Sennheiser IE300 Reviews (Rundreise)

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frix
Inventar
#1 erstellt: 28. Feb 2021, 14:35
Dachte mir ich mach schonmal den Thread auf. Reviews dürften dann so nach und nach folgen.


[Beitrag von frix am 28. Feb 2021, 14:36 bearbeitet]
Pd-XIII
Inventar
#2 erstellt: 01. Mrz 2021, 12:00
Ah cool, danke fürs Erstellen des Threads, dann will ich mal den Anfang machen:

Alles Begann an einem der ersten richtig sonnigen Tagen dieses noch jungen Jahres (Flashbacksequenz wird eingeleitet)...

Hurra, das Päckchen ist da. Da das Gewicht im Verhältnis zur Kartongröße viel zu niedrig ist muss ich gar nicht erst auf den Absender schauen um zu wissen was darin ist. Es handelt sich um einen hochweritgen aber nicht mit übertriebenem Aufwand gestalteten Karton auf dem man den Inhalt großflächig präsentiert bekommt. Ich liebe einfach dieses Gefühl, wenn man einen Karton nur am Deckel festhält und der Boden mit der Ware sich so langsam schmatzend absenkt, bis er sanft auf der Tischplatte aufsetzt und das Objekt der Begierde Preis gibt.
Gut, das wäre jetzt etwas übertrieben, denn der IE 300 hätte bei mir nie einen „Haben-Will“ Effekt ausgelöst. Da bin ich mittlerweile ziemlich voreingenommen und speziell durch die letzten Wochen mit den Tests vieler IEMs unterschiedlichster Preisklassen und Wandlertechnologien bin ich der Meinung, dass ein „Breitbänder“, vor allem für das Budget, überhaupt nicht mehr zeitgemäß ist und mir nichts bieten kann, was mich anfixen könnte. Aber ich bin ja durchaus gewillt, mein eigenes Schubladendenken immer mal auf die Probe zu stellen.

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Auf den ersten Blick gefällt mir schon einmal was ich da sehe und auch hinsichtlich Haptik bleiben nicht viele Wünsche offen. Das erste was mir auffällt ist, dass die Hörer unglaublich leicht sind. Und zwar alles, also die Gehäuse, das Kabel, der Stecker. Alles ist recht schmal gehalten. Sogar der abgewinkelte 3,5mm Klinkenstecker ist so ziemlich der Kleinste seiner Art, den ich je zwischen den Fingern hatte. Das Kabel ist ebenfalls vollkommen unauffällig, die Graphitfarbene Ummantelung ist sicher nicht jedermanns Sache, da sie doch etwas billig aussieht. Für meinen Geschmack ist es weder zu weich noch zu steif, wobei es schon eher zu letztem neigt. Der Y-Splitter ist hochwertig und dezent in mattem Aluminium gehalten und der Zipper rutscht leicht die Kabel entlang, fixieren an Position aber ordentlich. Wenn ich mir am Kabel etwas wünschen würde, wären es 10cm mehr Länge vor dem Klinkenstecker. Wenn ich das Kabel den Rücken entlang nach unten führe wird der Weg in die Hosentasche eine knappe Geschichte und ab und an kommt etwas Zug an den Ohren an. Die Quelle wandert also vorerst in eine der beiden Gesäßtaschen.

Aber kommen wir zu den Gehäusen und somit dem eigentlichen Protagonisten. Es wurde ja schon im Vorfeld über die Autoscooter-Glitzertupfen diskutiert und es gilt natürlich wie immer: Ist halt Geschmackssache. Mir gefallen sie. Mir hat aber auch der Kinera Freya sehr gut gefallen, auch wenn dieser pompöse Kitsch im Normalfall nicht meinem Stil entspricht. Bei den IE 300 ist es aber mehr oder weniger egal, denn ohne direktes Licht und mit üblichem Abstand betrachtet fallen die Tupfen gar nicht mehr so auf und sorgen eher für eine Aufwertung durch eine angedeutete Marmorierung, also zumindest aus meinem Betrachtungswinkel. Die Gehäuse sind wie schon beschrieben sehr leicht. Dies gelingt aber ohne haptisch billig zu wirken. Die leicht raue Oberfläche hat etwas recht industrielles und beständiges, zweckmäßiges an sich. Und sofort kommt mir wieder der CTM CE320 in den Sinn, der ja eben für den professionellen Einsatz gemacht wurde und dementsprechend auf irgendwelche besonderen Designelemente verzichtete. Bis auf die Tupfen schlägt der Sennheiser einen ähnlichen Weg ein. Nur eben mit einem hochwertiger wirkenden Kunststoff. Die äußerst kleine Bauform tut ihr übriges und lässt vermuten, dass der IEM sehr schnell im Ohr vergessen sein wird. Also zumindest, wenn das Schallröhrchen genauso unauffällig ist. Hier war ich jetzt wirklich mal gespannt, denn das Schallröhrchen ist mit seinen gerade mal 4mm wirklich kurz und damit ein leichter Gegenpol zu vielen China IEMs. XperiaV hatte sich ja noch um ein paar zusätzliche Tips gekümmert, so dass kein Tester sich irgendwie zurückhalten musste und die verschiedenen Größen ausprobieren konnte. Auch diese sind relativ kurz gehalten und dringen somit weniger tief in den Gehörgang ein. Ich entschied mich zuerst für Größe M, da mir der Durchmesser der Röhrchen relativ breit vorkam und ich meine Gehörgänge nicht unbedingt als Groß bezeichnen würde. Ich hab aber gleich beim Einsetzen gemerkt, dass der Schein trügt, vielleicht durch das Verhältnis von kurzem Rohr zu normal dickem Durchmesser. Schon das Wechseln der Tips macht etwas Freude, weil sie mit einem saftigen Klick einrasten uns somit unmittelbar Feedback geben, dass sie richtig sitzen. Da ist kein Drehen und Drücken notwendig, ganz zu schweigen von irgendwelchen Ausflügen in die Gefriertruhe.
Anders als bei vielen anderen Foam-Tips müssen die von Sennheiser nicht zum Einsetzen komprimiert werden. Sie sind weich genug und mit einer glatten Oberfläche versehen, sodass man sie einfach in den Gehörgang drücken kann. Das macht es sehr komfortabel möglich, die Hörer aus dem Ohr zu nehmen und wieder hinein zu stecken. Der ins Kabel integrierte Draht für über das Ohr ist sehr flexibel, hält aber seine Position und passt sich gut an. Hier ist Sennheiser wirklich ein sehr guter Kompromiss aus Flexibilität und Halt gelungen. Es drück nicht, stört nicht und wird überhaupt nicht wahrgenommen. Und genau das trifft ungefähr auch auf den IE300 zu.

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Denn alles was ich bisher beschrieben habe kommt jetzt zusammen und addiert sich zu einem der angenehmsten Hörer, die ich bisher im Ohr hatte. Er ragt nicht weit ins Ohr hinein, wodurch er im Gehörgang nicht klemmt. Die weichen Tips sorgen für einen so leichten Druck, dass der Hörer zwar fest sitzt, aber nicht drückt. Das kleine Gehäuse ragt nicht aus dem Ohr heraus sondern legt sich geschmeidig in die Concha und klemmt sich trotzdem gerade noch so fest in die Muschel, dass der Sennheiser nicht verrutscht. Auch nicht, wenn Zug aufs Kabel kommt. Und zu guter Letzt sorgt das sehr geringe Gewicht dafür, dass die IEMs kaum auffallen. Speziell wenn man nebenbei noch etwas anderes macht, vergisst man dessen Anwesenheit vollkommen.
Unterstützt wird das Ganze von der Isolation, welche nicht wirklich hoch ist. Heißt, dass man auf der Straße schon noch hören kann, wenn ein Auto herankommt, oder dass ich merke, wenn ich angesprochen werde. In vielen Situationen stellt das einen für mich willkommenen Vorteil dar, in Öffis oder gar einem Flugzeug wäre mir das aber zu wenig und ich würde eher auf die Silikontips wechseln. Diese hatte ich mal wieder erst entdeckt, als ich die Hörer desinfiziert und wieder verpackt habe. Somit hab ich diese nicht ausprobiert.
Wenn der Winkel des Schallröhrchens einen Hauch steiler wäre und das Röhrchen selbst minimal dünner bei gleichbleibendem Tip Durchmesser, dann würde der IE300 sogar meinen bisherigen Sitz-Champion CE320 vom Thron stoßen. Da dies aber zu individuell ist, kann das nicht als Wertung hergenommen werden, eher als Vergleich.

