Infos zu Onkyo-Tapedecks allgemein und TA-2640

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Hifi74
Ist häufiger hier
#1 erstellt: 16. Mai 2018, 15:25
Hallo,

ich habe mal eine Frage zu Onkyo-Tapedecks im allgemeinen und zu dem Modell, das ich besitze.

Ich habe schon vor ewigen Zeiten aus dem Nachlass eines nahen Verwandten ein Onkyo TA-2640-Tapedeck geerbt. Gebaut wurde es wohl etwa 1990. Nachdem das Deck über 15 Jahre unbenutzt im Keller stand, habe ich es neulich wieder in Betrieb genommen und ein paar meiner alten Audio-Kassetten damit ausprobiert. Viele meiner Kassetten die ich heute noch habe wurden sogar vor 25 Jahren mit genau diesem Gerät aufgenommen. Das Gerät sprang anstandslos an, und ich war echt überrascht, wie gut sich meine Maxell- und TDK-Kassetten (alle Chrome oder Metal) von damals darauf anhören.

Jedenfalls, ich habe versucht, online ein paar aussagekräftige Infos zu diesem Tapedeck-Modell zu finden, aber außer ein paar allgemeinen technischen Daten kam dabei nicht viel raus.

Was kann man denn eurer Meinung nach zu diesem Gerät sagen? In was für einer "Qualitäts-Liga" spielte Onkyo damals mit diesen Decks? Anscheinend kostete es 1990 immerhin 650 DM.

Und habt ihr irgendwelche Pflege-Tipps für mich? Wie gesagt läuft es anstandslos und klingt super, auch keine Gleichlaufschwankungen oder so, scheint also die 15 Jahre im Keller problemlos überstanden zu haben. Auch rein optisch ist es nahezu "mint condition".


- Hifi74
8bitRisc
Stammgast
#2 erstellt: 16. Mai 2018, 23:40
Das TA-2640 hatte die damals übliche Ausstattung für ein Tapedeck der Mittelklasse. D.h. das Laufwerk bot Single Capstan + Zweikopftechnik. Der Bias Regler auf der Frontplatte erlaubte das Einstellen des Vormagnetisierungsstroms.

Die Autoreverse-Funktion des Laufwerks verdeutlicht, dass der Schwerpunkt des Gerätes beim Bedienungskomfort liegt. Solche Laufwerke gelten bei HIFI-Freaks als eher fraglich, da die Wendekopftechnik bzgl. Azimuthfehler problematisch ist.
Die Autoreverse Funktion ist etwas untypisch; man fand sie eher bei Doppel-Tapedecks.

Für 650DM bekam man damals von der Ausstattung her vergleichbare Geräte ohne Autoreverse. Diese waren dann der oberen Mittelklasse zuzuordnen, weil das Gerät mehr in Richtung Tonqualität optimiert wurde.

Bessere Tapedecks mit Dreikopftechnik und evtl. Doppelcapstan gab es 1990 erst ab ca. 800-1000DM zu kaufen. Gute Recorder waren Mitte der 80er noch teurer.

Wenn dir der Recorder gut gefällt, solltest du ihn einfach weiter nutzen.

Falls Gleichlaufschwankungen hörbar werden, benötigt das Gerät einen neuen Antriebsriemen und evtl. neue Andruckrollen. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß Tapedecks in diesem Alter immer einen neuen Riemen benötigen.
Ansonsten sollten die Tonköpfe gereinigt und entmagnetisiert werden.

Es sollte überprüft werden ob die Tonqualität in beiden Laufrichtungen gleich gut ist. Das gilt in erster Linie für die Höhenwiedergabe. Ich würde die evtl. altersschwache Autoreverse Funktion nicht nutzen und das Gerät nur in einer Laufrichtung betreiben.

Wenn die Aufnahmequalität gefragt ist, solltest du mal einige Probeaufnahmen wagen. Ist Aufnahme in beiden Laufrichtungen möglich solltest du das bei den Tests berücksichtigen.

Preisklassenbezogen lagen Onkyo-Tapedecks qualitativ in etwa auf einer Stufe mit den Geräten anderer wichtiger Hersteller (z.B. Akai, Denon, Sony und Technics) aus der Zeit um 1990.

Solltest du auf die Idee kommen, das Gerät zu verkaufen kannst du mit einen Verkaufspreis von max. 30€ rechnen. Mehr ist das Gerät derzeit auf dem Markt wohl nicht wert.


[Beitrag von 8bitRisc am 17. Mai 2018, 02:49 bearbeitet]
Hifi74
Ist häufiger hier
#3 erstellt: 17. Mai 2018, 11:45
Nein, verkaufen möchte ich es nicht, es hat für mich einen ideellen Wert, der mir wichtiger ist als die Frage, ob das Gerät High End, Mittelklasse oder was auch immer ist. Wenn ich kein Tapedeck hätte, würde ich mir vermutlich auch keines mehr kaufen, ist ja im Grunde obsolete Technik...

Für mein Hifi-Setup reicht es auch völlig aus (Onkyo TX-DS474 Verstärker mit Arcus TS 45-Lautsprechern).

