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Umfrage
Schostakowitsch, D.: Mögt ihr Schostakowitschs Musik?
1. Ja (77.7 %, 73 Stimmen)
2. Ja, aber nur einige wenige Werke (14.9 %, 14 Stimmen)
3. Nein (4.3 %, 4 Stimmen)
4. Wer oder was ist Schostakowitsch? (3.2 %, 3 Stimmen)
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Schostakowitsch, D.: Mögt ihr Schostakowitschs Musik?

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Beitrag
Marc_E
Ist häufiger hier
#1 erstellt: 29. Jan 2005, 16:58
Hi

Der Titel sagt eigentlich schon alles :).

Bei meinem allerersten Besuch eines Konzerts mit klassischer Musik wurde Schostakowitschs 3. und 9. Sinfonie gespielt. Das war im Sommer 2002 bei den Zürcher Festspielen. Seither habe ich von ihm die 5., 7. und 10. Sinfonie, das 1. Klavierkonzert, Die Nase, Lady Macbeth von Mzensk, den Tahiti Trott, einen Ausschnitt aus "Der bedingt Ermordete" und Auszüge aus der Ballett-Suite Nr. 3 gehört.

Wie steht ihr zu Schostakowitsch? Findet ihr ihn auch einen der besten, wenn nicht sogar den besten Komponisten, den es je gegeben hat? Oder nehmt ihr Ohrstöpsel mit, wenn ein Werk von ihm auf Programm steht?

Ich freue mich schon sehr auf eure Antworten.

Viele Grüsse

Marc
ruhri
Stammgast
#2 erstellt: 29. Jan 2005, 20:45
Hallo Marc,

naja, geht nicht so leicht ins Ohr wie Peter Alexander. Die Sinfonien fand ich beim ersten Hören etwas sehr gewöhnungsbedürftig. Die kürzeren Sinfonien habe ich mittlerweile noch ein oder zwei Mal gehört, an die längeren "traue" ich mich nicht so recht wieder ran. Prima finde ich das Jazz Album.

Grüße

Ruhri
Eggert
Ist häufiger hier
#3 erstellt: 30. Jan 2005, 00:36
"Schosti 10", wie sie in unserem Orchester liebevoll genannt wurde, war für uns ein Highlight. Ich finde sehr oft, dass man sich in klassische Musik, vor allem die modernen Stücke, reinhören muss. Wenn man es als Orchestermusiker ausgiebig probt, ist das genug "reingehört" und die 10. ist wirklich klasse.

Auch das Streichquartett (welches war es, ich meine das den Holocaust-Opfern zu Ehren...) ist genial - aber tatsächlich gewöhnungsbedürftig. Dran gewöhnt und spitze!

Viele Grüße,
Eggert


[Beitrag von Eggert am 30. Jan 2005, 01:46 bearbeitet]
antiphysis
Stammgast
#4 erstellt: 30. Jan 2005, 00:54
Schostakowitsch ist ein Genie, leider durch die Jahrzehnte des Stalinismus beeinträchtigt. Umso wertvoller schätze ich sein Werk ein. Die 10. Symphonie ist ein opus magnum, nicht zu unterschätzen: die Streichquartette, die diesen Bereich um Marksteine bereicherten. Und seine Lady Macbeth ...

Grüße
AcomA
Stammgast
#5 erstellt: 30. Jan 2005, 15:14
hallo,

also schostakowitsch war sicherlich nicht der beste komponist ! aber er war einer der besten des 20. jahrhunderts.

was ich nicht mag: die sinfonien mit chorzugabe und/oder sozialistischem programm.

was ich mag: die klaviermusik, die konzerte und einige seiner sinfonien.


gruß, siamak
antiphysis
Stammgast
#6 erstellt: 30. Jan 2005, 21:31
Hallo Siamak,

dem kann ich nur zustimmen. Allerdings sind Prokofieffs Staatswerke noch deutlich schlimmer. Bei Schostakowitsch hat man immerhin den Eindruck, dass er zumindest versucht, zu ironisieren bzw. das Unbehagen hörbar werden lässt.

Grüße
zoe
Ist häufiger hier
#7 erstellt: 31. Jan 2005, 12:35

Eggert schrieb:
"Schosti 10", wie sie in unserem Orchester liebevoll genannt wurde, war für uns ein Highlight. Ich finde sehr oft, dass man sich in klassische Musik, vor allem die modernen Stücke, reinhören muss. Wenn man es als Orchestermusiker ausgiebig probt, ist das genug "reingehört" und die 10. ist wirklich klasse.

Viele Grüße,
Eggert


Die Zehnte wird übrigens nächsten Do und Fr (10.2 und 11.2)
in der Berliner Philharmonie vom BPO unter Ozawa gespielt. Ist schon ausverkauft.


zoe


[Beitrag von zoe am 31. Jan 2005, 12:36 bearbeitet]
teleton
Inventar
#8 erstellt: 31. Jan 2005, 13:36
Hallo Schostakowitsch-Freunde,

Schostakowitsch gehört zu den großten Komponisten und großten Sinfonikern des 20.Jahrhunderts.
Er war lange Jahre mein Lieblingskomponist, was ich heute differenzierer sehe. Ich habe heute keinen einzelnen Lieblingskomponisten mehr, da es mehrere sind.
Seine Werke mit sozialistischem Chor-Programm kann man ja ignorieren, wie es AComA und antiphysis schon erwähnt hatten - der Rest ist Spitze !

Ich habe in einem anderen Forum gelesen, das einer im Einklang mit Sibelius, Mendelsohn, Tschaikowsky, Dvorak und Schostakowitsch, diese als nicht große Sinfoniker bezeichnet - für mich eine Witz !
Marc_E
Ist häufiger hier
#9 erstellt: 01. Feb 2005, 19:11
Hi,

anscheinend gibt es hier nicht gerade viele Personen, die Schostakowitsch wirklich mögen, was sehr schade ist, da sein Opus und Leben doch ziemlich interessant ist, interessanter als das von Mozart und Haydn zusammen.

Heute abend habe ich die Möglichkeit bei der Generalprobe von der 5. Sinfonie dabei zu sein, Charles Dutoit dirigiert das Tonhalle-Orchester. Ich schon ganz gespannt, wie seine Interpretation sein wird, vor allem, ob sie so gut wie die von Barschai ist.