Knapp eintausend Wörter und kein einziges über den Klang. Aber darauf kommt es doch eigentlich an. Also legen wir los. Nachdem ich neulich mal wieder mein CD-Regal abgestaubt habe sind mir etliche Alben aufgefallen, an die ich mich gar nicht mehr erinnern konnte. Eines davon war Dr. Dee von Damon Albarn, von dem ich nur noch wusste, dass es gut produziert und abwechslungsreich war. Also raus mit der Tonkonserve und auf den X1 geladen. Die Oper beginnt sehr idyllisch mit Vogelgezwitscher und sofort wird klar, dass räumliche Abbildung ganz klar zu den Stärken des IE300 gehört. Die Kombination daraus mit dem unauffälligen Tragekomfort und der eben nicht vollkommenen Isolation lässt sehr schnell das Gefühl aufkommen, dass man einen offenen OverEar aufhat. Es fühlt sich luftig an. Dann setzt unverhofft die Kirchturmglocke ein. Entfernt und gut positioniert. Bisher ist alles wirklich harmonisch, so mit dem Geplätscher des Brunnens im Hintergrund.
Dann setzt das Orchester ein und das Szenario wechselt schnell ins Dramatische. Spätestens wenn die Orgel anschlägt bekommt man den ersten Eindruck, wo der Sennheiser einzuordnen ist. Und zwar definitiv auf der Neutralen Seite. Zwar ist der Bass angehoben, aber nicht so, dass es als aufgedickt zu bezeichnen wäre. Eher ein guter Mittelweg zwischen zu harmlos und spaßig. Kommt mir persönlich sehr entgegen. Ausgesprochen tief runter reicht die Wiedergabe nicht, aber noch ausreichend. Für einen Dynamiker überraschend ist, dass der Tiefton trotzdem „schnell“ wirkt und schnell ausschwingt. Sicher kein Vergleich zu einem BA, aber der 7mm Treiber muss sich ja auch um alle anderen Frequenzen kümmern. Ob ihm das gut gelingt, habe ich im Vorfeld kategorisch angezweifelt und muss mir eingestehen, dass ich dem IEM damit Unrecht getan habe, denn diese Aufgabe übernimmt er ausgezeichnet. Ich sehe sogar leichte Vorteile, da die Übernahmefrequenzen kein Risiko für komischen Abweichungen bergen, da gar nicht erst vorhanden. So erfolgt der Übergang in die Mitten fließend und meines Erachtens nach nur minimal abfallend. Stimmen werden Butterweich dargestellt und sind zu jeder Zeit klar verständlich, und sei das musikalische Geschehen noch so komplex. Lediglich bei reiner Stimmwiedergabe wie Podcasts oder Hörbücher wirkt er etwas steril, dafür ist eben die Verständlichkeit durchgängig gegeben.

Auch die Positionierung stimmt und ist jederzeit nachvollziehbar. Richtig überrascht hat mich im ersten Moment die Auflösung. Auch hier hätte ich mir im Vorfeld nicht vorstellen können, dass diese so fein ist. Saiteninstrumente kommen sehr natürlich zur Geltung und man kann das Ausschwingen sehr gut nachvollziehen. Diese Auflösung wird allerdings erkauft, durch einen ebenso leicht angehobenen Hochton, nicht gänzlich übertrieben aber doch mehr als der Tiefton. Also ein leichtes U-Shape mit einer ausgeprägten Hochtonseite. Im ersten Moment war mir das schon zu viel des Guten. Grund dafür ist, dass der Bereich der Sibilanten schon hervorsticht. Noch nicht übermäßig unangenehm aber eben deutlich wahrnehmbar. Jetzt bin ich in dem Bereich auch schon mal von Tag zu Tag mehr oder weniger empfindlich und ich weiß, dass ich erst ein paar Stunden brauchen kann, bis ich einen Hörer verstanden habe. Also hab ich mir Sonntagmorgen die IE300 in die Ohren gesteckt und mal zwei Stunden am Stück im Hintergrund laufen lassen, während ich im Laden meiner Frau für Ordnung gesorgt habe. Je länger ich mit dem Sennheiser gehört habe, desto verzeihender wurde ich den Sibilanten gegenüber. Alles in allem erinnert er mich sehr an den Beyerdynamic DT880, also einen hellen Neutralo mit Hang zum zischeln. Kann stören, wird aber Vielen gefallen.
Die Positionierung einzelner Instrumente ist glasklar nachzuvollziehen aber nicht klinisch separiert. Ich würde ihm dennoch das Attribut Arbeitswerkzeug zuschreiben. Überrascht hat mich hier der Tiefton, denn auch die unteren Register werden sauber positioniert und ein Kontrabass spielt auch mal links außen, wenn die Konserve das so will. Und trotz alledem werden andere Instrumente nicht überlagert. Also alles sauber aufgeräumt. Die Bühne selbst würde ich als weit bezeichnen, eher breit als tief. Das Musikgeschehen findet mehr um einen herum als vor einem statt. Aber das ist sicher wieder stark subjektiv und von der Aufnahme abhängig. Während ich so dasaß und mir Dr. Dee zu Gemüte führte musste ich feststellen, dass die Oper eigentlich ganz gut geeignet ist um die Vielseitigkeit eines Hörers zu ermitteln. Es kommen einfach sehr viele Genres mit unterschiedlichsten Instrumenten zusammen. Von den Atmosphärischen Anfängen über Albarn-typischen Singsang bis hin zu Tenor, Trommeln und Orchester. Funktioniert hat grundsätzlich alles. Also ich konnte jetzt kein Genre ausmachen wo der IE300 eine schlechte Figur abgab. Allerdings kommen akustische Gitarren und Kontrabässe schon sehr intim und natürlich rüber. Somit ist für mich das perfekte Album in Kombination mit dem Sennheiser IE300 George Bensons „Beyond the blue Horizon“, dem man seine 4 Jahrzehnte wirklich nicht anmerken will.

Nun aber genug der Lobhudelei, nicht dass noch der Eindruck entsteht, der IE300 wäre einfach für alles gut. Bei guten Aufnahmen ist es nur schwer möglich ein schlechtes Ergebnis abzuliefern. Ich erspare mir das Offensichtliche und lasse miese Produktionen von vorneherein außen vor. Dass diese hemmungslos enttarnt werden bezweifle ich nicht im Geringsten. Aber wie sieht es denn mit „Standard“ Produktionen aus?
Eröffnet wird der Reigen mit Flogging Molly und ja, das geht. Das sind ordentliche Produktionen die aber eben nicht im Geringsten als Audiophil zu bezeichnen sind. Die Kombination aus Saitenintrumenten und Flötenklängen funktioniert doch besser als gedacht. Aber die Sibilanten mischen zu sehr mit. Das Gleiche gilt ebenfalls für sämtliche Rockmusik, egal welchem Härtegrad. Es passt alles zusammen, aber die Sibilanten lassen den Snares und Becken der Schlagzeuge eine für mich unangenehme Schärfe zukommen. Da mich das Zischeln bei Stimmen weitaus weniger stört würde ich den Frequenzbereich zwischen 7-8,5 kHz noch als leicht angehoben bezeichnen, was durchaus durch individuellen Geschmack und Wahrnehmung stören oder gar gefallen kann. Also eine Betonung aber noch keine Übertreibung, man kann sich unter Umständen dran gewöhnen. So hatte ich nach zwei Tagen zum Abschluss richtig Spaß mit dem Album „Bride oft he Devil“ von Electric Six wobei die Sibilanten nur noch störend wirkten, wenn ich wirklich bewusst auf die Musik geachtet hatte.

Aber ein ums andere Mal fasziniert mich die Detailtreue, die der IE300 zu Tage fördert. Wenn ich es nicht wüsste, würde ich auf mindestens einen Zweiweger tippen. Das bringt mich wieder dazu, meine eigene Voreingenommenheit zu hinterfragen. Der einzelne Dynamiker hat ja doch auch seine Vorteile. So ist es ihm unter anderem vollkommen egal, an welcher Quelle er hängt, solange diese nicht rauscht. Ich konnte zumindest keine Unterschiede zwischen X1, XD-05, Smartphone, Laptop oder Dockingstation feststellen.

