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Audionet, Burmester, Gryphon, MBL

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wopper_uk
Ist häufiger hier
#1 erstellt: 21. Mrz 2006, 10:42
Ich habe im vergangen Winter mehrere Verstärker probegehört und gebe hier meine Eindrücke wieder. Vorab stelle ich explizit dar, dass es hierbei um meine ganz persönlichen Eindrücke, Wahrnehmungen und Vorlieben geht. Es liegt mir fern Geräte und/oder Hersteller objektiv zu bewerten und einen allgemeingültigen Eindruck zu formulieren.

Nach längerer Abstinenz machte ich mich letztes Jahr daran, eine neue Verstärkerkombination auszusuchen. Diese sollte für eine lange Zeit meinen Ansprüchen genügen und dabei noch so flexible sein, dass sie auch bei einem Lautsprecherwechsel noch gute Dienste leisten kann. Meine Frau und mein kleiner Sohn legten, beide auf ihre Weise, ein Veto gegen Röhrengeräte ein.
Um jetzt nicht die ganze Geschichte der Vorauswahl auszurollen, beschreibe ich hier nur welche Geräte ich mit welchem Eindruck gehört habe.

Kandidaten:
Burmester Vorstufe 035 und Endstufe 036 (ca. 12 TEuro)
MBL Vorstufe 5010D und Endstufe 8011M (Monoblöcke) (ca. 14 TEuro)
MBL Vorstufe 5011 und Endstufe 8011M (Monoblöcke) (ca. 16 TEuro)
Audionet Vorstufe Pre G2 und AMP II Max (Monoblöcke) (ca. 19 TEuro)
Gryphon Vorstufe Prelude und Endstufe Encore (ca. 22 TEuro)

Wie man also sieht, eine recht illustre Schar an Geräten, die spannende Hörproben erwarten ließen.

Zuerst traten die Burmesters gegen die MBL 5010/8011 Kombination an. Die Verstärker wurden von einem Burmester CD Player bedient und lieferten an ein Paar Dynaudio Confidence C2.
Seit langer Zeit lese ich immer wieder begeisterte Testberichte von Burmester Geräten. Früher hatte ich nicht die finanziellen Möglichkeiten mich ernsthaft mit dem Erwerb auseinanderzusetzen. So war ich auf diesen Test sehr gespannt. Um es kurz zu machen: Ich war enttäuscht. Ich kann die Testberichte der Zeitschriften grundsätzlich nachvollziehen. Die Burmester Kombi spielt präzise und schnell. Die Musiker sind klar zu orten und es wird eine Bühne gebaut. Nur das Ganze erfolgt für mich zu kalt, tonal hell abgestimmt und ohne Emotionen. Der Verstärker macht sicher nichts falsch, aber für mich auch nichts wirklich beeindruckend. Da lief bei dem MBL Duo ein ganz anderer Film. Immer wieder überraschte mich der Verstärker mit seiner riesigen Bühne und der totalen Entspanntheit, mit der große Dynamiksprünge bewältig wurden. Auch die MBL Geräte fügen der Musik nichts hinzu oder rüschten den Klang auf. Reinheit ist das klare Gebot, nur wird einfach mehr abgebildet, jeder Hauch einer Stimme, jedes Nachklingen kommt in der richtigen Lautstärker. Dies ist, aus meiner Sicht, dass mehr an Natürlichkeit, dass die MBL der Burmester voraus hat. Besonders deutlich wurde der Vorsprung aus meiner Sicht, bei Zimmerlautstärke. Die MBL Geräte fesseln und zeigen gerade bei kleinen Pegeln immer noch jedes Detail. Dabei können sie Bässe oder andere Highlights sofort, blitzschnell aus dem Stand abfeuern und so immer wieder die Aufmerksamkeit in die Musik hineinziehen.

