Kassette verzerrt

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Franky666
Stammgast
#1 erstellt: 28. Jan 2012, 23:55
Hallo,

bitte lacht nicht, wenn ihr das lest.

ich habe letztens bei meinem Großvater versucht, eine CD auf eine Kassette zu spielen. Sonst habe ich das nur immer anders herum gemacht.

Nun sind da diese Aussteuerbalken wie im PC, also diese Lämpchen und ein Knopf zum Pegeln. Ich habe auch darauf geachtet, dass das letzte Lichtlein nie aufleuchtet, also ausgesteuert ist sie optimal.

Nun ja, die Aufnahme ist trotzdem sehr radiotauglich geworden. Sie klingt leblos, zusammengepresst, verzerrt und alle Details, besonders die Anschläge, sowie die Dynamik sind völlig weg.

Dann habe ich nach etwas Suchen so Knöpfe mit "Dolby" gefunden. Wenn ich daran gefummelt habe, hat das die Höhen beeinflusst. Laut Google ist das n Rauschfilter, aber es rauscht auf allen Positionen sehr, nur mal greller und mal dumpfer.

Das ist schon ein ziemliches High-Tech-Gerät, ich glaube sogar Sony oder Technics. Man kann da die Kassette auch umdrehen, ohne sie wirklich umdrehen zu müssen und allen kram.

Die Kassette ist schonmal bespielt gewesen, hat das damit was zu tun?

Ich bin ein Kind der Digitalität und möchte nur eine Kassette anfertigen, die vernünftig spielt, da mein Opa das Gerät ebenso wenig bedienen kann und er in seinem kommenden Urlaub keinen CD-Player hat. An der Aussteuerung ist noch son Schalter mit Chrom oder so, der zwei oder drei Schaltmöglichkeiten hat. Wie mache ich sowas richtig, damit das fast so gut wie die CD klingt?
DunRig
Ist häufiger hier
#2 erstellt: 30. Jan 2012, 15:41
Hallo Franky666,

ich vermute, die Tonköpfe deines Rekorders sind verschmutzt.
Ob die Köpfe verschmutzt sind, erkennst du an einem bräunlichen Belag (Bandabrieb - meist von den billigen Fe-Kassetten) auf den bandführenden Flächen.

Abhilfe:
Wattestäbchen oder TempoTaschentuch (je nach dem wie gut du an die Köpfe dran kommst) mit etwas Isopropylalkohol tränken.
Es geht auch Wodka oder ähnliches (hauptsache keine Aromaten bzw. oelige Substanzen und hochprozentig) oder Spucke (so mach' ich das immer - aber sag's keinem...)

Hiermit machst du den Tonkopf, den Löschkopf und - wenn du schon dabei bist - die Gummiandruckrolle inkl. der dieser gegenüberliegenden Stahl-Antriebswelle sauber.

Vorsicht bei der Anduckrolle. Zuviel Alkohol bringt die Gummirolle zum aufquellen (nicht gleich, aber bei Wiederholungstätern).
Diese wird event. ballig und das Band wird nicht mehr gerade durchgezogen sondern in Schlangenlinien.
Folge kann sein: eiern oder Bandsalat. (Aus diesem Grunde nehme ich für die Rolle immer Spucke - aber ohne Speisereste :-)

Dieser Belag erzeugt
- beim Löschkopf, das die Cassette nicht richtig vormagnetisiert wird
- beim Aufnahmekopf, das die Frequenzen nicht alle optimal aufgespielt werden
- beim Wiedergabekopf, das die Frequenzen nur unzureichend abgetastet werden
- bei der Andruckrolle, daß das Band eiert oder es Bandsalat geben könnte.

Beim überspielen einer bestehenden Aufnahme hast du dann genau deinen beschriebenen Effekt - dumpf, Störgeräusche aus dem Hintergrund (Musikreste der urspünglichen Aufnahme) etc.

