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Pettersson, Allan

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Beitrag
SirToby
Hat sich gelöscht
#1 erstellt: 15. Mrz 2004, 00:08
Hallo,

ich hätte gerne mal eure Meinungen zu den Orchsterwerken von Allan Pettersson. Ich höre gerade seine 7. Sinfonie und die ist ziemlich gut, wie ich finde. Das langsame, wehmütige gefällt mir gut. Super finde ich auch das 2. Violinkonzert (etwas ruppiger zu Beginn, aber insgesamt super). Aber bei Pettersson bin ich mir ja nicht so sicher. Das 1. Violinkonzert ist wirklich was für harte Ohren. Mich hat es nie so richtig gepackt.
Das als Einleitung, um mein "Hören" bzgl. Pettersson zu beschreiben.

Was würdet ihr dann zu den restlichen Sinfonien / Konzerten (gibts überhaupt noch andere?) sagen? Sind die auch so gut bzw so in der Art wie 7.Sin/2.Vk? Oder doch eher so wie das 1.Vk?

-Tobias
BigBerlinBear
Stammgast
#2 erstellt: 15. Mrz 2004, 18:54
Allan Petterson (1911-1980) hat zwischen den 50ger Jahren bis zu seinem Tod 16 Symphonien geschrieben, von denen die 7. am bekanntesten wurde, weil sie, trotz aller vorhandenden
Sperrigkeiten, noch am eingängigsten ist.
Petterssons Musik würde ich generell nicht als "leichte Kost" bezeichnen; da ist es nie möglich, nur mal so "nebenher" zu lauschen; er fordert schon konzentrierte Aufmerksamkeit. Der Komponist selber hat sich als "Bekenntnismusiker" definiert. Ich halte ihn im späten 20. Jahrhundert für den einzigen Symphoniker, der neben Dmitri Schostakowitsch bestehen kann. Petterssson war jahrenlang unheilbar krank und ans Bett gefesselt; er musste sich seine Werke einem mehr und mehr versagendem Körper abringen. Ich denke, auch aus diesem Grunde klingt manches von ihm sehr harsch und wenig "kulinarisch".
Die Gesamtaufnahme seiner Symmphonien kannst du zu einem Spottpreis bei JPC (die haben sie auch produziert) erwerben.
op111
Moderator
#3 erstellt: 21. Mrz 2004, 18:48
Hallo zusammen,

ich habe heute im Konzert u.a. eine Pettersson-Sinfonie gehört.

http://www.theater-essen.de/asp/philframe.asp?WERK=493
Allan Pettersson: Sinfonie Nr. 8

Essener Philharmoniker
Petter Sundkvist
http://www.theater-essen.de/asp/biophilframe.asp?KUENSTLER=858

Überwältigend!
Hier in NRW gab's vor Jahren (ca. 2000 ?) schon mal einen Gesamtzyklus der Sinfonien. Da hat's aber noch nicht so gezündet.
Die Achte steht m.E. in der Linie 9./10. Mahler - 8. Schostakowitsch. So sperrig finde ich die Musik nicht (mehr).
Muß mich unbedingt mal wieder mit Allan Petterssons Musik beschäftigen.

Gruß
Franz


[Beitrag von op111 am 21. Mrz 2004, 18:49 bearbeitet]
BigBerlinBear
Stammgast
#4 erstellt: 21. Mrz 2004, 21:23
Hallo Franz, die symphonien 7 und 8 sind ganz sicher Petterssons "zugänglichste" Werke, wobei sich 7 und 8 auch im Aufbau gleichen. Nr. 13 z.b. ist ein wirklich "harter Brocken", erinnerte mich an Varese (Arcana). 7 und 8 sind die einzigen Symphonien, die man hin und wieder auch in Konzerten hören kann; was die Konzerte angeht, sieht es ein wenig besser aus aber stell dich einfach mal an einem ganz normalen Abonnementsabend an den Eingang der Philharmonie in Berlin und frage, ob den Namen des Komponisten schon mal jemand gehört hat. Also wenn du da einen von 100 triffst, die den kennen, isse sein Superergebnis.
op111
Moderator
#5 erstellt: 21. Mrz 2004, 21:32
bbb:
stell dich einfach mal an einem ganz normalen Abonnementsabend an den Eingang der Philharmonie in Berlin und frage, ob den Namen des Komponisten schon mal jemand gehört hat. Also wenn du da einen von 100 triffst, die den kennen, isse sein Superergebnis.


Hallo BBB,
das war übrigens ein ganz normales fast ausverkauftes Abokonzert, wie auch das mit der 7. vor einiger Zeit.

In Berlin ist man wohl konservativer .

Stell dir mal analog die Situation für Brahmssinfonien 20 Jahre nach JBs Tod vor. Unser Konzertbetrieb konserviert immer mehr Museumsstücke und verliert das Leben aus dem Blick.

Gruß
Franz
BigBerlinBear
Stammgast
#6 erstellt: 22. Mrz 2004, 01:43
LOL also wenn man 20 jahre nach dem Tod von Brahms also 1917) vor dem Gewandhaus zu Leipzig; damals eine DER Topadressen für Musik in Deutschland unter dem Chefdirigenten Artthur Nikisch, nach Brahms und seinen Symphonien gefragt hätte, möchte ich wetten,
daß damals fast alle bescheid gewusst hätten; selbst im thüringischen Provinkaff Meiningen wär die Befragung vergleichsweise positiv ausgefallen
Markus_Berzborn
Gesperrt
#7 erstellt: 22. Mrz 2004, 01:51

Ich halte ihn im späten 20. Jahrhundert für den einzigen Symphoniker, der neben Dmitri Schostakowitsch bestehen kann.


Wobei man allerdings sagen muss, dass sich viele der begabtesten Komponisten in der 2. Hälfte des 20. Jhd. erst gar nicht mit der Gattung "Sinfonie" beschäftigt haben.
BigBerlinBear
Stammgast
#8 erstellt: 22. Mrz 2004, 13:09
[Wobei man allerdings sagen muss, dass sich viele der begabtesten Komponisten in der 2. Hälfte des 20. Jhd. erst gar nicht mit der Gattung "Sinfonie" beschäftigt haben.[/q1]

Ja das ist wohl wahr und ich nehms auch keinem übel, wenn er die Symphonik für eine abgehalfterte Gattung hält, in der seit Mahlers Adaigo der 9. alles gesagt ist was denn zu sagen wäre... DIE Komponisten im 20 Jahrundert, die ich für maßstäblich halte(Strawinski,Messiaen, Lutoslawski,) hatten, wenn auch auf verschiedenste Weise, alle etwas mit der Sinfonie als Form am Hut, von den Beispilen aus der klassischen Moderne (Schoenberg, Berg, Webern) einmal ganz abgesehn...
ThomasMünchen
Neuling
#9 erstellt: 05. Jun 2004, 19:05
Hallo Tobias,

fein, dass es hier immerhin ein paar Leute gibt, die von Pettersson schon mal was gehört haben.