Fassen wir zusammen:
Der Sennheiser IE300 ist ein trotz allem durchaus als neutral spielender Hörer zu bezeichnen. Wenn er in eine Richtung tendiert, dann definitiv in die der hellen Abstimmung. Das verwendete Wandlerprinzip ist super umgesetzt und kann trotz allem auf jeden Fall als zeitgemäß angesehen werden. Gerade in Zeiten, in denen 4+ Treiber pro Seite keine Seltenheit mehr sind, tut es gut erfahren zu können, dass weniger auch mehr sein kann und es auch mit nur einem Treiber möglich ist, einen sehr hoch auflösenden Kopfhörer zu entwickeln. Von der Gesamtabstimmung ist er sehr vielseitig einsetzbar. Wenn man bisher keine Probleme bspw. mit dem sagenumwobenen Beyerpeak hatte, könnte der IE300 einen Blick wert sein. Vom HD650 kommend wird es ein ziemlich harter Umschwung sein.
Wenn man mit dem Frequenzverlauf zurechtkommt, wird man mit einer tollen Bühne samt zugehöriger Raumdarstellung belohnt.
Hab ich noch was vergessen? Ach ja, den Hörer an sich. Denn den vergisst man dank des clever Konstruierten Gehäuses und dem daraus resultierenden Tragekomfort wirklich schnell. Einfach alles an dem Hörer ist darauf ausgelegt, unauffällig und in keinem Moment wahrnehmbar zu sein(abgesehen von der Musik natürlich).

Mein großer Dank geht an XperiaV für die Organisation der Rundreise sowie Sennheiser für das Bereitstellen des Hörers. Ich verbringe jetzt noch ein paar schöne Momente mit dem IE300 bevor ich ihn wieder reinige und verpacke.
frix
Inventar
#3 erstellt: 01. Mrz 2021, 17:03
Schönes Review Pd-XIII
frix
Inventar
#4 erstellt: 01. Mrz 2021, 17:32
Hier dann auch mal mein Review...

Vorwort:
Über die letzten Jahre ist bei mir eine kleine stetig wachsende IEM Sammlung entstanden.
Meine neugier hat mich dazu bewogen Single DD, Single BA, Multi BA und Hybrids auszuprobieren.
Ich hab schon viele Stöpsel im Ohr gehabt und bin mitterweile auch nicht mehr von allem leicht zu begeistern
Hier mal das aktuelle Inventar, damit ihr wisst was ich sonst so im Ohr habe.
Audiofly AF180 (4BA)
Brainwavz B100 (Single BA)
Final E4000 (Single DD)
Moondrop Starfield (Single DD )
Moondrop S8 (8BA)
Oriveti Oh500 (1DD + 4BA)
Sony XBA N3 (1DD + 1BA)
Fiio Fh3 (1DD + 2BA)
Airpods Pro


Optik/ Verarbeitung/Zubehör
Die Verpackung ist im klassischen Sennheiser Design gehalten. Eine kompakte, simple Pappschachtel ohne aufregende Unboxing-Feelings.
Man findet neben den IEM ein MMCX Kabel mit 3,5mm klinke,
Drei Paar Silikon Tips (S,M,L), drei paar Schaumstoff Tips (S,M,L) und eine recht stabile Transportbox aus gewebten Textil.

Die IEM sind in natura nochmal kleiner als man es von Bildern her vermuten würde und in einem schwarzen, matten Kunststoff mit subtilen Glitzerpartikeln gehalten. Gut Verarbeitet, aber rein von der Materialität löst eine simple Plastik-Ästhetik bei einem knapp 300€ IEM natürlich keine Begeisterungsstürme aus. Wobei man ehrlich sagen muss, dass Plastik/Akryl an sich das beste Material für IEMs ist. Es ist leicht, solide und angenehm bei Hautkontakt. Metall ist wertig, schwer und stabiler, rein aus ergonomischer Sicht aber schlechter. Beim Design stand offensichtlich die Funktionalität an oberster Stelle, das sich an der ähnlich aussehenden pro Serie (IE40Pro, IE400pro und IE500pro) anlehnt.
Das Kabel ist im Gegensatz zur Pro Serie mit dem üblichen MMCX Standard ausgestattet und lässt sich frei rotieren und wird über dem Ohr getragen. Im Ohrbereich ist es mit einem recht weichen Draht verstärkt um es in Form zu biegen. Es hat eine angenehme dicke und neigt nicht besonders stark zum verheddern.
Die 3,5mm Klinke ist super kompakt und klein gehalten. Eine sehr gute Sache, wenn man wie ich seine Smartphone/DAP in die vordere Hosentasche trägt.
Leider verursacht das Kabel doch überraschend viel Mikrofonie, was u.a. vermutlich der recht griffigen Gummierung geschuldet ist. Da sehe ich Verbesserungspotential. Auch ziehe ich Kabel ohne Ohrführung vor, finde es aber beim IE300 ganz gut gelöst und denke, dass es sogar nötig ist, da der sehr kleine und leichte IE300 sonst schnell verrutschen könnte.
Sowohl Silikontips als auch die Schaumstofftips haben im Schallrohr ein Stück Schaumstoff und an der Öffnung eine Gitterartige Struktur. Ich vermute mal beides dient als Schmutzfänger. Hier wäre eine Messung interessant um zu sehen ob der Schaumstoff auch einen Effekt auf den Frequenzgang des IE300 hat. Insbesondere wenn man andere Tips verwenden möchte.
Die Silikontips sind sehr dünnwandig und weich. Was einen etwas billigen Ersteindruck erzeugt. Die Schaumstofftips sind kein Memory-Foam aber außen glatt beschichtet was sie etwas unempfindlicher gegen Schmutz machen sollte.

Komfort und Isolation
Meine Überraschung war groß als ich nach nicht mal 5min rumprobieren schon einen perfekten Sitz in meinen Ohren hatte.
Normalerweise zieht sich das bei mir über Tage und ich probiere alle möglichen After-Market Tips aus.
Der IE300 hat neben seinen sehr kompakten Abmessungen auch sein sehr kurzes Schallröhrchen und recht kurze Tips.
Er sitzt nur sehr oberflächlich im Ohrkanal (ähnlich wie die Airpods pro), was aber in Kombination mit dem kleine Gehäuse, dass dafür sehr Tief im Ohr sitzt, hervorragend funktioniert. Die sehr weichen Silikontips sind komplett unaufdringlich und sorgen dennoch für eine gute Abdichtung bei mir. Schon nach 2-3min spüre ich fast nichts mehr in meinen Ohren. Somit hatte ich auch überhaupt kein Bedürfnis mehr noch andere Tips auszuprobieren.

Ohne Übertreibung: Ich hatte bisher wirklich noch keinen bequemeren IEM in meinen Ohren der dabei gleichzeitig auch noch stabil sitzt.
Als ob er für micht gemacht wäre. Wirklich ganz große Klasse.

Die Isolation konnte ich in der kurzen Zeit nur in der Wohnung testen. Im Vergleich zu meinen anderen DD IEM ist sie etwas über dem Durchschnitt aber natürlich nicht so gut wie bei einem voll geschlossenen BA Modell. Ein unangenehmen Vakuum Effekt, wie bei besagten BA-Modellen gibt es nicht, da der IE300 auf der Vorderseite belüftet ist. „Driver-Flex“ war ebenfalls kein Thema.

Klang
Vor ein paar Jahren hatte ich mal den IE800 zuhause, der eine ähnliche Klang Philosophie verfolgt und für den Sennheisers eigener 7mm XWB Treiber entwickelt wurde. Ich fand seinen Sound damals beeindruckend, aber er blieb bei mir einfach nicht im Ohr sitzen und musste deshalb schnell wieder gehen. Insgeheim hoffte ich damals immer auf einen Nachfolger mit besserer Ergonomie.

Ich hatte mir im Vorfeld schon diverse Frequenzgangmessungen angesehen und wusste, dass er ziemlich anders sein wird als was ich sonst so in meiner Sammlung habe. Ganz ehrlich, hatte mich der IE300 nur am Rande interessiert und ich hätte ihn vermutlich nicht weiter verfolgt wenn es nicht diese Testaktion gegeben hätte.

