Shouer S12 Rundreise Reviews

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Marcel21
Inventar
#1 erstellt: 15. Mai 2022, 14:05
Zunächst mal vielen Dank an Horowitz, der mir die Shouer S12 im Rahmen einer Rundreise zur Verfügung gestellt hat.

Einleitung
Ich habe an der Rundreise teilgenommen, weil ich wissen wollte, wie sich die Shouer S12 im Vergleich zu meinen 7Hz Timeless machen, die ich mir ein paar Wochen vorher gekauft hatte. Dabei waren beide Kandidaten im Rennen, am Ende hatte ich mich für die Timeless entschieden, da diese, wenn auch teurer, recht einfach über Amazon zu beziehen waren, und mir die Messung einen Tick mehr zugesagt hatte. Doch war es die richtige Entscheidung? Genau das möchte ich in meinem Review Abhandeln. Daher ist es mehr ein Vergleich als ein alleinstehendes Review, aber da der Timeless hier ja auch recht verbreitet ist, werden es so viele noch besser nachvollziehen können.

Als Abspielgeräte kamen mein Qudelix 5K, Tempotec Sonata HD Pro, Apple 3,5mm zu USB-C Adapter und mein Smartphone (Poco F2 Pro) zum Einsatz.

Erster Eindruck
Die Shouer S12 kommen zunächst mal ohne angeschlossenes Kabel. In der Box finden sich die Ohrhörer, ein Leder-Hardcase (vermutlich Leder-Imitat, aber gut verarbeitet), das Kabel sowie 3 verschiedene Aufsätze in jeweils 3 Größen, 2 mal Silikon (schwarz und transparent) und ein mal Memory Foam (insgesamt also 9 Paar). Ich habe die transparenten, großen Silikon-Aufsätze gewählt, die passten auch sofort sehr gut. Die Memory-Foam-Aufsätze habe ich aus hygienischen Gründen unangetastet gelassen, die überlasse ich dem Besitzer, außerdem habe ich ja bereits welche.
Die Timeless haben eine größere Auswahl an Aufsätzen, allerdings keine Schaumstoff-Aufsätze mitgeliefert. Trotz der größeren Auswahl bin ich da mit keinem wirklich warm geworden. Dieser Punkt geht für mich schon mal an die Shuoer.
Besonders gut gefällt mir das Leder-Case. Bei den Timeless ist so ein Aluminum-Klotz dabei, der zugegebenermaßen wirklich Stil hat und hochwertig wirkt...aber, praktisch ist der nicht. Den würde ich nicht in der Hosentasche herumtragen wollen. Mit dem bei den S12 mitgeliefertem Case ist das hingegen kein Problem.

Das Kabel der S12 findet sich bei Auslieferung in dem genannten Case. Im Vergleich zum Kabel des Timeless fällt direkt auf, dass dieses deutlich dicker ist. Auch die Stecker sind, sowohl auf Seiten der Ohrhörer als auch am 3,5mm Stecker, ausladender gestaltet. Das wirkt für einen IEM alles ungewohnt massiv. Um die Haltbarkeit mache ich mir da keine großen Sorgen. Was den Anschluss auf Hörer-Seite angeht, setzen die S12 auf eine 2-Pin-Variante, während der Timeless ja bekanntlich MMCX besitzt. Es ließe sich sicher darüber streiten, was jetzt besser ist. die Timeless besitzen aufgrund des drehbaren Anschlusses eine unter Umständen höhere Ergonomie, während die S12 einen gefühlt festeren Halt geben können. Was mir positiv aufgefallen ist: Das Kabel müffelt nicht. Sowohl das Kabel der Timeless als auch z.B. meiner KZ CRN haben einen chemischen Geruch an sich, der bei den Timeless zwar deutlich weniger ausgeprägt ist als bei den CRN, aber doch nach Wochen noch wahrnehmbar ist. Das Kabel der Shuoer hat das nicht und macht sich in Sachen Geruch nicht bemerkbar.

Dadurch, dass der Stecker der S12 auch auf Hörer-Seite recht massiv ist, sitzen sie etwas merkwürdig, was die Stelle angeht, an der das Kabel hinter den Ohren verschwindet. Diese ist hier ungewohnt hoch, und bei den Timeless eher da, wo man es erwarten würde. Das hat jetzt keine negativen Auswirkungen, sieht jedoch etwas merkwürdig aus, wenn man sich im Spiegel betrachtet.