Das 1. Violinkonzert ist recht untypisch für Pettersson. Es stammt aus einer Zeit, als er seinen eigenen Stil noch suchte, noch bevor die Reihe der 16 Symphonien begann.

Unter den Symphonien würde ich zum Einsteigen nicht nur die 7. empfehlen (sicher die bekannteste), sondern vor allem auch die 15. von 1978. Sie ist nicht allzu lang (32 min in der hervorragenden BIS-Aufnahme aus Norrköping mit L. Segerstam), klar gegliedert und dramaturgisch aufgebaut, so dass man gut folgen kann.

Wenn du das 2. Violinkonzert magst, wird dir sicher auch das (nachgelassene) Violakonzert gefallen; bei BIS mit Nobuko Imai ganz toll eingespielt (gekoppelt mit der 5. Symphonie).

Natürlich sind auch die cpo-Aufnahmen sehr verdienstvoll, allerdings ist es keine Gesamtaufnahme, denn es fehlt eine der wichtigsten Pettersson-Symphonien: die 12.! Sie ist mit Chor, auf Texte von Pablo Neruda ("Die Toten auf dem Marktplatz"), leicht fasslich und ungemein beeindruckend. Leider gibt es davon nur eine einzige Aufnahme aus dem Schweden der 70er Jahre, in grausiger Aufnahmequalität, und auch die scheint vom deutschen Markt verschwunden zu sein. Auch die der 12. recht ähnliche Kantate "Vox humana" hat das gleiche Schicksal erlitten.

Und noch ein Geheimtipp: Der Klavierlied-Zyklus "Barfußlieder" aus den 40er Jahren, wunderbar aufgenommen bei cpo mit Monica Gropp. Ganz schlichte und bewegende Melodien (auf eigene, z.T. recht surreale Texte Petterssons), von denen viele an entscheidenden Stellen in den Symphonien wiederkehren.
teleton
Inventar
#10 erstellt: 15. Sep 2005, 13:03
Hallo Musikfreunde,

es ist nicht immer alles positiv in der Musikszene und ich bin nun wirklich ein Anhänger der Musik des 20.Jahrhunderts, aber es gibt auch Komponisten, die mir absolut nichts sagen.images/smilies/insane.gif

Durch Anregung eines Kollegen vor ca.10Jahren habe ich mich verstärkt mit nordischen Komponisten beschäftigt.
Mit einem Nordlicht kann ich jedoch nichts anfangen und der heißt
[b]Allan Pettersson (1911 - 1980)[/b].
Von dem hatte ich mir mehrere CD´s ausgeliehen und diese auch aufgenommen, da hier und da mal was brauchbares zu hören war. Aber der Komponist muß Zeit seines Lebens nicht mit sich im Reinen gewesen sein, was sich in seiner Musik wiederspiegelt, die von absoluter Entsagung geprägt ist.
Auf mich wirken die langen Sinfonien langatmig und langweilig und man muß oft ca.45Minuten warten bis sich "mal etwas tut" und ein gefühlsmäßiger Ausbruch erscheint oder sonst etwas interessantes kommt.
Also dazu ist mir meine wertvolle Zeit zu schade.

In diesem Forum habe ich schon gelesen, das es einige wenige Hörer gibt, die ihn mögen - na denn !

Wie steht es mit Euch ??? Was haltet Ihr von diesem Chaoten ?


[Beitrag von vanrolf am 15. Sep 2005, 15:59 bearbeitet]
Ifukube
Stammgast
#11 erstellt: 15. Sep 2005, 14:24
Wieso so herablassend?
Ich halte von diesem Komponisten - er war im Übrigen kein Chaot - viel. Das Besondere an Petterssons Musik ist gerade diese ewige Unausgelichenheit, vorallem in den sinfonischen Werken, die sich erst zum Ende auflöst. Sicherlich mag das auch an seiner persönlichen Geschichte liegen, die von physischer und psychischer Krankheit gekennzeichnet ist.
Vielleicht bist du einfach mehr der beschwingte, beherzte Typ a la Helmut Lotti oder Andre Rieu. Musst deine Zeit ja nicht mit den düsteren, depressiven Werken vergeuden.

Gruß,
Ifukube
vanrolf
Inventar
#12 erstellt: 15. Sep 2005, 16:35
teleton schrieb:

Allan Pettersson - Wie steht es mit Euch ??? Was haltet Ihr von diesem Chaoten ?

Hallo zusammen,

Schwer zu sagen. Aufgrund einiger Artikel, die ich gelesen hatte und der Tatsache, daß die vielgelobte cpo-Serie mit Pettersson-Aufnahmen z.Zt. einigermaßem bezahlbar angeboten wird, habe ich vor ein paar Wochen den Sprung ins kalte Wasser gewagt und mir drei Pettersson-Sinfonien zugelegt, nämlich die Nos. 6,7 und 9. Diese drei deshalb, weil ich las, daß Pettersson mit der No. 7 im Jahre 1969 quasi seinen "Durchbruch" hatte (bezogen auf seinen Bekanntheitsgrad und seinen Ruf als bedeutender, zeitgenössischer Sinfoniker), daß die No. 6 sein "schwärzestes" Werk sei (irgendwie faszinieren mich Extreme ) und daß die No. 9 eine Art Übergang zwischen Petterssons "mittlerem" Hauptwerk (es umfasst, wenn ich mich richtig erinnere, im sinfonischen Bereich die Sinfonien No. 5-9) und seinem angeblich deutlich kontrastreicheren Spätwerk darstelle.



Um es kurz zumachen: Zu der No. 6 bin ich erst einmal kurz gekommen, dazu kann ich noch nichts sagen. Die No. 7 habe ich mehrmals gehört, und sie gefällt mir von Mal zu Mal besser, ich habe übrigens auch keine Probleme damit, sie komplett durchzuhören. Ehrlich gesagt war ich von weiten Teilen sogar sehr überrascht, weil sie auf mich (im ersten Eindruck) eher angenehm und leicht zugänglich wirkten. Als chaotisch habe ich die Musik nicht empfunden, eher als vielschichtig, sie klingt für mich bei jedem Hören anders.
Die No. 9 (2-3 mal gehört) hat tatsächlich eine ganz andere Dynamik, es gibt hier weniger "langgezogene" Passagen als eine an Collage erinnernde Kompositionsweise. Zugegeben, diese Sinfonie hat mich bisher auch noch nicht so angesprochen.

