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Franks Klassik-Blog: Sammlung von Besprechungen und Hinweisen

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Hüb'
Moderator
#1 erstellt: 19. Apr 2016, 08:16
Hallo zusammen,

dieser Thread soll der Sammlung meiner etwas ausführlicher gearteten Beiträge dienen, sozusagen als dauerhafte Archivierung. Beiträge/Antworten von anderen Usern (Interaktion ganz allgemein) sind hier daher ausnahmsweise einmal nicht erwünscht.

B
Beethoven: Sämtl. Sinfonien / NSO / de Vriend
Beethoven: Cellosonaten / Shafran, Ginsburg
Ben-Haim: Sinfonien / NDR RSO / Israel Yinon (CPO)
Berg: Violinkonzert / Grumiaux
Berger, W. G.: Sinfonie Nr. 4, Konzert f. Viola
Berwald: Kammermusik (Hyperion)
Bowen: Violinkonzert, Klavierkonzert Nr. 1
Brahms: Sinfonien, VPO, Barbirolli (EMI/Warner)
Brahms: Sinfonien, BSO, Nelsons (BSO Classics)
Brahms: Sinfonie Nr. 3, Alto-Rhapsodie, SCO, Dausgaard (BIS)
Brahms: Violinkonzert / Weithaas / Camerata Bern
Brian: Sinfonie Nr. 3
Bruckner: Sinfonie Nr. 4, LPO, Tennstedt (LPO live)

C
Casella: Sinfonie Nr. 1 u. a. Werke
Casella: Tripelkonzert u. a
Casella: Werke für Cello und Klavier
Casella, Malipiero: Violinkonzerte / Gertler
Chabrier: Orchesterwerke / OSR / N. Järvi (Chandos)
Chagrin: Sinfonien Nr. 1 und 2

D
Danzi: Die Sinfonien / Griffiths / CPO
Dvorak: Sinfonien / LSO / Rowicki
Dvorak: Sinfonie Nr. 9 / Malaysian Philharmonic Orchestra / Claus-Peter Flor (BIS)

E
Elgar: Klavierquintett, Violinsonate

F
Faure: Die Kammermusik mit Klavier

G
Gade: Die Sinfonien (BIS/Järvi)
Gál: Violinkonzert, Violinsonaten / Irnberger
Gál: Die Sinfonien, OS, Kenneth Woods (Avie)
Gernsheim: Klavierquartette Nr. 1 und 3
Gernsheim: Sinfonien Nr. 1 bis 4
Glasunow: Die Streichquartette
Graener: Werke f. Klaviertrio
Guarnieri: Sinfonien 2, 3, 5 6

H
Haydn, Joseph: Die Klaviersonaten (Buchbinder)
Haydn, Joseph: Die Klaviertrios (Beaux Arts Trio)
Hill: Streichquartette Nr. 1-3
Huber, Hans: Die Sinfonien / Stuttgarter Philharmoniker / Weigle

I
Ippolitow-Iwanow: Sinfonie Nr. 1 u. a. / Naxos

K
Kabalewsky: Die Cellokonzerte
Kalkbrenner: Klavierkonzerte Nr. 1 und 4 / Shelley (Hyperion)
Khachaturian: Sinfonie Nr. 2 u. a.
Klughardt: Sinfonie Nr. 5 u. a. Werke
Klughardt: Klavierquintett op.43, Streichquintett op. 62

L
Lalo: Die Konzerte / Orchestre Philharmonique Royal de Liege, Jean-Jacques Kantorow (Alpha)

M
Mahler: Die Sinfonien / Gürzenich Orchester / Stenz
Mahler: Sinfonie Nr. 4 / Herreweghe
Malipiero, Casella: Violinkonzerte / Gertler
Martinu: Die Sinfonien / Valek (Supraphon)
Giuseppe Martucci: Die Klaviertrios / Trio Vega

N
Nielsen, Carl: Streichquartette Nr. 1 + 2, Kammermusik (BIS)

P
Pettersson: Sinfonien Nr. 3 und 15 / Segerstam (BIS)
Pettersson: Sinfonien Nr. 10 und 11 / Francis (CPO)
Prokofieff: Sinfonien Nr. 4 und 7 / Bergen PO / Litton (BIS)

R
Raff: Sinfonie Nr. 5, Orchesterwerke / OSR, Järvi (Chandos)
Raff: Streichquartette Nr. 2-4, 8
Respighi: Sinfonische Dichtungen / Kertesz (DECCA) / Gatti (RCA/Conifer)
Respighi: Antiche Danze ed Arie per Liuto etc. / Münchner Rundfunkorchester / Raudales (CPO)
Ries: Klavierkonzerte op. 123 & 151
Rimsky-Korssakoff: Orchesterwerke I, MSO, Bakels (BIS)
Rimsky-Korssakoff: Orchesterwerke II, MSO, Bakels (BIS)
Rota: Cellokonzerte
Rubbra: Streichquartette
Rubbra: Violinsonaten
Rufinatscha: Sinfonie Nr. 6 / BBCPO / Noseda (Chandos)

S
Sauguet: Sinfonien Nr. 3 + 4
Schjelderup: Sinfonie Nr. 2 u. a
Schubert: Die Sinfonien / ASMF, Marriner
Sibelius: Sinfonien, Lahti SO, Kamu
Sibelius: Sinfonien, Violinkonzert, Orchesterwerke, Philadelphia Orchestra, Ormandy
Sinding: Sinfonien Nr. 1 und 2
Sinding: Sonaten für Violine und Klavier (CPO)
Smetana: Die Streichquartette
Spohr: Werke für Violine und Klavier
Stanford: Klavierquartett Nr. 2, Klaviertrio Nr. 1
Strauss, R.: Sinfonia Domestica
Strawinsky: Violinkonzert / Grumiaux
Szymanowski: Sinfonien Nr. 3 & 4 / BBCSO / Gardner

T
Tschaikowsky: Die Sinfonien / Gürzenich SO / Kitaenko (Oehms)
Tschaikowsky: Die Ballette / N. Järvi (Chandos)
Tschaikowsky: Violinkonzert / Grumiaux
Tovey: Cellokonzert etc. / Neary / Ulster Orchestra / Vass (Toccata)
Turina: Orchesterwerke / BBC PO / Mena (Chandos)

W
Weinberg: Sinfonie Nr. 6
Weinberg: Sinfonie Nr. 12 u. a
Weinberg: Kammermusik für Bläser
Welin: Streichquartette Nr. 1, 6, 7, 9
Wolf-Ferrari: Orchesterstücke / Noseda (Chandos)

Viele Grüße
Frank


[Beitrag von Hüb' am 05. Mrz 2019, 20:47 bearbeitet]
Hüb'
Moderator
#2 erstellt: 19. Apr 2016, 08:17
jpc.de

Edmund Rubbra (1901-1986)
Streichquartette Nr.1-4

+ Lyrischer Satz für Streichquartett & Klavier op. 24; Mediationen über eine byzantinische Hymne "O Quando in Cruce" op. 117a; Impvorisation für Cello op. 124; Sonate für Cello & Klavier op. 60
Alastair Blayden, Pierre Doumenge, Michael Dussek, Dante Quartet
Dutton, DDD, 2010 2 CDs 

Rubbra schrieb vier Streichquartette, die von der zeitlichen Entstehung her recht weit auseinanderliegen. Die Quartette 1 und 3 sind dreisätzig, dass 2. Quartett hat vier, das 4. - und letzte - Quartett hat 2 Sätze.

Das erste Quartett begann der Schüler von Gustav Holst im Jahre 1934 (dem Todesjahr von Holst). Es ist nicht seinem Lehrer gewidmet, sondern vielmehr Ralph Vaughn Williams, der Rubbra bei der Revision des Werkes unterstützte bzw. ihn diese Richtung "schubste". Die überarbeitete Version des Quartetts wurde 1946 fertiggestellt und im selben Jahr erfolgt die Uraufführung durch das Blech Quartett in der Wigmore Hall.
Nr. 2 aus dem Jahre 1951 ist dem wahrscheinlich größten Komponisten von Streichquartetten überhaupt gewidmet, Ludwig van Beethoven. Es wurde 1952 durch das Griller Quartett aus der Taufe gehoben.
Das 3. Streichquartett war eine Auftragsarbeit für das Allegri Quartett und wurde im Jahre 1963 vollendet. Es wurde der Öffentlichkeit 1964 im Rahmen des Cheltenham Festivals vorgestellt (vermutlich eben durch das beauftragende Quartett).
Streichquartett Nr. 4 schließlich konnte 1977 fertiggestellt werden. Aufgrund seiner Zweisätzigkeit sowie der eher kürzeren Dauer der beiden Sätze ist es Rubbras wohl "kompaktester" Gattungsbeitrag. Widmungsträger war hier der Komponist Robert Simpson.

Wo Rubbras Vorbilder liegen mögen, ist nicht so einfach auszumachen. Er orientiert sich jedenfalls nicht, wie auf der Insel recht verbreitet, an volkstümlichem Material. Seine Quartette bewegen sich irgendwo zwischen Traditionalismus und Moderne. Wirklich "schöne" Stellen existieren in den Kompositionen zwar durchaus, nur dominieren sie eben nicht. Vielmehr erscheinen die Quartette überwiegend nachdenklich, stellenweise nervös-getrieben, manchmal auch pessimistisch. Interessant, gut gemacht, anhör- und genießbar sowie abwechslungsreich sind sie in meinen Ohren aber allemal! Es kommt - wie so oft - eben darauf an, was man sucht. Freunde einer gemäßigten Moderne werden bei Rubbra jedenfalls gut bedient. Wer mit den Gattungsbeiträgen von Britten oder Schostakowitsch keine Schwierigkeiten hat, sollte zumindest mal ein Ohr riskieren.

Das hervorragende Dante Quartet erweist sich als gleichsam feinsinniger, wie zupackender Anwalt dieser Musik. Das Klangbild ist klar und direkt, vielleicht etwas zu trocken.
JPC listet mit der Einspielung durch das auf britische Werke spezialisierte Maggini Quartet lediglich eine Alternativaufnahme (Naxos). Vermutlich eine gleichwertige Wahl:

jpc.de jpc.de


[Beitrag von Hüb' am 19. Apr 2016, 08:21 bearbeitet]
Hüb'
Moderator
#3 erstellt: 19. Apr 2016, 08:18
jpc.de

Alfred Hill (1870-1960)
Streichquartette Vol.1:
Streichquartette Nr. 1-3

Dominion Quartet
Naxos, DDD, 2006

Die erste Ausgabe der bei Naxos vorliegenden Gesamtaufnahme der Streichquartette von Alfred Hill ist ein absolut gelungener Auftakt. Wer nicht zwingend moderne Werke hören will (die Lebensdaten von Hill würden auch eine musikalisch progressivere Richtung möglich erscheinen lassen), findet mit den drei auf der CD enthaltenen Kompositionen exzellente, spätromantische Musik von hoher Eigenständigkeit und gespickt mit einer Fülle von Einfällen. Die andernorts angesprochene Nähe zu den Werken Dvoraks kann ich gut nachvollziehen. Das bisher Gehörte lässt Hills Quartette mindestens auf Augenhöhe erscheinen. Vielleicht war er in Summe sogar der bessere Komponist für diese Formation?
Das mir bisher unbekannte Dominion Quartet spielt hervorragend und lässt den Wunsch nach (besseren) Alternativen in keiner Sekunde aufkommen. Der volle, warme und dabei gleichzeitig sehr gut durchhörbare Ensembleklang ist einfach nur herrlich und wurde von den Tontechnikern super eingefangen. Ich bin wirklich froh, gleich die ganze Edition erworben zu haben und freue mich schon auf das Anhören der weiteren CDs! Einziges „Manko“ mit Blick auf die Serie - aber nicht wirklich - sind die recht beliebigen und innerhalb der Edition austauschbaren Portrait-Cover. Hier hätten mir die neuseeländische Landschaft, bzw. Gemälde davon, vermutlich besser gefallen.


[Beitrag von Hüb' am 19. Apr 2016, 08:19 bearbeitet]
Hüb'
Moderator
#4 erstellt: 19. Apr 2016, 08:19
Und dann war da noch Alfredo Casella:

jpc.de

Alfredo Casella (1883-1947)
Symphonie Nr.1 op.5
+ Konzert für Klavier, Timpani, Percussion & Streicher op. 69

Desiree Scuccuglia, Antonio Ceravolo, Orchestra Sinfonica di Roma, Francesco La Vecchia
Naxos, DDD, 2008/2009

Casella ist für mich eine der DER Entdeckungen der letzten Zeit, zeigt er doch,. wie man abseits von Avantgarde gut genießbare, abwechslungsreiche, moderne Musik mit einem hohen Grad von Eigenständigkeit komponieren konnte. Bereits seine erste Sinfonie op. 5 legt hiervon beredt Zeugnis ab.
An anderer Stelle wurden die Vorzüge der entsprechenden Alternativ-Aufnahmen auf Chandos gepriesen (BBC Philharmonic Orchestra, Gianandrea Noseda). In Unkenntnis dieser Vergleichs-Einspielung vermag ich nicht zu sagen, dass mir bei der La Vecchia-Deutung irgend etwas fehlt. Hier wird frisch, mit Verve und Einsatz musiziert, so dass ich keinen Mangel empfinde. Angesichts des günstigen Naxos-Preises möchte ich die CD daher nachdrücklich empfehlen - auch über ein erstes Kennenlernen hinaus.
Ganz interessant übrigens auch der Booklet-Text auf der Naxos-Homepage.
Besprechungen bei Naxos sowie MusicWeb.
Hüb'
Moderator
#5 erstellt: 19. Apr 2016, 08:19
jpc.de

Wilhelm Georg Berger (1929-1993)
Symphonie Nr. 4
+ Violakonzert op. 12

Nils Mönkemeyer, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Horia Andreescu
CPO, DDD, 2009/2010

Der rumänische Komponist Wilhelm Georg Berger ist weithin vergessen. Sein umfangreiches Schaffen wurde aufnahmeseitig bisher kaum gewürdigt. Gezeigte CPO-CD ist die einzige Produktion von Werken Bergers, die ich auf die Schnelle auffinden konnte.
Das lyrische, rund dreißigminütige Violakonzert wirkt noch sehr traditionell und ist tonal komponiert. In meinen Ohren entsteht aus dem doch eher ungewohnten Klang der Bratsche bereits ein ganz besonderer Reiz des Konzerts, dass eben allein durch die Wahl des Solo-Instruments schon ganz anders klingt, als ein "übliches" Violinkonzert. Die dreisätzige Komposition bietet einige Schönheiten und ist vom Solo-Part her gedacht. Die Orchesterbegleitung wirkt auf mich narrativ - ein wenig erinnert mich der Stil an einigen Stellen an Rimsky-Korsakoffs "Scheherazade" bzw. auch an Filmmusik. Mir hat das Konzert gut gefallen.
Die vierte Sinfonie ist - obgleich ebenfalls weitestgehend tonal - deutlich moderner und schroffer. Der circa zwanzigminütige Kopfsatz erinnert mich manchmal an Schostakowitsch (Schlagwerk). Auch an Strawinsky fühle ich mich an einigen Stelle des Werks erinnert. In Summe ist die Sinfonie meinem Eindruck nach eine spannende, abwechslungsreiche Hörerfahrung und ich würde mir wünschen, dass noch mehr Kompositionen von WGB (von CPO!) für den Tonträger aufgezeichnet werden.
An der Leistung von Nils Mönkemeyer sowie dem Spiel des RSO Berlin unter Leitung des mir bisher unbekannten Dirigenten Horia Andreescu habe ich nichts auszusetzen.


