Braun A2 Verstärkerrevision

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AnthonyP
Inventar
#1 erstellt: 20. Sep 2017, 08:33
Hallo zusammen,

im Juli erhielt ich von einem Freund den Braun A2 seines Vaters mit der Bitte, doch bitte mal danach zu schauen, weil er nicht mehr lief.
So, da stand er nun mein erster Braun. Ein schönes und wertiges Gerät.
Da ich mich immer über die schönen bebilderten Überholungen von Broesel02 freue, will ich die Überholung dieses Design- und Kultklassikers aus den Jahren 1982-1987, Kaufpreis gut 1000 DM gerne auch dokumentieren.

Fangen wir mal mit der Bestandsaufnahme an:

Mit dabei ein KVA von Revox in Köln von über 500 EUR für diese Reparatur inkl. neuem LS-Relais und Schalterreinigung ohne großen Teileersatz.
Das war meinem Freund zu teuer.
Festgestellt wurde hier ein defektes Ruhestrompoti und ein paar Elkos.
Fehlerbeschreibung: Gerät schaltet sich nach gewisser Zeit ab.

Dies schein mir bei den beengten Platzverhältnissen in diesem Gerät kein ungewöhnliches Fehlerbild.
Durch die Enge in diesem nur ca. 7 cm hohen Gerät und der reichhaltigen Bestückung mit Transistoren wird es recht warm.
Zudem stehen meist die restlichen Geräte oben drauf und dies dann gerne, wie beim Vater meines Freundes, in einem geschlossenen Schrank.

Mir bot sich dann dieses Bild:

Lötkleks am Ausgang Braun A2
An einem Ausgang fand ich von einer vorhergehenden Reparatur ein Lötklecks mit Kurzschluss (unfassbar!)

Es gab wohl mal einen Endstufenschaden, ausgelöst durch einen defekten Emitterwiderstand in der Endstufe. Hier wurde einfach ein neuer R drüber gelötet mit für mich ungewissen Ergebnis. Unschöne Arbeit von einem Fachbetrieb!

EmitterR Reparatur in einem A2

Zudem befanden sich von unterschiedlichen Herstellern Endstufentransistoren auf der Platine und dabei auch zwei falsche Typen.
Auch auffällig die "strippenden" Elkos.

Endstufe Braum A2

und noch ein Gesamrüberblick

Braun A2 innen

Danach begab ich mich auf intensive Fehlersuche und stellte folgendes fest:
- ein Spannungsregler in der Stromversorgung hatte sich ausgelötet
- 1 Ruhestrompoti in der Treiberplatine war defekt im rechten Kanal
- 1 Treibertransistor linker Kanal defekt
- Emitterwiderstand linker Kanal dazu defekt
- ein weiterer 100 Ohm R hatte nur noch 30 Ohm
- auf der Endstufenplatine fand sich ein Sammelsurium verschiedener Hersteller und Typen
- sowie zahlreiche Elkos außerhalb der Werte.

In einem anderen Thread hat Poetry2me so schön geschrieben:


Poetry2me (Beitrag #7) schrieb:
Danke Jo

Für so einen schönen Klassiker lohnt es sich, die Erfahrungen zusammenzutragen.

Braun Atelier A2 picture front


Das Schaltungsdesign des Braun Atelier A2 hat in der Tat auch eine Besonderheit zu bieten, welche die Wärmeentwicklung durch den Ruhestrom etwas reduziert:
Class-G Technik (Bei Hitachi hieß das "Dynaharmony")

Dabei gibt es in der Endstufe nicht nur ein Paar +/- Rail-Spannungen (hier +/- 57V) , sondern zwei Paar.
Das zweite Paar mit geringerem Spannungslevel (hier +/- 25,7V) erledigt alleine alles was niedrigem und normalem Signalpegel passiert, wobei die entsprechenden Leistungstransistoren T623 und T624 mit normalem Ruhestrom gefahren werden, aber wegen der geringen anliegenden Spannung auch nur geringe Verlustleistung produzieren. In den wenigen Fällen, wo Musiksignale mehr als +/- 25V Aussteuerung haben, wird ein zweites Paar Leistungstransistoren T622 und T625 aktiv.
Die Ansteuerung für die "äußeren" Leistungstransistoren an den hohen Rail-Spannungen wird mit einem eigenen Paar Vortreiber T621 und T626 aus dem "inneren" Ansteuersignal generiert.

