Aufnahme AKAI 1731W

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michi1106
Stammgast
#1 erstellt: 23. Feb 2012, 20:27
Hallo,

es geht um die Reperatur eines AKAI Tonbands Model 1731W.
Das Abspielen funktioniert problemlos, das Problem liegt bei der Aufnahme.

Das eingespeiste Signal (LineIn, Mikrofon, DIN-Buchse) kommt an, die Aussteuerung kann man problemlos richtig einstellen (beide VU-Meter funktionieren) und aus den Monitorlautsprechern kommt ein klares deutliches und lautes Signal.

Nach der Aufnahme ist das Signal auf dem Band nur sehr leise zu hören, das "Hintergrund"rauschen ist mindestens genauso laut wie das Signal, welches zusätzlich noch übersteuert und verzerrt ist.

Kann das an einem defekten / magnetisierten Aufnahmekopf liegen? Andernfalls hätte ich noch zwei Fehlerquellen vermutet: 1. die Preamp-ICs (Sanyo LD-3141), die rauschen extrem und sollen oft kaputt gehen. Und w. eine seltsame Platine an der Seite des Gerätes, siehe Foto. Ich weiß nicht was die weißen rechteckigen Dinger sind, die Platine ist nur in den Aufnahmekreis eingeschalten, und da ich mir keine andere Fehlerquelle vorstellen kann, können es eigentlich nur noch der Aufnahmekopf, die ICs oder diese komische Platine sein.



Kann mir irgendjemand sagen was das für Dinger sind bzw. hat irgendjemand ähnliche Erfahrungen bei Tonbändern gemacht.

PS: Die Moderation möge mir meinen Doppelpost verzeihen. Mein erster Beitrag zu diesem Gerät war zur Diskussion gedacht, wurde aber in das Reperatur-Unterforum verschoben. Da er bereits mehrere Tage zurückliegt und keine Antworten verfasst wurden, hätte er mir wohl auch hier nicht mehr genutzt.

Grüße
bukongahelas
Inventar
#2 erstellt: 23. Feb 2012, 22:48
So ein schwerer Rec-Ausfall kann nicht an einem magnetisierten Tonkopf liegen.
"die weißen rechteckigen Dinger" sind Kondensatortrimmer(variable C).
Sie dienen der Bias-Einstellung und bestimmen den Höhenanteil der
Aufnahme abhängig von der Bandsorte.
Nur wenn sie arg verstellt sind wird fast nichts aufgenommen.
Keinesfalls einfach dran drehen, ist Werkseinstellung und relativ sicher nicht Fehlerursache. Das gilt auch für interne Trimmpotis und Spulentrimmer.
Wenn man schon versuchsweise an Potis dreht, vorher Winkelposition des Schleifers notieren.
Solche Fehler sind meist Kontaktprobleme an Schaltern und Potis,
man sollte das zunächst durch Einsprühen mit Teslanol T6 oder Kontakt 61 (nur diese!) ausschließen.C-Trimmer garnicht einsprühen !
Hilft das nix, kann es an Transistoren 2SC458 liegen, falls solche verbaut sind.
Man findet solche Fehler zielgerichtet durch Signalverfolgung von der
Rec-Eingangsbuchse bis zum Rec-Tonkopf.
Wenn die Maschine getrennte Rec- und Play Köpfe hat:
Sind die Einstellschrauben der Tonköpfe noch originalverlackt ?
Könnte sein der RecKopf ist total "neben der Spur" verstellt.
Auch das verwendete Tonband muß völlig OK sein , also kein Uralt-Schmierband, das die Tonköpfe zusetzt, die natürlich völlig sauber sein müssen.
bukongahelas
michi1106
Stammgast
#3 erstellt: 24. Feb 2012, 09:11

Nur wenn sie arg verstellt sind wird fast nichts aufgenommen


Das kann durchaus der Fall sein. Die Schrauben waren als ich das Gerät geöffnet habe soweit herausgedreht, dass sie fast herausgefallen wären, und die Glimmerschicht war lose dazwischen gehangen.
Ich habe sie deshalb zugedreht

Die Schrauben des (separaten) Aufnahmekopfes sind nicht mehr mit Schraubensicherungen gesichert sondern lassen sich einfach drehen. Auf diese potentielle Ursache bin ich noch gar nicht gekommen. Ich werde heute mal versuchen den Kopf neu zu justieren.

Das Band gehört wohl nicht mehr zu den neusten, es schmiert tatsächlich schon ein bisschen. Muss ich jetzt aber erstmal als FQ ausschließen bis ich ein neues aufgetrieben habe. Und das mach ich erst wenn ich weiß dass dieses Tonband noch zu gebrauchen ist !

Die internen Potis dienen nur der Anpassung der Verstärkung des linken und rechten Kanals. Ich habe versucht mit maximaler bzw. verringerter Potieinstellung aufzunehmen, was keine Änderung hervorbrachte, deshalb habe ich die Einstellung wieder in den Urzustand versetzt (ca. 3/4).

