Yamaha RX 797 Reparatur

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gst
Stammgast
#1 erstellt: 13. Okt 2019, 14:51
@ mod:Falls der Beitrag hier nicht hingehört, bitte passend verschieben

Ich hatte über die Bucht einen RX797 defekt ersteigert, (geht nicht an).
Dachte zuerst, der klassische Yamaha Netzteil-Fehler, aber er ging ganz kurz an und dann gleich wieder aus. Der Anbieter hatte zu viele Bewertungen, der hätte das bei einem Netzteil-Fehler vielleicht wissen können. In jedem Fall baute ich die Netzteil-Platine aus und überprüfte die üblichen Bösewichter.
Der eine C hatte nur 17nF statt 22nF, aber das konnte eigentlich das Fehlerbild nicht bewirkt haben. Wie dem auch sein, neue Löcher in die Platine gebohrt, WIMA mit 600V~ eingebaut und dann getestet - keine Änderung, kurz schaltete er an und dann gleich wieder aus.
Ich habe die Yamaha-Start-Schaltung abgeklemmt und mit einem Regeltrenntrafo gleich an den Netztrafo ran. Beim vorschtigen Hochdrehen passierte erst gar nichts (das alten Dreheisen-Spannungsmeßgerät zeigte noch gar nichts an), und Strom war schon bei 1A! Na gut, Netztrafo mit Schluss? Stecker vom Trafo zur Hauptplatine angezogen und dann getestet - alles gut, konnte ohne Probleme bis 230 V hochfahren, der Trafo isses nicht.
Der Gleichrichter sah nicht böse aus. Also regelbares Doppelnetzteil an den Gleichrichter an, Strombegrenzung auf 1A und dann hochgeregelt. schon bei + - 2V Railspannung war ich beim Stromverbauch bei 1A. Naja, bei 4 Watt Eingangsleistung wird man so schnell nichts kaputtmachen. Die Endstufen haben keine eigene Schmelzsicherung in der Zufuhr, keinen Chance zum Auftrennen, erstmal sortieren. Die Ausgangsspannung direkt bei dem Emitterwiderständen der Endstufentransistoren (noch vor Ausgangsrelais etc) überprüft, und siehe da, der rechte Zweig hatte 50mV gegenüber Masse und der linke -1,2 V, der ist jetzt der defekte. Glücklicherweise hat das Gerät noch einen abschraubbaren Boden. Abgeschraubt, aber bei doch beengten Verhältnissen bei vier Endstufentransistoren mit Mühe die Anschlussdrähte ablöten oder gar die Hauptplatine ausbauen - nee, erstmal keine Lust. Es musste eigentlich der negative Zeig der linken Endstufe sein, der den Pegel so runterzog. Nachmessen bei den zuständigen Endstufentransistoren über BE ergab jeweils 0,55 V. Welcher Treiber war denn zuständig? der pnp A-Treiber hatte praktischen gleichen Pegel auf C und E, und da passte seine Basisspannung nicht dazu. Mit dem Absauger kam ich kaum an die Anschlüsse des Treibers heran, also mit Entlötlitze und ordentlich Hitze daran. Dann konnte der A-Teiber rausgedrückt werden. Test Railspannungen langsam hochgefahren - Strom praktisch 0. A-Treiber überprüft - Schluß zwischen C und E. Heute Bestellung mit großen R raus - hoffentlich war es der einzige defekte. Dienstag kommt die Lieferung voraussichtlich an, da werde ich den neuen A-Treiber einlöten und den Test noch mal wiederholen.
Letzten Endes hat der Prozessor im Receiver ganz richtig gehandelt - zuviel Strom, dann abschalten. Die Fehlersuche erleichtern tut das nicht.
Da die Endstufe häufig bei Yamaha verbaut ist, vielleicht hilft es jemand anderem.
gst
Poetry2me
Inventar
#2 erstellt: 13. Okt 2019, 19:40
Hallo gst,

interessanter Bericht.

Erst sieht es nach dem üblichen Standby-Serienfehler der Yamaha Receiver aus, und dann ist es ein handfester Endstufenschaden, der die Schutzschaltung anspringen lässt.

