Endstufe mit BD317 - brauchbar?

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Keksstein
Inventar
#1 erstellt: 30. Mai 2013, 22:04
Hallo Zusammen,


ich habe seit längerem eine alte Endstufe bei mir stehen die ich gerne wieder einsetzen würde, vielleicht als Subverstärker oder ähnliches. Sie stammt aus den 70ern bis 80ern, jedenfalls läuft sie wieder seitdem ich alle Elkos getauscht habe. (Waren komplett alle defekt, beim auslöten typisch "fischiger" Geruch, außerdem waren über die hälfte schon vor Jahren ausgelaufen)

Mich würde aber interessieren ob das überhaupt noch Sinn macht, die Schaltung setzt auf 4x BD317 Endtransistoren die ja nicht gerade der "High Endige Überflieger" zu sein scheinen. (z.B. Transitfrequenz bei 1Mhz, da ist der 2N3055 schon "besser")
Klirrfaktor und Intermodulationsverzerrungen liegen laut Hersteller bei 0,2% bzw 0,3% (nach DIN45500), allerdings bei der Nennleistung 120W und daher halt schwer mit heutigen Angaben zu vergleichen. (Die Nennleistung wird ja heutzutage meistens bei 1% Klirr angegeben)
Ich kanns leider nicht nachmessen, als relativ frisch ausgelernter Elektroniker fehlt mir halt das Geld für einen guten Audioanalysator oder eine Klirrfaktormessbrücke.

Was meint Ihr dazu? Mir ist durchaus bewusst das man das ganze nicht unbedingt hören wird, trotzdem würde mich interessieren ob man (rein technisch betrachtet) mit den Endtransistoren gute Endstufen bauen kann die auch heute noch zu gebrauchen sind.

Vielen Dank schonmal


Gruß

Jan


[Beitrag von Keksstein am 30. Mai 2013, 23:32 bearbeitet]
micheli
Ist häufiger hier
#2 erstellt: 31. Mai 2013, 23:00
Hi,

diskret aufgebaute Geräte sind bei vernünftigem Design denen von heutzutage mit ein paar ICs deutlich überlegen (Ruheströme und Arbeitspunkte exakt einstellbar, Bauteile selektierbar auf div. gewünschte Eigenschaften etc.). Stell mal in einer Hybridendstufe die Arbeitspunkte der Endstufentransistoren oder auch der Treiber ein... Das geht schlicht und ergreifend nicht. Wenn da bei den Halbleitern eine Montagsgurke mit drin ist oder in der Produktion grade jemand nicht aufgepaßt hat, dann haste halt Pech gehabt. Die Streubreite beträgt schonmal 10%. Bei diskret aufgebauten Endstufen hast Du diese Malaise nicht. Wenn bei Deinen BD317 oder 2N3055 (kein ausgesprochener Audio-Typ, aber auch für Audio einsetzbar) einer dabei ist, der nicht in Ordnung ist, tauscht Du ihn für ein paar Mark fuffzig aus. Gleiches gilt natürlich für geschossene Endstufen. Der Materialschaden hält sich bei diskreten Endstufen i.d.R. in sehr überschaubaren Regionen, während eine Hybridendstufe oder gar eine digital gesteuerte Endstufe da kostenmäßig sehr schnell mal aus dem Ruder laufen kann, sofern Reparaturen auf betroffenen Multilayer-Platinen überhaupt möglich sind.

Im Übrigen ist Vergleichbarkeit noch immer gegeben. Macht nur sehr viel mehr Arbeit. Wenn Dich eine Grenzfrequenz von 1 MHz stört, frage ich mich, was Du mit dieser Endstufe übertragen willst...

Die Marketingsprüche in den heutigen Audiokatalogen/-anzeigen sind frecher denn je... Man sollte nicht drauf reinfallen.

Ich gehe davon aus, daß Du keinen Ferrari mit einem Goggomobil vergleiche willst... Das Ganze ist ein Riesenthema. Aber technisch nachvollziehbar, meßbar, beweisbar.

Servus
der Michael
Poetry2me
Inventar
#3 erstellt: 02. Jun 2013, 17:06
Bitte bei Transistoren nicht Transitfrequenz und Grenzfrequenz verwechseln. Das sind zwei verschiedenen Dinge.

Wenn Transistoren eine Transitfrequnz von 1MHz haben, dann ist deren Verstärkung bei 1MHz nur noch 1 (0dB). Damit sind sie für wirklich gute Verstärker nicht mehr brauchbar, weil sich Verzerrungen durch die Gegenkopplung nicht schnell genug ausregeln lassen. In anderen Worten: Zu viele Verzerrungen im hörbaren Bereich entstehen. Nimmt man schnelle Transistoren, dann verschiebt sich das Verzerrungsspektrum in den nicht mehr hörbaren bzw. genutzten Bereich.

