Monacor X-Ray gegen Wavecor Facette

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peak-lsv
Ist häufiger hier
#1 erstellt: 18. Jan 2018, 21:25
Auch wenn beide Lautsprecher schon seit ein paar Jahren auf dem Markt sind, so hat sich für mich jetzt erst ein direkter AB-Vergleich dieser schönen Lautsprecherkonstruktionen ergeben. Ich hoffe meine Hörerfahrungen sind für den ein oder anderen von Interesse.

Monacor X-Ray von PEAK-LSV

Bevor irgendwelche Fragen aufkommen, das Furnier ist afrikanisches Rosenholz, welches ich bei Ebay erstanden habe.
Technische Details zu den Konstruktionen kann man im Internet finden. beide Lautsprecher sind etwa gleich groß und gleich teuer.

Beim ersten hören war ich sehr verwundert wie dicht beide Lautsprecher beieinander liegen. Das hätte ich so nicht erwartet. Man musste schon genauer hinhören und ich nehme mal vorweg, dass es es schwer war einen (subjektiven) Gewinner des Vergleiches zu ermitteln.

Wenn ich die Fertignungsqualitäten beider Hersteller miteinander vergleiche, dann fällt Monacor leider deutlich hinter den Wavecor zurück. Der Hochtöner wirkt, trotz Alumontageplatte, billger als er ist. Besonders ärgerlich empfand ich dass die Lötfahnen beider Hochtöner oxidiert waren und ich sie erst einmal etwas mit Sandpapier abschleifen musste, da das Lötzinn nicht ordentlich angenommen wurde. Desweiteren fiel mir auf, dass die Montageschrauben nicht versenkt werden können, auch weil die Alumontageplatte recht dünn ist. Klanglich eher irrelevant, aber messtechnisch sorgen diese Störfaktoren immer für etwas mehr Unruhe im Frequenzgang. Ich habe aber gerade gesehen, dass der DT350 NF durch den DT 352 NF ersetzt wird, welcher wohl eine geänderte Frontplatte hat, bei der die Schrauben etwas versenkt werden können.

Beim Tieftöner das gleiche Spiel ... die Montageschrauben stehen unschön einfach vor und können nicht versenkt werden. Das geht schöner ... und das sieht man bei den Wavecorchassis. Die Gummisicken der Tieftöner sind auch sehr unterschiedlich. Wärend beim Monacor recht weiches aber konventionelles Gummi Verwendung findet, setzt Wavecor auf eine geschäumte Gummisicke, welche extrem nachgiebig ist. Auch ist die Sicke des WF182 langhubiger ausgelegt. Die Alukörbe beider Tieftöner sind modern konstruiert und haben viele Freimachungen, so dass keine Kompressionsprobleme auftauchen dürften. Der Wavecor hat eine etwas größere Schwingspule, was eine höhere thermische Belastbarkeit vermuten lässt.

Die Frequenzgänge beider Lautsprecher sind sehr linear und gehen tief in den Basskeller. 30 Herztöne stellen keine Probleme dar und in meinem etwa 25qm großen Hörstudio gab es keine Pegellimitierungen die umweltverträglich sind. Beide Lautsprecher können trotz mäßigem Wirkungsgrad gehobene Lautstärken auch im Bassbereich fahren.

Gehört wurde pegelkompensiert, also so, dass beide Lautsprecher einen gleichen Lautstärkeeindruck vermittelten. Eingepegelt wurde mit einem bandbreitenlimitierten Rauschsigmal. Verstärkeranlage und Kabel entsprechen günstigem Durchschnitt.

Das war ein Vergleichshören auf hohem Niveau ... beide Konstruktionen bieten viel fürs Geld ... sehr viel. Es hat richtig Spaß gemacht.

Ich muss zugeben, dass es zuweilen schwer viel, immer nur einen Lautsprecher als den besseren zu titulieren. Die Facette ist noch analytischer als die X-Ray. Aber dies fällt nur im direkten Vergleich auf und man muss die Details suchen. Wenn es überlagernde Stimmen gab dann wurden diese von der Facette deutlicher herausgearbeitet. Aber diese analytischen Fähigkeiten der Facette, ließen gerade bei schönen Frauenstimmen diese etwas kälter rüber kommen, was nicht immer angenehm im Vergleich ist. Die X-Ray spielten etwas "wohliger" und dem bin ich durchaus aufgeschlossen.

Bei präzise aufgenommenen Jazzaufnahmen (z.B. von ECM) war die Facette wie ein Abhörmonitor ... man kriecht förmlich in das Musikgeschehen rein. Auch die räumliche Abbildung der Facette wirkt etwas differentierter. Das ließt sich aber krasser, als es im Realen ist. Ich bin mir sicher dass diese Lautsprecher so dicht beieinander sind, dass es Hörer geben wird die es genau andersrum sehen. Ohne einen direkten Vergleich würde die X-Ray auch sehr hohen Ansprüchen genügen. Es ist für mich faszinierend wie gut solche relativ preiswerten Lautsprecher klingen können.

