb:


Bei dem Volumengewicht und den verhältnismäßig kleinen Flächen der Gehäusewände halte ich eine Dämmung mit Bitumenmatten für sinnvoller, als verspannen.


Hi,

ja, das ist so ein gewöhnlicher Irrtum.
Selbst so ausgedacht?
Oder irgendwo mal davon gehört?

Und Verspannen wäre auch nichts Sinnvolles.
Sondern besser: gegenüberliegende Wände einfach mittels Verstrebungen verbinden.
DAS bringt was.

Ist ja auch einleuchtend:

angenommen, die linke Wand will nach außen.
Und die rechte Wand will das auch, weil das Chassis gerade ins Gehäuse drückt (wobei nur der Fall einer Stehwelle interessiert).
Abhilfe: was auseinander strebt, mittels Streben zusammen halten.
Soviel Bitumen passt gar nicht ins Gehäuse, um nur Ansatzweise die gleiche Abhilfe bewirken zu können.

Aber es schimmert durch, man möchte wohl lieber auf dem Beharren, was man halt früher mal so darüber gelesen hat.
Und da man dieses ja als Basis für eigene Konstruktionen verwendet, kann es ja gar nicht schlecht sein.
Mal selber die alten Überlieferungen auf den Prüfstand stellen?
Nö: solange man sich gegenseitig seines Aberglaubens versichern kann, ist das technisch Vorteilhafte doch vollbracht.

Zitate aus der Welt des Gefühlten und des Aberglaubens (mit Hervorhebungen von mir):


Ein Betongehäuse wird durch seine hohe Steifigkeit und geringe innere Dämpfung also irgendwo mit ziemlich hoher Güte "klingeln", so ähnlich wie eine Metallmembran.
Dieser Effekt kommt aber nur zum tragen, wenn er durch den Treiber direkt angeregt wird, der in das Gehäuse strahlt.
Im Falle der Tafal sollte das unkritisch sein,

weil die Resonanzfrequenz der Gehäusewände über dem Übertragungsbereich des Bassmitteltöners liegen dürfte.


Kommentar von mir:

die "Resonanzfrequenz" der Gehäusewände ist komplett unerheblich.
Eine Gehäusewand hubt auf der Frequenz, mit der eine Stehwelle auf sie dengelt.
Irgendwelche "Resonanzen" sind dann vielleicht noch parasitäre Nebenerscheinung.

Eine hoch aufgelöste Impedanzkurve der Box würde zeigen, auf welcher Frequenz deren Boxenwände huben.
Ersatzweise eine Nahfeldmessung vor dem TMT.
Oder besser: warum nicht den Frequenzgang der Gehäusewände messen?

Ok:

ist die Frage, ob man Wandschall entsprechend nicht behandelter Gehäuse, überhaupt raus hören würde?
Weis der Boxenbauer was darüber?
Und weil sicher nicht:
es wäre doch so einfach, einfach einfachste Konstruktionsprinzipien mit einzuflechten (Verstrebung einer Wand zum Gegenüber) und man wäre auf der sicheren Seite.

Grübel:

Lautsprecher-Selbstbau scheint ein weinig doll im Dünkel fest zu stecken.
Man fühlt sich persönlich schnell angegriffen, wenn dieser Dünkel angekratzt wird.
Oder es wird mit dem Lametta lamentiert, welches "gedacht" mit der Sache was zu tun haben könnte.

So kommt man über das Gewöhnlich aber nicht heraus.

Schnelle Grüße von
Thomas
Apalone
Inventar
#19 erstellt: 16. Aug 2016, 07:42
Mag sein.

Ist aber klanglich komplett unerheblich.

Von daher komplett überflüssige Ausführungen.
thewas
Inventar
#20 erstellt: 16. Aug 2016, 08:20

Und Verspannen wäre auch nichts Sinnvolles.
Sondern besser: gegenüberliegende Wände einfach mittels Verstrebungen verbinden.
DAS bringt was.
Ist ja auch einleuchtend:
angenommen, die linke Wand will nach außen.
Und die rechte Wand will das auch, weil das Chassis gerade ins Gehäuse drückt (wobei nur der Fall einer Stehwelle interessiert).
Abhilfe: was auseinander strebt, mittels Streben zusammen halten.

Ist dir bewusst dass auch eine Strebe eine begrenzte Steifigkeit hat, zudem wenn man "Pech" hat sie sich gerade an einem Schwingungsknoten einer Eigenmode befindet wo sie quasi wirkungslos ist?


die "Resonanzfrequenz" der Gehäusewände ist komplett unerheblich.

