Hitachi HS-220

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fborn
Ist häufiger hier
#1 erstellt: 17. Aug 2012, 16:41
Hallo,

heute ist mir ein Paar Hitachi-HS 220 für kleines Geld zugelaufen. Optisch finde ich sie recht ansprechend und der Zustand ist auch sehr ordentlich. Leider ist der Klang etwas dumpf. Mich würde interessieren ob man sie eventuell etwas optimieren könnte und ob jemanden die Chassis bekannt sind.

Hitachi HS-220
Hitachi HS-220

Die vermeintliche Abdeckung ist in Wahrheit keine Abdeckung sondern einfach eine bespannte Frontplatte die von innen mit 10 Schrauben befestigt ist. Der Innenaufbau sieht so aus:

Hitachi HS-220 Innen

Hier mal die Bezeichnungen auf den Chassis:

Hitachi HS-220 MT/TT
Hitachi HS-220 HT

Der Zustand von vorne:

Hitachi HS-220 Sicken

Und hier noch ein paar Fotos von der Frequenzweiche:

HS-220 Weiche
HS-220 Weiche

Für mich sehen beide Chassis recht gut aus. Nur die Weiche sieht für mich sehr einfach aus. Eigentlich kenne ich sowas nur von Breitbändern, wobei ich mich auch nicht wirklich auskenne mit Frequenzweichen. Interessant ist auch, dass der MT/TT und der HT parallel an den Klemmen hängen, nur dem HT ist die Schaltung aus Elko und Widerstand vorgeschaltet.

Könnte man den Klang durch eine bessere Weiche verbessern? Löten ist für mich kein Problem. Die Grundlagen vom Weichendesign könnte ich mir wohl auch aneignen, ich schätze die richtigen Trennfrequenzen der Chassis dürften eher das Problem sein, oder liege ich falsch?

Für jegliche Infos wäre ich sehr dankbar.
Poetry2me
Inventar
#2 erstellt: 17. Aug 2012, 18:52
Hallo fborn,

hatte schon viel mit Hitachi zu tun, aber noch nie mit deren Boxen.

Ja, was man dort erkennt, ist dass der Tiefmitteltöner als Breitbänder direkt angeschlossen ist und der Hochtöner eine recht einfache (6dB/Okave) Weiche in Form eines einzigen Kondensators hat. Der Der Widerstand dämpft ihn ein wenig.

Du kannst und solltest auch unbedingt den Kondensator gegen einen ordentlichen Folienkondensator austauschen. Ich nehme immer die MKP-Typen mit 400V von Intertechnik, weil sie gut klingen und kaum teurer sind als die MKT.

- Poetry2me
fborn
Ist häufiger hier
#3 erstellt: 17. Aug 2012, 19:20
Danke für den Hinweis. Sollte ich den Kondensator in der gleichen Kapazität wählen?

Wie stark schätzt du die Verbesserung ein? Sie klangen schon sehr dumpf, schon fast als würde ein Teppich über dem LS liegen im Vergleich zu den Quadral Tribun MK V. Beide Paar wurden am Hitachi SR-502 verglichen.

Gruß,

Friedrich
Poetry2me
Inventar
#4 erstellt: 17. Aug 2012, 22:38
Ja, ich würde den Kondensator erst mal in der gleichen Kapazität nehmen. Es ist schwer einzuschätzen, wie stark der Elko gealtert ist. Ich habe schon reihenweise Elkos in Frequenzweichen getauscht. Das war jedesmal ein deutlich hörbarer Unterschied, und zwar besonders bei dem Elko vor dem Hochtöner.

Du kannst auch noch den Widerstand vor dem Hochtöner reduzieren, um die Höhen noch besser zu betonen. Also prüfe mal den Widerstand und bestelle gleich noch einen Wert, der um 1 bis 2 Ohm tiefer liegt, also 5,6 Ohm oder 4,7 Ohm.
Genauso kannst Du experimentell einen 2,2µF Kondensator einsetzen (anstatt 1,5µF) . Dadurch wird es im Übernahmebereich (um 4kHz) dann etwas dicker auftragen.

Falls all das immer noch nicht zum Ziel führt, muss zunächst bedacht werden, dass wir keine Informationen über die beiden Chassis haben und eine Weichenentwicklung deshalb mit viel Ausprobieren verbunden ist. Ob das Ergebnis wirklich gut ist, kann man ohne Messung nur schwer herausfinden. Mit der Quadral daneben hast Du zwar eine gewisse Orientierung, aber es ist eigentlich nur mit sehr viel Erfahrung möglich, aus dem Klangbild auf die Frequenzweichenwerte Rückschlüsse zu ziehen und diese zu verändern.