Viele Grüsse

Marc
Susanna
Hat sich gelöscht
#10 erstellt: 01. Feb 2005, 21:07

Marc_E schrieb:

anscheinend gibt es hier nicht gerade viele Personen, die Schostakowitsch wirklich mögen, was sehr schade ist, da sein Opus und Leben doch ziemlich interessant ist, interessanter als das von Mozart und Haydn zusammen.

Hallo Marc,

interessante Aussage! Also Mozarts Leben war allemal hochinteressant und Haydn hatte auch so seine Erlebnisse! Auch viele Werke der beiden finde ich interessant.
Wenn Du die schlimmen Erfahrungen Schostakowitschs meinst, würde ich eher eine andere Vokabel verwenden.

Mir gefallen von Sch. bes. auch die Violinkonzerte op. 99 und op. 129, gespielt von Maxim Vengerov, LSO, M. Rostropovich.

Grüße,
Susanna

P.s. Viel Spaß beim Konzert!
AcomA
Stammgast
#11 erstellt: 01. Feb 2005, 22:16
hallo Marc_E,

also w.a. mozart hat bezogen auf die dauer seines lebens möglicherweise viel mehr an interessantem erlebt. insbesondere hatte er einiges des damaligen europa gesehen, was d. schostakowitsch verwehrt blieb. grundsätzlich sind diese biographien nicht vergleichbar, da sie zu völlig unterschiedlichen zeiten und damit umfeld und zeitgeschichtlichem zusammenhang lebten ! man könnte das leben schostakowitschs z.b. mit dem prokofiews vergleichen, und der hatte ja zwischenzeitlich sich auf weltreise begeben.


gruß, siamak
teleton
Inventar
#12 erstellt: 02. Feb 2005, 10:55
Hallo Marc_E,

Du bist mir ja ne Mark_e !
Ich stimme Dir in dem Punkt zu, das ich auch lieber Werke von Schostakowitsch höre als Mozart´s und Haydn´s Werke. Das liegt eben an meinem Musikgeschmack, der mehr zum 20.Jahrhundert tendiert.

Aber man kann nicht schostakowitschs Werke und sein Leben mit den großen Klassikern Mozart und Haydn gleichsetzen und als interessanter bezeichnen.
Ohne Mozart und Haydn hätte es kein Beethoven, kein Brahms, keine anderen Nachfolger und auch keinen Schostakowitsch in der uns bekannten Form gegeben. Das sind große Vorbilder, die die Musikgeschichte geprägt haben und zudem einen unermäßlichen musikalischen Schatz hinterlassen haben, von dem sich heutige Komponisten eine Scheibe abschneiden sollten.
observator
Schaut ab und zu mal vorbei
#13 erstellt: 08. Feb 2005, 17:02
als alter katholisch erzogener atheist würde ich sogar sagen:

wenn bach der gottvater der musik ist, schubert die fleisch gewordene musik, ist schostakowitsch der heilige geist.

höret die 15 streichquartette und ihr werdet leuchten!
Uwe_Schoof
Ist häufiger hier
#14 erstellt: 27. Feb 2005, 23:55
Hallo,

für mich ist Schostakovich ein ganz Großer. Vor wenigen Jahren habe ich an drei Abenden neun seiner Streichquartette vom Borodin Quartett in Köln gehört. Eines meiner größten Musikerlebnisse,

Uwe
Martin2
Inventar
#15 erstellt: 28. Feb 2005, 03:04
Von Schostakowitsch schätze ich sehr seine Sinfonien ( einige allerdings mit deutlichen Abstrichen) und seine Konzerte. Es gibt da auch noch so ein Suite aus einem Fußballballett ( Das goldene Zeitalter?), die ich mag. Die Klaviersonaten mochte ich nicht besonders, aber das mag auch an der Aufnahme liegen.

Lady MacBeth von Menzk habe ich im Fernsehen gesehen. Es tut mir leid, ich mochte diese Oper überhaupt nicht leiden. Aber sicher höre ich mir diese Oper auch irgendwann noch mal an.

Von den Streichquartetten habe ich das 14. und 15. vom Ederquartett ( Naxos). Ich fand das war ein furchtbarer ermüdender Brocken Depression und ich mochte es nicht. Vielleicht sind auch die Aufnahmen nicht gut. Trotzdem stehen die Streichquartette von Schostakowitsch ziemlich oben auf meiner Wunschliste. So schnell gebe ich mich nicht geschlagen.

Ach ja, zwei Suiten aus Schostakowitschen Filmmusiken habe ich auch mal gehört, und fand diese ausgesprochen banal ( die Filmmusik von Schnittke, der im selben Konzert lief, fand ich da viel viel interessanter, obwohl ich sonst kein Schnittkefan bin). Also ich glaube, die Filmmusik von Schostakowitsch braucht mich nicht weiter zu interessieren.

Schostakowitsch gehört für mich aber auf jeden Fall zu den ganz großen, auch wenn ich manches in seinem Schaffen etwas uneben finde. Er hat sich glaube ich durch den Stalinismus ziemlich durchlavieren müssen, hat dabei möglicherweise vieles sich aus dem Ärmel geschüttelt, was Konzessionen an den Stalinismus sind ( Filmmusiken vermutlich und soll es nicht auch ein furchtbares "Lied der Wälder" geben, für das er sogar den Stalinpreis bekommen hat) und die dann auch kein Schwein mehr kennt. Aber wie das bei den "ganz großen" so ist, wird am Ende auch so etwas noch wieder ausgegraben. Ich kann aber in den Sinfonien keine Konzessionen an den Stalinismus erkennen ( von ein paar Ausnahmen vielleicht abgesehen).
lydian
Stammgast
#16 erstellt: 28. Feb 2005, 14:33
Hallo,

Schostakovitsch ist einer der Komponisten, die ich sehr gerne höre, dabei aber oft in Konflikt mit meiner Umwelt (Frau, Kinder) gerate. Ich höre gerne recht laut, und bei manchen Sinfonien (1, 5, 9, 10) drehe ich ziemlich weit auf

Er war ungeheuer vielseitig, vom banaler Filmusik über Musical ("Chermojushki") bis hin zu sperrigen, aber grandiosen Streichquartetten (Nr. 8!!) Seine Opern muss ich noch für mich entdecken.