Das sind jetzt natürlich keine profunden Beschreibungen von mir, dazu ist es einfach noch zu früh, jedenfalls finde ich die Musik bisher interessant genug, um sie mir weiter anzuhören. Bei Gelegenheit werde ich meine weiteren Eindrücke dann schildern.

Gruß Rolf


[Beitrag von vanrolf am 15. Sep 2005, 16:36 bearbeitet]
WolfgangZ
Inventar
#13 erstellt: 15. Sep 2005, 20:26
Hallo, Musikliebhaber!

Die 10. und die 11. Sinfonie - auch bei cpo erschienen - sind knapper gehalten als etwa die Siebente, aber sie sind bedeutend komplexer und aggressiver, eine strenge Aggressivität, vielleicht nicht frei vom Selbstmitleid und Pathos eines chronisch Schwerkranken, aber durchaus streng gearbeitet. Mich fasziniert diese Härte, da sie keineswegs chaotisch erscheint, sondern eher als ein geordnet unbarmherziger Ausdruck modernen Lebensgefühls. Überdies glätten sich die Wogen auch immer wieder, und man spürt plötzlich hinter den brutalen Ostinati etwas altmeisterlich Barockes.

Wenn man Musik in vielen Ausdrucksvarianten liebt und eine gewisse Hörerfahrung mitbringt, sollte man sich Pettersson - der ja erst jetzt wirklich entdeckt wird - nicht entgehen lassen. Man merkt, dass er von Mahler oder Alban Berg herkommt und trotz aller Radikalität des Ausdrucks in der Attitüde des großen Orchesters Spätromantiker geblieben ist. Es ist eine zutiefst pessimistische Musik. Aber ganz gewiss will (und kann) sie (auch) nicht provozieren um der Provokation willen wie manches in der Avantgarde seit den Sechzigern.

Ansonsten kann ich nur der bereits geäußerten Meinung zustimmen, dass ich Pettersson weiter hören werde, auch weitere Platten kaufen möchte (ich besitze das Violakonzert und die Sinfonien 3, 5, 7, 10, 11, 15), weil er mit jedem neuen Hören auch Neues offenbart.

Gruß, Wolfgang Zimmermann

Herzliche Grüße, Wolfgang
vanrolf
Inventar
#14 erstellt: 16. Sep 2005, 09:56
WolfgangZ schrieb:

Man merkt, dass er von Mahler oder Alban Berg herkommt und trotz aller Radikalität des Ausdrucks in der Attitüde des großen Orchesters Spätromantiker geblieben ist.


Hallo Wolfgang,

das war auch mein Eindruck, als ich die No.7 zum ersten Mal gehört habe, besonders in der zweiten Hälfte.
Welche Einspielung des Violakonzertes besitzt Du denn? Die oben erwähnte Aufnahme mit Imai oder eine andere?
Über die cpo-Aufnahme des ersten Violinkonzertes urteilte G. Schubert in FonoForum 12 / 95:


"Ein wildes, dissonantes, aufregendes, maß- und haltloses Werk, und es bleibt unbegreiflich, wie Pettersson solch eine abenteuerliche, faszinierende Musikfülle aus der kleinen Besetzung von Violine und Streichquartett gewinnen konnte. Solch ein Werk hält dazu an, die neuere Musikgeschichte wieder einmal anders zu gewichten...Ulf Hoelscher und das Mandelring-Quartett werden den ungeheuren Anforderungen bestens gerecht...So ergänzen und differenzieren diese Einspielungen das Pettersson-Bild um faszinierende Züge."


und "Fanfare" (USA) 6 / 96:

"Die bislang beste Aufführung in der Pettersson-Reihe von cpo."




Dieses "Frühwerk" wird eine meiner nächsten Anschaffungen sein, auch weil die CD im Moment nur EUR 7,99 kostet.

Gruß Rolf


[Beitrag von vanrolf am 16. Sep 2005, 10:11 bearbeitet]
teleton
Inventar
#15 erstellt: 16. Sep 2005, 14:03
Hallo WolfgangZ und vanrolf,

Euere Beiträge bestätigen auch mein Eindruck von Pettersson. Die Sinfonie Nr.7 ist die Sinfonie, der ich bisher auch am meisten abgewinnen konnte. Interessant was über die 10. und 11.Sinfonie geschrieben steht.
Aber da ist der Haken begraben ---- Wieso brauch ein Komponist 7. bzw.10.Sinfonien bis er zu einer Einheit gelangt ? Die ersten sind quasi "uninteressant".

Mir fällt es äußerst schwer die Werke einzuordnen - aber ich werde auch noch weiter Pettersson hören, auch wenn sich mein erster Beitrag zu Pettersson etwas negativ anhört.
Vielleicht erschließt er sich mir irgendwann mehr !

@Ifukube
Es lohnt sich eigendlich nicht zu antworten. Aber was soll der Quatsch mit Lotti und Rieu ? Diese Armleuchter kannste Deiner Oma vorsetzen, sowas gehört nicht in ein Klassik-Forum !
Ifukube
Stammgast
#16 erstellt: 16. Sep 2005, 14:35

Es lohnt sich eigendlich nicht zu antworten. Aber was soll der Quatsch mit Lotti und Rieu ? Diese Armleuchter kannste Deiner Oma vorsetzen, sowas gehört nicht in ein Klassik-Forum !


Kein Grund gleich garstig zu werden. War nur helfend gemeint.

Gruß an die Oma,
Ifukube
vanrolf
Inventar
#17 erstellt: 16. Sep 2005, 15:10
teleton schrieb:

Wieso brauch ein Komponist 7. bzw.10.Sinfonien bis er zu einer Einheit gelangt ?


