Schallplatten als Zuspieler im Rundfunk

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gyps_ruepelli
Stammgast
#1 erstellt: 17. Apr 2026, 23:20
Hallo in die Runde,

Ich habe mal eine Frage an die Plattenexperten. Ich bin ein CD-Kind. Und als ich mit 15 ein Praktikum bei einem lokalen Radiosender gemacht habe, kam die Musik dort von CDs (man schrieb das Jahr des Herrn 1997). Nun deutete ja der Name mancher Rundfunksendungen darauf hin, dass dort Schallplatten gespielt wurden (zumindest bevor die CD das Regiment übernahm) - solche Titel wie »Spielereien mit Schallplatten«.

Jetzt die Frage: Wurde wirklich von Platten eingespielt? Das Auffinden einzelner Titel ist auf Platten ja möglich aber ziemlich aufwändig und das Risiko, die Rille nicht richtig zu treffen recht hoch. War das im Stress einer Radiosendung überhaupt möglich? Ich stelle mir vor, dass kurze Tonbänder mit einzelnen Musikstücken leichter zu handhaben gewesen wären. Und vom bulgarischen Rundfunk habe ich auch die Information, dass Musik dort von Tonbändern eingespielt wurde.
kempi
Inventar
#2 erstellt: 18. Apr 2026, 08:16
Auch hallo,

Natürlich wurden bei den Rundfunksendern Schallplatten vor den CDs benutzt, es gab ja nichts anderes. Der wichtigste Hersteller war wohl EMT Studiotechnik

Zu dieser Zeit gab es keinen Dudelfunk bei dem KI die Titel aus einer Datenbank zusammenstellte, sondern Musiksendungen wurden moderiert.

Da jeder Moderator zwei Plattenspieler hatte, war genug Zeit die Platte auf dem einen Plattenspieler zu wechseln und die Nadel in die Rille zu setzen während auf dem anderen Plattenspieler noch ein Titel lief. Der Moderator konnte mit dem Kopfhörer hören, wann er den entsprechenden Regler aufziehen musste damit der Titel rechtzeitig startete.

Bei Hitparaden wurden fast immer Singles abgespielt und die Pest war, wenn der Moderator noch in die erten Töne hinein quasselte.



[Beitrag von kempi am 18. Apr 2026, 08:17 bearbeitet]
gyps_ruepelli
Stammgast
#3 erstellt: 18. Apr 2026, 08:49

kempi (Beitrag #2) schrieb:

Bei Hitparaden wurden fast immer Singles abgespielt und die Pest war, wenn der Moderator noch in die erten Töne hinein quasselte.


Das kann ich mir vorstellen, das muss das Ganze ja erheblich erleichtert haben. War es damals schon üblich, dass der Moderator die Sendung selbst "fuhr"? Aus meinem Praktikum beim Privatradio kannte ich das so, aber ich wusste, dass bei der öffentlich-rechtlichen Konkurrenz damals noch ein Techniker im Studio saß und der Moderator nur fürs Reden zuständig war.
guklplatzwart
Ist häufiger hier
#4 erstellt: 18. Apr 2026, 09:03
Hallo zusammen.

Mit eigenen Ohren konnte ich 1980/81 hören, wie Mal Sondock beim WDR in der Hitparade des Montagsabends einmal mitten im Titel den Regler zum Ausblenden runterschob.

Grund : Die Platte hatte einen Sprung.

Bis zu dem Zeitpunkt habe ich gedacht, die hantieren in den Rundfunkhäusern mit Kopien von Masterbändern. War für mich persönlich ein lehrreicher Moment.

Grüße
jogixx
Ist häufiger hier
#5 erstellt: 20. Apr 2026, 08:53
Bei mir haben sich zwei Schallplattenmomente ins Gehirn gepflanzt.

1976 lief Elton John und Kiki Dee mit "Don't go breaking my heart", beim Refrain sprang die Platte einmal. So landete das auf Kassette und nun warte ich jedesmal auf den Sprung, wenn ich den Song höre.

1981 präsentierte der Moderator das erste Album von Ideal, er war sich unsicher, ob dies englisch oder deutsch ausgesprochen wird. Er startete das erste Stück "Berlin" und musste kurz darauf neu starten, da er die Langspielplatte auf 33 U/min abspielte, dieses Album ist aber mit 45 U/min geschnitten.

Lg Joachim


[Beitrag von jogixx am 20. Apr 2026, 08:54 bearbeitet]
rowi
Stammgast
#6 erstellt: 20. Apr 2026, 18:21

guklplatzwart (Beitrag #4) schrieb:
Bis zu dem Zeitpunkt habe ich gedacht, die hantieren in den Rundfunkhäusern mit Kopien von Masterbändern. War für mich persönlich ein lehrreicher Moment.