Ich hab allerdings mal genau in mein Tapedeck reingeschaut, und ich glaube man kann sagen, dass es dringend eine Grundreinigung benötigt:



Denke mal, 98% Isopropanol und Q-Tips sind da angesagt, oder? Und wie entmagnetisiert man einen Tonkopf?

Hab bei youtube ein paar Videos gesehen wo Leute auch die beweglichen Teile neu geschmiert haben. Was für ein Schmiermittel ist denn zu empfehlen, wenn man das machen möchte?

Und weiß jemand die Abmessungen des Riemens von diesem Tapedeck? Wenn ich es schon mal offen habe, sollte man den vielleicht doch unbesehen mal tauschen...

Das Tapedeck dürfte aber gemessen an seinem Alter eher wenige Betriebsstunden auf dem Buckel haben. Wie gesagt 1990 angeschafft, 2001 hab ich es geerbt und so gut wie nie genutzt, danach dann halt 15 Jahre im Keller bis ich es neulich wieder hervorgeholt habe.


[Beitrag von Hifi74 am 17. Mai 2018, 11:49 bearbeitet]
el_espiritu
Ist häufiger hier
#4 erstellt: 17. Mai 2018, 14:17
Die Gummiteile (Riemen und Antriebsrollen) werden aber nur durch Nichtbenutzung und Lagerung im Keller nicht besser. Sind halt einem Alterungsprozess ausgesetzt.
Hifi74
Ist häufiger hier
#5 erstellt: 17. Mai 2018, 15:08
Also sagen wir mal, alles in allem, wenn ich das Tapedeck komplett fachgerecht restaurieren wollte, so wie es im Moment aussieht, siehe das Bild was ich oben gepostet hab...

Welche Arbeiten sollte ich an dem Gerät durchführen, welche Reinigungs- und Schmiermittel sollte ich verwenden, und wo bekomme ich am besten Ersatzteile her?
8bitRisc
Stammgast
#6 erstellt: 17. Mai 2018, 22:59
So wie es unter dem Tonkopfschlitten aussieht, solltest du das Gehäuse öffnen und dann das Gerät von innen betrachten.
Ich würde das Laufwerk ausbauen und dann erst mal darunter sauber machen.
Dann solltest du die Riemen erneuern und die Andruckrollen überprüfen.
Sind die Rollen ausgehärtet, müssen sie getauscht werden. Das erfordert evtl. den Besuch einer Werkstatt, falls die Andruckrollenarme ausgebaut und dann beim Einbau neu justiert werden müssen. Das wird allerdings zu teuer. Es handelt sich halt nur um einen Mittelklasserecorder.

Desweiteren sind die Capstanwellen zu reinigen.
Wenn die Casptanwellen bei Betrieb keine auffälligen Geräusche erzeugen, würde ich hier nichts machen und das Gerät wieder zusammenbauen.


[Beitrag von 8bitRisc am 17. Mai 2018, 23:08 bearbeitet]
Hifi74
Ist häufiger hier
#7 erstellt: 18. Mai 2018, 12:26
Ich habe inzwischen festgestellt, dass die Tonqualität deutlich schlechter ist, wenn eine Cassette in Reverse-Richtung läuft. Im normalen "Vorwärts-Modus" ist die Qualität aber echt ziemlich gut.

Woran kann das liegen?

Außerdem hören sich Cassetten merklich besser an ohne eingeschaltetes Dolby B, obwohl sie genau mit diesem Tapedeck in Dolby B (vor langer Zeit) aufgenommen wurden.

Und dann noch eine Frage - was haltet ihr von diesem Fett hier um die Mechanik neu zu schmieren?

https://www.nigrin.com/produkte/74145/NIGRIN-Mehrzweckfett

Davon hab ich nämlich zuhause noch eine große Tube, dann bräuchte ich nix neues kaufen...


[Beitrag von Hifi74 am 18. Mai 2018, 13:53 bearbeitet]
8bitRisc
Stammgast
#8 erstellt: 18. Mai 2018, 22:23
Wenn man Dolby B abschaltet wird die Hochtonwiedergabe besser.
Das kann man machen, auch wenn das sicherlich nicht optimal ist.

Es ist aber halt so, daß die Aufnahmen im Laufe von Jahrzehnten schlechter werden. Das liegt dann auch nicht am Recorder.

Wie wurden die Cassetten damals aufgenommen ?
Wurden die Cassetten auch in Reverse-Richtung aufgenommen oder bietet das Gerät diese Möglichkeit nicht ?

Beispiel:
Neue Cassette liegt mit der A-Seite nach vorne im Laufwerksschacht. Die A-Seite wird somit in Normalrichtung aufgenommen. Am Ende der Aufnahme wird auf Reverse umgeschaltet und die B-Seite bespielt.

Bei späterer Wiedergabe liegt die Cassette mit der B-Seite nach vorne im Laufwerksschacht und es wird in Normalrichtung abgespielt. Am Ende der Wiedergabe schaltet das Gerät um und spielt die A-Seite ab.
Das bedeutet schlechtere Tonwiedergabe.