Braun Atelier A2 schematic detail left power amp


Trotz dieser raffinierten Schaltungstechnik ist die Hitzeentwicklung aber trotzdem noch ausreichend gewesen, um die Alterung der Hitzeempfindlichen Bauteile - vor allem Elkos - zu beschleunigen.


- Johannes


Heute abend zeige ich dann, was ich alles ersetzt habe und wie der erste Test verlief.
Gruß
Jo


[Beitrag von AnthonyP am 20. Sep 2017, 08:34 bearbeitet]
Uwe_1965
Inventar
#2 erstellt: 20. Sep 2017, 18:36
Da bin ich ja mal gespannt, da war ja schon jemand mächtig unterwegs in dem Gerät, bin ja mal interessierter Mitleser und lese auch gerne solche Berichte
Gruß Uwe
Broesel02
Inventar
#3 erstellt: 20. Sep 2017, 19:04
Hallo Johannes,
der Braun ist bei dir sicher in besten Händen. Du wirst sicher die elektronischen Schlampereien beseitigen und wieder eine kleine Perle aus dem schönen Gerät machen. Ich freue mich schon auf deinen Bericht!

Richard
AnthonyP
Inventar
#4 erstellt: 20. Sep 2017, 20:51
Hallo Richard und Uwe und andere werte Mitleser,

es dauert manchmal mitunter, bis so ein Projekt abgeschlossen sind - hier waren es jetzt knapp 3 Monate - aber ich nehme mir Zeit und will es richtig machen. Teils auch bedingt durch die Teilebeschaffung, oft auch wegen fehlender Muße durch andere Projekte.

In diesem Fall kann ich nun aber Vollzug vermelden, denn der Braun spielt gerade an kleinen KEF C-20 Testboxen mit Yello.
Hab mich grad über die fieselig kleinen Lautsprecherklemmen geärgert, denn da passen nur Mausefäden hinein. Egal.

Nach meiner Bestandsaufnahme, war klar, weil der Auftraggeber das Gerät seines Vater auch aus sentimentalen Gründen über die Zeiten retten will, dass hier ordentlich und mit einem größeren Rundumschlag zu Werke gegangen wird.

Daher habe ich zuerst die komplette Endstufe neu mit Sanken (2SC3284 und 2SA1303), neuen Emitterwiderständen und Elkos bestückt.
Danach habe ich alle relevanten Platinen wie Stromversorgung, Treiber- und Endstufenplatine komplett nachgelötet.
Systematisch habe ich die Treiberplatine durchgemessen und die o.g. Fehler gefunden.
Somit wurden die defekten Widerstände und ein Paar Vortreibertransistoren T606a und T605a (2SD600 und 2SB631) erneuert. Ebenso die beiden 1K Trimpotis der Ruhestromregelung. Hier war auch R621a (4,7Ohm) und der R620a 100 Ohm) defekt.

Alle Elkos habe ich getauscht, soweit vorhanden gegen Panasonic FC Typen.
Die vier Siebelkos wurden ebenfalls erneuert und im ersten Spannungszweig auf 10.000 uF angehoben.

Die Reinigung des LS- Relais gehört für mich auch immer dazu.

Hier eine kleine Kostenauflistung:
Siebelkos je 2x: 10.000/63 (10,40EUR), 10.000/35 (4,62 EUR)
Endstufentransistoren 2x4 Stück Sanken (Schuro) ca. 26 EUR
Treibertransistoren 2 Paar (1x Reserve) 6,99 EUR
Trimpoti 2x 1K ca. 1 EUR
Emitter-Widerstände 0,22 OHM 5 Watt, 2,80 EUR
diverse Widerstände und geschätzte 30 Kleinelkos ca. 10 EUR
Gesamtsumme Material ca. 67 EUR plus sicher 7 Stunden Arbeit

Gestern habe ich denn den Einschaltest mit eingeschliffener 60 Watt Glühbirne gemacht.
Und zack! Relais klickt nach ca. 2 Sekunden. Da ich direkt den Ruhestrom auf einer Seite abgegriffen habe, sah ich das er etwa zu niedrig bei 9mV stand. Er ließ sich auf beiden Seiten problemlos auf die geforderten 15 mV einregeln.
Beim Offset lag kein relevanter Wert vor (ca. 10mV auf beiden Seiten)
Somit alles im grünen Bereich.
Heute habe ich dann den Testlauf an Boxen gemacht und ich habe wirklich feststellen können, dass so ein Gerät eine gewisse Einspielzeit braucht. Ich dachte zuerst, was ist denn hier los: kraft- und dynamiklos, aber so langsam wird er wärmer und spielt sehr detailliert und klar. Knackige Bässe und so wie es soll.