Die Hörprobe Gryphon gegen Audionet wurde von einem Gryphon CD Player als Signalgeber bedient und beide Verstärker durften an ein Paar B&W 801D liefern.
Ich muss gestehen, dass ich Gryphon nur vom Hörensagen kannte. Dies hat sich allerdings jetzt nachhaltig verändert. Dieser Verstärker spielt an der B&W zu Höchstform auf. Unglaublich mit welcher Präzision das Duo die Boxen im Griff hat. Neigt die B&W manchmal zu einer etwas überzogenen Darstellung, so wurde sie jetzt an der kurzen Leine geführt und stellt die Musik plastisch und absolut homogen auf die realistische Bühne. Unabhängig ob bei hohen Pegeln oder bei Zimmerlautstärker, jedes Detail war erkennbar ohne das eine übertriebene Analytik die Stimmung zerstörte. Kugelrunde Bässe aus der Mitte des Raumes in Verbindung mit bester Stimmwiedergabe hielten mich im Bann.
Gegen diese unglaubliche Vorstellung der Gryphon Kombination kam der Audionet Verstärker nicht ran. Aber dennoch spielen die Monoblöcke in absoluter Höchstform. Die Eleganz und Ruhe mit der die Musik in den Raum entlassen wird, ist von großer Überzeugungskraft. Auch bei Audionet bleiben die Details erhalten und ist die Stimmung spürbar. Nur im direkten Vergleich zu Gryphon Kombination erkennt man, dass das Bessere des Guten Feindes ist.

Rein akustisch ergab sich für mich folgende Reihenfolge:
1. Gryphon
2. MBL und Audionet
3. Burmester

Neben den akustischen Aspekten wollte ich natürlich auch den Designfaktor, die Alltagstauglichkeit und den Preis für mich abwägen.
Der Gryphon Verstärker sieht unverschämt gut aus. Er klingt phantastisch, sein einziger Nachteil war der, dass er einfach außerhalb meines Budgets lag.
Audionet und MBL unterscheiden sich in ihrer Ausrichtung. Audionet spielt etwas schneller und schlanker, MBL mit noch mehr Kraft und einer größeren Bühne. Mit beiden kann ich lange glücklich werden. Das Format der Audionet Monoblöcke machte mir dort mehr zu schaffen. Die sehr langen und schmalen Teile, muss man erstmal unterbringen. Die barocke Optik der MBL 5011 überzeugt mich nicht, da sieht die Audionet Vorstufe deutlich besser aus. Die MBL Monos sehen dafür so aus, wie sie klingen. Klasse! Burmester sieht so aus, wie Burmester aussehen muss. Mir gefällt es, obwohl ich eigentlich lieber schwarze Komponenten habe.
Einer der Händler hatte vier Paar MBL 8011M an einer Referenzanlage betrieben. Von diesen bot er mir ein Paar zum halben(!) Preis an. So zahlte ich statt 9.200 Euro für das Paar (aktueller Neupreis) 4.200 Euro für die beide Monos.
Nachdem ich in der HiFi & Records einen sehr euphorischen Test über die neue MBL Vorstufe 5011 gelesen hatte, entschied ich mich, statt der 5011D, die doch bereits einige Jahre alt ist, die 5011 in die Wahl zu ziehen. Mein Händler bestellte eine 5011 und überließ mir eine 5010D als Leihgeräte. Von Anfang Januar bis zum 17. März spielte mein MBL CD2 Player an der Kombination 5010D und 8011M. Diese bearbeiteten meine Dynaudio Contour 3.4. Wirklich großes Kino, was die Kette mit den kleinen Dynaudios anrichtete. Räumlichkeit, Stimmverständlichkeit und Geschwindigkeit waren perfekt. Ich dachte nur noch manchmal etwas wehmütig an die unglaubliche Grundtonwiedergabe der Gryphon Elektronik.
Seit letzter Woche nun, habe ich den 5010D durch den 5011 ersetzt. Das fehlende Glied in der Kette! Ich bin schwer beeindruckt, was diese Vorstufe alles besser macht. Der Bass wird nun trockener und klarer geführt. Die Musik hat mehr Zusammenhalt und spielt dennoch auf einer größeren Bühne. Selbst kleine Nebengeräusche sind zu orten, ohne die Präzision in Analytik umschlägt. Ich bin restlos zufrieden mit der Wahl und denke, dass die Verstärkerfrage für mich über die nächste Jahre geregelt ist. Insgesamt habe ich jetzt gut 11 TEuro ausgegeben, dass geht bei der gebotenen Leistung aber völlig in Ordnung. Von einem Schnäppchen zu sprechen, verbietet sich jedoch von selbst.
Natürlich kam mir schon der Gedanke, dass die Verstärkerkombination den Boxen sehr überlegen ist. Das andere Lautsprecher noch mehr abbilden würden. Die B&W 801D hat da schon eine sehr eindrucksvolle Vorstellung gegeben. Aber dies steht jetzt hinten an. Nächstes Jahr vielleicht; bis dahin höre ich erstmal Musik. Musik, Musik!