Gruß,
Steff
Uwe_Schoof
Ist häufiger hier
#17 erstellt: 01. Mrz 2005, 01:06
Hallo,
auch ich finde vieles von Schostakovich banal. Das würde der große Komponist mit Sicherheit auch selbst sagen. Aber die wenigen Meisterwerke..!..
Uwe
teleton
Inventar
#18 erstellt: 01. Mrz 2005, 13:28
Hallo Uwe_Schoof, ........

das finde ich aber schoofelig von Dir hier den größten Komponisten des 20.Jahrhunderts in Deinem 4.Beitrag im Forum zur Schnecke zu machen.

Kannst Du mal Begründungen dafür geben ?

Bei jedem Komponisten sind schwächere Werke vorhanden, aber Schostakowitsch hat eine sehr große Anzahl von Meisterwerken geschaffen: 15 Sinfonien, 2 Klavierkonzerte, 2 Violinkonzerte, 2 Cellokonzerte, 5 Orchestersuiten, zahlreiche Filmmusik-Suiten.

Was soll es noch mehr sein ???
Zeige mir einen Anderen, der noch mehr Meisterwerke geschrieben hat !!
AcomA
Stammgast
#19 erstellt: 01. Mrz 2005, 14:31
hallo teleton,

ich würde d. schostakowitsch sicherlich nicht als größten komponisten des 20. jahrhunderts bezeichnen ! ein großer, ja. seine 15 sinfonien sind längst nicht alle so originell und gehaltvoll. viele sind politisch instrumentalisiert, programmatisch. davon abgesehen wiederholen sich viele motive bzw. thematisches material in den verschiedenen werken. zum beispiel ähneln sich die beiden v'cellokonzerte in ihrer ausdrucksform und gestik sehr. wie auch immer, bela bartok, prokofiew und strawinsky sind mindestens genauso bedeutende oder große komponisten des 20. jahrhunderts.


gruß, siamak
Martin2
Inventar
#20 erstellt: 01. Mrz 2005, 15:27
Lieber Siamak,

also daß viele der Werke von Schostakowitsch politisch instrumentalisiert sind, beschäftigt mich persönlich überhaupt nicht. Gut, das Chorfinale der dritten ist wohl tatsächlich banal ( und entspricht damit wohl auch der Banalität der politischen Aussage), aber sonst?

Also ob nun zum Beispiel die 5. das Werden des sozialistischen Menschen schildern soll, oder die 7. den großen vaterländischen Krieg sind doch Dinge, die heute nur noch von äußerst peripherem Interesse sind. Und meinetwegen könnte auch Beethovens 5. vom Schluckauf handeln, und die 9. von der Verdauung. Ich halte diese politischen Programme nur für vorgeschoben. Und letzlich habe ich doch nur die Musik zu bewerten und weiter nichts. Und gerade da, wo Schostakowitsch in seinen Sinfonien dann doch noch einmal zum Wort greift, nämlich in der 13. und 14., sind diese Texte von politischer Propaganda nun doch so weit entfernt wie nur möglich.

Von der 7. habe ich sogar mal gelesen, daß das berühmte "Schlachtengemälde" des ersten Satzes zu einer Zeit entstanden ist, als der zweite Weltkrieg noch gar nicht begonnen hatte, so daß das angebliche Programm nicht einmal richtig sein kann. Und wenn Du seine Autobiographie ( die allerdings umstritten ist) liest, erhältst du alles andere als ein Bild eines sozialistisch angetriebenen Menschen, er hat vielmehr im Gegenteil in seinen Werken den Opfern des Stalinismus gedenken wollen. Wie ich schon sagte, hat Schostakowitsch musikalisch keine Konzessionen an den Stalinismus gemacht, zumindestens nicht in den Sinfonien ( wie kann jemand aus den Sinfonien 4 - 10 auch nur einen Hauch von Stalinismus heraushören, und nicht eben das genaue Gegenteil?)

Gruß Martin
teleton
Inventar
#21 erstellt: 01. Mrz 2005, 15:29
Hallo AcomA,

ja, ganz richtig, ich meinte auch einer der Größten des 20.Jahrhunderts.
Aber der "schoof"elige Beitrag davor hat mich stark gereizt !
Gruß Wolfgang
Hüb'
Moderator
#22 erstellt: 01. Mrz 2005, 21:24
@Wolfgang:
Kommst Du eigentlich aus Münster oder woher kennst Du den Ausdruck "Schofel"?

Grüße,
Frank
Susanna
Hat sich gelöscht
#23 erstellt: 01. Mrz 2005, 22:03

Hüb' schrieb:
@Wolfgang:
Kommst Du eigentlich aus Münster oder woher kennst Du den Ausdruck "Schofel"?


Hallo Frank,

man muß nicht unbedingt aus Münster kommen :D, um dieses ursprünglich jiddische Wort zu kennen. Ich verwende es jedenfalls schon seit eh und je in dem im Link angegebenen Sinn:

http://66.102.9.104/...sch&hl=de&lr=lang_de

Gruß,
Susanna
Uwe_Schoof
Ist häufiger hier
#24 erstellt: 03. Mrz 2005, 01:02
Hallo Wolfgang,
natürlich darf man in seinem 4. Beitrag nicht so schoofelig sein, Schostakovic zur Schnecke zu machen. Aber das ist ja auch gar nicht möglich, denn
1. ist Schostakovic über jede Zur-Schnecke-Macherei erhaben,
2. hab ich das doch gar nicht so gemeint, wie Du meine Zeilen interpretiert hast. In meinem Beitrag vom 27.02. habe ich meine Liebe zu seiner Musik erwähnt und
3. als beistimmenden Kommentar zu Steff habe ich sagen wollen, dass auch ich der Meinung bin, dass D.S. viele Werke banal komponiert hat, womit ich "äußerlich banal" meine, im Sinne von sarkastisch und ironisch, die Banalität der politischen Erwartungen betreffend. Aber selbstverständlich sind auch die meisterhaft.
4. Aber besonders die doch intimeren Streichquartette (vielleicht auch die Violinkonzerte) gehören für mich zu den größten Musikwerken überhaupt.
Schöne Grüße,
Uwe
s.bummer
Hat sich gelöscht
#25 erstellt: 08. Mrz 2005, 01:25
Hallo,
ich will mal versuchen zu vermitteln.
DS hat als quasi noch zeitgenössischer Komponist manche Lusche zu verantworten, auch aus politischen Gründen (Lied von den Wäldern). Er ist zwar nie so platt wie Kollegen wie Khachaturian (Gayaneh) oder Prokofieff geworden, davor hat ihn sein Talent (Khachaturian) oder die fehlende Geldgier (Prokofieff)bewahrt, doch muss man sich bei ihm durch die vielen Werke durcharbeiten, bis man zu den wichtigen stößt. Und davon gibt es sehr sehr viele. Mindestens 12 Sinfonien sind grossartig, 1,2,4,5,6,7,8,9,10,11,13,14,15, alle 15 Streichquartette, das Quintett, die Oper, die Streichtrios, die Preludien und Fugen op87, Preludien op.34, Klaviersonaten, die Ballettmusik, ach, was schreibe ich! Es ist so schrecklich viel! Mehr als bei Beethoven oder Brahms, von Mahler ganz zu schweigen!
Wer kann da in Quantität und Qualität im 20. Jahrhundert mithalten?
Ich fürchte und sage keiner!
Also kann ich doch nicht vermitteln. DS war der Größte im 20. Jhdt.