Hallo Wolfgang (diesmal teleton),

nun ja, da wäre Pettersson wahrlich nicht der erste, und selbst wenn sich ein Komponist erst mit einem bestimmten Werk durchsetzt, heißt das ja nicht unbedingt, daß alles vorherige schlecht war. Seine frühen Sinfonien kenne ich noch nicht, selbst wenn sie "nichts taugen" sollten, spricht das auch nicht gegen die Qualität der genannten No. 7. Jetzt gerade läuft bei mir die No.9, und bei der passiert eine ganze Menge, vielleicht solltest Du es mal mit dieser versuchen? Was mir hier anfangs als "collagenartig" vorkam, sehe ich nun als fließendes, zusammenhängendes Gebilde, bei dem praktisch ständig die Post abgeht. Es gibt da einen stark rhythmischen Teil im ca. zweiten Viertel, der mich - rein vom Energielevel und der erzeugten Spannung - im Moment an den ersten Satz von
Schostakowitschs No.7 erinnert (ansonsten finde ich aber keine große Ähnlichkeit mit Schostakowitsch). Gegen Ende zu gewinnt das Werk eine ziemliche Dramatik, und ich könnte mir glatt vorstellen, daß wir in - sagen wir 20-30 Jahren - eine ganze Latte an Einspielungen dieses Werkes vorfinden könnten. Das mit der Depression und Düsternis empfinde ich übrigens eher begrenzt, da gibt es m.M. nach extremeres.


ifukube schrieb an teleton:

Helmut Lotti oder André Rieu...Gruß an die Oma


So richtig sachdienlich finde ich sowas ehrlich gesagt auch nicht.

Gruß Rolf
Uwe_Schoof
Ist häufiger hier
#18 erstellt: 16. Sep 2005, 15:22
Dem Beitrag von Thomas München schließe ich mich an: Die 12. Sinfonie mit Chor ist ein interessantes, wie ich meine auch homogenes und reifes Werk, voller Sachlichkeit und Emotionalität (hier kein Gegensatz).

Weiß jemand, wo man an eine Aufnahme kommt?

Uwe
WolfgangZ
Inventar
#19 erstellt: 16. Sep 2005, 17:27
Hallo vanrolf, teleton, Ifukube ...!

Wenn man die eher frühen Sinfonien 3 oder 5 hört, erkennt man den Stil durchaus - und das ist doch ein ganz wesentliches Kriterium für eigenständige und anspruchsvolle Musik (auch wenn sich jemand im Extremfall vielleicht auch nur noch kopiert - man kennt ja die böse Äußerung über Vivaldi). Mit der Siebenten erreicht Pettersson dann eine stärkere strukturelle Ausgeglichenheit - insofern würde ich den Hörereindruck des Chaotischen im weitesten Sinne zwar gelten lassen, aber nicht den des Beliebigen.
...
Das Violakonzert besitze ich in der Aufnahme mit Nobuko Imai und dem Malmö SO unter Lev Markiz (BIS CD 480). Es ist ein hoch expressives Werk und sicher schwerer zu hören als die mittleren Sinfonien.
Danke für die Tips vor allem mit den Violinkonzerten!

...
Lotti und Rieu ist schon gemein ! Warum nicht gleich Justus Frantz

Herzliche Grüße, Wolfgang Zimmermannamazon.de
Ifukube
Stammgast
#20 erstellt: 18. Sep 2005, 23:42

Vielleicht bist du einfach mehr der beschwingte, beherzte Typ a la Helmut Lotti oder Andre Rieu. Musst deine Zeit ja nicht mit den düsteren, depressiven Werken vergeuden.


Also ich verstehe diesen Satz nur als witzige Bemerkung. Quasi forumsbelebend, was sich ja auch bewahrheitet!

Gruß,
Ifukube
Hüb'
Moderator
#21 erstellt: 19. Sep 2005, 07:47

Ifukube schrieb:
Kein Grund gleich garstig zu werden. War nur helfend gemeint.

Gruß an die Oma,
Ifukube

und

Ifukube schrieb:

Vielleicht bist du einfach mehr der beschwingte, beherzte Typ a la Helmut Lotti oder Andre Rieu. Musst deine Zeit ja nicht mit den düsteren, depressiven Werken vergeuden.


Also ich verstehe diesen Satz nur als witzige Bemerkung. Quasi forumsbelebend, was sich ja auch bewahrheitet!

Gruß,
Ifukube


widersprechen sich etwas, oder?
Susanna
Hat sich gelöscht
#22 erstellt: 19. Sep 2005, 12:19

Ifukube schrieb:

Also ich verstehe diesen Satz nur als witzige Bemerkung. Quasi forumsbelebend, was sich ja auch bewahrheitet!

Hi, Ifukube,

ist ja schön, aber bitte die Quelle beim Zitieren nicht vergessen!

Viele Grüße,
Susanna
Gantz_Graf
Hat sich gelöscht
#23 erstellt: 21. Sep 2005, 18:05
Ich versuche mich heute an Petterssons 6. und 8., dabei Google ich ein wenig.

Viel ist geschrieben worden, eine besonders ausführliche Diskussion in einem Forum ist hier, das will ich Euch nicht vorenthalten: http://www.good-music-guide.com/forum/index.php?topic=605.0

Bei der 6. merke ich gerade, das ist passende Musik, wenn man sich danach fühlt, aus dem Fenster zu springen
vanrolf
Inventar
#24 erstellt: 21. Sep 2005, 20:49
Gantz_Graf schrieb:

Bei der 6. merke ich gerade, das ist passende Musik, wenn man sich danach fühlt, aus dem Fenster zu springen


Hallo Gantz_Graf,

mag sein, daß es auf Dich so wirkt, aber wie bereits oben erwähnt, empfinde ich Petterssons Musik (jedenfalls das, was ich bislang von ihm kenne) zwar als schwer und gewöhnungsbedürftig, jedoch nicht als Brandbeschleuniger zum Suizid. Allerdings erscheint auch mir die No.6 als ein aufwühlendes Monstrum, das den Boden unter sich wild aufzupflügen scheint. Ich kann diese Aufnahme ganz durchhören und im Moment freue ich danach schon wieder auf den nächsten Durchgang, im Ernst. Übrigens kann ich zu dieser Musik nichts anderes tun, sie erfordert meine ganze Konzentration. Deshalb höre ich sie manchmal auch über Kopfhörer.

Gruß Rolf
Gantz_Graf
Hat sich gelöscht
#25 erstellt: 22. Sep 2005, 10:40
Nun, ich stehe am Anfang, Pettersson zu erforschen, aber eines kann ich sagen: HOCHINTERESSANT! Ich höre nun die 6. zum zweiten Male, was bleibend in Erinnerung ist diese düstere Passage, die sich fast bis zum Ende durchzieht. Ein ewiges Pochen, der Tod, was an die Pforten klopft. Zwischendurch bietet die Symphonie immer die Schwierigkeit, dass Pettersson weit umschweift, Melodien weit ausladen. Man denkt ständig: "So, jetzt kommts", aber er zieht dann wieder einen weiteren Bogen.

Kann man das nicht als einen Trauermarsch bezeichnen (ich bin kein formaler Kenner)? Es hat marschmäßiges Pochen und sehr düstere Grundhaltung.