Vor ein paar Jahren wurden auf WDR 4 ein paar Mitschnitte der "Diskothek im WDR" wiederholt, da gab es keinerlei Zweifel, dass Mal damals Platten aufgelegt hat, so abgeduddelt wie das teilweise klang, waren das wohl dieselben Singles die er bei den Auftritten als DJ in echten Diskotheken verwendet hat.
Wenn man alte Fotos von der WDR-Show im Netz anschaut, sieht man, dass in der Regel mit echten Schallplatten in der Sendung hantiert wurde.
dacander100
Stammgast
#7 erstellt: 08. Mai 2026, 00:45
Das werden wie nie genau erfahren was die Rundfunkanstalten (heute) machen. Noch vor der CD wurde im Dualsystem (der Name ist Programm ) mit Schallplatten und Band gleichermaßen gearbeitet. Band war damals sogar noch besser (38 cm/s)), und oftmals auch mit Kopien von Masterbändern.

Nach Einführung der CD kam dann noch der CDP dazu. Die grundlegendste Umstellung kam dann mit Einführung der Digitaltechnik, bzw. dem MP2 Format, das bis vor einigen Jahren noch verwendet wurde. Mit dem wurde/wird (neben MP3) auch der terrestrische UKW-Rundfunk gespeist. Heute ist es AAC.

Der Moderator klickt heute, genau so wie wir, nur noch einen Datensatz im Studio an, und das wars. Wenn es heißt, heute spielen wir Schallplatten, ist das nur Makulatur. Vielleicht kann der ein oder andere Moderator einen Vinylplayer mit ins Studio bringen, sofern erlaubt. Ob er ihn auch anschließen kann?

Zusätzlich zum schon komprimierten AAC Signal wird dann noch ein Audio Processor nachgeschaltet, der das Signal nochmals in Dynamik und Klang negativ verändert. Mit dem Original, sprich Vinyl, hat das dann nichts mehr zu tun.
kempi
Inventar
#8 erstellt: 09. Mai 2026, 08:57


In der analogen Zeit haben die Rundfunksender gekaufte Musik von Schallplatten abgespielt. Später wurde auf CD gewechselt, heute liegen die Titel in digital in Datenbanken. Womöglich nutzen Popsender heute auch professionelle Dienste der Musikkonzerne, die wie Spotify o.ä. funktionieren?

Viele Sender haben damals aber auch Musik (insbesondere klassische Konzerte) aufgezeichnet oder selbst produziert – noch heute gibt es „Radiosymphonieorchester“. Die Konzerte wurden auf Magnetbändern aufgezeichnet und später im Tonstudio bearbeitet und Masterbänder gefertigt, die ins Archiv gelegt wurden. Für spätere Sendungen wurden die Masterbänder kopiert, sie konnten im Sendestudio ja auch mal beschädigt werden.
Mit Aufkommen der PCM-Technik haben Rundfunkanstalten diese schnell genutzt und die Musik digital auf Videobändern aufgezeichnet. Allerdings mussten die Aufnahmen dann wieder weiter analog über den vorhandenen analogen Prozess (Mischpulte, Tonbänder etc.) verarbeitet werden.
Parallel zur Einführung der CD für gekaufte Musik, wurden die DAT-Recorder für Konzertaufnahmen eingeführt und DAT-Cassetten wurden auch für die Sendung verwendet.
Heute werden Konzerte auf SSD-Recorder aufgenommen und nach der digitalen Bearbeitung der Aufnahmen als Dateien in Datenbanken abgelegt.
Sollte mal ein Konzert oder ein Konzertausschnitt aus der analogen Zeit gesendet werden, so wird das entsprechende Master aus dem Archiv genommen und digitalisiert und dem Moderator oder Musikredakteur in der zentralen Datenbank zur Verfügung gestellt.

Für die Archivierung und die Produktionsmaster wird eine besondere Art der WAV-Datei, das BWF (Broadcast Wave Format) verwendet, Das ist eine Erweiterung des WAV-Formats, das speziell für den Rundfunk entwickelt wurde und zusätzliche Metadaten enthält, weil Rundfunkanstalten u.a. Herkunft, Bearbeitungsschritte und Synchronisation dokumentieren müssen. Beide sind unkomprimierte PCM-Audioformate, die auch auf normalen WAV-Playern abgespielt werden können.
Für die Sendung, Weitergabe oder Kopien werden MP2, MP3 oder AAC mit kleinerer Dateigröße verwendet, wenn nicht die höchste Archivqualität nötig ist, z.B. für den Austausch mit anderen Rundfunkanstalten (dann wird BWF verwendet).
Rundfunkanstalten verwenden MP2, weil es kleiner, und damit weniger Rechenaufwand hat, und weil es fehlerrobuster ist, was bei digitalem Rundfunk (z.B. Satellit oder DAB) Übertragungsfehler besser kompensiert und damit stabile Qualität gewährleistet,



[Beitrag von kempi am 09. Mai 2026, 09:07 bearbeitet]
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