- Poetry2me


[Beitrag von Poetry2me am 17. Aug 2012, 22:39 bearbeitet]
bukongahelas
Inventar
#5 erstellt: 18. Aug 2012, 20:28
So ein 6dB Hochpaßfilter kann man so berechnen:

f = 1 / (2pi x R x C)
einfacher:
f = 1/ (6,28 x R x C)
f = Trennfrequenz (-3dB Punkt) in Hertz (1/s)
R = Widerstand in Ohm
C = Kapazität in Farad (Mikofarad entsprechend mit 10hoch-6 eingeben)

Da dem 8 Ohm Hochtöner noch 6,8 Ohm reihegeschaltet ist ,
muß man hier mit 8 + 6,8 = 14,8 Ohm rechnen.

1/ (6,28 x 0,0000015 F x 14,8 Ohm) = 7173 Hz
(1,5yF = 0,0000015 Farad = 1,5x10hoch-6 Farad)
Eine recht hohe Trennfrequenz.
Der Vorwiderstand nimmt fast die Hälfte Pegel weg.

Ohne den 6R8 :
1/(6,28 x 0,0000015 F x 8 Ohm) = 13270 Hz
Viel zu hoch. Voller Pegel.

Probiere das:
2.2yF und 2,2 Ohm Vorwiderstand:
1/(6,28 x 0,0000022 F x 10,2 Ohm) = 7096 Hz.
Trennfrequenz bleibt etwa gleich , aber nur ca ein Viertel Pegelverlust.

Die Formel zeigt , daß man mit C , Vorwiderstand und HT-Widerstand die
Grenzfrequenz einstellen kann.
Ein fetterer C und ein größerer Vorwiderstand ziehen die Frequenz nach unten.
Der Vorwiderstand stellt aber auch den Pegel ein.
Mit der Formel und Taschenrechner kommt man schneller zum Ziel als
nur durch Ausprobieren.
Man kann die Formel auch umstellen und zielgerichtet auf R oder C rechnen.
bukongahelas
shabbel
Inventar
#6 erstellt: 19. Aug 2012, 06:07
Ein solcher Tieftöner klingt mit viel locker gefüllter Steinwolle sicher besser als mit der normalen Dämmwolle. Der Bass wird tiefer und der Präsenzbereich um 1500 Hz weniger auffällig. In geschlossenem Gehäuse ist Steinwolle auch nicht tragisch. Bei Bassreflex sollte man davon Abstand nehmen.

Beim Hochtöner schliesse ich mich meinen Vorrednern an. Weniger Widerstand und ein größerer Elko. Daran führt kein Weg vorbei. Der Elko könnte sogar 4,8 µF groß sein.
Dann ist der Hochtöner minderwertiger als der Tieftöner. Hier dürfte ein vernünftiger und genügend großer Kalottenhochtöner einen besseren, druckvolleren Klang machen. Ich persönlich bevorzuge die typischen alten 10 cm Konushochtöner aus alten Radios und Truhen. Die haben meist eine sagenhafte Auflösung, sind aber weniger druckvoll als Kalotten. Hier ist darauf zu achten, daß es sich um Hochtöner mit geschlossenem Korb oder nur kleinen Öffnungen handelt, die man zukleben kann.
Poetry2me
Inventar
#7 erstellt: 19. Aug 2012, 07:28
Bei einer Aussage darüber, welchen Vorwiderstand der Hochtöner benötigt, wäre meiner Meinung nach abzuwarten, wie hoch sein Wirkungsgrad ist.

Es war vielleicht auch schon damals nicht unüblich, die Hochtöner grundsätzlich mit einem höheren Wirkungsgrad zu fertigen, um sie dann je nach Anwendungsfall herunterzudämpfen.

Ansonsten ist eine Kombination aus einem kleinen Bretbänder mit einem (tief angekoppleten Bass) auch heutzutage noch zu finden (sogenannte "FAST" Systeme). Allerdings kann hier von tiefer Ankopplung wohl keinen Rede sein, bei 1,5µF. Wir kennen leider auch keinen Frequentgang der Chassis, so dass schwer einzuschätzen ist, bis wie tief runter der Hochtöner betrieben werden könnte. Sicher aber noch ein bis zwei Oktaven tiefer.

