Der perfekte In-Ear-Monitor

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deepwave
Ist häufiger hier
#1 erstellt: 29. Sep 2010, 03:42
Der perfekte In-Ear-Monitor / Kopfhörer


Hi Leute!

Nach tage- bis wochenlangem Lesen zum Thema Westone W2, UM2, W3, UM3x, Shure SE 315, 425, 535, Earsonics SM2, 3 usw. usw. wollte hier mal n paar Gedanken loswerden, weil ich irgendwie frustriert bin:
man probiert und testet, kauft immer wieder neue Kopfhörer zu teilweise abartigen Preisen (oder überlegt sichs zumindest), aber das Problem ist:

Irgendwie findet sich keine wirklich zufriedenstellende Lösung, selbst die Leute die hier 1k EUR und mehr
(!!! - man überlege sich mal wie viel Geld das absolut gesehen ist) für Custom-IEMs ausgeben, sind kurz danach wieder auf der Suche nach was besserem.
Offensichtlich scheint das Problem in der Art des In-Ear_Monitoring bzw von (grossen) Kopfhörern an sich zu liegen.

Wenn wir einfach mal überlegen, was ist eigentlich das Soundideal?
Für mich persönlich ne ziemlich klare Sache:
Es sollte klingen wie n geiler Liveauftritt der Band (guter Mixer der sein Handwerk versteht, gute PA-Technik, vernünftiger, gedämmter Raum und auch eine gute, mittige Hörposition vorausgesetzt).
Wenn man jetzt mal analysiert, was man bei so ner Art von Konzert wahrnimmt, sieht man sehr schnell:
es ist ein gesamtkörperliches Erlebnis, und nicht eins nur der Ohren! Oftmals ist der Sound sogar sehr wenig linear (man steht so halb vor der Box, seltsame Raumakustik usw.), und trotzdem isses gut...

Jetzt nimmt man einen - superteuren - IEM, der wenn mans analysiert fast perfekt ausgewogenen Klang, Räumlichkeit usw bietet, aber: irgendwas fehlt einfach...
Ich denke diese Unzulänglichkeit ist v.a. im - fühlbaren - Bassbereich (und auch tiefe Mitten) zu suchen.
Denn sämtliche Kopfhörer - selbst die mit extrem starken Bässen - produzieren eben keine RICHTIGEN Bässe, die man auch FÜHLEN kann.
Am Anfang meiner "Kopfhörerkarriere" habe ich dann die Bässe immer bis kurz vor der Verzerrung aufgedreht, aber erstens bringt das trotzdem keine "richtigen" Bässe und zweitens werden die anderen Frequenzbereiche so massiv überdeckt. Also auch keine Lösung.


Ich denke, es ist ganz einfach so:
den perfekten In-Ear / Kopfhörer für perfekte technische Reproduktion der Musik gibt es schlicht und einfach nicht, weil es sich bei Kopfhörern (und v.a. bei IEMs) generell um einen extrem kompromissbehafteten Versuch handelt,
die - gute alte, FETTE GEILE LAUTSPRECHERBOX! - in
Kombination mit ner dicken Anlage - zu ersetzen.
Und die ist einfach durch nichts wirklich zu ersetzen - ausser durch ein Livekonzert!

Ich werde mich daher nicht mehr weiter verrückt machen bei der Suche nach dem perfekten IEM / Kopfhörer, sondern stattdessen mal wieder in schöne, grosse Lautsprecherboxen plus Amp investieren, und dann endlich mal wieder richtig Gas geben!

