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Schlager sind die Umsatzbringer

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cr
Moderator
#1 erstellt: 21. Okt 2011, 17:29
http://www.handelsbl...-charts/5264466.html

Tja, lauter Namen, von denen ich zum Glück noch nicht mal gehört habe.
Vor den dt. Schlagern hat mir schon gegraut, als ich noch jung war. Ich kenne/kannte auch niemanden aus meiner Umgebung (auch Schule), die so was hörten (allenfalls heimlich ).
Wer hört heute die Nachfolger von Heintje, Heimo, Bernd Clüver, Daliah Lavi, Mireille Matthieu & Co? (es geht natürlich noch tiefer, wie Hansi Hinterseer etc, aber das fällt ja schon mehr unter Volksmusik)
Damals waren das v.a. Leute, die kein Wort Englisch konnten.

Nächste Frage: Ist das ein Phänomen der dt. Sprache im Umfeld dominierenden englischen Pops oder gibt es auch in England so einen Schmuh.
Zaianagl
Inventar
#2 erstellt: 22. Okt 2011, 09:10
Ein bekannter Schlagerproduzent hat mal in nem Interview gesagt, daß er deshalb diese Musik produziert, weil sie die größte Gewinnspanne mitbringt:

Relativ geringe Produktionskosten, relativ geringe Aufwands und Unterhaltskosten der Künstler, wenige persönliche Probleme oder Starallüren, hohe Präsenz in den Medien und nicht zuletzt ein sehr zahlungskräftiges Publikum...

Er sagte: "Nahezu jede CD im Player ist auch bezahlt worden. Nicht runtergeladen oder kopiert. Und DAS bringt das Geld!"



Nächste Frage: Ist das ein Phänomen der dt. Sprache im Umfeld dominierenden englischen Pops oder gibt es auch in England so einen Schmuh.


Ich denke schon, daß ein gewisser "Kulturgedanke" dahinter steckt, ähnlich wie bei Blaßmusik... Sozusagen die Alternative zwischen diesen beiden "Extremen"...
Mr._Lovegrove
Inventar
#3 erstellt: 23. Okt 2011, 06:36
Dazu kann ich als ehemals erfolgreicher Verkäufer von Schlager und Volksmusik CDs schon was sagen:

Ja, es ist ein urdeutsches Phänomen, dass die Volksmusik unseres Landes ein derart niedriges künstlerisches uns aussagetechnishces Niveau gegenüber vielen anderen Länderspezifischen Volksmusiken hat. Country in den USA z.B. hat ja durchaus seine künstlerisch sehr wertvollen Seiten. Und der französische Chansons ist seit jeher ein Garant für niveauvollere Unterhaltung. Aber der Schlager ist seit schon immer sein eigenes Klischee - und deshalb so erfolgreich.
Und falls ich jetzt Schlagerfans auf den Schlips getreten bin, dann tut es mir leid, aber in fast 5 Jahren Media Markt in der Näher der holländischen Grenze habe ich viele, sehr viele Schlager - und Volksmusikfrende kennengelernt. Als ehemaliger Mitarbeiter bei einem der erfolgreichsten Schagerhändler der Republik weiß ich leider, wovon ich rede.

Und genau diese Käuferschicht ist entweder solvent oder gehört einer älteren Generation an, die mit Downloads nix am Hut hat oder beides.

Es geht soweit, dass es genügend Schlagerfans gibt, die wegen EINEM Song eine ganze CD für 18,- kaufen und glücklich sind. Und wir reden hier nicht nur von Premiumprodukten wie Carpendale und Helene Fischer, sondern achtklassigem Zeug, dass ausser den Freaks keiner kennt.

Ich kann mich noch genau an die Zeit erinnern, wo die Amigos noch nicht bekannt waren und noch keine Nr. 1 hatten und keinen Echo in der Tasche. Da kamen zu uns schon dutzende Leute, die "Durchs Feuer" haben wollten. Die CD hatte noch nicht mal einen richtigen Vertrieb. Und als die MCP dann die CDs übernommen hatte, da war für uns als Händler jeden Tag wie Weihnachten, denn die gingen nicht nur überragend gut, sondern man verdiente damit richtig Kohle, weil man die Preis durchaus auch mal etwas höher ansetzten konnte. Hat keinen Interessiert!