Gruß S.


[Beitrag von s.bummer am 08. Mrz 2005, 01:26 bearbeitet]
Martin2
Inventar
#26 erstellt: 08. Mrz 2005, 02:20
Lieber S.Bummer,

auch wenn ich die Streichquartette nur zu einem Teil kenne ( das wird nachgeholt!), muß ich Dir doch einfach Recht geben. Natürlich gibt es bei Strawinsky oder Prokovjev und anderen grandiose Sachen. Aber wer im 20. Jahrhundert konnte denn die Sinfonie noch mit so großartigem Leben erfüllen wie Schostakowitsch? Ich glaube ganz genau so wie Dir geht es mir auch: Bei allem großartigen musikalischen Talent, das andere hatten, ist es doch letzlich nur Schostakowitsch, der einen wirklich so im innersten berührt, daß man das Gefühl hat: Das ist ein ganz großer, nicht nur ein großes musikalisches Talent, sondern jemand, der wirklich ganz große, ganz ernsthafte Musik gemacht hat, die alle Dinge der Epoche bündelt und zusammenführt.

Nein, da kann ich auch nicht vermitteln und will es auch gar nicht. Bartok, Strawinsky, Hindemith, Prokovjew, Messian und viele andere - alles großartige Komponisten aber letzlich - ist es doch immer nur der Schostakowitsch.


Gruß Martin
AcomA
Stammgast
#27 erstellt: 08. Mrz 2005, 14:23
hallo s.bummer,

ich behaupte, dass quantität nicht alles ist ! gerade bei schostakowitsch (wie z.b. auch bei den bruckner-sinfonien) kehren motive oder themen, wenn auch nur gering abweichend, immer wieder. viel redundanz also. bela bartok z.b. hat längst nicht soviel komponiert, jedoch nahezu jedes werk ist nicht nur kompositorisch eindrucksvoll, sondern auch individuell in form und ausdruck. ich will damit schostakowitsch nicht schmälern, aber ich erwehre mich gegen aussagen, wie 'der größte'.


gruß, siamak
Rocki
Ist häufiger hier
#28 erstellt: 08. Mrz 2005, 16:45
Schostakowitsch ist ein ganz Großer!

Seine Symphonien und Streichquartette höre ich seit Jahren sehr gern. Neulich habe ich die Lady Macbeth entdeckt - einfach nur abgefahren. Die Initialzündung war damals für mich, als wir mit unserem Orchester das erste Cellokonzert gemacht haben, sehr zu empfehlen.
Es ist natürlich richtig, daß allzu dem Schönklang und der Harmonie verpflichtete Hörer damit ihre Probleme haben. Ich finde aber, daß man um Schostakowitsch als Musikliebhaber nicht mehr herumkommen kann. Er ist ein Klassiker der Moderne.
s.bummer
Hat sich gelöscht
#29 erstellt: 08. Mrz 2005, 23:42
Danke Martin,
ich mag halt die Musik von DS besonders gern und habe auch recht viel von ihm.
Ein Schatz, der noch zu heben ist, bzw. nur stückweise gehoben wird, ist sein sehr umfangreiches Werk von Filmmusiken.
Damit hat er sich in der Stalinzeit über Wasser gehalten und er muss sehr anerkannt gewesen sein.
Gruß S.

PS. Zwei andere waren vor DS für mich im 20. Jhdt maßgebend, die Zeiten ändern sich eben: Erst Charles Ives und dann Carl Ruggles, bei letzterem passt das verfügbare Gesamtwerk auf eine DoppelCD, dabei wurde der Kerl 97 Jahre alt.
Hauptwerk: Suntreader. Da fliegt der Kopf weg.
Thomas133
Hat sich gelöscht
#30 erstellt: 05. Nov 2007, 12:45
Hallo,

Ich hab jetzt keinen speziellen Thread über seine Klavierkonzerte gefunden. Die Anzahl der Einspielungen scheint ja ziemlich spärlich zu sein - kann hier jemand etwas empfehlen?
Ich habe sie CD-mäßig nur unter der Brilliant-Classic "Konzert-Gesamtausgabe", die Klangqualität ist jedoch ziemlich dürftig und das Klavier klingt eher an die ersten Gehversuche eines Hammerklaviers als an einen Flügel.
Ich habe auch eine von einem Interpreten freigegebene Einspielung des 1.KK entdeckt - was halten die Kenner davon? (zum. der Klavierklang ist hier als solches zu erkennen )
1.Klavierkonzert - Schostakowitsch

gruß
Thomas
Rajiv_
Ist häufiger hier
#31 erstellt: 09. Dez 2007, 02:59
Bin ehrlich gesagt immer etwas vorsichtig, wenn es darum geht mit Superlativen um sich zu werfen; deswegen gibt es für mich keinen "besten Komponisten des 20. Jh.". Eher gibt es da eine Gruppe von Komponisten, da würde ich Schostakowitsch aber garantiert dazuzählen. Aber auch Sibelius oder Rachmaninow und etliche andere.
Schwierig ist ja schon die Definition "Komponist des 20. Jh.", reicht es wenn mind. ein Werk im 20. Jh. uraufgeführt wurde oder soll es wenigstens die Hälfte aller relevanten(welche sind die relevanten Werke?) Werke sein oder müssen alle Werke im 20. Jh. entstanden sein?