Die Schalter im Gerät waren entsprechend verschmutzt, diese habe ich bereits mit Kontaktspray gereinigt und dadurch einige Probleme beseitigt. Ich hatte kein Kontakt 60, aber lt. Produktbeschreibung bei Conrad dürfte mein Mittel dieselbe Wirkung gehabt haben...?

Transistoren haben wir auch: je zwei 2SC458 und zwei BC5 468 bzw. zwei BC871 auf jeder Platine. Dann wird es wohl bitter und ich muss sämtliche Halbleiter (inkl. der LD3141) austauschen. Das TB rauscht eh wie Seuche, fast schon nicht mehr auszuhalten. Welche Transistoren empfiehlst du mir? Für die ICs habe ich im Netz zwei "Ersatzschaltungen" gefunden, eine mit einem anderen IC + Schaltung und eine die lediglich aus 2 Transistoren + Schaltung besteht.

Mfg
michi1106
Stammgast
#4 erstellt: 24. Feb 2012, 17:34
So!!! Status - Update:

1. Hauptursache waren vermutlich die 2SC458 der Wiedergabestufe. Ich habe sie ausgetauscht (und nach wiederhergestellter Funktion sicherheitshalber auch die beiden in der Aufnahmestufe) mit gewöhnlichen BC547C (was anderes in der Leistungsklasse hab ich nicht vorrätig). Die Aufnahme funktioniert nun halbwegs.

2. Aufnahmekopf nachjustiert. Nochmal etwas besser.

3. Die Trimkondensatoren waren wirklich falsch eingestellt, wodurch (teils) das verzerrte Signal entstand. Nun kann man sagen, ist es halbwegs akzeptabel. Das Rauschen ist weniger geworden, der Signalpegel auf dem Band ist zwar immer noch niedriger als der eingehende, aber in einem akzeptablen Rahmen. Den Rest schreibe ich dem schlechten Band zu.

Ich habe nun immer noch ein einziges großes Problem: Die Aufnahme funktioniert nun problemlos in Stereo, doch beim Monitoring (egal ob Aufnahme oder nur Wiedergabe) fällt immer wieder der linke Kanal aus (VU-Meter und Ausgangssignal). An den Schaltern zu wackeln / rütteln bewirkt nichts, deshalb vermute ich dass es diese nicht sein können.
Der linke Kanal springt dann wieder an, wenn man kurz die Masse vom Eingangssignal wegnimmt und in dieser Zeit ein extrem lautes Brummen entsteht (das ist wohl bei jedem Gerät so und man kennt es).
Nur durch diese extreme "Übersteuerung" springt die Stufe wieder an.
Muss ich auch hier mit einem defekten Halbleiter rechnen? Kontakte & Leiterbahnen habe ich schon alle 100%ig nachgelötet.

Mfg und -- vielen vielen Dank schon mal für die extrem nützlichen Tips!!!!!
Smokinfish
Stammgast
#5 erstellt: 24. Feb 2012, 23:01
Prüfe deine Arbeit nochmal, hast du einen Transistor verdreht? Dann solltest du die Kondensatoren wechseln, sie haben schon über 40 Jahre aufm Buckel. Ein leichtes Rauschen ist zu hören wenn man etwas lauter macht, das war normal damals in der Preisklasse. Trotzdem, nach Gehör einstellen ist nicht so das wahre, man merkt es meist erst wenn man seine Bänder auf einem anderen Tonbandgerät abspielt, es ist nicht 100% kompatibel.
Die Vormagnetisierung geht über den Löschkopf. Mit den Kondensatoren oben im Bild kann diese eingestellt werden.


[Beitrag von Smokinfish am 24. Feb 2012, 23:14 bearbeitet]
bukongahelas
Inventar
#6 erstellt: 25. Feb 2012, 05:07
Ich habe dieselbe Maschine schon einmal vollrestauriert.
- Wickeldornachse ausgebaut und gerichtet
- Zählwerkriemen erneuert
- Glühlampen der Laufwerktasten erneuert
- Capstan- und Wickelmotoren mit Sinterlageröl geschmiert
- Mechanik gefettet bzw geölt
- Gummiandruckrolle gereinigt (GummipflegeSpray)
- Bandlauf gereinigt , Köpfe entmagnetisiert
- Audioplatinen saniert , Elkos und 2SC458 erneuert , Trimmpotis gereinigt
Sehr servicefreundlich, die Platinen sind gesteckt.
- Kopfstellung (Spur , Tilt , Azimut) geprüft
- Auf Bandsorte eingemessen

GX 280 D SS

Wie die mit Audiotester gemessenen Aufnahme-Wiedergabefrequenzgänge zeigen , erreicht die Maschine durchaus Hifi Qualität auch bei 9,5cm/s.
Schaltet man noch 2 Telefunken CN-750 HighCom Einheiten dazu,
ist auch das sowieso schon recht gering normale Rauschen weg.