Wir hatten Andrea Berg (teilweise noch vor meiner Zeit dort) 5x (!!!) zur Autogrammstunde und die waren alle brechend voll! Der Schlagerfan ist einfach ein treuer Hund!

Und die Holländer sind da noch weit freakiger, als die Deutschen, da die im Volksmusikbereich auch die wirklich krassen Sachen kaufen. Also so richtig steyrische und urtümliche Klamotten und nicht nur den verwässerten Kastleruther Spatzen Kram. Aber auch Helene Fischer und Semino Rossi stehen bei denen ganz hoch im Kurs

Ich habe dann als verantwortlicher Leiter in der Abteilung wirklich auch Schen in den Laden gestellt und Aktionen gemacht, die in einem normalen Laden völlig unsinnig gewesen wären (und mit Firmen Umsätze gemacht, die sonst keine Rolle spielen).

Aber um zum Thema Schlager in Deutschland zurückzukommen:
Hier ist auch nicht zu verkennen, dass eine grosse antreibende Kraft immer noch das Radio ist. Es sit wirlich so, wenn Radio Niedersachsen (NDR 1) einen bestimmten aktuellen Song in die Heavy Rotation nimmt, dann kommen die Leute scharenweise in den Laden. So war es bei den Amigos und ein weiteres gutes Beispiel dafür ist der Instrumentalsong "Ice Dancer" vom Blue Light Orchestra. Eine miese, drittklassige Nummer, die aber prägnant ist und anscheinende gut ins Ohr geht. Alleine wegen diesem Song haben viele viele Leute eine Doppel CD vom NDR für 20,- gekauft, die über Universal vertrieben wurde! Nur weil der Song (neben anderen bekannten Schlagern) ausschließlich da drauf war!!! Ich habe das nicht geglaubt, aber so war es.

Die Schlagerfans sche...n auf das Internet und Downloads. Das ist nicht ihre Welt. Dehalb kaufen sie CDs und deshalb freuene sich alle geschäftlich beteiligten Löcher in den Bauch. Selbst Premiumprodukte wie Rossi, Fischer, Berg oder DJ Ötzi sind produktionstechnisch absolut einfach gehalten und fussen oft auf ähnlichen Rezepturen, die garantiert nie teuer sind, weil sie sich oft wiederholen. Schlager werden auch oft zu Hause produziert oder einfach am Fliessband. Wer mal in die Booklets von diversen Volksmusikinterpreten guckt, wird immer wieder auf die selben Leute im Background stoßen und auch immer auf den gleichen Sound.

Das ist kein Vorwurf, sondern so funktioniert das Business. Es ist sein eigenes Klischee. Weil es die Fans so wollen. Die wollen keine Experimente. Die wollen, dass Helene Fischer Foxlastigen, emotionsgeldenen Schlager macht, die wollen das Andrea Berg immer die gleichen Texte singt, die wollen dass die Spatzen immer ihre Berge bejodeln. Der Fan hat hier indirekt die absolute Macht. Und das weiß jeder Produzent und jeder Künstler. Und deshalb wird dieser Markt so stoisch gleich bedient, wie seit jeher! Und deshalb funktioniert dieses Business so gut. Kein erfolgreicher Schlager- und Volksmusikkünstler weicht auch nur ein Jota von der Nische ab, die er besetzt hat. Keiner! That's business...
cr
Moderator
#4 erstellt: 23. Okt 2011, 11:56
Als ich noch zur Schule ging, dachte ich diese Schlager-Generation stirbt dann aus..... Was anscheinend aber nicht der Fall sein dürfte. Oder ist der Anteil der heute 40+-jährigen, die so einen Schmuh kaufen, wirklich geringer geworden als bei den 60j.?

Was es wohl auch nur im Deutschen so krass gegeben haben dürfte oder noch gibt, sind die COVER-Versionen, dass ein erfolgreicher engl. Pophit plump imitiert wird, also nur Text und Sänger(in) deutsch ist, sonst alles gleich, und sich das dann womöglich noch besser verkauft als das Original.