In diesem Sinne,
LETS ROCK !!!

deepwave
peacounter
Inventar
#2 erstellt: 29. Sep 2010, 10:49
das hast du relativ treffend erkannt und beschrieben.
wem der körperschall sehr wichtig ist, der wird mit kopfhörern jeder art niemals völlig zufrieden sein.

aber auch lautsprecher sind ein kompromiss und die verschiedenen konzepte wie elektrostaten, breitbänder, hörner, mehrwege-ls mit oder ohne bassreflex oder transmissionline zeigen, dass es eben auch da kaum gelingt eine 100%ig realistische wiedergabe zu erreichen.

es geht eben immer um die prioritäten und deren reihenfolge.
räumlichkeit, phasentreue, bassdruck, impulsverhalten, linearität, klirrverhalten usw. sind auch im lautsprecherbau teilweise nicht auf höchstem niveau gleichzeitig zu erreichen.

in-ears sind ja eigentlich für bühnenmusiker entwickelt und auf der bühne fehlt mit sicherheit kein bassdruck.
wie du ja aus eigener erfahrung weißt, brummt bei nem live-konzert die ganze halle! da ist fehlender körperschall kein problem.
und hifi-freunde benutzen in-ears ja auch zum größten teil nur mobil, da sind die dinger sicher die beste lösung.
ich selbst benutze meine, um in sehr lauter umgebung (bei der arbeit) trotzdem entspannt musik hören zu können.
auch da gibt es nicht wirklich eine alternative.

eine möglichkeit, den fehlenden körperschall zu ergänzen gibt es aber trotzdem:
sogenannte "bass-shaker", körperschallwandler, die nur im subbass-bereich arbeiten und natürlich von einer endstufe angetrieben werden müssen.
die teile werden sehr viel von schlagzeugern einegestzt, die auf der bühne ihre dicken monitorboxen gegen custom-in-ears eingetauscht haben, aber noch ein bischen mehr tiefe frequenzen für die kontrolle ihrer bass-drum brauchen.

sowas hab ich an meinem arbeitsstuhl im produktionslabor angebracht und da kommt dann auch das von dir gewünschte live-gefühl auf.
aber das ist natürlich ein nicht ganz unerheblicher aufwand und man ist nicht sehr variabel, was den einsatzort angeht.

und mobil ist es schon garnicht.
wobei es da mal ein recht exotisches produkt von der firma stanton gab: einen kleinen körperschallwandler, der am mobilen player angeschlossen wurde und mit hilfe eines brustgurtes auf dem brustbein befestigt wurde.
das ding war wirklich klein (etwa 5cm im durchmesser) und macht verdammt spaß (ich hab einen hier), aber mir ist das zuviel aufwand und die speisung per batterie ist auch irgendwie unparktikabel.


so, das war mein senf dazu.
ich dachte, das ist vielleicht von interesse.

ich denke, du bist wirklich nicht unbedingt der typische kunde, der mit in-ears glücklich wird.
aber es gibt ja auch nen haufen leute, die sich niemals den lautstärken eines live-konzertes aussetzen würden (so richtig gesund ist das ja auch nicht) und musik eher mittellaut bis sogar recht leise hören wollen..
dein soundideal ist eben nicht jedermanns sache. die klassikhörer oder freunde rein akustischer, unverstärkter musik haben häufig ganz andere prioritäten.
aber ich kenne auch mehrere leute, die wirklich harten metal mit tiefgestimmten gitarren und monster-blast-drums in zimmerlautstärke hören und es nicht lauter haben wollen.

ich selbst geh auch schon seit ca. 15 jahren nicht mehr zu rockkonzerten, ohne guten gehörschutz parat zu haben (und in 98% der fälle nehm ich den auch während des ganzen konzertes nicht raus.)
übrigens steht der schutzgedanke bei mir gar nicht im vordergrund, sondern ist eher ein angenehmer nebeneffekt.
vielmehr vermeide ich so mittelohrverzerrungen und verschiebe die musik in einen dynamikbereich, in dem das ohr eine sauberere auflösung erreicht.
wenn der gehörschutz dann auch noch linear dämpft, dann hat man alle vorteile eines live-konzertes imo ausgereizt.
soll heißen: die musik klingt dann mit gehörschutz sogar besser und den körperschall hab ich trotzdem!

