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Spulen-Heimtonbandgeräte-Boom der 1960er – eine Fabel?

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Anselm_Rapp
Ist häufiger hier
#1 erstellt: 08. Aug 2014, 09:00
Nachdem ich im Hifi-Forum bisher nur sehr sporadisch technische Hilfe gesucht habe, schreibe ich heute mal eine Geschichte. Vielleicht interessiert sie den Einen oder Anderen.

Ich lasse mich von Talkwalker Alerts über neue Informationen zu mich interessierenden Themen im Internet unterrichten. Eines meiner Suchworte ist Uher, einst „weltbekannter Spezialhersteller qualitativ hochwertiger Tonbandgeräte, Diktiergeräte, Kassettengeräte, Sprachlehranlagen und Zubehör“ (Wikipedia) und fast zwei Jahrzehnte lang mein Arbeitgeber. Gestern wurde ich auf einen Treffer aus dem Hifi-Forum hingewiesen. Jemand hatte im Thread „ Die Kassette: 50 Jahre alt und kein bisschen leiser? Bandsalatnostalgie aus dem Kassettendeck“ Uher erwähnt. An sich noch nichts Besonderes, aber beim Betreff klingelte es bei mir. Vor knapp einem Jahr hatte CHIP Online einen Artikel mit dem sehr ähnlichen Betreff „50 Jahre Kassette: Ein halbes Jahrhundert Bandsalat“ veröffentlicht. Und darin war ich auf die bemerkenswert realitätsferne Aussage gestoßen: „Bis zur Einführung der Kassette und des dazu gehörigen ersten Kassettenrekorders Philips EL 3300 waren Tonbandgeräte für Privatanwender völlig unattraktiv.“

Nun habe ich mir den Thread hier etwas genauer angesehen und festgestellt, dass er aktuell über 1700 Beiträge umfasst! Ein schönes Zeichen dafür dass, wie ich auch anderweitig feststelle, die analoge Magnetbandaufzeichnung immer noch auf großes Interesse stößt. All die Beiträge konnte und kann ich natürlich nicht lesen, aber wann und wie der Thread begonnen hat, hat mich doch interessiert. Da stieß ich auf den Beitrag #1 des Autors „HiFi-Forum“ vom 30. August 2013, also vor fast einem Jahr. Und darin ist zu einem Artikel in den „HiFi-Forum News“ verlinkt: „Die Kassette: 50 Jahre alt und kein bisschen leiser? Bandsalatnostalgie aus dem Kassettendeck“, geschrieben von Léon Morisse am 30. August 2013. Der CHIP Online-Artikel erschien am 28. August 2013. Ob der sehr ähnliche Titel, der sehr ähnliche Inhalt und das Erscheinen innerhalb von zwei Tagen Zufall sind, interessiert mich wenig. Was mich aber sehr interessierte, war die fast gleichlautende Aussage: „Bis dato waren Tonbandgeräte für den Otto Normalverbraucher mit bis zu 1500 Deutscher Mark pro Stück schlicht unerschwinglich.“ Mit „dato“ ist auch hier bis zur Einführung des Kassettenrekorders gemeint.

Die Behauptungen, Tonbandgeräte seien vor Einführung des Kassettenrekorders für Privatanwender bzw. Otto Normalverbraucher unattraktiv bzw. unerschwinglich gewesen, sind purer Unsinn. Unattraktiv waren Tonbandgeräte für die Zielgruppe ganz sicher nicht, im Gegenteil, und sie waren gemessen an den Einkommen zwar sehr teuer, aber zahlreiche Interessenten, darunter oft Jugendliche, sparten eisern auf den ersehnten Kauf - längst bevor es Kassettenrekorder gab. Seriösen Quellen zufolge waren Ende 1962 in Westdeutschland über 5 Millionen Geräte in Gebrauch, 1965 nannten Grundig, Philips und Telefunken den Tonbandgeräte-Sektor den expansivsten Zweig ihrer Fertigungen. Auch viele andere Quellen beweisen, dass die „unattraktiven“ und „unerschwinglichen“ Spulen-Heimtonbandgeräte schlicht ein Märchen sind. Als ich 1962 bei UHER zu arbeiten begann (und es Kassettenrekorder noch ebenso wenig gab wie beispielsweise MP3-Player), konnten wir die Nachfrage nicht bewältigen und produzierten immer höhere Stückzahlen. Erst Anfang der 1970er Jahre begannen die 1963 erstmals vorgestellten Kassettenrekorder (besonders auch durch die bespielten MusiCassetten) den Spulen-Heimtonbandgeräten massiv Konkurrenz zu machen und verdrängten sie schließlich (auch bei Uher intern). Beide, Spulen- und Kassettentonbandgeräte waren je zu ihrer (überlappenden) Zeit eine tolle Sache, an die sich hier sicher viele gern erinnern oder sogar neu interessieren.

So war es und die Richtigstellung muss sein. Wer es nicht glaubt, dem empfehle ich die Wikipedia-Artikel „Tonbandgerät“, „Kompaktkassette“, „Kassettenrekorder“ und eventuell auch „Uher“. Entschuldigung, falls ich jemand persönlich auf den Schlips trete.

Gruß, Anselm


[Beitrag von Anselm_Rapp am 08. Aug 2014, 09:03 bearbeitet]
DOSORDIE
Inventar
#2 erstellt: 08. Aug 2014, 12:07
Naja, ich bin 28 Jahre alt und in meiner Kindheit hatte in der Familie niemand einen CD Player, meinen ersten bekam ich erst 1993 zu Weihnachten, da war ich 7. Zu dieser Zeit war die Schallplatte ausser im DJ Bereich und bei Jubiläumspressungen völlig vom Markt verdrängt, aber Tonbandgeräte kannte ich eigentlich auch nicht so wirklich.

Ich kann mich erinnern, dass beim Frisör ein altes Sony Gerät mit 18er Spulen stand, meine erste Begegnung mit einem Tonbandgerät hatte ich aber bei meiner entfernten Ostverwandtschaft, die wir kurz nach der Wende besuchten, seitdem wollte ich immer ein Tonbandgerät haben, von den riesigen japanischen Kisten wusste ich zu dem Zeitpunkt noch Nichts. Ich kannte auch keine Cassettendecks mit Logiktasten, Pausensuchlauf, Autoreverse und was es da Alles feines gab, denn die meisten Leute hatten in ihren Stereoanlagen meistens vollmechanische oder höchstens Hubtasten Laufwerke.

Mit 14 bekam ich mein erstes Tonbandgerät geschenkt: Ein Uhrer Variocord 63, im Rückblick bin ich nicht mehr sonderlich beeindruckt. Danach bekam ich ein Grundig TK 745 HiFi, die deutschen Heimtonbandgeräte mit ihren 18er Spulen haben mich, nachdem ich die großen japanischen Geräte kennenlernte alle nicht mehr interessiert, weil allein schon die Optik da nicht mehr mithalten konnte. Ich habe dann ziemlich viele große Geräte gehabt und bin jetzt bei meinem absoluten Traum - einer AKAI GX 747 angelangt, die ich auch sicher niemals mehr hergeben werde.

Ich weiß, dass Uher andere interessante Geräte gebaut hat, die sehr gut waren, hatte auch mal eine Monitor, von der ich weiß, dass es einer deiner besonderen Lieblinge ist, denn durch das Tonbandforum habe ich schon sehr viel von dir gelesen, designtechnisch konnte ich mit den deutschen Geräten aber nie was anfangen, was nicht heißt, dass die Technik schlecht ist, deshalb möchte ich damit auch Uher nicht schlecht machen, insbesondere weil du ja auch einen persönlichen Bezug dazu hast und ich weiß, wie viel dir das bedeutet.

Ich denke einfach, dass man diese pauschalisierten Kurztexte nicht allzu sehr persönlich nehmen sollte. Mit der Cassette ist es doch genau so: Ist es nicht traurig, dass den Leuten als erstes Bandsalat, Leiern, Rauschen und dumpfer Klang in den Sinn kommt, wenn es darum geht? Das Medium wird doch allgemein schon lange nicht mehr ernst genommen und in erster Linie kommen einem die Meisten mit Kinderhörspielen a la Benjamin Blümchen oder TKKG.

Die Cassette wird heute auf ein LoFi Medium reduziert, das niemals zuverlässig lief, immer schlecht klang und für mehr als Sprache nicht geeignet war. Die Leute erinnern sich an früher, wo Alles schön war und behaupten dann rückblendend, sie hätten früher den halben Tag Nichts Anderes getan, als ihre Cassetten mit einem Bleistift zurück zu spulen und das verkutzelte Band aus dem Bandlauf ihres Walkmans zu befreien und es wieder aufzuwickeln.

Ich kann mich gar nicht entsinnen, wann ich das letzte Mal Bandsalat hatte und ich nutze täglich Cassetten. Die Medien haben durch das Eintrichtern in den Köpfen, dass analog immer schäbig klingt, rauscht und sich anhört wie aus einem alten Volksempfänger dem Otto Normalverbraucher eingeredet, dass Magnetbandtechnologie schlecht ist. Genau das Gleiche versucht man auch grad mit DAB+- Es wird so dargestellt, als klänge UKW wie aus einer Dose und rausche ständig. Wer ein neueres Autoradio hat muss keinen Sender suchen, keine Frequenz wechseln, keine Frequenzen im Kopf haben, klanglich ist UKW - wie wir alle wissen sogar sehr gut, fast CD nah und DAB+ bei diversen Streams sogar überlegen, weil man die Bitrate teilweise viel zu niedrig hält. Natürlich ist DAB+ störungsfrei, wenn der Empfang flächendeckend ist, auch im Auto, das Sprötzeln und die Unterbrechungen auch bei starken Frequenzen und das ständige Umspringen der Stereobreite gibt es da nicht mehr, aber nur weil digital besser ist, ist analog ja nicht gleich absoluter Mist und ein HiFi UKW Tuner an einer guten Stereoanlage klingt nach wie vor besser, als ein billiges DAB+ Taschenradio, denn davon wird der Sound dann auch nicht besser...