[Beitrag von Hüb' am 19. Apr 2016, 08:20 bearbeitet]
Hüb'
Moderator
#6 erstellt: 19. Apr 2016, 08:27
Auch der norwegische Komponist Christian Sinding hat noch keinen eigenen Thread, den ich hiermit aufgrund soeben gehörter CD eröffne :):

jpc.de

Christian Sinding (1856-1941)
Symphonien Nr.1 & 2

Radio-Philharmonie Hannover des NDR, Thomas Dausgaard
CPO, DDD, 97/99

In meiner Erinnerung bin ich einem Fehler aufgesessen, wähnte ich doch mich an die Existenz mehrerer Produktionen der vier Sinfonien von Christian Sinding zu erinnern. Tatsächlich gibt es scheinbar lediglich jeweils zwei CDs auf CPO sowie Finlandia (bzw. Zweitverwertung auf dem Warner-Sublabel Apex).
Die erste Sinfonie ist viersätzig und in der Haupttonart d-Moll gehalten. Die Spieldauer in der vorliegenden Aufnahme liegt bei recht langen 40 Minuten. Das Werk erinnert in seiner düsteren Schwermut ein wenig an Brahms (insofern passt das Covergemälde - Johann Christian Clausen Dahl "Vor der norwegischen Küste" - insbesondere zur 1. Sinfonie sehr gut). Auch die Dramatik der Sinfonie weist in diese Richtung. Die deutlich kürzere zweite Sinfonie (30 Minuten) ist dreisätzig. Diese Komposition erscheint deutlich lichter (Haupttonart D-Dur) und unterscheidet sich von der Atmosphäre her doch sehr stark vom Erstling. Wundervoll gelingen Sinding bspw. einige herrlich kammermusikalische Stellen und hier insbesondere die Übergänge zwischen einzelnen Instrumenten bzw. Instrumentengruppen (bspw. 2. Satz Allegro moderato bei etwa 2:30/2:40). Beiden Sinfonien gemeinsam ist, dass sie bei mehrmaligem Hören durchaus Wiedererkennungswert haben und ein gewisses "Hitpotenzial" mitbringen. Manche Passagen bleiben sehr gut im Gedächtnis. Dies erscheint mir durchaus ein Qualitätsindikator, den nicht jedes abseitige Werk vorweisen kann.
Thomas Dausgaard, der mit seinen Einspielungen für BIS längst im Kernrepertoire angekommen ist und hier Erfolge vorzuweisen hat, liefert IMHO mit dem Orchester aus Hannover eine untadelige Leistung.
Die CD ist mit einer Spieldauer von ca. 70 Minuten gut gefüllt und das Klangbild der CD ist sehr guter Rundfunkstandard (Aufnahme im großen Sendessaal des Landesfunkhauses des NDR in Hannover), könnte jedoch im Falle der 1. Sinfonie ein wenig brillanter sein.
Besprechungen: Klassik heute, Classics today, MusicWeb.
Hüb'
Moderator
#7 erstellt: 19. Apr 2016, 08:29
jpc.de

August Klughardt (1847-1902)
Symphonie Nr.5 c-moll op.71
+ Konzertouvertüre op. 30 "Im Frühling"; Festouvertüre Es-Dur op. 78

Anhaltische Philharmonie, Antony Hermus
CPO, DDD, 2012

Der Artikel auf Wikipedia beschreibt die Musik August Klughardts als Verschmelzung der Einflüsse Robert Schumanns sowie der "Neudeutschen Schule", insbesondere Richard Wagners. In der 3. Sinfonie, die mir als CPO-Produktion ebenfalls vorliegt, war hiervon meiner Ansicht nach wenig zu hören, so dass ich die Bedeutung dieser beiden Komponisten für das Schaffen Klughardts nicht unmittelbar nachvollziehen konnte. In der Einspielung der 5. Sinfonie sowie der beiden Ouvertüren op. 30 und 78 werden diese Einflüsse hingegen deutlicher. Die Mischung führt in meinen Ohren zu einer hohen Eigenständigkeit. Es finden sich viele Ideen und manches klingt vielleicht "ungewohnt" - das macht es andererseits aber auch spannend. Mir hat diese Musik sehr gut gefallen und ich sehe weiteren Aufnahmen durch CPO mit Freude entgegen. Die Anhaltische Philharmonie setzt sich in exzellenter Weise für "Ihren" Klughardt ein. Es macht jederzeit Spaß, Ihnen zuzuhören.
IMHO eine aus der Masse des Nischenrepertoires herausragend Scheibe und ein dicker Kauftipp.

Besprechung auf klassik-heute.de.
Hüb'
Moderator
#8 erstellt: 19. Apr 2016, 08:31
jpc.de

Joachim Raff (1822-1882)
Streichquartette Nr. 2-4, 8

Mannheimer Streichquartett
2 CDs 
Mannheimer Streichquartett
CPO, DDD, 2006/2007

Bisher hat mich noch keine einzige Produktion mit Werken aus seiner Feder enttäuscht, so auch nicht diese Doppel-CD mit den Streichquartetten 2-4 sowie 8. Das sind meiner Ansicht nach handwerklich absolut überzeugend gemachte Werke voller Einfälle und gleichzeitig gesegnet mit unmittelbar ansprechendem, melodisch einprägsamen Notenmaterial. Interessanterweise hat Raff erst vergleichsweise Spät zum Streichquartett gefunden - sein erstes Quartett ist mit der Opuszahl 77 versehen. Zuvor dürfte er sich vorwiegend im Bereich der Klavierwerke "ausgetobt" haben.
Das Mannheimer Streichquartett spielt hervorragend. Hier mal zwei Besprechungen: Klassik-heute, MusikWeb.
Leider ist die Vorläufer-CD mit den Streichquartetten 6 und 7 (derzeit) bei CPO gestrichen, was ich recht inkonsequent finde, wenn man nun diese Produktion - rd. 7 Jahre nach Aufnahmeentstehung (was war da los?!) - nachschiebt.

0761203700325

Es fehlen noch die Quartette 1 und 5 (Lutz, hast Du nachgefragt?) und es darf gehofft werden, dass auch die Quartette 6 und 7 eine Reinkarnation in Boxenform erfahren.
Bis dahin bleibt mir nur, für die gezeigte Doppel-CD einen nachdrücklichen Kauftipp abzugeben.
Hüb'
Moderator
#9 erstellt: 19. Apr 2016, 08:33
jpc.de

Paul Graener (1872-1944)
Werke für Klaviertrio: Suite op. 19; Kammermusikdichtung op. 20;
Klaviertrio op. 61; Theodor-Storm-Musik op. 93 für Bariton & Klaviertrio

Albrecht Pöhl (Bariton), Hyperion-Trio
CPO, DDD, 2010

Es gibt mehrere CDs mit Einspielungen von Werken Graeners, vor allem auf CPO.Klassik-heute (Link zur Renzension) umschreibt die Musik der gezeigten CD als von "lebhafter melodischer Einprägsamkeit". Dieses Zitat bringt die Qualitäten dieses Spätromantikers gut auf den Punkt. Die Melodien sind in der Tat in meinen Ohren sowohl einfallsreich, wie eingängig und wirken auf mich relativ "simpel". Das ist im besten Sinne schöne, gut gemachte kammermusikalische Unterhaltung, ohne größere Ecken und Kanten, und rein musikalisch gesehen durchaus eine Empfehlung. Dass Graener aktiver Faschist und Nazi war, macht ihn hingegen als Menschen natürlich unerträglich.
Hüb'
Moderator
#10 erstellt: 19. Apr 2016, 08:38
jpc.de
Charles Villiers Stanford (1852-1924)
Klavierquartett Nr.2
+ Klaviertrio Nr. 1; Legend; Irish Fantasies op. 54 Nr. 3 & 5

David Adams, Gould Piano Trio
Naxos, DDD, 2009

Die mit knapp 80 Minuten einmal mehr randvolle Naxos-CD bietet klavierbegleitete Kammermusik des irischen Komponisten Charles Villiers Stanford. Die Musik ist durch und durch romantisch und lässt Einflüsse von Brahms und Schumann erkennen. Wunderschön IMHO bspw. der leichte, unbeschwerte und humorvolle 2. Satz des 1. Klaviertrios, der sich dem dramatischen Kopfsatz anschließt. Herrlich "süffig" auch die melodieseeligen Songs (drei an der Zahl), die als "Füller" der CD dienen und in denen das irische Volkslied deutliche Spuren hinterlassen hat. Das Gould Piano Trio - dessen Namensgeberin die Geigerin Lucy Gould (und nicht der hervorragende Pianist Benjamin Frith) - ist, liefert eine sehr gute Einspielung, die unmittelbar für die Werke einnimmt. Meiner Ansicht nach ein absolutes Highlight, diese Produktion.

Besprechungen, gelistet auf der Seite von Naxos.
Hüb'
Moderator
#11 erstellt: 19. Apr 2016, 08:43
Nino Rota (ausführlicher, der engl. Wiki-Eintrag) ist heute vorwiegend als Komponist von Filmmusik bekannt. Hier ist insbesondere sein Score für "Der Pate" zu nennen, dessen Hauptthema sicher vielen im Ohr sein dürfte. Neben seinen zahlreichen Filmkompositionen für mehr oder weniger bekannte Produktionen schuf Rota gleichzeitig nicht wenig an absoluter Musik, vorwiegend in den klassischen Werksformen.

Bisher kenne ich nur einen sehr schmalen Auszug aus Rotas schaffen. Neben ein paar "Encores" (eingespielt von diversen Geigern), besitze ich diese Einspielung der beiden Cellokonzerte, die meiner Meinung nach sehr gelungen ist :):

jpc.de

Nino Rota (1911-1979)
Cellokonzerte Nr.1 & 2

Silvia Chiesa, RAI SO, Corrado Rovaris
Sony, DDD, 2011

Diese beiden Konzerte erscheinen gemessen an der Anzahl verfügbarer Aufnahmen einigermaßen populär zu sein, jedenfalls finde ich bei jpc spontan vier verschiedene Interpretationen. Beide Kompositionen haben mir absolut gut gefallen. Der Tonfall ist nicht wirklich modern und durchgängig tonal (das erste Konzert mag noch etwas mutiger sein, als das Zweite), "neo-romantisch" könnte man sagen. An der ein oder anderen Stelle meint man ganz leicht den Filmmusikkomponisten zu vernehmen, denn die Kompositionen haben meiner Ansicht nach durchaus etwas plakativ-bildhaftes. Der Einfallsreichtum mit Blick auf die Vielfalt der Themen und Einfälle ist wirklich erstaunlich und auf dieser Fülle an Ideen hätte man wohl auch einige Werke mehr gründen können, als sich nur auf zwei Konzerte zu beschränken. Dabei wirkt das zweite Konzert auf mich formal strenger und klarer in der Struktur, gleichzeitig begrenzter in der thematischen Vielfalt. Interessant erscheint mir, dass Rota beim zweiten Konzert ein bekanntes Motiv aus Dvoraks neunter Sinfonie verwendet. Für mich klingt das sehr eindeutig, allerdings kann ich dazu im Netz nichts weiter finden. Beide Werke sind sehr solistisch gedacht und geben dem ausführenden Künstler in guter Balance die Möglichkeit zur Darstellung der technischen Fähigkeiten, als auch zum Schwelgen im Melos.
Mangels Vergleich kann ich die Interpretation durch diese "authentischen" Musiker von Werken ihres Landsmannes Nino Rota nicht wirklich beurteilen. Mir scheint das aber alles wunderbar zu passen und insbesondere der Solo-Part wird herrlich gestaltet. Klanglich ist die Aufnahme sehr gut, eher etwas "weich" aber mit schön räumlicher Darstellung.

