Kanäle nicht gleich laut

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myfriend.harvey
Ist häufiger hier
#1 erstellt: 23. Mai 2020, 11:53
Hallo zusammen,

ich betreibe einen Technics SL-1200 MK5 mit Nagaoka MP-300. Insgesamt bin ich damit sehr zufrieden, allerdings fällt mir auf, dass der linke Kanal leiser ist als der rechte. Es ist nicht extrem, aber gefühlt irgendwie hörbar. Ich habe das auch mittels Aufnahme und Analyse (mit Audacity und anderen) nachvollzogen. Bevor ich Platten digitalisieren, möchte ich das gerne irgendwie lösen...

Ich habe mich schon gefragt, ob das wegen Stereo grundsätzlich so ist. Daher habe ich einige Lieder von CD oder Downloads angesehen. Da sind die Lautstärke-Unterschiede zwischen den Kanälen allerdings sehr gering.

Daher frage ich mich, ob ich selbst beim Plattenspieler/Tonabnehmer einen Fehler gemacht habe oder ob ich den Effekt "korrigieren" kann.
Weiß jemand von Euch, was die Ursache sein könnte? Antiskating? Azimut?


Den Plattenteller habe ich mit Wasserwaage ausgerichtet und die Platte(n) ist/sind nicht gewölbt, so dass ich diese beiden Punkte ausschließe.

Vorab schon mal herzlichen Dank für Eure sachdienlichen Hinweise!

Viele Grüße
Harvey
Black_Cat_85
Stammgast
#2 erstellt: 23. Mai 2020, 14:00
Hallo Harvey,

Du hast eine Azimutfehleinstellung.
Über Audacity kannst Du das korrigieren.

Du gehst wie folgt vor:
Zuerst kontrollierst Du Antiskating und ob die Systemjustage in den Nullpunkten bzw. auf dem Justagepunkt der Schablone stimmt. Bitte nicht an den Gehäusekanten o.ä. orientieren sondern am Nadelträger. Dieser muß im rechten Winkel stehen. Mit einer Hilfslinie auf der Schablone kann man das gut erkennen.

Die eigentliche Azimutjustage machst Du am besten mit einer Testschallplatte und einen Track mit 1kHz Testton. Anderenfalls mit einer LP/Song die li/re gleich laut ist. Du kannst das Headshell verdrehen nachdem du den Gewindestift für die Arretierung gelöst hast.
In der Anzeige in Audacity kannst Du die Veränderungen dann sehen. Das ganze spielt sich üblicherweise in einem Bereich +/- 5° Verdrehung ab.
Als letztes noch einmal die Ausrichtung des Nadelträgers im Justagepunkt kontrollieren und ggf justieren.

Wichtig: Beim Justieren/ Ausrichten des Systems am /in den Justagepunkten das AS immer auf Null stellen

VG
BC
myfriend.harvey
Ist häufiger hier
#3 erstellt: 23. Mai 2020, 15:48
Hallo Black Cat,

ich danke Dir für Deine Hilfe! Bisher habe ich mich nicht so sehr ausführlich mit der TA-Justage beschäftigt.
Eine Schablone habe ich nicht verwendet.

Bei der Einrichtung sind mir zwei Dinge aufgefallen:
(1) Die Headshell sitzt leicht schief in der Aufnahme, das TA-Gehäuse daher auch.
Ich habe das (laienhaft) mit einer Art dünnen Unterlegscheibe (auf einer Seite) zwischen Headshell und TA-Gehäuse korrigiert.
Dabei habe ich die obere Kante des TA-Gehäuses parallel zur Platte ausgerichtet, mit einem Geo-Dreieck.
Ich verstehe, dass es nicht auf das Gehäuse, sondern auf die Nadel ankommt. Da die Neigung der Nadel mit bloßem Auge allerdings kaum zu erkennen ist, müsste ich das wohl durch Probieren und Testaufnahme, Analyse am PC einstellen. So habe ich Dich auch verstanden.
(2) Von der Seite betrachtet schien mir die Nadel stark nach vorne geneigt aufzuliegen. Selbst bei tiefster Einstellung der Tonarmbasis ist das Tonarmrohr nicht ganz parallel zur Platte. Auch das habe ich wie (1) ein wenig mit einem dünnen Abstand (hinten) zwischen TA-Gehäuse und Headshell korrigiert.
Ich gehe mal davon aus, dass Punkt (2) nichts mit der Ungleichheit der Kanäle zu tun hat.
(Die verwendeten Abstandhalter sind im übrigen sehr dünn: die Metallschicht aus einem Tabletten-Blister)