grüße,

P


[Beitrag von peacounter am 29. Sep 2010, 21:14 bearbeitet]
Son_Goten23
Inventar
#3 erstellt: 29. Sep 2010, 11:06
natürlich gibt es nichts Perfektes, oder auch nur etwas was auch nur halbwegs rankommen könnte... Bei LS gibt es aber noch den großen Nachteil für "Normalverdiener", dass es (deutlich) teurer ist als entsprechende KH + KHV. Und dazu muss man noch bis zu mehrere Tausende Euro in die Raumakustik stecken, weil es ohne nicht klingen kann! Denn ohne klingen KH + KHV bei gleichem Geld (deutlich) besser als LS usw.
peacounter
Inventar
#4 erstellt: 29. Sep 2010, 15:02

Son_Goten23 schrieb:
Bei LS gibt es aber noch den großen Nachteil für "Normalverdiener", dass es (deutlich) teurer ist als entsprechende KH + KHV. Und dazu muss man noch bis zu mehrere Tausende Euro in die Raumakustik stecken, weil es ohne nicht klingen kann! Denn ohne klingen KH + KHV bei gleichem Geld (deutlich) besser als LS usw.


stimmt. danke für die ergänzung !

grüße,

P
zuglufttier
Inventar
#5 erstellt: 29. Sep 2010, 17:16
Naja, hör dir mal einen guten Custom Inear an und du weißt, dass du so einen sauberen Bass nicht aus einer normalen Standbox bekommen wirst. Wenn, dann braucht's dafür einen Subwoofer und eine Einmessung auf den Raum, sofern akustisch sinnvoll. Wenn du das fertig kaufen möchtest, bist du weit mehr als 1.000 Euro los. Alternativ ne sehr große Standbox, um auch wirklich die 30Hz mit gutem Pegel wiedergeben zu können. 20Hz müssen's ja gar nicht unbedingt sein

Wenn sich dein Raum dann akustisch gesehen als schwierig entpuppt, ist das erst der Anfang.

Ich hatte ja die Stage 3 und verglichen mit meiner Anlage, würde ich die Hörer z.B. als Schnäppchen bezeichnen.


[Beitrag von zuglufttier am 29. Sep 2010, 17:17 bearbeitet]
MaxNoller
Schaut ab und zu mal vorbei
#6 erstellt: 30. Sep 2010, 10:21
Ja ich sehe das auch so , höre seit Jahren mit dem Stax und wenn´s mal mehr dampf untenrum sein soll den HD650 da können die InEars nicht mithalten da ja auch Schall über den Schädelknochen aufgenommen und empfunden wird somit haben alle Fraktionen ihre Berechtigung gute Lautsprecher aowie gute Kopfhörer und gute InEars aber vergleichbar sind sie beim besten Willen nur wie Äpfel mit Birnen , hat aber alles seinen Reiz wenn auch sehr verschieden.
zuglufttier
Inventar
#7 erstellt: 30. Sep 2010, 10:35
Natürlich können da Inears mithalten. Gerade offene Kopfhörer wie Staxe und auch der HD650 haben Probleme im Bassbereich. Die kleineren Staxe spielen nicht sonderlich tief und der HD650 wird unsauber und kommt auch nicht in die tiefsten Register.

Gute Customs gehen sehr tief runter und spielen "sauber".
MaxNoller
Schaut ab und zu mal vorbei
#8 erstellt: 30. Sep 2010, 11:42
Jo...wie ich sagte jedes Prinzip hat seine Vor/Nachteile und der Anwender entscheidet was ihm an besten gefällt im Idealfall hat er soweit es das Budget zulässt eine Top Anlage einen Super InEar und einen Klasse Kopfhörer jedoch glaube ich nicht das eines davon die anderen ersetzen kann.
iznt
Ist häufiger hier
#9 erstellt: 04. Okt 2010, 01:09
Um mich auf deine subjektive Antwort auf die Frage was der perfekte Sound sei zu beziehen:

Meine subjektive Antwort wäre, dass es so klingen soll, dass Gesang und alles andere akustische so klingt als würde ich mit den Musikern in einem Raum ohne jegliche Elektronik sitzen. Ich habe bisher die Erfahrung gemacht, dass dies möglich ist, allerdings habe ich es erst bei einer 5.1 Aufnahme gehört. Der Sound war vielleicht noch nicht perfekt, aber sehr nahe dran.

