Lernen Verstärker zu Reparieren

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Keksstein
Inventar
#1 erstellt: 10. Jul 2012, 20:46
Hallo,

ich will schon lange mein Wissen in NF Technik erweitern, zwar bin ich ausgelernter Elektroniker aber noch nicht sehr lange. NF Technik und Verstärker waren bei uns in der Ausbildung leider nie Themen weswegen ich mir einen Verstärker zum "einlernen" besorgt habe, einen Grundig V7500. Problem ist, das eine Endstufe defekt ist, schaut man sich das Ausgangssignal an stellt man auf dem Oszi fest das die negative Halbwelle eines Kanals komplett fehlt, die Positive Halbwelle ist natürlich auch nicht sauber. Die Frage ist nur wie ich bei der Fehlersuche vorgehe?

Ich würde Prinzipiell behaupten das +- Ub der Endstufen vorhanden ist, die Andere läuft Problemlos und sauber bis zur Clippinggrenze. (an Hochlastwiderständen mit einfachem Selbstbau Sinusgenerator und Oszi getestet) Deshalb wäre meine Vermutung ein defekter Endstufentransistor, ich würde also alle Endtufentransitoren Auslöten und mit einem Diodentester Prüfen. Jetzt kommt bloß mein erstes Problem, wie ermittle ich einen Ersatztyp wenn einer der Transistoren defekt ist, also auf was für Daten muss ich achten? (Basis Emitterspannung? Kollektor Emitterstrom? Kollektor Emitterspannung? Transitfrequenz?)

Oder ist mein Vorgehen komplett Falsch?

Ich hoffe das Ihr mir dabei helfen könnt, wie gesagt will ich etwas lernen mit dem Erfolg das das Gerät wieder anständig funktioniert.

Gruß

Jan


[Beitrag von Keksstein am 10. Jul 2012, 20:48 bearbeitet]
Grundi69
Inventar
#2 erstellt: 10. Jul 2012, 22:38
Hallo Jan!

Ich würde meinen, Dein Vorgehen ist gar nicht verkehrt. Das Messen der Versorgungsspannungen ist sicher immer die 1. gute Überlegung und die Transistoren in der Endstufe sind mit die meist belastetsten Bauteile in einem Verstärker. Sinnvoll könnte auch sein, das Signal zu verfolgen und mal am Übergang Vor<->Endverstärker zu oszilloskopieren.

Ersatztypen für Transistoren, Dioden, etc lassen sich z.B. hier suchen (und oft auch finden )
Wenn ich das richtig sehe, sind im V7500 GDV64A und 65A als Endtransistoren verbaut. Das sind wohl speziell für Grundig selektierte Varianten der BDV64A/65A. Diese können durch BDW84C/83C ersetzt werden

Besten Gruß
Groomy


[Beitrag von Grundi69 am 10. Jul 2012, 22:55 bearbeitet]
PBienlein
Inventar
#3 erstellt: 11. Jul 2012, 06:59
Hallo zusammen,

die Darlingtontransistoren lassen sich nicht immer zweifelsfrei (selbst im ausgelöteten Zustand) als defekt ausmessen, da in ihnen ja mehrere aktive und passive Bauteile vereint sind. Wenn man sich also nicht ganz sicher ist, hilft der Tausch der Darlingtontransistoren vom intakten zum defekten Kanal. Aber Achtung: Nach dem Auslöten der Transistoren im defekten Kanal unbedingt dort die Basisspannungen überprüfen! Nicht das da noch die Treiberstufe einen Fehler hat und man sich so auch noch die intakten Transistoren zerschießt.

Gruß
PBienlein
hf500
Moderator
#4 erstellt: 11. Jul 2012, 17:38
Moin,
und bei Wiederinbetriebnahme des reparierten Verstaerkers grundsaetzlich eine 60W-Lampe in Serie zur Netzzuleitung schalten. Die begrenzt den Stom, den der Verstaerker aufnehmen kann, so dass er nicht so leicht wieder "hochgeht", wenn noch Fehler vorhanden sind. Ist der Verstaerker in Ordung, wird er auch mit der Lampe in der Zuleitung funktionieren, zumindest eingeschraenkt (hohe Ausgangsleistungen sind nicht moeglich, aber fuer ein paar Watt Ausgangsleistung reicht es und man kann gefahrlos den Verstaerker einstellen.)

73
Peter
Keksstein
Inventar
#5 erstellt: 11. Jul 2012, 19:04
Hallo,

Danke für Eure Antworten!

@Groomy:

Die Liste Hilft mir schon mal weiter, vielen Dank. Mich würde noch interessieren wie man einen Ersatztyp manuell finden kann, also z.B. durch vergleich von Datenblättern. Auf was kommt es da an? Eventuell lassen sich ja "bessere" Typen finden? Du hast übrigens recht, im Verstärker sitzen jeweils 2 GDV65A und GDV64A.
Die lassen sich z.B. gar nicht auf der Seite finden, ohne Deine Hilfe hätte ich wieder ein Problem den Ersatztyp zu finden...