Sollten die beiden Cellokonzerte Nr. 1 und 2 exemplarisch für sein weiteres Schaffen sein, so tut sich hier mit Rota für mich ein neues, interessantes Betätigungsfeld auf. Glücklicherweise ist doch einiges von ihm auf Tonträger dokumentiert.
Hüb'
Moderator
#12 erstellt: 19. Apr 2016, 08:59
jpc.de

Mieczyslaw Weinberg (1919-1996)
Symphonie Nr.6
+ Rhapsody on Moldavian Themes

Glinka Choral College Boys' Choir, St. Petersburg State SO, Vladimir Lande
Naxos, DDD, 2010

Da es nur wenige, greifbare Alternativaufnahmen zu geben scheint, am Interessantesten vermutlich Fedosseyev mit den Wiener Symphonikern sowie Sängerknaben auf NEOS, ist diese Naxos-Produktion natürlich sehr zu begrüßen.
Die enthaltene und der Sinfonie vorangestellte Rhapsodie ist ein schmissiges Werk mit slawisch, folkloristischer Prägung. Das Stück bewegt sich stilistisch im Rahmen einer Ouvertüre von Glinka, Mussorgsky, Rimsky-Korsakov oder auch Dvorak. Dabei erreicht es qualitativ, da doch eher ein beliebigeres Werk, meiner Ansicht nach nicht das Niveau der vorgenannten Tonsetzer.
Der Übergang zur 6. Sinfonie stellt dann einen deutlichen Bruch dar. Aus meiner Sicht ist eine musikalische Nähe zu Schostakowitsch und Mahler erkennbar, zumindest erahnbar.
Die Kontraste der Sinfonie sowie die melancholischen Momente befinden sich dabei ganz klar auf der Haben-Seite. Dennoch kann das Werk mich unterm Strich zumindest nicht begeistern, im Sinne von "das will ich dringend häufig hören". Unmittelbar große Faszination übt die CD beim ersten Hören zwar nicht aus, fairerweise muss man aber sagen, dass es sich ganz sicher um ein Werk handelt, in das man mehrmals und tiefer eintauchen muss, um es für sich zu gewinnen. In wie weit die Sinfonie gut interpretiert wird, ist schwer zu sagen. Ich bin mit der CD ganz zufrieden und habe nicht den Eindruck, zwingend eine weitere Interpretation zu benötigen. Vorwiegend, weil ich denke, dass mir andere Interpreten nicht unbedingt besseren Zugang verschaffen dürften oder die Werke in einem gänzlich besseren Licht erscheinen lassen würden.


[Beitrag von Hüb' am 19. Apr 2016, 11:01 bearbeitet]
Hüb'
Moderator
#13 erstellt: 20. Apr 2016, 13:55
jpc.de jpc.de jpc.de

Alexander Glasunow (1865-1936)
Streichquartette Vol. 1, 3 & 5

Streichquartette Nr. 3 op. 26 "Quatuor slave" & Nr. 5 op. 70
Suite op. 35 für Streichquartett; Streichquintett op. 39
Streichquartette Nr. 1 & 7
Utrecht String Quartet
MDG, DDD, 2003, 2006, 2008, 2011

Der Eindruck, den diese Edition bei mir hinterlässt, ist insgesamt leider etwas zwiespältig. Einerseits ist es natürlich toll, wenn sich Künstler und ein Label wie MD&G einer solchen Repertoire-Lücke annehmen, andererseits drängt sich nach dem Hören - zumindest mir - ein wenig die Frage auf, ob denn wirklich alles je komponierte tatsächlich zu Gehör gebracht werden MUSS.
Die bisher gehörten Quartette der Volumina 1, 3 und 5 sind melodisch schöne Musik, der allerdings die letzte Finesse der großen Gattungsbeiträge fehlt. Wie schon andere Hörer im Netz schrieben, verwundert es vielleicht nicht so sehr, dass diese Musik weitestgehend in Vergessenheit geriet und tatsächlich aktuell nur eine verfügbare Gesamtaufnahme existiert (bei Naxos befindet sich ein zweiter Zyklus seit Längerem im Entstehen).
Die Instrumentierung erscheint an vielen Stellen nicht unbedingt als Ausbund kompositorischer Genialität; es gibt doch einige Momente, in denen sämtliche Stimmen unisono unterwegs sind, da Glazunov offensichtlich keine tiefergehenden Ideen hatte.
Auf der Haben-Seite ist aus meiner Sicht allerdings auch festzuhalten, dass Glazunov immer wieder schöne Melodien gelingen, so dass das Hören der Quartette durchaus Freude bereitet.
Auch scheinen mir Interpretation und das Klangbild absolut gelungen. Wahrscheinlich ist es allein eine Frage der Erwartungshaltung, mit der man an die Werke herangeht. Wirklich innovative Musik sollte der Hörer hier nicht vermuten.
Hüb'
Moderator
#14 erstellt: 20. Apr 2016, 13:57
jpc.de

Gabriel Faure (1845-1924)
Kammermusik mit Klavierbegleitung


Werke für Cello & Klavier: Romanze op. 69 für Cello & Klavier; Cellosonaten Nr. 1 & 2 (opp. 109 & 117); Elegie op. 24 für Cello & Klavier; Serenade op. 98 für Cello & Klavier; Papillon op. 77 für Cello & Klavier; Berceuse op. 16 für Cello & Klavier; Trio op. 120 für Cello, Klarinette & Klavier; Klavierquartette Nr. 1 & 2 (op. 15 & 45); Klavierquintette Nr. 1 & 2 (opp. 89 & 115); Dolly op. 56 für Klavier 4-händig; Masques et bergamasques op. 112 für Klavier 4-händig; Souvenirs de Bayreuth "Fantaisie en forme de quadrille ... de R. Wagner" für Klavier 4-händig; Fantaisie op. 79 für Flöte & Klavier; Morceau de concours für Flöte & Klavier; Sicilienne aus Pelleas et Melisande op. 78 für Flöte & Klavier; Klaviertrio op. 120; Apres un reve für Cello & Klavier; Sicilienne op. 78 für Cello & Klavier; Violinsonaten Nr. 1 & 2; Berceuse op. 16 für Violine & Klavier; Morceau de lecture für Violine & Klavier; Romance op. 28 für Violine & Klavier; Andante op. 75 für Violine & Klavier

Eric Le Sage, Daishin Kashimoto, Francois Salque, Lise Berthaud, Alexandre Tharaud, Paul Meyer, Emmanuel Pahud, Quatuor Ebene
Alpha, DDD, 2011/2012
5 CDs

Gabriel Faurés Kammermusik ist ein wohlklingender Schatz. Melancholisch und wunderschön. Insbesondere das 1. Klavierquintett schätze ich sehr. Es gehört zu meinen liebste Werken überhaupt. Wie schon in der Serie der Kammermusik Schumanns mit Klavierbegleitung unter Beteiligung von Eric Le Sage, so dominiert auch hier ein klarer, transparenter Blick auf diese herrlichen Kompositionen. Die Mitstreiter sind dem Pianisten absolut ebenbürtige Musiker, so dass mit dieser Edition in meinen Ohren eine neue Referenz in Sachen Fauré vorliegen dürfte (Alternativen: Brüder Capucon, Brilliant, EMI/Warner). Einziges Manko: es fehlt das Streichquartett. Etwas ärgerlich, dass dieses mit dem Quatuor Ebène - die grundsätzlich auch bei der vorliegenden Alpha-Produktion mitgewirkt haben - in der verlinkten Capucon-Box enthalten ist.
Hüb'
Moderator
#15 erstellt: 22. Apr 2016, 13:14
jpc.de

Francis Chagrin (1905-1972)
Symphonien Nr.1 & 2

BBC Symphony Orchestra, Martyn Brabbins
Naxos, DDD, 2014

Francis Chagrin war ein in England wirkender Komponist rumänischer Herkunft, dessen Betätigungsfeld vor allem im Bereich der Filmmusik lag. Allerdings hat er auch auf diesem Feld keine Scores wirklich großer Filme hinterlassen. Einen deutschen Wiki-Eintrag gibt es (noch) nicht. JPC listet zwei CDs mit seiner Musik, wobei eine die hier gezeigte Naxos-CD ist (Produktion aus 2016 mit Weltersteinspielungen vom November 2014). So weit, so desolat.
Beide Sinfonien sind klassisch viersätzig aufgebaut und weisen in der vorliegenden Aufnahme eine identische Spieldauer von 28:01 auf. Die Musik klingt vertraut-modern. Manches mag an William Walton erinnern. Jedenfalls habe ich den Eindruck, "alles schon einmal gehört" zu haben. Beide Werke sind weitgehend tonal komponiert und folgen den bekannten Schemata einer kontrast- wie farbenreichen Moderne. Auch Freunde massiveren Schlagwerkeinsatzes kommen auf ihre Kosten.
Unmittelbares zur 2. Sinfonie kann erfahren, wer sie mit dem Bournemouth Symphony Orchestra unter Leitung des Komponisten auf YouTube hört.
Zur sehr gut klingenden Aufnahme mit dem BBC Symphony Orchestra unter Martyn Brabbins lässt sich im Netz ein bisschen was finden: 1, 2, 3. Besprechungen bei Naxos.
Hüb'
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#16 erstellt: 22. Apr 2016, 17:21
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Bedrich Smetana (1824-1884)
Streichquartette Nr.1 & 2

Gabrieli Quartet
Decca, ADD, 1977

Auch wenn die dramatischen, tragischen autobiographischen Bezüge in den beiden Quartetten - und insbesondere im ersten Quartett - bekannt sind und bei Kenntnis klar hervortreten, kann man diese Musik meiner Ansicht dennoch durchaus als "absolute" Kompositionen genießen. Löst man sich von der Person (und dem Titel des 1. Quartetts), dann höre ich hier wundervoll (romantische) Werke mit musikantisch-volkstümlichen Elementen, die unmittelbar zu Herzen gehen.
Die Aufnahme des Gabrieli Quartetts scheint mir sehr gelungen und betont mehr die großen Bögen, als eine Interpretation zu bieten, die jedem noch so feinen Zwischenton nachhört. Packend und einfühlsam werden hier Stimmungen und Emotionen transportiert - und genau das scheint mir eben der Kern dessen zu sein, worauf es bei dieser Musik ankommt. Gemäß Angabe auf der CD-Rückseite erscheint das 2. Quartett in der Australian Eloquence-Serie erstmalig auf CD.
Hervorragender, auf der warmen Seite liegender Klang aus der Hoch-Zeit der analogen Aufzeichnungstechnik. Aufnahmeort war die Rosslyn Hill Kapelle in London im Juli 1977. Einzig bemängelnswert: die Spieldauer von gerade einmal 47 Minuten. Da hätte bestimmt noch eine verwertbare Kopplungsoption in den Archiven geschlummert.


[Beitrag von Hüb' am 22. Apr 2016, 17:23 bearbeitet]
Hüb'
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#17 erstellt: 25. Apr 2016, 13:54
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August Klughardt (1847-1902)
Klavierquintett op.43
+ Streichquintett op. 62

Olga Gollej, Julian Steckel, Leipziger Streichquartett
MDG, DDD, 2009

Das in der Nähe von Schumanns op. 44 stehende Klavierquintett op. 43 ist ein spannendes, abwechslungsreiches Werk mit einer monumentalen Spieldauer von ca. 40 Minuten. Am Eindrucksvollsten gerät meiner Ansicht nach der rd. 16-minütige Kopfsatz, der durch herbe dynamische Sprünge gekennzeichnet ist. Die nachfolgenden Sätze sind dann etwas ruhiger und weniger spektakulär aber dennoch sehr schön anzuhören. Ähnliche Qualitäten weist das originelle Streichquintett auf, mit seinen "ungarischen" Stimmungen.
Das Leipziger Streichquartett präsentiert die Werke in hervorragender Weise. In diesem Zusammenhang sei seinem (ehemaligen) Primarius ein baldiges und positives Ende seines amerikanischen Horror-Trips gewünscht!
In klanglicher Hinsicht ist die MDG-CD ebenfalls gelungen, da nicht - wie manchmal bei MDG - zu hallig aufgenommen.
Besprechungen im Netz: All Music, Classical Net, Klassik.com
Hüb'
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#18 erstellt: 26. Apr 2016, 08:51
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Gerhard Schjelderup (1859-1933)
Symphonie Nr.2
+ Symphonisches Drama "Brand"

Trondheim SO, Eivind Aadland
CPO, DDD, 2007

Hier ein paar Eindrücke zu einer CD mit Werken eines Komponisten, der bisher als weitgehend unterrepräsentiert angesehen werden kann :D.
Gerhard Schjelderup war ein norwegischer Komponist in der Nachfolge Edvard Griegs. Für Schjelderup war der Besuch einer Ring-Inszenierung ein maßgeblicher Punkt für seine weitere Entwicklung als Künstler und Komponist, die ihn dazu veranlasste vor allem Musikdramen zu verfassen. Bezüge zur Musik Richard Wagners sind daher unverkennbar.
Die CD beginnt mit dem rd. dreißigminütigen "symphonischen Drama" Brand, welches auf dem gleichnamigen Bühnenstück von Ibsen basiert und moralische Betrachtungen sowie Glaubensthemen zum Inhalt hat. Brand ist in neun Abschnitte mit den folgenden Bezeichnungen unterteilt:
  1. Wanderung durch Nebel und Sturm nach dem höchsten Gipfel
  2. Agnes
  3. Brands Ermahnung
  4. Liebe in Leid und Lust
  5. Alles oder nichts!
  6. Wer Jehova geschaut, muß sterben
  7. Einsam
  8. Mein Gott ist Sturm
  9. Heldentod
Das Werk beginnt mit einer typischen Sturmschilderung und neben den Wagneranklängen erinnert mich Vieles an die Tondichtungen eines Richard Strauss. Dessen orchestrale Finesse erreicht Schjelderup zwar nicht, dafür hat er ein sehr gutes Gespür für Melodien und verleiht dem Werk damit emotionale Kraft.
Die im Anschluss eingespielte zweite Sinfonie ist ebenfalls sehr stimmungsvoll und tonmalerisch komponiert. Die vier Sätze des vierzigminütigen Werks tragen programmatische Titel und auch hier ist die Nähe zu Strauss erahnbar:
  1. Das Meer
  2. Frühling
  3. Auf der Hochebene
  4. Auf zu den höchsten Gipfeln!
Die Trondheimer unter Leitung von Eivind Aadland spielen hervorragend und die exzeptionell gelungene Tontechnik tut ein Übriges, um diese Produktion all denjenigen dringend ans Herz zu legen, die mit den orchestralen Werken von Wagner, Strauss oder Liszt etwas anfangen können.
Bleibt zu erwähnen, dass Schjelderup über die gezeigte CD hinaus bisher nahezu nicht auf Tonträgern dokumentiert ist. Amazon spuckt lediglich eine CD mit einem bzw. mehreren Liedern von diesem Komponisten aus. Nach den Eindrücken auf Basis dieser Scheibe würde ich die weiteren Tondichtungen sowie seine 1. Sinfonie und die von ihm geschriebene Kammermusik gerne kennenlernen.
Besprechung bei Klassik heute.