Unstrittig ist, daß Schost. etliche herausragende Werke geschaffen hat und demzufolge zu den "Großen" zählt.

Ich glaube, eine tiefergehende Einschätzung über die Bedeutung kann man erst in vielen Jahrzehnten geben. Dann wenn die Kompon. d. 20. Jh. eben wahrscheinlich weniger gespielt werden als heute und dann werden unsere Urenkel gewissermaßen die "besten Komponisten d. 20. Jh." küren. Hoffentlich drehen wir uns alle da nicht im Grabe herum, wenn wir deren Votum erfahren.

Rajiv


[Beitrag von Rajiv_ am 09. Dez 2007, 02:59 bearbeitet]
mark_aux
Ist häufiger hier
#32 erstellt: 17. Dez 2007, 00:29
Meine ganz persönliche Meinung zu DS ist nicht ganz einfach zu beschreiben. Ich komme mir etwas vor, wie ein Bergarbeiter, der einen ganz tiefen Tunnel in einen unendlich großen Berg gräbt, ohne zu wissen was vor ihm liegt...
Schostakowitschs Werk erschließt sich mir langsam, doch dann ergründet man immer neue und spannende Dinge darin. Jedenfalls ist es für mich keinesfalls Musik, von der ich schnell zu begeistern bin.
Ich frage mich dann auch immer, ob es eigentlich so sein soll wie man es wahr nimmt, oder ob sich mal wieder doppeldeutige Aussagen und Ironie hinter dem eben gehörten verbergen.

Jedenfalls ganz klar: Ein DS ist eine unergründliche Quelle an Inspriation und subjektiver Verarbeitung seiner Umwelt. Ein 'ganz Großer' jedenfalls ist er zweifellos!
bak
Schaut ab und zu mal vorbei
#33 erstellt: 20. Dez 2007, 14:23
Shostakovich erlebe ich sehr geteilt. Zum einen die Symphonien, von denen er wusste, dass Stalin sie hören würde und entsprechend vorsichtig war. Der (Trauer-)Marsch am Ende der Siebten, (ich glaube es war die Siebte, manchmal bringe ic die Zahlen durcheinander.) ist immerwieder herovrragendes Beispiel dafür. Sicher ist es ironisch, aber es zeugt von einem Druck, und er hätte sicher anders geschrieben, hätte es diesen nicht gegeben. Mitte, erster Satz, (sicher die 7.) erinnert mich eine Passage an das von mir meistgehasste Stück: Bolero.
Als ich das erste Mal das Klavierkonzert Nr. 2 F-Dur op. 102 hörte, musste ich lachen, da ich dachte es sein eine hervorragende Parodie, doch es ließ nicht nach, und ist für mich eines seiner oberflächlichsten Werke. Kurz darauf schrieb er das schon erwähnte Chello Konzert Nr. 1, e-flat Opus 107. Zum Niederknien. Ich habe eine Aufnahme mit Rostropowitsch, eine Zeit lang meine liebste. Nun ist es mir zu alt, und ich höhre zeitgenössisches.
-bak
Martin2
Inventar
#34 erstellt: 20. Dez 2007, 16:45
Hallo Bak,

also ich mag Schostakowitschs 2. Klavierkonzert sehr. Es ist mit Sicherheit eines der konservativeren Werke Schostakowitschs, aber ein sehr schönes. Aber die Geschmäcker sind halt verschieden.

Gruß Martin
Schneewitchen
Inventar
#35 erstellt: 21. Dez 2007, 22:23
Die Klavierkonzerte und Cellokonzerte gefallen mir sehr,einige Sinfonien,die ich bisher gehört habe,sind mir zu "bombastisch".
An andere Werke werde ich mich noch heranwagen.
Joachim49
Inventar
#36 erstellt: 21. Dez 2007, 23:04
Als bei Brilliant die Box mit allen Symphonien herauskam, habe ich mir mit einer Überdosis erst einmal den Geschmack verdorben, da ich alle Symphonien innerhalb von drei Tagen hörte (sollte man nicht tun). Mit den Quartetten ging's mir ähnlich. Seitdem habe ich die Siebte wieder gehört, die mich sehr enttäuscht hat, irgendwie fand ich sie trivial und langweilig. Schönberg hörte mal die 7. und man sagte ihm, der Komponist habe schon 7 Sinfonien geschrieben, worauf Schönberg geantwortet haben soll: bei dieser Art zu komponieren würde es mich nicht wundern, wenn er schon 100 geschrieben hätte.
Aber dann hab ich mal wieder den langsamen Satz aus der 5. gehört, und ich war ergriffen. Und genauso ging's mir als ich live das faszinierende St. Lawrence Streichquartett mit dem abgedroschenen op 110 hörte. Das ging unter die Haut. Und die Bratschensonate (mit dem stets wieder abbrechenden Mondscheinsonatennmotiv) hat lange in mir nachgeklungen.
Mag ich Schostakowitsch, oder nicht? Offensichtlich ja und nein. Wenn er, wie etwa Brahms, etwas selbstkritischer gewesen wäre, dann wär's wahrscheinlich besser gewesen. Und ich will, wie manche Biographen, nicht ausschliessen, dass der Anti-stalinismus von Schostakowitsch eine Erfindung der Plattenindustrie ist, um aus ihm den einzigen 'modernen klassischen Erfolgsschlager' zu machen.
Freundliche Grüsse
Joachim
Martin2
Inventar
#37 erstellt: 22. Dez 2007, 00:24
Hallo Joachim,

ich will nicht einen Uraltstreit aufwärmen, ich mochte den Barshai nicht und habe mich damit hier gewaltig in die Nesseln gesetzt. Der Jansons - war zumindestens mal - auch sehr billig und hat mich mehr überzeugt. Sonst habe ich noch -teilweise - Slovak und Haitink auch Karajan für die 10.

