TR-350 "erschlagen", rechter Kanal defekt

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eisbaer143
Schaut ab und zu mal vorbei
#1 erstellt: 16. Jun 2012, 08:27
Hallo liebe Klassiker-Freunde,

Ich habe vor drei Wochen den Telefunken TR-350 aus eBay (um €26,-) bekommen.
Optisch top (aber leider der braune).

Dieser wurde als defekt verkauft, da der rechte Kanal "etwas" rauschte.
Der Fehler wurde nach vorsichtigem Abtasten nach einer Weile gefunden und
die schlechten Kontakte an der NF-Platine nachgelötet. Funktionierte wunderbar.
(Spitzen Klang!)

Einen Tag später kam plötzlich beim Radio hören ein Rauschen, welches jedoch
nicht durch schlechten Empfang verursacht wurde. -> durch klopfen auf das Gehäuse
war das Rauschen für eine Weile (z. B. 2 min.) weg und der Klang war wieder in Ordnung.

Beim dritten oder vierten Mal wurde offensichtlich mein "Klopfen" doch etwas zu heftig und
der rechte Kanal war tot.

Ich konnte keine defekten Sicherungen, Transistoren oder andere Bauteile feststellen.
In der Panik habbe ich an der Endstufenplatine nochmal alle Lötstellen nachgelötet;
leider ohne Erfolg.

Was mir auffiel: Der rechte Kanal wird scheinbar vom linken estwas "mitgerissen".
Das spürt man ab mittlerer Lautstärke am rechten Bass-LS.

Ich würde mich über Tips und Anregungen sehr freuen!

Multimeter und Lötkolben kann ich bedienen, ein paar Bauteile habe ich auch da (R, C, TR, ...)
(Service Manual habe ich auch schon, bin aber leider nicht ganz fit mit der Materie )

Danke für's Durchhalten bis hier!

Hier die Endstufenplatine ...
NF-Platine TR350

Das ist er ...
TR350


[Beitrag von eisbaer143 am 16. Jun 2012, 08:29 bearbeitet]
PBienlein
Inventar
#2 erstellt: 16. Jun 2012, 08:40
Hallo Eisbaer143,

am schwindenden Radioempfang wird entweder ein hochohmig gewordener Widerstand oder ein sterbender Transistor schuld gewesen sein, sofern man das aus der Ferne beurteilen kann.

Das andere Problem dürfte mechanischer Natur sein: auch schlechte Steckverbungen könnten so etwas auslösen. Hoffentlich hast Du beim Nachlöten keine ungewollten Brücken fabriziert. Habe alles schon gesehen und mühsam finden müssen. Da hilft nur, anhand der Schaltpläne die Spannungen im Gerät so lange kontrollieren, bis die Fehlerquelle eingekreist werden kann.

Gruß
PBienlein
Monsterle
Inventar
#3 erstellt: 21. Jun 2012, 22:17
1.: Wenn ich das richtig verstanden habe, hast Du bisher nur die Endstufe teilweise nachgelötet. Das sollte konsequenterweise mit allen Platinen sorgfältig gemacht werden. Das vor über 30 Jahren verwendete Zinn ist durch Oxidation gealtert und dadurch werden die Lötstellen brüchig. Das erklärt auch, weshalb klopfen kurzzeitig eine Besserung brachte. Desweiteren sollten die Schalt- und Steckkontakte gereinigt werden. TFK hat häufig versilberte Kontakte eingesetzt. Diese dürften durch Oxidation inzwischen schwarz angelaufen sein. Die Oxidschicht läßt sich z.B. mit einem Glasfaserradierer aus dem Zeichenbedarf reinigen.

Funktioniert denn die Wiedergabe vom Band- Phono und Monitor-Eingang?

