Röhrenverstärker Graaf GM100 / Unterlagen gesucht

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teacfreak
Ist häufiger hier
#1 erstellt: 11. Jan 2020, 13:27
Hallo zusammen,
Ich habe einen Bekannten, der Probleme mit einer "Graaf GM100 " hat.
Der Ruhestrom lässt sich nicht richtig einstellen.
Um die Schaltung besser verstehen zu können, benötige ich einen Schaltplan.
Hat eventuell jemand Unterlagen für dieses Gerät?
Im Netz ist leider nicht zu finden.

Gruss
H.-Peter
DB
Inventar
#2 erstellt: 11. Jan 2020, 15:58
Hallo,

mit Schaltplänen kann ich Dir leider auch nicht helfen, aber Röhrenschaltungen sind allgemein nicht übermäßig kompliziert und zumindest ausschnittsweise lassen sie sich gut herauszeichnen.
Du kannst ja dennoch beschreiben, was Du bisher festgestellt und unternommen hast.


MfG
DB
Pertinaxer
Ist häufiger hier
#3 erstellt: 12. Jan 2020, 10:52
Hallo,

hier:

https://www.hifiengine.com/manual_library/graaf/gm-200.shtml

kannst du den Schaltplan des Graaf GM200 runterladen, mit an Sichheit grenzender Wahrscheinlichkeit
hat der GM200 mehr Endröhren und einen anderen AÜ als der GM100, der Bias Schaltkreis wird jedoch derselbe sein.

Vorschlag:
Bei merkwürdig fluktuierendem Ruhestrom sollten als erstes pauschal die Siebelkos der negativen Gittervorspannung ersetzt werden
ohne viel darüber nachzudenken und zu diskutieren ob man das jetzt nun machen sollte oder nicht.
Hatt neulich bei einer Cayin 88 genau so ein Problem.
Materialpreis <10 Euro.

Gruss Pertinaxer
pragmatiker
Administrator
#4 erstellt: 12. Jan 2020, 13:52
Das sind meiner Kenntnis nach OTL Verstärker - bei denen ist so manches a bisserl anders.......

Grüße

Herbert
teacfreak
Ist häufiger hier
#5 erstellt: 14. Jan 2020, 17:27
Hallo zusammen,
nach näherem befassen mit der Einstellung von Bias und Ruhestrom haben wir folgendes heraus gefunden.
Die Einstellung des Bias kann bei unserem Gerät nur bei vorheriger Einstellung einer Offset-Spannung von Minimum 5mV erfolgen.
Wird der Offset auf 0mV eingestellt, steht der Bias auf 56mV und lässt sich nicht mehr gross verändern.
Nach Einstellung der Offsetspannung auf Minimum 5mV ist der Bias korrekt auf 20mV einstellbar.

Bias Graaf 100

https://www.hifisent...ing-graaf-gm100.html

Merkwürdig ist nur, dass bei einem Röhrengerät mit Ausgangsübertrager überhaupt ein Offset eingestellt werden kann🤔


Gruss
H.Peter


[Beitrag von teacfreak am 14. Jan 2020, 17:34 bearbeitet]
pragmatiker
Administrator
#6 erstellt: 14. Jan 2020, 17:37

teacfreak (Beitrag #5) schrieb:
Merkwürdig ist nur, dass bei einem Röhrengerät mit Ausgangsübertrager überhaupt ein Offset eingestellt werden kann

Laut dieser Seite hier:

http://www.itcol.com/graaf/GM100ENG.HTM

ist das ein OTL-Verstärker (Output Transformer Less) - und der hat keine Ausgangsübertrager. Da ist die Offsetspannungseinstellung durchaus wichtig, wenn man nicht seine Lautsprecher durch eine zu große Offsetspannung am Ausgang "grillen" will.

