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Digitale Aufnahme auf Musik-Cassetten (DCC-MC)

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karbes
Gast
#1 erstellt: 12. Okt 2002, 04:36
Hallo,

ich habe einen kaum benutzten DCC-Recorder Philips Modell DCC-300 geschenkt bekommen.

Offenbar sind aber DCC-Kassetten nicht mehr zu bekommen (deshalb das Geschenk...?) .

Da DCC-Geräte auch MC-Cassetten abspielen können (DCC und MC demnach maßlich identisch sind...abgesehen von den Staubschutzschiebern der DCC), forschte ich im Internet nach, ob schon angedacht wurde, MC-Cassetten auch für Digital-Aufnahme zu benutzen.

In der Tat wurde ich fündig, und es wurden sogar Chrom-Cassetten (z.B. BASF CR-S II) als dafür geeignet beschrieben.

Um dem Gerät eine DCC-Cassette "vorzugaukeln", wurde beschrieben, daß in die MC-Cassette 3 (Index-) Löcher gebohrt werden müßten, damit die Fühlstifte des Gerätes auf Digitalbetrieb (DCC) umschalten.

Da ich jedoch das Bohren als zu umständlich empfand (zumal jede einzelne Cassette gebohrt werden müßte, mit der Gefahr, Cassette oder Band zu beschädigen) drehte ich den Spieß um, und durchtrennte im Gerät einfach die Kabel der entsprechenden Fühlstifte.

Hier wäre als Dauerlösung ein nach außen gelegter Schalterblock denkbar (wie z.B. diese "Mäuseklaviere" auf PC-Mainboards), mit denen man dann auf digital- oder analog-Betrieb umschalten könnte, aber auch auf die jeweilige Bandlänge, die bei DCC auch durch entsprechende Löcher und Fühlstifte im Gerät ermittelt wird (im Gerät sind etwa 6 Fühlstifte).

In der Tat konnte ich tatsächlich auf besagte stinknormale, überall erhältliche und preiswerte BASF Cromcassette digital aufnehmen.
Da damalige Tests (DCC kam 1992 heraus) teilweise bescheinigten, DCC läge in der Klangqualität sogar noch über "DAT" (was ich natürlich nicht beurteilen kann, es einfach so glauben muß) empfand ich mein Versuchsergebnis schon als kleine Sensation.

Meine Freude wurde jedoch durch ein für mich unerklärliches Phänomen gedämpft.
Bei mehreren Kassetten (auch andere Chrom-Fabrikate) setzte nach etwa 15 Minuten einwandfreier Wiedergabe der Ton aus. Nicht schroff, sondern mit allmählich zunehmenden Ausetzern bis zur völligen Stille (auch Aufnahmeversuche in der Mitte des Bandes schlugen fehl, es funktionierte immer nur am Anfang des Bandes, den ersten 10 - 15 min eben.

Der Antriebsmechanismus des Gerätes ist erstaunlich bzw. endtäuschend simpel (im hinblick auf den damaligen Kaufpreis), fast wie in einem Kassetten-Kofferradio, vieles ist aus Kunststoff, sogar die riemengetiebenen Schwungscheiben der beiden Capstan-Wellen (wegen Reversebetieb, kein echter "Dual-Capstan") , wobei die nötige Schwungmasse durch angeflansche Blechscheiben erzeugt wird.
Offenbar verlangt die Digitaltechnik keine besonders hochwertige Mechanik (Gleichlauf), weil, ähnlich der CD-Technik durch Zwischenpufferung der Daten und Quarz-stabilem Auslesen Gleichlaufschwankungen eliminiert werden.

Dennoch führe ich die beschrieben Aussetzer auf die mittelmäßige Mechanik zurück.
Da sich die Wickeldurchmesser stetig ändern, kann wohl die einfache Mechanik die sich ändernden Momente und/oder Band-Zugkräfte nicht ausgleichen (was aber echte Doppel-Capstan ("Closed-Loop") Kassettengeräte können).

Also scheint sich der bei DCC besonders wichtige Band-Kopf-Kontakt abhängig von den Wickeldurchmessern (besonders an der Abwickelseite) zu verschlechtern.

Hier kann ich nur vermuten, daß reguläre DCC Kassetten an den Spulen irgentwelche Bremsen eingebaut haben (habe aber leider noch nie eine DCC in der Hand gehabt, um das prüfen zu können).

Da aber normale MC-Cassetten keine solche Bremsen haben, war deren "Schwachstelle" schon immer, daß deren Abwickelspule einfach gezogen wird, sie dabei u.U. sogar etwas in ihrem Spiel "eiert", "hüpft", "unrund" abläuft, was sich stets im Gleichlauf aber auch im Band-Kopf-Kontakt mehr oder weniger bemerkbar machen muß.