Ok, also ans LGV30 Smartphone angestöpselt, ins Ohr gesteckt und Musik gestartet.
Mein erster Eindruck: Boom...Zisch, Boom...Zisch.

In letzter Zeit hatte ich viel mit dem Moondrop S8 gehört, der eine Harman neutrale Signatur hat und ein reiner BA IEM ist. Für mein darauf geeichtes Ohr war das erstmal ein kleiner Kulturschock. Soviel warmer bass, so wenig obere Mitten und ein deutlich angehobener Hochton, sehr ungewohnt.

Der IE300 ist alles, nur kein neutraler IEM (in meinen Ohren). Dafür ist der Bass zu stark angehoben und der Anstieg beginnt zu früh in den unteren Mitten. Die oberen Mitten sind recht zurückhaltend und haben nicht die breite Betonung bei 3khz (pinna gain) die mittlerweile breiten Anklang findet.
Im Hochton zieht er dafür wieder kräftig an und rollt dabei kein bisschen ab.
Wir haben hier also ein V-Shaped bzw. eher U-Shaped Tuning. Etwas unüblich in dieser Preisklasse.

Obwohl diese Signatur für mich ungewohnt ist hat sich schnell gezeigt was für ein technisch brillanter IEM das ist. Dieser winzige 7mm Treiber spielt derart sauber, verzerrungsarm, hochauflösend und mit einer Dynamik, dass ich teilweise echt baff war.
In meiner Laufbahn habe ich bis dato noch nie einen so guten Hochton in einem IEM gehört. Extrem transparent, auflösend und dennoch weich, weder spitz noch hart. Sennheiser schreibt hier etwas von einem Resonator, eine Weiterentwicklung vom IE800. Dieser soll typische Resonanzfrequenzen, die beim verschließen des Ohrkanals entstehen, dämpfen und somit das maskieren höherer Frequenzen verhindern.
Für mich ist das nicht nur Marketing sondern tatsächlich hörbar anders und besser.

Dem ganzen musste ich mit einem Sine-Sweep auf den Grund gehen und tatsächlich konnte ich im typischen Bereich von 5-8khz keinen Überhöhung feststellen. Erst bei um die 12kz gab es in meinen Ohren einen Peak, der aber vermutlich bei gängigem Musikmaterial nicht besonders stark zum tragen kommt.
Üblicherweise versucht man ja durch einen möglichst tiefen Sitz im Ohrkanal diese Resonanzfrequenz möglichst weit nach oben zu verschieben.
So hat man nun das beste aus beiden Welten. Ein bequemer, unaufdringlicher Sitz und einen Resonanzarmen Hochton.
Dennoch bleibt der Hochton vom Pegel her deutlich angehoben, was das ganze Timbre ein Stück weit verfärbt.

Der Bass weiß durchaus auch zu gefallen. Er ist rund, weich und warm, wirkt aber eher langsamer und kickt dafür nur durchschnittlich hart. Diese Charakteristik ist meiner Meinung nach aber dem Tuning geschuldet. Da die warmen unteren Mitten zwar ein volles, einladendes Klangbild erzeugen, den Bass aber dadurch langsamer wirken lassen als er sein könnte. Diese Art der Bassbetonung ist nicht optimal für Klassik insbesondere wirkt ein Piano zu fett.

Der Rest der Mitten steht ein gutes stück zurück. Dadurch sind Stimmen nicht unbedingt sehr intim. Sie haben zwar durch den Hochton ein brillantes Glitzern aber ihnen fehlt es etwas an der Durchsetzungskraft und Direktheit. Gleiches gilt auch für Streicher. Diese klingen, obwohl sie zurückgesetzt sind, zwar super auflösend, es fehlt aber an Präsenz und Unmittelbarkeit. E-Gitarren fehlt es an Crunch.

Ich denke man kann herauslesen dass ich nicht so ganz von der Abstimmung überzeugt bin. Es fühlt sich für mich so an als ob Sennheiser unbedingt deutlich zeigen wollte zu was dieser kleine 7mm Treiber in der Lage ist. Es ist eine mitreißende, spektakuläre Darstellung auf kosten des Realismus, die aber je nach Genre und Hörlautstärke (für Leisehörer) gut funktionieren kann aber den IE300 nicht zum uneingeschränkten Allrounder für alle Genre macht.
Was der IE300 jedoch besser macht als alle IEM meiner Sammlung ist diese völlig mühelose, verzerrungsfreie und zusammenhängende Darstellung des Klangbildes. Dazu hat er für einen IEM eine beeindruckende räumliche Darstellung und äußerst präzises Imaging und man hat nie das Gefühl, von einem besseren Ohropax eine Wand aus Sound ins Ohr gedrückt zu bekommen. Das Klangbild und der Komfort haben eine Leichtigkeit, die einen schnell vergessen lässt, dass man nur ein IEM im Ohr trägt.
Ich bin von von seiner technischen Performance in Kombination mit dem Komfort mehr als begeistert, jedoch trifft seine Tonalität nicht ganz meinen Geschmack.

EQ
Das schöne ist, dass man die Tonalität jederzeit mit einem EQ dem eigenen Geschmack anpassen kann, so lange nicht schwerwiegende Mängel insbesondere im Hochton vorhanden sind.
Schon recht bald habe ich angefangen mit dem EQ rumzuspielen. Ein bisschen die untere mitten rauszunehmen. Minimal den Bass abzusenken. Etwas die oberen Mitten Boosten und mit einem HighShelf den Hochton etwas Pegel nehmen.

Eh voila, hab ich einen IEM der mich wirklich begeistern konnte und alle weiteren IEM in meiner Sammlung in vielen Punkten alt aussehen lässt. Er bietet mir die technische Finesse von BA-Modellen hat aber dabei die natürlichere Darstellung eines DD.

Das ganze hat schon mit einem 5-Band EQ auf meinem Android Smartphone sehr gut funktioniert.
EQ_screenshot

Noch besser ging das mit meinem RME ADI-2 DAC und seinem PEQ
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Für alle die es ausprobieren wollen hier mal die Settings.
LS: -2dB ,100hz, Q:0,5
Peak: -4dB, 200hz, Q:0,5
Peak: +4dB ,3000hz, Q:0,7
HS: -5dB, 5000hz, Q:0,6


Je nach Geschmack hab ich diese Settings mal mehr mal weniger stark reingedreht. Denn ganz wollte ich dem IE300 seinen Charakter auch nicht nehmen.

Hier noch ein Paar Musikbeispiele die mich besonders mit dem IE300 fasziniert haben.
Connect Ohm – 9980 (Hochton Performance)
Symbolico – I‘m Free (Dynamik)
Yosi Horikawa - Bubbles (Räumlichkeit, Details, Auflösung)
Bluetech – Stone, River Shadow (Auflösung)


Schlusswort
Erstmal ein großes Danke an XperiaV für die Organisation dieser Aktion. Sonst hätte ich den IE300 vermutlich nie gehört. Der IE300 ist ein beeindruckender IEM und er zeigt, dass man keine Hybrids, Tribrids, exotische Membranmaterialien oder möglichst viele Treiber und Wege braucht um technisch brillanten Klang zu erzeugen. Auch wenn er in Sachen Tonalität nicht ganz meinen Geschmack triff hat er mich mit EQ Einsatz derart überzeugt, dass ich ihn mir wohl über kurz oder lang zulegen werde. Aus der Erinnerung heraus ist er für mich tatsächlich ein besserer IE800, den ich immer gern wollte.


[Beitrag von frix am 01. Mrz 2021, 17:38 bearbeitet]
Pd-XIII
Inventar
#5 erstellt: 01. Mrz 2021, 19:59
Echt interessant, wie unterschiedlich die Eindrücke sein können. Allerdings kommst du auch von ziemlich anderem Equipment.
Die Sache mit dem internen Helmholtz Resonator hat mich aufhorchen lassen.
Darüber habe ich mich gar nicht schlau gemacht, also dass im IE300 einer zum Einsatz kommt. Das macht jetzt auch total Sinn. Mein Eindruck ist, dass die Räumliche Darstellung zunimmt, wenn man die Gehörgangresonanzen weg EQt.
frix
Inventar
#6 erstellt: 01. Mrz 2021, 20:32
Ja in sachen tonalität gehen unsere eindrücke auseinander. Aber in einigen punkten was komfort und technische performance betrifft sind wir uns doch einig. Nach einiger zeit mit dem IE300 klang der S8 im direkten wechsel
auf einmal falsch und zu plärrig. Es spielt eine große rolle was man gerade gewohnt ist und sogar wie die tagesform ist.
Pd-XIII
Inventar
#7 erstellt: 01. Mrz 2021, 21:03
Sehr richtig. In den ersten Minuten fand ich die Sibilanten nahezu unerträglich, konnte mich aber schnell bis zu einem gewissen Grad daran gewöhnen.
frix
Inventar
#8 erstellt: 02. Mrz 2021, 17:20
Bin auf jeden fall gespannt auf weitere eindrücke.
Der IE300 ist nun bei Sennheiser lieferbar...hmmm.
Mit Newsletterabo kommt man auf 270€.