Die Ohrhörer selbst sind aus Metall gefertigt und wie der Rest auch einwandfrei verarbeitet. Fühlen sich hochwertig an und erinnern in ihrer äußeren Form eher an einen klassischen IEM als die Timeless. Beim Tragekomfort können beide Überzeugen, wobei ich die Timeless wegen des angenehmer am Ohr anliegenden Kabels doch vorne sehe.

Auch vorne sind die Timeless in Sachen Abschirmung. Die passive Geräuschunterdrückung ist hier ne ganze Ecke besser als bei den Shuoer, die doch etwas mehr durchlassen. Das fällt vor allem bei der Verwendung von Schaumstoffaufsätzen auf, die bei den Timeless eine deutloich bessere Abschirmung bringen, während das Einfalltor bei den S12 an einer anderen Stelle liegt. Vor allem bei der Verwendung in lauteren Umgebungen sehe ich die Timeless hier vorne. Für leise Umgebungen spielt das hingegen keine Rolle. Die Abstrahlung von Ton nach Außen ist bei beiden in geringem Maße vorhanden.

Subjektiver Klangeindruck
Ich habe beide Kopfhörer die meiste Zeit mit den INAIRS AIR2 Memory Foam Aufsätzen verwendet und beide kommen sehr gut mit diesen Aufsätzen klar. Klanglich wird der Hochton leicht gedämpft, was zumeist keine Verschlechterung darstellt. Zu meinem Abschließenden Hören während des Reviews habe ich die S12 mit den mitgelieferten transparenten Silikon-Aufsätzen und die Timeless mit den SpinFit CP145 Silikon-Aufsätzen verwendet.

Und wie klingt der S12 nun? Sehr gut, so viel kann ich schon mal sagen. Und sehr ähnlich zum Timeless. Das ist auch nicht verwunderlich - beide teilen eine technische Basis und verwenden mutmaßlich den gleichen Treiber, was ich nach meinen Eindrücken definitiv unterschreiben würde. Aber: Sie klingen nicht identisch, ganz und gar nicht. Während es auch viele Gemeinsamkeiten gibt, so gibt es doch einige Unterschiede. Diese beziehen sich vor allem auf Frequenzen oberhalb der 2KHz, also eher im oberen Mittelton bis in den Hochton.

Untenrum sind die beiden Kopfhörer hingegen weitgehend gleich, während ich dem S12 einen Tick mehr Bass attestieren würde. Beide haben eine recht ordentliche Bassbetonung, die für mich jedoch zu keiner Zeit übertrieben wirkt oder die klangliche Vorherrschaft übernimmt. Wie ich je bereits im Thread zum Timeless geschrieben habe, gefällt mir der Bass außerordentlich gut, und das gleiche trifft auch auf die S12 zu.

Die größten Unterschiede finden sich wie schon angemerkt zwischen 2KHz und ca. 14KHz. Wie macht sich das bei der Musik bemerkbar? Die S12 sind vor allem im Präsenbereich von 3KHz bis 6KHz im Schnitt gute 2dB lauter als die Timeless. Das Verursacht eine direktere Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, kann aber unter Umständen auch schneller anstrengend wirken als mit den Timeless, die hier zurückhaltender sind. Nicht selten gefällt mir diese Direktheit der S12 besser, allerdings führt dies hin und wieder auch dazu, dass einem mit dem S12 schneller Sibilanten ins Ohr stecken, als mit den Timeless. Im Bereich um 8KHz sind dann die Timeless wieder betonter, wobei diese im dem Bereich sowieso etwas ungleichmäßiger daherkommen, als die S12. Doch jetzt rutsche ich schon zu sehr ins nächste Kapitel, kommen wir noch mal zurück zur Musik. Beide haben eine grundsätzlich natürliche Instrumenten-Darstellung, wobei die Timeless hier zuweilen doch einen Tick mehr zu überzeugen wussten.

Was ist mir denn sonst noch so aufgefallen? Die S12 haben eine größere Bühne. Vor allem wenn beide Schaumstoffaufsätze verwenden, während sich die Timeless mit den SpinFits ein gutes Stück Räumlichkeit zurückholen können. Mit der Bühnendarstellung der Timeless hatte ich immer so meine Probleme, da diese oftmals nicht wirklich existent ist. Das machen die S12 besser, wenn auch hier die Mittel für einen IEM relativ beschränkt sind. Manche würden sogar sagen Kopfhörer können generell keine Bühne, da muss ich klar Widersprechen, aber Eindrücke und Geschmäcker sind ja auch verschieden. Deshalb versuche ich den Klang auch, soweit möglich, zusätzlich mit objektiven Mitteln zu erfassen - und damit springen wir passenderweise direkt ins nächste Kapitel.