Am Ende ist die 6te, finde ich, aufgelöst. Zunächst tritt etwas versöhnliches ein, Frieden, dann wird es 3 Minuten vor Ende noch einmal sehr getragen.

Ich assoziiere mit einem Sterbenden. Der Sterbende durchlebt seinen letzten Kampf, geht dann in Frieden, übrig bleibt die Trauergemeinde, die sich dann langsam, traurig, verliert.

Mein subjektiver Eindruck! Und ich bin beeindruckt!

Und jetzt, da ich gerade so begeistert bin, muß ich ein großes Lob an die Forenfreiwilligen aussprechen. Das Inhaltsverzeichnis war mir eine riesige Hilfe. Das ist wirklich ganz toll.


[Beitrag von Gantz_Graf am 22. Sep 2005, 10:46 bearbeitet]
Gantz_Graf
Hat sich gelöscht
#26 erstellt: 18. Nov 2005, 19:42
Kritiken der Symphonien 6-11 u. 13-15

Diesen Thread auf www.good-music-guide.com kennen sicher einige unter den Pettersson-Freunden. Der Diskussionsteilnehmer "Xantus' Murrelet" hat dort sehr hilfreiche Kritiken über die Petterssonschen Symphonien 6-11 u. 13-15 geschrieben (soweit ich das, nach noch nicht vollständigem Hören aller Symphonien, beurteilen kann). Da der Thread mittlerweile 45 Seiten lang ist, habe ich die Kritiken mal herausgesucht. Es wurden fast ausschließlich die hervorragenden CPO-Aufnahmen herangezogen, die ja bei www.jpc.de günstig zu erhalten sind.

Symphonie Nr. 6, Trojahn/DSO Berlin (CPO)
Symphonie Nr. 7, Dorati/Stockholm PO (Swedish Society)
Symphonie Nr. 8, Sanderling/RSO Berlin (CPO)
Symphonie Nr. 9, Francis/DSO Berlin (CPO)
Symphonie Nr. 10, Francis/RP Hannover (CPO)
Symphonie Nr. 11, Francis/RP Hannover (CPO)
Symphonie Nr. 13, Francis/BBC Scottish SO (CPO)
Symphonie Nr. 14, Arnell/DSO Berlin (CPO)
Symphonie Nr. 15, Ruzicka/DSO Berlin (CPO)


[Beitrag von Gantz_Graf am 18. Nov 2005, 22:30 bearbeitet]
Gantz_Graf
Hat sich gelöscht
#27 erstellt: 01. Dez 2005, 22:22
Und wieder ich. Ich habe nun die Neunte erstmalig komplett gehört. Ich habe den Überblick noch nicht gewinnen können, aber werde mich weiter damit beschäftigen, sie ist ein Abenteuer.

Nur soviel: Zum Finale. Wer kennt es?: Was hat sich Meister Pettersson bloß bei diesem Finale gedacht? Es ist insgesamt ganz großartig, ich musste es direkt öfter ein paar Mal anhören.
Aber die letzte positive Aufhellung dann auf einmal ganz am Ende, die nur angedeutet wird und gleich verklingt, was soll das denn? Das ganze Finale hat einen Spannend-Traurigen Charakter, plötzlich läuft ein Rehkitz durchs Bild und ist weg. Noch nicht mal ganz so. Man meint, da solle noch etwas kommen, aber die Symphonie endet einfach.
Momentan kann ich mich mit den letzten Sekunden nicht anfreunden, sie stören das Bild!


[Beitrag von Gantz_Graf am 01. Dez 2005, 22:25 bearbeitet]
s.bummer
Hat sich gelöscht
#28 erstellt: 01. Dez 2005, 22:52
Hallo,
ich möchte mal einen Eindruck einbringen.

Ich mag Petterssons Musik seit ca. 10 Jahren sehr gerne, damals habe ich ihn für mich entdeckt, erst Sinfonie Nr. 5, dann die 7. und die 11., dann im Konzerterlebnis die 8. und schließlich kamen letztens 3 und 4 und 6 dazu.

Bei der 6., die ich großartig finde, habe ich schwerst gestutzt!
Das hatte ich partienweise schon mal gehört, zwar nicht so, aber verdammt ähnlich.
Howard Shore!

Oder habe ich mich nur verhört?
Ist der Pettersson Sound schon in Hollywood angekommen?

Gruß S.


[Beitrag von s.bummer am 01. Dez 2005, 22:52 bearbeitet]
Alcalurops
Neuling
#29 erstellt: 01. Mrz 2006, 01:01
Hallo,

ich bin hier neu, aber schon seit Jahren begeistert von ALLEN Pettersson Sinfonien und würde gerne mit Pettersson-begeisterten (Gedanken-, Begeisterungs-) Austausch haben.

Mittlerweile kommen mir alle Pettersson Sinfonien nicht mehr sehr schwierig vor . Ich finde sie auch nicht mehr insistierend unerträglich (wie z.B. von der 10.ten 11.ten und 13.ten manchmal und sogar bisweilen auf den CD booklets berichtet wird).

ich finde, daß Pettersson seine Sinfonien wie aus einen Guß komponiert und einen unglaublich spannenden Bogen und eine perfekt sinfonische Linie zugrunde legt.

2004 bin ich durch schwedisch Lappland gewandert und hatte fast alle Pettersson Sinfonien auf CD dabei.

Am Anfang meiner "Pettersson-enddeckungsfahrt" hat mich besonders die 7.te und 5.te Sinfonie beeindruckt. Dann empfand ich die 10.te als eine ungeheure Art von Befreiung, besonders als ich diese ca. 1983 im Radio (Konzert des Bayrischen Rundfunks) zum ersten Mal hörte. Ich finde, es erschliessen sich alle Pettersson Sinfonien, wenn man sich tief und intensiv hineinhört oder besonders wenn man das Glück hat diese im Konzert zu hören. Mit der 14. Sinfonie (CD von cp) habe ich mich besonders beschäftigt und mir diese ca. 25 mal angehört; ich empfinde sie als "Himmelsleiter" , besonders den Anfang mit dem aufsteigenden Thema, daß sich durch die ganze Sinfonie zieht.

Leider habe ich hier in München "nur" die 7.te (schon dreimal)(ist natürlich sehr sehr eindrucksvoll!) und die 8.te im Konzert gehört.