Auf eine Zerlegung der Schalter konnte ich glücklicherweise verzichten, denn die tuen ihren Dienst tadellos wie ich jetzt feststellen konnte. Auf einen Einschalttest vor der Reparatur habe ich wegen der Schadenbeschreibung verzichtet gehabt. Wäre jetzt etwas aufgefallen, hätte ich da nich ran gemusst. Aber das Gerät war auch insgesamt sehr sauber. Gut so!

Der Aufwand hat sich jedenfalls gelohnt und meim Freund und sein Vater werden sich freuen!
Ich wunder mich gerade, zu welchen Tönen die kleinen KEF C-20 in der Lage sind.
Vielleicht läuft mir auch noch mal ein A2 über den Weg ;-))

Hier ein paar Bilder der Überholung:

Braun A2 überholt

Einblick in den komplett überholten A2

Braun A2 Treiberpaltine

Treiberplatine neu bestückt

Braun A2 Endstufe neu

Endstufe neu bestückt

Braun A2 Pegel

Und da läuft er wieder fein

Braun A2 Tauschteile
Eine Übersicht der getauschten Teile.

Erkenntnis dieser Aktion, es lohnt sich einfach so schöne alte Klassiker zu überholen.
Natürlich hilfreich, wenn man das selber kann und nicht auf Werkstätten angewiesen ist.
Gruß
Jo


[Beitrag von AnthonyP am 20. Sep 2017, 20:59 bearbeitet]
Broesel02
Inventar
#5 erstellt: 20. Sep 2017, 21:10
Natürlich meine Gratulation zu deiner tollen Revision!

Deine Feststellung zum "Einspielen" nach umfangreichen Revisionen möchte ich unbedingt bestätigen. Wenn ich einen L-07 C II komplett überhole braucht es etwa 6 Monate bis er klanglich "angekommen" ist. Und das ist nicht nur meine Erfahrung, sondern auch andere erfahrene Hörer haben mir das bestätigt.
Die gerade überholte Stax Endstufe ändert ihren Klang- Charakter auch immer noch, ich höre im Moment etwa 2 Stunden am Tag damit.

Wenn der schöne Braun Verstärker nun wieder so spielt wie er soll ist doch alles perfekt! Möge er seinen Besitzern noch lange Freude bereiten!

Richard
Uwe_1965
Inventar
#6 erstellt: 21. Sep 2017, 18:09
Jetzt bin ich aber auch ein wenig beruhigt, das nicht nur mir das so geht mit dem "Einspielen", ich habe mich gar nicht getraut das irgendwie zu erwähnen um nicht gleich in die Voodddoo Ecke abgeschoben zu werden. Ich kann aber auch das Gegenteil bestätigen. Da ich mal im Kaufwahn mir eine ganze Reihe (rote)Elkos von einer bekannten Firma gekauft habe, war ich erstmal glücklich genügend Elkos verschiedener Kapazität und Spannungsfestigkeit zu haben und habe sie auch fleißig verbaut, war ja schon fast ein Markenzeichen. Mußte aber so nach einem halben bis 1 Jahr feststellen das das Gerät nicht mehr so gut klingt. Jetzt schmeisse ich gerade die roten Teufel wieder raus (gegen Panasonic FC), weil die Werte derer haben sich stark verschlechtert, gerade im Leckstrom da haben sie gravierende Mängel. Am Anfang waren sie Top. Ich schiebe das "Einspielen" vielleicht auf das formieren der Elkos, weil an den Widerständen kann es eigentlich nicht liegen und so ein Transistor, naja hat ja auch irgendwie eine Seele, vielleicht dotieren die nach einer Weile besser. Was für mich auch wichtig ist, das die Gerätschaften auch regelmäßig benutzt werden.

@AnthonyP Glückwunsch zur gelungenen Revision und dem Bericht.