Objektiver Klangeindruck
Nunja, Klang und Objektivität ist ja immer so eine Sache. Mit einem Sinus-Generator kriege ich es allerdings gut hin. eine Messung der Kopfhörer für meine Ohren durchzuführen. Schauen wir uns zunächst mal die Messungen von Crinacle an:
S12 vs Timeless
Hier sieht man, dass die S12 wie beschrieben mehr Pegel zwischen 3kHz und 6kHz haben, was ich auf jeden Fall bestätigen würde. Oberhalb von 6KHz unterscheidet sich die Messung jedoch recht deutlich von meiner Wahrnehmung, was auch technisch bedingt ist, da hier ein Einflüsse durch das eigene Ohr verstärkt zunehmen. Daher würde ich mich auf Messungen ab ca. 5kHz im Generellen nicht mehr all zu sehr verlassen.
Meine Beschreibung bezieht sich jetzt vorwiegend auf den Bereich ab ca. 6KHz. Ermittelt in beiden Fällen mit Silikon-Aufsätzen.

Timeless:
Der absolute Pegel-Höhepunkt ist bei mir bei etwa 6,2KHz erreicht, wo sich der Resonanz-Peak befindet. Kleiner Hinweis an der Stelle, bei den Messungen ist der Resonanz-Peak durch Wahl des Abstandes zum Messmikrofon auf 8kHz Normalisiert. Der für meine Ohren übliche Wert liegt je nach Kopfhörer zwischen 5,8kHz und 6,6kHz. Dieser Punkt kann sich bei jedem Menschen unterscheiden.
Nach dem Resonanz-Peak geht es wie üblich wieder bergab. Bei 7,8KHz haben die Timeless einen Mini-Peak, der sich auch nur auf ca. 100Hz erstreckt. Danach bleibt es recht linear mit leichtem Abfall, was üblich ist. Bei 9,6kHz gibt es noch mal einen kleinen Peak, allerdings vermehrt auf der linken Seite, also eine kleine Kanalungleichheit an der Stelle. Bei 11,7kHz findet sich der 2. Resonanz-Peak, der hier jedoch recht verhalten ausfällt. Danach fällt es weiter ab, bis ab ca. 17kHz für mich nichts mehr zu hören ist. Da gibt es auch Kopfhörer, bei denen ist schneller Ende, das machen die Timeless hier ganz gut.

S12:
Der Resonanz-Peak liegt hier bei etwa 6,4KHz und somit etwas höher als bei den Timeless, und ist auch einen Tick stärker ausgeprägt. Die Timeless wiederum haben bei mir auch an der Stelle eine leichte Kanalungleichheit, die es bei den S12 nicht gibt. Danach läuft es bei den S12 gleichmäßiger weiter als bei den Timeless. Diesen 7,8kHz Mini-Peak gibt es hier auch - aber nur, wenn man ganz genau hinhört. Das bekräftigt für mich die Vermutung, dass hier der gleiche Treiber zum Einsatz kommt. Dennoch ist er hier nicht wirklich der Rede wert, aber er existiert. Generell gehen die Timeless hier schön linear vor, denn weitere nennenswerte Peaks und Dips gibt es nicht. Die übliche 2. Resonanz hier bei ca. 11,8kHz, die aber sehr mild ausfällt. Das in der Messung zu sehende Loch zwischen 11 und 15kHz kann ich keinesfalls bestätigen. Und auch nicht, dass die Timeless hier mehr Pegel haben sollen. Eher sind es die Shuoer, die hier noch etwas mehr Aufbieten. Am oberen Ende gehen die Timeless sogar noch ein Stück weiter, bis ca. 17,4kHz kann ich hier noch etwas wahrnehmen Das kann aber auch damit zusammenhängen, dass es eben an diesem Punkt der Wahrnehmungsgrenze noch mal einen Peak gibt.