Bei Subwoofer-Anwendungen könnte so ein Verstärker evtl. eingesetzt werden. Man müsste dann aber überprüfen, ob die nötige Leistung für die tiegen Frequenzen erbracht werden kann.

- Poetry2me
DB
Inventar
#4 erstellt: 02. Jun 2013, 18:31
Hallo,


Keksstein (Beitrag #1) schrieb:
ich habe seit längerem eine alte Endstufe bei mir stehen die ich gerne wieder einsetzen würde, vielleicht als Subverstärker oder ähnliches.

was ist es denn für ein Fabrikat?


MfG
DB
Keksstein
Inventar
#5 erstellt: 04. Jun 2013, 20:45
Hallo Zusammen,

Danke für die Antworten (=


diskret aufgebaute Geräte sind bei vernünftigem Design denen von heutzutage mit ein paar ICs deutlich überlegen (Ruheströme und Arbeitspunkte exakt einstellbar, Bauteile selektierbar auf div. gewünschte Eigenschaften etc.). Stell mal in einer Hybridendstufe die Arbeitspunkte der Endstufentransistoren oder auch der Treiber ein... Das geht schlicht und ergreifend nicht.


Ich kann bestätigen das das ganze zumindest sehr servicefreundlich ist, ich musste den Ruhestrom der Endtransistoren sowie den Offset am Ausgang neu einstellen was durch den Aufbau kein Problem ist. (Wird mit 2 Trimmern gemacht, beide sind über die Zeit kaputt gegangen und wurden ersetzt)
Allgemein ein sehr übersichtlich gebautes Gerät und Schaltungstechnisch recht überschaubar


Wenn Transistoren eine Transitfrequnz von 1MHz haben, dann ist deren Verstärkung bei 1MHz nur noch 1 (0dB). Damit sind sie für wirklich gute Verstärker nicht mehr brauchbar, weil sich Verzerrungen durch die Gegenkopplung nicht schnell genug ausregeln lassen. In anderen Worten: Zu viele Verzerrungen im hörbaren Bereich entstehen. Nimmt man schnelle Transistoren, dann verschiebt sich das Verzerrungsspektrum in den nicht mehr hörbaren bzw. genutzten Bereich.


Laut Datenblatt ist die Transitfrequenz 1Mhz, das scheint dann der Grund zu sein das die Intermodulations- Verzerrungen und der Klirrfaktor so hoch sind oder?

Leistung müsste mit 120W an 4Ohm locker ausreichen, so hohe Pegel brauch ich ohnehin nicht. Und zumindest bei 50Hz passt die Angabe der Ausgangsleistung, kurz über 120W (@4Ohm) sieht man per Oszi das die Endstufe symmetrisch zu clippen anfängt.



was ist es denn für ein Fabrikat?


Klein + Hummel, eine Telewatt A120 Endstufe:

http://www.neumann-k..._hifi-classical_A120
http://www.radiomuse...no_endverstae_4.html

Gruß,

Jan


[Beitrag von Keksstein am 04. Jun 2013, 20:46 bearbeitet]
audiophilanthrop
Inventar
#6 erstellt: 05. Jun 2013, 10:45
Sieht aus wie ein typischer 70er-Jahre-PA-Verstärker. Differenzstufe und VAS in einfacher Ausführung, Ruhestromeinstellung noch nicht mal mit Ube-Multiplizierer, immerhin 2 Paar Ausgangstransistoren (aber quasikomplementär und vmtl. ohne Baxandall-Dioden) und einfacher Überstromschutz. Mehr kann ich auf dem Winzschaltplan nicht erkennen. Ich schätze mal, Nennleistung @ 1 kHz bei 0,3% Klirr oder so (oh... steht ja auch oben), @ 10 kHz wer weiß. Kann trotzdem brauchbar klingen, je nach Ruhestrom, echte Wunder würde ich aber nicht erwarten.

Oh, der kam 1967 raus? OK, damals war er mit Sicherheit 'ne Hausnummer!

Fremdspannungsabstand 85 dB bezogen auf Nennleistung? Autsch. Ich hoffe, das ist brummlimitiert und das Rauschen ist deutlich niedriger. Wäre sonst übelst räuschig.


[Beitrag von audiophilanthrop am 05. Jun 2013, 11:37 bearbeitet]
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