Weiß jemand von Aufführungen von Pettersson'schen Sinfonien in nicht allzu großer Entfernung?
Gantz_Graf
Hat sich gelöscht
#30 erstellt: 01. Mrz 2006, 17:10

Alcalurops schrieb:
Leider habe ich hier in München "nur" die 7.te (schon dreimal)(ist natürlich sehr sehr eindrucksvoll!) und die 8.te im Konzert gehört.

Weiß jemand von Aufführungen von Pettersson'schen Sinfonien in nicht allzu großer Entfernung?


Leider nein. Hier im Ruhrgebiet bin ich für 2006 auch noch nicht fündig geworden. Was würde ich darum geben, die Symphonien 6,8,7 oder 9 mal im Konzert hören zu können! Dies ist auch meine Beliebtheitsreihenfolge.
Alcalurops
Neuling
#31 erstellt: 01. Mrz 2006, 18:01
Auf der WebSeite der Internationalen Pettesson Gesellschaft
[/url] http://www.iapg.de/iapg.htm?
habe ich gerade einen link auf aktuelle Pettersson Konzerttermine gefunden:
[/url] http://medlem.spray....nemang/evenemang.htm

Demnach gibt es die 7. Sinfonie 2006 in Leipzig:

Symfoni nr 7
Gewandhaus, Leipzig

Gewandhausorchester Leipzig
Dirigent:?

Offenbar erst im Herbst , da ich auf der WebSeite des
Gewandhausorchesters nichts finde?
vanrolf
Inventar
#32 erstellt: 18. Mrz 2006, 17:03
Hallo zusammen,

Petterssons Symphonie No. 12 erscheint am 20.03.2006 in einer cpo-Neuaufnahme mit dem Schwedischen
Radio-Symphonieorchester, dem Schwedischen Radiochor und dem Eric Ericson Chor unter der Leitung von Manfred Hohneck:



Nachdem das Werk viele Jahre überhaupt nicht auf Tonträger erhältlich war, handelt es sich hier also um die z.Zt. einzig erhältliche Aufnahme weltweit.

Ich werde sie in meiner nächsten jpc-Bestellung ordern.

Gruß Rolf
Alcalurops
Neuling
#33 erstellt: 20. Mrz 2006, 01:41

vanrolf schrieb:
Hallo zusammen,

Petterssons Symphonie No. 12 erscheint am 20.03.2006 in einer cpo-Neuaufnahme mit dem Schwedischen
Radio-Symphonieorchester, dem Schwedischen Radiochor und dem Eric Ericson Chor unter der Leitung von Manfred Hohneck:



Nachdem das Werk viele Jahre überhaupt nicht auf Tonträger erhältlich war, handelt es sich hier also um die z.Zt. einzig erhältliche Aufnahme weltweit.

Ich werde sie in meiner nächsten jpc-Bestellung ordern.

Gruß Rolf


Hallo vanrolf,

danke für den Hinweis. Ich werde mir diese Aufnahme von cpo kaufen.
Es gibt allerdings noch eine weitere CD Aufnahme erhältlich im Swedish Music Shop
http://www.mic.stim....BB731?opendocument

die ich mir dort schon vor ein paar Wochen besorgt habe für 136 Schwedische Kronen + Porto:


Es ist die erste Aufführung dieser grandiosen Symphonie!

Symphony No. 12 etc. Caprice Records - CAP 21369

Artist: Swedish Radio Symphony Orchestra / Stockholm Philharmonic Orchestra

Composer: Pettersson, Allan (1911-1980)

Performer: Uppsala University Chamber Choir / Stockholm Philharmonic Choir / Stockholm Philharmonic Orchestra / Swedish Radio Symphony Orchestra / Saulesco, Mircea




Gruß

Alcalurops
Alcalurops
Neuling
#34 erstellt: 20. Mrz 2006, 01:49
Mir ist ein Fehler passiert:

Der link zur 12. Symphonie von Pettersson
vom Label Caprice im
Swedish Music Shop muß folgendermaßen heißen:


http://www.mic.stim....03BB731?opendocument
Hüb'
Moderator
#35 erstellt: 27. Jul 2006, 15:51

hno123 schrieb:
Hallo,

mich würde sehr interessieren , was ihr von der Musik von Allan Pettersson haltet? Pettersson war ein schwedischer Komponist, der insgesamt 17 teils monumentale erschütternde Sinfonien geschaffen hat, die leider bei uns noch völlig unbekannt sind. Er wurde 1911 als Sohn eines alkoholabhängigen Vaters und einer frömmlerischen Mutter in einem Stockholmer Armenviertel geboren. Der Weltenlauf sowie seine gesundheitliche Misere ( 1953 wurde bei ihm eine rheumatische Polyarthritis diagnostiziert )haben den Schweden zu einer beängstigend ernsthaften Tonsprache finden lassen, voller sublimierter Trauer. Seine Sinfonien sind zumeist einsätzig und sind leider auch nur bei JPC komplett lieferbar. Mit der großartigen 7. Sinfonie hat Pettersson seinen Durchbruch erreicht.Mir gefallen besonders die Sinfonien 6-9, die 10te und 11te Die er im Krankenhaus komponiert hat und die Barfußlieder. Für mich ist Pettersson nach Schostakowitsch der letzte große Symphoniker oder kennt ihr noch andere Komponisten , die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts solch beeindruckende Sinfonien geschaffen haben ?
Alcalurops
Neuling
#36 erstellt: 27. Jul 2006, 16:57
Hallo hno123 ,
ich halte von der Musik Allan Pettersson sehr sehrviel . Er ist meines Erachtens einer der kreativsten Komponisten der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Man muß sich mit jeder Sinfonie etwas eingehender beschäftigen, diese öfters bewußt anhören, aber dann finde ich auch die hier nicht erwähnten Sinfonien 2-5 und 12-16
großartig.
Besonders die 5.te ist sehr eingängig und aus einem Guß komponiert. Es gab Wochen, in denen ich nur die Pettersson'schen Sinfonien hören wollte !


Als weitere auch sehr eindrucksvolle und tiefe Sinfoniker der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts würde ich folgende bezeichnen:

Alfred Schnittke (seine 8. Sinfonie ist absolut großartig!)
Hans-Werner Henze (seine 7.te ist wunderbar!)
Einojuhani Rautavaara (seine 7.te ist selbst für weniger "Geübte " empfehlenswert)
Aulis Sallinen

Es wäre interessant, wenn hier jemand noch weitere nennen könnte!