Gruß Uwe


[Beitrag von Uwe_1965 am 21. Sep 2017, 18:11 bearbeitet]
rummsdikabumms
Hat sich gelöscht
#7 erstellt: 22. Sep 2017, 09:46

Uwe_1965 (Beitrag #6) schrieb:
...Jetzt schmeisse ich gerade die roten Teufel wieder raus (gegen Panasonic FC), weil die Werte derer haben sich stark verschlechtert, gerade im Leckstrom da haben sie gravierende Mängel. Am Anfang waren sie Top. Ich schiebe das "Einspielen" vielleicht auf das formieren der Elkos, weil an den Widerständen kann es eigentlich nicht liegen und so ein Transistor, naja hat ja auch irgendwie eine Seele, vielleicht dotieren die nach einer Weile besser. Was für mich auch wichtig ist, das die Gerätschaften auch regelmäßig benutzt werden.


Elkos reagieren auf viele Einflüße mit Kapazitäts-, ESR- und Leckstrom-Änderungen. Dahinter stecken, wie Du richtig anpeilst, (nass-) chemische Prozesse, denn Elko heiß eben Elektrolyt-Kondensator.

Das ist wohl mit Abstand der größte Effekt bei einer Inbetriebnahme.

Lange Lagerung, besonders ohne angelegte Spannung führt zum teilweisen Verlust der "Formierung", die von der Oxidschicht der Anodenfolie bestimmt ist.
Neu-Formieren bedeutet dann auch nicht anderes, als diese Oxidschicht unter vorgeschriebenen Bedingungen wieder vollständig zu schließen.

Die Dotierungsprofile im Halbleiter ändern sich in so kurzen Zeiträumen dagegen erst, wenn man den Halbleiter auf viele 100°C erhitzt (Prozessofen). Meistens ist er aber schon vorher längst dahin, weil z.Bsp. im Gehäuse oder am internen Wärmeübergang Risse oder Ablötungen auftreten.

BTW: Waren die roten Elkos von E..A ? Deren gehypte Goldohr-Produkte stopfen meinen Mülleimer bei Revsionen regelmäßig.
Stereomensch
Stammgast
#8 erstellt: 22. Sep 2017, 09:59
Einfach immer noch ein zeitloses schönes Gerät. Kult.
Würde es das Teil bloß mit Fernbedienung geben

Viele Infos findest du auch im Braun hifi forum. Dort gibt es sehr viele Braunfreude die sehr tief in die Materie eingestiegen sind.
Poetry2me
Inventar
#9 erstellt: 22. Sep 2017, 17:09
Hier in der Bildmitte erkennt man übrigens einen klassischer Hitzeschaden:


EmitterR Reparatur in einem A2


Der Elektrolytkondensator sitzt direkt über (!) einem 2-Watt-Widerstand, der Hitze abgibt. Die aufsteigende heiße Luft hat diesen Kondensator um das 10-fache bis 100-fache schneller Altern lassen.

Typisch ist die von der Hitze geschrupfte Plastikfolie mit der Beschriftung, welche schon den gesamten Deckel freigibt.

- Johannes
Uwe_1965
Inventar
#10 erstellt: 22. Sep 2017, 18:26

rummsdikabumms (Beitrag #7) schrieb:


BTW: Waren die roten Elkos von E..A ? Deren gehypte Goldohr-Produkte stopfen meinen Mülleimer bei Revsionen regelmäßig.


Nein, das waren W...h Kondensatoren. Schrauben, Nägel usw. kaufe ich noch gerne bei denen, aber Elkos, da bin ich geheilt. Wobei man auch schon beim einlöten aufpassen muss, das es nicht zu lange zu heiß den Burschen wird.

@Poetry2me, ja das sieht man leider allzu oft, das die Widerlinge zu nahe bei den Elkos sitzen, man kann aber auch extra ein Leitblech über die Elkos setzen, so das sie im eigenen Saft schmoren, erst kürzlich bei einem neuen Fernseher gesehen, habe leider kein Bild gemacht, aber das Ganze hat ja auch mittlerweile auch einen eigenen Namen.

Gruß Uwe.


[Beitrag von Uwe_1965 am 22. Sep 2017, 18:27 bearbeitet]
AnthonyP
Inventar
#11 erstellt: 22. Sep 2017, 20:16
Der gezeigte Elko war dann auch erwartungsgemäß weit außerhalb des Wertes. Hab diese ein wenig länger eingelötet und hoch gebogen, damit der Widerstand ihn nicht ganz so arg braten kann.