Aus diesem Grunde hat man ja bei hochwertigen Geräten die "Dual-Capstan" Technik eingesetzt, die das Band im Bereich der Köpfe vor Einflüssen der Wickel isoliert.
Übrigens hat man auch bei hochwertigen Tonbandgeräten die Abwickelspule entweder mechanisch über Fühlhebel-gesteuerte Bremsen (z.B. Uher "Royal Deluxe") oder sogar mittels Motorbremse (z.B. Revox) auf Spannung und somit guten Kopf-Kontakt gehalten (wodurch Andruck-Filze überflüssig wurden).

Nakamichi Cassettendecks haben sogar eine Vorrichtung, die den Andruckfilz der Cassette zurückdrückt, ihn "ausschaltet" weil dank Dual-Capstan-Antrieb und damit gutem Kopfkontakt ein den Gleichlauf ungünstig beeinflussender Andruckfilz überflüssig ist.

Übrigens brachte mich das ganze Probieren auf die Idee, oder stellte sich mir die Frage, warum noch kein Hersteller (sei es für Tonband- oder Kassettengeräte) auf die Idee gekommen ist, die (eine einzige) Capstanwelle statt hinter die Köpfe, vor die Köpfe zu setzten.

Damit würde das Band vom Abwickel ebenso entkoppelt und durch den Friktionsantrieb der Aufwickelspule permanent straff gehalten, wodurch ein ständiger guter Band- Kopf-Kontakt gegeben wäre.

Solche Anordnung, bei der die Köpfe statt vor Capstan und Aufwickelspule dazwischen säßen, dürfte bei geringerem Technischen Aufwand, den selben positiven Effekt haben wie ein echter Dual-Capstan.

Wobei eine weiterer Nachteil des Dual-Capstan, nämlich höhere Bandbeanspruchung durch unterschiedliche Drehzahl beider Capstans (der vordere läuft zwecks Bandstraffung etwas langsamer als der hintere) beim einfach (vor-Kopf-) Capstan nicht auftritt.

Meine Gedanken dazu mögen zwar 20 - 30 Jahre zu spät kommen, da bekanntlich die (Fein-) Mechanik im Audio-Bereich ausstirbt (leider), aber dennoch kann man sich als Hifi-Technik-Freak doch noch seine Gedanken machen (ich nehme an, hier im Forum auf gleichgesinnte zu treffen).

Eigentlich habe ich, verwöhnt vom Komfort der Mini Disk, nicht unbedingt vor, auf DCC umzusteigen (allein das Umspulen ist inakzeptabel), aber mich würde es schon reizen, auf eine normale MC in quasi CD-Qualität aufnehmen zu können (aber dann auf der ganzen Bandlänge).

Vielleicht hat hier jemand schon entsprechende Erfahrungen gemacht und kann Tips geben.

gruß, karbes
Udo
Hat sich gelöscht
#2 erstellt: 12. Okt 2002, 10:08
Normalerweise wird der Abwickeldorn so gebremst das der Band/Kopf-Kontakt o.K. sein sollte. Ob Deine Vermutung stimmt kannst Du leicht nachprüfen wenn Du während der Aufnahme und der anschließenden Wiedergabe den Abwickeldorn mit dem Finger leicht bremst. Ist der Ton dann, auch wenn er Aussetzer hat da, ist Deine Vermutung richtig. Dann könnte wirklich was mit dem Laufwerk nicht stimmen. Die Laufwerke dieser Geräte sind wirklich recht simpel. Die digitale Aufnahme auf den Kassetten erfolgt in mehreren sehr schmalen Spuren, es gibt (auch analog) Geräte bei denen der Kopf nicht richtig ausgerichtet ist (ich meine jetzt nicht den Azimuth), dann kommt es oft dazu das während des Betriebes das Band aus der Spur läuft, mit Deinem Gerät hörst Du dann natürlich nichts mehr (digital: ganz oder garnicht). Ich glaube mich aber zu erinnern das die digitalen Cassetten für das von Dir angesprochene System im inneren, hinter dem Band, noch keramische Führungen hatten. Ich denke da liegt der Hase im Pfeffer begraben.