2.: Auf der Platine vorn links ist ein Selen-Gleichrichter (roter Block mit AEG-Logo) erkennbar. Diese Art Gleichrichter macht durch ihre Charaktieristik in der Schaltung durchaus Sinn, sie altern aber ebenfalls und werden dabei hochohmig, bevor sie endgültig ausfallen. Dadurch können z.B. Versorgungsspannungen zusammenbrechen, so daß Teilschaltungen im Gerät ausfallen. Und wenn sie dann endgültig ausfallen, reißen sie meist auch gleich andere Teile der Schaltung mit in den Abgrund... Der Selen-Gleichrichter sollte bei dem Alter des TR350 also auf jeden Fall durch einen Si-Gleichrichter ersetzt werden, wobei es Typen im DIL-Gehäuse gibt, die mit dem roten Block 1:1 pinkompatibel sind.

3.: TFK hat für die Verbindung zwischen den einzelnen Modulen meist Starrdraht-Stegleitung eingesetzt. Nach ein paarmal biegen, z.B. durch Aus- und Wiedereinbau von Modulen, kommt es leicht zum Kabelbruch, der manchmal nicht offensichtlich ist.

4.: Elkos verlieren beim Altern ihre Kapazität durch Austrocknen. Auch das kann eine mögliche Fehlerquelle sein. Aber nicht gleich drauflos tauschen, erst die anderen genannten Abstellmaßnahmen versuchen.

Gruß,
Monsterle


[Beitrag von Monsterle am 21. Jun 2012, 22:21 bearbeitet]
eisbaer143
Schaut ab und zu mal vorbei
#4 erstellt: 04. Aug 2012, 14:55
Hallo,

Der Ausgang funktioniert weder beim Radioempfang noch bei externer Quelle.

Auf was ist beim Tausch des Gleichrichters zu achten?
Ich hätte hier ein paar B250C1500 oder KBU6K, bei welchen ich allerdings das Pinning ausdrehen müsste.

Danke!
Grundi69
Inventar
#5 erstellt: 04. Aug 2012, 15:08
Hallo!

Beim Austausch des Gleichrichters ist nur darauf zu achten, dass der Neue mindestens die Spannungs- und Stromfestigkeit hat, wie der alte.
Ich würde stark annehmen,dass bereits dein B250C1500 deutlich die Werte des alten roten übertrifft.
Beim Einbau eben nur peinlich darauf achten, dass die Kontakt-Pins richtig zugeordnet werden! (ist ja auf der Platine sauber aufgedruckt)

Gruß
Groomy


[Beitrag von Grundi69 am 04. Aug 2012, 15:10 bearbeitet]
eisbaer143
Schaut ab und zu mal vorbei
#6 erstellt: 04. Aug 2012, 15:36
Hallo Groomy,

Gesagt - getan. Der Si-GLR ist eingebaut und tut seinen Dienst. Leider nach wie vor nur ein Kanal ...
Mal weitersuchen ...
Grundi69
Inventar
#7 erstellt: 04. Aug 2012, 16:07
Hmmm, OK, aber ist trotzdem gut, dass dieser alte "Gleich-riecht-er" raus ist!

Hast du schon mal nach Steckverbindungen geschaut? Monsterle & PBienlein haben ja schon darauf hingewiesen: manchmal sind die Pins darunter ganz angelaufen. Letzens hatte ich einen Telefunken-Radiorekorder (der hatte auch noch so einen roten AEG Gleichrichter drin ), da hörte man das Radio nur, wenn man die Platine des Cassettenteils in einen bestimmten Winkel hielt
Letztlich war es dann eine Steckverbindung. Wieder blank poliert-> alles paletti.
Und hier sehe ich einige Steckverbindungen inkl. 2 gesteckte Platinen. Zieh die auch mal raus!
Und das grüne Kabel (das auf dem Bild von unten hoch kommt) mit der roten und gelben Ader könnte das Verbindungskabel vom Vorverstärker zur Endstufe sein. Sind die Litze richtig in den Kontakten? Mal dran wackeln.

Gruß
Groomy


[Beitrag von Grundi69 am 04. Aug 2012, 16:20 bearbeitet]
eisbaer143
Schaut ab und zu mal vorbei
#8 erstellt: 04. Aug 2012, 16:34
Also gewackelt, gezerrt und Kontakte angesehen habe ich, leider nichts.