Ich denke die Sinfonien sind auch ungleichgewichtig. Die 12. finde ich nicht so doll, die 11. hat ihre Momente ohne daß sie mich als ganzes zu überzeugen wüßte.


habe ich mir mit einer Überdosis erst einmal den Geschmack verdorben, da ich alle Symphonien innerhalb von drei Tagen hörte (sollte man nicht tun). Mit den Quartetten ging's mir ähnlich.


Nein, das sollte man in der Tat nicht tun. Ich habe die Streichquartette mit dem Rubioquartett schon ein paar Monate, aber bis auf das 2. , 8. und 13. noch nichts weiter gehört. Und wenn ich die Streichquartette wieder höre, dann vermutlich das 2. und 8.

Warum läßt Du Dir nicht mehr Zeit? Klassische Musik ist doch kein Pflichtpensum, das man absolvieren müßte, man kann sich doch Zeit lassen, viel Zeit ...

Gruß Martin
Joachim49
Inventar
#38 erstellt: 22. Dez 2007, 19:52

Martin2 schrieb:

Warum läßt Du Dir nicht mehr Zeit? Klassische Musik ist doch kein Pflichtpensum, das man absolvieren müßte, man kann sich doch Zeit lassen, viel Zeit ...
Gruß Martin


... ich bin nicht mehr so jung und die Ohren werden nicht besser (ein Bekannter von mir hat so eine Testplatte, mit der man festestellen kann, welche Frequenzen schon weg sind; hab mich nicht getraut es selbst auszuprobieren). Wegen der Janson-Box jucken mir auch immer wieder die Finger (gestern noch), aber bisher habe ich mich noch beherrscht.
Joachim
Martin2
Inventar
#39 erstellt: 22. Dez 2007, 21:24
Hallo Joachim,

das mit den Frequenzen beunruhigt mich nicht wirklich. Die Höhen lassen im Alter nach, das ist schon richtig, aber der größte Abfall ist schon in den jungen Jahren, also ab 20 läßt das rapide nach, in höheren Jahren aber ist der Abfall nicht mehr so stark, also ob Du dann 60 bist oder 70 macht den Kohl auch nicht mehr fett. Ein junger Mensch hört eben bis 20.000 Herz, ein alter bis 10000 Herz. Die ganz hohen Höhen sind bei mir mit 46 vermutlich auch schon größtenteils weg. Es hindert mich nicht, Musik mit Genuß zu hören.

Ich finde bei Schostakowitsch die besten 5 - 10, mit Abstrichen 4. Du solltest wirklich 5 - 10 hören, da war -für mich - Schostakowitsch auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Also ich habe heute mal wieder mich durch die 14. gequält, das mag alles tief empfunden sein, ist aber wirklich ein Quälerei, sich das anzuhören.

Ich denke, man muß sowieso damit leben, das man bestimmte große Musik auch verpaßt. Es ist einfach keine Freude, sich zuviel auf einmal reinzuziehen. Das bringt m.E. überhaupt nichts. Große Musik ist anspruchsvoll, sie will öfter gehört werden, bis zu dem Punkt, daß Du sie wirklich verstehst. Daß Dir alles sinnvoll erscheint. Dann ist sie eine große Freude. Vorher ist sie nur nervtötend. Ich hatte ja selbst erst neulich den Fall, daß ich Beethoven Streichquartette Opus 59,1 und Opus 74 furchtbar langweilig fand. Beim ersten Hören eben. Ich erntete hier natürlich einen Aufschrei der Entrüstung. Den habe ich gebraucht. Ich hörte die Streichquartette öfter und finde sie wunderbar.

Es ist auch so, daß gute Musik häufig auch einfach "zu viele Informationen" enthält, die Du auf einmal nicht verarbeiten kannst. Was Du nur hast sind "Ähnlichkeitsmuster" anhand Du derer Du die Musik nur irgendwie verarbeitest, wobei Dir das Originelle von Partituren aber beim ersten Hören entgeht.

Es ist auch irgendwie seltsam. Wenn Du ein Werk beim ersten Hören nicht verstehst, so ist der erste Gedanke, wenn ich sie beim ersten Hören nicht verstanden habe, warum soll ich sie beim zweiten mal verstehen? Das erste Hören, oder manchmal auch das zweite oder dritte, hat doch überhaupt nichts gebracht! Ich habe mich doch nur gelangweilt und von der Musik eigentlich gar nichts aufgenommen! Aber irgendwie hat sich eben doch irgendetwas in Deinem Unterbewußtsein verändert, auch wenn es nur völlig gelangweiltes Hören war.

Manchmal kapituliere ich aber auch; bei Vaughan Williams 4. Sinfonie habe ich kapituliert. Ich mag sie einfach nicht.

Gruß Martin
Martin2
Inventar
#40 erstellt: 31. Okt 2010, 19:25
Kinder, wie die Zeit vergeht und wieviele, die hier vor Jahren noch schrieben, nicht mehr hier schreiben.

Mit Schostakowitsch bin ich in den letzten Jahren nicht weiter gekommen. Immer wieder mal höre ich bestimmte Sachen, wie die 8. Sinfonie und mache um andere einen weiten Bogen.

Die Streichquartette etwa habe ich schon ein paar Jahren mit dem Rubioquartett, aber außer ein paar Sachen habe ich nichts davon gehört.

Es wäre mir angenehm, wenn wir mal wieder über Schostakowitsch ins Gespräch kämen.

Gruß Martin
Szellfan
Hat sich gelöscht
#41 erstellt: 31. Okt 2010, 19:55
Hallo Martin,
vor vielen Jahren bin ich mal gerügt worden, weil ich gesagt habe ich "mag" etwas. Ich solle mich nicht so indefferent ausdrücken, solle lieber eine genauere Formulierung suchen, etwa ich liebe oder ich schätze....
Im Falle DSCH erinnere ich mich immer wieder daran, denn "mag" ich seine Musik? Dieses "mögen" klingt irgendwie so vertraulich und ein solches Verhältnis habe ich zu dieser Musik nie gefunden.
Aber ich liebe sie sehr, ungemein sogar, sie hat mich in schwierigen Situationen meines Lebens stets begleitet, aber auch sonst.
Vielleicht wird hier ja auch, sowohl an dieser Stelle als auch an anderer, nicht mehr über ihn geschrieben, weil so lange keine Aufnahme erschienen ist, über die zu diskutieren lohnte?