Beispiele:
Silvias Mutter sagt (Dr.Hook/Sascha Distel) ( )
Ein Bett im Kornfeld (Bellamy Bros./J.Drews)
diverses von Abba

um ein paar Grausamkeiten aus den 70er zu nennen.
Zaianagl
Inventar
#5 erstellt: 23. Okt 2011, 13:26
Ich hab Gestern Abend beim rumzappen ein Konzert von Helene Fischer gesehen!
Aus gegebenem Anlaß wollte ich mir das (wenigstens ein bißchen) anschauen...
Kurz gesagt: Es ging nicht! Nach einer einer kurzen Phase extremsten Fremdschämens (diese "Show" bzw "Tanzeinlagen", Jungejunge) überkam mich dann doch ein gewisses, nicht zu unterschätzendes Gefühl des Angewiedertseins.
Echt, daß es soo schlimm ist hätt ich nicht gedacht!!!
*Raccoon*
Ist häufiger hier
#6 erstellt: 24. Okt 2011, 12:23
An Mr._Lovegrove:

Ganz im ernst, vielen Dank für diese Art von Einblick in die Szene. Interessant ! Habe ich noch nie drüber nachgedacht.

Raccoon
lukas77
Stammgast
#7 erstellt: 24. Okt 2011, 15:03
Hallo,

zwar keine richtige Schlager - aber deutschsprachige
Musik scheint im Moment echt angesagt.

Als gelegentlicher Einslive Hörer (normal WDR2) kriege
ich an manchem Tag die Krise, wenn solche Musiker wie
Andreas Bourani, Tim Bendzko, Clueso oder Thees Uhlmann
rauf und runter laufen - für mich sind die Lieder solcher
Musiker auch sehr wohl WDR4 (Schlager-Volksmusiksender)
tauglich - bzw gehören dort besser hin.

Je schlechter die Zeiten, desto seichter die Unterhaltung...

Grüße
lukas
sagenwirmalso
Ist häufiger hier
#8 erstellt: 25. Okt 2011, 08:14
naja, clueso würd ich nun nicht gerade in die schlager/volksmusikecke drücken...
seine texte sind teilweise wirklich gut und die musik lädt auch nicht gerade zum schunkeln ein. aber naja, geschmäcker sind eben verschieden.

ich würde eher so etwas wie "unheilig" in diese richtung einordnen.
Memory1931
Inventar
#9 erstellt: 25. Okt 2011, 08:27
Moin.....

Ich fragte mal den Nachbarsbengel was er denn so für Musik höre........
(Grund war, das ich íhn mit einem "Punk" sah)

Er wollte das ja nun nicht zugeben..... (Das mit dem Punk gesehen)

....und antwortete jedesmal das er "VOLKSMUSIK" hören würde......

So, ich habe ihn dann darauf "festgenagelt" und da er nicht mehr ausweichen konnte, antwortete er auf meine "Volksmusikfrage"

Störkraft usw. usw. usw.

Ich zog dann geschockt von dannen......

Gruß

PS: Er sah auch schon so aus, als wenn er zu irgendsoeiner Organisation gehören würde......
Zaianagl
Inventar
#10 erstellt: 25. Okt 2011, 09:11
Störkraft und Punk paßt aber überhaupt nicht zusammen!
Rechtsradikale Musik wird umgangssprachlich und intern (vor vielen Jahren auch mal linke, heute aufgrund der klaren Abgrenzung wohl nicht mehr) gern als Volxmusik bezeichent.
Darum wohl seine etwas zweideutige bzw ironische Antwort...
Memory1931
Inventar
#11 erstellt: 25. Okt 2011, 09:33

Zaianagl schrieb:
Störkraft und Punk paßt aber überhaupt nicht zusammen!


Ich weiß, gehörte in den 80ern bis Anfang der 90er mal der Punk-Szene an....und wir hatten einge Hauereien......

Jedesmal, wenn se sich bei ihrem "Dr.Martens-Beat" selbst die Fressen eingehauen haben......gingen wir grinsend weg, auch wenn ein unwissender Grufti mitten auf der Tanzfläche blutend zu Boden ging.......
Zaianagl
Inventar
#12 erstellt: 25. Okt 2011, 10:05

gehörte in den 80ern bis Anfang der 90er mal der Punk-Szene an....und wir hatten einge Hauereien......


Gnihihi, dito!

Mann war das geil damals, die beste Zeit meines Lebens!!!