Azimut als Ursache scheint mir plausibel. Darf ich Dir noch Fragen zu Deinen Hinweisen stellen?
a) Von welcher Schablone sprichst Du? Würdest Du eine bestimmte empfehlen?
Wenn ich das richtig sehe, dient die Schablone ja "nur" zur Einstellung des Spurfehlwinkels, also der horizontalen Kröpfung des TA in der Headshell.
Könnte das auch eine Ursache für die Ungleichheit der Kanäle sein?
b) Kannst Du mir eine Testschallplatte empfehlen? Neulich war eine als Beilage beim stereoplay-Heft. Leider ist die stark gewölbt und damit genau für die Kontrolle von Azimut wohl eher ungeeignet ...
c) Headshell verdrehen: Was meinst Du mit "Gewindestift für die Arretierung lösen"? Dicht hinter der Mutter am Tonarm sind auf der Unterseite des Tonarms zwei kleine Schrauben (Kreuzschlitz). Kann/soll ich diese lockern, um die Headshell zu drehen?
d) Was meinst Du mit "das AS immer auf Null stellen"?

Sorry für die vielleicht dummen Fragen und nochmal danke!

Gruß
Harvey
Black_Cat_85
Stammgast
#4 erstellt: 23. Mai 2020, 19:44
Hallo TE,

es gibt keine dummen Fragen - nur dumme Antworten und häufig genug auch dumme Kommentare.

AS - Antiskating
DSC06356
Hier kannst Du rechts am Headshell eine Inbusschraube erkennen. etwas in der Art an ähnlicher Position findest Du an deinem Headshell wenn es eine Azimutverstellung zulässt. Die Schrauben unten am Tonarm bitte nicht lösen. Das Headshell hat auch immer etwas Spiel in der SME-Aufnahme, teilweise mehrere Grad, das kann man nutzen.
Unbenannt
Hier eine Abbildung einer Schön Schablone Typ 2 mit zusätzlichen Linien (blau) womit man die Lage des Nadelträgers beurteilen/einstellen kann.
Bei einem Tonarm mit Wechselheadshell zählt eigentlich nur ob das Headshell parallel zur Plattenoberfläche ausgerichtet ist, denn jedes Headshell sitzt anders im Arm.
Die Nadel soll nach vorne geneigt in der Rille stehen weil auch der Schneidstichel der die Lackfolie schneidet so ausgerichtet ist um das Spanmaterial nach oben abführen zu können. Winkel ca. 92°, nur so als Info.

Mit einem Plattenpuck oder etwas improvisiertem kannst du versuchen deine Test LP plan zu bekommen. wenn die LP außen hoch steht ist natürlich schlecht. Vielleicht ist aber auch auf der anderen Seite der Test LP ein brauchbares Signal.
Ich benutze u.a. "The ultimate analogue test LP" von Analogue Productions.

Wenn Überhang und Kröpfung gar nicht stimmen kann es auch zu Kanalungleichheiten kommen die sich dann auch nicht durch eine Azimuteinstellung korrigieren lassen, so meine Erfahrung.
Technics liefert ein Überhangjustagewerkzeug mit, damit kann man schon einiges einstellen und erkennen.

VG
BC


[Beitrag von Black_Cat_85 am 23. Mai 2020, 19:50 bearbeitet]
Wuhduh
Inventar
#5 erstellt: 23. Mai 2020, 21:22
Nabend !

Selbstverständlich können die Schrauben am Tonarm unter dem Headshell-Anschluß leicht gelockert und dann evtl. eine Azimuthjustage durchgeführt werden.