Klangliches Fazit:
In ihrer objektiven Performance machen sich die Shouer S12 für mich definitiv besser als die Timeless. Es gibt weniger Peaks und Dips, insgesamt ausgewogener, aber auch generell etwas stärker betont, was die (wahrgenommene) Auflösung der Shuoer gegenüber den Timeless erhöht. Einzig der noch stärkere Resonanz-Peak ist nicht so schön, aber das ist auch zu großen Teilen technisch bedingt. Mit einem parametrischen EQ und dem Absenken des persönlichen Resonanz-Peaks lässt sich die mitunter wahrgenommene Schärfe im Klangbild so leicht verhindern. Aber auch der leicht Hochtonabsenkende Effekt der Schaumstoffaufsätze wirkt sich hier schon positiv aus, wenn man es etwas entspannter mag. Für mich legen die S12 damit in ihrer Gesamtperformance zu.
Beide brauchen nur wenig EQ und lassen sich auch ohne wunderbar hören. Abschließend würde ich sagen, dass die Timeless entspannter und die S12 analytischer klingen.

Fazit
Das war er nun, mein kleiner Vergleich zwischen den 7Hz Timeless und den Shuoer S12. Komme ich noch mal auf meine anfängliche Frage zurück: Habe ich mit den 7Hz Timeless die richtige Wahl getroffen?
Gerne würde ich diese mit Ja beantworten, aber ich kann es nicht. Doch auch mit einem Nein kann diese Frage nicht beantwortet werden. Beide Kopfhörer haben ihre Vor- und Nachteile, also muss es differenzierter betrachtet werden.
Für die S12 spricht aus meiner Sicht das Zubehör sowie der Klang, wenn man Wert auf mehr Details und eine technisch bessere Performance legt. Das hat aber auch ein bei manchen Songs schärferes und anstrengenderes Klangbild zur Folge.
Für die Timeless spricht hingegen der Tragekomfort, die Abschirmung sowie der Klang, wenn man Wert auf ein etwas entspannteres Klangbild legt. Die Timeless klingen bei vielen Songs angenehmer und gemütlicher, ohne dabei zu viele Details liegen zu lassen. Gerade für längere Hör-Sessions kann auch das besser sein.

Ich denke ein Vergleich passt hier ganz gut: Es ist ein bisschen wie bei Sennheiser. Die Shuoer S12 sind wie die HD600, und die 7Hz Timeless wie die HD650. Beide sind sich grundsätzlich sehr ähnlich, aber in den Details gibt es dann doch kleine aber feine Unterschiede. Die 7Hz Timeless sind also meine HD650-to-go...dabei habe ich für Daheim doch nur die HD600

Am Ende muss sich sagen: Die Timeless bieten für ihren Preis bereits eine außerordentlich gute Performance. Die S12 sind nicht schlechter, aber kosten noch mal ein ganzes Stück weniger, was sie in der Gesamtwertung vielleicht sogar noch ein Stück besser macht. Was einem dabei jetzt besser gefällt ist wohl Geschmackssache. Klang hat auch viel mit Gewohnheit zu tun, und die Unterschiede sind zwar im Direktvergleich wahrnehmbar - aber wenn man nur einen der beiden über längere Zeit verwendet, dann fällt das auch nicht mehr so ins Gewicht.
parasport
Stammgast
#2 erstellt: 27. Mai 2022, 12:44
danke Horowitz für die RR mit S12.

Ich beschränke mich auf nur paar wenige Anmerkung und Eindrücke zu Shuoer S12.

Die S12 haben mich angesichts des günstigen Preises positiv überrascht.
Die Soundcharakteristik der S12 ist "gefärbt", aber gefällig.
Sie liefern im Grundton präsenten Bass, die für Elektro und andere bassbetonte Musikrichtungen guten Punch abgeben.

Meine CCA C12 (ca40€) spielen verglichen mit den S12 2 Klassen tiefer, was sich in der breiteren Bühne und räumlichen Klangwahrnehmung manifestiert mit deutlich kultivierterem Bass. Die S12 wären ein würdiger Ersatz.
Die CCA C12 mutieren zu klanglichen Traktor. Grobschlächtig und ungehobelt.

Die S12 haben für mich allerdings einen ergonomischen Nachteil, weshalb sie für mich leider nicht in Frage komen.
Das Austrittsröhrchen ist zu kurz.
Ich kriege sie nicht tief genug reingesteckt.
Schade.
RunWithOne
Inventar
#3 erstellt: 04. Jun 2022, 15:52
Bevor ich zu meinen subjektiven Eindrücken zum Shuoer S12 komme, vielen Dank an Frank , der diese Rundreise ermöglicht hat. Man könnte meinen die IEM Manufakturen schießen in China wie Pilze aus dem Boden. Ständig tauchen neuen Marke und Modelle am Horizont auf. Im Normalfall erlaubt das Hobbybudget es nicht, auch nur einen Bruchteil davon kennenzulernen. Umso mehr freue mich immer noch auf jede Rundreise.