Mir ist aufgefallen, dass, wenn ich die kleinen NF-Vorverstärker-Platinen (nicht fehlerhaft, da Fehler nicht mitwandert) abziehe und dann wieder aufstecke, hört man das am linken kanal sehr deutlich, am rechten nicht oder nur ganz leise.

Beim Einschalten knacken beide Lautsprecher gleich

Ich werde mal sehen, ob ich ersatztransistoren finde und diese mal tauschen ...
Monsterle
Inventar
#9 erstellt: 04. Aug 2012, 16:38
Genau, die Verbindungen zwischen den Leiterplatten, also die Steckkontakte und Kabel prüfen wäre dann wohl der nächste Schritt.Die Steckerstifte bekommt man z.B. mit einem Glasfaserradierer aus dem Zeichenbedarf wieder sauber, bei den Steckschuhen hilft Kontakt 60 und anschließendes Nachspülen (wichtig!) mit Kontakt WL. Danach gut trocknen lassen. K60 sollte übrigens nicht angewendet werden z.B. auf Schleiferschichten von Potis, da es diese angreift.

Die Kabelverbindungen lassen sich mit Hilfe eines Multimeters "durchklingeln".

Und ja, der Tausch des GR war natürlich eine Präventivmaßnahme, allerdings eine wichtige.

Gruß,
Monsterle
Monsterle
Inventar
#10 erstellt: 04. Aug 2012, 16:44

eisbaer143 schrieb:

Ich werde mal sehen, ob ich ersatztransistoren finde und diese mal tauschen ...


Würd ich nicht tun - einfach auf Verdacht drauflostauschen. Das kann gerade bei der Endstufe u.U. daneben gehn. Der bessere Weg ist, ein Signal einzuspeisen und dann nachzuverfolgen, bis es irgendwo fehlt, wo es sein sollte. Dazu braucht man allerdings ein Oszilloskop und das Wissen, was man an welcher Stelle der Schaltung anhand des Schaltplans erwarten sollte.

Gruß,
Monsterle
eisbaer143
Schaut ab und zu mal vorbei
#11 erstellt: 04. Aug 2012, 17:10
ich hab nur den K61, der muss wohl erstmal reichen ...
Mit den Transistoren warte ich ...
Leider besitze ich kein Oszi

Danke für die Ratschläge.
Monsterle
Inventar
#12 erstellt: 04. Aug 2012, 18:25
K61 wird folgendermaßen beschrieben:
"Kontakt 61 - Korrosionsschutz- und Schmieröl für elektrische Kontakte. Das Kontaktöl schützt und schmiert Gleit- und Steckkontakte. Es beugt störenden Fremdschichten vor und vermindert den Abrieb des Kontaktmaterials beim Stecken. Dadurch verlängert es die Funktionsfähigkeit neuer und gebrauchter Kontakte."

Es ist also gedacht zur Nachbehandlung der bereits gereinigten Kontakte.
eisbaer143
Schaut ab und zu mal vorbei
#13 erstellt: 04. Aug 2012, 19:03
Zu spät ...

Wer hätte das gedacht ... Kontakte gereinigt, nochmal nachgelötet und ... hab wieder super Stereo-Klang !!!
(warum hat da kein Wackeln an den Vorverstärkern geholfen??? )
Mal sehen, wie lange es so bleibt ...

Ich Danke Euch vielmals für Eure tatkräftige Unterstützung !!!

Demnächst werde ich mich mal um einen ziemlich versifften Grundig HiFi-Receiver kümmern ...

Schönes Wochenende wünsche ich!
hf500
Moderator
#14 erstellt: 04. Aug 2012, 19:52
@Monsterle,
Moin,
trotz der Beschreibung ist K61 in fast allen Faellen schon ausreichend wirksam. K60 ist eher die Ultima Ratio, wenn sonst nichts anderes mehr hilft. Ich habe es schon ewig nicht mehr gebraucht.

73
Peter
Grundi69
Inventar
#15 erstellt: 04. Aug 2012, 21:25
Hey, Eisbär, toll! Glückwunsch, freut mich
Jaja, der Teufel steckt bei diesen alten Schätzchen häufig im Detail

Schönen Sonntag
Groomy
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