P.S.: Was den Nachbarsbengel und seinen Kumpel betrifft, weißt Du ja was zu tun ist!?
cr
Moderator
#13 erstellt: 18. Jan 2012, 23:42
Der Volksmusikmist boomt nach wie vor

http://derstandard.a...icht-irren-oder-doch
Mr._Lovegrove
Inventar
#14 erstellt: 19. Jan 2012, 07:18
Und genauso ist das auch. Der Autor hat eigentlich nix neues gesagt.
Allerdings hat mit Andreas Gaballier dieser "Charakterverkauf" eine ganz neue Qualität bekommen, da der sich als "realer" Volks-Rock'n'Roller verkauft und ganz oberflächlich betrachtet zunächsteinmal wesentlich glaubwürdiger daherkommt, als die ganzen anderen Mutanten. Aber wenn man mal mit erfahrenem Ohr die Musik hört, dann ist das eigentlich die gleiche billige und klischeehafte Soße. Von den Texten ganz zu schweigen. Auch der besetzt nur eine von mir schon angesprochen Nische, wie jeder andere Volksmutant auch.
musikschlumpf
Ist häufiger hier
#15 erstellt: 19. Jan 2012, 18:26
Es gibt zwei Arten von Schlager: gut gemachten, und schlecht gemachten. ;-)
Ich finde, jeder sollte das hören was er/sie für toll findet, dann aber bitte im stillen Kämmerlein...

Was mir bei Schlager tierisch auf den Keks geht, das sind die Keyboardrhythmen... ich HASSE Keyboardrhythmen! Diese dumpfen Bassmelodien, welche sich einfach nur im gesamten Lied wiederholen, furchtbar! Wenn man bei uns den "Heimatsender" (MDR1) hört, dann kommen da zum Teil echt gute Schlagerlieder, jene welche noch echte instrumentale Melodien und Rhythmen haben... textlich handeln die zwar auch immer von Liebe, warmer Sonne, und Mallorcaträumerei, aber da kann ich eher zuhören... ;-)

Die Holländer müssen auf (dt.) Schlager auch enorm abgehen, es soll dort (hörensagen) sogar richtige Schlagerabende in Discotheken geben... entweder es liegt am Gras, oder das Volk ist einfach verrückt.
RocknRollCowboy
Inventar
#16 erstellt: 19. Jan 2012, 19:10

Was es wohl auch nur im Deutschen so krass gegeben haben dürfte oder noch gibt, sind die COVER-Versionen, dass ein erfolgreicher engl. Pophit plump imitiert wird, also nur Text und Sänger(in) deutsch ist, sonst alles gleich, und sich das dann womöglich noch besser verkauft als das Original.

Beispiele:
Silvias Mutter sagt (Dr.Hook/Sascha Distel) ( )
Ein Bett im Kornfeld (Bellamy Bros./J.Drews)
diverses von Abba

um ein paar Grausamkeiten aus den 70er zu nennen.



Hier die Grausamkeit der Grausamkeiten:
Ich hab Euch gewarnt

Schönen Gruß
Georg
cr
Moderator
#17 erstellt: 19. Jan 2012, 20:11
Der Text von "Silvias Mutter sagt" verfolgt mich noch heute.
Ich kann nur jedem raten, sich das mal zu geben, um besten mit dem ganzen weinerlichen Gesang dazu.
cr
Moderator
#18 erstellt: 19. Jan 2012, 20:15

Hier die Grausamkeit der Grausamkeiten

Cindy und Bert
Da gibts aber noch viel Ärgeres
Zaianagl
Inventar
#19 erstellt: 21. Jan 2012, 15:37
Absolut geiles und psychedelisches bis psychotisches Stück Sangeskunst, fast intensiver und tiefgründiger als das Original!
Mit dem richtigen Image und den passenden SM-Outfits gingen die durchaus als Rammstein Vorgruppe durch...

Auch son heftiges Teil, welches sich lyrisch und musikalisch in den letzten Hirnwindungen festfrißt und einen fürs Leben zeichnet:

http://www.youtube.com/watch?v=8s9Z37FSV84
Timmitus
Inventar
#20 erstellt: 21. Jan 2012, 18:19
Das hatte Zeitgeist, war aber auch irgendwie zeitlos.

Wie hier
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