@PBienlein:

müsste ich nicht zuerst die Bauteile um den Endstufentransistor des defekten Kanals prüfen damit mir die Tauschtransistoren (auch mit vorgeschalteter Glühlampe) nicht direkt kaputt gehen? Ich meine einen Defekt der entsteht bevor ich überhaupt dazu komme die Spannungen zu messen, also beim einschalten.

@hf500:

Den Trick mit der Glühlampe habe ich schon mal bei einem Verstärker verwendet. Eigentlich können ja auch die neuen Transistoren defekt gehen trotz Glühlampe, müsste ich also nicht die Schaltungsumgebung zuerst untersuchen?

Prinzipiell werde ich jetzt so vorgehen:

Transistortyp ermitteln, Datenblatt suchen und rausfinden ob es ein Darlington ist oder nicht. Bei einem "Normalen" Transistor auf defekt der Diodenstrecken Prüfen und mit der Austauschliste neuen Typ auswählen (inclusive des Äquivalenten Typs zum Ersatzbauteil) . Transistoren auf beiden Kanälen Tauschen und über Glühlampe in Betrieb nehmen.

PS: hab es gerade nachgelesen, ist wirklich ein Darlington Typ, heute allerdings noch gut erhältlich. Ich bestelle mir jeweils 4 BDV65C und BDV64C, die "C" Typen unterscheiden sich hauptsächlich in der Kollektor Emitter und Kollektor Basis Spannung.

Gruß

Jan


[Beitrag von Keksstein am 11. Jul 2012, 19:21 bearbeitet]
Bertl100
Inventar
#6 erstellt: 11. Jul 2012, 20:46
Hallo zusammen,

GDV64A und 65A waren für Grundig (daher das G vorne) selektierte BDV64A und 65A.
Ersetzt werden können sie durch BDW84C und 83C.

Übrigens: ein sehr häufiger Fehler beim V7500:
R118/R119 hochohmig!
Die werden durch den Kleber in der Ecke aufgefressen. Da ist dann sonst meistens gar nichts defekt.
Das solltest du als erstes überprüfen.

Gruß
Bernhard
norman0
Inventar
#7 erstellt: 12. Jul 2012, 08:47
Hallo Jan,

Dein Vorgehen ist schon richtig. Ich mache das ähnlich. Erst mal alle Teile auf der Endstufe im eingebauten Zustand prüfen (Transistoren/Dioden mit Diodentest vom Multimeter, Widerstände werden gemessen). Verdächtige Teile werden ausgebaut und im ausgebauten Zustand noch mal überprüft. Was OK ist, wird wieder eingebaut. Defekte Teile werden alle ersetzt.
Bei Transistoren und Dioden muss manchmal auf Vergleichstypen zurückgegriffen werden. Meist bist du nicht der erste mit dem Problem. Eine Suche hier im Forum mit der entsprechenden Typenbezeichnung hilft oft weiter. Ansonsten fragen
Wenn alles kaputte erneuert wurde, fahre ich die Endstufe erst mal an meinem Labornetzteil (mit Strombegrenzung) hoch. Dazu schließe ich das Netzteil an die großen Ladekondensatoren an. Wenn Du alles richtig gemacht hast, sollte sie wieder spielen.
Keksstein
Inventar
#8 erstellt: 12. Jul 2012, 15:41
Hallo,

@Bertl100:


R118/R119 hochohmig!
Die werden durch den Kleber in der Ecke aufgefressen. Da ist dann sonst meistens gar nichts defekt.


Danke für den Hinweis!
Die Stelle hatte ich auch schon im Blick. Der Kleber hat an den Drähten von R118 u. 119 praktisch kaum Schaden angerichtet, dafür sind 2 kleine Widerstände daneben angefressen. Außerdem sind da noch 2 Dioden bei denen Die Beinchen extrem oxidiert sind, (durch den Kleber) ich werde mal den Ganzen "Bauteilhaufen" Prüfen und bei Bedarf ersetzen.

@norman0:

danke für den Tipp, ich dachte ich müsste Bauteile wegen der unbekannten Schaltungsumgebung sowieso immer auslöten, aber für eine Grundlegende Aussage müsste es oft reichen.
Einen Adapter mit einer Vorschaltglühlampe habe ich schon gebastelt, der ersetzt das Labornetzteil. Andererseits habe ich auch 2 getrennte Labornetzteile mit der sich die Symmetrische Spannungsversorgung aufbauen lässt. Ist vor allem eine Gute Idee wegen der eingebauten Strombegrenzung der Netzteile, dann kann wirklich wenig passieren...

Gruß

Jan
norman0
Inventar
#9 erstellt: 12. Jul 2012, 16:11
Der Test mit der Glühlampe ist bei mir der zweite. Wenn der auch in Ordnung ist, geht es normal ans Netz.
Grundi69
Inventar
#10 erstellt: 12. Jul 2012, 20:12
Hallo!

