Downsizing im Wohnzimmer - NuPro A-100 versus Linn mit Highland Audio

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audiotux
Stammgast
#1 erstellt: 21. Mai 2016, 09:21
Liebe Forum-Gemeinde,

derzeit schwebt mit der Gedanke des Downsizings im Wohnzimmer vor. D.h. der Gerätepark soll ggf. auf ein Minimum reduziert werden, daher habe ich mich zu einem wohl eher ungewöhnlichen Vergleich im eigenen Wohnzimmer hinreißen lassen:

Nubert NuPro A-100
versus
Highland Audio Oran 4301 an
Linn Unidisk SC Dynamik (als Vorstufe)
Linn Chakra 4100 Dynamik (Endstufe)
BiAmping Betrieb mit Silent Wire LS8

Der Zuspieler ist ein Auralic Aries Mini mit Linearnetzeil. Die NuPros sind per Silent Wire Series 16 Toslink angeschlossen. Die Linn-Kette per Silent Wire NF7.
In beiden Fällen unterstützt ein Velodyne MicroVee die beiden sehr kompakten Lautsprecher im Bassbereich, da es rund 35m² zu beschallen gibt.

Hier exemplarisch zwei Photos des Aufbaus (man verzeihe mit das Kabelgewirr):

Shootout

Shootout

Den Vergleich habe ich eher primitiv durchgeführt. Ich bin Hobbyist; kein Profi.
D.h. die Lautstärke wurde nach Gehör auf einen gleichen Pegel gebracht. Ich habe dann mir sehr bekannte Alben abgespielt und immer wechselweise per Fernbedienung - also auf dem Hörplatz sitzenbleibend - die NuPros oder die Linn auf "Mute" gestellt. Manche Passagen habe ich bestimmt 10x oder mehr wiederholt, um einen A/B-Vergleich im Detail durchzuführen oder Eindrücke zu falsifizieren / bestätigen.
Ferner stehen die Lautsprecher sicherlich nicht ideal, da es bspw. zu Reflexionen auf dem Lowboard kommen kann. Dies ist aber der gewünschten Aufstellungsposition geschuldet und entspricht somit "meinen" realen Bedingungen.
Ferner sind die NuPros frisch aus dem Karton, also nicht eingespielt.

Vorweg: Ich hatte kürzlich auch ein Paar Phonar Veritas m4 Next an der Linn-Kette angeschlossen. Mir war der Klang zu "kühl". Es fehlte das "Leben", der Elan im Klang. D.h. ich mag persönlich wohl eher warmen Klang.

Es mag vermessen erscheinen einen solch "großen" Raum mit derartigen Zwergen zu "befeuern". Dies hat mehrere Gründe:

  1. Die Lösung optisch soll dezent sein.
  2. Optisch gibt es keinen Platz für ausgewachsene Standlautsprecher.
  3. Die Highland Audio Oran 4301 klingen mit Bassunterstützung durch den Voldyne so unglaublich schön und erlauben stundenlanges, ermüdungsfreies Musikhören.
  4. Ich gehe selten über Zimmerlautstärke hinaus.

Klanglich war ich mit der Linn-Kette und den Highlands äußerst zufrieden. Selten hatte ich eine solch dezente Kette im Hause, die so viel Spaß gemacht hat. Das Experiment mit den NuPros mache ich nur, da ich die Kette gerne nochmals verschlanken möchte. Eigentlich hätte ich lieber Abacus Aktivboxen ausprobiert, aber diese kann man nicht per Fernbedienung in der Lautstärke regeln. Dies ist für mich persönlich ein KO-Kriterium.

Kommen wir aber nun zum Vergleich, über den ich berichten möchte:
Ich nehme gleich eine Frage vorweg: Ja, die NuPro A-100 schaffen es zusammen mit dem Velodyne MicroVee erneut den Raum mit Musik zu füllen, so dass man nichts vermisst und erneut das Gefühl hat, dass hier eigentlich viel mehr "Volumen" spielen sollte, als man sieht.

Test-Alben in abgespielter Reihenfolge (alles FLAC-Dateien, die per EAC von den CDs gerippt wurden):

  1. De-Phazz - Private
  2. Emma Pollock - In Search of Harperfields
  3. Jack Johnson - In Between Dreams
  4. Hugh Masekela - Hope
  5. Porcupine Tree - The Incident


De-Phazz haben auf der "Private" eine Form von Jazz-Pop mit elektronischen Elementen. Eher ruhig, aber mit Bass. In beiden "Ketten" ist der Klang sehr angenehm, rund. Die NuPros erzeugen ein Klangbild, welches ich kenne. Das ist schon einmal wunderbar, viel lebendiger und wärmer, als mit den Phonar Veritas m4 Next. Im A/B-Vergleich mit der Linn-Highland-Kette konnte ich nur minimalste Unterschiede ausmachen. Ich hatte den Eindruck, dass bspw. das Saxophon etwas "freier" im Raum steht, als mit den NuPros, dies waren aber nur Nuancen. Das Detailreichtum und die Klangfarben waren sehr, sehr ähnlich. Die NuPros haben jedoch den Bass etwas intensiver, mit ein wenig mehr Pegel dargestellt.
Mein erster Eindruck: Minimal schönere Bühne mit der Linn-Highland-Kette. Die NuPros waren fast gleichauf.