Oder aber wegen der Rezeption?
Die letzten CDs, die ich gekauft habe, waren die Sinfonien mit Maxim Schostakowitsch und die Streichquartette mit dem Beethoven- Quartett.

Hier im Forum las ich hier und da immerhin mal den Namen Maxims; " an der Front", also im Handel selbst, blieben die Aufnahmen immer stehen, währens Haitinks "Kuschel"- Aufnahme regen Absatz fand.
Bei den Streichquartetten ebenso, Borodin-Qt. wird gekauft, ist ja ach soooo authentisch, Beethoven- Qt. bleibst stehen, kennt wohl keener. Na immerhin, ein Mal ist uns die Box ja wenigstens geklaut worden....

Ob hier wohl wieder jemand einsteigt?
Viele Grüße, Mike
Martin2
Inventar
#42 erstellt: 31. Okt 2010, 20:38

Szellfan schrieb:

vor vielen Jahren bin ich mal gerügt worden, weil ich gesagt habe ich "mag" etwas. Ich solle mich nicht so indefferent ausdrücken, solle lieber eine genauere Formulierung suchen, etwa ich liebe oder ich schätze....


Das mögen gewisse Leute so sehen, nur wird m.E. im Internet in dem Bestreben, sich genauer auszudrücken als das eigene Hörvermögen reicht, auch jede Menge Blödsinn geschrieben. Neulich etwa in einem anderen Forum über den Beethoven mit Brendel. Ich mag dieses überall anzutreffende Geschwurbel ehrlich gesagt überhaupt nicht. Natürlich bemühe auch ich mich gelegentlich, mich etwas genauer auszudrücken, weils dadurch ja auch interessanter klingt. Aber es gibt gar nichts dagegen zu sagen, wenn jemand schreibt: "Das mag ich" oder "Das finde ich gut". Außerdem ist ein Klassikforum kein Eloquenzwettbewerb.
Szellfan
Hat sich gelöscht
#43 erstellt: 31. Okt 2010, 21:31
Hallo Martin,
tut mir leid, ich hatte nicht vor, gerade an diesem Ort eine "Formalismusdiskussion" anzufachen.
Außerdem, da bin ich sicher, daß Du das weißt, wollte ich nicht genau formulieren um mich interessant zu machen.
Herzliche Grüße, Mike
Hüb'
Moderator
#44 erstellt: 01. Nov 2010, 21:29
Hallo Martin,

hör dir doch mal die 4. Sinfonie an. Das ist ein Ereignis, ein Sturm, ein Wahnsinn - einfach ein erschütternder Grenzgang!

Mein Tipp (da live ein unglaubliches Erlebnis!):

amazon.de

Grüße
Frank
Martin2
Inventar
#45 erstellt: 01. Nov 2010, 23:07
@ Mike

also ich habe die Schostakowitschstreichquartette mit dem Beethoven Quartett bei Amazon Quartett nirgendwo gefunden. Ich habe die Rubio Quartettaufnahme, was hältst Du von der?

@ Frank
Danke für die Empfehlung, aber diese Aufnahme ist wirklich sehr teuer finde ich.

Gruß Martin
WolfgangZ
Inventar
#46 erstellt: 01. Nov 2010, 23:19

Martin2 schrieb:

@ Frank
Danke für die Empfehlung, aber diese Aufnahme ist wirklich sehr teuer finde ich.

Gruß Martin


Hallo, Martin!

Greif doch zum günstigsten Marktplatzangebot! Dann bleibt mir immer noch das nächstgünstige!

Wolfgang
Martin2
Inventar
#47 erstellt: 01. Nov 2010, 23:52
Hallo Wolfgang,

erst soll sich mal Mike zur Sache äußern. Ich habe ja übrigens schon ein paar Schostkowitschs 4. Barshai, Janons und Slovak. Slowak ist nicht gerade perfekt, aber emotional kam für mich da am meisten rüber. Rostropowitsch mit dem National Orchstra hatte ich mal aus der Bücherhalle geliehen, die klang bombig, aber für mich ist eben dieses Ende der 4. so wichtig, diese versickernde Traurigkeit ( blödsinnige Formulierung), bei Slowak rührte mich das zu Tränen ( und das passiert nicht oft). Trotzdem höre ich den Slowak auch nicht mehr oft, weil Slowak sicher nicht so gut ist ( das Orchester ist nicht so dolle). Bräuchte dann was besseres, aber mit derselben emotionale Power wie Slowak.

Gruß Martin
flutedevoix
Stammgast
#48 erstellt: 02. Nov 2010, 01:22
Hallo Martin,

du erwähnst hier die Slowak-Einspielung der 4. Sinfonie, die ich zugegebenermaßen nicht kenne. Ich wurde nur von diesen Naxos-Einpielungen mal sehr abgeschreckt, als mir ein Bekannter die 7. aus dieser Reihe auslieh.

Der Interpretationsansatz war irgendwie unentschlossen. Man merkte schon den Ansatz zur Expressivität, aber so richtig Zuspitzen gelang auch nicht. Was vielleicht, und das ist meine bleibendste Erinnerung, am schlimmsten wog, war aber die recht schlechte Orchesterqualität und zwar in fast allen Parametern. mit Sicherheit war diese durchwachsene Orchesterqualität auch einer der Hauptgründe für die mangelnde Zuspitzung. Es fehlte an klanglichen Schattierungen, rhythmischer Unerbittlichkeit und, wenn ich mich richtig erinnere auch sehr an Homogenität.

Mich würde nun interessieren, ob du die 7. aus der Reihe kennst und wie Du sie beurteilst, vielleicht auch im Vergleich mit der 4. Mich interessiert, ob der ganze Zyklus auf dem mir in Erinnerung gebliebenen Niveau bleibt oder es eben Ausreißer gibt.

Interessanterweise fand ich meinen Zugang zu Schostakowitsch mit den Sanderling-Einspielungen (Kurt) bei Berlin Classic. Ich kannte und besaß lange nur Haitink und fand ihn, obwohl hoch gelobt, recht langweilig.
Martin2
Inventar
#49 erstellt: 02. Nov 2010, 01:51
Hallo Flutedevoix,

nein ich glaube die 7. war kein Ausreißer. Als noch schlechter habe ich die 8. in Erinnerung. Was Du als "Zuspitzung" beschreibst kann diesem Orchester aus Bratislava nicht gelingen.