Die Quelle kann sich erst voll entfalten, wenn der Rest der Kette stimmt und alle DAB+ Radios, die ich im MediaMarkt getestet habe, klangen nicht halb so gut, wie die alten Bajazzos, Tourings und Derbys, aber so viele Menschen haben immer noch den AM Loop an ihrer Anlage angeschlossen und die FM Buchse frei, wissen nicht, dass sie über Kabel auch UKW empfangen können oder einfach nur eine Wurfantenne im UKW Anschluss bräuchten und wundern sich dann, warum der Empfang so schlecht ist...

Neu ist beim Konsumer immer erst Mal besser und die Werbung verspricht viel Mist.

Ich habe niemals Cassetten mit Bleistiften zurück gespult um Batterie zu sparen und ich hatte auch so gut wie nie Bandsalat, ich weiß wie gut Cassetten auch mit günstigen Tapedecks oder Radiorecordern klingen können, deshalb finde ich diese nostalgischen Mainstream Berichte - von leuten verfasst, die keine Ahnung haben - auch ziemlich fehl am Platz.

Genau so ist es mit dem Tonband auch. Wir sind 80 Mio Menschen in der BRD, wie viele waren es in den 60ern ohne die DDR? 50 Mio oder so? Naja da sind 5 Mio nicht schlecht, das wären dann immerhin 10% der Bevölkerung, aber dennoch sollte der Anteil ja spätestens Mitte der 70er als die Cassette dem Tonband klangtechnisch das Wasser reichen konnte weniger geworden sein.

Zu dem Zeitpunkt hätte sich wohl kein normaler Konsumer, der nicht tontechnisch begeistert war noch ein Tonbandgerät gekauft. Bis auf die Spiellänge sehe ich da tatsächlich keinen Vorteil. Bei der Cassette muss man im Normalfall Nichts beachten, man legt sie ein und drückt auf Start. Ein falsches Einlegen ist quasi unmöglich. Es ist mir bei allen Tonbandgeräten, die ich besaß öfters passiert, dass ich das Band falsch eingelegt habe und passiert mir auch heute noch bei meiner AKAI, da rutscht das Band zu weit nach hinten, oder man führt es versehentlich hinter anstatt vor einem Nippel durch wo es nicht lang soll und auch die einfachen deutschen Heimtonbandgeräte haben diese Tücken, wenn man bei Grundig, Philips oder Uher das Band nicht genug spannt und dann unter dem Bandlauf herlegt kommt es schnell in die falsche Lage...

Wir müssen rückblickend einfach damit leben, dass die Menschen das als lustige Nostalgie sehen und in ein paar Jahren - spätestens wenn wir Alle tot sind - kein Hahn mehr danach krähen wird. Genau so wie schon heute respektlos über analoge Videorecorder oder alte Computer gesprochen wird... So ist es nunmal.

LG, Tobi
Vinyl_Tom
Inventar
#3 erstellt: 08. Aug 2014, 12:14
Hallo Anselm,
wirklich ein sehr informativer Text von Dir. Danke Schön! Ich werde mir am Wochenende mal Deine
Homepage genau anschauen!
Die Liebe zu der Magnetbandtechnik habe ich vor gut 2 Monaten wieder entdeckt, Initialzündung war ein hochwertiges AKAI Deck.
Da ich sehr schnell vom Sammel Virus angesteckt werde und die UHER Geräte mich als Jugendlicher fasziniert hatten, (ist auch schon wieder gut 35 Jahre her ) werde ich Dir wohl evtl. mal eine PM mit Fragen zu einem mich interessierenden Gerät schicken.

Schön, dass hier mal wieder ein Fachmann aufschlägt!
0300_Infanterie
Inventar
#4 erstellt: 08. Aug 2014, 13:32
Ca. 65 Millionen Einwohner (BRD) ...

Sogar in unserem Bekanntenkreis gab´s Tonbandnutzer ... war eben auch teurer ... hatte gerade wieder ne BASF DPR26LH-Spule in 22" in der Hand mit 69,- DM ausgepreist ...
Steffen_Bühler
Stammgast
#5 erstellt: 08. Aug 2014, 13:39

Vinyl_Tom (Beitrag #3) schrieb:
... und die UHER Geräte mich als Jugendlicher fasziniert hatten, (ist auch schon wieder gut 35 Jahre her )


Sieh an, mein alter ego!

Wie hab ich damals in den schönen Uher-Katalogen geschwelgt. Und wie gern hätte ich so ein Gerät gehabt. Aber der Preis ließ es für einen armen Schüler einfach nicht zu. So ist's dann "nur" ein Grundig TK747 geworden.

Viele Grüße
Steffen
KarlRanftl
Stammgast
#6 erstellt: 08. Aug 2014, 14:13
Hallo Tonbandler

Ja,ja,sowas mußte man schon haben.In meiner Jugend ein Mono-Gerät in einem Musikschrank,dann mit ca.23 Jahren ein Philips 4407 18er Spule,bin nicht sicher ob die Type so stimmt.Ein Technics-Cassettendeck hatte ich auch Jahrelang.Heute mit der Hifi-Anlage verbunden ist noch Philips TB N4520 u.Uher TB 4400.Die schwere 4520 konnte ich auf einem umgebauten Bürostuhl leicht schräg liegend fahren,wenn ich im Auftrag kleine Konzerte aufnahm.Das Uher mit Tasche war gut für Aufnahmen ohne Stromanschluß.

Gruß Karl
Schwergewicht
Inventar
#7 erstellt: 08. Aug 2014, 15:06
Hallo,

ausgehend vom Threadtitel ist die "Frage" mit einem klaren Nein zu beantworten bzw. müsste der Threadtitel eigentlich lauten "Welche Familie hatte in den 60ern kein Tonbandgerät"?

Nicht in Dörfern oder kleinen Städten, aber zumindest in den "Großstätten" hatte praktisch "jede" Familie ein Tonbandgerät. Allerdings waren dies in sicherlich 95% der Fälle preiswerte Tonbandgeräte wie beispielsweise vom seinerzeitigen Weltmarktführer das Grundig TK 14 oder TK 23 und später das Grundig TK 121/141. Diese Geräte bekam man zeitweise für 199,-- DM (TK 14 und TK 121) im Sonderangebot und selbst der "Normalpreis" von 299,-- DM für ein 1963er TK 14 war durchaus erschwinglich. Ich kann mich wie gesagt an keine Familie erinnern (außer wenn sie in den 60ern bereits jenseits der 50 waren), die kein Tonbandgerät besessen hat.

Natürlich waren diese "preiswerten" Gerätschaften meistens mit einem Kofferradio verbunden, manchmal auch mit dem 50er "Großsuper" oder einer Musiktruhe. Viele nahmen in den 60ern die Musik auch noch nur über das Mikrofon auf und somit konnte man selbst das Klangpotential dieser preiswerten Geräte nicht im Ansatz ausnutzen.

Wer bereits in den späten 60ern eine Stereoanlage besaß, hatte meistens Stereogerätschaften der Massenhersteller wie das Grundig TK 46 oder TK 245 (das habe ich seit 1967). Auch viele Uher und auch Telefunken Tonbandgeräte waren bei den "etwas ambitionierteren" Tonbandfreunden vorhanden, meistens so grob in der seinerzeitigen 500,-- - 700,-- DM Klasse. Auch bei diesen "Massenherstellern" gab es teilweise bzw. in Einzelfällen noch etwas hochpreisigere Geräte wie z.B. das Uher Hifi 22 spezial, was etwas über 1.000,-- DM angesiedelt war

Die Spitzen der Eisberge boten damals aber keine "Massenhersteller" sondern einige wenige Hersteller wie z.B Ferrograph und einige andere an, allerdings lagen deren Verkaufszahlen bei uns in Germansky, da sie auch kaum angeboten wurden, im kaum zählbaren Bereich einiger Hersteller von teilweise unter 10 Stück im Jahr !!!! Lediglich die Firma Revox machte da eine Ausnahme. Tonbandgeräte wie das G 36 und sicherlich ab 1967 das A 77 wurden garantiert in Deutschland mehr verkauft, als alle anderen Tonbandspezialisten der Spitzenklasse zusammen. Dies änderte sich dann zwar in den 70ern, aber über diesen Zeitraum ist in diesem Thread ja nicht die Rede.



[Beitrag von Schwergewicht am 08. Aug 2014, 15:10 bearbeitet]
0300_Infanterie
Inventar
#8 erstellt: 08. Aug 2014, 15:29

0300_Infanterie (Beitrag #4) schrieb:
Ca. 65 Millionen Einwohner (BRD) ...

Sogar in unserem Bekanntenkreis gab´s Tonbandnutzer ... war eben auch teurer ... hatte gerade wieder ne BASF DPR26LH-Spule in 22" in der Hand mit 69,- DM ausgepreist ...


Da muss ich hinzufügen, dass ich Jahrgang 74 bin und sich das auf die 80er bezieht und in diesem Falle große Akai und Technics war ... da waren MCs schon marktbeherrschend ...

Sorry, bin zu jung, mein Bandtick kommt vom früheren Job beim Rundfunk, da war das bis in die 90er noch alles "gewickelt" ...
Anselm_Rapp
Ist häufiger hier
#9 erstellt: 08. Aug 2014, 15:31
@DOSORDIE aka Tobi, vielen Dank für Deinen interessanten Bericht. Die Variocord 263 war kein Spitzengerät. Der Geschmack hinsichtlich Design hat sich im Verlauf der Jahrzehnte natürlich verändert. Auf der Höhe der Erfolgsleiter war Uher, als es noch gar keine japanische Konkurrenz gab. Und immerhin: Das Grundkonzept des UHER Report, dessen Fertigungsleiter ich war, wurde 36 Jahre lang erfolgreich beibehalten, ähnlich dem VW Käfer. Da können nicht viele mithalten.

Was ich (noch) nicht geschrieben habe: Ich habe mit dem Autor des CHIP-Artikels direkt per E-Mail korrespondiert; er war unbelehrbar. Das hat mich schon geärgert.

Ich gestehe, dass ich, obwohl ich noch ein paar Uher-Geräte habe, nur noch digital höre, darunter allerdings auch selbst digitalisierte Schallplatten und MCs. Es ist halt sehr praktisch, wenn man ein NAS in der Wohnung hat und mal hier, mal dort darauf zugreifen kann.

Der Trost: Was heute brandaktuell ist, ist morgen halt auch schon veraltet.