Mein Problem ist da eher, dass selbst auf dem gleichen Equipment unter ansonst identischen Vorraussetzungen alle anderen Aufnahmen nicht so gut klangen. Aufnahmen sind meiner Meinung nach einfach zu verschieden, als dass man den einen perfekten Sound mit dem einen Setup haben kann. Ich habe bisher auch noch nicht verstanden, warum man nicht Equalizereinstellungen in Tags von einzelnen Musikdateien ablegen kann. Ich finde es auch traurig, dass keine Musik KH gerecht aufgenommen wird (vgl. Virtual Haircut).

Also ich denke, dass manch einer (je nach musikalischen Prioritäten) schon einen KH Sound nahe der Perfektion hinbekommen würde... wenn man Einfluss auf die Qualität der Aufnahme nehmen könnte, was leider i.d.R. nicht möglich ist.
MaxNoller
Schaut ab und zu mal vorbei
#10 erstellt: 04. Okt 2010, 09:26
Mit dem was du schreibst hast du vollkommen Recht auch ich finde das sehr viele Aufnahmen akustischer schlecht sind und bei denen die sehr gut sind höre ich manche lieber mit dem Stax und einige eher mit dem HD650 , beim Thema 5.1 ist es denn natürlich die Anlage die eine prima Live-Atmosphäre liefert vieleicht noch in Verbindung mit dem TV von daher ist es ein weites Feld der Geschmäcker und Vorlieben deshalb wohl dem der für jede Musikart das passende Equipment ( und die finaziellen Mittel )hat.
Multiplug
Ist häufiger hier
#11 erstellt: 08. Okt 2010, 10:25
Ich besorge mir die InEars eigentlich nur für Unterwegs und Abends, wenn im Rest der Bude Ruhe sein muss.

LS und IE sind natürlich nicht vergleichbar, setze mich auch gerne hin und höre mit feinen Lautsprechern.
ZeeeM
Inventar
#12 erstellt: 08. Okt 2010, 11:53

iznt schrieb:
Um mich auf deine subjektive Antwort auf die Frage was der perfekte Sound sei zu beziehen:

Meine subjektive Antwort wäre, dass es so klingen soll, dass Gesang und alles andere akustische so klingt als würde ich mit den Musikern in einem Raum ohne jegliche Elektronik sitzen.


Da muß man u.U schon Verrenkungen machen und vor allen Dingen muß die Aufnahme das auch so hergeben.
Bei etlichen Aufnahmen aus dem Bereich Singer-Songwriter, hört man jedes Geräuch in Mund und Kehle. Bei einem realen Sänger hört man das nicht in dem Maße.
Ich habe mittlerweile es einfach ad Acta gelegt, irgendeine Aufnahme "originalgetreu" hören zu wollen, da dafür zuviel auf der Aufnahmeseite schon, was ja nicht schlecht ist, gedreht wird.
Es muß einem gefallen und Spaß machen.
Multiplug
Ist häufiger hier
#13 erstellt: 04. Nov 2010, 11:54
Hast du ein Beispiel zu einem Singer Songwriter mit lauten Mundgeräuschen? Würde mich mal interessieren.
xnor
Stammgast
#14 erstellt: 09. Nov 2010, 22:20

Multiplug schrieb:
Hast du ein Beispiel zu einem Singer Songwriter mit lauten Mundgeräuschen? Würde mich mal interessieren.


Geile Frage.
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