Ja, die BDV64/65A sind ja auch noch erhältlich, allerdings sind es (wie auch die BDW83/84C), wenn kein Hersteller explizit genannt wird, häufig Nachbauten vom chinesischen Hersteller ISC. Über deren Qualität gibt es, milde ausgedrückt, geteilte Meinungen.

Bessere Typen: Ich weiß nicht, ob diese hier passen: Sanken
Was meint ihr?

Hast du den Schaltplan schon gefunden? Sonst hier und hier.

Ich bin sicher, du kriegst den wieder hinimages/smilies/insane.gif

Gruß
Groomy


[Beitrag von Grundi69 am 12. Jul 2012, 22:32 bearbeitet]
Bertl100
Inventar
#11 erstellt: 12. Jul 2012, 22:40
Hallo zusammen,

@Groomy
ich hatte ehrlich gesagt noch keinen V7500 mit defekten Endtransistoren!
Bei vergleichbaren Grundig-Endstufen hab ich bisher immer BDW83/84C verbaut.
Und zwar auch welche von ISC ....
Dad bin ich also keine echte Hilfe!

@Keksstein
Der Kleber in der Ecke muß vorsichtig aber vollständig entfernt werden.
Ist ein ewiges Gekratze!
Die Widerstände kannst auch eingebaut mal grob überprüfen - vergleichend zum funktionierenden Kanal. Gerät aus, Multimeter im Ohmbereich. Eine defekte Zenerdiode hatte ich da noch nie.

Gruß
Bernhard
Keksstein
Inventar
#12 erstellt: 13. Jul 2012, 16:59
Hallo,

Wenn ich die Transistoren nachbestelle nehme ich die von Reichelt, leider steht tatsächlich kein Hersteller dabei. Naja, das Datenblatt ist von einem Hersteller aus UK.

Vielen Dank für den Schaltplan! Nein, den hatte ich bis jetzt noch nicht!

Die Widerstände sind von den Werten alle auf beiden Kanälen gleich, die scheinen noch Ok zu sein.

Die beiden Z-Dioden D7 und D8 sind allerdings die auffälligsten Bauteile dieses Blocks, die eine hat einseitig Grünspan am Beinchen und ein Pin ist fast durchgerostet, die andere sieht auch nicht besser aus. Ich löte beide mal heute Abend aus und teste sie, dank des Schaltplans weis ich auch welcher Typ Diode reingehört. (Die Beschriftung der original Diode ist komplett abgegangen) Selbst wenn die Dioden noch in Ordnung sind tausche ich sie aus, allzu lange halten die nicht mehr.
Außerdem Prüfe ich mit Hilfe des Schaltplans ob die Spannungswerte an den Messpunkten im defekten Kanal noch passen.

Gruß

Jan
Grundi69
Inventar
#13 erstellt: 14. Jul 2012, 15:44
Jan, auf elektrotanya findet sich noch das komplette Service Manual im pdf-Format. Die obigen Links zu den 2 .jpg Bildern sind nur ein Teil.

Welche hast du denn nun bestellt? Ich habe reichelt auch schon mal die BDW83C und 84C bestellt. Bekommen habe ich die einen von ISC und die anderen von STM. Das ist eben der Mist, wenn kein Hersteller dabeisteht.

Gruß
Groomy


[Beitrag von Grundi69 am 14. Jul 2012, 15:58 bearbeitet]
Bertl100
Inventar
#14 erstellt: 14. Jul 2012, 16:12
Hallo zusammen,

@Groomy:
Den Mist kenne ich! Wie du bestelle ich solche Pärchen daher nur noch, wenn der Hersteller dabeisteht.
Dabei wäre es ja ok, wenn BEIDE von ISC kommen...

Gruß
Bernhard
E130L
Inventar
#15 erstellt: 22. Jul 2012, 13:18
Hallo,


müsste ich nicht zuerst die Bauteile um den Endstufentransistor des defekten Kanals prüfen damit mir die Tauschtransistoren (auch mit vorgeschalteter Glühlampe) nicht direkt kaputt gehen? Ich meine einen Defekt der entsteht bevor ich überhaupt dazu komme die Spannungen zu messen, also beim einschalten.


Bei der klassischen Endstufenschaltung (Komplementärtransistoren in Kollektorschaltung) wird die Ausgangsspannung von der Treiberstufe geliefert und die Endstufe macht nur noch Stromverstärkung.
Man kann die Endstufe deshalb ohne Last auch ohne Endtransistoren prüfen.

MfG
Volker
ahead666
Schaut ab und zu mal vorbei
#16 erstellt: 14. Dez 2016, 15:30
Sehr schöner Thread hier, obwohl schon etwas älter wie ich sehe..aber mir geht es ganz genauso wie dem Threadersteller, mit der gleichen Ausbildung aber relativ wenig Praxiserfahrung in dem Bereich.


.
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