Könntest Du noch benennen, welcher Transistor genau es war, den Du defekt gefunden hast? Mit A-Treiber meintest Du wahrscheinlich einen PNP-Treiber, richtig?

Hier der Schaltplan der linken Endstufe im RX-797, mit farblich markierten Schaltungsstufen:

Yamaha RX-797 schematic detail left power amp stages marked

- Johannes
gst
Stammgast
#3 erstellt: 14. Okt 2019, 17:55
Hallo Poetry,
Das war der (2S) A1358, PNP 10W 1A 120V Uceo. Warum der gestorben ist will mir nicht ganz in den Kopf. Jedoch hatte der Vorvor-Besitzer offenbar an dem Spannungsumschalter öfter hin- und hergeschaltet, die Fläche um den Schiebschalter war ganz zerkratzt. Die Anleitung besagt, das sollte man nur bei abgeschaltetem Gerät machen, vielleicht war das Gerät an. Normalerweise erreicht die Railspannung nicht 120V, sondern nur 110V, so dass alles im grünen Bereich sein sollte. Aber das ist nur ein Vermutung.
Im Familienkreis habe ich 4 oder 5 RX 797 laufen, ein Endstufenschaden hatte ich bisher noch nicht.
In meinem Übermut dachte ich, nur der eine Transistor wäre es gewesen, aber das werde ich erleben.
Sonst ist das Schaltbild ja überschaubar, nur der R153 als gemeinsamer Emitter-Widerstand der Vortreiber sieht mir komisch aus - könnte es nicht Situationen geben, wo die Ube der oberen Endstufentransistoren in den negativen Bereich gelangt? Wie dem auch sei, scheints eine ausgereifte und mehr als ein Jahrzehnt benutzte Endstifenschaltung von Yamaha.
gst
Poetry2me
Inventar
#4 erstellt: 14. Okt 2019, 21:09
Alles klar, also meintest Du den Transistor Q119A (linker Kanal) oder Q120A (rechter Kanal), in Stufe 4.

Au weia
Da hast Du recht: Umschalten (81VAC vs. 66VAC) der sekundären Trafowicklungen während des Betriebes, das ist der Killer
Trafowicklungen sind riesige Induktivitäten und wenn man eine solche Spule mitten in der Sinuswelle unterbricht, dann bleibt der Magnetfluss noch da und es entstehen riesige Spannungsspitzen, die dann mitten in der Schaltung wirken. Nicht gut.
Außerdem ist es keine gute Idee, in einem 230V Netz den Trafo auf 120V umzuschalten. Der Vorbesitzer hat ganze Arbeit geleistet.
Ich drücke mal die Daumen, dass es nur der eine Transistor war.

Einen gemeinsamen Emitterwiderstand, so wie R153, zwischen den Treibern, das findet man doch häufiger. Es wird aus irgendeinem Grund auch bevorzugt, will heißen wird bei hochwertigeren Schaltungen gerne so gemacht. Ist also mMn in Ordnung.

Stabile Verstärker sind ein Wert an sich. Nachhaltigkeit ist einer der Vorteile davon.
Am Yamaha RX-797 gefällt mir das Platinen-Layout im "Knochen-Format". Die stromintensiven Leistungtransistoren sind hierbei etwas entfernt von den sensiblen Eingangsstufen platziert. Das vermeidet die häufig unterschätzten Verzerrungen durch induktive Einkoppelung.
Die ersten drei Stufen sind mit mehr technischem Aufwand ausgeführt (Eingangsdifferenzverstärker mit Stromquelle und Stromspiegel, etc.), als bei vielen anderen Yamaha Amps. Das dürfte sich klanglich bemerkbar machen.

