Haben ältere Anlagen mehr Bass?

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Roman78b
Schaut ab und zu mal vorbei
#1 erstellt: Gestern, 10:43
Ich habe mir vor ein paar Tage einen 1983 Rosita Hifi Möbel mit Dual ASP 128 Plattenspieler, Grundig R400 Receiver und CF 400 Kassettendeck gekauft. Leider ohne original Boxen, aber man hat ja genug zuhause. Also irgendwelche Sony angeschlossen (genaue Typ weiß ich jetzt nicht auswendig) und war erstaunt über den tiefen schweren Bass. Wenn ich die Boxen an meinem Technics SU-VX720 (1992) anschließe, habe ich deutlich weniger Bass, sogar mit Loudness aktiviert. Ich muss bei dem Grundig den Bass komplett runter drehen und habe immer noch genügend Bass da.

Und ich hatte das Gefühl schon mal, wie ich einen alten Pioneer und Rotel Verstärker hatte, dass die einfach mehr, ich weiß nicht, dynamic haben. Also mehr im unteren und mittleren Bereich haben. Oben etwas schwächer würde ich sagen. Kann aber auch sein, dass das nur wegen den Tiefen einem so vorkommt.

Was ist eure Erfahrung und Meinung so bei Geräten aus den 70ern und Anfang 80er?

https://www.hifi-wiki.de/index.php/Dual_ASP_128
https://www.hifi-wiki.de/index.php/Grundig_R_400
https://www.hifi-wiki.de/index.php/Grundig_CF_400
Ano_Malie
Stammgast
#2 erstellt: Gestern, 11:12
Hallihallo

Ich habe noch meine Technics-Anlage von Anfang der 80er Jahre incl. ein Paar Canton Karat 100. Deine Beobachtung kann so in diesem Umfang nicht bestätigen. Aber dazu fehlt mir auch der weitere Vergleich.

Was ich mir vorstellen könnte: Die Original-LS waren ja direkt auf die Konsole abgestimmt. Vielleicht brauchten die einen leichten Anschub um Bassbereich, der ihnen über den Verstärker zugeführt wurde. Daher passt der Verstärker möglicherweise genau zum Original-LS, aber nicht wirklich zu anderen LS.

Is nur mal so eine Idee...

LG
Roman78b
Schaut ab und zu mal vorbei
#3 erstellt: Gestern, 11:37
Könnte sein.

Also boxen müssten die auf Seite 17 gewesen sein. Ich denk die rechten.

Also Prospekt habe ich hier: https://archive.org/details/rosita-1983-1
ChristianKurz
Stammgast
#4 erstellt: Gestern, 11:41
Hallo,

meine Schwester ist 14 Jahre älter wie ich und hat Anfang der 80er geheiratet.

Bei denen stand dann im Wohnzimmer der gemeinsamen Wohnung eine Saba Anlage u. a. mit dem Saba MI 215 und den Saba AM 130.

Ich als Grundschulkind fand den Sound sehr gut und sehr rund und angenehm mit schönem Bass. Irgendwie ist das was ich heute in meiner eigenen Wohnung habe mit dem NAD M10 V2 und den Dali Kupid eher analytisch rüber. Es kann aber auch sein das mir hier meine Erinnerung einen Streich spielt, außerdem hatte ich damals ja auch nicht so einen Fokus auf Klang, geschweige denn Musik.

Ja die AM 130 sind große Lautsprecher mit großem Bass, ist klar das die es einfacher haben als meine kleine Einrichtung mit zusätzlichem Subwoofer.

Die Boxen stehen übrigens da heute noch rum, werden als Ablage benutzt, das Musik hören ist bei denen heute in den Hintergrund getreten. Die restliche Anlage wurde vor 1 bis 2 Jahren abgebaut im Zuge einer neuen Wohnzimmereinrichtung.
DOSORDIE
Inventar
#5 erstellt: Gestern, 21:03
Speziell Deutsche Verstärker und kleinere Geräte waren bis Mitte der 80er auf Regalboxen ausgelegt. Die hatten keinen richtigen Tiefbass und kamen höchstens bis 50 Hz runter. Viele lagen aber eher höher. Das heißt ja nun nicht, dass die Frequenzen nicht da sind, sie sind nur deutlich leiser.

Solche Verstärker haben meist ein Klangreglernetzwerk und eine Loudness mit sehr breiten Filtern bis 150 Hz. Untenrum werden da schon mal 18 dB angehoben und dann kommen noch die 10 dB der Klangregler hinzu, wo der Bass Regler dann zwischen 60 und etwas über 100 Hz Alles wie ein Scheunentor anhebt. So kleine geschlossene Boxen klingen damit richtig füllig und angenehm und es wirkt einfach "gut abgestimmt". Viele dieser Boxen und Lautsprechersysteme kommen dadurch dann sogar recht tief.