Nein, weil bei den Eigenmoden die Schwingungsamplituden maximal werden. Natürlich ist es worst case scenario wenn eine interne stehende Welle mit einer Eigenmode des Gehäuses der gleichen Raumrichtung koinzidiert, aber auch ohne können vergleichsweise niedrige Anregungen zu höheren Systemantworten führen, gerade wenn die Eigenmoden eine niedrige Dämpfung aufweisen.


Ok:
ist die Frage, ob man Wandschall entsprechend nicht behandelter Gehäuse, überhaupt raus hören würde?
Weis der Boxenbauer was darüber?
Und weil sicher nicht:
es wäre doch so einfach, einfach einfachste Konstruktionsprinzipien mit einzuflechten (Verstrebung einer Wand zum Gegenüber) und man wäre auf der sicheren Seite.

Eben nicht, das modale Schwingungsverhalten ist eben nicht so trivial dass man mit solchen pauschalen und simplen "Backrezepten" alle Probleme so einfach und perfekt lösen kann.


Grübel:
Lautsprecher-Selbstbau scheint ein weinig doll im Dünkel fest zu stecken.
Man fühlt sich persönlich schnell angegriffen, wenn dieser Dünkel angekratzt wird.
Oder es wird mit dem Lametta lamentiert, welches "gedacht" mit der Sache was zu tun haben könnte.
So kommt man über das Gewöhnlich aber nicht heraus.

Es ist nicht schlimm wenn man die technische Mechanik nicht komplett durchdrungen hat (nicht umsonst ist sie Teil eines mehrsemestrigen Maschinenbaustudiums), generell aber sollte man sich besser nie hochtrabend äußern, weil eventuell die eigene Fallhöhe unnötig hoch wird.


[Beitrag von thewas am 16. Aug 2016, 21:33 bearbeitet]
ton-feile
Inventar
#21 erstellt: 16. Aug 2016, 10:23
Hallo Zusammen,


die "Resonanzfrequenz" der Gehäusewände ist komplett unerheblich.
Eine Gehäusewand hubt auf der Frequenz, mit der eine Stehwelle auf sie dengelt.
Irgendwelche "Resonanzen" sind dann vielleicht noch parasitäre Nebenerscheinung.

Nein, ganz im Gegenteil.

So eine Gehäusewand lässt sich doch ganz gut als (natürlich nicht ideales) Masse-Feder Pendel beschreiben.
Den größten Hub möchte die Gehäusewand auf der Resonanzfrequenz machen.

Wenn man mal auf das dünne Sperrholzschwabbelgehäuse zurückkommt, hätte das je nach Fläche eine eher tiefe Resonanz irgendwo im Grund/-Mittelton mit eher geringer Güte, schwingt also breitbandiger.
Solche Konstrukte sind in Verbindung mit Vintagebreitbändern beliebt und das (Resonanz-) gehäuse soll hier ganz bewusst mitschwingen.
Mit Zusatzmasse kann man das sogar als Passivmembrane (mit viel Klirr ) auslegen.

Ein aktuelles Beispiel für ein Resonanzgehäuse wäre der HB-1 von Kiso Acoustic. Hier hat der Gitarrenhersteller Takamine die Gehäuseseitenteile beigesteuert.
http://www.kisoacoustic.com/

Ein Stein/Betongehäuse wiederum hat durch die große Masse und niedrige innere Dämpfung eine sehr hohe Resonanzfrequenz mit hoher Güte und will sich daher auch nur auf der Reso bewegen.

MDF, Multiplex und Spannplatte liegen irgendwo dazwischen.

Welche Maßnahmen einen weiterbringen, um Gehäusewände "tot" zu bekommen, hängt von der Ausgangslage ab.
So wäre der Ansatz beim Steingehäuse, die Resonanz zu bedämpfen. Das funktioniert z.B. mit Versteifungen bzw Aufdoppelungen, die eher als Dämpfer arbeiten.
Versteifungen aus Stein oder Metall würden die Resonanzfrequenz zwar erhöhen, hätten aber keine dämpfende Wirkung.
MDF wäre hier besser, gerade weil es vergleichsweise weich ist und so der Reso Energie in Form von Wärme (durch die Reibung) entzieht, was dann die Güte senkt.

Es kann also keine Standardlösungen geben.