Bein Stöbern im Braun-Forum ist mir ein Flüchtigkeitsfehler bei meiner Überholung aufgefallen, den ich hier noch erwähnen möchte:
Der Elko C623 100/16 ist ein BP bipolar Kondensator. Den hatte ich dort weder erwartet noch bemerkt. Den muss ich noch tauschen.

Und ich überlege noch die Eingangskapazitäten in Form von Keramikkondensatoren, ich meine 1000pF, zu entfernen.
Das hat bei den Luxman immer für frischen Wind im Klang gebracht. Letztendlich ja nur Bremsen in D für die Ftz-Vorgaben.
Gruß
Jo


[Beitrag von AnthonyP am 22. Sep 2017, 21:11 bearbeitet]
Rabia_sorda
Inventar
#12 erstellt: 22. Sep 2017, 20:54

länger eingekotet


....
AnthonyP
Inventar
#13 erstellt: 22. Sep 2017, 21:12

Rabia_sorda (Beitrag #12) schrieb:

länger eingekotet


.... :D

Sorry! Eingelötet!
Blöder Autotext
DB
Inventar
#14 erstellt: 23. Sep 2017, 07:09
Hallo,

meinen Beitrag bitte ich nicht falsch zu verstehen. Mir gefallen die Brauns von ihrer Formgestaltung auch.
Seien wir trotz aller Freude über ein repariertes Gerät aber ehrlich: hat man hier nicht die angeblich diesem Design zugrundeliegende Idee "die Form folgt der Funktion" völlig über Bord geworfen? Das komplette Innenleben sieht aus wie mit heißer Nadel gestrickt, eher wie ein Versuchsfeld, wieviele mechanische und elektrische Sollbruchstellen man denn dem Kunden so verkaufen kann.


MfG
DB
Poetry2me
Inventar
#15 erstellt: 23. Sep 2017, 07:52
Klar hätte man einzelne Details der Elektronik auch anders lösen können. Wie oben erwähnt.

Aber immerhin hat das Gerät ca. 30 Jahre gehalten. Sooo schlecht ist das auch wieder nicht.

Der Braun Industriedesigner Dieter Rahms hat sich auch in der Atelier HiFi-Serie verewigt. Laut Wikipedia Artikel wurde dabei das Prinzip "form follows function" angewendet.
Einer seiner Grundsätze: "Gutes Design ist langlebig."


- Johannes
gst
Inventar
#16 erstellt: 24. Sep 2017, 09:24
wenn ich mir die Bilder des Innenaufbaus so ansehe, kann ich die Anmerkungen von DB nachvollziehen. Z.B. war auf der einen Platine noch genug Platz, die heißen Widerstände räumlich von den Elkos zu trennen. Aber wie wir aus manchen Berichten von damals kennen, war die nächste Messe die entscheidende Deadline und "dann muss das so gehen".
Aber gerade dann erscheint es mir opportun, an den Geräten von damals Kleinigkeiten zu verändern, wenn sie die Betriebssicherheit sogar wieder auf einen höheren Zustand als den vorherigen bringen können. Ich muss sagen, dass ich z.B.meist nur als "böse" verrufene Elkos en bloc austausche und sonst eher sparsam bin.
Auf dass der Braun noch lange spielt!
gst
derfila
Neuling
#17 erstellt: 09. Feb 2018, 10:47
Hallo Anthony,
sehr schöner Beitrag - hättest du nicht Lust, das im Braun-Forum zu posten? Ich weiß, die Leute sind ein bisschen elitär, aber dort sind solche Berichte unglaublich gerne gesehen!
Viele Grüße
Lars
AnthonyP
Inventar
#18 erstellt: 09. Feb 2018, 11:37
Hallo Lars,

da ich nicht im Braun-Forum bin und alles bereits hier dokumentiert habe, wird das leider nichts.
Du kannst es ja aber gerne an passender Stelle verlinken ,-)
Gruß
Jo
Poetry2me
Inventar
#19 erstellt: 12. Mrz 2026, 11:44
Der letzte Beitrag in diesem Thread ist schon ein paar Jahre alt.
Trotzdem hänge ich hier mal eine hoffentlich nützliche Darstellung des Schaltplans an.

Für den Vollverstärker Braun Atelier A2 hier ein farblich markierter und kommentierter Schaltplan des linken Endstufen-Kanals.
Hier kann man die einzelnen Schaltungsstufen jeweils mit ihrem Gleichstrom-Pfad erkennen, incl. der gegenseitigen Steuerung zwischen den Stufen.