Ich habe meinen Eltern in ihr 30 m² großes Wohnzimmer ein Bose Acoustimass System, das ich für 50 Euro bei Kleinanzeigen gekauft habe hingestellt. Die Schrankwand ist 5 m breit, der Raum 6 oder 7 m. Vorher standen da alte Magnat Bull Boxen auf dem Boden, wovon eine Box vom Sofa verdeckt war. An Weihnachten stand vor der Anderen noch ein Weihnachtsbaum. Diesem Bose System manifestiere ich Nichts Gutes, aber in dem Wohnzimmer konnte ich das Bassmodul links neben dem Schrank platzieren und die Satelliten links und rechts im gleichen Abstand auf den Schrank stellen. Durch den Grundig V7000, der noch im Sideboard steht kommt das Bassmodul mit dessen Loudness auf 30 Hz runter. Die Satelliten verteilen den Sound gleichmässig im Raum, weil sie keinen Sweetspot haben. Auflösung ist was Anderes, aber für das Zimmer in Verbindung mit dem Equalizing klingt das besser, als die zugeparkten Boxen vorher, egal was man vor oder neben den Schrank stellt, es ändert den Sound nicht mehr. Klar, in dem Sinne ist das kein HiFi, aber für das, was es dort verrichten soll, ist es perfekt, aber das geht nur, weil der V7000 diese breiten Filter und die brachiale Loudness hat.

Und selbstverständlich ist das immer eine Romantisierung weil man in dem Moment keinen Vergleich hat. In der Küche habe ich einen Grundig V7500. Daran angeschlossen ist ein Yamaha YST 150 und 2 Canton Plus XL. Wenn ich da den Bass Regler hoch dreh, dann wird es brummig, weil der Sub viel tiefer spielt, während die Loudness eher die Frequenzen unter 100 Hz anhebt und dann den Punch und den Tiefbass anhebt, dann klingt das wie in ner Disco. An 2 alten deutschen Regalboxen klingt der angehobene Bassregler richtig gut.

Wenn du aber richtig gut HiFi hören willst kauf dir 2 vernünftige Standboxen, die auf mindestens 35 Hz kommen, wenn dir der Punch zu wenig ist heb den Bereich bis 80 Hz um 3 bis 6 dB an und du zerstörst nicht die ganze Präzision.

Kurz gesagt also ja: Die alten Verstärker und Anlagen haben eine dickere Loudness, breitere Filter usw. um die Fehler der alten Boxen besser ausgleichen zu können. In diesem Sinne haben sie "mehr Bass", aber keinen besseren.


[Beitrag von DOSORDIE am 05. Jun 2026, 21:06 bearbeitet]
puffreis
Inventar
#6 erstellt: Heute, 09:34
Als Jugendlicher war es für mich ein Traum eine Grundig Anlage zu
besitzen (Selbst damals fand ich Schneider & Co nicht so schön und billig ).

Vor kurzem habe ich kostenlos eine Grundig CT4300 mit CC430-2 abgeholt.
Nur aus Nostalgiegründen, nicht weil ich es brauchte.

Ich weiß aber nicht ob das Ding funktioniert.
Ich kann ja mal die Tage testen und paar Frequenzgänge aufnehmen.
Soweit ich mich erinnern kann, hat dieser Grundig fest eingebaute Loudness Schaltung,
was bei niedrigen Lautstärken den Basspegel enorm steigern könnte.
DOSORDIE
Inventar
#7 erstellt: Heute, 12:09
Oh ja, Grundig ist brutal, je kleiner der Verstärker umso brutaler kann man fast sagen. Die Badewanne ist da so tief, dass man grad noch so mit dem Kopf raus guckt :-D
Radiowaves
Inventar
#8 erstellt: Heute, 14:13
Das war in der DDR auch ganz übel. Massive, bei einfacheren Geräten nicht abschaltbare "Loudness" und darauf leidlich abgestimmte Lautsprecher. Selbst Mitte der 1980er Jahre war das so.

Hierzu

https://ifatwww.et.u...entext/ksc1800t.html

wurden standardmäßig die

https://ifatwww.et.u...xentext/kb3010t.html

ausgeliefert. Das klang auch weitgehend "rund" und stimmig, hatte aber freilich wenige Kontrolle und Präzision. Vielleicht würde man das "warm" nennen.

Schon wenn man einen leidlich guten Kopfhörer anschloss (wie ich dann 1991 einen AKG K280 parabolic), fiel die massive Verbiegung mit wummerndem Tieftonbereich und grellen Höhen auf. Wer es wagte, so eine Anlage mit den größenbezogen bis heute sehr guten

https://ifatwww.et.uni-magdeburg.de/~madaus/boxentext/kbr25t.html

hatte keine Freude. Das klingt dann wie Partybeschallung mit voll aufgerissenen Bass- und Höhenstellern. Allerdings ist das bei Mittelstellung der Potis so. Das wird einem in manchen Videos als der tolle RFT-Sound vorgeführt, dann freilich zusätzlich noch mit Klangstellern am Rechtsanschlag.


Anders herum hatte ich naiv erwartet, dass ich beim Austausch einer Eigenbau-Anlage meines Vaters unter Verwendung von DDR-Industriekomponenten (u.a. wohl auch der Vorverstärker eines Heli RK8 oder so)

DDR-Eigenbau-Stereoanlage mit Industriekomponenten

gegen was neues von Onkyo

https://www.hifi-wiki.de/index.php/Onkyo_CR-L_5

die Lautsprecher aus den späten 1960er Jahren

https://www.radiomuseum.org/r/heli_ksp_130k.html

beibehalten könnte. Meine Eltern waren ja zufrieden gewesen und es klang auch nicht wirklich mangelhaft. Konnte ich aber nicht. Linear angesteuert waren die K12 absolut dünn und pappig. Es musste tatsächlich was neues her.


[Beitrag von Radiowaves am 06. Jun 2026, 14:14 bearbeitet]
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