Es ist also nicht egal wie rum die Cassette im Laufwerksschacht liegt.

Wurden die Cassetten immer nur in Normalrichtung bespielt, sollte Autoreverse nicht genutzt werden. Am Bandende sollte man die Cassette so wie bei einem normalen Recorder wenden.

Das mit der unterschiedlichen Tonqualität in beiden Laufrichtungen ist halt ein Schwachpunkt von Autoreverse Geräten. So mancher Recorder hatte das Problem schon damals im Neuzustand.

Man sollte die Bänder in der Richtung abspielen in welcher sie aufgenommen wurden.

Bzgl. Schmierung des Laufwerks solltest du es nicht übertreiben bzw. es so lassen wie es ist. Wenn nichts klemmt oder quietscht ist alles gut.


[Beitrag von 8bitRisc am 18. Mai 2018, 22:44 bearbeitet]
Hifi74
Ist häufiger hier
#9 erstellt: 19. Mai 2018, 01:38
So, nachdem mich bei dem Tapedeck schon die ganze Zeit eine kalte Lötstelle genervt hat die oft zum Ausfall des linken Kanals während der Wiedergabe führte (hab die Lötpunkte der Cinch-Ausgänge nachgezogen und jetzt ist wieder alles in Butter), hab ich das heute abend zum Anlass genommen um mal das Laufwerk auszubauen und gründlich zu reinigen.

Man kann es vielleicht auf dem Bild aus meinem obigen Posting nicht genau sehen, aber Löschkopf und Wiedergabekopf waren pottdreckig, dort war jede Menge fest sitzender Bandabrieb drauf.

Hatte hier heute abend leider nur Feuerzeugbenzin, aber geholfen hat's auf jeden Fall...

Hier ein Bild vom Ensemble Capstan, Andruckrolle und Köpfe nach der Reinigung:



Obwohl ich ziemlich ordentlich mit Q-Tips und Benzin an der Rolle gerubbelt habe, bekam ich die Einlaufspuren nicht weg. Sieht für mich ein bisschen aus, als wären die Andruckrollen an den Stellen verhärtet (?).

Hier nochmal eine Nahaufnahme der Köpfe, rechts am Rand ist auch die andere Rolle zu sehen, die deutlich besser aussieht:



Der Riemen sah jetzt aus meiner Sicht nicht so schlimm aus:



Aber vielleicht sehen eure "geschulten Augen" da mehr.

Die Schmierung sah auch noch in Ordnung aus, damals beim Zusammenbauen haben sie diese milchige weiße Schmierung verwendet (keine Ahnung wie die heißt). Hab ein bisschen was davon zwischen meinen Fingerspitzen zerrieben, und machte auf mich nicht den Eindruck, dass das Zeug ausgehärtet war.



Habs dann so gelassen und nicht extra nochmal neu geschmiert.

Der Klang ist noch um einiges besser jetzt als vorher. Auch die Tonqualität in Reverse-Richtung ist nun erträglich, auch wenn sie in Vorwärtsrichtung immer noch deutlich besser ist. Auch mit aktiviertem Dolby B hört es sich jetzt vernünftig an. Ich tendiere trotzdem dazu es ausgeschaltet zu lassen... bei Zimmerlautstärke auf meiner Anlage hört man das Rauschen eh nicht so doll.

Ich kann mich natürlich nicht mehr genau erinnern, in welche Richtung ich die Cassetten vor 25 Jahren aufgenommen hab, aber hab hier gerade eine Mix-Cassette am laufen ("Party Mix 1992" steht drauf, mann das waren noch Zeiten... ), ne Maxell XL-II S 90 von 1992, alles von CD aufgenommen, und da hört sich die Seite B selbst wenn ich sie vorwärts abspiele etwas mies an. Schätze mal, dass ich bei dieser Cassette damals die B-Seite in Reverse-Richtung aufgenommen hab... Dieses Tapedeck scheint wirklich auch in Reverse-Richtung aufnehmen zu können.

Ob ich Riemen und Andruckrollen demnächst mal ersetzen werde, mal schauen... erstmal läuft das Gerät jetzt und nach der Reinigung ist die Klangqualität jetzt nochmal um Längen besser. Wenn das Tapedeck anfängt zu leiern oder Bandsalat zu produzieren, kann ich ja immer nochmal Ersatzteile bestellen...

Ich find's erstmal schön, ein Familien-Erbstück wiederbelebt zu haben, das für mich ganz einfach einen großen ideellen Wert hat... ob nun Mittelklasse-Tapedeck oder nicht (und besser werden meine Ohren ja in Zukunft auch nicht mehr werden... )

Hab zwischen meinen alten Cassetten übrigens noch ne unbenutzte TDK-SA 90 gefunden, Produktionszeitram schätzungsweise Mitte bis Ende der 90er Jahre. Vielleicht werde ich damit mal eine Test-Aufnahme machen von CD um zu sehen wie gut die Aufnahmen mit diesem Deck noch werden können. Obwohl sich etwas in mir sträubt, eine völlig unbenutzte "Vintage"-Chrome-Cassette für sowas zu opfern...
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