[Beitrag von Hüb' am 26. Apr 2016, 09:04 bearbeitet]
Hüb'
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#19 erstellt: 27. Apr 2016, 07:41
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Richard Strauss (1864-1949)
Sinfonia Domestica op. 53

Roland Pöntinen (Klavier), Tonhalle Orchester Zürich, David Zinman
Arte, DDD, 2002

Man darf sich die Frage stellen, wie egozentrisch und von sich selbst eingenommen man sein muss, um die zugrunde liegende Programmatik tatsächlich ernst zu meinen. Mir gelingt das jedenfalls nicht so recht. Selbst wenn die Idee hinter dieser Komposition tatsächlich mal was Neues ist, so erscheint es mir zumindest fragwürdig, ob man das familiäre Beziehungsgeflecht und die zum Ausdruck gebrachten Emotionen, die ja nicht nur die Person des Komponisten betreffen, so offenlegen sollte. Gut, zu Zeiten der Komposition war man von einem emanzipierten Verhältnis von Mann und Frau (vom Kind will ich gar nicht reden) noch weit entfernt...
Gerade im Bereich der transportierten Emotionen liegt für mich zudem der Knackpunkt der Musik. Sie erreicht mich gefühlsmäßig einfach nicht (wie beinahe grundsätzlich bei Strauss). Ich kann anerkennen, dass das ein exzellent gearbeitetes, fein gestaltetes Werk ist, welches dem Orchester (und auch dem Solisten am Klavier) reichlich Profilierungsmöglichkeiten bietet. Selbst wenn die Sinfonia Domestica von vielen nicht wirklich geschätzt wird, zeigt sie Fähigkeiten des Komponisten, über die andere Tonsetzer eben nicht verfügten. Das Werk berührt (oder gar bewegt) mich jedoch nicht. Nett anzuhören erfreue ich mich an der handwerklichen Qualität. That's all.
Der vor allem in der Nische bestens etablierte Roland Pöntinen und das Tonhalle Orchester unter Zinman nutzen die gebotene Profilierungschance und belegen die Qualität des Orchesters. Auch eine klanglich absolut gelungene Aufnahme (aktuell nur noch innerhalb gezeigter 7-CD-Box zu haben; gebraucht inkl. Versand für keine 5 EUR zu haben, was angesichts der Box-Preise allerdings kaum lohnt).


[Beitrag von Hüb' am 27. Apr 2016, 09:54 bearbeitet]
Hüb'
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#20 erstellt: 27. Apr 2016, 07:52
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Antonin Dvorak (1841-1904)
Symphonien Nr.1-9
+ Ouvertüren: Karneval op. 92; Mein Heim op. 62; Die Hussiten op. 67; Othello op. 93

London Symphony Orchestra, Witold Rowicki
Philips, ADD, 65-71

David Hurwitz nässt sich fast ein vor Erbauung: KLICK

Gehört habe ich in den letzten Tagen diesen unter Leitung des polnischen Dirigenten Witold Rowicki mit dem LSO entstandenen Dvorak-Zyklus, der als 6-CD-Box bei Decca/Universal vorliegt.
Die Einspielungen entstanden zwischen 1965 und 1971 für Philips - und nicht Decca, wie auf dem Cover zu lesen ist; das Label Philips existiert leider nicht mehr, seit der Universal-Konzern seine Klassik-Aktivitäten marketingseitig auf die Label Decca und DG fokusiert. Das erklärt auch, warum ein nur unwesentlich jüngerer Zyklus mit dem selben Orchester auf dem (vermeintlich) selben Label existiert, nämlich die vielgerühmte Kertesz-Gesamtaufnahme. Letztere ist zwar ebenfalls günstig, liegt preislich aber leicht oberhalb der Rowicki-Box. Über den günstigen Preis gilt es die gestalterisch miese Optik der Box (der ganzen Serie eigentlich) zu verschmerzen. Ein weiterer Wermutstropfen ist die Aufteilung der 2. Sinfonie auf 2 CDs (wer sich daran stört, kann diese ja "umbrennen"; das wäre zumindest mein Tipp).
Die Rowicki-Aufnahmen waren für doch einige Jahre vom Markt verschwunden. Die letzte Inkarnation, an die ich mich erinnern kann, war eine Veröffentlichung im Rahmen der ebenfalls nur noch antiquarisch verfügbaren Philips-Duo-Doppel-CD-Reihe:

21S2ZYVMTEL 41TQ93K6VBL 61VZGPWQ6RL


Ob es meine wachsende Hörerfahrung mit den frühen Dvorak-Sinfonien ist, die tolle Interpretation durch Rowicki und das LSO oder auch eine Mischung aus beiden Faktoren kann ich gar nicht sagen. Jedenfalls sind vor allem die Sinfonien Nr. 1 und 2 in meinem Ansehen mit Hören diese Zyklus ganz erheblich gewachsen. Das ist wirklich tolle, anhörens- und wiederhörenswerte Musik, die zwar sicher ihre Vorbilder hat, die aber bei weitem nicht beliebig und austauschbar ist und die nicht so sehr im Schatten der Spätwerke und der alles überstrahlenden 9. Sinfonie stehen sollte, wie es die Popularität dieser Werke anzeigt.

Es wurde bereits angemerkt: auch die Siebte ist ganz wundervolle Musik, auf einem Level mit der Achten und der berühmten Neunten. Die achte Sinfionie scheint mir insgesamt exemplarisch für den Reiz, den Dvoraks Sinfonik ausmacht, nämlich das Spannungsfeld und Auf und Ab aus emotional-melancholischen Weisen und schmissiger Lebenslust. Dieser Kontrast wird hier besonders gut erfahrbar und Rowicki und das LSO folgen dieser Musik so selbstverständlich hinreißend, dass es eine Lust ist, ihnen zuzuhören. Das strahlende Blech ist in meinen Ohren herausragend und Rowicki lässt das LSO mit einer Wärme und Anteilnahme musizieren, die dem Hörer die Musik Dvoraks ganz, ganz nahe bringt.

Mein Fazit: Wenn jemand eine exzellente Gesamtaufnahme der Dvorak-Sinfonien sucht, dann wäre es sträftlich, am vergleichsweise unbekannten und unterschätzten Rowicki vorbeizugehen. Für mich gehört dieser Zyklus unbedingt zum schmalen Kanon der Referenzaufnahmen. Für Dvorak-Fans und entdecker gleichermaßen ein Must-have!
Hüb'
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#21 erstellt: 27. Apr 2016, 10:25
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Mieczyslaw Weinberg (1919-1996)
Symphonie Nr.12 "In Memoriam D.Shostakovich"
+ The Golden Key-Ballettsuite Nr. 4

St. Petersburg Symphony Orchestra, Vladimir Lande
Naxos, DDD, 2012

Die Nähe zu Schostakowitsch ist in dieser groß angelegten, düsteren und emotional dichten Sinfonie unüberhörbar. Nicht weiter verwunderlich, ist das Werk doch DSch gewidmet. Wer einen guten Zugang zu den Sinfonien des Freundes und Vorbildes hat, wird vermutlich auch die Sinfonie Nr. 12 von Weinberg zu schätzen wissen. Die nachfolgende Ballettsuite ist da wesentlich leichtgewichtiger und hat über weite Strecke eher den Charakter von Unterhaltungsmusik. Die Interpretationen erscheinen mir gelungen, engagiert und zupackend, nicht mit allerletzter Finesse gespielt aber in meinen Ohren allemal gut genug, um nicht den Wunsch nach einer besseren Aufnahmen aufkommen zu lassen. Nicht verschweigen möchte ich, dass die Kritik auf Klassik.com allerdings vernichtend war - im Gegensatz zu den Besprechungen, die Naxos auf seiner Seite sammelt. Wie so häufig dürfte hier ein eigener Eindruck sicher den größten Aufschluss geben. Bedenken sollte man, dass es sich um die derzeit einzige aktuell verfügbare Produktion handelt.
Hüb'
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#22 erstellt: 27. Apr 2016, 10:26
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Alfredo Casella (1883-1947)
Tripelkonzert op.56 für Klaviertrio & Orchester
+ Ghedini: Concerto dell'albatro für Klaviertrio, Sprecher & Orchester

Paolo Ghidoni, Emanuela Piemonti, Carlo Doglioni Majer, Pietro Bosna, Orchestra I Pomeriggi Musicali, Damian Iorio
Naxos, DDD, 2007

Mein erster Kontakt mit dieser Musik (muss man sicher mehrfach gehört haben) und dieser Aufnahme. Auf Anhieb durchaus in die Schublade "interessant" abgelegt. Es scheint mir lohnend, den unterschiedlichen Stimmungen beider Werke nachzuhören. Das Casella-Konzert für Klaviertrio erscheint mir dabei weniger modern, als das den Hörer stärker fordernde Gegenstück von Ghedini. Letzteres bietet den einzelnen Stimmen sehr viel Raum für solistisches Entfaltung (in gemäßigtem Tempo). Die Bezüge des Trios zueinander entwickeln sich nur langsam und tastend; um den "großen Bogen" nachzuvollziehen muss ich die Scheibe sicher ein paar Male hören. Es handelt sich um eine Live-Produktion. Hier eine Besprechung.
JPC listet gerade mal eine einzige Alternativaufnahme.
Hüb'
Moderator
#23 erstellt: 27. Apr 2016, 10:31
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Mieczyslaw Weinberg (1919-1996)
Kammermusik für Bläser:
Klarinettensonate op. 28; 12 Miniaturen op. 29 für Flöte & Klavier; Sonate op. 133 für Fagott solo; Trio op. 127 für Flöte, Viola & Harfe

Elisaveta Blumina, Wenzel Fuchs, Henrik Wiese, Mathias Baier, Nimrod Guez, Uta Jungwirth
Label: CPO, DDD, 2009

Weinberg-Hype hin oder her, selbst in der Nische beweist CPO noch Mut in der Programmgestaltung. Die CD enthält Kammermusik für verschiedene Holzbläserkonstellationen und ist bereits dadurch abwechslungsreich gestaltet. Allein dass ein so ungewöhnliches Werk wie die ca. zwanzigminütige Sonate op. 133 für Fagott solo überhaupt aufgenommen wird, ist aus meiner Sicht mehr als verdienstvoll. Die Musik an sich ist ähnlich variationsreich wie die Werkszuammenstellung und bewegt sich zwischen eher harmonischen, melodieseligen Momenten bis hin zu deutlich moderneren Abschnitten. Aus meiner Sicht blitzt die häufig angeführte Nähe zur Musik von Schostakowitsch immer wieder auf. Auch in klanglicher Hinsicht eine hervorragende Rundfunkproduktion (Deutschlandradio Kultur).
Hüb'
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#24 erstellt: 27. Apr 2016, 12:24
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Louis Spohr (1784-1859)
Werke für Violine & Klavier: Grand Duo concertant op. 11; Adagio WoO. 37; Rondoletto op. 149; 6 Salonstücke op. 135

Ingolf Turban, Kolja Lessing
CPO, DDD, 2010

Manchmal ist das Tun von CPO reichlich indifferent, was das Halten von Aufnahmen im Katalog angeht. Diese 2009 und 2010 in Bremen (Co-Produktion Radio Bremen) aufgenommene und in 2012 veröffentlichte Produktion ist bereits wieder gestrichen, wohingegen die deutlich älteren Aufnahmen der Violinkonzerte Spohrs (mit Ulf Hoelscher) nach wie vor zu haben sind. Wer die CD erwerben will, muss daher antiquarisch zuschlagen. Mit etwas Glück und Geduld lassen sich die aktuell bei Amazon aufgerufenen 28,10 EUR ( ) bestimmt unterbieten...
Geboten werden Werke für Violine und Klavier des Braunschweigers Louis Spohr. Grand Duo concertant op. 11 sowie die 6 Salonstücke op. 135 weisen jeweils Spieldauern von über 30 Minuten auf. In meinen Ohren höchst angenehm zu konsumierende Musik, die weniger bewegen und mitreißen, denn unterhalten will. Letzteres gelingt ihr ungemein gut, woran die hervorragenden Interpreten Ingolf Turban (Violine) und Kolja Lessing (Klavier...ja, genau!) hohen Anteil haben. Turban spielt sehr schön und rein und wird in den Werken gleichberechtigt unterstützt durch seinen Klavierpartner. Die Klangtechnik ist perfekt ausbalanciert und schafft den Spagat zwischen Nähe und natürlicher Raumanmutung bestens. Eine durchaus "audiophile"-Einspielung. Die Spieldauer von rd. 76 Minuten möchte ich ebenfalls positiv hervorkehren. Besprechung bei Klassik heute.
Hüb'
Moderator
#25 erstellt: 29. Apr 2016, 12:07
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Alfredo Casella (1883-1947)
Sonaten für Cello & Klavier Nr. 1 & 2; Notturno; Tarantella

Andrea Favalessa, Maria Semeraro
Brilliant, DDD, 2013

Schaut man auf das vorhandene Angebot der Aufnahmen der Werke für Cello und Klavier von Alfredo Casella, so stellt man schnell fest, dass es neben gezeigter Brilliant Classics-CD kaum Produktionen gibt. Eine Aufnahme des ital. "Dynamic"-Labels mit dem Duo Pepicelli ist eventuell noch erwähnenswert.
Die dünne Katalogsituation ist angesichts der lebendigen, lohnenden Musik wirklich schade. Umso schöner, dass Brilliant diese Kompositionen nun preisgünstig zugänglich macht. Neben der Wiederverwertung von Material anderer Label hat man als weiteres Standbein vor einiger Zeit damit begonnen, CDs mit Nischenrepertoire in Italien aufzunehmen (mit jungen, noch unbekannten/unverbrauchten Musikern). Diese Scheibe ist dafür ein exemplarisch-gelungenes Beispiel. Engagiert und mit vollem Ton setzen sich der Cellist Andrea Favalessa und die Pianistin Maria Semeraro für Casellas Musik ein. Auch die Tontechnik wußte bei dieser Einspielung zu überzeugen.
Da der Text IMHO gut passt, zitiere ich aus der Brilliant Classics-Produktinfo: "Die vorliegende CD des Cellisten Andrea Favalessa und der Pianistin Maria Semeraro fasst Casellas vollständige Kammermusik für Klavier und Cello zusammen. Sie besteht im Kern aus den beiden Cellosonaten in c-Moll op. 8 (aus dem Jahre 1906) und C-Dur op. 45 (1926), die durch zwei kurze Bearbeitungen, der Tarantella und dem „Notturno“ (beide 1929), ergänzt werden.
Die Werke zeichnen sich durch klare Strukturen, weitläufige Melodiebögen, akzentuierte Rhythmen und eine insgesamt starke Vitalität aus. Die beiden Musiker treten seit geraumer Zeit gemeinsam auf und konnten schon einige internationale Kammermusik-Wettbewerbe für sich entscheiden."