Technics-Standardüberhang = 52mm von der Nadelspitze bis zur Hinterseite des Gummiringes auf dem Headshell. So ist auch die klassische, berühmte Technics-Schablone ausgelegt.

Klaro kann man mit diversen Überhangschablonen experimentieren.

Eine andere Tellermatte könnte den Tonarm in eine horizontal bessere Lage bringen.

Bleibt zu hoffen, daß das Nagaoka okay ist.

MfG,
Erik
Albus
Inventar
#6 erstellt: 23. Mai 2020, 21:35
Tag,

da stimmt etwas nicht. - Die Bauhöhe des Nagaoka MP-300 beträgt 18,5 mm - mit der originalen Technics-Headshell mit der um 3 mm abgesenkten Befestigungsebene (gegenüber SME-Standard) und der originalen Tellermatte, RGS0008 2,75 mm dick, ist die Nullhöhe der Höheneinstellung des Armes bei 17 mm Bauhöhe des Tonabnehmers einzustellen.
Wenn das hier im Einzelfall aber nicht hinhaut, dazu noch eine Fehlstellung des Bajonettsockels stört, dann ist zu fragen: Wird eine fremde Headshell verwendet? Welche genau, etwa eine Ortofon SH-4? Die hat nämlich die 3 mm-Absenkung der Befestigungsebene nicht.

Ferner: Nach den Spezifikationen beträgt die Kanalbalance des MP-300 gute "1 dB or less", also 1 dB oder weniger.

Freundlich
Albus
myfriend.harvey
Ist häufiger hier
#7 erstellt: Gestern, 11:02
Hallo,

vielen Dank für Eure hilfreichen Antworten!

Headshell/Höhe: Es ist die Original Technics-Headshell (kam mit dem SL-1200). Diese bietet selbst keine Möglichkeit zur Azimut-Einstellung (wenn ich nichts übersehe). Die Höhe des MP-300 ist ziemlich genau 18 mm (wenn es aufliegt). Ich verwende nur die Original Matte.
Technics Headshell

Antiskating: Ich habe verschiedene Werte (1, 1,5, 2) probiert. Das hat keinen erkennbaren Wert auf den Kanalunterschied. Mit zunehmendem Wert wird das Ganze insgesamt leiser. Antiskating scheint also nicht mein Problem zu sein.

Phono-Pre (Aikido FET): Ich habe mal direkt am Phono-Eingang meines Verstärkers angeschlossen. Der Kanalunterschied ist ebenso da. Der Phono-Pre scheint also auch nicht mein Problem ein.

Geometrie: Ich werde dann also doch die Geometrie nochmal gründlich aufsetzen. Ich habe mir dazu ein Hilfslineal (mit Gitterstruktur) bestellt. Sehr optimistisch bin ich derzeit allerdings nicht. Ich habe mir das Ganze heute nochmal angesehen und keine groben Fehler gefunden.
Den Überhang hatte ich mit der weißen Technics-Lehre (52 mm) eingestellt. Auf der Schablone sieht es nach einer leichten Abweichung nach außen aus. Das kann ich auf jeden Fall korrigieren.
Schablone
Die Oberkante des TA-Gehäuses ist (mit meiner Korrektur) parallel zur Platte, soweit man das mit einer Bleistiftmine, Zollstock und Lupe beurteilen kann.
Azimut-x (M)
(Die Nut im Tonarm zur Aufnahme der Headshell ist leicht gegen den Uhrzeigersinn verdreht. Das verbleibende Spiel reicht nicht aus, daher meine Korrektur.)

Ich werde das alles nochmal prüfen und justieren. Wenn das nicht hilft, bleibt wohl nur noch, die Headshell testweise zu verdrehen und so verschiedene Azimut-Einstellungen zu erhalten. Die Annahme wäre: Die Nadel steht in Relation zum Gehäuse nicht ganz vertikal. Ich werde dann wieder berichten ...

Grüße
Harvey


[Beitrag von myfriend.harvey am 24. Mai 2020, 11:04 bearbeitet]
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