Auch die technologische Besonderheit dieses Verstärkers, die Class-G Technik ist hier besser zu erkennen (grüne Anteile)





Möge es Euch bei zukünftiger Fehler-Suche, Troubleshooting, Überholung, ReCap von Kondensatoren, Ruhestrom (Bias) Einstellung, Offset-Problemen,Transistoren-Tausch oder sonstigen Themen helfen!

Gutes Gelingen

Hinweis: Wenn ihr bei dem Bilder-Hoster mit eMail-Adresse einen Account anlegt, könnt ihr das Diagramm in Original-Auflösung herunterladen.

- Johannes
hifibastler2
Stammgast
#20 erstellt: 12. Mrz 2026, 23:09
Ich verstehe den Hype um diese Geräte nicht. Das Design schick, schick, und dann die Innereien aus Fernost. Im Katalog wird das geflissentlich verschwiegen und suggeriert, dass diese Serie made in germany wäre. Das grenzt für mich subjektiv und persönlich an Betrug.

Ich liebe die Teile, die noch wirklich made in germany waren, Regie 550 oder 510 mit variabler Loudness und Höhen und Tiefenreglern die mehr als 10 db haben. Diese Fernost-Teile klingen, wenn die Boxen nicht die allerbesten sind, einfach nur scheisse.

Beste Grüße
Thomas
Poetry2me
Inventar
#21 erstellt: 13. Mrz 2026, 01:11
Ja, das war schon eine spannende Zeit. Wenn ich es richtig sehe: Ende 1970er Jahre und Anfang/Mitte 1980er Jahre.

Mich beschäftigt das auch manchmal, aber meine Einschätzung ist anders:

Die Japanische Elektronik-Industrie hat damals die Europäische bzw. Deutsche Elektronik-Industrie qualitativ überflügelt.
Zumindest bei "Brown-ware", also HiFi-Elektronik kann man das anhand der Schaltungstechnik nachvollziehen. In Japan wurden zunehmend innovative Halbleiter eingesetzt (schnellere, rauschärmere, leistungsstärkere Transistoren, JFET, MOSFET, neue OpAmps etc.). Die Schaltungstopologie orientierte sich dort konsequent an neuesten Entwicklungen für geringere Verzerrungen (Differenzverstärker am Eingang, Stromspiegel, Kaskode für hohe Bandbreite, JFET-Eingänge zu Vermeidung von Elkos im Signalweg, etc. etc.).
Damals kamen die deutschen Entwicklungen oft noch ohne Differenzverstärker usw. aus. Das brauche man nicht, mache sowieso wenig Unterschied, den Unterschied höre man sowieso kaum, etc. Das war die Grundeinstellung. Warum etwas Bewährtes verändern?

Die Japaner haben Innovationen schneller ausprobiert und umgesetzt in Produkte. Die Europäer haben sich auf alten Erkenntnissen ausgeruht und sahen das hohe Potential neuer Technologien nicht immer sofort.

Alleine wenn ich mir die Schaltung der Kenwood Highspeed-Verstärker Modelle anschaue und mit den Grundig/Philips/Telefunken/Braun/... Entwicklungen vergleiche, dann sehe ich da große Unterschiede in der Qualität der Schaltungstechnik.


Und hier bei dem Braun Atelier A2:
Ich bin nicht sicher, ob das Schaltungskonzept wirklich japanisch ist. Ich würde sagen eher nicht. Ja, es gibt hier schon moderne Konzepte, aber eben auch noch nicht konsequent umgesetzt. Der Eingangsdifferenzverstärker ist zwar da, aber ohne JFET, ohne Stromquelle und ohne Kaskode, also nicht mit höchstem Anspruch. Die zweite Stufe ist ebenfalls so: kein Darlington (bräuchte geringeren Eingangsstrom, vermeidet Verzerrungen), keine Kaskoden (schneller dadurch), keine Stromquelle als Arbeitswiderstand, somit kein Push-Pull, etc. etc. Das alles bringt Verzerrungen.
Ein großer Faktor ist hier auch, dass im gesamten Vorverstärker-Teil viele Pufferstufen vorkommen, die jeweils mit mehreren Elkos im Signalweg das Ergebnis verwässern. Das war in meinen Augen typisch für heimische Designer.