Fazit:
Wer wirklich Verstärkertechnik auf höchstem Niveau und in bester Optik, dazu anspruchslos in der Aufstellung sucht, der sollte unbedingt einmal die Gryphon Kombination hören. Audionet bietet einen Excelenten Verstärker, optisch zurückhaltend. Akustisch überzeugend spielt auch die MBL Kombination, optisch sicher eine Geschmacksfrage. Burmester enttäuschte mich in diesem Vergleich. Vielleicht liegt es daran, dass das Burmester Duo das günstigste im Feld war. Nach meiner Einschätzung liegt es aber mehr an der Abstimmung der Burmester Geräte.
Wie gesagt, alles mein persönlicher Eindruck. Andere Ohren hören und entscheiden sicher anders. Bin gespannt auf eure Meinungen.
Beste Grüße

wopper
das.ohr
Inventar
#2 erstellt: 21. Mrz 2006, 12:46
hi hi wopper

ein wirklich toller bericht und irgendwie ahnte ich dessen ausgang, als ich die überschrift las.

ja, zu neuen gryphon geräten hat es bei mir finanziell leider auch nicht gereicht, aber erstaunlich ist es schon, mit welcher musikalität und autorität sie meine vorherige audionet-elektronik an die wand und somit aus der anlage spielten. ganz sicher wird es irgend wann auch einmal größere lautsprecher geben, vielleicht die confidence 3 oder 5 oder etwas ganz anderes ...

nun sind die von dir gehörten gryphongeräte ja 'nur' zweite liga, wie mag sich erst der unterschied dort ganz oben anhören und womit fasziniert gryphon eigentlich? jeder, der bisher bei mir musik hörte, war erstaunt darüber, was so alles auf einer CD für musikalische informationen gebannt sind ... schaute ungläubig die kleinen lautsprecher an ...


Frank
(ein gryphonfan?)
High-End-Manny
Hat sich gelöscht
#3 erstellt: 21. Mrz 2006, 17:30
Also,

sofern du für Burmester das gleiche Geld investieren würdest wie in Gryphon, dann klingt Burmester ganz klar um einiges natürlicher und präziser. Aber, ist alles Geschmackssache!

Trotzdem toller Bericht!!!

Gruß Manny
wopper_uk
Ist häufiger hier
#4 erstellt: 21. Mrz 2006, 19:58
@High-End-Manny
Danke! Ist das wirklich so? Hast du Erfahrungen im direkten Vergleich? Ich bin mir eben unsicher. Wahrscheinlich liegt es wirklich in den persönlichen Vorlieben. Ich habe in den letzten Monaten öfter Burmester gehört, allerdings nicht immer direkt vergleichbar. Ich fand' es nie schlecht, aber es sprach mich auch nie direkt an. Wahrscheinlich polarisiert Burmester.
@das.ohr
Ebenfalls Danke! Ja, Gryphon war für mich eben DAS Highlight. Schade, dass die Firma so wenig Erwähnung findet. Offensichtlich machen die Dänen in understatement.