Wenn das noch nicht hilft:
Prüfen, welche Art von CompactCassette du bespielen willst, die da wären:
- Fe - Typ I (standard Eisenoxid-Kassette - guter Bass, aber hoher Abrieb)
- Cr - Typ II (Chrom - gute Höhen, weniger Bass aber auch sehr geringer Abrieb)
- FeCr Typ II/III (Ferrochrom - eine Mischumg beider Beschichtungsmaterialien - guter Bass und gute Höhen bei mäßigem Abrieb)
- Me - Typ IV (Reineisen - bestes Material wenn Markenmaterial - top Bässe, top Höhen und so gut wie kein Abrieb)

Falls auf der Cassette nicht draufsteht, was für ein Typ es ist, so kannst du alle Kassettentypen an der Kopfseite der Kassette erkennen (siehe Bild)

- Fe (oben)
- Cr bzw. FeCr (mitte)
(Achtung: Die ersten Reineisenkassetten sahen genauso aus, bis ein neuer Standard definiert und die zwei zusätzlichen Löcher eingebracht wurden. Solche Kassetten lassen sich nur mit Rekordern der ersten reineisenfähigen Serie bespielen, d.h. separate Schalter. Alle folgenden Reineisengeräte hatten eine automatische Banderkennung - die brauchten die Löcher! Aufnahmeversuche mit den neuen Geräten und den alten Kassettten (ohne zusätzliche Löcher) waren wegen der zu schwachen Vormagnetisierung klanglich grottenschlecht und mit den gleichen Rekordern auch nicht überspielbar, da sich die alte Aufnahme nicht richtig löschen lies)
- Me (unten)

CompactCassetten-Typen

Anschliesssend prüfen, ob der Kassettentyp zu deinem Rekorder passt.
Eisenoxid-Kassetten (Fe) werden mit 120µ aufgenommen, Cr/ FeCr und Me mit 70µ
Achtung:
Sollte es eine Reineisenkassette sein (Me) so kann diese nur auf einem reineisenfähigen Rekorder geschehen. Das steht dann auch auf dem Rekorder drauf.
Reineisen braucht erheblich höhere Magnetisierungsströme als die anderen Kassetten.
Wenn du versuchst eine Reineisenkassette in ChromPosition aufzunehmen wird das ein ganz bescheidenes Klangbild erzeugen, teilweise sogar mit Aussetzern.
Wenn du dann noch eine schonmal bespielte Kassette in dieser Einstellung überspielst, so kannst du beim anschließenden Abspielen im Hintergrung immer noch die alten Titel hören.

Noch was zu den Rauschunterdrückungssystemen wie Dolby B, Dolby C oder HighCom etc.
Diese Schalter müssen vor der Aufnahme auf die entsprechende Position gebracht werden.
Eine Wiedergabe sollte dann auch mit diesem System durchgeführt werden, da Dolby den Frequenzgang "verbiegt".
Eine nicht dolbysierte Kassette, die mit Dolby wiedergeben wird klingt dumpf und "pumpt".
Dolbysierte Kassetten, die ohne Dolby wiedergegeben werden klingen tendenzeiell höhenlastiger und rauschen auch mehr !
Sollte die Aufnahme für deinen Großvater für einen Walkman bestimmt sein, so lass alle Filter weg.
Wenn du eine gute Chromcassette hast, können die Pegel auch mal auf +6 db im "roten" Bereich deiner Anzeige ausgesteuert werden.
Das ergibt eine höhere Bandsättigung und weniger rauschen. Einfach mal probieren.

Wichtig zu wissen:
Alle oben beschriebenen KassettenArten lassen sich auf jedem handelsüblichen Billigabspieler wiedergeben.
Bei einer guten Aufnahme klingen dann sogar diese Billigspieler sehr gut.

Hoffe das hilft dir weiter
Gruß,
Rainer

P.S. Poste doch mal den genauen Typ deines Rekorders.