Grüße

Herbert
teacfreak
Ist häufiger hier
#7 erstellt: 14. Jan 2020, 18:34
Hallo,
Wenn man den entsprechenden Textabschnitt aus der Seite
http://www.itcol.com/graaf/GM100ENG.HTM
mit Google übersetzt kommt das dabei heraus:

》》》》The GM 1OO circuit derives from the OTL configuration and uses a new type of interfacing between the output tubes and the loudspeakers. This system adds to the OTL configuration a transmission line transformer which shifts the tubes impedance from 36 / 72 ohm to 4 / 8 ohm[/u]. The two channels are physically separated on the circuit board, as in a dual-mono configuration and there is another separation between the preamplification stage and the power stage. In this way the capacitive coupling effects among the circuit boards are eliminated and the best three-dimensional sound effect is obtained.  In the voltage gain stage, the GM 1OO uses two 6922
double triodes chosen for their linearity and excellent signal-to-noise ratio. In the driver stage, the GM 1OO uses four ECF8O triode/pentode tubes, guaranteeing excellent matching with the power tubes. The power supply is divided into six sections: four are floating in respect to ground and work in the power section, while the others are separately used in the driver and in the input stages.

》》》》Die GM 1OO-Schaltung leitet sich aus der OTL-Konfiguration ab und verwendet eine neue Art der Schnittstelle zwischen den Ausgangsröhren und den Lautsprechern. [u]Dieses System fügt der OTL-Konfiguration einen Übertragungsleitungstransformator hinzu, der die Röhrenimpedanz von 36/72 Ohm auf 4/8 Ohm verschiebt.
Die beiden Kanäle sind physikalisch auf der Leiterplatte getrennt, wie in einer Dual-Mono-Konfiguration, und es gibt eine weitere Trennung zwischen der Vorverstärkungsstufe und der Leistungsstufe. Auf diese Weise werden die kapazitiven Kopplungseffekte zwischen den Leiterplatten beseitigt und der beste dreidimensionale Klangeffekt erzielt. In der Spannungsverstärkungsstufe verwendet der GM 1OO zwei 6922 Doppeltrioden werden aufgrund ihrer Linearität und ihres hervorragenden Signal-Rausch-Verhältnisses ausgewählt. In der Treiberphase verwendet der GM 1OO vier ECF8O-Trioden- / Pentodenröhren, die eine hervorragende Anpassung an die Leistungsröhren gewährleisten. Die Stromversorgung ist in sechs Abschnitte unterteilt: Vier sind erdfrei und arbeiten im Leistungsteil, während die anderen separat im Treiber und in den Eingangsstufen verwendet werden.

Demnach hat dieses Gerät also doch eine Ausgangstransformator.? .🤔

Gruss.......


[Beitrag von teacfreak am 15. Jan 2020, 11:29 bearbeitet]
pragmatiker
Administrator
#8 erstellt: 14. Jan 2020, 18:52
Servus teacfreak,

das ist möglicherweise Marketinggeblubber - jedenfalls sind "Transmission Line Transformers" Bauelemente aus der Hochfrequenztechnik (die deutlich anders als "normale" Transformatoren funktionieren und bei denen die Leitung, mit denen sie bewickelt sind, einen bestimmten Nominalwellenwiderstand aufweisen muß), die bei Audiowellenlängen sehr groß werden würden. Möglicherweise meinen die damit, daß sie (wegen des sehr kleinen Impedanzuntersetzungsverhältnisses) relativ kleine Ausgangsübertrager verwenden - die Bilder könnten auf sowas hindeuten. Dann werden diese Dinger (damit sie noch kleiner werden) allerdings wahrscheinlich als "Autotransformer" betrieben - also in der Schaltung eines Spartrafos (das wäre hier zulässig, da das (Gleich)Spannungsniveau auf einem Impedanzniveau von 36[Ohm] / 72[Ohm] bereits recht klein ist und mit den hunderten von Volt üblicher Röhrenschaltungen nichts mehr zu tun hat). Und Spartrafos weisen zwischen Primär- und Sekundärseite keine galvanische Trennung auf - sprich: eine Offseteinstellung (damit keine Gleichspannung an den Lautsprecheranschlüssen erscheint) ist auch hier erforderlich. Spartrafos können bei kleinerer (Kern)Baugröße dieselbe elektrische Leistung übertragen wie durchaus größere, galvanisch trennende "normale" Transformatoren (bei denen die gesamte Leistung über den Kern muß) - diese (Einzel)Eigenschaft haben sie mit "Transmission Line Transformers" gemeinsam - siehe auch hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Spartransformator#Grundlagen