Beide Lautsprecher spielen im Tieftonbereich erstaunlich ähnlich. Mit unteren Grenzfrequenzen (-3 dB) von um die 30 Hz ist genügend Tiefgang für so ziemlich alles Musikmaterial vorhanden. Und präzise spielen sie beide, das sind keine gequälten Töne sondern sie kommen locker aus den Lautsprechern. Tiefe Bassläufe machen richtig Laune auch wenn man dafür gar nicht so viel Tiefbass braucht. Auch im Hochton spielen beide Lautsprecher auf sehr ähnlichem Niveau. Nie nervend, nicht zischelnd und doch fein auflösend. Obwohl die Wavecorkalotte recht früh (aber gleichmäßig) gerichtet abstrahlt, so viel dies in meinem Hörraum nicht negativ auf. Bedenken wegen der Metallkalotte von Monacor kann ich auch zerstreuen. Diese spielt richtig schön und unaufdringlich. Sehr verwundert hat mich das schon, dass beide Lautsprecher sowohl im unteren Bass als auch im oberen Hochtonbereich so ähnlich klingen, da sich die Chassis doch sehr unterscheiden. Wavecor mit einer großen 30 mm Seidenkalotte mit breiter Sicke und Monacor mit einer zierlichen 25 mm Metall-Kalotte mit Doppelmagnet. Auch wenn die Konstruktion des DT 350 NF etwas altbacken daher kommt, so macht dieser Hochtöner dennoch richtig schöne Klänge. Den DT 352 NF werde ich auf alle Flle antesten.

Auch im Tieftonbereich ähnelt eigentlich nur die Korbkonstruktion und die Größe der Tieftöner einander. Der SPH 175 HQ wirkt viel altbackener, mit seiner konventionellen beschichteten Papiermembrane. Ich hätte diesem Chassis nicht diese Bassfreude zugetraut und gedacht dass er im Vergleich mit dem modern wirkendem Wavecor keine Chance hat. Die Unterschiede liegen mehr im Übergangsbereich der Chassis. Der TW30 von Wavecor kann mit seiner 30 mm Membran und Langhubsicke lockerer im unteren Hochton bereich spielen und ich denke die glasfaserarmierte Membrane des Wavecor Tieftöners ist dann dem beschichtem Papier im oberen Mitteltonbereich doch etwas überlegen. Aber wirklich nur etwas ... ich kann es gar nicht oft genug betonen.

X-Ray vs Facette FB

Für welchen Lautsprecher ich mich entscheiden würde? Für mein Hörzimmer auf alle Fälle für die Facette ... für's Wohnzimmer vielleicht eher für die X-Ray.

Hier noch der Link zum X-Ray Thread von Frank Kuhl

[url]http://nullwww.hifi-forum.de/viewthread-104-27771.html[/url]


[Beitrag von peak-lsv am 19. Jan 2018, 11:26 bearbeitet]
Frank.Kuhl
Hat sich gelöscht
#2 erstellt: 18. Jan 2018, 23:38
Vielen Dank für den objektiven Test. Alles das was Du bezüglich Fertigung anmerkst ist so. Darum haben wir die DT-352NF auch geschaffen. Die DT-350NF ist eine extrem gute aber auch schon ca. 30 Jahre alte Konstruktion. Wer ne alte Teufel M 200 hat weiß was ich meine. Viele und auch die Teufelaner heute meinen das wäre Seas gewesen - wars aber nicht. Ich habe die DT-350NF vor ein paar Jahren reaktiviert weil es einfach ein selten guter Hochtöner ist. Die neue DT-352NF ist technisch eigentlich identisch - hat aber jetzt die dickere Frontplatte und auch geänderte Anschlußfahnen. Wie die DT ist auch der SPH-175HQ Made in Germany. Er kommt aus dem gleichen Hause wie die Eton Serien und um preislich einen Abstand zu wahren muß hier und da etwas gespart werden. Aber nicht an den klanglichen Qualitäten. Ich bin nach wie vor ein Liebhaber der klassichen Papiermembranen da sie eigentlich nach wie vor den besten Kompromiß darstellen. Die Sicken kommen übrigens von Kurt Müller aus Krefeld und die sind nach wie vor State of the Art. Dessen Sicken, Membranen usw. werden nach wie vor von allen High-End Herstellern verbaut. Mir sind nur wenige Hersteller von Sicken aus Fernost bekannt die annähernd vergleichbare Qualität und auch Langzeitqualität liefern können.