Verdammt, ich brauch doch nicht noch mehr IEM
Allgemeiner68er
Inventar
#9 erstellt: 02. Mrz 2021, 19:02
@frix
Warun hast du eigentlich nicht bei der KSE1500 Rundreise mitgemacht?
frix
Inventar
#10 erstellt: 02. Mrz 2021, 19:06
Hab ein 7 wochen altes kind daheim. Da ist gerade wenig zeit nebenher. Ansonsten hätte ich gerne teilgenommen.
Allgemeiner68er
Inventar
#11 erstellt: 02. Mrz 2021, 19:29
Viel Spaß mit dem kleinen Racker
frix
Inventar
#12 erstellt: 04. Mrz 2021, 14:19
danke
bubbasworld66
Stammgast
#13 erstellt: 09. Mrz 2021, 09:45
Versucht mal Wavele Equalizer-App für über 2.000 Kopfhörer.
Der IE 300 ist da auch drin... Wie auch mein IE 500.
Schon verwunderlich wie "ähnlich" die sind 500 & 1000....
frix
Inventar
#14 erstellt: 10. Mrz 2021, 09:37
Anscheinend wird noch ein IE600 und IE900 kommen.


[Beitrag von frix am 10. Mrz 2021, 09:37 bearbeitet]
bubbasworld66
Stammgast
#15 erstellt: 10. Mrz 2021, 14:55
Der IE300 kostet mit corporate-benefits grade 189 € bei Sennheiser direkt.
Beim Preis Leistungsverhältnis zu berücksichtigen. :-)
frix
Inventar
#16 erstellt: 10. Mrz 2021, 15:51
und wie bekommt man corporate benefits?
bubbasworld66
Stammgast
#17 erstellt: 11. Mrz 2021, 09:43

frix (Beitrag #16) schrieb:
und wie bekommt man corporate benefits?


Über Arbeitgeber... Haben viele Firmen. Und falls dein Arbeitgeber nicht dabei ist gibts fast immer Bekannten der Zugang hat.
www.corporate-benefits.de
Twinguin
Ist häufiger hier
#18 erstellt: 11. Mrz 2021, 12:46
Ich versuch mich auch mal, obwohl ich das a) nicht so schön und analytisch wie meine Vorschreiber kann und b) gar nicht an der Rundreise teilgenommen habe, weil ...

... ich nach den ersten Tests vom IE300 schon so angefixt war, dass ich gleich im Februar bei Sennheiser die Vorbestellung gemacht habe. Und ihr Versprechen "Auslieferung im März" haben sie gehalten: am 1.3. kam die Versandinfo, am 2.3. stand der UPS Mann vor der Tür. Logisch, dass der Arbeitstag damit gelaufen war!

Beim ersten Anziehen etwas gefummelt, aber dann die ersten beiden Tracks (Virtual Insanity - Jamiroquai, Detroit - Marcus Miller; ALAC Files vom Sony Walkman) und wow! Ich war sofort hin-und-weg. Toller Bass, klar und genau, nie übertönend - eine für mich angenehme Erhöhung - gerade bei diesen beiden Stücken. Überhaupt finde ich, dass alle Frequenzen gut und klar wiedergegeben werden, und ich auch einzelne Instrumente gut raushören kann.

Die Passform ist 1a, der Seal ist sehr gut und schirmt Umgebungsgeräusche ganz gut ab.

Nach jetzt einer Woche an verschiedenen Zuspielern (iDevices mit Apple Dongle bzw Dragonfly Red, am Sony Walkman, an ein paar alten iPods) und verschiedenen Genres (80ies Pop, Jazz, Electronic, bisschen Rock) bin ich immer noch begeistert, wie beim ersten Hören.

Ein wenig stört die Mikrophonie des Kabel, zumal ich die Schlaufe dank Brille nicht ganz fest um das Ohr legen kann. Aber mit einem (geklauten) Clip geht es ganz gut. Und der MMCX Anschluss ist wohl doch was eigenes (tiefer verbaut), sodass man nicht einfach ein Ersatzkabel nehmen kann. Und weil der IE300 soooo klein ist und tief im Ohr sitzt, hat man keinen richtigen Pack-An, und ich muss am Kabel ziehen zum Abnehmen. Mal sehen, wie sich das über die Zeit bemerkbar macht.
Johnny_Rico
Stammgast
#19 erstellt: 11. Mrz 2021, 20:35

bubbasworld66 (Beitrag #15) schrieb:
Der IE300 kostet mit corporate-benefits grade 189 € bei Sennheiser direkt.
Beim Preis Leistungsverhältnis zu berücksichtigen. :-)


Wie fies! Jetzt hab ich wegen dir (und den Reviewern hier :-) ) ungeplant noch `nen Kopfhörer bestellt!
Pd-XIII
Inventar
#20 erstellt: 11. Mrz 2021, 22:04
Es gibt schlechtere Anlagemöglichkeiten
Johnny_Rico
Stammgast
#21 erstellt: 12. Mrz 2021, 08:19
Vermutlich... Habe vor einigen Tagen meine ersten "guten" IEMs gekauft (Blessing 2 Dusk), die auch klasse klingen, aber ich finde sie einfach unangenehm zu tragen und das trübt das Vergnügen doch sehr. Die Hoffnung ist, dass die Sennheiser ähnlich gut klingen, aber weniger unbequem zu tragen sind; Wenn sich das mit dem hier berichteten hohen Tragekomfort auch für mich bewahrheiten sollte, ließen sich die Anschaffungskosten durch den dann anstehenden Verkauf der Blessings wohl wieder zurückholen. So jedenfalls die Theorie...

Wenn man Zugangsberechtigt zu CB ist, lohnt es sich übrigens, öfters mal darüber bei Sennheiser reinzuschauen; Einen HD660S konnte ich vor einigen Wochen dort für 339€ kaufen, die 800S sind regelmäßig für 1249€ zu bekommen.
Pd-XIII
Inventar
#22 erstellt: 12. Mrz 2021, 08:43
Einen Vergleich zum Blessing kann ich nicht ziehen, der wird doch so als die Preisreferenz für Neutralität gehandelt(???). In dem Fall weicht die Abstimmung wahrscheinlich ziemlich ab, da Bass und Hochton schon merkbar angehoben sind (mEn aber noch nicht übertrieben).
Hinsichtlich Komfort fand ich den IE300 wirklich klasse.
frix
Inventar
#23 erstellt: 12. Mrz 2021, 09:10
ja denk der blessing2 dusk wird vermutlich schon sehr anders klingen. Hab ja selbst den moondrop s8 der dem blessing 2 dusk recht ähnlich sein soll.

Aber ist ja auch nicht verkehrt wenn man zwei ganz unterschiedliche abstimmungen dann hat. Zumal BA treiber für mich generell doch ziemlich anders als dynamsiche treiber klingen
Johnny_Rico
Stammgast
#24 erstellt: 13. Mrz 2021, 20:15
Die IE300 sind heute angekommen. Und ihr habt recht; Sie klingen wirklich deutlich anders. Insb. im Oberbass hätte es eine Schippe weniger sein dürfen für meinen Geschmack. Aber was mich vom ersten Moment an kolossal nervt, ist dieses schreckliche Kabel. Als Brillenträger hängt diese Verstärkung halb in der Luft oberhalb des Brillenbügels und jede Kopfbewegen führt zu hässlichen lauten Nebengeräuschen. Ich glaub, das ist 'nen Showstopper für mich... Die Kabel des Blessings sind zwar hässlich, stören aber nicht und erzeugen weit weniger Geräusche. Der Größenunterschied ist übrigens echt krass. (zugunsten der IE300)


[Beitrag von Johnny_Rico am 13. Mrz 2021, 20:16 bearbeitet]
frix
Inventar
#25 erstellt: 13. Mrz 2021, 20:51
Ja das kabel ist nicht so der hit. Ich hab sehr dünne brillenbügel, damit wars ganz ok und auch gut formbar ohne das es komisch in der luft hängt. Wenn meine da sind werd ich mal auch andere kabel testen.