Die erste Sonate op. 8 wurde 1906/07 geschrieben und ist Pablo Casals gewidmet. Das (ausschließlich englischsprachige) Beiheft will Einflüsse seitens Mahler, Debussy, Fauré und Strauss ausgemacht haben.
Die zweite Sonate op. 45 lässt neoklassizistische Einflüsse erkennen. Beide Werke erscheinen mir - trotz ihrer Bezüge - doch sehr eigenständig. IMHO eine Entdeckung und eine Empfehlung!


[Beitrag von Hüb' am 29. Apr 2016, 12:31 bearbeitet]
Hüb'
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#26 erstellt: 03. Mai 2016, 15:23
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Havergal Brian (1876-1972)
Symphonie Nr.3

BBC Symphony Orchestra, Friend
Hyperion, DDD, 88

Havergal Brian ist mir bisher nur dem Namen nach bekannt. Am berühmtesten wohl seine monumental besetzte 1. Sinfonie, die "Gotische". Auf Tonträgern hat sich in den letzten Jahren einiges getan, so dass zahlreiche Aufnahmen auf Naxos/Marco Polo, Dutton oder auch Lyrita greifbar sind. Bei den Naxos-/MP-Produktionen ist aus meiner Sicht allerdings der Wehrmutstropfen hinzunehmen, dass es sich teilweise um ältere Aufnahmen mit mir nicht zwingend als ideal erscheinenden Orchestern handelt. Die vermutlich absolut kaufenswerten Einspielungen für Dutton und Lyrita sind hingegen im Hochpreissegment angesiedelt, womit ich in den "Entdeckerbereichen" so meine Schwierigkeiten habe... Insofern kommt diese Hyperion-Helios-CD aus dem Budget/Mid-Price-Segment wie gerufen, um Brian abseits von Naxos/MP kennenzulernen.
Die 3. Sinfonie, hier dargeboten vom BBC SO unter Lionel Fried, kommt bei vier Sätzen auf eine Spieldauer von rd. 55 Minuten. Meiner einigermaßen oberflächlichen Recherche nach handelt es sich bei dieser Produktion aus dem Jahre 1988 um die derzeit einzig verfügbare Aufnahme.
Immerhin, es gibt sie - und das ist angesichts der Musik auch gut so, denn Brian kredenzt dem Hörer mit dem Werk monumentale Spätromantik, die dennoch ihre eigenen, wendungsreichen Wege geht. Kaum ein "moderner Misston" stellt sich dem Genuss in den Weg. Auf musikalische Bezüge wird im Wiki-Artikel verwiesen. Ich muss das einfach noch einmal hören, um den Eindruck zu vertiefen. Mir scheint jedenfalls, hier tut sich ein lohnendes Betätigungsfeld auf.
Hüb'
Moderator
#27 erstellt: 04. Mai 2016, 13:14
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Dimitri Kabalewsky (1904-1987)
Cellokonzerte Nr.1 & 2
+ Colas Breugnon-Suite op. 24a

Torleif Thedeen (Cello), NDR Radiophilharmonie Hannover, Eiji Oue, Adrian Prabava
CPO, DDD, 2009

Kabalewsky war ein regimetreuer Komponist und langjähriger Professor für Komposition. Er füllte eine Reihe von Funktionen und Ämtern im kulturellen und Musikleben der damaligen Sowjetunion aus. Seine Cellokonzerte sind gekennzeichnet durch tonale Kompositionsweise bei hoher Fasslichkeit, die durch klare, einfache Strukturen und eingängige Melodien gekennzeichnet sind. Kabalewsky war sicher kein Neuerer, Innovator oder jemand, der "vergrübelte" Dinge zu Papier gebracht hätte. Seine Tonsprache ist sehr klar und geradeheraus: simpel, knackig und verständlich. Dabei hat er ein Händchen für "drive" und rhythmische Gestaltung sowie einprägsame Melodien, die teilweise gleich beim ersten Anhören "greifen". Der Cello-Part erscheint in der Bewältigung hingegen alles andere als Banal. Mein Eindruck ist, dass der Solist hier ganz schön gefordert wird.
Die vorliegende Einspielung entstammt einer dankenswerten CPO-Serie, die gleichfalls die Klavierkonzerte wie die Sinfonien Kabalewskys umfasst (sämtlichst Fälle für meinen Wunschzettel). Die 2009 in Kooperation mit dem NDR in Hannover aufgenommenen Werke klingen hervorragend, mit mächtigem Durchzug in den tiefen Registern.
In einer Rezension las ich etwas von einer gewissen Nüchternheit der Interpreten. Diesen Eindruck mag ich nicht teilen. Vielmehr geht es hier mit vollem Einsatz zur Sache und ich kann mir keine trefflichere Einspielung dieser "bodenständigen", plakativen Musik vorstellen. Ein nachdrücklicher Kauftipp und für mich eine echte Überraschung !
Besprechungen im Netz: klassik.com, classicstoday.com, klassik-heute.com.
Hüb'
Moderator
#28 erstellt: 31. Mai 2016, 10:38
amazon.de

Friedrich Gernsheim (1839-1916)
Klavierquartette Nr.1 & 3

Andreas Kirpal, Mitglieder des Diogenes Quartett
Brilliant, DDD, 2007

Veritable Hits und in meinen Ohren ganz weit weg von jeder (auch positiv gemeinten) Mittelmäßigkeit sind die Werke auf dieser CD. Was Gernsheim hier an wunderbarem Melodienmaterial heraushaut und in Struktur sowie Spannungsbögen packt ist für meinen romantisch geprägten Geschmack schlichtweg erstklassig. Ich kann leider nur den Kopf darüber schütteln, dass diese Aufnahme bereits wieder gestrichen ist (obwohl noch keine 10 Jahre alt). Angesichts mangelnder Alternativen möchte ich durchaus empfehlen, die CD bei Amazon ruhig zu einem Preis oberhalb des ursprünglichen Neupreises zu erwerben. Wer die Kammermusik von Brahms und Mendelssohn schätzt, wird auch diese Werke Gernsheims mögen.
Wie engagiert sich Andreas Kirpal und die Mitglieder des Diogenes-Quartetts hier für Gernsheim reinhängen ist aller Ehre Wert. Ebenso wie der hervorragende Klang der von Christian Starke aufgenommenen CD (übrigens ein Beleg dafür, dass die Label-Grenzen verschwimmen, wirft man mal einen Blick auf seine Referenzen).
Erwähnenswert auch der (unerwartet) umfassende, informative und in deutscher Sprache vorliegende Booklet-Text dieser Brilliant Classics-CD.
Da ich nicht weiß, wie lange die ebenfalls (noch) erhältlichen Violinsonaten (halbwegs günstig) zu bekommen sein werden - sie wurden ebenfalls von Stefan und Andreas Kirpal für Brilliant Classics eingespielt und durch Christian Starke aufgenommen - habe ich die Doppel-CD vorsichtshalber gleich geordert. Wenn das musikalische Niveau hier nur halbwegs gehalten wird, kann das keine Fehlentscheidung sein.
Besprechung bei RONDO.
Hüb'
Moderator
#29 erstellt: 31. Mai 2016, 10:39
amazon.de

Die Sinfonien von Friedrich Gernsheim. Die Musik von Gernsheim wird allgemein in die Nähe von Johannes Brahms gerückt. In den ersten beiden Sinfonien drängt sich diese Verbindung in meinen Ohren nicht unbedingt auf, wird dann in der 3. und 4. aber durch einen "brahm'sisch drängenden" Fluss der Musik naheliegender (wer hörend den Vergleich zieht, wird sicher wissen, was ich meine).
Es gibt im Netz - unter anderem bei Amazon - einige positive Besprechungen zu den Sinfonien. Die dort geäußerte Begeisterung mag ich nicht 1:1 teilen. Zwar ist das allemal schön gearbeitete Spätromantik - auch mit der ein oder anderen netten Idee und Wendung versehen - gemessen an den Vorbildern meiner Ansicht nach jedoch nur Mittelmaß im Umfeld der Masse an (romantischem) Nischenrepertoire. Vielleicht daher auch nicht ganz unverständlich, dass es bis zum Beginn der Weltersteinspielung der Sinfonien immerhin bis ins Jahr 1996 gedauert hat. Ein weiteres Indiz für die Bedeutung Gernsheims mag sein, dass Alternativaufnahmen auf sich warten lassen. Allerdings bemüht sich CPO zunehmend um den Komponisten, insbesondere im Bereich der Kammermusik.
Siegfried Köhler und die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz machen einen guten Job und setzen sich für "ihren" (Wormser) Gernsheim engagiert ein. Meister diffiziler Zwischentöne und -stimmungen sind sie jedoch nicht. Dem Orchester scheint die Musik so etwas wie eine Herzensangelegenheit zu sein, denn auf CPO existiert mit ihm eine weitere Einspielung der 1. und der 3. Sinfonie (2. und 4. werden vermutlich folgen).
Insgesamt dennoch eine gelungene Ausgrabung, die man zumindest dann nachdrücklich ans Herz legen kann, wenn die Musik ins persönliche "Beuteschema" passt.
Hüb'
Moderator
#30 erstellt: 01. Jun 2016, 15:40
jpc.de

Edward Elgar (1857-1934)
Klavierquintett op. 84
+ Violinsonate op. 82

Brown, Nash Ensemble
Hyperion, DDD, 1992

Sowohl das Klavierquintett, als auch die Violinsonate liegen in verschiedenen Aufnahmen vor, gehören aber dennoch kaum zum häufig eingespielten Repertoire*. Meiner Ansicht nach sind das durchaus beachtenswerte Werke. Das melodische Material der Violinsonate, mit seinen wiederkehrenden, teils sehnsuchtsvollen Motiven, erscheint mir ebenso ansprechend wie die dichte Komposition des Klavierquintetts. Hier gibt es für meine Ohren viel an Wohlklang, Schönheit und Einfallsreichtum zu entdecken.
Beiden Werken gemein ist ein dreisätziger Aufbau. Op. 84 ist mit einer Spieldauer von knapp 40 Minuten vergleichsweise episch und deutlich länger als die rd. 25-minütige Violinsonate. Beide Kompositionen entstanden in Elgars später Schaffensphase, in den Jahren 1917 bis 1919, in der sich Elgar der Kammermusik zuwandte (auch das Streichquartett schrieb er in diesen Jahren).
Auch die Interpretation sowie der Klang der Scheibe scheinen mir gelungen. Nach weiteren Aufnahmen verspüre ich jedenfalls momentan keinerlei Bedarf.

* In meiner Sammlung dürften beide Stücke nochmals in der EMI-Elgar-Edition/-Box vorhanden sein. Das Quintett besitze ich zudem auf Naxos mit Peter Donohoe und dem Maggini Quartet.
Hüb'
Moderator
#31 erstellt: 03. Jun 2016, 07:04
jpc.de

Johannes Brahms (1833-1897)
Symphonien Nr. 1-4
+ Tragische Ouvertüre op. 81; Haydn-Variationen op. 56a; Akademische Festouvertüre op. 80

Wiener Philharmoniker, John Barbirolli
Warner, ADD, 1966/1967

Einerseits ist es natürlich mehr als erfreulich, dass diese lange nicht verfügbare Gesamtaufnahme der Sinfonien von Johannes Brahms mit Barbirolli und den Wienern nun durch Warner wieder verfügbar gemacht wurde (nachdem EMI dies über Jahre nicht auf die Reihe bekommen hat). Andererseits erscheinen mir die Einspielungen, die immerhin ziemlich genau fünfzig Jahre auf dem Buckel haben, "nur" als ordentlich und etwas spannungsarm. Natürlich sind es die Wiener und natürlich ist es Barbirolli, der am Pult steht, aber das ändert nichts daran, dass die betont warme und "schöne" Wiedergabe der Sinfonien durch die Wahl eher (sehr) gemäßigter Tempi in Kombination mit einem wenig weiten Dynamik-Umfang der Tontechnik mehr zum Schwelgen, als zum gespannten Zuhören animiert. Das ist sicher kein illegitimer Ansatz, jedoch habe ich die Werke auch in Aufnahmen aus jener Zeit durchaus spannender, packender und meiner Ansicht nach treffender in der Erinnerung (Ansermet, Klemperer - um nur zwei Beispiele zu nennen - trotz wahrscheinlich schlechterer Orchester). Vielleicht war meine Erwartungshaltung einfach zu groß (oder ich besitze zu viele Brahms-Gesamtaufnahmen... :D), aber in meinen Ohren liegt mit dieser Wiederveröffentlichung lediglich eine weitere, zwar hochklassige, aber eben nicht hervorstechende oder "besondere" Brahms-Interpretation vor. Dies mag ein Grund sein, warum die Einspielungen solange in den Archiven der EMI schlummerten.
Barbirolli-Verehrer sollen (und werden) sich selbstverständlich nicht vom Kauf abhalten lassen. Auch ist die Edition natürlich kein Fehlkauf. Wer allerdings in seiner Sammlung über eine große Auswahl der Brahms-Sinfonien verfügt, sollte vor einem Erwerb zumindest intensiv in diese Aufnahmen hereinhören, bevor er zuschlägt.
Besprechung der Sinfonien 2 & 3 bei Classics Today.
Hüb'
Moderator
#32 erstellt: 09. Jun 2016, 08:21
jpc.de

Mozart Camargo Guarnieri (1907-1993)
Symphonien Nr. 5 & 6
+ Orchestersuite "Vila Rica"