Hallo,

mich würde sehr interessieren , was ihr von der Musik von Allan Pettersson haltet? Pettersson war ein schwedischer Komponist, der insgesamt 17 teils monumentale erschütternde Sinfonien geschaffen hat, die leider bei uns noch völlig unbekannt sind. Er wurde 1911 als Sohn eines alkoholabhängigen Vaters und einer frömmlerischen Mutter in einem Stockholmer Armenviertel geboren. Der Weltenlauf sowie seine gesundheitliche Misere ( 1953 wurde bei ihm eine rheumatische Polyarthritis diagnostiziert )haben den Schweden zu einer beängstigend ernsthaften Tonsprache finden lassen, voller sublimierter Trauer. Seine Sinfonien sind zumeist einsätzig und sind leider auch nur bei JPC komplett lieferbar. Mit der großartigen 7. Sinfonie hat Pettersson seinen Durchbruch erreicht.Mir gefallen besonders die Sinfonien 6-9, die 10te und 11te Die er im Krankenhaus komponiert hat und die Barfußlieder. Für mich ist Pettersson nach Schostakowitsch der letzte große Symphoniker oder kennt ihr noch andere Komponisten , die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts solch beeindruckende Sinfonien geschaffen haben ?
Schneewitchen
Inventar
#37 erstellt: 27. Jul 2006, 18:42
Pettersson hat mich vor mehr als 10 Jahren auch mal interessiert und aus dieser Zeit besitze ich 4 Caprice-CDs, nämlich die schon erwähnte 12.Sinfonie mit dem Konzert für Streicher(Cap21369), das 2. Violinkonzert(Cap21359), die Sonaten für 2 Violinen (Cap21401)und die 7.Sinfonie(Cap21411).
Ich müßte mich wieder einhören und vielleicht dann die Gesamtaufnahme mit der 12. von cpo kaufen.
JohnD
Stammgast
#38 erstellt: 27. Jul 2006, 20:40

Alcalurops schrieb:


Als weitere auch sehr eindrucksvolle und tiefe Sinfoniker der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts würde ich folgende bezeichnen:

Alfred Schnittke (seine 8. Sinfonie ist absolut großartig!)
Hans-Werner Henze (seine 7.te ist wunderbar!)
Einojuhani Rautavaara (seine 7.te ist selbst für weniger "Geübte " empfehlenswert)
Aulis Sallinen

Es wäre interessant, wenn hier jemand noch weitere nennen könnte!


Immer wieder gern genommen: Robert Simpson (1921-1997)

Seine 9. ist vielfach ausgezeichnet worden. Die Hyperion-Aufnahme unter Vernon Handley müsste noch irgendwo zu bekommen sein. Am Ende ist sogar noch eine Analyse des Komponisten selbst zu hören.
Seine anderen Sinfonien sind aber auch prima.
Martin2
Inventar
#39 erstellt: 17. Aug 2006, 20:20
Also ich habe mir, um endlich auch mal mitreden zu können, mir heute die 8. Sinfonie von Peterson zu Gemüte geführt. Aber ich muß wirklich sagen, auch wenn ich das Teil nun nur einmal gehört habe: Mein Ding ist das nicht.

Das Positivste, was ich an Peterson finde, ist wirklich: Man bekommt dabei eine Sehnsucht nach Prokofjev.

Wirklich, ich habe nach meinem ersten Höreindruck schon keine Lust mehr, mich mit diesem Komponisten weiter zu beschäftigen. Einen Eindruck des Genialen hatte ich bei dieser Musik nie. Diese musikalische Genialität, die letztenendes entscheidet. Da habe ich nichts gefunden, das klang teilweise zwar durchaus tief empfunden, aber auch musikalisch erschreckend banal, jedenfalls kam es mir so vor.

Nur mein erster Höreindruck - zugegeben. Aber mein Gott, es gibt nun mal Beethoven, Bruckner, Brahms, Mahler, Schostakowitsch und viele andere mehr. Muß man da diesen Peterson wirklich kennen? Natürlich müßte ich mich mit dem Peterson noch näher auseinandersetzen, um wirklich ein faires Urteil zu sprechen, das ist mir schon klar. Aber dazu habe ich irgendwie keine Lust.
Martin2
Inventar
#40 erstellt: 17. Aug 2006, 20:34

Alcalurops schrieb:
Es wäre interessant, wenn hier jemand noch weitere nennen könnte!


Malcolm Arnold, unbedingt. Ein genialer und absolut integrer Komponist. Tolle Sinfonien und auch andere Sachen.

Natürlich darfst Du ihn nicht gegen Schostakowitsch ausspielen, das ist schon klar. Aber: Prägnante musikalische Ideen, niemals leere Stroh, das schätze ich an einem Komponisten. Ich möchte ihn absolut nicht missen, auch wenn er nun mal an die "ganz großen" denn doch nicht heranreichen mag.

Gruß Martin
Gantz_Graf
Hat sich gelöscht
#41 erstellt: 18. Aug 2006, 21:12

Martin2 schrieb:
Nur mein erster Höreindruck - zugegeben. Aber mein Gott, es gibt nun mal Beethoven, Bruckner, Brahms, Mahler, Schostakowitsch und viele andere mehr. Muß man da diesen Peterson wirklich kennen?

Aus meiner Sicht seltsam, dass einem die Achte nicht gefallen kann

"Man" muss ihn übrigens nicht kennen, ich schon und ich bin sehr froh, ihn kennengelernt zu haben. Seine sechste ist und bleibt für mich die musikalische Entdeckung seit 2005. Seine Symphonien 6-9 ziehe ich jeder Brahms-Symphonie vor. Muss ich mich mit Brahms beschäftigen, wenn es doch Pettersson gibt? Ich denke nicht, ich habe auch keine Lust dazu.

So ist eben alles subjektiv. Ich finde zum Beispiel Petterssons Finale der 6,7 und 9 aussergewöhnlich und toll. Es gibt doch nichts tieferes als das Finale der sechsten. Oder das der neunten. Vielleicht findet das in irgendeiner reinen Lehre (die ich nicht kenne) keinen Platz; das ist ja nicht maßgeblich. In meiner Hörgewohnheit hat Pettersson seinen festen Platz in den Top 3 neben Bruckner und Mahler.



[Beitrag von Gantz_Graf am 18. Aug 2006, 21:14 bearbeitet]
Deters
Neuling
#42 erstellt: 01. Sep 2006, 14:03
Neues zu Pettersson gibt es neuerdings http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/1853621/h i e r. Läuft immer wieder segmentweise durch das Blog, einfach ein bißchen durchklicken oder mit der Search-Funktion aufrufen.
Gruß
HED
vanrolf
Inventar
#43 erstellt: 04. Sep 2006, 11:02
Gantz Graf schrieb:

Seine Symphonien 6-9 ziehe ich jeder Brahms-Symphonie vor.