[Beitrag von frix am 13. Mrz 2021, 20:54 bearbeitet]
Pd-XIII
Inventar
#26 erstellt: 14. Mrz 2021, 19:34
Ich fand die Drahteinlage in den Kabeln eigentlich sehr gut gelöst, da sie sehr gut anpassbar sind (bin ebenfalls Brillenträger).
Das mit der Abstimmung kann ich mir gut vorstellen. Von einem sehr neutral abgestimmten Hörer kommend klingt der IE300 wahrscheinlich recht penetrant. Das hatten wir ja oben schon: Ich fand den IE300 sehr ausgeglichen hab aber vorher doch relativ viel mit dem CCA CA10 gehört. Frix kommt da aus einem ganz anderen Umfeld, ebenso wie du.
frix
Inventar
#27 erstellt: 16. Mrz 2021, 19:43
so meine eigenen IE300 sind nun auch da. Mit CB war das angebot einfach zu verlockend.
Mal sehen wie sie mir über einen längeren Zeitraum gefallen.


[Beitrag von frix am 16. Mrz 2021, 19:43 bearbeitet]
kaideu
Ist häufiger hier
#28 erstellt: 22. Mrz 2021, 16:57
Mein Reviewbeitrag zur IE300 Rundreise:
Ausstattung und Qualitätseindruck:
Die Sennheiser IE300 kommen mit einem MMCX-Kabel und einem kleinen carrycase sowie Silikon- und memoryfoamtips. Kabel und Gehäuse machen auf den ersten Blick einen guten Eindruck und wirken wertig. Durch das geringe Gewicht und die sehr kleinen Gehäuse würde ich mich zunächst aber erst einmal fragen, wo die 300€ Kaufpreis geblieben sind, allerdings löst sich dieser subjektive Eindruck bei näherer Betrachtung wieder auf.

Kabel und Gehäuse:
Das Kabel ist leider nicht geflochten und relativ fest. Es endet in einen rechtwinkligen 3,5mm Klinke Stecker. Insgesamt macht es durchaus einen hochwertigen Eindruck, allerdings neigt es zu Mikrofonie und ist dazu recht steif. Darüber hinaus wird zur Verbindung zu den Gehäusen der MMCX Standard verwendet, der in der Anwendung keinen besonders stabilen Eindruck macht, ich hätte hier persönlich einen 2-Pin Stecker bevorzugt. Das Kabel wird wie üblich hinter dem Ohr geführt und besitzt im letzten Stück eine Ummantelung mit memory Effekt, die sehr dick und dadurch unbequem ist, es passt sich nie richtig der Ohrform an. Gerade als Brillenträger ein absolutes no-go. Alles in allem empfinde ich das Kabel als störend und würde es sobald wie möglich durch ein anderes ersetzen, dies würde 100% zusätzlich zum Kaufpreis dazu kommen.

Das Gehäuse macht weiterhin einen guten Eindruck, es ist sehr leicht, aus Kunststoff gefertigt und klein. Diese Eigenschaften sollten es auf lange Sicht haltbar machen, ich sehe nicht, dass das Gehäuse bei einem Herunterfallen der Kopfhörer irgendeinen Schaden nehmen sollte.
Passform und Isolation:

Die beigefügten eartips, sind jeweils in S-M-L vorhanden und konnten bei meinem Ohrkanal nur in der memoryfoam Version Größe L für eine gute Isolation sorgen, die Silikontips, auch in der Größe L, konnten keinen seal herstellen.
Mit entsprechendem seal ist die Isolation gut und im Vergleich zur Konkurrenz angemessen, aber auch nicht überdurchschnittlich.

Die IE300 sind sehr bequeme iem, die geringe Größe, das kleine Gewicht und die Auswahl an eartips sollten bei einem Großteil der Benutzer*innen ein angenehmes Tragen ermöglichen. Auch ein Tragen über mehrere Stunden am Stück war ohne Irritationen möglich.

Die Eigenschaften außerhalb des Klangs würde ich dementsprechend als gelungen bewerten, lediglich das Kabel stört, allerdings trifft dies auch auf einen Großteil der Konkurrenz zu.

Klangqualität:
Bevor ich mich zur Bewertung des Klangs äußere, möchte ich kurz auf meine persönlichen Vorlieben eingehen und beschreiben, was guter Klang für mich bedeutet.
Ich persönlich bevorzuge eine neutrale Wiedergabe der Mitten und eine leichte Betonung der Höhen sowie im Tiefbassbereich. Die weite der Bühne ist für mich nicht so sehr entscheidend, wie eine gute Ortungsfähigkeit der Instrumente und Musikelemente. Da ich eher analytisch höre, erwarte ich eine klare Detailpräsentation. Ich bin nicht sehr höhenempfindlich und S- und Zischlaute sind für mich ebenfalls kein größeres Problem, deshalb benötige ich keine zurückgenommenen Höhen.
Was erwarte ich von einem iem? Iems ersetzen für mich zum großen Teil Lautsprecher und jegliche anderen Kopfhörer, deshalb benötige ich eine gleichmäßige Leistung über alle Musikgenres und Anwendungen wie Filme und Spiele.

Mit diesem vorweg habe ich mich dazu entschieden für die Klangbeurteilung einige Musikbespiele zu verwenden, die die Eigenschaften der IE300 möglichst gut illustrieren. Zum Vergleich wurde außerdem mein Moondrop Blessing 2 und ein Fiio FH3 eines Freundes verwendet. Im Falle der Moondrop spiegelt dieser die gleiche Preisklasse wider und der Fiio kommt vom Tuning her dem IE300 nahe, kostet aber nur um die 100€. Angetrieben werden die iems durch meinen aune dac/amp, den ich für iems modifiziert habe, Zuspieler ist Spotify Premium. Den Blessing 2 betreibe ich mit einem 3dB low shelf- Filter bei 100Hz.

Songanalyse:
Agnes Obel – Riverside
Dieser Song bietet eine sehr gute Darstellung der Höhen im Präsenzbereich. Agnes Obels Stimme erhält hier sehr viele scharfe S-Laute. Die IE300 schaffen es diese Laute gut wiederzugeben, ohne zu stören. Das Piano hat einen angenehmen Anschlag und der Mix erscheint im Allgemeinen ausgewogen. Die Bühne ist angenehm breit und erstreckt sich leicht über den Kopf hinaus. Vornehmlich in der Breite, die Tiefe ist nicht sehr ausgeprägt.

Nur im Vergleich mit den Moondrop Blessing 2 fällt die Bassbetonung auf, das Piano wird bei den Sennheisern weiter in den Vordergrund gestellt. Darüber hinaus werden bei den Blessing 2 auch P-Laute und andere Mundlaute erhörbar, die IE300 präsentieren diese Details weniger klar.

Tool – Pneuma
Widmen wir uns im Weiteren Schlagzeug und E-Gitarre. Bei diesem Song hören wir vor allem auf die Darstellung des Basses und den Mitteltonbereich. Die Stimme von John Maynard ist in den Gesangspassagen außerdem sehr gut in den übrigen Mix eingebettet und konkurriert nicht mit den Instrumenten. So sollte es zumindest klingen.

Die IE300 bieten eine hörbare Betonung im Bassbereich, die basedrum wird voluminös wiedergeben. Dem Klang der basedrum fehlt dabei allerdings etwas Definition, statt eines klar definierten Anschlags mit decay erklingt ein voluminöser aber dumpfer Sound. Die fills treten deutlich hervor, lassen aber Dynamik vermissen, den IE300 scheint es an Mikrodynamik zu fehlen, die Qualität des Basses tritt hinter dem Volumen zurück.
Die Wiedergabe der E-Gitarre ist leider eine der Schwächen der IE300. Sie schaffen es nicht genügend Präsenz zu erzeugen und die Riffs wirken leblos. Gerade im oberen Frequenzbereich der Gitarre scheint der IE300 eine Absenkung zu haben. Dies wirkt sich außerdem auf die Wiedergabe männlicher Stimmen aus. John Maynards Vocals treten im Mix zurück, während sie eigentlich auf gleicher Ebene mit den Instrumenten liegen sollte.