@Vinyl_Tom: Danke für Dein Interesse. Bei technischen Problemen ist zu berücksichtigen, dass ich Uher vor mittlerweile 34 Jahren verlassen (!) habe. Viel habe ich inzwischen vergessen. Ein Sammelbecken für hilfsbereite Tonbandler ist das Bandmaschinen-Forum, wo ich öfters anzutreffen bin.

@0300_Infanterie: Ein tolles Avatar, beneidenswert! Ich selbst hatte schon als Jugendlicher (bevor ich zu Uher ging) ein Röhrentonbandgerät, ein Siemens Protos BG 8 (glaube ich), ein von Grundig gefertigtes TK 20, und hatte viel Spaß damit.

@Steffen_Bühler: Da haben wir eine ähnliche "Karriere". Dadurch, dass ich mein Hobby zu meinem Beruf gemacht habe, kam ich natürlich etwas leichter an die "Objekte meiner Begierde". Mein erstes Report habe ich bei der Tombola einer Betriebsweihnachtsfeier gewonnen.

Grüße Euch allen, Anselm
0300_Infanterie
Inventar
#10 erstellt: 08. Aug 2014, 15:35
Meine erste B77 HS ... danke Dir
Anselm_Rapp
Ist häufiger hier
#11 erstellt: 08. Aug 2014, 15:45
Ja öha! So schnell komme ich gar nicht mit Schreiben mit!

@KarlRanftl: Mein Alter lässt sich ja ungefähr erraten. Schon gegen Ende der 1950er war ein Tonbandgerät der Wunschtraum fast jedes Jugendlichen. Nix "unattraktiv".

@Schwergewicht: Deine Erfahrungen decken sich mit meinen. Neben Sprechaufnahmen von Familien und Freunden (wir haben sogar selbst Hörspiele produziert) war natürlich das Mitschneiden der damals seltenen Radiosendungen mit Musik unseres jugendlichen Geschmacks sehr begehrt. Und natürlich hat man gegenseitig überspielt, bis das Rauschen lauter war als das Nutzsignal.

@0300_Infanterie: Jahrgang 1974 - da bist Du ja noch jung. Aber es kommen noch viel Jüngere auf den Analogbandmaschinengeschmack. Die Vinyl-Platte ist ja auch wieder im Kommen. Der Rundfunk hat spät umgestellt, ja.

Gruß, Anselm
0300_Infanterie
Inventar
#12 erstellt: 08. Aug 2014, 15:47
Bei meinen Großeltern gab´s kein Tonband (bei beiden nicht), aber bei beiden war das Lohnniveau wohl auch weit unter dem Schnitt. Eine Musiktruhe konnte man finden ... das war´s aber.
Ich denke es ist auch wie heute, manch einer steht auf sowas ... der andere nicht ...
Anselm_Rapp
Ist häufiger hier
#13 erstellt: 08. Aug 2014, 15:55
Meine Eltern selber hatten auch keins und auch erst spät einen Fernseher. Mir ging's ja auch um die angeblich für Privatanwender "völlig unattraktiven" Spulengeräte.

Eben hat Talkwalker Alerts mir wieder einen Uher-Treffer angezeigt: "Pünktlich um 13.30 Uher erfolgte der Start zum Familienfest."
hardy55
Ist häufiger hier
#14 erstellt: 08. Aug 2014, 16:19

0300_Infanterie (Beitrag #4) schrieb:
Ca. 65 Millionen Einwohner (BRD) ...

Sogar in unserem Bekanntenkreis gab´s Tonbandnutzer ... war eben auch teurer ... hatte gerade wieder ne BASF DPR26LH-Spule in 22" in der Hand mit 69,- DM ausgepreist ...



22" Spule für 69.- DM ist konkurenzlos billig. Auf welche Maschine passt das Ding?
0300_Infanterie
Inventar
#15 erstellt: 08. Aug 2014, 17:45
Braun 1000er ... aber auch auf meine PR99
DOSORDIE
Inventar
#16 erstellt: 08. Aug 2014, 18:08
Meine Eltern hatten nie einen Videorecorder und haben auch heute keinen. Ihr Fernseher könnte Aufnehmen und Time Shift, wenn man eine Festplatte anschliessen würde und das liesse sich auch ganz einfach über die Tasten der Fernbedienung realisieren, ohne erst zig Menüs durchzusehen, aber das ist ihnen Alles zu kompliziert und das brauchen sie ja nicht...

Die Stereoanlage könnten sie sich eigentlich auch sparen, viel Musik gehört wurde in unserem Haus eigentlich immer nur von mir. Die Stereoanlage schläft seit Jahren und statt am Plattenspieler die Nadel zu erneuern wurde er gleich komplett entsorgt, dabei war das ein richtig hochwertiger Marantz. Tonbänder gabs hier auch nie, nur Cassetten, selbst in den 60ern auff den alten Super 8 Filmen, mein Vater hatte anscheinend relativ früh einen Cassettenrecorder, sieht stark nach EL 3302 aus, ist aber nix mehr von übrig - leider. Die Plattensammlung meines Vaters sah halt auch so aus, wie in den 70ern üblich, James Last und ein paar Schlager Sampler, 2 oder 3 High Lifes von Polystar, dann durch Einzug meiner Mutter CCR und Stones und ein paar Pop Cassetten aus den 80ern, ansonsten HitRadio FFH oder harmony.fm.

Ich hoffe ich werde nie so. Aber auch ich konsumiere nicht mehr so viel Musik, wie früher und kaufe oft Platten, die ich eigentlich nie anhöre, nur um sie zu besitzen.

Das Tonband dreht sich auch eher selten, Streaming Dienste und Soundtrack of my Life halten auch bei mir Einzug, Musik wird immer mehr zur Nebenbeschäftigung. In letzter Zeit versuche ich auch wieder öfter Sounds auf meinem DX7 zu kreieren, aber Songs sind dabei schon länger nicht mehr entstanden...

LG, Tobi
Steffen_Bühler
Stammgast
#17 erstellt: 08. Aug 2014, 18:17

DOSORDIE (Beitrag #16) schrieb:

Ich hoffe ich werde nie so.


Das hoffen sie alle. Und - vergebens.

Viele Grüße
Steffen
DB
Inventar
#18 erstellt: 09. Aug 2014, 07:44
Um das mal aus Neufünfländer Sicht zu beleuchten... Tonbandgeräte, wenn auch vergleichsweise teuer, waren schon recht verbreitet, Kassettengeräte aber auch.

Ich selbst habe auch mit Tonbandgeräten begonnen, von BRG, MGW Zwönitz, Tesla, ... später dann kamen auch Kassettenrecorder dazu.
Um aber ehrlich zu sein, im Kassettenrecorder habe ich immer nur einen Notbehelf gesehen, dessen einziger ganz dürre Vorteil es war, das Band schnell wechseln und gut transportieren zu können.


MfG
DB
Anselm_Rapp
Ist häufiger hier
#19 erstellt: 09. Aug 2014, 08:37
@0300_Infanterie: Das Uher SG 630/631 Logic könnte sogar 26,5 cm-Spulen aufnehmen.

@DB: Wieder was gelernt: Neufünfland. Ich habe das bei der Überarbeitung des Abschnitts "Geschichte" des Wikipedia-Artikels "Tonbandgerät" aufgedröselt: In den 1960er Jahren wurden sehr viele Spulen-Heimtonbandgeräte verkauft, Kassettengeräte erst so richtig ab den 1970er Jahren in noch deutlich größerer Stückzahl. Bei der kompletten Überarbeitung des Artikels "Uher" habe ich im Abschnitt "Kassettengeräte" beschrieben, dass das Uher CR 124 stereo die DIN 45500 sogar mit einfachem Eisenoxydband erfüllte. Das war schon eine Leistung. Aber rein logisch betrachtet, müssen sehr gute Spulentonbandgeräte immer sehr gute Kassettengeräte übertreffen. Insbesondere Bandgeschwindigkeit und Bandbreite geben einfach mehr her. Die Handhabung der Kassette ist natürlich wesentlich komfortabler.

Gruß, Anselm
DOSORDIE
Inventar
#20 erstellt: 09. Aug 2014, 08:46
So der Bringer waren die DDR Cassettenrecorder und Cassetten ja auch nicht. Wenn so ein K4100 oder ähnliche Geräte auch erstaunlich gute Ergebnisse aus einer ORWO Cassette raus holen, aber selbst neu aus der Hülle sind die ORWOs meist schon ziemlich Dropout belastet und sind meistens unter dem Niveau der einfachsten Cassetten der großen (West)-Hersteller, während die ORWO Tonbänder brauchbar sind, wobei ich von den TESLA und UNITRA Tonbandgeräten auch nicht so wahnsinnig begeistert bin, ähnlich geht es mir aber auch mit denen von Telefunken im Konsumerbereich, dann doch lieber Grundig oder Uher oder eben Revox, AKAI, TEAC, Sony etc...

Die olle Sony HF, die ich grad mit meinem GX75 bespiele klingt jedenfalls nicht nach "Behelf"

Aber die Russen haben ein paar gute Tonbandgeräte gebaut, die aber wohl auch ihre Kinderkrankheiten hatten. Wenn man die hässlichen Plastikknöpfe gegen was haptisch Besseres austauscht sind sie ansonsten wirklich ohne Einschränkung auf Westniveau zumindest von dem was man so hört und auf Fotos sieht, diese Unitra und Tesla Tonbandgeräte habe ich aber schon selbst gewartet und in Gang gesetzt, das ist nicht das Wahre.
http://i.ss.lv/image...ecorders-0-1.800.jpg

LG, Tobi
Anselm_Rapp
Ist häufiger hier
#21 erstellt: 09. Aug 2014, 09:01
DDR-Geräte habe ich nur gelegentlich gesehen, wenn ich bei meinen regelmäßigen Funkausstellungs-Besuchen durchs HO-Warenhaus am Alex geschlendert bin. Gehört oder gar gemessen habe ich wohl nie eines.

Wir haben aber eine ganze Menge Uher Report in die DDR exportiert. Das, und erst recht, dass sie für die Stasi und vielleicht auch VA waren, habe ich erst nach der Wende, als ich längst nicht mehr bei Uher arbeitete erfahren. Ob die wesentlich weniger Kinderkrankheiten hatten als die russischen Modelle, wage ich zu bezweifeln.