Sao Paulo Symphony Orchestra, John Neschling
BIS, DDD, 2003

Das sind recht beachtliche Werke. Die Durchmischung ist interessant und führt zu einer eigenständigen Note, auch wenn die Sinfonien und die Suite nicht allzu komplex und dicht geschrieben sind.
Die beiden Sinfonien - Erstaufnahmen laut CD-Hülle - sind jeweils dreisätzig mit einer Spieldauer von etwa 20 Minuten.
Die 6. Sinfonie (1981) beginnt mit einem einigermaßen ausgelassenen Satz "Enérgico E Ritmado" (energisch und rhythmisch) überschrieben. Ebenso klingt es auch. Vielleicht nicht ganz so gelassen wie in den grotesk-heftigeren Momenten eines DSCH, aber immerhin. Der 2. Satz, "Triste" (traurig), ist mit rund 11 Minuten Dauer der Kern der 6. Sinfonie. Ein ruhiger Satz, vielleicht etwas pessimistisch wirkend, dennoch von einer eigentümlichen Schönheit. Der bezeichnungslose 3. Satz beendet die Sinfonie.
Die wahrscheinlich nicht alles an musikalischem Vermögen fordernden Partituren werden vom exzellenten Sao Paulo Symphony Orchestra perfekt umgesetzt. Die Klangqualität der BIS-Produktion ist klasse. Insgesamt wenn auch keine überragende Musik, so dennoch anhörenswerte Kompositionen und ein guter Kauf.
Auch die anderen Sinfonien sind bei BIS verfügbar (die Klavierkonzerte hält Naxos vor, einige der Violinsonaten Marco Polo).
Wer in die 2. und 5. Sinfonie (1977) hereinhören mag, wird bei YouTube fündig:

https://www.youtube.com/watch?v=1QtV9j5Syfs
https://www.youtube.com/watch?v=tMl2nSm0-Bo

jpc.de

Mozart Camargo Guarnieri (1907-1993)
Symphonien Nr.2 & 3
+ Abertura Concertante

Sao Paulo Symphony Orchestra, John Neschling
BIS, DDD, 2001

Die Sinfonien 2 und 3 sind sanglicher und der Wunsch des Komponisten nach einer gemäßigten Moderne erscheint noch einmal weniger ausgeprägt, als in den Sinfonien Nr. 5 und 6. In den meditativen Momenten gelingen Mozart Camargo Guarnieri schöne Stimmungen und eine tolle Atmosphäre. An der einen oder anderen Stelle meine ich ganz leichte Anklänge in Richtung Strawinsky wahrzunehmen.
Ebenso wie bei der oben gezeigten ersten CD, handelt es sich meiner Einschätzung nach nicht um die ganz großen kompositorischen Würfe, aber um leicht zu rezipierende, gelungene und hörenswerte Musik, deren Entdeckung ich als lohnenswert empfinde. Im Vergleich (2/3 mit 5/6) haben mir die beiden früheren Sinfonien besser gefallen.
Auch bei dieser CD machen die Interpreten einen untadeligen Job und ich kann mir kein relevantes Potenzial in Richtung einer ggf. besseren Anwaltschaft vorstellen. Insgesamt haben mir die CDs das Sao Paulo SO als ernsthaften und ernstzunehmenden Klangkörper nahegebracht, über den man nicht die Nase zu rümpfen braucht. Wieder ein Vorurteil weniger…
Die noch fehlende CD mit den Sinfonien Nr. 1 und 4 werde ich mal weiter beobachten, um einen für mich "passenden" Preis abzuwarten. Unreduziert würde ich sie mir eher nicht zulegen, vergünstigt hingegen schon.
Hüb'
Moderator
#33 erstellt: 15. Jun 2016, 07:11
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Jean Sibelius (1865-1957)
Symphonien Nr.1-7

Lahti Symphony Orchestra, Okko Kamu
3 Super Audio CDs, stereo/multichannel (Hybrid)
BIS, DDD, 2012-2014

Es erscheinen immer wieder neue Gesamtaufnahmen dieser Sinfonien. An diesen Produktionen ist das schwedische Label BIS nicht ganz unschuldig, denn immerhin drei Zyklen werden dort gelistet, ein weiterer scheint in Entstehung:
  • Gothenburg Symphony Orchestra, N. Järvi
  • Lahti Symphony Orchestra, Vänskä
  • Minnesota Orchestra, Osmo Vänskä (im Entstehen)
  • Lahti Symphony Orchestra, Kamu
Auf eben letztgenannte Einspielungen beziehen sich meine Eindrücke.
Wenn ich an anderer Stelle lese (im Tamino-Forum), Nielsen erscheine einem Hörer als der interessantere Komponist, dann kann ich das nachvollziehen. Seine Sinfonien sind verglichen mit denjenigen Sibelius' abwechslungsreicher und weniger "homogen". Auch ist bei Nielsen eine stärkere Entwicklung erkennbar, im Verlauf der Sinfonien. Sibelius hingegen wirkt vergleichsweise beschränkt, was Ideen, Stimmungen und Motive anbelangt. Ich habe an nicht wenigen Stellen den Eindruck, er variiert lediglich bestimmte Grundideen und Muster. Nichtsdestotrotz mag ich Sibelius lieber. Seine Melodien und die Atmosphäre, die er in seinen Sinfonien schafft, berühren mich unmittelbarer, auch wenn sich die Musik vielleicht stärker "abnutzen" mag. Die populäre 2. gehört zu meinen Lieblingen (wie einfallslos... 8-) ), ebenso wie die großartige 5.
Das mehr als Sibelius-erfahrene Lahti Symphony Orchestra ist ein idealer Klangkörper. Unter Leitung des ehemaligen Karajan-Protegés Okko Kamu habe ich beim Anhören der Werke das Gefühl einer tiefen Verbundenheit mit der Musik, so schön, klar und bewegend werden die Sinfonien vor dem Hörer ausgebreitet.
Die Klangtechnik dieser BIS-Produktionen ist exzellent, verbunden mit der Label-üblichen, weiten Dynamik (Letztere mag nicht jedem Hörer zusagen bzw. auf alle Hörgelegenheiten passen).
Angesichts der Fülle des Marktes vielleicht kein must-have, jedoch wäre es IMHO ein Fehler, an diesem Zyklus unbeachtet vorbeizugehen. Er liefert tiefe Einblicke und dringt in meiner Wahrnehmung zum Kern dieser wunderbaren Musik vor.
Besprechungen und Hinweise aus dem Netz: Gramophone, MusicWeb, ALLMUSIC, Amazon.de.
Hüb'
Moderator
#34 erstellt: 02. Aug 2016, 14:18
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Franz Schubert: Die Sinfonien
Academy of St. Martin in the Fields, Neville Marriner
Philips, 6 CDs, DDD, 1981-1984

Marriner bietet mit seiner Academy einen feinen, kammermusikalischen und "nicht HIPen" Schubert. Er beschreitet damit in meiner Wahrnehmung einen Mittelweg zwischen aufgekratzt-spannenden historisierenden Aufnahmen und dezidiert romantisch-großorchestralen Sichtweisen. Bitte nicht falsch verstehen: auch Marriner gelingen viele lichte, transparente Augenblicke. Es fehlt allerdings am spezifischen Sound so manchen Originalklang-Ensembles. Woraus erwächst die "Berechtigung" dieser Edition?: es wird sehr schön musiziert und wer HIP nicht möchte erhält hier dennoch einen frischen Zugang zu den Werken. Der (frühe) Digitalklang erscheint mir sehr gelungen. Hauptargument für einen Kauf ist aber aus meiner Sicht ganz klar der Faktor "Vollständigkeit", denn meines Wissens ist Schuberts sinfonisches Schaffen in keiner anderen Edition derart umfassend gewürdigt (erkennbar auch an der Anzahl von 6 CDs). Zu nennen sind hier die selten eingespielten Deutschverzeichnis-Nummern D708a, D936a sowie D615, die sämtlichst von Brian Newbould eingerichtet bzw. ergänzt wurden.
Über die Vervollständigungen mancher Werke (z. B. der "Unvollendeten"; ebenfalls durch Brian Newbould) wird man vermutlich streiten können. Wem besagte Unvollendete in dieser Form nicht zusagt, der kann ja auch nur die ersten beiden Sätze hören.
Insofern für Schubert-Fans und -Sammler ein klares "Must", für alle Anderen eine gute Option, wenn die Einspielungen zu den Hörvorlieben passen. Auch der niedrige Preis muss natürlich erwähnt werden. Nachstehend die Cover weiterer Ausgaben (mir gefällt das von mir gewählte Titelbild jedoch am besten):

amazon.de amazon.de amazon.de
Hüb'
Moderator
#35 erstellt: 28. Aug 2016, 09:34
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Aram Khachaturian (1903-1978)
Symphonie Nr. 2
+ Lermotov Suite (Ausz.)

Russian Philharmonic Orchestra, Dmitry Yablonsky
Naxos, DDD, 2006

Aktuell scheint es im Falle von Khachaturians zweiter Sinfonie ein wenig diskographische Bewegung zu geben, kommen doch gerade zwei neue Einspielungen bei cpo sowie Naxos auf den Markt. Das Werk trägt den Titel "Die Glocke", ist in vier Sätze unterteilt und dauert in der mir vorliegenden Yablonsky-Einspielung rd. 48 Minuten. Die Komposition ist eine Art Requiem, entstanden im Sommer 1943, die stark beeinflusst wurde durch das Geschehen des zweiten Weltkriegs. Ein gewisses Maß an Pathos sollte man abkönnen, um an der Komposition gefallen finden zu können. Khachaturian war ein regimetreuer Künstler, entsprechend faßlich und massentauglich sind seine musikalischen Ergebnisse. Dennoch ist hier eine zwar nicht revolutionäre, aber recht eigenständige Stimme zu vernehmen. Ein kraftvolles Werk, mit dem ein Orchester glänzen und sich präsentieren kann. Mir scheint die Interpretation sehr gelungen. Die Komposition gefällt mir, so dass ich irgendwann sicher auch bei der cpo-Produktion zugreifen werde, wenn sie im Preis gesunken ist.
Hüb'
Moderator
#36 erstellt: 07. Sep 2016, 15:03
jpc.de

Ludwig van Beethoven (1770-1827)
Symphonien Nr. 1-9

Annemarie Kremer, Wilke te Brummelstroete, Marcel Reijans, Geert Smits, Netherlands Symphony Orchestra, Jan Willem de Vriend
stereo & multichannel (Hybrid)
Challenge, DDD, 2008-2010
6 Super Audio CDs 

Ich darf mich an dieser Stelle über mich selbst wundern, denn ich hätte nicht gedacht, dass ich diesen Beitrag so würde schreiben können. Gekauft habe ich diesen Zyklus mit „gebremstem Eifer“, vorwiegend, um eine moderne, neue SACD-Ausgabe von guter künstlerischer Qualität in der Sammlung zu haben. Der Preis tat dann ein Übriges.
Bekommen habe ich deutlich mehr. Die Einspielungen zeigen exemplarisch die Meisterschaft Beethovens, wie viel in dieser Musik steckt und wie viele Deutungsmöglichkeiten und zulässige -ansätze es gibt! Was wolle man Besseres über eine Interpretation schreiben? Zumal ich mich dazu bekennen muss, ein ewiger „schon wieder eine neue Beethoven-GA“-Nörgler zu sein…
De Vriend und das Netherland Symphony Orchestra aus Enschede spielen nicht bloß engagiert, frisch und transparent, geben den Tönen Raum und lassen sie teilweise mit neu wirkenden Betonungen erklingen, sie überzeugen gleichfalls mit einer flexiblen Tempowahl. Das i-Tüpfelchen ist dann das exzellente Klangbild der Aufnahmen. Dieser Zyklus spielt für mich ganz, ganz weit vorne mit. Ich bin begeistert, wie schon lange nicht mehr von einer Gesamtschau der Beethoven’schen Sinfonien!
Hört rein, bitte!
Kritiken, z. B. hier und hier. Einen Artikel über de Vriend findet ihr hier.
Hüb'
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#37 erstellt: 29. Sep 2016, 12:10
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Ferdinand Ries (1784-1838)
Klavierkonzerte opp. 123 & 151

Christopher Hinterhuber, New Zealand Symphony Orchestra, Uwe Grodd
Naxos, DDD, 2005

Bereits vor einiger Zeit kaufte ich die jpc-Gesamtausgabe des Naxos-Zyklus sämtlicher Klavierkonzerte von Ferdinand Ries mit Hinterhuber und Grodd, aufgenommen mit verschiedenen Orchestern. In Vol. 1 spielt das New Zealand Symphony Orchestra - obwohl sicher zu den unbekannteren zählend - sehr gelungen und werkdienlich. Zu keiner Zeit kommen mir beim anhören "was wäre, wenn ein erstklassiges Orchester diese Musik spielte"-Gedanken. Ries wird in den beiden Konzerten als durchaus eigenständiger Komponist erfahrbar, auch wenn der ein oder andere Beethoven-Link aufblitzen mag. Freilich sucht man vermutlich bei ihm stark diesen Vergleich, was sicher etwas unfair ist. Christopher Hinterhuber erscheint mir als wacher, souveräner Gestalter des Solo-Parts. Insgesamt bieten die Interpreten eine lebendige, nicht-HIP-Deutung, welche die Werke nicht gerade als solcher aus der "zweiten Reihe" erscheinen lässt. Nein, vielmehr wundere ich mich, dass es erst in 2005 zu dieser Weltersteinspielung kam. Da gibt es dann doch sehr, sehr viele deutlich uninspiriertere, austauschbarere Werke als diese beiden wundervollen Konzerte. Ich freue mich schon auf den Rest der Serie. Mir scheint hier ein großer Wurf vorzuliegen.
Hüb'
Moderator
#38 erstellt: 30. Sep 2016, 10:20
jpc.de

Karl-Erik Welin (1934-1992)
Streichquartette Nr. 1, 6, 7, 9

Tale Quartet
BIS, DDD, 98

Karl-Erik Welin kommt auf Tonträgern beinahe nicht vor. Diese CD ist die einzige die jpc listet. Bei Amazon sieht es kaum besser aus. Enthalten sind vier jeweils ca. zwanzigminütige Streichquartette (der offenkundig fehlerhafte deutsche Wiki-Eintrag führt lediglich drei Quartette an). Die Kompositionen erscheinen mir grundsätzlich "langsam", sich in einem ruhigen Fluss entwickelnd. Dabei changiert die Musik auf eigentümliche Weise zwischen geräuschhaften Momenten (eher selten), schroffer Modernität und einem melancholisch-melodieseeligen Idiom. Die Kontraste und die sich immer wieder herausschälende musikalische Schönheit erscheinen mir jedenfalls sehr reizvoll. In die melodischen Augenblicke einzutauchen war mir beim hören jedenfalls eine große Freude.
Wenige Eindrücke seiner Musik sind bei YouTube zu finden, die Streichquartette jedoch leider nicht.