Natürlich ist das schon ein gutes Orchester, aber man hat permanent das Gefühl: Hier gibt es Spitzenorchester, die das einen Zacken schärfer spielen können.

Nur gefiel mir der Barschai eben auch nicht und auch nicht der Jansons. Das heißt sie gefielen mir schon in gewissem Maße, aber meinetwegen die 1. mit Jansons ( sogar mit den Berliner Philharmonikern!) ist wirklich langweilig, die 7. mit Barshai ( auch klanglich!) trocken.

Bei dem Rostropowitsch mit der 4. hat ich den Eindruck einer an sich guten Aufnahme, die an sich gut klang, aber kalt und das Ende ist die Idee zu schnell, wo Slowak doch viel eindrucksvoller klingt.

Zusammengefaßt gesagt:

Gerade beim Schostakowitsch bin ich für Neuigkeiten grundsätzlich offen. Es muß da noch besseres geben. Vielleicht erlebe ich es ja noch mal in meiner Lebenszeit, daß da noch mal ein gutes Angebot kommt, wo ich dann auch zuschlagen werde. Kondrashin, Swetlanov, Mrawinski - irgendwie sowas. Slovak ist da nur ein Lückenbüßer. Jansons etwa arbeitet mit Sicherheit mit besseren Orchestern, aber sonderlich spannend fand ich ihn nicht. Ich kaufte ihn günstig, aber irgendwann sah ich den ganzen Schostakowitsch mit Jansons sogar für 10 Euro - sehr generös, aber dann kann das unmöglich gut sein. Was wären denn Deine Empfehlungen?

Gruß Martin
Szellfan
Hat sich gelöscht
#50 erstellt: 02. Nov 2010, 07:33
...flutedevoix schreibt, daß die mangelnde Orchesterleistung einer der Hauptgründe sei für die mangelnde Zuspizungbei Slovak.
Kennt jemand die alte Einspielung mit Karl Eliasberg?
Gerade in den russischsprachigen Ländern gilt diese Aufnahme immer noch als DIE siebente.
Ich kann das nachvollziehen. Das Orchester ist auch nicht perfekt, das wollen die auch gar nicht unbedingt sein.
Etwas anderes ist hier das Wichtigste.
Etwas ganz einfaches, das so schwer zu machen ist:
Mut.
teleton
Inventar
#51 erstellt: 02. Nov 2010, 13:02
Hallo Szellfan, martin und alle,

zunächst die Frage von martin: Was hällst Du von der Aufnahme mit dem Rubio-Quartett der Streichquartette ?

Ich habe diese auch und halte nicht für besonders empfehlenswert - ziemlich langweilig und ohne die so wichtigen russischen gesten. War fast klar das Du diese Brillant-Box hast.
Wenn es um die streichquartette geht, dann nur die aufnahme mit dem Borodin-Quartett ! Und die ist nach wie vor nicht billig zu haben !

Nach meinem Geschmack greife ich aber lieber zu den Streichorchestrfassungen von Rudolf Barschai in seinen fabelhaften DG-Aufnahmen.
Auch hier ist die Brillant-Box mit einem italienischen Piepsorchester" das was ich selten schreibe, aber hier trifft es den Kern: Schrott !


Zu den Sinfonien:
Ich wundere mich ja über die bisher genannten Dirigenten, da hier die Referenzen (auch mit diesem Wort soll man vorsichtig sein) nicht genant wurden.
Seit ich Schostakowitsch, damals erstmalig auf Eurodisc-LP mit Kondraschin - es war die Sinfonie nr.9 - hörte, gehört er zu meinen absoluten Lieblingskomponisten.
*** Die GA mit Kondraschin (AULOS) - (dazu haben wir hier auch einen langen Thread !); Roshdestwensky (Eurodisc) und Einzelaufnahmen mit Swetlanow und Mrawinsky gehören zu den Aufnahmen, die Schostakowitsch bestmöglich präsentieren.

*** Als "moderne referenz", wie ich es an anderer Stelle mal erwähnte, ist die klangstarke Ashkenazy-GA (Decca) noch zu erwähnen.
Barschai auch durchweg als Westaufnahme mit dem Kölner RSO ist nicht zu verachten - durchweg gut !

* Die von Szellfan genannte Maxim Schostakowitsch-GA (Supraphon) habe ich auch, aber von dieser war ich enttäuscht, zumal Maxim weit früher mit der Moskauer PH eine der besten Aufnahmen der Sinfonie Nr.15 (Eurodisc) aufgenommen hatte, wie es sich für einen Sohn gehört ! Aber die Prager Aufnahmen lassen mich erstaunt und ratlos zurück ... sie erreichen die o.g. Referenzen nur bedingt.

** Obwohl Bernstein Schostakowitsch anders sieht, manchmal sogar missversteht, so finde ich alles was Bernstein vorglegt hat trotzdem fastzinierend. Ich habe davon eine ganze Reihe SONY-Einzel-CD´s - besonders die Fünfte in New York und absolut umwerfend die 5te Live in Tokyo mit den NewYorker PH (CBS), sind schon ganz schön heisse Eisen.

** Haitink (decca) habe ich ja noch vergessen. Diese gehörten zu meinen ersten CD-Aufnahmen einiger schostakowitsch-Sinfonien. Ichfinde diese nicht so übel, wie hier flutevox zum beispiel schreibt. Sicher hatte mich damals zuerst die fabelhafte Decca-Klangtechnik begeistert. Haitink steht auch nicht hinter allen Sinfonien, die er nur als ganzes wegen der Vertragsbindung aufnahm. Das merkt man deutlich. Aber die Sinfonie Nr.8 ist einer der stärksten Aufnahmen und IMO die Beste mit Haitink; während ich den ersten Satz der Fünften mit ihm viel zu langgezogen empfinde. Sehr gut auch die Sinfoien Nr. 7,11 und 12. Katastrophe die 15 mit vertauschten Kanälen (in der CD-Version, die ich mal geliehen hatte) und ohne das gebotene Fernorchester (bei ihm in den Normalklang integriert).
Meine späteren CD´s mit Roshdestwensky zeigten mir dann wer und was Schostakowitsch ist und wie er klingen muss !!!


[Beitrag von teleton am 02. Nov 2010, 13:18 bearbeitet]
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