Gruß, Anselm
DB
Inventar
#22 erstellt: 09. Aug 2014, 09:03
Unitra beruhte z.T. auf Grundig: hat mich nie begeistert. Daß man sein neugekauftes Tesla erst einmal einmessen lassen mußte, war dem Interessierten schon bekannt. Die Dinger waren so, wie man es von einem Einmotorer mit Preisgestaltung zur Kaufkraftabschöpfung eben erwarten konnte (was mich dann recht zeitig veranlaßte, mich nach Studio-Magnetbandgeräten umzusehen).

MfG
DB
DOSORDIE
Inventar
#23 erstellt: 09. Aug 2014, 09:33
Das Problem bei 4 Spur Heimtonbandgeräten ist auch einfach der obere Frequenzbereich, die Bänder reagieren bei 9,5 cm/sec sehr empfindlich auf Höhen und im Vergleich zu einer guten Cassettenaufnahme klingen die Viertelspuraufnahmen immer etwas schlechter - selbst mit den letzten Monstermaschinen, bei 19 cm/sec gibt sich das zwar, dafür bekommt man aber zusätzlich Gegensprechen. Mit EE Bändern bekommt man bei 9,5 cm/sec zwar Gewinn, aber so das Wahre ist das Alles nicht. Sowohl bei Cassette als auch bei Viertelspur mit 9,5 cm/sec ist es so, dass undeutliche Stellen oder angeclippte Aufnahmen durch den Bandsättigungseffekt dann noch viel undeutlicher und verzerrter klingen - auch wenn man vorsichtig aussteuert.

Wenn es rein um die Aufnahmequalität geht muss man schon 2 Spur und 19 cm/sec verwenden, dann hat man aber einen derartigen Bandverhau, dass das für einen normalen Menschen gar nicht zahlbar ist, wenn man die Bänder in den Massen nutzen will, wie Cassetten, MiniDiscs oder CDs.

Auch durch die NAB und die CCIR Norm ist in den unteren Geschwindigkeiten kaum ein Zuwachs im oberen Hochtonbereich machbar, bei 9,5 cm/sec ist der obere Hochtonbereich trotz Messprotokoll einfach nicht so brilliant, wie er bei der hochgezüchteten IEC bei Cassetten sein kann, das Band schluckt das irgendwie. Das fällt natürlich so beim Hören gar nicht auf, aber über Hinterband merkt man es schon extrem, finde ich und gerade bei den Ostgeräten handelt es sich ja in den meisten Fällen schon um 9,5 cm/sec Geräte mit 4 Spur, naja gut, verglichen mit den Cassettenrecordern aus der DDR ist das wohl schon noch besser.

Und mit dem dbx auf der Teac X 1000, die ich kurzzeitig hatte habe ich bei hochtonlastigen Popnummern fiese Schlieren und zischende S Laute bekommen (trotz korrekter Einmessung, die ich dies Mal nicht selbst getätigt habe), dafür war die aber so rauschfrei, dass man ansonsten hätte meinen können man hört CD.

Ich hatte so ein Mono Report, weil gar nicht mehr wie die hieß, ich glaube aber es war die Version, die auch in einem Paukerfilm vorkommt, allerdings waren die Gummis hin und ich habe immer Angst gehabt, das auseinander zu nehmen, weil ich doch Skrupel hatte, dass ich es nicht mehr zusammen kriege. Da muss man sich schon auskennen, Anslem, du hättest das sicher wieder hinbekommen, aber weil Mono Geräte nicht so interessant für mich sind, habe ich sie dann an einen befreundeten Sammler verschenkt, der mittlerweile auch die große Stereoausführung hat. War es nicht auch ein Uher Report, das den halben Film von ABBA - The Movie ausfüllt?

Ist es nicht widersprüchlich, dass ausgerechnet die Stasi Equipment beim Klassenfeind kaufen muss um ihre Arbeit zu verrichten? Wie verlogen muss man denn sein? Ich hab in einer Doku über das Telefonnetz in der DDR auch mal gesehen, dass die Cassetten aus den Westpaketen beschlagnahmt wurden, weil man ja nicht eindeutig sehen konnte was drauf war und nicht visuell eindeutig scheinende Gegenstände durften aus Sicherheitsgründen wohl einbehalten werden. Jedenfalls wurden Sämtliche Telefongespräche, sogar die von Erich Honecker und Erich Mielke auf Cassetten aufgezeichnet, weil man aus eigener Produktion nicht genug beschaffen konnte, löschte man die vom Zoll beschlagnahmten und auch so waren es zum Archivieren zu wenig, also wurden die Bänder komplett abgetippt und dann mit neuen Anrufen bespielt.

Naja wer weiß was hier von meiner Tipperei, meinen Telefonaten, meinen Whatsapp und Chatverläufen Alles gespeichert wird, ich bin wohl besser ruhig ^^.

Das mit dem Belehren kenne ich... Ich helfe gerne mal im tontechnischen Bereich, wenn der CVJM in der Nähe was veranstaltet, man kennt sich und es macht immer Spass, auch die Betreuung von irgendwelchen Schulbands oder Schulklassen macht vor Allem Spass, wenn man merkt, dass die leute dabei sind und sich auch was sagen lassen. Ich nehme zu diesen Veranstaltungen IMMER meinen alten Sony Walkman DD mit, einige Cassetten und schliesse ihn dann dort an die PA an um beim Aufbau und vor der Veranstaltung etwas Musik hören zu können.

Am Buß und Bettags Gottesdienst ist IMMER der hr da und bringt dann einen Bericht in der Hessenschau. Der Reporter dieses Jahr hat meinen Walkman gesehen und hat sich dann erst Mal schön darüber lustig gemacht, dass man ja ganz eindeutig hört, dass der leiert. Schon klar, in einer verhallten Kirche, wo sowieso Alles total diffus klingt, 10 m weg von den Boxen, bei 300 Leuten im Raum, die Alle reden und die Musik in den Hintergrund tritt hört Der ein offensichtliches Leiern. Der Walkman DD hat aufgrund seines Scheibenantriebs im Stand einen Gleichlauf, der mit hochwertigen Cassettendecks zu vergleichen ist, aber gut, das hat der Alles nicht ernst genommen, obwohl der auch sicherlich Ende 40 war. Aber wie gesagt ich bin Spott eigentlich gewohnt, egal wo ich hinkomme werde ich ausgelacht, wenn ich Cassetten mitbringe, die rauschen und leiern und klingen beschissen kriege ich immer zu hören und Allen voran natürlich BANDSALAT!

Also lass dich nicht ärgern, Anslem. Ich fühle mit dir ;-)

LG, Tobi
olsoundb
Stammgast
#24 erstellt: 09. Aug 2014, 09:49
Grüße zusammen. Hochinteressante Beiträge. Die Unbelehrbaren gibts doch überall. Seit Mitte der 90er Jahre wird doch nur auf Konsum produziert. Wenn was hin ist, kaufen wir halt was Neues. Am besten gleich die nächste Genertion. Noch klappriger und weniger wertig als die vorherigen Dinger.
Seinerzeit führte uns doch schon das bloße Tragen eines Kopfhörers das Staubkörnchenhafte unserer Existenz vor Augen. Heute geht das so "Schau mal, mein neuer MP4-Player..." und wenn man dann fragt "Wo ist er denn?" machts "KRACK" und man ist drauf gestiegen. Ist mir schon passiert.
Zugegeben: die alte Technik war relativ teuer. Dafür halten die Dinger ewig. Ich habe ein Uher Royal de Luxe von 1967. Bei besonderen Anlässen - div. Geburtstage und andere Festivitäten im Kreis der durchweg älteren Personen - wird das Ding angeworfen und je nach Wunsch läuft dann Psychedelic, Rock/ Pop oder Country. Die Bänder sind von Philips - unverwüstlich und mit denen habe ich die besten Ergebnisse erzielt. Ist immer ein Heidenspaß, wenn sich die Spulen nach dem für heute unvorstellbar aufwändigen Prozess vom Einlegen bis zum Start endlich drehen (die meisten Bänder sind mit 9,5 cm aufgenommen). Lasst mal einen Jungspund da ran - da heißt es doch schon 2 Sekunden nachdem er die Spule in der Hand "TILT". Mit technischen Daten um sich schmeißen - Bits, Übertragungsraten, Speicherkapazitäten usw. runterleiern - das kann man lernen und zur Not steht es im Netz. Aber selber Hand anlegen - die Welt ist unheimlich bequem geworden. Zu dem Royal habe ich jede Menge Zubehör. 2-Spur und 4-Spur Wechselkopf-Schienen, Mikrofone in Mono und Stereo usw. Ein paar leere Philips-Bänder liegen auch noch da. Und man kann noch so ziemlich alles selber machen - wenn man es kann. Vor ein paar Jahren mussten die Kondensatoren gewechselt werden, bei der Gelegenheit wurden auch noch ein paar Riemen getauscht. Ansonsten geht noch alles wie am ersten Tag, sogar die Birnchen brennen noch alle.
Was ich sagen will: man muss wie wir mit der Technik groß geworden sein, alternativ dazu ein großes Interesse an historischer Technik haben, um das in einen Kontext zu stellen. Sonst geht einem der Bezug zu diesen technischen Meisterwerken verloren. Eine heute leider weit verbreitete Erscheinung.
Eine Frage hätte ich noch, da hier wie ich sehe gleich zwei ehemalige UHER - Mitarbeiter sind. Könnt ihr mir was zu meinem Royal sagen? Auf den "klassischen" Websites finde ich nur sehr wenig drüber. Ich konnte gerade noch rausfinden, dass es 1967 ca. DM 900,-- kostete und die zweite, verbesserte Stereo-Ausführung war. Das war damals ein Haufen Schotter! Es hat schon ein etwas kantiges Design, mit gebürsteter Alu-Front und Holz-Seitenbacken, die Staubschutzhaube ist dunkel getönt. Die Jugend steht oft fassungslos davor: "Was bitte ist das denn?". Aber die wissen oft nicht einmal, was ein Plattenspieler ist. Das einzige, was mir noch fehlen würde, wäre ein Kopfhörer mit DIN-Stecker. Sind uferlos schwer zu kriegen. 'Das ist aber kein Beinbruch, mit Adapter und einem brauchbaren KH (ich hab ein paar von Sony, Beyer usw.) klingts auch ganz gut. Reine Stilfrage.
Also Jungs: freuen wir uns weiter an dieser schönen, soliden alten Technik. Deswegen muss man ja kein Feind neuer Technik sein.
Grüße
Olsoundb
Life is NOT about FINDING yourself. It is about CREATING yourself!
DB
Inventar
#25 erstellt: 09. Aug 2014, 09:59
Hat der Sony Walkman denn keine gegenläufigen Schwungmassen, um das Leiern zu kompensieren? Ich meine, wenn das schon ende der 60er Jahre dieser steinalte KT100 aus dem Land der Mangelwirtschaft hatte ...