- Poetry2me


[Beitrag von Poetry2me am 19. Aug 2012, 07:28 bearbeitet]
fborn
Ist häufiger hier
#8 erstellt: 19. Aug 2012, 12:56
Danke für die Hilfestellungen!

Macht es bei den Drahtwiderständen einen Unterschied ob es 5W oder 10W sind?
Ich werde mir die Tage mal die Teile besorgen und demnächst die LS umrüsten. Bin auf die Veränderungen sehr gespannt. Leider werde ich wohl erst in 2 Wochen dazu kommen.

Mal aus Interesse, würde es Sinn machen dem Breitbänder einen Tiefpassfilter vorzuschalten oder würde es die Mitte stark beschneiden?
Poetry2me
Inventar
#9 erstellt: 19. Aug 2012, 13:18
Leistungswert der Widerstände:

Bei Hochtönern, insbesondere bei Regalboxen, dürften 5W Widerstände immer genug sein.


Tiefpassfilter vor dem Tiefmitteltöner/Breitbänder:

Schwer zu sagen, ob dann etwas fehlt bei den oberen Mitten. Sauberer wäre es, weil die Verzerungswerte vieler Tiefmitteltöner zu den oberen Mitten hin zunehmen.

Möglicherweise sollte man das kombinieren mit einer Senkung der Übernahmefrequenz beim Hochtöner.
bukongahelas hat ja berechnet, dass sie derzeit bei ca. 7kHz liegt. Besser wären z.B. 3kHz, was in etwa mit 2,2µF zu erreichen wäre (feuchter Daumen).

- Poetry2me
shabbel
Inventar
#10 erstellt: 19. Aug 2012, 13:58

Poetry2me schrieb:
Besser wären z.B. 3kHz, was in etwa mit 2,2µF zu erreichen wäre (feuchter Daumen).


Je nach Vorwiderstand müßte der Kondensator bei 3000 Hz eher um die 4 µF haben.
fborn
Ist häufiger hier
#11 erstellt: 19. Aug 2012, 14:34
Also beim Tiefpassfilter bräuchte ich dann wohl eine 0,47mH Spule. Ohne Widerstand wäre ich dann bei einer Trennfrequenz von 2840Hz, wenn ich mit L(mH)=(159*R)/f rechne.

Ich werde es mal ohne Tiefpassfilter für den Breitbänder und einmal mit testen. Mal schauen was besser klingt.
bukongahelas
Inventar
#12 erstellt: 19. Aug 2012, 16:35
Den Hochtöner durch Mivoc HGH258FN ersetzen.
Kenne keinen besser klingenden für das Minigeld.
Hält auch einiges aus dank Ferrofluid , wenn er oberhalb 4kHz betrieben wird,
auch mit 6dB Filter.
bukongahelas
fborn
Ist häufiger hier
#13 erstellt: 09. Sep 2012, 14:34
So, ich konnte endlich Zeit finden um an den Hitachis zuarbeiten. Ich hab erstmal die Tiefpassfilter doch weggelassen und nur mit dem Hochpassfilter experimentiert. Schon der Austausch des Elkos gegen einen Intertechnik MKT mit gleicher Kapazität hat schon eine hörbare Verbesserung gebracht. Der Hochtöner war viel präsenter, aber es klang weiterhin etwas verhangen.

Daraufhin habe ich im anderen LS die Empfehlung von bukongahelas mit dem 2,2Ohm Widerstand und dem 2,2uF Kondensator ausprobiert. Das hat den Klang noch mal eine ganze Ecke gesteigert. Ich habe etwa eine Stunde immer abwechselnd zwischen dem LS mit dem neuen Folienkondensator und dem LS mit der modifizierten Weiche hin- und hergeschaltet. Durch den modifizierten Hochpassfilter löst sich die Musik besser vom LS und klingt lebendiger. Der einzige Nachteil ist nur, dass der Bass dadurch etwas weniger präsent ist. Jedoch werde ich sie wohl erstmal ein meinem Braun regie 510 betreiben, weil dessen Loudness Feature die Schwäche sehr dezent kaschiert.

Ich danke euch für die tollen Anregungen, so konnte ich aus den 10€ Hitachis mit geringem Aufwand sehr brauchbare Lautsprecher machen
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