Unboxing/Lieferumfang
Der S12 kommt in einer kompakten Pappverpackung. Die „übliche“ Anzahl Eartipps in 3 Größen ist dabei. Ebenso ein kleines Hardcase aus billig wirkendem Kunstleder. Für den sicheren Transport geht dies beim aufgerufenen Preis jedoch in Ordnung. Ein 6,3mm Adapter wird manch einer vermissen. Für uns eingeschworene IEM-Fans sicher kein Problem. Habe ich doch ausreichend davon in der Schublade. Das 2 Pin Kabel ist recht stark im Durchmesser und könnte filigraner ausgeführt sein. Optisch und haptisch geht es für mich absolut in Ordnung. Es passt farblich perfekt zu den kompakten Gehäusen des S12. In der Anleitung findet sich u.a. ein einfach gehaltenes Diagramm mit der Frequenzantwort. So etwas sollte eigentlich bei ernsthalten IEM/KH Standart sein.

Tragekomfort/Seal
Erfreulicherweise verschwinden die kleinen optisch gelungenen Gehäuse, komplett im Ohr. Das Kabel fällt mit ca. 115cm zwischen den Steckern recht kurz aus und könnte für meine Anwendung länger sein. Statt der mitgeliefertem Foams habe ich ein paar meiner Schaumtipps probiert. Das Ergebnis war wie erwartet ernüchternd. Foams sind einfach nicht meins, der Seal ist nicht mal nahe an gut. Ein Paar der Originaltipps habe ich als nächstes getestet. Aber auch hier klang das Ergebnis schlimmer als der Graph der frequency responce erwarten ließ. Also ging es wie üblich an meine gesammelten Werke. Probiert habe ich CP500 (aus der SpinFit RR), CP145, CP100 (II) und Final Audio. Der Seal verbesserte sich damit deutlich, was sich klanglich durch mehr Fundament und etwas sanfter klingende oberen Mitten bemerkbar machte. Jetzt konnte es los gehen. Wie

klingen
die S12 den nun? Alle verwendeten Tipps führen grundsätzlich zur gleichen Einschätzung, weisen aber subtile klangliche Unterschiede auf. Daher werde ich im Einzelnen nicht darauf eingehen.
Als Vergleichspartner bot sich mein IMR Acoustics EDP+ (Every Day Planar) an. Hierbei handelt es sich um einen Hybrid IEM. Dem planaren Treiber steht als Spielpartner ein dynamischer Treiber mit einer Hauptmembran aus Kohlenstoff-Nanoröhren (CNT) mit einer Beschichtung aus amorphem diamantähnlichem Kohlenstoff (ADLC) zur Seite steht. Den EDP+ fahre ich als offenen IEM. Er bietet diese Möglichkeit über einen Wechsel der Faceplate.
Der S12 klingt für seine Preisklasse erfreulich sauber und aufgeräumt. Beim Betrachten der Frequenzantwort keimte in mir der Verdacht auf, dass er eher ein Analytiker, denn als mitreißender Fußwipper ist. Der „Harman“ Buckel liegt im Maximum über dem Low End. Das ist traditionell schwierig für meine Ohren. Grundsätzlich stellt der Shouer Klangereignisse sauber, aber auch etwas dünn bzw. mit schärferer Kante dar. Das Problem war beim ersten Hören jedoch weniger störend als erwartet. Der IEM macht gerade in analytischer Hinsicht Spaß. Er eignet sich damit eher für „modern“ und „fett“ produzierte Musik. Der Bass ist recht schlank und nicht dominant, die unteren Mitten zurückhaltend. Damit habe ich in diesem Kontext kein Problem. Die beiden über die Harman Kurve hinaus schießenden Peaks lassen ihn für mich sehr neutral klingen. Leider macht ihn das recht anstrengend. Ich habe ihn mit den Boardmitteln meines DAP eingebremst. Die da wären Hybrid- bzw. Röhren Amp, EQ Preset Normal und DAC Filter Minimum Phase Slow Roll-Off (betont Low End/Wärme). Den EDP+ kann ich hingegen im OP Amp Modus mit dem Defaultfilter Linear Phase Fast Roll-Off (betont obere Mitten/High End) ohne EQ hören.
So sehr ich auch am sauberen Low End des S12 Gefallen finden kann, so sehr stören mich die Peaks. Die fehlende Wärme und auch die kräftige Überhöhung bei 8kHz ist dabei eigentlich noch recht unproblematisch. Das suggiert in der Summe eine schöne Luftigkeit und lässt auch das eine oder andere Detail deutlicher erklingen. Diese „Effekthascherei“ ist für den Moment sehr schön, mir aber langfristig nicht wichtig dazu anstrengend. Gerade der 2,5kHz Peak vergällt mir die Freude am Gitarrenspiel. Der IMR, den ich mit der Kombi grau/blau (Basstube/Höhenfilter) für high clarity & resolution with clear midrange (Zitat IMR) fahre, kann das auch. Dabei klingt er runder und lieblicher, ist damit gefälliger und langzeittauglich. Insgesamt hat er einen vergleichsweise voluminöseren Bass und mit der erwähnten Filterkombi etwas mehr Grundton bzw. Wärme. Die Musik kling fülliger und mitreißender, ist damit weniger analytisch. Im HiFi-Schwurbel nennt man das möglicherweise musikalisch. Trotz der angesprochenen Luftigkeit des S12, die er neben der kleinen Bohrung wohl hauptsächlich den beiden Peaks zu verdanken hat, besitzt der IMR die größere Bühne. Natürlich spielt ihm hier der offene Rücken in die Karten.