Hallo zusammen,

ganz so weit würde ich persönlich nicht gehen, wenn ich mich zwischen beiden für immer entscheiden müßte, würde ich letztendlich vielleicht doch Brahms vorziehen. Das spricht aber nicht gegen Pettersson. Natürlich sind seine Werke schwierig und erfordern häufiges, konzentriertes Hören (was in einem der cpo-Booklets auch empfohlen wird). Dissonanzen sind nun mal Dissonanzen, die gehen einfach nicht direkt und leicht ins Ohr und jeder reagiert auf sie unterschiedlich. Sie erfordern oft ein gewisses Maß an Überwindung, daß sich aber später auszahlt, jedenfalls ist das meine Erfahrung. Mit Mahler und DSCH ging es mir irgendwann mal ähnlich, und vor 150 Jahren hatten viele Hörer ähnliche Probleme mit z.B. Wagner, aus heutiger Sicht kaum noch nachvollziehbar.
Ein einmaliger Durchgang jedenfalls, wie Martin ihn sich gegönnt hat, reicht meiner Meinung nach bei weitem nicht aus.
Es muß ja auch nicht gleich ein Riesenopus wir die No.8 sein, die Nos. 3+4 z.B. sind deutlich "hörerfreundlicher" und könnten als Vorbereitung für die späteren Werke hilfreich sein.


Gruß Rolf
sound67-again
Gesperrt
#44 erstellt: 11. Sep 2006, 17:20
Man kann auch nach merhfachem Hören den Eindruck haben, dass Pettersson verwirrt oder seine Musik technisch unzulänglich ist. Jedenfalls hätte ihm ein Kurs in Orchestration bestimmt nicht geschadet. Ich habe einige von Petterssons Symphonien und kann ihnen nur wenig abgewinnen.

Wie große Klumpen, die in einer trüben Brühe schwimmen.
Ifukube
Stammgast
#45 erstellt: 11. Sep 2006, 17:54

sound67-again schrieb:
Man kann auch nach merhfachem Hören den Eindruck haben, dass Pettersson verwirrt oder seine Musik technisch unzulänglich ist. Jedenfalls hätte ihm ein Kurs in Orchestration bestimmt nicht geschadet. Ich habe einige von Petterssons Symphonien und kann ihnen nur wenig abgewinnen.


Es besteht ja auch immerhin die Möglichkeit, dass du einfach nur einen anderen Geschmack hast. Man muss die Fehler ja nicht immer bei den anderen suchen... gelle?

Gruß,
Ifukube
sound67-again
Gesperrt
#46 erstellt: 11. Sep 2006, 21:03
Schon wieder einer, der Qualität und Geschmack verwechselt. Was hat bitte unterschiedlicher "Geschmack" mit Fehlern zu tun, die man bei sich - oder anderen - suchen soll?

Dass Pettersson schwere und schwerste psychologische und physische Probleme hatte, ist doch kein Geheimnis. Warum sollte das nicht in seine Musik "hinüberschwappen" ?


[Beitrag von sound67-again am 12. Sep 2006, 04:01 bearbeitet]
Gantz_Graf
Hat sich gelöscht
#47 erstellt: 12. Sep 2006, 11:56

sound67-again schrieb:
Man kann auch nach merhfachem Hören den Eindruck haben, dass Pettersson verwirrt oder seine Musik technisch unzulänglich ist.

Es gibt Stellen in manchen Sinfonien, bei denen ich dachte, dass Pettersson (oder das Orchester?) da nicht die richtigen Töne gefunden hat. Klänge, die nicht zusammenpassen. Ich komme nicht aus dem Musik-Bereich, aber ich vermute, es geht um Harmonielehre.

Diese paar vermurksten Stellen sind für mich aber nicht maßgeblich.

Wenn mir so eine Stelle wieder auffällt, werde ich sie mal hier zur Diskussion stellen. (Ich kann das gehörte nicht in Worte fassen, mir fehlt die Terminologie dazu)...


[Beitrag von Gantz_Graf am 12. Sep 2006, 11:56 bearbeitet]
Ifukube
Stammgast
#48 erstellt: 12. Sep 2006, 13:36

sound67-again schrieb:
Schon wieder einer, der Qualität und Geschmack verwechselt. Was hat bitte unterschiedlicher "Geschmack" mit Fehlern zu tun, die man bei sich - oder anderen - suchen soll?

Dass Pettersson schwere und schwerste psychologische und physische Probleme hatte, ist doch kein Geheimnis. Warum sollte das nicht in seine Musik "hinüberschwappen" ? :D



Das Pettersson psychische Probleme hatte, muss ja nicht bedeuten, dass er sein Handwerk nicht versteht. Es hat lediglich Einfluss auf seinen Kompositionsstil (und der kann ja handwerklich einwandfrei sein).

Zudem schreibst du:

..., dass Pettersson verwirrt oder seine Musik technisch unzulänglich ist. Jedenfalls hätte ihm ein Kurs in Orchestration bestimmt nicht geschadet. Ich habe einige von Petterssons Symphonien und kann ihnen nur wenig abgewinnen.


Zwei Sätze übers Handwerkliche werden gefolgt von einem persönlichen Geschmacksstatement. Du musst aufpassen die Begriffe nicht zu vermischen... dein Geschmack hat nichts zu sagen übers Handwerkliche.
sound67-again
Gesperrt
#49 erstellt: 12. Sep 2006, 15:04

Ifukube schrieb:
Zwei Sätze übers Handwerkliche werden gefolgt von einem persönlichen Geschmacksstatement. Du musst aufpassen die Begriffe nicht zu vermischen... de


Falsch. "Nichts abgewinnen" heisst nicht: mag ich nicht.

Gruß, Thomas
Gantz_Graf
Hat sich gelöscht
#50 erstellt: 24. Sep 2006, 18:42

Deters schrieb:
Neues zu Pettersson gibt es neuerdings http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/1853621/h i e r. Läuft immer wieder segmentweise durch das Blog, einfach ein bißchen durchklicken oder mit der Search-Funktion aufrufen.

31.10.2006 im HR. HR Rundfunk? HR Fernsehen? Welcher Sender? Ist das schon bekannt?
Jazzy
Inventar
#51 erstellt: 25. Sep 2006, 21:02
Hi!
Aufpassen sollte man jedenfalls,die Biografie eines Komponisten stets mit seiner Musik zu vermengen.Das ist so nicht immer haltbar.Ich werde mir jedenfalls mal diesen Pettersen besorgen,mal schauen,wer Recht hat.
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