Hört man den Song ab 2:45 fällt dies im Besonderen auf. Die Vocals sind zurückgenommen und klingen belegt, nicht klar. Die basedrum dominiert den Mix. Das fill ab 3:12 wirkt zunächst mächtig, allerdings lassen sich die verschiedenen Klangfarben der unterschiedlichen Toms nicht erhören. Ab 3:18 setzen die E-Gitarren verstärkt ein, der IE300 unterschlägt aber den rhytmischen Charakter des Riffs.

Der Fiio FH3 schafft eine ähnlich präsente Basswiedergabe, während ei E-Gitrarre aber viel präsenter und mitreißender ist, auch die Stimmwiedergabe stimmt hier eher. Auch hierbei ist der Blessing 2 wieder meine Referenz, hier stimmt dann wieder subjektiv alles.

Bach – Cello Suite Nummer 1
Ich habe dieses Stück gewählt, weil das Cello sehr gut den Übergang des Bassbereichs in den Mitteltonbereich wiedergibt. Die Bassanhebung des IE300 scheint auch in die unteren Mitten überzugehen, deshalb sticht hierbei nichts so sehr heraus, insgesamt wirkt das Cello deshalb warm. Die Details werden hierbei, da ja nur ein Instrument spielt, gut hörbar, die offen gespielte G-Saite vibriert vernehmbar. Ich bin hier mit der Leistung des IE300 zufrieden.

Art School Girlfriend – Moon
Nun etwas Pop-Musik. Gemessen an der bisherigen Erfahrung mit dem Sennheiser vermute ich hier seine Stärke. Auffallend ist hier wieder direkt die Darstellung der Stimme. Die Sängerin singt wie hinter einem Schleier, der Mix besitzt schon eine hauchige Stimmdarstellung, dies wird vom IE300 aber noch verstärkt. Die Sängerin erscheint auf der Bühne sehr nah zum Hörenden. Der Bass wird wieder stark betont, was sich hier auch sehr gut anhört. Der Tiefbassbereich ist eher hör- als spürbar, aber von einem 7mm DD kann man denke ich auch nicht mehr erwarten. Es fällt auf, dass der Hochton ebenfalls betont ist und die Effekte treten stark aus dem Mix hervor. Ich kann mir an der Stelle sehr gut vorstellen, dass dies für manche bereits zu viel ist und gerade Pop Musik mit den Effekten im Hochtonbereich störend wirken könnte. Für mich persönlich ist Pop Musik aber das Parade Genre des IE300.

Der Blessing 2 scheint hier wieder eine bessere Bassqualität, wenn auch nicht Quantität zu bieten. Interessanterweise schafft der Blessing 2 allerdings eine bessere Widergabe des Tieftonbereichs, er scheint tiefer zu gehen und mit seinem 10mm DD auch mehr rumble zu bieten.

Max Cooper – Resynthesis 3D
Hierbei handelt es sich um ein binaurales Album, also perfekt um die Bühnendarstellung zu ergründen. Hier zeigt sich sehr gut, dass der IE300 für einen iem eine wirklich starke Bühne abbildet. Die Breite ist sehr gut und hier kann man auch eine Tiefenstaffelung wahrnehmen, die in den bisherigen Songs nicht so deutlich erschien. Allerdings ist die Tiefendarstellung eher hinter den Ohren und erstreckt sich nicht sehr tief in den Raum hinein. Die sich im Raum bewegenden Klänge sind gut nachvollziehbar und es fällt kein Loch in der Bühne auf.

Der Blessing 2 bietet eine kleinere Bühne und einen im Vergleich zurückgenommenen Bass, die Ortung ist ebenfalls sehr gut. Der Fiio FH3 spielt hier auch sehr gut auf.

Allgemeine Beobachtungen zum Klang:
Wie wahrscheinlich nicht schwer zu erkennen ist, der IE300 trifft in seinem Tuning nicht meinen Geschmack. Der Bass passt für manche Genres super, aber als Allrounder zeigt der unausgeglichene Frequenzgang seine Schwächen.

Leider hat mich die technische Leistung auch nicht vollends überzeugt. Während die Bühne hier positiv heraussticht, kann der IE300 in Sachen Mikrodynamik nicht auftrumpfen. Dies wirkt sich auf die Darstellung von Details aus. Gitarrenslides und anzupfen sind vorhanden, diese Details werden aber eher zurückhaltend präsentiert. Der IE300 wirkt insgesamt eher zurückgenommen und nicht sehr schnell.

In der Stimmdarstellung gibt es Unterschiede in der Darstellung von weiblichen und männlichen Stimmen. Den weiblichen Stimmen fehlt etwas im Bereich 2-4kHz und männlichen Stimmen im Bereich 800-1100Hz, insgesamt sind vocals eher im Hintergrund.

Filme und Spiele:
Hier kann der IE300 punkten, die gute räumliche Darstellung ist hierbei von Vorteil und Filme bieten eine gute Stimmwidergabe und allgemein kräftige Sounds.

Fazit:
Der IE300 ist vom Tuning sicherlich nicht mein Geschmack, aber ich verstehe durchaus die Intention Sennheisers bei ihrer Wahl. Ich würde den IE300 ein massentaugliches Tuning zuschreiben, wenn er auf Menschen ohne Hochtonempfindlichkeit trifft. Für Pop-Musik und elektronische Musik kann man hier einen starken Hörer kaufen, dessen Tuning genau darauf ausgelegt ist.

Ich persönlich höre allerdings wesentlich mehr Genres und brauche deshalb unbedingt eine gleichwertige Leistung über alle Genres hinweg und da geht der Sennheiser leider nicht mehr mit. Deshalb habe ich auch beispielweise nicht mehr Klassik in die Songanalyse genommen, ich wollte dem IE300 die beste Chance geben.

Überrascht hat mich im Vergleich zum IE300 der Fiio FH3, der wesentlich weniger kostet und ein ähnlich spaßiges Tuning bietet, ohne bei den Gitarren und Stimmen zu schwächeln. Technisch spielt dieser aber nicht auf dem gleichen Niveau. Beim Probehören und im Vergleich bin ich immer wieder beim Moondrop Blessing 2 hängen geblieben und habe mich damit erwischt, wie ich einen Song immer weiter gehört habe. Dies ist mir beim Sennheiser leiden nicht so häufig passiert. Ich glaube, dass hierfür der unausgeglichene Frequenzgang verantwortlich ist, dieser hat mich nicht in die Musik eintauchen lassen, es gab fast immer Elemente, die unangenehm herausgestochen sind.

Nichtsdestotrotz finde ich es durchaus respektabel, dass ein 7mm DD Treiber das bietet, was er hier abliefert. Wenn man mit dem Tuning zufrieden ist, macht man sicher nichts falsch, zumal die restlichen Qualitäten überzeugend sind.

Zum Schluss ein großes Dank an XperiaV für die Möglichkeit des Tests, es hat viel Spaß gemacht dem IE300 auf den Grund zu gehen und ihn zu vergleichen. Ich hoffe meine Erfahrungen sind hilfreich.


[Beitrag von kaideu am 22. Mrz 2021, 20:08 bearbeitet]
Johnny_Rico
Stammgast
#29 erstellt: 22. Mrz 2021, 19:42
Tolles, ausführliches Review, kaideu!

Es deckt sich weitgehend mit meinen eigenen Eindrücken. Tonal kann man ihn aber gut per EQ gut einfangen... (Höhen & Bass runter, Präsenzbereich hoch) Bin gespannt, ob es - vielleicht von Drittherstellern? - mal ein besseres Kabel geben wird.
RunWithOne
Inventar
#30 erstellt: 27. Mrz 2021, 12:02
Mein kurzes und knackiges Fazit zum IE300. Vorab nochmals vielen Dank an Jens für die Organisation der Rundreise.

Verpackung/Lieferumfang (5/5)
Es gibt nichts auszusetzen. Es ist alles dabei was das Herz begehrt. Insbesondere das Hardcase wäre mir als Käufer wichtig. Den 6,3mm Adapter vermisse ich ebenfalls nicht. Davon habe ich ausreichend umherliegen.