[Beitrag von Frank.Kuhl am 19. Jan 2018, 11:48 bearbeitet]
peak-lsv
Ist häufiger hier
#3 erstellt: 19. Jan 2018, 01:20
Lieber Frank,
ich hoffe es ist OK wenn ich versuche so offen und ehrlich auch mit kritischen Anmerkungen zu sein.
Ich denke auf lange Sicht fährt man damit sehr gut und meine Kritik ist nie böse gemeint.
Ich halte die X-Ray für eine sehr gelungene Box ... gerade das Preis-Leistungsverhältnis ist sehr spannend.

Ich werde mir die nächsten Tage mal die neuen Kalotten bestellen.
Die X-Ray sollte auf alle Fälle auch mit der neuen Kalotte weiter geführt werden.
Auch optisch gefällt mir der Lautsprecher ganz gut ... auch wenn ich die Front gerne nochmal weiter optimiere.

Auch wenn die Sicken der SPH175HQ aus Krefeld kommen, das muss nicht bedeuten, dass es da nichts besseres
(auch wenn Dr. Kurt Müller ein sehr guter Zulieferbetrieb ist). Aber ich möchte mich auch nicht unnötig an Details aufhängen.
Ein Lautsprecher besteht nicht aus einem Detail, sondern ist ein Verbund von vielen Komponenten, welche zusammen passen müssen.

Wie ich ja auch geschrieben, auch wenn sie in meinen Augen etwas hausbacken ausschauen, umso mehr war ich von dem guten Klang überrascht.
Du merkst, dass ich mich nicht von Äußerlichkeiten zu sehr beeinflussen lasse.
Kyumps
Inventar
#4 erstellt: 19. Jan 2018, 10:54
Sehr interessanter Bericht,

ich konnte die Facette vorige Woche auch hören und fand dass es ein toller Lautsprecher ist,
gerade diese Aussage hier kann ich bestätigen:

Aber diese analytischen Fähigkeiten der Facette, ließen gerade bei schönen Frauenstimmen diese etwas kälter rüber kommen


In der bebilderten Ausführung gefällt mir die X-Ray optisch allerdings sogar besser

Falls dir noch die MoMo175RBT über den Weg läuft wäre die in dem Vergleich auch interessant
Die befindet sich bei mir in der Planungsphase, Chassis liegen schon bereit. Ich benötige also keine Entscheidungshilfe, mich würde nur ein bis 2 Aussagen über die die 3 im Vergleich interessieren


[Beitrag von Kyumps am 19. Jan 2018, 10:57 bearbeitet]
Rufus49
Stammgast
#5 erstellt: 20. Jan 2018, 13:44
@Peak-LSV

Bei präzise aufgenommenen Jazzaufnahmen (z.B. von ECM) war die Facette wie ein Abhörmonitor ... man kriecht förmlich in das Musikgeschehen rein.


Die Klangbeschreibungen entsprechen auch meinen Erkenntnissen.
Die BD-Tiefmitteltöner (z.B. WF 182 BD 10) von Wavecore sind konstruktiv schon sehr gut, wenn auch keine Sonderangebote mehr. Die Monacor-Chassis sind deutlich günstiger.
Die Wavecores haben eine sehr gute Feinauflösung bei sehr geringem Klirr, insofern tendiert das Klangbild in Richtung "analytisch, präzise, schlackenfrei". Frauenstimmen können allerdings etwas "dünn" daherkommen.

Nicht ganz klar, komme ich mit den 30er Wavecore-Hochtonkalotten (Gewebekalotten), bei denen mir etwas "Brillanz" und "Auflösung" fehlt - hier haben Metallkalotten wie die Monacor DT 350 wieder Vorteile.
Es ist aber immer wieder eine Streitfrage, ob einem Hörer eher das "analytische" oder eher das "warme" Klangbild zusagt, um es vereinfacht auszudrücken.
Ich bin eher der "analytische" Hörer, d.h. der LS muss auch sämtliche Details einer Aufnahme sauber reproduzieren können.

Das Konzept beider Lautsprecher (17er TMT, 25er HT) ist natürlich klassisch, ich denke für kleine/mittlere Wohnräume hat man bei überschaubaren Kosten eine sehr gute Gesamtperformance.

Ich persönlich habe den Wavecore-Tiefmitteltöner mit einem Magnetostaten (Hochton) kombiniert und es läuft unten zusätzlich ein 20er Bass (Bassreflex) für eine stärkeres Bassfundament.
Ich denke hier das klangliche Optimum gefunden zu haben. Die Gehäusegröße bleibt noch im Rahmen und es sind einfach mehr Reserven bei höheren Lautstärken da.

Rufus


[Beitrag von Rufus49 am 20. Jan 2018, 13:49 bearbeitet]
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