- Johannes


[Beitrag von Poetry2me am 14. Okt 2019, 21:10 bearbeitet]
gst
Stammgast
#5 erstellt: 16. Okt 2019, 18:26
ja, ich meinte den Q119A. aber mein böser Verdacht bestätigte sich, einer der Endstufen Transistoren C4467 hatte auch eine Macke. (nicht völlig defekt)
bei Erhöhung der Endstufenspannung von 2 auf 4 Volt entpuppte er sich als Spielverderber.
Ich habe den probehalber gegen einen D718 ausgetauscht, aber da war eine akzeptable Symmetrie nicht erzielbar. Vermutlich haben doch noch andere Transistoren des Endstufenkomplexes einen Schaden weg. Die häufige Empfehlung, doch alle Transitoren zu wechseln, wird sich wohl aufdrängen.
Ich schaue noch wo, ich am preiswertesten C449 und A1694 bekomme. Reichelt hat nur die Onchange-Typen, wo ich mich nur ärgere, wenn ich die doch wieder auslöten muss. 5€ pro Endtransitor wollte ich auch nicht ausgeben.
Jetzt stelle ich ihn beiseite und schaue, was das Wochenende mir für schlaue Ideen beschert.
gst
Poetry2me
Inventar
#6 erstellt: 16. Okt 2019, 19:26
Du solltest unbedingt den Widerstand R153 zwischen den Treibertransistoren prüfen.
Das wäre der Klassiker, dass dieser ebenfalls durchgebrannt ist. Wenn ja, dann killt man beim nächsten Einschalten wieder die neuen Leistungstransistoren.

Ansonsten auch die Emitterwiderstände der Leistungstransistoren prüfen.

- Johannes
CarlM.
Inventar
#7 erstellt: 16. Okt 2019, 19:47

gst (Beitrag #5) schrieb:
5€ pro Endtransitor wollte ich auch nicht ausgeben.


Bei Digikey original Sanken:

2SC4467 2,26 EUR
2SA1694 2,54 EUR

Beide sind am Lager.

https://www.digikey....7/2SC4467-ND/3929397
https://www.digikey....4/2SA1694-ND/3929404
gst
Stammgast
#8 erstellt: 19. Okt 2019, 11:32
R 153 habe ich noch überprüft, mit 217 Ohm ist der völlig ok.
Ich hab' dann mal die Endtransitoren bei digi-key bestellt, wollen mal sehen, was und wann ankommt.
Try und Error nach der Reparatur mit sofort voller Betriebsspannung (wenn auch über Lampe) ist nicht so mein Ding, ich fahr das lieber langsam hoch und schaue, was passiert.
Unangenehmerweise braucht der Logikteil bei vielen Geräten schon normale Betriebbsapnnung, so dass ich leider manchmal schon Versorgungsleitungen temporär unterbreche. Wenn das nicht Hobby wäre, dürfte man manche Reparatur gar nicht vornehmen...
gst
gst
Stammgast
#9 erstellt: 20. Okt 2019, 14:54
nächster Zwischenstand:
Endtransistoren alle ausgelötet und jeweils eine BE-Strecke durch eine Diode ersetzt, so dass nur die Treiber der Endstufe aktiv sind. Dann Spannung langsam hochgefahren, bei insgesamt 20V Railspannung schon 50 mA Strom und 500 mV Mittenspannung - wo kommt das denn her?
An der Basis von Q 119C (2C3421 npn) habe ich aktisch UB plus, an der Basis von Q119A (2SA1358) -1,2V fast wie vorgeschrieben. Am Ruhestrom-Transistor Q117 liegen als schon 11V statt 2,2V an. Ich habe den Q117 mal ausgewechselt, aber so ein Ruhestrom-Transitor muss doch überhaupt nichts aushalten - warum soll der defekt sein? Könnte natürlich durch den vorher defekten SA 1358 sein, dann hat am Emitter UB- gelegen und am Kollektor lag alles UB+, und dann hat arme Transistor alles genommen, was Q111 an Strom zugelassen hat.
Jetzt habe ich zumindest keinen hohen Ruhestrom, aber immer nach starke Unsymmetrie. Also auch 2SA1145 und 2SC2705 tauschen, aber woher nehmen? Sind 120V Typen, hfe min 80 , Ptot 800mW und äußerst geringe Ausgangs-Kapazität in Höhe von 1,8-2,5 pF. Digikey hat sie nicht, Reichelt auch nicht. Zwar hat Reichelt den pnp-Typ eines anderen passenden Pärchens (2SA1370) aber nicht npn Typ 2SC3467.
Da werde ich mich erstmal geschlagen geben.
gst
Poetry2me
Inventar
#10 erstellt: 20. Okt 2019, 17:45
Da wird wahrscheinlich Q111 auf der Collector-Emitter-Strecke durchgebrannt sein.