PS. Deine Idee mit dem Kapstan hinter den Kopfen ist noch schwieriger zu verwirklichen. Es ist leichter das Band zu definiert zu bremsen als einen konstanten Aufwickelzug zu verwirklichen. Zumal ja unterschiedliche Kassettenhersteller (also auch Qualitäten) geplant waren. Die Bandgeschwindigkeit ist bei dem System nicht ganz so wichtig. Die (kann mich irren aber ich glaub es waren 9 `in Worten NEUN`) verschiedene Spuren zeichnen gleichzeitig auf, dadurch erhöht sich die rel. Bandgeschwindigkeit um ein Vielfaches.
Rainer
Gast
#3 erstellt: 12. Okt 2002, 10:18
Hallo Karbes,

DCC Cassetten sollen rückseitenbeschichtet sein. Das verhindert ein Durchkopieren von einer Lage zur nächsten. Wenn Du normale Cassetten zur Aufnahme benutzt kann das durchkopieren auf Dauer auch zu Schwierigkeiten führen.

Du kannst ja mal versuchen auf EBAY DCC´s zu ersteigern.

Das DCC besser klingt wie DAT, kann aus Systemgründen schon nicht sein. DCC arbeitet mit Datenreduktion, wobei DAT ja sogar mit einer höheren Abtastrate wie bei einer CD üblich arbeitet.

Viele Grüße

Rainer
karbes
Gast
#4 erstellt: 12. Okt 2002, 10:31
Nachtrag (Fehlermöglichkeiten)

Hallo,

mir ist noch eine Theorie für die Ursache des beschrieben DCC Fehlers eingefallen:

Angenommen, der Antriebsriemen ist durch Alterung ausgeleiert, und die Geschwindigkeit des Bandes liegt zu viel unter Soll.

Bei DCC gäbe es wohl zwei Möglichkeiten der Antriebsregelung (ich weiß es ja nicht).

Die aufwändige (und eigentlich naheliegende) wäre eine Geschwindigkeitsnachregelung ähnlich wie sie bei der der CD angewendet wird, indem auf der CD neben den Korrektur- und Positionsdaten auch Geschwindigkeits- bzw. Drehzahlinformationen mit verschlüsselt sind.

Das würde ja auch die etwas mikrige mechanische Ausführung des DCC-Laufwerkes erklären (genauso wie die mikrigen CD Antriebsmotoren), weil die Regellektronik das wieder wett macht.
Hier hat ja im Gegensatz zur DCC, die auf ganzer Spiellänge mit gleicher Geschwindigkeit läuft, ein CD-Spieler mehr "Arbeit", denn er muß auch noch die Drehzahl der CD kontinuierlich verändern (je nach Stellung des Lasers), um eine kontinuierliche Umfangsgeschwindigkeit zu erhalten.

Die zweite, weniger aufwändige Lösung wäre ja, daß der DCC-Antrieb ungeregelt ist und die bei Mittelklasse- Kassettendecks übliche Geschwindigkeitsabweichung aufweist (was weiß ich, vielleicht 1 oder 0,5 % ?), und ein Pufferspeicher diese Abweichung ausgleicht.

Vielleicht ist dabei die Pufferspeichergröße so gewählt, daß Im Idealfalle der Speicher für eine Spiellänge von 45 min reicht.
Ist die Geschwindigkeits-Abweichung aber zu groß (vielleicht durch ausgeleierten Riemen), ist der Speicher, wie in meinem Falle, vielleicht nach 10 min an der Grenze, läuft quasi über, und das Gerät verstummt.

Denn nach z.B. 10 min müßte so ein Speicher vielleicht 10 sec bunkern, aber nach z.B. 30 min Spielzeit schon 3 mal so viel, nämlich 30 sec. Wnner aber nur 10 sec speichen kann, ist er folglich nach einer bestimmten Spielzeit voll.l

Wir gesagt, es mag ja fruchtlos sein, sich über eine gestorbene Technik Gedanken zu machen, aber aus technischer Sicht, sind das, wie ich finde, interessante Fragen, und ich freue mich, "Gleichgesinnte" zu treffen

gruß, karbes
Udo
Hat sich gelöscht
#5 erstellt: 12. Okt 2002, 11:55
@Karbes
Ich hab oben noch was dazu geschrieben.

Wenn der Riemen so `ausgeleiert` wäre/ist müßte es beim abspielen von analogen Cassetten zu hören sein (das Gerät kann ja auch analog wiedergeben), aber nicht langsamer mit herabgesetzter Tonlage sondern als laiern.

Ich habe hier etwas interessantes gefunden. Da gibt`s beim Mediamarkt wohl noch Kassetten: http://www.aidlantic.de/dcc/index.htm

@Rainer
Das Durchkopieren passiert eigendlich nur bei langer Lagerzeit ohne das die Kassete gespielt/gespult wurde. Bei den digitalen Signalen spielt das aber sowieso keine Rolle, weil die Köpfe dieses leise Signal nicht "hören" können.
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