[Beitrag von Hüb' am 30. Sep 2016, 10:22 bearbeitet]
Hüb'
Moderator
#39 erstellt: 19. Okt 2016, 06:28
jpc.de

Joseph Haydn (1732-1809)
Sämtliche Klaviersonaten

Klaviersonaten H. 16 Nr. 1-16, 18-52; H. 16: G1 (alte Nr. 4);H. 17: D1 (alte Nr. 7); H deest in Es (alte Nr. 17);H deest in Es (alte Nr. 18)
+Variationen H. 17 Nr. 2, 3, 5-7; Alternativfassung zu H. 17 Nr. 2
Rudolf Buchbinder
10 CDs
Telefunken/Warner, ADD, 1973/74

Mein Zugang zu den Werken Haydns ist ein wenig problematisch. Natürlich nicht, weil die Musik grundsätzlich Zugangsschwierigkeiten bereitet, sondern vielmehr weil es in den jeweiligen Subgenres so viel gibt, was er komponiert hat. Die Fülle der Klaviersonaten, Sinfonien, Klaviertrios und Streichquartette ist kaum "beherrschbar". Hierin begründet liegt auch der subjektive und leise Verdacht, ob das alles denn von hoher Qualität sein kann und ob ein Komponist überhaupt (selbst in einem langen Leben) genug Ideen auffahren kann, damit die verschiedenen Werke einer Kategorie hinlänglich unterscheidbar und interessant erscheinen mögen?
Erschwerend - und wiederum ganz subjektiv - kommt hinzu, dass Haydns Musik oftmals ein gewisses schelmisches, augenzwinkerndes, humorvolles Moment innewohnt, welches von der Ernsthaftigkeit und Güte der Werke ablenken mag - die eben auch enthalten ist! Für denjenigen - wie mich - der vorwiegend nach schwelgerischen, romantischen und melancholischen Kompositionen "giert" etwas, dass man als Hürde empfinden kann.
Wenn ich nun versuche, mich der oben gezeigten Gesamtaufnahme durch Rudolf Buchbinder möglichst vorurteilsfrei zu nähern, dann komme ich zu dem Ergebnis, dass es sich in Summe um ganz wunderbare Musik handelt. Spätestens ab den mittleren Sonaten schält sich eine hohe Eigenständigkeit der Kompositionen heraus. Im zeitlichen Verlauf gewinnen Sie an Wiedererkennungswert und ihr Profil wird schärfer, auch experimentierfreudiger. Da ist vieles dabei, was ich (man) häufiger hören möchte und sollte. Es würde sich durchaus lohnen. die einzelnen Sonaten genauer zu betrachten, die Musik und die einhergehenden Empfindungen näher zu beschreiben - allein mir fehlt für so etwas die liebe Zeit.
Wie nun die Interpretation durch Buchbinder, der - neben der alten Eterna-D"D"R-Produktion von Walter Olbertz - sicher einen der frühesten Zyklen vorgelegt hat, nun zu bewerten ist, mag ich nicht sagen. Vielleicht reicht es auch, festzuhalten, dass die Interpretation meine Voreingenommenheit gegenüber der Musik überwunden hat und mich sogar für diese begeistern konnte.
In klanglicher Hinsicht scheinen mir die Einspielungen gelungen, auffällig allenfalls im Diskant bei lauten Passagen einiger (weniger) Sonaten. Hier neigt der klang zu leicht "hysterischer" Aggressivität. Ich müsste das via Kopfhörer noch einmal abhören, um zu verifizieren, ob es sich tatsächlich um übersteuerungsbedingte Verzerrungen handelt, wie vermutet.
Unterm Strich bleibt jedenfalls ein dickes Plädoyer für Haydns Klaviersonaten. Sie waren mir eine große Hörfreude, die bei Gelegenheit vertieft werden wird.
Hüb'
Moderator
#40 erstellt: 24. Okt 2016, 07:30
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York Bowen (1884-1961)
Klavierkonzert Nr. 1
+ Violinkonzert op. 33

Michael Dussek, Lorraine McAslan, BBC Concert Orchestra, Vernon Handley
Dutton, DDD, 2005

Der englische Komponist York Bowen verfügte hier im Forum leider noch nicht über einen eigenen Thread (was nun "geheilt" wurde). Aufgrund seiner Lebensdaten könnte man Bowen auch in die Schublade "Moderne" packen. Aber zumindest die Kompositionen auf der gezeigten CD sind so hochgradig romantisch (so auch die Wiki-Charakterisierung), dass dieser "Schuh nicht recht passen mag".
Die beiden Werke der CD sind geprägt von hoher klanglicher Schönheit und einem romantischen Kompositionsideal. Zwei, drei Stellen mögen zwar wie Zitate klingen, insgesamt drängte sich mir beim ersten Hören aber nie ein direkter Vergleich auf ("das klingt aber wie...könnte auch von xy sein..."), auch wenn Vergleiche zu Rachmaninoff, Chopin, Grieg und Tschaikowsky gezogen werden könnten. Mich hat die Musik auf Anhieb begeistert. Sie ist ein Beleg dafür, wie lohnend das Stochern in der Nische doch immer wieder ist und welche Perlen dies zu Tage fördern kann.
Klanglich und von der Interpretation her eine meiner Einschätzung nach hervorragende Produktion. Neben Dutton haben sich (naturgemäß) die britischen Label Chandos und Hyperion mit weiteren Einspielungen hervorgetan. Die Sinfonien liegen bspw. bei Chandos vor, ebenso wie auf vier CDs einige seiner Klavierwerke. Nachstehend ein Auszug des verfügbaren Repertoires:

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Hüb'
Moderator
#41 erstellt: 25. Okt 2016, 08:17
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Anton Bruckner (1824-1896)
Symphonie Nr.4

London Philharmonic Orchestra, Klaus Tennstedt
LPO, DDD, 1989

Klaus - der viel zu früh von uns Gegangene - lässt es brucknern. So richtig überzeugt mich diese Einspielung allerdings nicht. Ein User in einem anderen Forum schrieb dort einmal, Tennstedt sei ein langweiliger Bruckner-Dirigent gewesen. In der 4. wählt er - wie bereits in seiner Studio-Version für EMI - die Haas-Edition. Die Tempi sind bei einer Gesamtspieldauer von rd. 70 Minuten eher gemessen. Wenn es auch nicht zwingend so ist, so ist diese Spieldauer doch eher etwas, was den "langweiligen" Eindruck stützen mag. Und in der Tat scheint mir die Aufnahme nur bedingt packend. Fast erschreckend das harsche und nicht gerade souverän wirkende Agieren der Bläser im ersten Satz bei rd. 9 Minuten (Takt kann ich nicht benennen). Auch klanglich erscheint mir die Aufnahme nur Mittelmaß zu sein (live, 1989). Jedenfalls ragt sie in dieser Disziplin nicht hervor.
Vor dem Hintergrund der Alternativen bei Bruckner 4, wie auch bei Tennstedt mit Bruckner 4 (Studio-Version bei EMI, mit dem BPO, ebenfalls Haas-Edition bzw. Live-Fassung mit dem BPO bei Testament, ebenfalls Haas-Edition), mag man die Frage nach dem Sinn und der Notwendigkeit dieser Produktion stellen. Zumal sich die Spielzeiten aller drei verfügbaren Aufnahmen Tennstedts stark ähneln. Sicher alles in allem kein Fehlgriff, IMHO jedoch eher ein Tennstedt-Dokument, denn ein Bruckner-Plädoyer.


[Beitrag von Hüb' am 25. Okt 2016, 08:29 bearbeitet]
Hüb'
Moderator
#42 erstellt: 26. Okt 2016, 07:25
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Nikolai Rimsky-Korssakoff (1844-1908)
Klavierkonzert op.30
+ Capriccio Espagnol op. 34; Zar Saltan-Suite op. 57; Sadko op. 5; Russische Ostern-Ouvertüre

Noriko Ogawa, Malaysian Philharmonic Orchestra, Kees Bakels
BIS, DDD, 2003

Eine meiner Ansicht nach schlicht exzellente CD, denn das Symphonieorchester aus Malaysia spielt diese an vielen Stellen doch sehr bildhafte Musik ganz hervorragend, spannend, mit Verve und Ausdrucksstärke. Dabei erscheint mir die Interpretation auch spieltechnisch höchst gelungen. Beinahe meint man, dem CSO oder einem anderen amerikanischen Spitzenorchester zu lauschen, so klar und perfekt wird hier artikuliert. Gestützt wird der Eindruck durch die stupende Tontechnik.
Weiterhin positiv zu erwähnen ist die mit ca. 75 Minuten gut ausgefüllte Spieldauer der CD. Einziger Fauxpas: die fehlende Erwähnung des Konzertmeisters, dessen tadellose Leistung u. a. im Capriccio Espagnol durch Nennung zumindest auf dem Back-Cover hätte unterstrichen werden müssen.
Für mich ist dies eindeutig in diesem Repertoire eine der Referenz-CD. Im Bereich von Digital-Aufnahmen kenne ich keine besseren Fassungen.
Netzeindrücke/Besprechungen: 1, 2, 3.
Hüb'
Moderator
#43 erstellt: 28. Okt 2016, 12:49
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Antonin Dvorak (1841-1904)
Symphonie Nr. 9
+ Tschechische Suite op. 39; Mein Heimatland-Ouvertüre op. 62

stereo/multichannel (Hybrid), Super Audio CD 
Malaysian PO, Claus Peter Flor

Mit größtem Erstaunen hörte ich diese CD. Von Dvoraks Neunter gibt es so viele Aufnahmen wie von kaum einem anderen Werk (sollte ich schätzen, so würde ich behaupten, vermutlich mindestens 30 in der eigenen Sammlung zu haben, nimmt man LPs und CDs zusammen). Sicher einer DER Klassiker schlechthin und von ungebrochener Breitenwirkung. Wer zur Hölle braucht das, eingespielt vom Malaysischen Philharmonischen Orchester unter Leitung von CPF, mag man sich fragen? Hört man aufrechten Ohres unvoreingenommen hin, dann ist das eine der besten Einspielungen dieses durchgenudelten Werkes, denn hier passt wirklich alles. Die emotionale Ansprache im zweiten Satz ist überwältigend, die Linien des Dvorak'schen Werkes werden herrlich packend herausgearbeitet. Die vielen wunderbaren solistischen Momente (Holzbläser!) werden mit größtmöglicher Schönheit präsentiert. Das Tänzerische im dritten Satz gelingt hervorragend. Allein wie zu Beginn des ersten Satzes, bei ca. 1:00 Spieldauer, Streicher und Pauken einsetzen...Gänsehaut. Das ist eine ideale Aufnahme, in ihrer Mischung aus Emotion, zupackendem Musizieren, Transparenz und Klangschönheit. Auch tontechnisch ein Traum. Bin hin und weg...
Netz-Rezensionen: 1, 2, 3 (Amen!).


[Beitrag von Hüb' am 28. Okt 2016, 12:55 bearbeitet]
Hüb'
Moderator
#44 erstellt: 04. Nov 2016, 15:10
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Henri Sauguet (1901-1989)
Symphonien Nr. 3 & 4

Moscow Symphony Orchestra, Almeida
Marco Polo, DDD, 95

Diese CD eines Komponisten, der mir bisher keinerlei Begriff war, konnte ich im Tamino-Forum "ertauschen". Die Musik wäre mir sonst wohl unbekannt geblieben, denn Strömungen hin zu einer Renaissance sind zumindest am Tonträgermarkt nicht erkennbar. Während die Sinfonien - zumindest via Amazon - noch ganz gut erhältlich sind, sieht es mit weiteren Werken verdammt mau aus.
Gehört habe ich die Sinfonien 3. und 4. Das sind sicher gut gemachte Werke, von denen aber bei mir insgesamt wenig im Ohr bleibt und die sich in einer als nur allzu bekannt erscheinenden, modernen Klangsprache ergehen, die mir austauschbar vorkommt. Während mir die 3. Sinfonie beim Ersthören noch interessant erschien und ich die erst später im Booklet erwähnten Beethoven-Bezüge nachvollziehen konnte, klingt die 4. Sinfonie in meinen Ohren recht beliebig, ohne für mich ausreichend erkennbaren Spannungsbogen.
An den Interpreten scheinen mir diese Eindrücke nicht zu liegen, denn das Moskauer Sinfonieorchester unter Almeida spielt durchaus ansprechend. Das Klangbild ist allenfalls etwas distanziert und könnte "griffiger" sein.
Die Marco-Polo-CD ist IMHO ein typisch liebloses Kind ihrer Zeit, mit der damals üblichen Standard-Aufmachung der Naxos-/Marco-Polo-CDs. Das Booklet ist lediglich in englischer Sprache verfasst.
amazon.de
Wer dennoch eine Gesamtaufnahme der Sinfonien möchte, wird für weniger als 10 EUR (gebraucht "wie neu/sehr gut" und inkl. Versand) auf dem Amazon-Marktplatz fündig.
Nach kurzem (und irrationalem) Zögern ist das aber nix für mich.
Hüb'
Moderator
#45 erstellt: 08. Nov 2016, 08:14
jpc.de

Carl Nielsen (1865-1931)
Streichquartette Nr.1 & 2
+ 2 Quartettsätze; Sonate für Violine & Klavier Nr. 1; Duett Nr. 1 für 2 Violinen; Romanze für Violine & Klavier D-Dur; Romanze op. 2 für Violine & Klavier