[Beitrag von DunRig am 30. Jan 2012, 15:54 bearbeitet]
peacounter
Inventar
#3 erstellt: 30. Jan 2012, 15:52

Das ist schon ein ziemliches High-Tech-Gerät, ich glaube sogar Sony oder Technics. Man kann da die Kassette auch umdrehen, ohne sie wirklich umdrehen zu müssen und allen kram.


da bist du allerdings im irrtum.

sony und technics haben auch sicher brauchbare tape-decks gebaut (und teilweise auch richtig gute), aber auch ne ganze menge müll.
beide firmen waren in der zeit der tape-decks eher für mittelklasse und schlechter bekannt.

und gerade die "auto-reverse"-decks sind fast alle schrott!
("auto-reverse" ist das, was du "umdrehen ohne umzudrehen" genannt hast)
da gibt es nur sehr wenige ausnahmen.

auto-reverse wurde bei den ganz schlechten tapes sehr häufig eingebaut, bei den mittelklasse bis oberklasse decks fast nie, weil es große probleme beim exakten ausrichten des tonkopfes zum band verursacht.

grüße,

P
DetM.
Stammgast
#4 erstellt: 30. Jan 2012, 16:24

Franky666 schrieb:
Nun sind da diese Aussteuerbalken wie im PC, also diese Lämpchen und ein Knopf zum Pegeln. Ich habe auch darauf geachtet, dass das letzte Lichtlein nie aufleuchtet, also ausgesteuert ist sie optimal.

Cassetten sollten i.d.R. nur 0dB ausgesteuert werden. Allerdings vertragen einige Cassetten auch bis zu +3dB. Da die Pegelanzeige aber häufig sogar bis +6dB geht, kann das vorletzte Lichtlein schon zu viel des Guten sein, was dann in übersteuerten (verzerrten) Aufnahmen resultiert.

LG,
Stefan
peacounter
Inventar
#5 erstellt: 30. Jan 2012, 16:59
und vor allem gilt bei cassetten-aufnahmen, dass man herumprobieren muß, bis man das richtige verhältnis aus dynamik und rauschen heraus hat.

das variiert auch je nach musik.

hat das teil einen "bias"-regler?

P
Franky666
Stammgast
#6 erstellt: 30. Jan 2012, 17:11
Vielen Dank für die vielen Antworten, die mich doch sehr forderten.

Es war wirklich ganz banal und der eine Tipp mit den dB hat mich drauf gebracht: Am Kassettenrecorder beginnen die roten Lampen nicht schon bei -6db und enden bei 0db, sondern beginnen erst bei 0 und gehen bis +12db. Damit habe ich sie sehr übersteuert. Demnach ist hier das erste rotlicht bereits übersteuert und nicht erst dann, wenn der Balken voll leuchtet. Nach Recherche im Internet gibt es diesen Unterschied bei Analog und Digital, was ich nicht wusste.

Habe sie nochmal so bespielt, dass keine der roten Lampen leuchtet und nun ist auch der weich-breiige Radiosound raus und die klingt für eine Kassette sehr gut und die Dynamik ist auch wieder da.

Ob das nun ein gutes oder schlechtes Gerät ist, weiß ich nicht. Ich meinte mit "gut" eher ein besseres Gerät als ein Radiorecorder oder sowas.

Danke!!!

@peacounter: Ist das der Knopf zum Aussteuern? Dann ja.


[Beitrag von Franky666 am 30. Jan 2012, 17:11 bearbeitet]
DetM.
Stammgast
#7 erstellt: 30. Jan 2012, 17:23

Franky666 schrieb:
Nach Recherche im Internet gibt es diesen Unterschied bei Analog und Digital, was ich nicht wusste.
Welchen Unterschied? CDs sind per Definition bis max. 0dB ausgesteuert.


Franky666 schrieb:
Habe sie nochmal so bespielt, dass keine der roten Lampen leuchtet und nun ist auch der weich-breiige Radiosound raus und die klingt für eine Kassette sehr gut und die Dynamik ist auch wieder da.
Schön, daß es jetzt geklappt hat.

LG,
Stefan
peacounter
Inventar
#8 erstellt: 30. Jan 2012, 17:34
nee, ich meine einen extra-regler mit der bezeichnung "bias"

scheint ein doch eher einfaches tape u sein.

grüße,

P
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