Meine 5 Cent
- Johannes


[Beitrag von Poetry2me am 13. Mrz 2026, 01:27 bearbeitet]
hifibastler2
Stammgast
#22 erstellt: 13. Mrz 2026, 10:41
Ja mein Vorredner hat auf jeden Fall Ahnung, dass ist extrem hilfreich. In meinem Bekanntenkreis haben sich Leute dieses Braun-Atelier-Zeugs gekauft, die Geld hatten, aber von Technik null Ahnung. Sie haben es vor allem wegen der Optik gekauft, und wollten ihrem Besuch zeigen, was sie sich leisten können.
Einmal sagte mir ein Bekannter mit so einer Anlage, er wolle sich als Boxen dazu Grundig Audiorama Kugeln kaufen. Als ich zu ihm sagte, er solle sich lieber für ein Zehntel des Preises Canton Fonum 200 kaufen, schaute er mich nur verständnislos an. Was soll man argumentieren, wenn es Leuten bei Hifi in erster Linie um Optik geht. Die dezidierte Schaltungsanalyse meines Vorredners läßt in mir die Vermutung aufkommen, dass also die Nachteile von deutscher Hifi-Technik mit den Nachteilen (aus meiner Sicht) fernöstlicher Hifi-Technik kombiniert wurden und hier zweimal minus sicherlich nicht plus ergab ...
VG
bigolli
Inventar
#23 erstellt: 13. Mrz 2026, 15:10
Braun Regie 550 D, 510 und 520 sowie besonders mein Liebling, der RS1 laufen nach gründlicher Revision einwandfrei, lediglich der UKW Bereich wird etwas taub bei den Regie Geräten,davon habe ich aber auch wenig bis keine Ahnung sowie Gerätschaften zum einstellen.

Einen PA 4 haben wir nur kurz aufgeschraubt ,schnell wieder zugeschraubt und weg gegeben ....
Poetry2me
Inventar
#24 erstellt: 13. Mrz 2026, 16:07
Ich muss ehrlicherweise Folgendes noch sagen:

Keine zwei Meter von mir entfernt steht der treue alte Receiver meiner verstorbenen Tante, ein Braun R1, im Originalzustand.

Ich finde das Braun Design einfach schön und sehr gelungen. Hören will ich aber mit anderen Geräten.

- Johannes
gst
Inventar
#25 erstellt: 14. Mrz 2026, 14:03
Ja, wenn man sich die theoretischen Analysen zur Klirrfaktorvermeidung von Douglas Self aus dem Jahre 1993 anschaut und daneben meinetwegen Yamaha als Vertreter der Japaner mit seinen Endstufen ab dem Jahr 1990 vergleicht, könnte man sich fragen, wer hat denn bei wem abgeschaut.
Self hat FETs als Eingangsdifferenzverstärker aus Klirrgründen abgelehnt - die Japaner auch. Differenzverstärker im Eingang, Stromspiegel, A-Treiber arbeitet als Darlington auch auf einen Stromspiegel. In all den auch von Poetry genannten Einzelheiten waren die Japaner deswegen besser, weil sie mit fortgeschrittener Technologie hoch spannungsfeste Transistoren (120V) in allen Stufen, auch im Eingangsbereich einsetzen konnten, was die Europäer einfach nicht hatten. Beispiel: 2SA970, rauscharm, hoher hfe und Uce bei 120V. Dann sind neue Schahtungen, noch dazu einfach, leicht realisierbar. Bis heute habe ich nichts Vergleichbares von den Europäern gesehen, nur Schaltungskrücken.


[Beitrag von gst am 14. Mrz 2026, 14:04 bearbeitet]
DB
Inventar
#26 erstellt: 14. Mrz 2026, 18:34
Daß es der deutschen Elektronikindustrie vielfach an Ideenreichtum mangelt, stand schon in den 30er Jahren in einer rundfunktechnischen Fachzeitschrift. Daran wird sich auch später bei vielen Herstellern wenig geändert haben.
Ein praktisches Beispiel: 1973 brachte Heathkit den AJ-1510 heraus, das war einer der ersten Tuner mit digitaler Frequenzsynthese. Wie lange hat man in Deutschland noch Tuner mit Preomat und Frequenzzähler hergestellt, obwohl das völlig veraltet war?
Poetry2me
Inventar
#27 erstellt: 14. Mrz 2026, 20:50
Danke Euch für die gehaltvollen Antworten. Sehr interessant und ich kann mich dem jeweils auch anschließen. Das Tuner-Thema kannte ich noch gar nicht, aber man sieht auch sonst denke ich, dass die Story nicht immer so eindeutig ist.