"In Search of Harperfields" von Emma Pollock geht klanglich in ähnliche Gefilde. Klar, stilistisch ist es folkiger Pop mit Singer-Soul-Jazz-Anteilen. Der Bass ist weniger brachial als bei der De-Phazz-Scheibe. Somit sollte der Subwoofer weniger relevant sein. Beide Ketten spielten auch diese CD sehr ähnlich wieder. Ich habe hier sogar im A/B-Vergleich teilweise nicht mehr gewusst, welche Version gerade spielt; dies geschah vor allem in Passagen, in denen der Anteil an Instrumenten recht hoch war. War jedoch fast nur Gesang zu hören, gab es Unterschiede:
Die NuPros haben etwas mehr fokussiert. Emma war präsenter. Bei der Linn-Highland-Kette war sie etwas mehr im Hintergrund und die Aufmerksamkeit wurde einen Hauch mehr auf die im Hintergrund befindlichen Instrumente gelegt.
Zwischenfazit: Die Linn-Highland-Kette scheint etwas "runder" in meinen Ohren zu sein. Mir gefallen diese feinen Nuancen, wenn das streicheln der HiHats ein wenig präsenter ist. Aber auch hier gilt: ein sehr geringer Unterschied.

Angeregt durch diesen Eindruck wollte ich etwas mit mehr Gesang und weniger Bass. Jack Johnsons "In Between Dreams" kam daher dran. Hier hat sich der zuvor gewonnene Eindruck verschärft. Die NuPros fokussieren mehr auf den Gesang von Jack Johnson. Die oft sehr leise Gitarre ist etwas zurückhaltender. Wechselte ich auf die Linn-Highland-Kette war da immer ein wenig mehr Feeling, ein wenig mehr Gitarre, ein wenig mehr "Leben" im Klang.

Nun mal ein "Dynamik-Test". Was ist da besser als Hugh Masekela "Hope"? Nicht umsonst wird diese CD so gerne auf Messen oder bei Vorführungen herangezogen.
Dynamik-Ergebnis: Patt! Da gibt sich weder der eine, noch der andere etwas.
Aber: Hier gab es markante klangliche Differenzen. Ich schloss die Augen und wechselte per Fernbedienung permanent zwischen beiden Ketten. Am Ende wusste ich wieder nicht mehr, was welche Kette ist. Aber man hörte eines ganz klar:
Eine Kette war wärmer im Sound. Die Bühne größer, aber diffuser. Hier waren Holzschlaginstrumente im Hintergrund etwas schöner zu hören, aber auch diffuser im Raum. Bei dieser Kette waren die HiHats auch weniger präsent und klar auf den Punkt gebracht, sondern klanglich ein wenig verschwommener in der Bühne und hatten einen Hauch von "gestrichen" nicht "geschlagen".
Im Umkehrschluss hatte die andere Kette die deutlich differenziertere, schönere Bühne. Diese war aber nicht ganz so schön in den Raum gestreut, aber klanglich irgendwie "richtiger". Die HiHats waren knackiger, dafür verschwand so manch leises Instrument etwas mehr im Hintergrund.
Ich öffnete die Augen und schaute nach, was nun welche Kette war. Wer errät es?

Erstere Beschreibung ist: Linn-Highland Audio
Zweitere Beschreibung ist: NuPro A-100

Zwischenfazit: Hier haben die NuPros meine Skepsis aus den ersten Alben umgedreht. Es war nicht ganz so "wohlklingend", aber irgendwie richtiger, etwas natürlicher.

Zum Abschluss nach all den eher "weichen" Tönen gab es dann Porcupine Tree mit "The Incident". Eine herausragende Prog-Rock-CD.
Gleich am Anfang gibt es hier brachial einspielende Gitarrengewitter mit Schlagzeug. Wow, was für ein Unterschied!
Die Linn-Highland-Kette klingt verwaschen und müde. Wechselt man auf die NuPros, so sind die Gitarren viel differenzierter in den angespielten Saiten zu hören. Der ganze Klang ist wesentlich differenzierter zwischen Gitarre und Schlagzeug, was bei der Linn-Highland-Kette eher etwas verwaschen klingt. Hier gab es das erste Mal wirkliche Welten im klanglichen Unterschied. Ich hätte damit nicht gerechnet.
Es folgt eine ruhige Passage, die ist unspektakulär auf beiden Ketten und dann setzt die komplette Band recht brachial ein um dann wieder ruhig zu werden und Steven Wilson fängt an zu singen. Erneut bestätigt sich der Eindruck: Die NuPros sind differenzierter. Man hört die Instrumente (Bass, Gitarre, Schlagzeug) deutlicher heraus, ohne dass die Bühne "zerflückt" wirkt. Die Linn-Highland-Kette spielt alles etwas verwaschener, nicht so differenziert. Auch der einsetztende Gesang von Steven Wilson ist mit den NuPros etwas mehr im Zentrum zu orten, während er mit der anderen Kette leicht breiter, aber undifferenzierter im Raum steht.