MfG
DB
DOSORDIE
Inventar
#26 erstellt: 09. Aug 2014, 10:01
Ich vergess ja als die Hälfte...

Ja Anslem, das ist ja das, was ich im Bandmaschinenforum immer sehe. Der Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen.

Man muss ja auch mal sehen wie viel Geld Jemand zur Verfügung hatte, was für einen Anspruch er hat und dass es damals wenig Alternativen gab. Heute kann man groß labern, weil man für 250 Euro schon eine Maschine der damaligen Königsklasse bekommt, dann sagt man einfach Uher, Telefunken, Grundig und Philips sind Schrott.

Aber man muss eben realistisch sein und die Neupreise vergleichen. So ein Uher Royal Deluxe war zwar die Königsklasse bei Uher, aber nicht mit einer viel teureren japanischen 3 Motoren Maschine zu vergleichen. Bei Uher waren die HiFi tauglichen Endstufen und sämtliche Trickmöglichkeiten schon drin, während die japanischen Maschinen bei 2000 Mark und mehr anfingen und keinen Verstärker integriert hatten, dazu kosteten Dinge wie eine Aussteuerungsautomatik oder Trickschaltungen oft Aufpreis, die deutschen Maschinen schalten die Monospur gleich von sich aus auf beide Kanäle, während die japanischen Geräte meistens gar keinen Spurwahlschalter hatten, denn der war bei denen ja am Verstärker, der dann noch mal Tausende von DM gekostet hat. Sowas hätte sich ein jugendlicher HiFi Freund oder ein normal Verdienender meist gar nicht leisten können und klanglich nehmen sich die kleinen Deutschen und die Großen Japaner nicht viel, jedenfalls nicht hörbar und bei AKAI muss man auch sagen, dass da bei den frühen Geräten immer ein sehr lautes Gegensprechen zu hören ist - auch bei 9,5 cm/sec, was bei den Deutschen - wesentlich günstigeren Geräten in diesen Ausmaßen nicht der Fall ist.

LG, Tobi
DOSORDIE
Inventar
#27 erstellt: 09. Aug 2014, 10:03
Hä? Der Walkman leiert doch gar nicht, das behauptete nur der Reporter vom hr. Der hat nen wunderbaren Gleichlauf, sogar wenn er bewegt wird, dafür sorgt sein Scheibenantrieb, der braucht keine gegenläufige Schwungmasse, weil er gar keinen Riemen hat...
hifi-collector
Stammgast
#28 erstellt: 09. Aug 2014, 10:26
@Anselm,

eine tolle Homepage, die Du da aufgebaut hast. Man merkt sofort, dass da eine Menge Herzblut und Erinnerungen drin stecken. Tonbandgeräte waren in den 60er Jahren absolut hip und viele Familien benutzten damals ein solches Gerät, um bleibende Erinnerungen zu schaffen. Mein Großvater hatte ein Grundig Gerät und mein Vater eines von Philips. Die Philips Maschine konnte sogar gekaufte Stereobänder wiedergeben, wenn man sie an ein Dampfradio anschloß. Der eine Kanal kam über den eingebauten Lautsprecher des Tonbands und der andere über das Dampfradio. Ich erinnere mich an ein Band, auf dem meine Eltern nahezu vergeblich versuchten, mich zum Quasseln zu bringen, um meine Stimme als Kleinkind zu dokumentieren. Lang ist es her, damals war mein Interesse an Bandmaschinen noch nicht geweckt und deshalb blieb ich stumm.

Mein erstes, intensiveres Interesse an der Schnürsenkeltechnik begann mit dem Besitz eines tragbaren Schaub Lorenz SL-52 Kassettenrekorders, mit dem ich aus dem Fernsehen per Mikrofon erste Schlagersendungen, Disco mit Ilja Richter und dann Otto Shows aufnahm. Das muss in den frühen 70ern gewesen sein. Danach folgte zur Konfirmation die erste Stereoanlage, ein Plattenspieler von Quelle mit integriertem 2 x 10 Watt Hifiverstärker und Quelle Boxen (der Inhalt war von Pioneer). Dazu später ein billiges Universum Stereo Kassettendeck, ein Toploader mit dem sagenhaften Frequenzgang von 80 - 8000 Hz. Und danach kam der erste echte Hifi Receiver von Saba, fernbedienbar per Ultraschallgeber. Auch ein klappernder Schlüsselbund konnte das Teil fernbedienen. Dazu ein Dual 1228 Plattenspieler und meine erste Bandmaschine, eine Telefunken 3002, gekauft bei Brinkmann. Die war aber während der Garantiezeit dauernd defekt und wurde dann nach 3 erfolglosen Reparaturen gegen eine Philips Plastikbeule N4406 umgetauscht. Die hatte Unmengen an Gedöns und Schaltern dran, war aber trotz ihres Leichtgewichts von ca. 10 kg tatsächlich relativ standfest.

Uher Royals kamen für mich damals nicht in Frage, die hatten ja nur einen Motor mit Unmengen an Treibriemen und Gummirädchen. Drei Motoren, 3 Köpfe und elektronische Bandsteuerung waren ca. 1975 schon Stand der Technik. Uher kam da leider nicht mit, die haben das verschlafen bis zur Einführung der Logic. Danach folgten bei mir gebrauchte Maschinen: eine Akai GX 210 vom Sperrmüll, eine Revox B77MKII und dann endlich eine lang ersehnte Technics RS-1700. Parallel hatte ich immer Kassettenrekorder im Einsatz, meist von Nakamichi, Pioneer oder Akai. Die benutzte ich, um die besten Stücke aus kompletten Radiosendungen vom Tonband zu kopieren. Die Akai und die Technics habe ich heute noch, ebenso einige andere Maschinen wie ASC 6000, Braun TG 502, Saba 600SH, Revov A77, Revox G36, Pioneer RT-909, RT-707 und einige andere. Einige Uhers habe ich auch früher mal gekauft, wenn ich sie billig bekommen habe. Aber die Technik der kleinen Uhers ist mir nie ans Herz gewachsen, die waren mechnisch einfach zu anfällig. Das hätte man alles mit drei Motoren und elektronischer Steuerung besser und standfester hinbekommen können. Die großen Logic Maschinen waren dann endlich mit 3 Motoren ausgestattet und nett anzuschauen, aber durch den unzuverlässigen Omega Drive leider nur Murks.

Aber eine Uher habe ich natürlich in meiner Sammlung: Eine Report 4400. Und die bleibt auch hier. Auf die Reports lasse ich nichts kommen. Die waren schön und robust gemacht, eben Profi Technik für den mobilen Einsatz. Na gut, Nagra oder Stellavox waren noch einen Tick professioneller, die kosteten aber auch mehr als doppelt so viel.

Heute, als passionierter Hifi Sammler schreibe ich Artikel für die Analog (Zeitschrift der AAA, die das Analogforum betreibt) und setze mich in meiner Freizeit für das Hobby Hifi Klassiker ein. Im Moment bastele ich an einem Kalender für die AAA mit klassischen Hifigeräten und hoffe, diesen bis zum großen Treffen in Krefeld (erstes Novemberwochenende) fertig zu haben. Darin kommen auch zwei bis drei Bandmachinen aus meiner Sammlung vor. In Krefeld werde ich wieder in unserem Vintageraum eine klassische Stereoanlage ausstellen, diesmal mit den Schwerpunkten aus Deutschland. Daneben gibt es von Michael Fehlauer eine klassische japanische Anlage, in Mono und Stereo. Wahrscheinlich gibt es auch einen kleinen Workshop mit dem ungefähren Thema "Tipps und Tricks zur Aufarbeitung einer Revox A77", wahrscheinlich mit Uli Apel und mir. Das muss aber noch genauer geklärt werden.

Wer möchte, ist herzlich nach Krefeld eingeladen. Das Analogforum ist immer eine Reise wert und der Eintritt kostet nichts. Und natürlich gibt es wieder ohne Ende Lakritzschnecken in allen Varianten (auch ohne Lakritz) zum Schnabulieren umsonst.

Gruß

Andreas
ars_vivendi1000
Inventar
#29 erstellt: 09. Aug 2014, 11:03
DOSORDIE
Inventar
#30 erstellt: 09. Aug 2014, 11:18
Wie ist das eigentlich mit dem Omega Drive? Gibt es bis auf eine Einzige Maschine von Jemandem, der etwa 5 davon hatte und das mal irgendwo im Forum gepostet hat noch irgendwo ein funktionierendes Exemplar, das keine Probleme mit Gleichlaufschwankungen hat? Der Ansatz war ja gut, aber es ist schon ein Jammer, dass Uher sowas wirklich verkauft hat, entschädigt worden ist da wohl Niemand so wirklich.

Naja ich würde sagen die komplette Deutsche Konsumerklasse hat diesen Aufsprung verpasst. Von Philips und Grundig gibts ja auch nur so 2 bis 3 Geräte mit 3 Motoren, bei AEG Telefunken gabs das nur im Profibereich, was bleibt da auf dem Deutschen Markt noch, bis auf Revox? Und die haben das ja von Anfang an so gemacht.

Gab es noch andere Ansätze auf eine Andruckrolle zu verzichten? Ich frage mich immer warum es keine Versuche gab Alles komplett per elektronischer Bandzugregelung zu machen mit Tacho am Tonkopf, über Quartz Steuerung sollte das Gerät doch dann komplett ohne Capstan auskommen können, oder? Wenn man das ausklügeln würde könnte man doch auch komplett ohne Bremsen arbeiten, indem das Drehmoment zwischen linkem und rechtem Motor ständig überwacht und verglichen wird. Wäre sowas nicht auch mit damaliger Technik schon mit einem akzeptablen Gleichlaufwert möglich gewesen? Bis auf 2 Führungsrollen vor und hinter dem Bandlauf wären so bis auf die Köpfe keine Verschleissteile mehr im Weg und das Band würde auch geschont.