Georgios Demertzis, Maria Asteriadou, New Hellenic Quartet
BIS, DDD, 2001

Die CD versammelt Werke eines unter 25-Jährigen, teilweise jugendlichen Künstlers. Insofern sind sie zweifellos bemerkenswert, bleiben aber dennoch die Kompositionen eines Lernenden, im Begriff des Werdens stehenden Künstlers. Dennoch gelingt Nielsen hier schöne, stimmungsvolle Musik, die griffig und schnörkellos auf den Punkt kommt, die aber nur bedingt mutig und originell erscheint, auch wenn die späteren Werke eine zunehmend individuelle Note entwickeln. Der Tenor der Werke schwankt etwas zwischen ungezwungener Fröhlichkeit und gelegentlicher Melancholie. Es überwiegt ein frischer, schwungvoller Ton voller Leichtigkeit.
Weder hinsichtlich Interpretation, noch in Sachen Klangbild gibt es etwas zu meckern, selbst wenn man einschränkend vermuten darf, dass die Musik nicht zwingend dazu geeignet scheint, Unzulänglichkeiten der Musiker hervorzukehren. Die Werke bedürfen wahrscheinlich nicht zwingend der Top-Liga der Interpreten, um Spaß zu machen, was bitte nicht als Kritik an den Beteiligten verstanden werden soll.
Ich habe die CD für 6,99 EUR im Zuge einer BIS-Aktion erworben. Im Hochpreissegment erscheint mir die Produktion (wegen der Musik) aber vielleicht nur eingeschränkt interessant, vor allem sicher für Nielsen-Verehrer. Alle anderen werden wahrscheinlich im Zuge der Gesamtaufnahme von Kammer- und Klaviermusik auf DaCapo besser bedient:
jpc.de
Hüb'
Moderator
#46 erstellt: 09. Nov 2016, 11:49
jpc.de

Edmund Rubbra (1901-1986)
Violinsonaten Nr.1-3 (opp.11,31,133)
+ 4 Stücke op. 29 für Violine & Klavier; Variations on a Phrygian Theme op. 105 für Violine solo

Krysia Osostowicz, Michael Dussek
Dutton, DDD, 99

Rubbras Violinsonaten sind zwar tonal komponiert, erscheinen mir zumindest für die Werke ab der 2. Sonate nicht als "leichte Kost" und verlangen vom Hörer ein gewisses Maß an Beschäftigung und ggf. Wiederholung. Hier ist eine eigenständige Stimme zu vernehmen, abseits britischer Wohlfühl-Romantik-Heimeligkeit. Bitte nicht mißverstehen: Rubbra klingt in vielen Momenten in diesen Werken durchaus "schön" und angenehm, es kann aber nicht sein vorrangiges Ziel gewesen sein, dem Hörer durchgängig zu schmeicheln. Er scheut sich eben nicht davor eine gewisse Sperrigkeit in Noten zu fassen. Dieser Mix ist IMHO sehr reizvoll, denn einerseits für meinen Geschmack noch nicht "anstrengend", andererseits mit genügend Tiefe ausgestattet, dass die Beschäftigung und wiederholtes Hören Freude bereitet.
Für Rubbra-Anhänger (gibt es die abseits der Insel?) ist die Aufnahme sicher ein Muss, umso ärgerlich ist es, dass die Einspielung nicht mehr gelistet wird und Alternativen nicht zur Hand sind. Doppelt unverständlich, angesichts der Qualitäten der Produktionen, siehe z. B. hier.
Wer noch eine Chance auf diese CD haben will, sollte die aktuelle "Gebraucht-wie neu"-Offerte bei Amazon für rd. 15 EUR zzgl. nicht ungenutzt lassen.


[Beitrag von Hüb' am 09. Nov 2016, 13:12 bearbeitet]
Hüb'
Moderator
#47 erstellt: 10. Nov 2016, 07:42
jpc.de

Johannes Brahms (1833-1897)
Violinkonzert op.77
+ Streichquintett Nr. 2 in der Bearbeitung für Streichorchester

Antje Weithaas, Camerata Bern
CAvi, DDD, 2014

Ich kann mich den Würdigungen dieser Aufnahme im Netz und in anderen Foren nur anschließen. Hier wird ein feinsinniger, bedächtig ausgeformter Brahms der Nuancen und Zwischentöne geboten, mit teilweise ganz neuen Einblicken und Momenten, die man in anderen Einspielungen dieses Repertoire-Stücks so nicht zu hören bekommt. Und das ist es doch gerade, was unterschiedliche Interpretationsansätze so interessant macht: die Varianz im Rahmen des durch den Komponisten Gebotenen! Trotz des reduzierten Orchesterapparats wirkt die Deutung dennoch nicht blutarm, sondern vollmundig-musikalisch. Alles fließt herrlich dahin und Weithaas tritt als Solistin etwas stärker in den Hintergrund, als es in anderen Aufnahmen des Werkes zu hören ist. Eine Tendenz zur Abkehr vom Virtuosenkonzert. Das Zusammenspiel, das "aufeinander Hören" der Musiker der Camerata Bern gelingt hervorragend. Trotz des nur kleinen Orchesters ist die Aufnahme mit ansprechender dynamischer Spanne aufgezeichnet worden, wie insgesamt klanglich alles sehr gelungen ist. Dies ist meiner Ansicht nach kein "one-and-only"-Brahms, aber verglichen mit der unüberblickbaren Anzahl von standard-normal- und mutlos-Produktionen eine herausragende, weil den Blick schärfende Sicht, die jedem Brahms-Liebhaber ans Herz gelegt sei. Für Fans des Konzertes ist sie IMHO ein Muss.


[Beitrag von Hüb' am 10. Nov 2016, 07:55 bearbeitet]
Hüb'
Moderator
#48 erstellt: 16. Nov 2016, 08:06
jpc.de

Franz Danzi (1763-1826)
Sämtliche Symphonien: Symphonien P. 218-223

Orchestra della Svizzera Italiana, Howard Griffith
CPO, DDD, 2007
2 CDs

Ich durfte in den letzten Tagen die Sinfonien von Franz Danzi in der kongenialen Deutung durch Howard Griffiths hören, was mir große Freude gemacht hat. Geboten wird dem Hörer eine geistvolle Musik mit Esprit, Verve sowie eigenständigen Ideen und Ansätzen, die IMHO durchaus in der Liga (unbekannterer) Sinfonien Haydns, Mozarts oder der ersten sinfonischen Gehversuche von Beethoven und Schubert spielt. Die einzelnen Sinfonien sind in der Regel viersätzig, bei einer zwischen ca. 17 und 22 Minuten variierenden Spieldauer.
In einer (Amazon- ?)Rezension habe ich etwas von einer "durchgängigen Fröhlichkeit" der Musik gelesen. Diesen Eindruck mag ich nicht so recht teilen. Zwar schrieb Franz Danzi ganz sicher nicht in erster Linie für sich, sondern sein Publikum, und bedient sich folglich der zeitüblichen Muster, dennoch sind die Werke durchaus abwechslungs- und kontrastreich, mit dramatischen Wendungen und Zuspitzungen. Einförmig fröhlich (oder gar langweilig) erschien mir das nie. Großen Anteil an diesem Eindruck hat sicher auch die engagierte Spielweise des Orchestra della Svizzera Italiana unter Griffiths, die zudem klanglich sehr gut eingefangen wurde (Co-Produktion mit dem Schweizer Rundfunk).
In einer anderen Besprechung wird bemängelt, dass Griffiths durch "Mitsingen" und Ähnliches zu vernehmen sei, was den Hörgenuß trübe. Mir ist davon nichts störend aufgefallen, allerdings habe ich bei moderaten Lautstärken und ohne Kopfhörer gehört. Wer hier empfindlich ist, sollte ggf. die Hörproben auf der Seite von jpc zu Rate ziehen.
Somit von mir ein nachdrücklicher Kauftipp!
Hüb'
Moderator
#49 erstellt: 16. Nov 2016, 14:42
jpc.de

Tschaikowsky: Violinkonzert op. 35
+ Strawinsky: Violinkonzert D-Dur
+ Berg: Violinkonzert "Dem Andenken eines Engels"

Arthur Grumiaux, Wiener Symphoniker (Tschaikowsky), Concertgebouw Orchestra, Bogo Leskovic (Tschaikowsky), Ernest Bour (Strawinsky), Igor Markevitch (Berg)
Philips/Decca, ADD, 1956-1967

Bei mir erklingt u. a. Tschaikowsky - und zwar das Violinkonzert, in dieser Mono-Aufnahme aus dem Jahre 1957, die in der Australian Eloquence-Serie erstmalig auf CD veröffentlicht wurde. Grumiaux geht ganz klassisch an das Werk heran und spielt es erwartungsgemäß wunderschön und technisch glänzend, geigerisch elektrisierend. Begleitet wird er von den Wiener Symphonikern unter Bogo Leskovic, einen mir unbekannten, in Wien geborenen Slowenen, der kaum auf Tonträgern und im Netz dokumentiert ist. Da ich Mono-Klangbilder wenig gewohnt bin, fällt mir eine Beurteilung der orchestralen Leistung schwer, weshalb ich besser darauf verzichte. Mir scheint das durchaus packend musiziert.
Eigentlicher Kaufgrund waren aber das seltener aufgenommene Strawinsky- sowie das wunderschöne Berg-Konzert (beide dann natürlich bereits in Stereo aufgezeichnet).
Das Strawinsky-Konzert kenne ich bisher kaum und auch das Hören dieser Aufnahme hat es mir nicht näher gebracht. Auf mich wirkt es wie ein großes Durcheinander von Versatzstücken. Kein Wunder, ist es in Strawinskys neoklassischer Phase entstanden. Jedenfalls kann ich nachvollziehen, dass manche Kritiker das Werk als Parodie wähnten. Sicher tue ich ihm Unrecht, aber ich kann einfach (noch) nichts damit anfangen, was keineswegs an den Interpreten liegen dürfte.
Ganz anders das Berg-Konzert, dass mich trotz des „sperrigen“ Konzepts seiner Kompositionsweise unmittelbar emotional zu erreichen vermag. Ich wage zu behaupten, dass das selbst dann der Fall wäre, wenn man den Entstehungshintergrund abstrahiert. Grumiaux und Markevitch liefern hier eine kongeniale Deutung, geprägt von Grumiauxs herrlich einfühlsamen Ton und Markevitchs tiefem Verständnis moderner Musik. Gleichzeitig schaffen beide es, zu offenbaren, wie „romantisch“ dieses Werk doch in seinem Kern ist und wirkt. Ganz groß!


[Beitrag von Hüb' am 16. Nov 2016, 14:45 bearbeitet]
Hüb'
Moderator
#50 erstellt: 18. Nov 2016, 10:53
jpc.de

Ottorino Respighi (1879-1936)
Pinien und Brunnen von Rom, Die Vögel

London Symphony Orchestra, Istvan Kertesz
Decca, ADD, 1969

Respighis Musik wird nicht selten mit einer gewissen Geringschätzung begegnet und ich muss zugeben, dass dieser Komponist auch bei mir nicht in vorderster Reihe steht. Die Werke sind zwar klangschön gearbeitet, vermitteln "Größe" und sind teilweise spektakulär anzuhören, es fehlt mir jedoch an der "Substanz" vieler klassisch-romantischer Werke. Respighi war sicher ein virtuoser Instrumentator und sein Umgang mit den Klangfarben des Orchesters ist von großer Meisterschaft.
Aus diesen Eigenschaften erwächst für mich der Eindruck einer robusten "Unkaputtbarkeit" der Kompositionen mit Blick auf unterschiedliche Interpretationen. Solange "nur" einigermaßen sauber musiziert wird, und in Sachen Aufnahmetechnik ein sehr guter Job gemacht wurde, erscheint mir eine Aufnahme der populären Respighi-Werke (Römische Trilogie, Vögel, Antike Tänze) als gelungen. All das ist in der vorliegenden Decca-Produktion unter dem viel zu früh verstorbenen Istvan Kertesz gegeben.

jpc.de

Ottorino Respighi (1879-1936)
Fontane di Roma
+ Pini di Roma; Feste romane

Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Gatti
Conifer, DDD, 96

Respighis Effektmusik, angesiedelt als abwechslungsreicher, lautmalerischer Mix zwischen Dur-Monumentalismus, jazzigen Anklängen und dissonanten Momenten, wird in dieser Conifer/RCA-Produktion klanglich/musikalisch bestens ausgeleuchtet. Die wechselnden Stimmungen der Musik werden sehr gut transportiert. Das ist hervorragend gespielt und aufgezeichnet. Besser kann man das nicht darbieten.
Die Accademia Nazionale di Santa Cecilia, gegründet 1908, war bereits an der Premiere sowohl der Feste, als auch der Brunnen beteiligt. Somit gibt es eigentlich kein authentischeres Aufführungsorchester. Das ist IMHO durchaus eine CD, zu der es keine Alternative braucht.


[Beitrag von Hüb' am 18. Nov 2016, 10:56 bearbeitet]
Hüb'
Moderator
#51 erstellt: 26. Nov 2016, 19:05
jpc.de

Johann Rufinatscha (1812-1893)
Orchesterwerke Vol. 1: Symphonie Nr. 6; Die Braut von Messina-Ouvertüre

BBC Philharmonic Orchestra, Gianandrea Noseda
Chandos, DDD, 2010

Diese CD ist wirklich klasse! Rufinatscha war mir bis dato gänzlich unbekannt. Seine romantische Musik ist groß gedacht, dramatisch und ausdrucksstark. Die 6. Sinfonie dauert rund 56 Minuten und vereinigt für mein Empfinden Anklänge an Brahms, Dvorak und vielleicht sogar Bruckner und Berlioz. Jedenfalls für meinen Geschmack eine sehr ansprechende und gelungene Sinfonie, die den Wunsch nach mehr von diesem Komponisten aufkommen lässt. Obwohl die Scheibe mit "Vol. 1" betitelt ist und bereits aus 2010 stammt, scheinen weitere Volumina nie produziert worden zu sein - sehr schade.
Das BBCPO unter Noseda spielt einmal mehr tadellos und die Produktion reiht sich qualitativ nahtlos ein in die Reihe der hervorragenden Aufnahmen, die Noseda mit Werken von Casella hinterlassen hat. Die Chandos-Klangqualität ist wieder einmal exzeptionell. Kaufen!
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