Tragekomfort (4/5)
Der IE300 ist überraschend klein und verschwindet komplett im Gehörgang. Leider drückt er nach einiger Zeit und das Kabel, so schön es sich auch anfühlt, leidet unter Mikrofonie. Es lässt sich gut über die Ohren führen. Damit sitzt der IE300 sicher. Bei Kopfbewegungen kann er sich jedoch leider wieder lockern. Die MMCX Anschlüsse sind begrüßenswert, für den Fall eines Defekts. Ansonsten halte ich nichts von Upgradekabeln. Für den aufgerufenen Preis muss das Kabel in Ordnung sein. Das ist ja keine Raketenwissenschaft. Ausreichend Eartipps sind dabei. Ich hatte anfangs das Gefühl, das auch die größten mitgelieferten Tipps nicht komplett dichten und habe verschiedene Produkte, u.a Spinfit, probiert. Letztlich gab es jedoch keine signifikanten Verbesserung gegenüber den Originalen.

Klang (3/5)
Ich bin mir bewusst, dass dieses Thema sehr subjektiv ist. Ich bin nicht der große Detailvergleicher. Ob das Glöckchen im Song X bei y min und z sec nun weiter vorn oder hinten im Raum steht, kommt für mich an unter geordneter Stelle. Selbstverständlich mag auch ich eine gute nicht übertriebene Bühne und eine klare Anordnung der Instrumenten im Raum. Der wichtigste Punkt ist jedoch die Tonalität es Hörers. Klingt die Präsentation angenehm oder gibt es nervige Überbetonungen? Bei den Rundreisen lasse ich den EQ so lange wie möglich aus und höre einerseits meine Lieblingssongs, andererseits quer durch die Speicherkarte. Leider trifft der IE300 nicht komplett meinen Geschmack. Er ist mir in den unteren Höhen zu vorlaut und verdirbt mir damit oft den Musikgenuss. Überhaupt könnte die Darbietung dort etwas mehr Volumen haben und runder klingen. Ich drehe dann immer wieder leiser, obwohl ich kein Lauthörer bin. Der Bass hat mir gut gefallen, trocken und bisweilen knarzig. Das macht Spaß. Auch wenn er ordentlich angehoben ist, klingt er sauber. An den Mitten habe ich wenig auszusetzen. Vielleicht könnten sie ein wenig mehr Attacke mitbringen. Die Spinfit Eartipps haben die für mich nervige Höhenpräsentation etwas abgemildert. Gut produzierte Musik klingt dann auch hervorragend, aber das macht sie eigentlich auf allen Kopfhörern.
Die Auflösung und Instrumententrennung ist sehr gut, leider zu Lasten der bereits erwähnten Höhenpeaks. Die Räumlichkeit empfinde ich der Preisklasse angemessen. Wen die Musik in dieser Hinsicht gut abgemischt ist, dann macht sie mit dem IE300 Spaß.

Fazit
Auch wenn der IE300 nicht einen Geschmack trifft, ist er ein sehr guter In Ear, der für meinen Geschmack zu viel Höhenenergie mitbringt. Ein EQ kann das gut ausgleichen. Vergleichsweise ähnlich, aber angenehmer angestimmt empfand ich meine preiswerteren Focal Sphear. Der Sphear bringt zwar auch ordentlich Höhenenergie mit, die Peaks sitzen aber auf anderen Frequenzen. Damit spielt er für mich angenehmer, aber vergleichsweise weniger frisch und etwas dunkler. Wer es weniger analytisch, dafür mitreißender haben möchte dem empfehle ich Final Audio E2000-E5000. Sie vermitteln einen dickeren Basse und angenehmere Höhen. Auch die Mitten sind für stimmig.
Einen guter Mittelweg sind die IMR Modelle, die über Tuning (Düsen und Filter) leicht angepasst werden können. Aber auch der etwas preiswertere CMT320 ist eine echte Alternative. Er liegt näher am IE300, ohne die starken Höhenpeaks mitzubringen.
Johnny_Rico
Stammgast
#31 erstellt: 29. Apr 2021, 19:19
Hätte jemand evtl. einen Tipp für alternative Ohreinsätze, die man in DE einfach beziehen kann (Amazon o.ä.)? Ich bin total erschlagen vom Angebot und weiß nicht, welche man mal auf gut Glück probieren könnte. Danke schön.
Gokhan
Stammgast
#32 erstellt: 16. Aug 2021, 08:15
Ich wollte die Sennheiser ie300 auch am TV testen und so habe ich einer der dutzenden Bluetooth Kabeln genommen und ca. 1mm Kunststoff am MMCX Stecker abgeschnitten, damit die ie300 passen.
Filme am TV klingen phantastisch. Explosionen usw. lassen den Schädel rütteln :-).

rIMG_2822 IMG_2821


[Beitrag von Gokhan am 16. Aug 2021, 08:17 bearbeitet]
Johnny_Rico
Stammgast
#33 erstellt: 18. Aug 2021, 19:44
Tobias von Audioverse will mir Stecker zur Probe schicken, die an den IE300/900 passen sollen. Wenn das klappt, gibts bald vielleicht endlich gute Kabel für den Hörer im Aftermarket.
Johnny_Rico
Stammgast
#34 erstellt: 24. Okt 2021, 08:38
To whom it might concern: Tobias von Audioverse.de hat mir Custom Kabel für den IE300 gemacht. Tatsächlich sogar ein paar Prototypen mit verschiedenen Materialien.

Rausgekommen ist ein für mich mich perfektes Upgrade-Kabel zum Horror-Originalkabel:

Meine Wünsche waren:
- Earhooks
- Slider
- Durchmesser gering und möglichst leicht
- gerader Anschluss

Das Ergebnis seht ihr in der Mitte des Bildes.

Das Kabel trägt sich zusammen mit den dem federleichten IE300 absolut unauffällig und liegt sicher hinterm Ohr an. Auch in Bewegung erzeugt es kaum Kabelgeräusche (beim gehen etwa oder bei Kopfdrehungen).

Ich hatte als Brillenträger mit dem Originalkabel große Probleme mit Kabelmikrofonie und der dicke Bügel hat mich sehr hinterm Ohr gestört. Das Kabel ist vielleicht nichts für die Jungs, die am liebsten daumendicke Kabel haben wollen und es fällt auch nicht ganz so geschmeidig wie das bisher von ihm verwendete Standard-Material (links im Bild am U12T zu sehen) aber ich finde es bei IEMs viel wichtiger, dass ein Kabel gut ums Ohr geführt wird und leicht ist.

Die Stecker sitzen leider relativ locker und lassen einen kleinen Spalt zum Gehäuse des Hörers. Aber bisher macht das in der Praxis keine Probleme. Ich erwähne es allerdings, da der Originalstecker fester sitzt.

Ich kann Tobias und seine Arbeit nur allerwärmstens empfehlen. Alle Kabel (Ich besitze das Kabel für den U12T und hatte 3 oder 4 Prototypen hier) waren excellent gebaut (alles wird von ihm per Hand geflochten) und der Kontakt ist wirklich super nett. Für mich ist der IE300 erst jetzt richtig nutzbar geworden und miit einem bisschen EQ im Qudelix und den Spinfit Tips ein Keeper geworden. Ist schon ein ganz anderes Feeling, als so einen Klotz, wie den U12T im Ohr zu tragen.

DSCF6137_3000px


[Beitrag von Johnny_Rico am 24. Okt 2021, 08:45 bearbeitet]
Gokhan
Stammgast
#35 erstellt: 24. Okt 2021, 13:14
welche Spinfits Größe hast Du genommen ? Wie viel kostet das Kabel ?
Johnny_Rico
Stammgast
#36 erstellt: 24. Okt 2021, 14:00
Hi, das sollten CP100 sein.

Den Preis weiss ich noch gar nicht. Das ist sozusagen der Prototyp gewesen. Aber als Anhaltspunkt: Das silberne am U12T hat mit dem Viablue-Stecker um die 100€ gekostet. Da die Kabel handgemacht sind, macht wohl auch die Länge (=Arbeitszeit) viel aus, was den Preispunkt angeht und natürlich die Materialkosten. Die kenne ich hier nicht.
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