Ich finde den Omega Drive nicht so attraktiv, die Idee ist zwar gut, aber durch den mechanischen Aufwand spart man hinterher eigentlich nix an Verschleissteilen.

LG, Tobi
DB
Inventar
#31 erstellt: 09. Aug 2014, 11:45

DOSORDIE (Beitrag #30) schrieb:

Von Philips und Grundig gibts ja auch nur so 2 bis 3 Geräte mit 3 Motoren, bei AEG Telefunken gabs das nur im Profibereich, was bleibt da auf dem Deutschen Markt noch, bis auf Revox? Und die haben das ja von Anfang an so gemacht.

Pellegrinetti, Sachsenfunk, Gülle & Piniek, Brause zum Beispiel.


DOSORDIE (Beitrag #30) schrieb:

Gab es noch andere Ansätze auf eine Andruckrolle zu verzichten? Ich frage mich immer warum es keine Versuche gab Alles komplett per elektronischer Bandzugregelung zu machen mit Tacho am Tonkopf,

Und was willst Du da vom Band erfassen?


DOSORDIE (Beitrag #30) schrieb:
über Quartz Steuerung sollte das Gerät doch dann komplett ohne Capstan auskommen können, oder?

Nein, wie auch?


DOSORDIE (Beitrag #30) schrieb:
Wenn man das ausklügeln würde könnte man doch auch komplett ohne Bremsen arbeiten, indem das Drehmoment zwischen linkem und rechtem Motor ständig überwacht und verglichen wird.

Wozu? Bremsen (auch für den Stillstand) kann man ganz elegant rein elektrisch.

Die R700 kommt Deinen Vorstellungen am nächsten. Kannst ja mal schauen, ob Du irgendwo eine erwischst und überholst die. Das elektrische Zeug sind alles Standardbauteile.


MfG
DB
hifi-collector
Stammgast
#32 erstellt: 09. Aug 2014, 11:55

DOSORDIE (Beitrag #30) schrieb:
Naja ich würde sagen die komplette Deutsche Konsumerklasse hat diesen Aufsprung verpasst. Von Philips und Grundig gibts ja auch nur so 2 bis 3 Geräte mit 3 Motoren, bei AEG Telefunken gabs das nur im Profibereich, was bleibt da auf dem Deutschen Markt noch, bis auf Revox? Und die haben das ja von Anfang an so gemacht.


Naja, es gab schon ein paar mehr europäische Consumergeräte mit 3 Motoren. Philips hatte etliche im Programm, so z.B. alle Maschinen der N45XX Serie, einige Vorläfer davon, alle Philips Großspuler, Grundig TS 1000 und ein paar kleinere Grundigs, die von mir erwähnte Telefunken M 3000 bzw. 3002 etc.. Außerdem ASC (alle Maschinen), Braun (alle Maschinen), Saba (600SH), alle Revox (36er Röhrenserie, A77, A700, B77 etc.), englische Ferrographs, viele Tandbergs und die Uher Logics. Die deutschen Hersteller hinkten aber den Japanern hinterher, die seit Mitte der 70er den Markt mit wirklich robusten, schönen und tw. preisgünstigen Maschinen überschwemmten.

Gruß

Andreas
olsoundb
Stammgast
#33 erstellt: 09. Aug 2014, 12:02
Wovon heute auch kaum noch jemand was weiß: gerade in den Tonstudios und den Radiosendern waren Bandmaschinen doch unverzichtbar. Wie viele Platten-Matrizes wurden denn von den großen TEAC - 8-Spur Bändern gemastert? Oder die wirklich seltenen, teuren Firmen, die spezielles Tonstudio- Zubehör bauten. Kennt noch jemand die Riesenteile von DOKORDER oder ASC? Ein Kumpel von mir hat noch eine ASC 4-Spur rumstehen, aber die hat er mir nur ein einzigesmal gezeigt - und das ist über 10 Jahre her. Ansonsten hütet er das Teil und etliches Anderes wie einen Schatz. HiFi war mal was Exklusives. Überhaupt HiFi - was ist das denn genau? Eine Ansammlung minimal zu erfüllender Messwerte... Die HiFi-Norm gibts ja ohnehin nur in good old Germany. Yamaha z. B. nennt das "Natural Sound". Was bei denen nicht die gewünschten Vorgaben erfüllt, kriegt dieses Siegel auch nicht drauf gepappt. Spulengeräte gab es lange VOR dieser babylonischen Bezeichnungs-Vielfalt. Und für gute Qualität bei A/W waren sie unverzichtbar. Eine gut gewartete und hochwertige Spulen-Maschine hat heute noch eine höhere Dynamik als jedes Cassettendeck, auch der besten und teuersten. Nicht mal vor CD braucht es sich zu verstecken! Ich hör schon auch Cassette und Platte (und CD und MP3), aber wenn das Uher läuft... da rieseln einem immer wieder wohlige Schauer über den Rücken.
Grüße
Olsoundb
Life is NOT about FINDING yourself. It is about CREATING yourself!
hifi-collector
Stammgast
#34 erstellt: 09. Aug 2014, 12:31
Naja, mit 8-Spur Recordern kam man seiner Zeit nicht besonders weit. In richtigen Studios wurden meist 24 Spur Mastermaschinen von Studer, Tascam oder anderen Nobelherstellern verwendet. Wer sich dafür interessiert, sollte sich mal den Film "Real to Reel" von David Grohl besorgen. Der handelt von Sound City, einem der bekanntesten Tonsudios in den USA, wo viele Größen des Rock und Pop ihre Aufnahmen produziert haben. Das alte Neve Mischpult uas dem Studio hat bis heute überlebt und im Film wird gezeigt, wie es wieder zu neuen Ehren kam. Stars wie z.B. Stevie Nicks von Fleetwood Mac oder Sir Paul Mc Cartney haben mit rein analoger Technik (u.A. Studer 24 Track Maschinen) ein geiles Album aufgenommen und die alte Technik damit hochleben lassen. Film und Album sind absolut sehens- und hörenswert. Für weitere Infos einfach mal googeln. Natürlich gibt es das Album auch als Doppel LP.

Gruß

Andreas

PS Dokorder war keine besonders renomierte Firma. Auch wenn die Maschinen wirklich gut waren, an den Nimbus anderer Hersteller kam Dokorder nicht heran.
Anselm_Rapp
Ist häufiger hier
#35 erstellt: 09. Aug 2014, 12:37
Hallo und danke für Eure interessanten Beiträge, die ich sicher nicht detailliert beantworten muss. Aber auf einige Punkte gehe ich ein:

@DOSORDIE: Stasi kauft beim Klassenfeind: Beim Geld hört die Feindschaft auf. Was ständig bei Waffenexporten und jetzt gerade wieder bei Hollandes Kriegsschiff bewiesen wird. - Die aus Paketen geklauten Cassetten sind ja ein dicker Hund. - CVJM und BB-Gottesdienst gefallen mir; ich bin auch bei dem "Verein" engagiert.

@olsoundb: Ich könnte fast ein Buch herausgeben mit Berichten von heute noch glücklichen und zufriedenen Besitzern uralter Uher-Tonbandgeräte. Das sollen uns die heutigen Wegwerfgerätehersteller mal nachmachen. Aber wirklich kaum noch jemand lässt Geräte nach Ablauf der Garantiezeit reparieren oder versucht es gar selbst. - Zwei ehemalige UHER-Mitarbeiter - hier im Thread? Was habe ich verpasst? - Was genau möchtest Du zu Deiner Royal wissen? Für mich ist es schon sehr lange her, aber die Quelle ist wirklich das Bandmaschinenforum, und damit noch mal zu ...

@DOSORDIE: Bis auf einige traurige Ausnahmen lasse ich auf das das Bandmaschinenforum nichts kommen. Sehr viel Wissen, sehr viel Hilfsbereitschaft. - Nachdem ich nie ein japanisches Tonbandgerät (auch nur in Betrieb) hatte, höre ich erstmals, dass die sich viele Extras extra bezahlen lassen. Interessant!

@hifi-collector: Danke für die Anerkennung meiner UHER-Erinnerungen. Ja, es steckt einige Arbeit drin, hat mir aber auch viel Spaß gemacht (und auch begeisterte Kundenberichte eingebracht). Und danke für die Anerkennung Deines Report. Da hatte ich mit großer Sicherheit "die Finger drin". - Apropos Erinnerungen: Mit ein paar Mit-Jugendlichen habe ich noch mit meinem ersten Siemens-Grundig-Gerät ein Hörspiel aufgenommen. Darin mussten etliche Passagen mit Hall aufgenommen werden. Technisch konnte meine Kiste das natürlich nicht. Also sind wir jedes Mal mit Sack und Pack in den hallenden Müllkeller gestiegen, haben aufgenommen, sind wieder zu mir hoch und, und, und. Ich Depp habe das Hörspiel mal zu Gunsten von Musik gelöscht. - Vom Analog-Forum hatte ich noch nie gehört. Es tut sich doch noch viel auf unserem Gebiet. Krefeld ist mir leider zu weit.

@DOSORDIE: Über den Omega Drive kann ich leider nichts sagen. Meine Domäne war wirklich das Report. - Revox auf dem deutschen Markt ist Schweizer.

@olsoundb: Wohlige Schauer durch Uher, das ist gut!

Jetzt tun mir bald die Finger weh. Mein ursprüngliches Anliegen dürfte absolut erreicht sein. Aber es hat sich eine interessante Diskussion ergeben. Schön.

Gruß, Anselm
DOSORDIE
Inventar
#36 erstellt: 09. Aug 2014, 12:38
Höhere Dynamik auf Band ohne Kompander als die CD? Am Besten noch 4 Spur bei 9,5 cm/sec?!

Wenn ich das schon wieder höre. Selbst meine PR99 MK III hatte auf 38 cm/sec keine höhere Dynamik, zwar war der Unterschied zwischen Vor und Hinterband überhaupt nicht mehr wahrnehmbar, aber ein deutliches Rauschen (wenn auch leiser als bei Cassette, Platte oder Heimtonbändern) war immer vorhanden und Kompander verändern das Signal immer noch zusätzlich.