- Johannes
hf500
Moderator
#28 erstellt: 19. Mrz 2026, 20:38

DB (Beitrag #26) schrieb:
Wie lange hat man in Deutschland noch Tuner mit Preomat und Frequenzzähler hergestellt, obwohl das völlig veraltet war?


Moin,
und wie lange haben die Japaner noch Tuner mit Drehkos hergestellt, obwohl das noch viel veralteter war?

;-)

Grosserienhersteller neigen nun mal dazu, ewas anzubieten, das man in grossen Stueckzahlen verkaufen kann ...
Davon abgesehen, bei Revox gab es dann doch was mit Synthese und Nixieroehren.

73
Peter
hifibastler2
Stammgast
#29 erstellt: 22. Mrz 2026, 15:23
Also letztendlich ist doch entscheidend, wie nach 20 bis 50 Jahren ein Tuner in punkto Stereo-UKW-Empfang und Klirrarmmut performt. Wer gleicht schon regelmäßig seinen UKW-Tuner ab oder wechselt Elkos. Ob dann es ein echter Synthesizer-Tuner ist oder eine vermeintliche analoge Krücke mit angegliedertem digitalen Frequenzzähler ist, ist mir relativ wurscht, solange dieser Baustein nicht wie bei einem Grundig R3000 mit doppelseitigen Leiterbahnen und suboptimalen Lotverfahren produziert wurde. Also die Frequenzzähler von Saba und Telefunken waren jedenfalls Ende der 70er ausgereift, quod erat demonstrandum heute und somit mega nachhaltig ;-)

VG
hifibastler2
Stammgast
#30 erstellt: 22. Mrz 2026, 15:29
... ach ja, ich vergaß, so sieben Stationstasten oder besser mehr sollte er schon haben ...
DB
Inventar
#31 erstellt: 22. Mrz 2026, 19:15
Der AJ1510 hatte dafür einen Kartenslot.

Die Preomaten krankten üblicherweise im Alter an schmutzigen Potentiometern. Das Prinzip war dann mit einem analogen Sendersuchlauf ausgereizt. 1969. Im Heli RK 5 sensit. Aus'm Land der Mangelwirtschaft.
hf500
Moderator
#32 erstellt: 22. Mrz 2026, 20:33
Moin,
Aerger mit Preomaten hatte ich sehr selten, ich kann mich kaum daran erinnern. Preomate waren auch in zahlreichen Fernsehern und Videorecordern, auch da waren die Dinger eher unauffaellig.
Der Vorteil eines Synhesizers ist sein Bedienungskomfort. Frequenzstabilitaet auch, aber auch die rein analog abgestimmten Geraete hatten, wenn gut konstruiert, keine uebermaessigen Probleme damit. Ausserdem fallen Skala nebst Seilantrieb und der Platzbedarf dafuer weg ;-)
Der Nachteil von Synthesizern: Je nachdem, wie sich der Hersteller das vorstellte, die Schrittweite (*) und erhoehtes Seitenbandrauschen, wenn man es mit dem Aufwand in der Regelschleife nicht uebertrieb ;-) Aus dem Grund gab es genug High-End Tuner, die beim Drehko blieben ;-) Die waren auch vornehmlich fuer Maerkte gedacht, wo man auf Stationstasten weniger Wert legte (z.B. USA, Japan).
Dazu fiel die Einfuehrung der Synthesizer in eine Zeit, wo man den elektronischen Aufwand dafuer auch gut bezahlen durfte.

(*) das Geraet mit der kleinsten Schrittweite, das ich kenne, ist das Blaupunkt Bamberg QTS. Auf FM 12,5kHz, auf AM 500Hz. Dazu natuerlich Suchlauf und Handabstimmung in zwei Geschwindigkeiten per Suchlaufwippe mit zwei Druckpunkten.
Grundigs erster "Autosynthesizer" WKC-2837VD hatte Drehknopfabstimmung mit optischer Abtastung des Drehgebers. Man hat sich seinerzeit Gedanken gemacht ;-)

Ach ja, analoger Suchlauf soll ja auch mal eine Spezialitaet von Saba gewesen sein, schon 1937/38 (980WLK) ;-)
Autoradios mit Suchlauf (Blaupunkt Koeln, Becker Mexico) lasse ich jetzt mal aussen vor.

73
Peter
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