Klassische (Akai) Bandmaschinen sind mechanisch sehr robust gebaut.
Wer aber unsachgemäß dran rumschraubt (zB Biastrimmer festschraubt
oder nach Zufallsprinzip Trimmer oder Kopfschrauben verstellt) ,
fügt den vorhandenen Problemen (2SC458) noch weitere hinzu.
So eine verstellte Maschine läßt sich relativ einfach , aber zeitaufwändig wieder justieren. Dazu braucht man einige Meßgeräte, Bezugsbänder
und natürlich gutes Bandmaterial.

bukongahelas
michi1106
Stammgast
#7 erstellt: 25. Feb 2012, 11:03

Prüfe deine Arbeit nochmal, hast du einen Transistor verdreht?


Hab' ich gemacht. Alles ist richtig verschalten. Die linke Stufe ist ja auch nicht komplett tot, sondern fällt nur immer wieder aus und springt erst bei hohem Eingangssignal wieder an. Das war vor dem Transistortausch so und ist auch jetzt unverändert.

Die Kondensatoren sehen eigentlich noch sehr gut aus, Elkos wie auch die Folientypen. Ich schau mal was ich zum Tausch da habe. Aber wenn die Trimmereinstellung nicht 100%ig genau ist, macht das nichts. Ich werde mir eh ein neues, gutes Band kaufen und kann dann wie ich es bereits beim alten gemacht habe, ein Signal mit möglichst weitem Klangspektrum aufnehmen und in Abschnitten von 10-20 Sekunden die Trimkondensatoren justieren, um durch nachträgliches Abhören die beste Einstellung anzunähern. Ich bin 20 Jahre alt und werde kaum die Möglichkeit finden meine Bänder in Freundes- / Bekanntenkreisen abzuspielen, die hören nur von Youtube heruntergeladene qualitativ-grausamste MP3-"Musik". Deshalb macht das auch wenig Schaden mit der "Kompatibilität" auf andere Bandmaschinen.

Bei mir stehen immer noch die im Netz verschrieenen LD3141 im Verdacht, bzw. dass einer dieser scheinbar sehr fehleranfälligen ICs den Geist aufgegeben hat. Der Vorbesitzer hat übrigens nicht nur die Trimkondensatoren aufgeschraubt, sondern auch eine Zusatzleitung im linken Kanal eingebracht, welche eine nette Echo-Funktion implementiert auf die selbst Hersteller von Effektgeräten neidisch sein können, er hat selbst Transistoren auf der Platine gewechselt (allerdings lt. meinen Recherchen die falschen) und sämtliche Bedienelemente mit Fugensilikon "verstärkt"

Und bezüglich der Mechanik hat er die Gummi-Andruckrollen mit Öl/Gleitfett kontaminiert was neben ein paar anderen altersbedingten Problemen die komplette Mechanik unbrauchbar gemacht hat, aber das habe ich alles behoben bevor ich hier den Thread gestartet habe

Mfg
Smokinfish
Stammgast
#8 erstellt: 26. Feb 2012, 19:48
Bei den kleinen Kondensatoren ist nichts zu sehen sie werden trotzdem alt, die Trennschicht trocknet ein. Das Gerät scheint ja sehr verbastelt zu sein, da kann man eigentlich nur mit detektivischer Kleinarbeit versuchen, die Änderungen des Vorgängers wieder rückgängig zu machen und dann anfangen zu reparieren. Die ICs sind sowieso schwer oder gar nicht zu kriegen, also erstmal die Peripherie abchecken.

Die Frage vom anderen Post: S.R.T. heißt Super Range Tape.


[Beitrag von Smokinfish am 26. Feb 2012, 20:09 bearbeitet]
michi1106
Stammgast
#9 erstellt: 02. Mrz 2012, 16:38
So, vielen Dank für die Beteiligung & die Ratschläge.

Jetzt ist das Gerät wieder voll einsatzbereit und weist keine Fehler mehr auf.
Für andere die diesen Thread vielleicht googeln habe ich alle Infos zur Reperatur hier zusammengefasst.

Was habe ich gemacht:

- Gehäuse innen und außen gereinigt
- Mechanik geölt, schmierige Gummirollen gereinigt
- Hebelarm für "Pause" sowie Laufrollen fixiert
- Schalterkontakte gereinigt und Klemmen nachgelötet
- sämtliche Platinen / Kontakte nachgelötet
- schwergängige kratzende Potentiometer gereinigt und nachgeschmiert
- abgerissene Kabel wieder angelötet
- defekte Monitoring-Lautsprecher ausgetauscht
- Transistoren getauscht (siehe Grafik)
- zwei von vier LD3141 getauscht bzw. ersetzt (siehe Grafik)
- Tonköpfe nachjustiert (nur nach Gehör)
- Trimkondensatoren justiert (nur nach Gehör)
(- vom Vorbesitzer nachträglich eingebrachte Leitung entfernt)



Grüße
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