Na klar bekommt man Gefühle, wenn die Bandmaschine läuft, sie sieht halt einfach schön aus und macht was her, aber ausserhalb der 2 Spur Technik und unterhalb 19 cm/sec sind Tonbänder weder von der Dynamik noch vom Frequenzumfang her der Cassette überlegen (allerhöchstens was Dropouts angeht) und den digitalen Medien auch für 100.000ende von Euro nicht, das war mal bis Mitte der 70er so und von Digital brauchen wir hier erst gar nicht anfangen, das ist einfach Quatsch.

Mir fällt sehr oft auf, dass viele Leute, die von Dynamik sprechen gar nicht wissen, was das eigentlich bedeutet, das fällt nämlich auch oft in Verbindung mit den Loudness Monstern von Musiktruhen oder den alten deutschen Verstärkern wo serienmäßig die Loudness eingeschaltet ist und da wird dann auch gern geschimpft, dass die japanischen Geräte ja alle so dünn klingen und keine Dynamik haben... Man darf nicht vergessen, dass gerade Dynamikkompression und Lautheit so wie der brachiale Klang von günstigeren Boxen oftmals einen Eindruck von Dynamik vermittelt, so ist es ja auch im Radio, die lautesten Stationen klingen im ersten Moment immer am Klarsten und Fettesten, hr2 oder Deutschlandfunk wirken dagegen dann leise, farblos und dünn.

Man braucht sich nur mal die technischen Daten von Heimtonbandgeräten und Tapedecks ab den 80er Jahren ansehen, ich spreche nicht von großspuligen 2 Spurern mit 38 cm/sec, aber der CD und auch guten mp3s sind sie ALLE unterlegen.

@hifi-collector: Es war ja nicht von europäischen Geräten die Rede, echt? Es gab kleine Grundigs mit 3 Motoren? Wie hießen die denn? Mir sind nur 3 bekannt und die sind beide Geschwister der TS 1000.
olsoundb
Stammgast
#37 erstellt: 09. Aug 2014, 16:01
@Dosordie. Was ist bloß los mit euch Moderatoren? Bitte GENAU lesen, wenn ihr schon Zitate aus dem Kontext reißt. Bist nicht der Einzige. Dass die Spule eine höhere Dynamik als die CD hat, habe ich nie geschrieben! Ich sprach explizit im Vergleich zur Cassette! Und weiter: " .. vor der CD braucht sie sich nicht zu verstecken...". Was ja wohl schon eine Einschränkung ist, oder nicht? Also bitte: etwas mehr Sorgfalt. Z. B. bei dem Punkt, dass meine Bänder zwar meist mit mit 9,5 cm laufen, aber das stand ja nicht im Zusammenhang mit der Dynamik. Mit 19 cm/sec. ist halt auch so eine große Spule schnell durch. Eine Zeit lang hatte ich ein TEAC mit 27er Spulen, das ließ ich meist mit 19cm laufen. Aber das war irgendwann hin und durchgehalten bis heute hat nur das Royal.

Und an Anselm: ich hätte gern alles an technischen Daten über das Uher, was nur grade verfügbar ist. Wie gesagt, im Band-Forum las ich mal, dass es da einen Ur-Typ gab, der dann zu der Form entwickelt wurde, die ich hier rumstehen habe. Eine weitere Verbreitung erlangte das Royal ja erst, als es in dieses uferlos häßliche, schwarze Plastikkorso mit ein paar schreiend bunten Knöpfen gepresst wurde. Wer's mag... Ich steh mehr auf die kühlen, auf den ersten Blick die Technik erahnend lassenden Gehäuse der frühen High-Tech Generationen. Diese mächtigen Kästen, gekleidet in Metall, dicke Alufronten und Holzwangen oder gleich komplette Wood-Cases. Noch mal zum Uher: gibts irgendwo eine BDA, vielleicht als pdf? Wäre nicht verkehrt.
Grüße
Olsoundb
Life is NOT about FINDING yourself. It is about CREATING yourself!
DB
Inventar
#38 erstellt: 09. Aug 2014, 16:19

olsoundb (Beitrag #37) schrieb:
Mit 19 cm/sec. ist halt auch so eine große Spule schnell durch. Eine Zeit lang hatte ich ein TEAC mit 27er Spulen, das ließ ich meist mit 19cm laufen.

Ach naja. 19cm/s, da läuft ein 30cm-Wickel etwa 90min. Das ist doch ganz nett.

MfG
DB
DOSORDIE
Inventar
#39 erstellt: 09. Aug 2014, 16:28
Also ich fahre auch nur 9,5 cm, wie gesagt, 4 Spur, bei 19 cm/sec nervt mich das Gegensprechen, bei 9,5 ist kein Hörbares da, dafür nehme ich den leichten Höhenabfall in Kauf und so ein Endlosband kann man den ganzen Tag laufen lassen, ohne 1 Mal umzudrehen, wenn man Autoreverse hat, also unter normalen Umständen meine ich. Wenn ich um halb 3 von der Arbeit komme höre ich ja nicht 6 1/2 Stunden Musik, für die Zeit ist das schon beeindruckend und soweit ich weiß gabs da, was die Laufzeit angeht keine Alternative zum Tonband, erst mit Aufkommen der HiFi Recorder, die auf 4 Stunden Cassetten in Longplay 8 Stunden HiFi Ton aufnehmen konnten, aber das ging auch erst ab 1984.

@olsoundb, da haben wir uns falsch verstanden, bzw. ich dich. Sorry. Natürlich brauchen sich die alten Geräte nicht zu verstecken, gut genug um auch höheren Ansprüchen gerecht zu werden sind sie meiner Meinung nach auch. Denn die beste Digitalquelle nützt ja nix, wenn die Lautsprecher schlecht sind, da kommt man mit einem anständigen Tonbandgerät und guten HiFi Boxen echt weiter. Das mit der TEAC ist aber sehr bedauerlich, die hätte man bestimmt wieder gut richten können, aber das ist ja immer so ein Glücksfall, die Mechanik der Royal Deluxe ist auch nicht ohne.

Mir sind laufend die Grundig Geräte verreckt, aber so ein TK 600 hätte ich immer noch gern, das hat noch diese 60er Jahre Röhrengemütlichkeit obwohl es ein Transistorgerät ist, aber schon das funktionale-kastige Design der 70er.

Übrigens: Ich bin gar kein Moderator ;-), ich habe im Moment nur massig Zeit weil ich die Woche krank war und noch nicht so ganz wieder auf dem Damm, so langsam fällt mir die Decke auf den Kopf und ich entwickle ein Übermaß an Energie... ^^

LG, Tobi
hifi-collector
Stammgast
#40 erstellt: 09. Aug 2014, 16:41
"@hifi-collector: Es war ja nicht von europäischen Geräten die Rede, echt? Es gab kleine Grundigs mit 3 Motoren? Wie hießen die denn? Mir sind nur 3 bekannt und die sind beide Geschwister der TS 1000."

@Dosordie: Und genau die meine ich, TS-925 und TS-945. Sie waren vom Laufwerk ähnlich zur TS-1000 aufgebaute Maschinen mit 3 Motoren, hatten aber ein kleineres Gehäuse und fassten nur maximal 22er Spulen. Ich meine auch, dass der innere Aufbau der Elekronik verschieden war. Die TS-1000 hatte die Elektronik weitgehend auf Steckkarten und sie war optional mit Dolby Karten aufrüstbar. Ihr Kopfträger war zudem auswechselbar, es gab sogar einen Auto-Reverse Träger. Revox war eine Schweizer Firma, die aber tw. in Deutschland fertigte. Und Philips waren Holländer mit tw. belgischer Fertigung. Deshalb mein Ausflug in europäische Gefilde, Du hattest ja Revox und Philips explizit in Deine "deutsche" Argumentation mit eingeschlossen.

Das große Manko an den meisten Bandmaschinen aus deutscher Produktion war der tw. fipsige Aufbau mit viel Plastikgedöns und billigen Flachbahnreglern, die gerne mal abbrachen. Alles in allem kein hochwertiger deutscher Maschinenbau. Lediglich die Maschinen der Braun/ASC Reihe machten da tw. eine Ausnahme. Sie waren recht robust aufgebaut. Angefangen bei den Ahnen TG-60, TG 502/504/550 (komplett aus Stahl/Alu) über die TG-1000 Reihe (Stahlblech/Alu/ABS Kunsstoff) zur ASC 5000er Serie (Holz/Stahlblech/ABS) bis hin zur großen ASC 6000er Serie (Holz/Stahlblech/ABS) wurde die Verarbeitung/Haptik zwar billliger, war aber dennoch noch gut.

Ich habe nahezu alle Amateur/Semiprofikisten großen und mittleren Formats in meiner Hobbykarriere auf dem Tisch gehabt, inklusive Saba, Philips, Uher, Grundig, Braun, ASC, Tandberg, Akai, Sony, Technics, Ferrograph, Dokorder, Revox, Heru/Marlux etc. Gegen die großen Japaner von Teac, Technics, Sony und eingeschränkt Akai etc. kamen die deutschen Kisten einfach von der Verarbeitung her nicht an.