Fazit
Der Shuoer S12 ist ein Vertreter der technisch analytischen Spielweise mit neutraler Ausrichtung. Er reiht sich für mich nahtlos in die Klangphilosophie asiatischer Anbieter ein. Dabei erreicht er preisintensivere Kaliber wie Thieaudio, Queen of Audio oder Softears keinesfalls. Ich kann mir gut vorstellen, daß er damit gut im gehoben Budgetbereich ankommt, wenn die persönlichen Präferenzen passen bzw. die Musik entsprechend abgemischt ist.
bonglee23
Stammgast
#4 erstellt: 27. Jun 2022, 14:28
Vielen Dank an Frank für die Gelegenheit, diesen tollen In Ear, den Shuoer S12 testen zu dürfen!

Hier wurde schon viel über den S12 geschrieben, daher fass ich mich kurz und gebe nur meine Eindrücke weiter.


Die Gehäuse und das dicke Kabel fühlen sich sehr hochwertig an. Die Pins der Anschlüsse sehen aus als würden sie schnell verbiegen, aber wenn sie einmal stecken, ist alles solide und nichts wackelt.
Ich würde mir eine deutlichere links/rechts Markierung auf den Hörern wünschen (und dem Kabel, hier ist gar keine vorhanden, ich gehe mal davon aus dass rot wie üblich rechts ist ), jedoch ist links/ rechts durch die Form und Biegung der Kabel praktisch nicht zu vertauschen.
Das Kabel hat für den mobilen Einsatz genau die richtige Länge, aber wenn der KHV etwas weiter hinten auf dem Schreibtisch steht, oder man sich zurücklehnen will, ist es definitiv zu kurz. Mir ist es jedenfalls zu kurz, vor allem für den Einsatz am PC/KHV. Weiterhin finde ich es ziemlich schwer, aber immerhin ist es flexibel genug.

Die Klangsignatur ist genau wie ich sie mir wünsche: mit tollem Bass (er hat schon eine deutliche Betonung im Oberbass, aber nie übertrieben oder störend) und sehr klaren Höhen (die nicht zischeln, blechern, spitz oder anstrengend klingen).

Was mir spontan in den Kopf kam, war - der klingt wie der Monolith M1570, den ich neulich testen durfte, mit etwas mehr Bass. Kein Wunder, auch Planar Magnetic. Genau wie der M1570 hüllt mich der S12 wunderbar in den Klang ein und versetzt mich mitten ins Geschehen

Ich weiß nicht was man sich noch mehr von einem IEM wünschen kann - habe allerdings auch noch nie einen teureren gehört. Bzw. einen, den Fiio F9 über eine Rundreise. Den fand ich total langweilig, bin allerdings auch keiner der analytisch hört.

Ich liebe jedenfalls den Klang des S12 und habe ihn mir mittlerweile auch gekauft.
Er ist bei Amazon aktuell mit 19 € Rabatt für dann 170 € erhältlich, mit Versand durch Amazon. Ich hatte sogar Glück und konnte ihn vom selben Verkäufer mit 28 € Rabatt bekommen, war wohl eine zeitlich begrenzte Aktion. So oder so, eine klare Kaufempfehlung von mir.

Viele Grüße,
Stefan
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