Grundsätzlich finde ich wichtig, dass es bei Musik und den entsprechenden Abspielgeräten um Spass + Freude geht! Und da konnten eigentlich alle von mir gehörten Geräte etwas beitragen!
keep listing...
wopper
Herbert
Inventar
#5 erstellt: 21. Mrz 2006, 21:47
@wopper_uk

Verstehe ich das richtig:
Verstärker 1/2 an Box A und Verstärker 2/3 an Box B ?
Und in unterschiedlichen Räumen?

Gruss
Herbert
andisharp
Hat sich gelöscht
#6 erstellt: 21. Mrz 2006, 21:59
Drei kleine Anmerkungen:

1. Ich würde mir immer zuerst neue Lautsprecher kaufen und danach die Elektronik. Alles andere macht irgendwie keinen Sinn.

2. MBL kann für mich klingen wie es will, die Optik ist einfach der Super-GAU.

3. Ich hätte noch andere Geräte getestet, wenn wir schon bei einem solchen Budget angelangt sind. Es fehlen einfach noch ML, Krell, Accuphase und Konsorten.
doubleprint
Ist häufiger hier
#7 erstellt: 22. Mrz 2006, 08:55
ein ganz heißer Tipp ist auf jedenfall die Elektronik von Pass. Nicht ohne Grund testet D. Sommer von Image Hifi schon seit mittlerweile 3 Jahren regelmäßig alle 6 Ausgaben irgendein Amp von Pass. Ich spekuliere mal ganz frei und unverschämt, dass er sich früher oder später ein Gratisexemplar "zu unbegrenzten Testzwecken" erhofft.
wopper_uk
Ist häufiger hier
#8 erstellt: 22. Mrz 2006, 09:26
@Herbert. Ich habe die Burmester und MBL auch an B&W gehört, aber meine Aufzeichnungen darüber geben nicht mehr viel her. Tendenziell erschien mir das Burmester Duo voluminöser als an der Dynaudio, aber immer noch weniger emotional. Auch an der B&W überzeugte mich MBL mehr als Burmester. Die oben gemachte Beschreibung bezieht sich auf unterschiedliche Boxen in zwei Räumen. Dennoch hat es mich überrascht, dass die Tendenzen der Verstärker klar durchkommen.

@Andisharp
Sicher ist das der klassische Weg. Ich denke aber, dass ich ein Paar Boxen finden kann, die Räumlichkeit, Auflösung und Geschwindigkeit der MBL unterstreichen oder noch weiter verfeinern. Ich werde mal berichten, wie es mir gegangen ist. Bezüglich der Optik stimme ich dir, schweren Herzens, zu. Ich trage mich auch schon mit dem Gedanken, die Vorstufe unter einer Heckeldecke zu verstecken. Die 8011 in Silber sind optisch OK, die 5011 verursacht auf Dauer wahrscheinlich Augenkrebs.
Ich hätte auch gern noch ML und Pass getestet. Gehört habe ich noch Gammut, allerdings in einer nicht vergleichbaren Umgebung. Und das ist ja auch das Problem. Händler zu finden oder das Zeugs nach Hause zu holen, damit man alles in Ruhe vergleichen kann. Je mehr Geräte, desto höher der Aufwand. Mein Ziel war es, dieses Projekt in endlicher Zeit in Ziel zu bringen. Ich habe mich selbst dabei ertappt, wie die Auswahl immer wichtiger wurde. In Gedanken stapelten sich schon die großen HighEnd Boliden in meinem Wohnzimmer. Man kommt da schnell auf einen Trip, bei dem man alles mit allem vergleichen will, die Suche nach dem heiligen Gral. Ich habe mich entschlossen nun erst mal zufrieden zu sein!
Elektro-Niggo
Hat sich gelöscht
#9 erstellt: 20. Aug 2006, 11:11
wopper_uk schrieb:

Man kommt da schnell auf einen Trip, bei dem man alles mit allem vergleichen will, die Suche nach dem heiligen Gral. Ich habe mich entschlossen nun erst mal zufrieden zu sein!


Herzlichen Glückwunsch! Das ist wohl das beste, was Du machen kannst.

Und: Danke für den informativen Beitrag!
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