Gruß

Andreas


[Beitrag von hifi-collector am 09. Aug 2014, 16:47 bearbeitet]
0300_Infanterie
Inventar
#41 erstellt: 09. Aug 2014, 17:05
Ich hab nur noch zwei Maschinen ... komplett kompatibel da nahezu baugleich (B77 MK I und PR99 MK III) ... hier wird nur 19cm gefahren in Halbspur.
Sound passt und mir macht es Spaß ... manches Album kling mir analog aufgenommen besser in den Ohren, ich genieße auch die lange Spielzeit ohne Plattenumdrehen oder Kassette umdrehen ...
Meist nehme ich aber keine Alben auf, sonder mach mir "Best-Of-Bänder" ... und ja, ist ein teures Hobby, aber die 300 Bänder hab ich halt schon
olsoundb
Stammgast
#42 erstellt: 09. Aug 2014, 18:28
@Dosordie. War keine persönliche Kritik oder gar ein Angriff von mir. Es ist nur so, dass seit einiger Zeit etliche Moderatoren verbal über die Stränge schlagen. Mich persönlich hat vor gar nicht allzu langer Zeit einer öffentlich als Volldepp hingestellt und das mit einer wie sich später herausstellte völlig falschen Interpretation und rein auf Grund seiner subjektiven Meinung. Ich bin ja nicht nachtragend, aber vergessen tu ich auch nicht so schnell. Selbst eine höfliche Korrektur wurde dann insofern abgeschmettert, als der Typ seine Anhänger - die ihm auf Grund der protzigen Präsentation seines hauptsächlich aus dem Netz gesaugten Wissens wie die Lemminge nachlaufen - auf mich hetzte. Seitdem bin ich etwas sensibilisiert. Auf eine Entschuldigung warte ich noch heute. Und mittlerweile gibt es da eine ganz schöne Lobby von Foren-Usern, die ähnlich negative Erfahrungen machten.
Umgekehrt biete ich jetzt meine Entschuldigung an. Hab bei deiner Bemerkung überreagiert. Warum weißt du ja jetzt. Also nix für ungut.
Und an die Anderen: es hat wohl keiner von uns Berührungsängste mit der modernen Technik. Aber langsam kommen wir vom Thema weg: die Spule war in den 60er Jahren ein Boom, kein Zweifel. Und auch der Vorläufer für alle mechanischen Speichermedien, aus denen schließlich die Cassette hervorging und jahrzehntelang ihre führende Marktposition behauptete. Man müsste das Ganze in einen kommunikationsbezogenen historischen Kontext stellen, um zu ergründen, wie und warum sich das alles so entwickelte. Aber da käme man vom Hundertsten ins Tausendste - und noch weiter. Lassen wir es mal dabei: so lange es Musik von der Konserve gab, wollte so ziemlich jeder "normale" Bürger auch entsprechendes Zubehör haben. Die rasante Entwicklung der Technik und langsam, aber stetig sinkende Preise sorgten dann für eine größere Verbreitung. Gibt ja auch noch andere Gründe, etwa die Größe der Geräte. Für den Transport ist ein Tonband nur bedingt geeignet. Ich hatte auch mal so ein tragbares Teil von Grundig, mit... was waren das jetzt? 12 oder gar nur 9 cm-Spulen? Ist zu lange her, dass ich den Batteriefresser mitschleppte. Weiß es schon nicht mehr genau. War auch nur Mono. Hat nicht lange durchgehalten; na ja, ich war da grade mal ein pubertierender Teenie.
Jedenfalls hat das Spulentonband mit Sicherheit sein Teil zum HiFi-Boom der 60 er Jahre beigetragen.
In diesem Sinne liebe Grüße an alle.
Olsoundb
Life is NOT about FINDING yourself. It is about CREATING yourself!
hifi-collector
Stammgast
#43 erstellt: 09. Aug 2014, 18:40
Und ich will morgen ein schönes Foto meiner Ferropgraph Logic 7 machen. Mit Spulen und Bändern muss ich ca. 28 kg auf mein Fotorack heben! Was tut man nicht alles für sein Hobby.... Hoffentlich halten meine Bandscheiben das aus! Gut, dass die RT-909 schon verewigt ist, die wiegt auch nicht viel weniger.

Gruß

Andreas
olsoundb
Stammgast
#44 erstellt: 09. Aug 2014, 18:49
@ hifi-collector. Du hast da eine recht interessante Bemerkung gemacht: die "Braun / ASC...". Wurden die ASC von Braun gebaut? Braun hat bekanntlich viel Studiotechnik fabriziert. Wäre jetzt interessant zu wissen, ob das Werk von ASC in Aschaffenburg ein Braun-Ableger war. Interessiert mich rein persönlich.
Grüße
Olsoundb
Life is NOT about FINDING yourself. It is about CREATING yourself!
P.S: Grüße an deine Bandscheiben. Willkommen im Club, ich leide mit dir!
hifi-collector
Stammgast
#45 erstellt: 09. Aug 2014, 19:56
@Olsoundb: Nein, ASC war kein Ableger von Braun. Soweit mir bekannt, sind die Entwickler der Braun Bandmaschinen zu ASC gegangen, nachdem Braun die Produktion der TG1000/1020 eingestellt hat. Und da sind dann die ASC 5000 und ihre Derivate bzw. ihre Nachfolger der 6000er Serie entstanden. Ich vermute aber stark, dass ASC oder eine Vorläuferfirma die Laufwerke und Laufwerkselektroniken der Braun Bandmaschinen gebaut hat. Denn alle Laufwerke der Braun (ab TG 1000) bzw. ASC Bandmaschinen und auch der ASC Sprachlabormaschinen ähneln sich im Laufwerkskonzept bestehend aus 2 Papst Außenläufer Wickelmotoren und einem elektronisch geregelten Siemens Gleichstrommotor für die per Riemen angetriebene Capstanwelle. Die frühen Bandmaschinen (Braun TG 60/502/504/550,TG 1000/1020, wahrscheinlich ASC 5000er Reihe, ASC Sprachlabormaschinen) waren relaisgesteuert. Ich meine, ab der ASC 6000 sind die Laufwerke über IC/Transistoren gesteuert. Bin mir aber nicht mehr so sicher, müsste mal wieder in meine AS 6000 reinschauen. Ach ja, die frühen und heute seltenen Braun Bandmaschinen (TG 60 - 550) haben einen riesigen Wechselstrommotor für den Capstanantrieb. Da ist irgendwie Evolution drin in der Laufwerksentwicklung. Ich vermute sogar, dass die Laufwerke ursprünglich für die militärische Nutzung entwickelt wurden. So entstammt das Laufwerk der Saba 600SH Bandmaschine z.B. ursprünglich einem Aufnahmegerät aus einem deutschen U-Boot.

Gruß

Andreas
detegg
Inventar
#46 erstellt: 09. Aug 2014, 20:41
Moin zusammen,

kann es irgendwie sein, das hier "Inventar" und "Moderator" verwechselt werden?

@ olsoundb

Es ist nur so, dass seit einiger Zeit etliche Moderatoren verbal über die Stränge schlagen.

Hast Du gerade mal bitte ein Beispiel parat?

Detlef
olsoundb
Stammgast
#47 erstellt: 10. Aug 2014, 07:43
Morgen zusammen. @ detegg: ja, war mein Fehler. Hab "Inventar" und "Moderator" verwechselt. Das hab ich aber schon geklärt.
Namen nenne ich nicht, genau wie die Anderen, die sich wegen so was mit mir in Verbindung gesetzt haben. Und Beispiele gibts genug. Momentan ist zwar keiner von uns betroffen (damit meine ich die Foren-User, die erst mal den Kopf schütteln, wenn sie wieder unqualifiziert angegangen werden). Wenn es mal noch aktuell werden sollte, dann wende ich mich an dich, ist das okay? Es wurde schon mehrfach die Frage gestellt, wer eigentlich die Moderation moderiert. Aber wir sind ja vernünftige Leute.
Schönen Sonntag zusammen
Grüße an alle
Olsoundb
Life is NOT about FINDING yourself. It is about CREATING yourself!
0300_Infanterie
Inventar
#48 erstellt: 10. Aug 2014, 15:29
Ja, die Firma war bei mir in Aschaffenburg/Goldbach zu hause ... offenes Geheimnis, dass da tie Tonbandkompetnez von Braun abgewandert ist.

Was mich an den 6000er ASC so fasziniert sind die drei Geschwindigkeiten ... nicht, dass ich´s bräuchte, aber für Fremdbänder ist das fein!
Zweck0r
Moderator
#49 erstellt: 10. Aug 2014, 17:52

Anselm_Rapp (Beitrag #9) schrieb:
Die Variocord 263 war kein Spitzengerät.


Dafür schön stabil, die Bremsen taten einfach, was sie sollten. Beim TK 745 musste ich mehrmals diese seltsamen Bindfadenbremsen und die Gummiräder reinigen, und auch Federn kürzen, weil die Bremsen zu lasch wurden und die Räder statt der Rutschkupplung durchrutschten.

Dafür war der olle Plastikdreher bei den Uhers eine Zumutung. Für die winzige Größe viel zu schwergängig, da sind die großen Gussdrehschalter der Akai X201 haptisch eine ganz andere Klasse.


hifi-collector (Beitrag #32) schrieb:
Die deutschen Hersteller hinkten aber den Japanern hinterher, die seit Mitte der 70er den Markt mit wirklich robusten, schönen und tw. preisgünstigen Maschinen überschwemmten.


Wobei auch die ihre Schwächen haben. Das fette Akai GX 635 hat z.B. eine Spar-Tipptastenlogik: beim Umschalten von Spulen auf Play wartet sie pauschal 3 Sekunden auf die Bremse, auch wenn die Spulen kaum angelaufen sind. Auch wenn sich die Zeit mit der 18-cm-Spulen-Taste abkürzen lässt, war das doch ziemlich nervig. Das konnte schon das 10 Jahre ältere Philips N4418 besser.

0300_Infanterie
Inventar
#50 erstellt: 10. Aug 2014, 18:02
Gab´s das perfekte Tonbandgerät?

Glaube nicht ... das konnte nur jeder für sich finden, was auch heute noch gilt!
hifi-collector
Stammgast
#51 erstellt: 10. Aug 2014, 18:22
Die GX-635 war auch eine relativ billig gebaute Kiste. Sie hatte zwar die unkaputtbaren GX-Köpfe und Auto-Reverse, aber auch einige Schwachstellen. So u.A. das erwähnte Fehlen des Bandlaufsensors, das zu den genannten Verzögerungen beim Umschalten auf Play nach dem Umspulen führte.

Relativ perfekt für mich waren die Technics Maschinen der RS-Serie. Bis auf die schlechte Auslegung der VU-Meter, deren Ansteuerung an den Kopfhörerverstärker gekoppelt waren, waren Verarbeitung, Haptik und Optik der Maschinen über jeden Zweifel erhaben. Auch die Langzeitstabilität war klasse, meine RS-1700 läuft auch heute noch einwandfrei. Und die Köpfe waren wesentlich stabiler, als ihr Ruf. Historie sowie Tips und Tricks zu den Technics Maschinen gibt es in meinem Artikel in der Analog 03/13 der AAA nachzulesen.

Gruß

Andreas
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