Wir hatten ja analysiert, wie der Schaden entstanden ist:
Durch unzulässige Betätigung der Trafo-Umschaltung und somit massive Überspannung auf der Rail.

Das ist nicht der "normale" Endstufenschaden. Dieser würde (vereinfacht gesagt) durch zu hohen Strom am Ausgang entstehen. Nein, hier kann alles Mögliche mitten in der Schaltung durchgebrannt sein.

- Johannes


[Beitrag von Poetry2me am 20. Okt 2019, 17:46 bearbeitet]
gst
Stammgast
#11 erstellt: 21. Okt 2019, 17:35
Ja, Q111 war auch platt.

Für alle, die ähnliche Probleme in der Transistrorbestellung wie ich haben:
bei http://www.donberg.ie/
wurde ich fündig. Mindesbestellwert 20€ netto, rund 32€ brutto incl.Versand. Zumindest 4 von meinen
gesuchten Typen hatten die da. Wollen mal sehen, wie lange die aus Ireland bis hierher brauchen.
gst
gst
Stammgast
#12 erstellt: 02. Nov 2019, 18:53
von dönberg sind die Transistoren da,
digi-key rührt sich nicht - traurig, aber wahr.
gst
gst
Stammgast
#13 erstellt: 05. Nov 2019, 20:52
gestern kamen dann die Endtransistoren von digikey.
Alle Transistoren, für die ich Ersatz hatte, ausgelötet, nur für den den Treiber 2c2705 hatte ich nichts bekommen. Von den Endtransistoren hatte ich natürlich nur ungepaarte bekommen, die PNP-Typen mit hfe-Gruppe P und die anderen nur Gruppe O, aber da muss man mit leben. Alle eingelötet, von den Endtransistoren lieber nur ein Paar, man weiß ja nie. Mit Doppelnetzteil Betriebsspannung an die Endverstärker angelegt und von 0 langsam auf 1,8 V (jeweils plus und minus) gesteigert, da gabs ziemlich plötzlich ein Strom von 0,6A auf beiden Railspannungen, dass ich das Ding wieder in die Ecke stellte und versuchte, mich nicht zu stark zu ärgern. Mittelspannung natürlich nicht bei 0, sondern knapp bei -Ub.

Heute habe ich mir die Sache noch mal angesehen und bei sämtlichen Transistoren die BE-Spannung überprüft und bei einem Treiber der Endtransitoren sah die Spannung dorch recht merkwürdig aus, wo kamnen bei einem npn-Typ die negativen Spannungen her? Der Fehler saß wie immer vor der Tastatur, Treiber natürlich verwechselt. Nach Austausch (die Platine sieht grausam aus) konnte ich die Spannung bis auf plus-minus 20 V erhöhen, kein nennenswerter Strom und Mittenspannung bei 20 mV. Daraufhin habe ich die anderen Endtransistoren angelötet, Trafo wieder angeschlossen und in meinem noch nicht verrauchten Zorn nicht den Trenntrafo benutzt, sondern gleich ohne Glühlmape ans Netz. Meine Unvorsicht wurde nicht bestraft, die Überlastsicherung sprach nicht an, Lautsprecher Relais klackten. Dann habe ich Lautsprecher angeschlossen, Eingang auf DVD geschaltet und den Lautstärkeregeler langsam bis auf die Endstellung hochgedreht. Kein Rauschen, kein Brummen zu hören. Na gut, mal mit dem Schraubenzieher in den linken DVD-Eingang reingegangen - hätte ich nicht tun sollen, der Lautsprecher quittierte das mit einem sehr heftigen 50Hz-Dröhnen.
Na gut, erstmal getröstet, morgen teste ich eventuell, ob man (ich?) die ungepaarten Endtransitoren hören kann.
Ohne langsames Hochfahren der Betriebsspannung im Test hätte ich sicher noch diverse Endtransistoren gegrillt...
gst
Poetry2me
Inventar
#14 erstellt: 05. Nov 2019, 23:29
Das sind doch gute Nachrichten

Ich drücke die Daumen.
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