Gruß
Rainer


[Beitrag von ton-feile am 16. Aug 2016, 10:31 bearbeitet]
Kyumps
Inventar
#22 erstellt: 16. Aug 2016, 10:29
Euro Diskussion ist durchaus interessant,
wäre aber bestimmt besser in einem eigenen Thread aufgehoben
ton-feile
Inventar
#23 erstellt: 16. Aug 2016, 10:32
Hi Daniel,

da magst Du recht haben.

Ich bin schon ruhig.

Gruß
Rainer
Kyumps
Inventar
#24 erstellt: 16. Aug 2016, 10:34
das sollte nicht heißen dass ich die Diskussion nicht weiter verfolgen will,
denn genau das will ich
Mr._Flow_
Ist häufiger hier
#25 erstellt: 16. Aug 2016, 12:23
Ich baue einfach noch ein Pärchen und berücksichtige alle Vorschläge. Dann sollte es keine Zweifel mehr geben
ton-feile
Inventar
#26 erstellt: 18. Aug 2016, 19:52
Hallo Florian,

bitte entschuldige, aber eine wichtige These in Thomas Beitrag habe ich überlesen und kapere daher ein letztes Mal Deinen Thread. (Sorry! )


Und Verspannen wäre auch nichts Sinnvolles.
Sondern besser: gegenüberliegende Wände einfach mittels Verstrebungen verbinden.
DAS bringt was.

Ist ja auch einleuchtend:

angenommen, die linke Wand will nach außen.
Und die rechte Wand will das auch, weil das Chassis gerade ins Gehäuse drückt (wobei nur der Fall einer Stehwelle interessiert).
Abhilfe: was auseinander strebt, mittels Streben zusammen halten.


In rein technischem Zusammenhang sehe ich bei der Verbindung mittels verklebter Streben keinen großen Unterschied zum Verspannen.

Natürlich hat eine Strebe auch über das gewählte Material eine Wirkung, aber das lasse ich hier mal außen vor, weil auch eine Verspannung nicht auf Gewindestangen beschränkt ist.

Verstrebung wie Verspannung teilen die behandelten Gehäusewände in kleinere Flächeneinheiten, machen praktisch aus einer schwingenden Gehäusewand mehrere kleine, deren Resos entsprechend höher liegen.
Deshalb ist es auch sinnvoll, nicht ausgerechnet die geometrische Mitte für Streben/Verspannungen zu wählen, damit sich das ganze besser auf dem Frequenzspektrum verteilt.

Man baut ja auch in der Regel (abgesehen von Subs) keine kubischen Gehäuse, weil dann alle Stehwellen auf der gleichen Frequenz liegen würden.

Die Verspannung erhöht (wie der Name sagt) die innere Spannung im Gehäusematerial und wird deshalb auch die Resos der Teilflächen etwas stärker erhöhen, als die Verbindung mittels verklebter Streben.
Außerdem ist die Langzeitwirkung nicht in gleichem Maß gegeben, wenn sich das Gehäusematerial mit der Zeit durch die Vorspannung plastisch verformt. Wie das wohl bei Beton ist ? ...

Trotzdem wirken beide Varianten im Grundsatz erst mal gleich und verhindern, dass was "auseinander strebt". Es "strebt übrigens auch gerne mal was zusammen", denn es herrscht ja Wechseldruck in einem Lautsprecher...

So, und jetzt bin ich hier auch wirklich durch mit OffTopic. Versprochen!

Viele Grüße
Rainer

Edit: falscher Begriff


[Beitrag von ton-feile am 18. Aug 2016, 22:06 bearbeitet]
kinodehemm
Hat sich gelöscht
#27 erstellt: 19. Aug 2016, 11:57
Moin

irgendwie kommt mir der überheblich-joviale Sprachduktus vom Wellen-Guido bekannt vor..

@Rainer

da musst du zuhören und lernen

Vielleicht zeigt er ja mal seine letzten Entwicklungen, in die alles Wissen, das er bei anderen vermisst, eingeflossen ist?
ton-feile
Inventar
#28 erstellt: 20. Aug 2016, 01:18
Hi,

na ja, vielleicht wird der Wave-Guider ja noch vernünftig und beschränkt sich auf seine wirklichen Kenntnisse.
Die WGs messen sich jedenfalls richtig gut, wenn man mal über das Profil auf die User-HP schaut!

Gruß
Rainer


[Beitrag von ton-feile am 20. Aug 2016, 01:24 bearbeitet]
thewas
Inventar
#29 erstellt: 20. Aug 2016, 12:38
Absolut!
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