Fazit:
Ich finde "dicke" Geräte toll. Das hat einfach etwas. HighEnd wird so optisch und haptisch erlebbar. Aber wenn es um eine dezente Lösung geht, die auch klanglich einiges hergibt, dann ist man heute doch schon sehr weit. Die minimalistische Kette aus Auralic Aries Mini (mit Linearnetzteil) und den Nubert NuPro A-100 ist in meinem rein subjektiven Test der Linn-Kette mit den natürlich unterdimensionierten Highland Audio Oran 4301 ebenbürdig. Beide können ganz toll eine "Hintergrundberieselung" leisten. Manchmal klingt hierbei die Linn-Highland-Kette etwas wohlwollender (bspw. Jack Johnson), manchmal macht das etwas differenziertere Bild der NuPros mehr Spaß (bspw. Porcupine Tree).
Ich kann am Ende nicht wirklich eine der beiden Lösungen als Sieger küren. Dafür haben beide einfach zu sehr ihren eigenen Charme. Jedoch kann ich eines als Fazit weitergeben: Kleine Lautsprecher, wenn sie eine Unterstützung nach unten herum durch einen Sub bekommen, können auch an höherwertiger Elektronik immer wieder auch in größeren Räumen begeistern. Klar, da fehlt das Potential hinten heraus. Die Physik kann keiner umgehen. Aber für höherwertigen Musikgenuss bei Zimmerlautstärke ist beides gut in meinem rund 35m² großen Wohnraum nutzbar.
Ich habe so manche Diskussion hier im Forum (und auch anderen Foren) gesehen, wo man sich die Frage stellte, ob ein Paar NuPro A-100 für einen Wohnraum ausreichend sind, oder ob man nicht doch zu größeren Kalibern greifen sollte. Hier kann ich jedem, der auch einen Sub dazustellen mag / kann, nur raten: Probiert mal die Kleinen aus (auch von anderen Herstellern) - es kann am Ende so schön Musik herauskommen und dabei trotzdem eine optisch dezente Lösung bleiben, die auch die Dame des Hauses schick findet. Klar, Volumen ist durch nichts zu ersetzen wie durch Volumen, aber wenn man "nur" gehobenen Klang bei eher kleineren Pegeln erwartet, dann hat man heutzutage viele Alternativen.
Früher hatte ich bspw. Standboxen von Audio Physic im Betrieb. Schöne Teile, genialer Klang und optisch was "für Kerle". Aber die kleinen Regallautsprecher ergänzt um einen Subwoofer sind recht nahe an dem Erlebnis mit einer ausgewachsenen Standbox, sofern man nicht sonderlich laut hört.
Jazzy
Inventar
#2 erstellt: 22. Mai 2016, 17:06
Interessanter Test!Trotz viel Voodoo gewinnt die Physik,nicht schlecht.Deine Aufstellbedingungen sind allerdings katastrophal.Erstaunlich,da einen Vergleichstest zu machen.
Plankton
Inventar
#3 erstellt: 22. Mai 2016, 17:36
Nett geschrieben aber bei so viel Voodoo sehe ich kein "downsizing".
audiotux
Stammgast
#4 erstellt: 22. Mai 2016, 19:35
Danke für das Feedback.
Ich habe den Artikel auch nicht als "seriösen Test" gesehen, sondern vielmehr als Beitrag an das Forum, von dem ich auch schon oft partizipiert habe und als Anregung, dass "Kleine" auch relativ groß spielen können.

Ja, die Aufstellungsbedingungen sind sehr, sehr suboptimal, aber nunmal der Kompromiss an die Ästhetik. Und ein wenig Voodoo (ich denke einmal, dies bezieht sich auf die Kabel und ggf. das Auralic Linearnetzteil) macht mir persönlich einfach Spaß. Auch wenn es am Ende, abseits das Spaßes am Hobby, nichts oder nicht viel bringt. Früher habe ich bspw. auch mit CDs anfasen oder den Audio Agile CD Filmen herumgespielt. Gehört habe ich da eigentlich nie einen "belastbaren" Unterschied. Aber ein Hobby muss ja nicht immer Sinn ergeben.

Und doch, es ist ein Downsizing - zumindest vom Wert des Geräteparks.
Ansonsten stimmt es schon: 4 Endstufen sind weiter im Betrieb, etc. - nur an anderer Stelle.
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