Das ist also wahrscheinlich nur eine blumige Marketing-Umschreibung für Spartrafos (die ja häufig - und nicht zu Unrecht - mit "billig" bzw. "kostenoptimiert" gleichgesetzt werden), damit's besser klingt und den hohen Verstärker-Preis etwas besser rechtfertigt.

Diese Impedanzanpassung beim GM100 war wahrscheinlich notwendig, weil man da kein solches "Röhrengrab" aus Unmengen von parallelgeschalteten Endröhren wie beim GM200 darstellen konnte und damit wahrscheinlich nicht mal in die Nähe der 4[Ohm] oder 8[Ohm] Impedanz von üblichen Lautsprechern gekommen wäre - das Alleinstellungsmerkmal "OTL" wollten sie (auch aus Marketinggründen?) allerdings wohl auch nicht ganz verlassen, deswegen diese "Zwischenlösung".

Für weitergehende Beschäftigung mit der Materie (Jerry Sevick hat sich wesentliche Teile seines Berufslebens mit nichts anderem beschäftigt):

amazon.de

Grüße

Herbert


[Beitrag von pragmatiker am 14. Jan 2020, 19:20 bearbeitet]
teacfreak
Ist häufiger hier
#9 erstellt: 14. Jan 2020, 21:34
Hallo Herbert,
vielen Dank für diese Information.
Das erklärt jetzt natürlich auch, dass eine Gleichspannung als "Offset" an den Lautsprecheranschlüssen zu messen ist.
Warum allerdings der Ruhestrom nur ab einem geringen "Offset" von 5mV eingestellt werden kann, ist mir noch nicht klar.

Gruss
H.-Peter
pragmatiker
Administrator
#10 erstellt: 15. Jan 2020, 07:36
Servus H.-Peter,

teacfreak (Beitrag #9) schrieb:
Warum allerdings der Ruhestrom nur ab einem geringen "Offset" von 5mV eingestellt werden kann, ist mir noch nicht klar

Da gibt es sicher gute Gründe dafür, die sich einem Fachmann dann offenbaren, wenn er das Schaltbild vor der Nase hat. Ich kann mir schon vorstellen, daß eine vernünftige Symmetrie der Endstufe (um nichts anderes handelt es sich ja bei der Offseteinstellung - auch wenn diese Symmetrie bei Röhrenschaltungen sicher nie ideal ist, weil es ja prinzipbedingt keine PNP-Röhren gibt) für die Ruhestromeinstellung der einzelnen Röhren nicht ganz unwichtig ist.

Ich würde allerdings vermuten, daß der Einstellprozeß von Ruhestrom und Offset ein mehrschrittiger, iterativer Prozeß ist (da sich diese Parameter wahrscheinlich gegenseitig (wenn auch nur leicht) beeinflussen: Erst den Offset einstellen - dann den Ruhestrom einstellen - dann den Offset kontrollieren und ggf. nochmal nachjustieren - dann den Ruhestrom kontrollieren und ggf. auch nochmal kontrollieren - usw.......solange, bis die gewünschte / erforderliche Genauigkeit von Offset und Ruhestrom erreicht ist.

Grüße

Herbert


[Beitrag von pragmatiker am 15. Jan 2020, 07:53 bearbeitet]
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